Akademie der Kunst und Philosophie
Akademie der Wissenschaften | Académie des sciences
 

 

Nr. 585 

St. Ambrosius - S. Ambrogio 

Poet, Composer and Philosopher 


On wrong Philosophy / Science and how to improve

„Die Weisen der Welt besitzen zwar die Augen des Geistes, aber sehen nicht. Sie schauen nichts vom Lichte, sondern wandeln im Finstern. Sie wähnen die Höhen des Himmels zu erspähen, während sie dem nächtlichen Blendwerke der Dämonen nachhängen . . . Dem Glauben abgekehrt umgibt sie die Finsternis ewiger Blindheit. Da der Tag Christi und das Licht der Kirche vor ihren Augen leuchtet, sehen sie gleichwohl nichts, öffnen aber doch den Mund, als wüssten sie alles. Scharfsinnig im Nichtigen, doch abgestumpft für das Ewige, verraten sie mit den Umschweifen ihrer langen Deduktionen nur die Blindheit ihrer Unwissenheit und sehen, während sie in spitzfindigen Untersuchungen den Flug nach oben richten wollen, gleich Nachtvögeln nichts inmitten des Lichtes." - St. Ambrosius

„Naboth wollte das Erbe seiner Väter nicht herausgeben, und ich sollte das Erbe Christi übergeben?“ - St. Ambrosius zu den Arianern

 

Taufe des Augustinus durch Bischof Ambrosius, Fresko von Benozzo Gozzoli, ca. 1465

 

 
 
 
 
 

 

Aus dem Inhalt:

Für den Lebensgang des hl. Ambrosius, des nach Augustins Zeugnis (Conf. V 13) „best- und weltbekannten Bischofs von Mailand“ (374—397), des ersten der vier großen abendländischen Kirchenlehrer, liefern die eigenen Briefe und Schriften das geschichtlich wertvollste Quellenmaterial. Als zweite Hauptquelle reiht sich das auf Augustins Anregung verfasste „Leben des heiligen Ambrosius“ aus der Feder seines Sekretärs Paulinus an. Ambrosius ward darnach um das Jahr 333 (oder 340) wahrscheinlich zu Trier geboren, wo sein gleichnamiger Vater das Amt eines Praefectus praetorio für Gallien bekleidete: der Sprößling eines vornehmen römischen Geschlechtes, das auf verdiente Staatsmänner, der Sohn eines christlichen Hauses, das auf mehrere Märtyrer zurückblicken konnte. Wahrheit und Dichtung deuten schon an der Wiege auf das Kind der Vorsehung. Ein Bienenschwarm sollen sich auf des schlafenden Knaben Gesicht niedergelassen haben. Seine höhere Ausbildung genoß der heranwachsende Jüngling in Rom, wohin die Mutter nach des Vaters frühem Tod mit den Kindern übergesiedelt war. Gleich dem Bruder widmete er sich der staatsmännischen Laufbahn, die ihn bei seinen ungewöhnlichen Fähigkeiten rasch von Erfolg zu Erfolg, von Stufe zu Stufe führte und um 370 zur Konsularwürde emportrug. Um 374 wurde ihm als Konsular von Aemilia und Liguria Mailand als Residenz angewiesen, dem seine politische und kulturelle Bedeutung längst die Hegemonie unter den norditalischen Städten und den Ehrennamen eines zweiten Rom, eines zweiten Athen eingetragen hatte. Hier sollte der Ahnungslose die Konsularwürde mit der Bischofswürde vertauschen. [1]

Der Arianer Auxentius, welcher der überwiegend katholisch gesinnten Kirche Mailands vom Kaiserhofe 355 als Bischof aufgedrängt ward, starb 374, kurz nach der Ankunft des Ambrosius. Ein heftiger Streit entbrannte eben anläßlich der Bischofswahl zwischen den Katholiken und den Arianern. Der neue Konsular eilte herbei, seines Amtes zu walten zur Beschwichtigung der erregten Gemüter, zur Verhütung der drohenden Exzesse. „Da erscholl plötzlich aus dem Volke eine Kinderstimme: ‚Ambrosius Bischof! Und die Augen des ganzen Volkes wendeten sich in der Richtung nach der Stimme Schall, und einmütig rief es: ,Ambrosius Bischof!“ Noch war derselbe Katechumene, in der heiligen Wissenschaft Laie. Vergebens sträubte er sich gegen die Wahl, vergebens schützte er Sündhaftigkeit vor, vergebens suchte er durch wiederholte Flucht sich derselben zu entziehen. Des Volkes Stimme war Gottes Stimme. Und „als er den Willen Gottes betreffs seiner und das Vergebliche seines Widersträubens erkannte, verlangte er die Taufe, doch nur aus der Hand eines katholischen Bischofs; denn er mied den Unglauben der Arianer. Nach der Taufe nun erfüllte er, wie versichert wird, sämtliche kirchliche Weihe-Vorschriften und empfing am achten Tage die Bischofsweihe zur höchsten Befriedigung und Freude aller“. Schon vorher hatte Kaiser Valentinian I. „mit größter Freude es aufgenommen, dass man einen von ihm bestellten Richter für das Priesteramt begehre“ [2]

Mit Ambrosius bestieg ein Kirchenfürst den Bischofsstuhl, in welchem die Tugend des alten Römers mit dem Geiste Christi zu vollendeter Einheit sich verband. Für sich begnügte er sich mit einer Lebensweise, die ihm fortan mit kargen Händen kaum das zum Leben Notwendige bot. Die herzlosen Lebemänner, welche, der Armen vergessend, mit den Stammbäumen ihrer Hunde und Pferde prahlten (De Nabuth. 13), rief er ebenso eindringlich zu christlicher Pflicht und Sitte, wie die Proletarier, die, ohne Tunika, ohne Geld zur Bestreitung des kommenden Tagesbedarfes, zur Begleichung ihrer Schuldigkeit an den Wirt, vor den Türen der Tabernen herumlungerten und an einem Tage den Arbeitsverdienst vieler Tage verzechten (De Elia 12). Den Armen aber träufelte sein Wort und Beispiel Trost und Mut in das zagende Herz, in des Lebens Not. Gerade die Armenpflege nahm einen großen Teil seiner Hirtensorge und Zeit in Anspruch. Ein Vater der Hilfsbedürftigen überhaupt hielt er sich jedem verbunden, der seines Dienstes begehrte. Seine Türe stand des Tages jedem offen, dem Vornehmen wie dem Niedrigen, die unangemeldet eintreten konnten (Aug., Conf. VI 3). Und oftmals erübrigten dem tagsüber von „Haufen Leuten“ in Anspruch Genommenen nur die Stunden der Nacht zu Gebet und Studien. [3]

Indes das Herzstück seiner seelsorglichen Tätigkeit war und blieb die Verkündigung des Gotteswortes. Sie trug seinen Ruf als Kanzelredner über Land und Meer. Eines ganz ungewöhnlichen Andranges, eines ganz ungewöhnlichen Erfolges erfreute sich denn auch sein Predigtwort. Vom Sturm der Begeisterung ergriffen, den es weckte, eilten nicht bloß von Placentia und Bologna, sondern selbst noch vom fernen Mauretanien Jungfrauen herbei, um in Mailand in christliche Klöster einzutreten. Einen Augustinus zog es an, der, wie er selbst bekennt (Conf. V 13), „voll Spannung an des Predigers Worten hing . . . und an der Süßigkeit seines Vortrags sich ergötzte“, ja „seinem Mund allererst“ die Bekehrung verdankte (Ep. 147). [4]

Wo immer weit über Mailand und Italien hinaus große Gefahren und schwere Kämpfe wie Wetterleuchten durch die Kirche zucken, taucht seine überragende Persönlichkeit auf, Wort und Tat wie Wehr und Wall ihr leihend. Er ist der gewaltigste Vorkämpfer wider die letzten krampfhaften Reaktionen des Heidentums, ihrer Selbständigkeit gegenüber der Staatsgewalt, ihrer Rechtgläubigkeit und Einheit wider Häresie und Schisma. Im Jahre 382 hatte Kaiser Gratian (375—383) sicherlich nicht ohne Einwirkung seines väterlichen Beraters Ambrosius die Staatsbeiträge für den heidnischen Kult zurückgenommen, dessen Tempelgüter und Privilegien eingezogen, das letzte Wahrzeichen des herrschenden Götterwahnes in Rom, die von Augustus im Sitzungssaale des Senats errichtete Bildsäule der Siegesgöttin beseitigen lassen. Die heidnische Mehrheitspartei der Kurie mit dem edlen Stadtpräfekten Symmachus als Wortführer an der Spitze machte sich auf den Weg zum Kaiser, um ihn zur Zurücknahme seiner Verordnungen zu bewegen. Eher als die Deputation erreichte der flammende Protest, den die christliche Senatsminorität dagegen erhob, das Ohr des Kaisers. Unter dem Eindruck desselben war es Ambrosius leicht, letzteren zu standhaftem Beharren bei seinen Entschließungen zu bestimmen. Ohne einer Audienz gewürdigt zu werden, musste die Abordnung unverrichteter Sache nach Rom zurückkehren. Als unter Gratians Stiefbruder und Nachfolger Valentinian II. (383-392) der heidnische Senat den gleichen Versuch erneute, scheiterte derselbe wiederum an der Umsicht und Tatkraft des Bischofs, dessen persönlichen Opfern und diplomatischen Erfolgen der dreizehnjährige Kaiser unmittelbar zuvor den Thron zu verdanken hatte. Auf die Denkschrift des Symmachus (relatio Symmachi) an die Kaiser des Ost- und Westreiches antwortete er mit einer eingehenden Kritik und Widerlegung und sicherte von neuem den Triumph der Kirche über das sinkende Heidentum. Noch ein drittes Mal (388/89) bemühte sich der Senat, bei Theodosius d. Gr. jenen Lieblingswunsch durchzusetzen. Der Augenblick schien günstig, da dem Kaiser nach dem Siege über Maxentius daran gelegen sein musste, seine Herrschaft im Westen mit Gnadenerweisen einzuführen und den Römern sich entgegenkommend zu zeigen. Auch diesmal siegte der Einfluß des Bischofs, der dem schwankenden Fürsten seine Meinung „unbedenklich ins Gesicht sagte“ und die Pflicht einschärfte, die ihm als Christen oblag (Ep. 57). Diese Pflicht als Christen zu agieren, fehlt den heutigen Politikern und auch einigen Kirchenvertretern, die das Heidentum in Form des Islams, durch islamischen Religionsunterricht, das Ersetzen der Byzantinistik durch Islamwissenschaften an Universitäten, in Europa wieder etablieren wollen. [5]

Ambrosius war der väterliche Freund und Berater der Kaiser in wichtigen Angelegenheiten überhaupt und in Zeiten der Gefahr die festeste Stütze ihres Thrones. Der jugendliche Gratian und Valentinian II. waren ihm wie Söhne ergeben, und das Freundschaftsband, das ihn mit Theodosius (379-395) verknüpfte, schlang sich trotz vorübergehenden Lockerungen immer enger. Mit dem Verlangen nach Ambrosius im Herzen, mit dem Namen des Ambrosius auf den Lippen war Gratian 383, erst 24 Jahre alt, zu Lyon als Opfer treulosen Verrates unter Meuchlerhänden verblutet. Seine eigenen Legionen hatten bereits den ehrgeizigen Rebellen Maximus zum Augustus mit ausgerufen. In dieser äusserst kritischen Lage bewährte sich Ambrosius zum ersten Male dem Kaiserhause als der Retter in der Not. Er war der erste Kirchenfürst, den die Kaiser anriefen, ihren wankenden Thron zu stützen. Selbst die Kaiserin - Mutter Justina, die so gehässige arianische Partnerin, verdemütigte sich und empfahl ihren Sohn und Mündel seiner erprobten Treue und erfahrenen Staatskunst. Er nahm in eigener Person die Gefahren und Strapazen der Gesandtschaftsreise nach Trier zum Kaisermörder und Thronprätendenten auf sich, brachte durch seine umsichtige Politik dessen letzte Pläne zum Scheitern und sicherte durch den Friedensschluß von 384 seinem kaiserlichen Schützling das Imperium: Maximus ward nicht Augustus des weströmischen Reiches, sondern nur Mitaugustus über Gallien, Spanien und Britannien. Als letzterer zwei Jahre später (386) die schweren religionspolitischen Fehler des arianisierenden Mailänder Hofes (d. h. Justinas) und die hierüber entstandene Mißstimmung des katholischen Klerus und Volkes ausnützend als angeblicher Schützer und Retter der Orthodoxie seine Aspirationen auf die Alleinherrschaft erneute, durchschaute Ambrosius das politische Ränkespiel in religiöser Maske und trat wiederum seinem Siegeslauf hindernd in den Weg. Die ärgerlichen arianerfreundlichen Allüren des Kaiserhauses vermochten ihn ebensowenig in seinen loyalen Gesinnungen gegen die legitime Kaiserdynastie zu erschüttern, als die aufdringlichen Bemühungen des Maximus um die Orthodoxie ihn über dessen wahre politische Ziele hinwegtäuschten. Zum zweiten Male trat er für das von Maximus schwer bedrohte Kaiserhaus die Gesandtschaftsreise an dessen Hof in Trier an. Er vertrat voll Kraft und Würde des Valentinian Sache vor dem versammelten Konsistorium und wagte sogar, mehr Ankläger denn Bittender, den Usurpator öffentlich des Unrechts zu zeihen. Wohl musste er anscheinend unverrichteter Dinge abziehen. Indes Maximus hatte sich überzeugen müssen, dass Italiens Bischöfe zu keinerlei Konspirationen, der Mailänder Kaiserhof zu keinerlei Konzessionen gewillt seien. Sein Einfall in Italien, der ihn schließlich dem Feldherrngenie eines Theodosius gegenüberstellte, endete für ihn mit dem Verluste von Thron und Leben. Ein drittes Mal (392) rief die Not seines Kaisers den Bischof nach Gallien. In kriegerischen Unternehmungen daselbst begriffen, sollte Valentinian II., erst 21 Jahre alt, der ehrgeizigen Politik des treulosen Franken Arbogast zum Opfer fallen. Sehnlichst hatte es den Ahnenden und Fürchtenden noch nach dem Trost und Beistand des heiligen Bischofs, den Katechumenen nach der Taufe aus dessen Hand verlangt. Es war zu spät. Der Heilige vermochte nur die Leiche des Ermordeten nach Mailand zu überführen, wo er ihn in einer ergreifenden Leichenrede gleich Gratian als Bekenner-Kaiser feierte: Seine anfängliche Mißstimmung gegen den Bischof sei immer zärtlicherer Liebe, sein anfänglicher Weltsinn immer reiferem Tugendernste gewichen. [6]

Theodosius d. Gr., seit 394 durch den Sieg über Arbogast und dessen Schattenkaiser Eugenius bei Aquileja Alleinherrscher, würdigte als strenggläubiger Katholik von Anfang an Ambrosius seines hohen Vertrauens, seiner ehrlichen Freundschaft. Diese wurde freilich wiederholt auf harte Probe gestellt. Über Freundesrücksicht stand dem heiligen Bischof die Amtspflicht. Auch einem Theodosius gegenüber wahrt er mit unbestechlicher Gerechtigkeit und unbeugsamem Mut das höhere Recht der Kirche und deren Unabhängigkeit von der weltlichen Macht. Ja vielleicht wird eine pragmatische Geschichtsbetrachtung die ersten tiefen Wurzeln jener Kirchenhoheit der späteren Jahrhunderte gerade bei Ambrosius finden, der sie wie kein anderer Kirchenfürst vor Gregor d. Gr. vorbereiten half. Heidnische Tempel, heute würde man sagen Moscheen, sollten nicht wieder aufgebaut werden. Ambrosius widersetzte sich dem Ansinnen in einer freimütigen Denkschrift an den Kaiser: er stelle damit den Bischof vor die Wahl, ein Verräter am Glauben oder ein Märtyrer desselben zu werden. [7]

Einen noch schärferen Konflikt zwischen beiden Männern beschwor zwei Jahre später (390) das Blutbad zu Thessalonich herauf. Die Kunde, dass der Jähzorn des Kaisers zur Sühne der tumultuarischen Ermordung einiger Beamten gegen siebentausend Menschen ohne Unterschied des Alters und Geschlechtes dem Tode weihte, rief überall Bestürzung hervor. Auch des Ambrosius Herz blutete. Er verließ zunächst Mailand, um einer persönlichen Begegnung mit Theodosius aus dem Weg zu gehen. Gleichzeitig stellte er ihm in einem Schreiben ebenso freimütig wie eindringlich die Größe der Schuld und die Notwendigkeit der Buße vor die Seele. Mag die bekannte dramatische Szene vor dem Portale der Mailänder Kathedrale, wonach der Bischof den im Hofstaat zum Gottesdienst erscheinenden Kaiser mit quer vorgehaltenem Stabe vom Eintritt in die Kirche zurückwies und dessen Selbstentschuldigung mit der Antwort parierte: „Bist du David in der Sünde gefolgt, so folge ihm auch in der Buße“, in ihrer Geschichtlichkeit sehr dahingestellt bleiben, soviel ist gewiß, dass er von demselben öffentliche Buße verlangte und hiervon ganz unzweideutig die kirchliche Gemeinschaft und die Teilnahme am Gottesdienste abhängig machte: „Ich wage nicht, das Opfer darzubringen, wenn du anwohnen wolltest“. Der Kaiser unterwarf sich denn auch der öffentlichen Kirchenbuße: „Er warf“, bezeugt Ambrosius selbst, „allen kaiserlichen Schmuck, den er trug, weg, beweinte in der Kirche öffentlich seine Sünde, die ihn auf das trügerische Zureden anderer übermannt hatte, und flehte unter Seufzen und Tränen um Vergebung. Wessen gewöhnliche Leute sich schämen, dessen schämte der Kaiser sich nicht: öffentlich Buße zu tun. Und auch später verging kein Tag, an dem er nicht schmerzlich jener Verirrung gedacht hätte“ (De obit. Theod.). Keine glänzendere Probe hätte die sittliche Größe des Kaisers bestehen können als diese Selbstverdemütigung. Kaum weniger glänzend bewährte sich dieselbe darin, dass der Bischof, der einem der großen alttestamentlichen Propheten vergleichbar für die Autorität des göttlichen Rechtes und der kirchlichen Ordnung dem Mächtigen der Erde gegenüber eingetreten war, in dessen Achtung und Freundschaft nur stieg. Und nichts störte fernerhin das vertraute, herzliche Verhältnis der beiden großen, ja größten Männer ihrer Zeit. Im Jahre 395 starb Theodosius, von niemand tiefer betrauert als von Ambrosius. Die Leichenrede, die er demselben hielt, ein rhetorisches Meisterwerk, bleibt das herrliche Denkmal der Liebe und Verehrung, das der heilige Bischof dem großen Theodosius für alle Zeiten gesetzt hat. [8]

Die schwersten Kämpfe hatte Ambrosius mit dem Arianismus zu bestehen, der trotz seiner Niederlage bei der Bischofswahl noch einen starken Anhang in Mailand, besonders in den germanischen Hofkreisen besaß. Die Arianer waren der Wahl des wegen seines milden, konzilianten Wesens allgemein beliebten Statthalters zum Bischof nicht abgeneigt gewesen, hatten sich aber gründlich verrechnet, wenn sie von ihm auch in Glaubenssachen Nachsicht und Nachgiebigkeit  erwarteten. Schon seine bestimmte Forderung, dass kein arianischer Bischof bei seiner Taufe zugezogen werde, ließ über seine Stellung zum Arianismus keinen Zweifel. Den Kampf wider denselben betrachtete er als seine Lebensaufgabe. Und derselbe endete mit Sieg auf allen Linien. Hierauf vor allem bezieht sich der Ausspruch des Hieronymus, der sonst mit seinem Lob auf Ambrosius so peinlich kargt: „Ganz Italien kehrt nun seit Aufstellung des Ambrosius zum Bischof in Mailand nach des Auxentius spätem Tode zur Rechtgläubigkeit zurück“. Schon 379 oder 380 hatte Ambrosius durch seine persönliche Gegenwart und Autorität den Versuch der Arianer in Sirmium, unter Justinas Protektion einen Parteigänger auf den Bischofsstuhl zu erheben, vereitelt und die Wahl eines Anhängers des Nikänums durchgesetzt. Sein Verdienst war es überhaupt, wenn in den illyrischen Provinzen, einer Hauptdomäne des Arianismus, mehr und mehr die Orthodoxie obsiegte. Die Machinationen eines Palladius und Sekundianus, welche unter dem Schein der Rechtgläubigkeit dem Arianismus Vorspann leisteten und ihre Bischofsstühle zu behaupten suchten, durchschaute er mit klarem Blick. Das Konzil von Aquileja 381, das unter seiner Ägide den Glaubenskampf wider die Häresie führte, verurteilte dieselben einstimmig und entschied für immer die Niederlage des Arianismus im Abendlande, so kräftig da und dort, und gerade auch in Mailand, seine Nachzuckungen noch sein mochten. Von einer Niederlage des Arianismus und des Islams im Abendlande ist man heute leider noch weit entfernt. [9]

Schon im Jahre 376 waren sämtliche Kirchen Mailands in den Besitz der Katholiken übergegangen. Als nun 385 die Kaiserin-Mutter die anscheinend bescheidene Forderung an die religiöse Toleranz des Kirchenfürsten stellte, den Arianern eine kleine Kirche (Portiana, später S. Victor) vor den Toren der Stadt zu überlassen, wies Ambrosius das Ansinnen entschieden zurück (Ep. 20 und 21). Der Arianismus war kirchlich verurteilt und durfte nicht auf kirchliche Duldung rechnen. Dem Kaiser, den Justina für ihre Pläne eingenommen hatte, hielt er bestimmt entgegen: „Man befiehlt mir: gib die Basilika heraus! Ich antworte: weder habe ich ein Recht zu deren Herausgabe, noch du, Kaiser, ein Interesse an deren Annahme. An keinem Privathause darfst du dich mit Recht vergreifen, ein Gotteshaus glaubst du wegnehmen zu dürfen? Gott, was Gottes ist, dem Kaiser, was des Kaisers ist (Matth. 22, 21)! Dem Kaiser gehören die Paläste, dem Priester die Kirchen“. Als sodann Justina „eine noch größere, die Neue Basilika“ (später S. Maria) für den Arianismus in Beschlag nehmen wollte, kam es zu tumultuarischen Zusammenstößen zwischen dem gläubigen Volk, das einmütig zu seinem Bischof stund, und dem Militär. Nicht die Geld- und Freiheitsstrafen, mit denen der übelberatene Hof den Widerstand des Volkes mehr reizte als dämpfte, sondern des Bischofs Mahnungen zum Frieden verhinderten das drohende Blutvergießen. „Wir sind hier im Gotteshaus um zu beten“, beschwichtigt er, „nicht um zu kämpfen.“ „Wir beten“, so kann er beifügen, „wir fürchten aber nicht.“ Wie wenig er fürchtete, beweist der Freimut, mit welchem er, ein Gefangener in der eigenen, von Soldaten belagerten Kirche, das Verhalten der Kaiserin geißelte. Wohl aber fürchtete der Hof. Durch das Verhalten des Volkes und eines Teiles des Militärs eingeschüchtert, zog er die Soldaten zurück und mußte für diesmal nachgeben. Der Funke glühte indes unter der Asche fort. Heftiger als zuvor entbrannte ein Jahr darauf (386) zur gleichen Osterzeit der Kampf. Ein arianischer Gegenbischof (Auxentius), eine Kreatur des Hofes, sammelte alle bischoffeindlichen Elemente in Mailand um sich. Der Kaiser selbst verfiel auf die unglückliche Idee, mittels der berüchtigten Formel von Arimini (359) die Parität zwischen beiden Bekenntnissen zu dekretieren und von neuem die Auslieferung einer Kirche an die Arianer zu verlangen. Ambrosius verweigerte letztere ebenso bestimmt: „Naboth wollte das Erbe seiner Väter nicht herausgeben, und ich sollte das Erbe Christi übergeben?“, wie er eine Disputation mit dem arianischen Gegner und des Kaisers Schiedsspruch entrüstet ablehnte:  „Wann, fragt er, hast du, gnädigster Kaiser, je gehört, dass in einer Glaubenssache Laien über den Bischof zu Gericht saßen? Ein Laie soll Sprecher, der Bischof Hörer, der Bischof des Laien Schüler sein? Fürwahr doch, wenn wir uns den Inhalt der göttlichen Schriften oder die alten Zeiten vergegenwärtigen, wer könnte leugnen, dass in Glaubenssachen, ich wiederhole ,in Glaubenssachen, die Bischöfe über die christlichen Kaiser, nicht die Kaiser über die Bischöfe zu Gericht saßen?“ Der Aufforderung, die Stadt zu verlassen, hält er entgegen, „es sei nicht seine Gepflogenheit, zu fliehen und seine Gemeinde zu verlassen“. Wiederum droht Gewalt. Wiederum zieht sich Ambrosius, von den treuen Volksscharen umringt, in die Hauptkirche zurück, die von der kaiserlichen Soldateska besetzt wird. Aussen scheint der Arianer Sache zu obsiegen, innen führt Ambrosius die vernichtende Sprache wider deren Haupt; aussen schlägt des Kaisers Gewalttat an das Heiligtum, innen weist des Bischofs Wort seine Macht in die Schranken: „Der Kaiser steht innerhalb der Kirche, nicht über der Kirche“; aussen starren und klirren die Waffen roher Soldaten, innen erklärt der Heilige: „Meine Waffen sind meine Tränen; das ist des Priesters Schutz und Wehr; anderen Widerstand darf und kann ich nicht leisten“. Und „die fromme Gemeinde“, berichtet Augustinus (Conf. IX 7),„verharrte in dieser heiligen Gefangenschaft des Nachts wachend in der Kirche, bereit zu sterben mit ihrem Bischof. Da ward der Hymnen- und Psalmengesang eingeführt nach morgenländischem Brauch, damit das Volk nicht vor Verdruß und Gram vergehe“ , ein glücklicher Gedanke, der nicht bloß für den Augenblick, sondern für alle Zukunft die religiöse Begeisterung des gläubigen Volkes beleben und die kirchliche Liturgie um einen der schönsten Juwelen bereichern sollte. An den Wänden der Kirche, oder vielmehr an der Standhaftigkeit des Bischofs und des Volkes prallte der letzte und hartnäckigste Vorstoß des Arianismus ab. Die tiefere Bedeutung des Kampfes aber lag in dem Sieg der kirchlichen Autonomie gegenüber der Staatsgewalt, in der Niederlage der byzantinischen Auffassung von der Oberhoheit des Kaisers auch über die kirchlich-religiöse Sphäre. Heute gibt es Bischöfe, die vor den Muslimen, also den Ungläubigen ihr Kreuz abnehmen und zusammen mit Politikern, die an Altersschwachsinn leiden, diese sogar darin bestärken ihren Unglauben auf Kosten des Christentums zu verbreiten. [10]

Einen Triumph höherer Art, wie durch ein Gottesurteil, erfuhr der schwergeprüfte Bekennerbischof in jenen Tagen durch die wunderbare Auffindung der noch blutbetauten Gebeine der berühmten Märtyrer und Stadtheiligen Gervasius und Protasius, die in feierlicher Prozession unter fast zahlloser Beteiligung und jubelnder Begeisterung des unter dem Eindruck auffallender Wunder stehenden Volkes nach S. Ambrogio übergeführt und daselbst beigesetzt wurden (Ep. 22). Mit freudiger Genugtuung konnte der Heilige in seiner Predigt hervorheben, wie Gott ihm, dem es versagt war, ein Märtyrer zu werden, die Gnade verliehen, Märtyrer aufzufinden. Einen noch größeren Triumph für die Kirche bedeutete die zu Ostern des folgenden Jahres (387) erfolgte Taufe des hl. Augustinus durch Ambrosius. Augustinus selbst erblickt in letzterem den „väterlichen Freund“, dem er allererst die Bekehrung verdanke, seine Mutter, die hl. Monika, den „Engel“, den die Vorsehung ihrem Sohne entgegengeführt habe (Conf. VI 1).  Am 4. April (Karsamstag) 397 entschlief Ambrosius, nicht bloß von der mailändischen, sondern von der ganzen Kirche tief betrauert. Selbst Heiden und Juden drängten sich mit den Gläubigen wetteifernd nach S. Ambrogio, woselbst die irdische Hülle des Verewigten aufgebahrt lag. Sein Sterben war wie sein Leben das eines Heiligen. Ein Denkmal, dauernder denn Erz, setzte er sich selbst in dem literarischen Nachlasse, den er der Kirche schenkte und der Gemeingut der Gläubigen aller Zungen und aller Zeiten geworden ist. [11]
 

Seine Schriften

Besonders gibt die energische Kürze und kühne Originalität des Ausdruckes seinen Schriften jenes eigentümliche Gepräge, das ihren Autor so recht zum Tacitus unter den lateinischen Kirchenschriftstellern stempelt. Kaum weniger schwer als das homiletische wiegt das exegetische Moment in unseren Schriften. Das Schriftgut bildet bei Ambrosius den Hauptinhalt, den Ausgangspunkt und Mittelpunkt seiner Paränese. Eine wunderbare Schriftkenntnis, der keine kleinste Wendung zu entgehen scheint, hält ihm diese nimmer versiegende Quelle, die sein Wort speist, seine Rede befruchtet, stets offen und zugänglich. Wo der Buchstabe der Schrift zu versagen scheint, weiß die findige Allegorese wie mit leichtem Zauberstab die Verbindungsbrücke zwischen seinem und der Schrift Wort herzustellen. Und doch ist Ambrosius nicht eigentlich heimisch in der Schrifterklärung, nicht Exeget von Beruf. Dazu fehlt ihm die wissenschaftliche Vorbildung, die methodische Schulung. Wir finden ihn vielmehr auf fremden Pfaden, am häufigsten auf der Spur der alexandrinischen Schriftexegese. Er folgt ihr freilich nicht sklavisch. Wenn auch in fremdem Fahrzeug: das Steuerruder selbst gibt er nicht aus der zielfesten Hand, die sichere Orientierung verliert er nicht aus dem Auge. Wie kaum ein anderer christlicher Schriftsteller vor und nach ihm folgt er, namentlich in der ersten literarischen Periode, dem jüdisch - alexandrinischen Exegeten Philo, wie kaum einen anderen christlichen Autor hat er Origenes zu seinem Führer und Gewährsmann sich erkoren. Mit letzterem nimmt er auch einen dreifachen Sinn der Heiligen Schrift an, den natürlich-geschichtlichen, den moralischen und den geistig - mystischen, und wendet denselben nicht selten der Reihe nach auf einen vorliegenden Schrifttext an. Öfter noch freilich faßt er die beiden letzteren unter einem, dem „höheren Sinn“, zusammen, den er dem „Buchstaben“ der Schrift gegenüberstellt. Seine Schriften lassen sich wie folgt einteilen:

A. Exegetische Schriften. Sie bilden die Mehrzahl der Schriften und sind fast alle aus Predigten des Bischofs hervorgegangen. Mit der einzigen Ausnahme des Lukaskommentars beziehen sie sich samt und sonders auf alttestamentliche Bücher oder Texte: Das „Exameron“ (Sechstagewerk) in sechs Büchern (sieh unten); die allegorische Erklärung „Über das Paradies“ im engsten Anschluß an Philo von Alexandrien (um 375); als Fortsetzung hiervon die Abhandlung „Über Kain und Abel“ (nach 375); die ebenfalls, teilweise sogar wörtlich aus Philo schöpfende Schrift „Über Noe (und die Arche)“, letztere das Bild des menschlichen Leibes darstellend (um 378—386); „Zwei Bücher über Abraham“, ersteres für Katechumenen bestimmt, um sie in den erbaulichen moralischen Sinn des einschlägigen Genesisberichtes einzuführen, letzteres für Getaufte, um ihnen den tieferen mystischen Sinn desselben zu erschließen (um 387); der vermutlich aus Origenes, teilweise sicher aus Hippolyt und mit dem Text des Hohen Liedes durchwobene Traktat „Über Isaak und die Seele“, eine allegorische Darstellung der bräutlichen Verbindung Christi mit der Seele (um 388); „Zwei Bücher über Jakob und das selige Leben“, mit tiefsinnigen Erörterungen (1. Buch) und praktischen biblischen Beispielen (2. Buch) über die wahre Freiheit und die wahre Seligkeit (um 388);  „Über den Patriarchen Joseph“ als Vorbild der Keuschheit und Typus Christi (um 389); „Über die (Segnungen der) Patriarchen“, d. i. den Segen Jakobs über seine Söhne (um 389); „Über Elias und das Fasten“, Predigten zu Beginn der Fastenzeit mit scharfer Verurteilung der Unmäßigkeit und Genußsucht (um 387?391); „Über den Jezraheliten Nabuth“, eine Strafpredigt wider die Habsucht (um 394?); „Über Tobias“ eine solche wider den Wucher, d. i. wider das Zinsnehmen unter Gläubigen (wohl vor 380); die unter dem gemeinschaftlichen Titel „Überdie Klage Jobs und Davids“ zusammengefaßten vier Predigten, eine Art Theodizee anbetrachts des physischen und moralischen menschlichen Elends, sowie der Gottlosen Glück und der Frommen Unglück (um 383?); „Rechtfertigung des Propheten David an Kaiser Theodosius“ auf Grund des Bekenntnisses und der Buße Davids (383—389); „Erklärungen zu zwölf davidischen Psalmen“ (Ps. 1. 35—40. 43. 45. 47. 48. 61), eine nach dem Tode des heiligen hergestellte Homiliensammlung; die wiederum an Origenes orientierte, in die Schönheit des Hohen Liedes getauchte „Auslegung des 118. Psalmes“, 22 ,Reden zu je einem Oktonar desselben (wohl 387—388); die verloren gegangene „Auslegung des Propheten Isaias“ (vor 389). 

B. Schriften gegen Arianer und andere Häresien: „Über den Glauben an Kaiser Gratian in fünf Büchern“, eine auf Bitten des jungen Kaisers unternommene Verteidigung der Gottheit Christi gegen die Arianer (zwei Teile, 378 und 379—380); als Fortführung die auf Didymus dem Blinden, Athanasius und Basilius (Th. Schermann) beruhende Schrift „Über den Heiligen Geist“, eine gründliche Verteidigung seiner Konsubstantialität (381); „Über das Geheimnis der Menschwerdung des Herrn“, der gleichen Adresse und apologetischen Tendenz gewidmet (um 381—382); die nur fragmentarisch erhaltene „Auslegung des Glaubens“, die ebenso als echt festzuhalten sein wird, wie die Schrift „Über die Mysterien“, eine mystagogische Unterweisung der Neophyten über Taufe, Firmung und Eucharistie (um 387?); die wider die Novatianer gerichteten „Zwei Bücher über die Buße“, welche dem katholischen Priester die unbeschränkte Schlüsselgewalt über alle Sünden vindizieren (380—390); die verloren gegangene Schrift „Über das Sakrament der Wiedergeburt oder über die Philosophie“ [12]

C. Moralische Schriften. Kein Gebiet beherrscht Ambrosius so souverän, kein Feld bebaut er so fruchtbar als das praktisch-ethische: „Drei Bücher über die Pflichten der (Kirchen-) Diener“, das bekannteste seiner Werke, ein christliches Gegenstück zu Ciceros (stoischer) Pflichtenlehre, die erste mehr systematische Behandlung der christlichen Ethik (etwa um 391); die auf Marcellinas Wunsch verfaßten, in duftiges Sprachgewand gekleideten „Drei Bücher über die Jungfrauen“ (377), denen rasch die kurze Abhandlung „Über die Witwen“, sowie das Schriftchen „Über die Jungfräulichkeit“ mit der Rechtfertigung seiner bis zum Anstoß erfolggekrönten Predigten zugunsten des jungfräulichen Lebensstandes (sieh oben) folgten (um 378); „Die Unterweisung einer Jungfrau (Ambrosia) und die immerwährende Jungfräulichkeit der heiligen Maria an Eusebius“, eine scharfe Abrechnung mit den Gegnern (Bonosus) der Virginität (etwa um 391); . „Ermunterung zur Jungfräulichkeit“, eine erweiterte Gelegenheitspredigt (etwa 393). Den moralisch-aszetischen Schriften sind endlich trotz der nahen Beziehungen zu den exegetischen Abhandlungen beizuzählen der Traktat „Über das Gut des Todes“, eine Fortführung der Schrift „Über Isaak und die Seele“, mit reichem Einschlag platonischer und stoischer Gedanken, sowie die an Num. 35, 11 ff. (Freistädte) anknüpfende Paränese „Über die Weltflucht“, ein christlicher Ableger von Philos Schrift „Über die Flüchtlinge“ (etwa nach 391).

D. Reden. Nur wenige Predigten haben sich in der ursprünglicheren Form kunstmäßiger Rede erhalten. Es sind dies vor allem einige Leichenreden des Heiligen, die ältesten des christlichen Abendlandes, die den Weg zu uns herab genommen haben. Den ersten Platz behaupten die „Zwei Bücher über den Hingang seines Bruders Satyrus“, bestehend aus einer ergreifenden Trauerrede vor der aufgebahrten Leiche und einer sieben Tage darauf gehaltenen Trostrede mit einer in hohem Grade systematischen Darstellung und Begründung der christlichen Auferstehungslehre (387 oder 388). Daran reihen sich die „Trostrede auf den Tod Valentinians“ (II.) am Beerdigungstage in Gegenwart der beiden überlebenden Schwestern des ermordeten Kaisers (392), sowie die „Rede auf den Tod des Theodosius“, vierzig Tage nach dem Hinscheiden des kaiserlichen Freundes im Angesicht des neuen Augustus Honorius und des ganzen Heeres (395) gehalten. Hierher zählen endlich noch einige hochbedeutsame Gelegenheitsreden, wie sie die Briefe 22 und 41 überliefern, insbesondere aber die von heiligem Zorne flammende „Predigt gegen Auxentius betreffs der Auslieferung der Kirchen“ (386).

E. Briefe. Von der sehr umfangreichen Korrespondenz des Kirchenfürsten haben sich 91 Briefe erhalten, zum größeren Teil Amtsschreiben in Betreff öffentlicher Angelegenheiten der Kirche und des Staates, zum geringeren Teil nichtamtliche Schriftstücke. Nur wenige dienen einer rein persönlichen Aussprache. Verkörpert doch sein Leben und Wirken selbst ein beträchtliches Stück der Kirchen- und Profangeschichte seines Jahrhunderts.

F. Hymnen.
Ambrosius gilt auch als der Vater des Kirchengesanges, der Schöpfer der liturgischen Hymnodie im Abendlande. Vier der sog. Ambrosianischen Hymnen galten von jeher, weil schon durch einwandfreie äußere Zeugnisse beglaubigt, als Produkte seines Genius: Das feierliche Abendlied Deus creator omnium („O Gott, Du Schöpfer aller Welt“), der hehre Morgensang Aeterne rerum conditor („O ew’ger Schöpfer aller Welt“), der erhabene Kreuzeshymnus zur dritten Tageszeit lam surgit hora tertia („Schon bricht die dritte Stunde an“), endlich das innige Weihnachtslied Intende, qui regis Israel („Hör’ uns, Du König Israels“). Noch weitere acht (vielleicht zehn) kirchliche Hymnen vermochte die neuere Forschung als echte Geisteskinder seiner schöpferischen Dichtkunst mehr oder weniger sicher nachzuweisen. [13]
 

Philosophie

Ambrosius weist ein für seine Zeit ungewöhnliches Maß philosophischer Bildung im allgemeinen, eine große Vertrautheit mit der griechischen Philosophie im besonderen auf. Thales, Demokrit, Pythagoras und Hippokrates, Sokrates, Plato, Aristoteles, Zeno, Epikur waren ihm geläufig. Das Forschen nach der Wahrheit und das Verlangen nach immer größerer Erkenntnis erklärt er ausdrücklich als die Proprietäten der ersten Kardinaltugend, der Klugheit oder der von ihm synonym verstandenen Weisheit und definiert letztere als „die Erkenntnis des Wahren“. Als decorum müsse in der Forschung festgehalten werden, dass man mit allem Fleiß nur dem nachgehe, was wahr sei, nichts Falsches für wahr halte, das Wahre nicht verdunkle, den Geist nicht mit überflüssigen, unlösbaren oder ungewissen Problemen beschäftige (De off. I). Sowohl eine falsch verstandene Wissenschaft /Philosophie wie die materialistische Gentechnik, die am Erbgut herummanipuliert als auch eine Pseudoreligion wie die der Arianer oder der heutigen Muslime sei abzulehnen. [14]

Mit diesen Forderungen und Funktionen der wahren Weisheit sieht aber Ambrosius die „Weltweisheit oder heidnische Philosophie in offenkundigem Widerspruch, sieht sie, vom Lichte der Wahrheit abgekehrt, in Nacht und Finsternis irren. Ihr, dem Kehr- und Zerrbild der wahren Weisheit, gilt seine Ablehnung, sein Kampf. „Was wäre denn auch so ungeziemend (indecorum), als dem Holz göttliche Verehrung erweisen, was jene tun? Was wäre in solches Dunkel gehüllt als die Probleme der Astronomie und Geometrie, wie sie selbst zugeben? als die Räume des Luftkreises messen, den Himmel und das Meer in Zahlen fassen und dabei von den Quellen des Heils sich entfernen und den Irrtümern nachgehen? (Ib.) „Die Weisen der Welt besitzen zwar die Augen des Geistes, aber sehen nicht. Sie schauen nichts vom Lichte, sondern wandeln im Finstern. Sie wähnen die Höhen des Himmels zu erspähen, während sie dem nächtlichen Blendwerke der Dämonen nachhängen . . . Dem Glauben abgekehrt umgibt sie die Finsternis ewiger Blindheit. Da der Tag Christi und das Licht der Kirche vor ihren Augen leuchtet, sehen sie gleichwohl nichts, öffnen aber doch den Mund, als wüssten sie alles. Scharfsinnig im Nichtigen, doch abgestumpft für das Ewige, verraten sie mit den Umschweifen ihrer langen Deduktionen nur die Blindheit ihrer Unwissenheit und sehen, während sie in spitzfindigen Untersuchungen den Flug nach oben richten wollen, gleich Nachtvögeln nichts inmitten des Lichtes." (Exam. V) [15]

So wenig als die Pseudowissenschaftler besitzen aber auch die Häretiker und die Gottlosen die wahre Weisheit. Erstere schon deshalb nicht, weil dieselbe den rechten Gottesbegriff zur notwendigen Voraussetzung und zum hauptsächlichsten Inhalt hat, den sie fälschten; „denn niemand ist ein Weiser, der Gott nicht kennt. Demgemäß hat der Unweise gesprochen: es gibt keinen Gott (Ps. 14, 1); der Weise nämlich würde nicht so gesprochen haben. Wie wäre auch der ein Weiser, der nicht seinen Urheber sucht, der zum Steine spricht: mein Vater bist du (Jer. 2, 27), der wie Manichäus zum Teufel spricht: mein Urheber bist du. Wie wäre Arius ein Weiser, der lieber einen unvollkommenen und unebenbürtigen als den wahren und vollkommenen Urheber haben möchte? Wie wäre Marcion ein Weiser und Eunomius, die lieber einen bösen als einen guten Gott haben wollen? (De off. I)? [16]

Die Häretiker wie die Ungläubigen missbrauchen in den Augen des Ambrosius die Philosophie nicht bloß zur Propaganda ihrer Irrtümer, sondern auch zur Bekämpfung der kirchlichen Rechtgläubigkeit, des christlichen Glaubens. Im Dienste des häretischen Rationalismus und der heidnischen Polemik wird sie die giftige Feindin der überlieferten Heilswahrheit, die unversöhnliche Widersacherin der christlichen Weltanschauung und Lebensauffassung. Aus dieser konkreten Sachlage ist es also zu beurteilen, wenn der hl. Lehrer als der berufene Hüter und unentwegte Vorkämpfer der kirchlichen Orthodoxie der Pseodo-Philosophie gegenüber eine so skeptische und schroff ablehnende Haltung einnimmt. [17]

Subjekt der Verdammnis sind die bösen Geister, für die es keine Erlösung gibt (De fug.); sodann die „Gottlosen“ und „Ungläubigen“, zu denen auch die Arianer und heute die Muslime zählen, die „mit dem Teufel gezüchtigt werden“; endlich die eine Gruppe der „Sünder“, d. i. der Todsünder. Die Strafe besteht vor allem in deren „Ausschluß vom Reiche Gottes“ (In Ps. 39) und von seinen Gütern („Verlust des Ewigen“ usw.), in deren Trennung („Relegation“) von Gott und „Verwerfung vor Gottes Angesicht“, der schwersten Strafe von allen (Apol. Dav.), wie ja umgekehrt die himmlische Seligkeit gerade in der Anschauung Gottes gipfelt. In positiver Hinsicht führt die Strafe zum „Hinabgestoßenwerden“ in die „untersten Regionen des Infernus“, in dessen „Tiefe sie versinken“, „wie von einem schweren Mühlstein . . ., von zentnerschwerem Blei ihrer Schuld hinabgedrückt“. Diese Regionen bilden näherhin einen „brennenden Feuerpfuhl“, so dass der Gedanke an die Hölle auch bei Ambrosius in die Vorstellung eines grimmigen Straffeuers überzugehen pflegt, das „stets von neuem peinigt“ (In Ps. 118). [18]

Wie die Seligkeit der Auserwählten pflegt der Kirchenvater auch das Straflos der Verdammten unter denselben Gesichtspunkten ins Auge zu fassen wie ihren diesseitigen Seelenzustand, der seinem wesentlichen Inhalt nach durch den Tod nicht alteriert wird, so tiefeinschneidend auch die Veränderung in der äusseren Gesamtlage derselben sein mag. Am häufigsten fasst er dasselbe auf als moralischen Tod („des Todes sterben“), als moralisches Nichtsein, Nichtexistieren, sodann als „unerträgliche Knechtschaft“ in „Kettenbanden und Kerkerhaft“, als „Finsternis ewiger Nacht“, als absolute Armut und Entbehrung aller äusseren und inneren Gnadengüter und Lebensgenüsse, als Fried- und Ruhelosigkeit, als ewiges Wehklagen usw. Indes ist auch die Strafsumme der Verdammten nicht für alle gleich. Die Größe des Strafmaßes bemisst sich nach der Größe der Schuld: Engelsünde ist strafwürdiger als Menschensünde; die Sünde eines Älteren strafwürdiger als die eines Jugendlichen, die Verführung eines Kindes strafwürdiger als die eines Erwachsenen (In Ps. 118). [19]

Die Ewigkeit der Hölle und der Höllenstrafen betont und umschreibt Ambrosius in den verschiedensten und unzweideutigsten Wendungen. Sie ist ein „Feuerbrand ohne Aufhören“, und „gerade deshalb erlischt ihr Brand nicht, damit die Strafe nimmer sterbe“ (De fid. II). Da er aber nur die „Ungläubigen“ und „Gottlosen“, nicht aber die „Sünder“, die den Glaubenshabitus bewahrten, für immer und ewig zugrunde gehen läßt, erklärt es sich, dass er in seinem Predigtwort an die Gläubigen mehr auf die „Schrecken des Gerichtes“, die allererst über die „Sünder“ ergehen, als auf die ewigen Höllenstrafen rekurriert. Nur wo der Glaube selbst auf dem Spiele steht, wo es sich z. B. um das Martyrium um des Glaubens willen handelt, stellt er als mächtigstes Motiv die Ewigkeit der Höllenstrafen den Gläubigen in grellster Beleuchtung vor Augen. [20]

Die Voraussetzung der ewigen Höllenstrafen ist die physische Fortdauer der Verdammten. Das „Nichtsein“, „Nichtleben“ derselben versteht Ambrosius nicht im Sinn einer physischen Annihilation. „Viele“4, sagt er selbst, „haben die keineswegs gleichgültige Frage aufgeworfen, ob nicht die Heilige Schrift (Ps. 1, 4) die endliche Vernichtung der Natur (der Gottlosen) ausspreche?“ Und er antwortet mit einem entschiedenen Nein. Die menschliche Natur sei nichts Substantiell-Böses. Etwas Substantielles sei die Gottlosigkeit überhaupt nicht, sondern nur ein der Natur inhärierender Habitus. „Wie sollte also die Schrift mit der Vernichtung eines bloßen Habitus [apollesomenas physeis], d. i. dem Untergang geweihte Naturen meinen?“ Die Offenbarung bekräftige nur diese Wahrheit, „deren Annahme philosophisch nichts im Wege stehe“. „Gott habe versichert, dass wohl der Weg der Gottlosen untergehe (Ps. 1, 6), nicht aber die Gottlosen selbst. Er erhält ihre Natur . . .“ (In Ps. 1.)  [21]

Die Tage der Gottlosigkeit stehen im Zeichen des Antichrists und des Massenabfalles von der wahren Religion. Der Antichrist selbst ist ein Menschenindividuum, aus dem Stamme Dan hervorgehend (Gen. 49, 16 f.), vom Teufel verschieden, zu welchem er weder in einem Identitäts- noch Verwandtschaftsverhältnis (Laktantius) steht. Umso enger freilich knüpft sich das moralische Band zwischen beiden, demzufolge der Teufel der „Urheber des Antichrists“, der Antichrist der „Schüler des Teufels“ ist, der an Selbstüberhebung den Meister noch überbietet (In Ps. 118). Einen Antichrist als Personifikation der gottfeindlichen Gewalten in der Welt oder als appellative Bezeichnung der gottwidrigen Menschheit kennt Ambrosius nicht; wohl aber adoptiert er die sekundäre, zeit- und weltgeschichtliche Anwendung des Begriffes im Sinne der paulinischen und besonders johanneischen Theologie: „Es gibt noch einen dritten Antichrist, sei es Arius, sei es Sabellius; ja lauter Antichristen sind es, die uns durch ihre falsche Schriftauslegung beirren“ (In Luc. X). [22]

In seinem Wirken verkörpert der Antichrist so recht die Macht der Sünde. Diese Machtentfaltung charakterisiert das kurze Sätzchen: „Der Böse ist in seinem Reich“ (In Luc. X). Er schreitet in der Selbstapotheose bis zur vollendeten Empörung wider Gott fort (2 Thess. 2, 3 f.). Unter den Menschen aber beschwört er die „Tage der Gottlosigkeit“, den Greuel der Danielschen Verwüstung (Dan. 9, 27) herauf, „indem er mit unseligen Sakrilegien das Innere des Geistes beflecken wird“ (Ib.). Straffolgen der überhandnehmenden Ungerechtigkeit und zugleich Anzeichen des nahenden Endes sind sodann gewaltige Katastrophen im äusseren Natur- und Menschenleben (Luk. 21, 11) sowie der grauenhafte Verfall des religiösen Lebens, auf welche Ambrosius allegorisch die kosmischen und astralischen Umwälzungen (Matth. 24, 29) und die „Abkürzung jener Tage“ (Ib. 22) zu deuten pflegt; endlich das Auftreten von Falschpropheten, welche in Wort und Werk, in Scheinwundern und Vorspiegelungen dem Antichrist in die Hände arbeiten.  „Aus der Mitte aber wird er hinweggeräumt (2 Thess. 2, 7) und die Gerechtigkeit wird herrschen, die jede (andere) Herrschaft in den Seelen der Gläubigen vernichtet (1 Kor. 15, 24), wenn jeglichem in seiner Not Christi geistige Gegenwart aufleuchten wird“. Damit kommt Ambrosius auf die Zeichen der Adventzeit selbst zu sprechen und deutet an, dass Christus nicht sowohl durch seine physische Wiederkunft und die mit ihr verbundenen eschatologischen Ereignisse der Herrschaft des Antichrists das jähe Ende bereiten und die „Tage der Gerechtigkeit“ heraufführen wird, als vielmehr durch seinen der physischen Wiederkunft vorausgehenden, sie einleitenden Gnadenadvent. Es wird das Gute (und die Guten) in der Zeit des Antichrists nicht bloß geprüft werden (In Ps. 37), sondern zugleich durch ein ausserordentliches Gnadenwalten Gottes innerlich mehr und mehr erstarken, bis es auch äusserlich zur obsiegenden Herrschaft auf dem ganzen Erdkreis gelangen wird. Der leiblichen Wiederkunft geht die geistige Parusie als Morgenrot voraus. Die zum Gerichte und zur leiblichen Auf-erweckung der Toten erscheinende Sonne der Gerechtigkeit wirft gleichsam ihre mächtigen Strahlen über den Erdkreis voraus, welche erst noch die innere Gnadenerleuchtung und geistige Auferstehung der lebenden Menschheit bezwecken. [23]
 

Klugheit, Schlaf, Tod und Auferstehung; Unterschied zwischen den Dienern Christi und den Verehrern der Götzen

Ambrosius meint, die Klugheit, werde von den Weisen folgendermaßen erklärt: "Das höchste der Güter sei, sagen sie, Gott zu erkennen, ihn als das Wahre und Göttliche frommen Sinnes zu verehren, jene liebens- und begehrenswürdige Schönheit der ewigen Wahrheit mit der vollen Glut des Herzens zu lieben. Das Zweite aber bestehe darin, von jenem göttlichen Urquell aller Dinge die Liebe auf die Nebenmenschen hinüberzuleiten, weil auch die Weisen der Welt aus unseren Gesetzen geschöpft haben. Sie hätten ja nicht in die menschliche Gesetzgebung hinüberleiten können, was sie nicht aus jenem himmlischen Quell des göttlichen Gesetzes geschöpft hatten."  [24] 
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Gerade das entspricht der Tugend der Klugheit, sich selbst zu erkennen und, wie es von den Weisen erklärt wird, der Natur gemäß zu leben. Was ist aber so naturgemäß, als dem Schöpfer Dank zu sagen? Blicke doch nur auf zum Himmel, ob er dem Schöpfer nicht Dank darbringt! „Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes, und das Firmament verkündet die Werke seiner Hände.“ So bietet auch das Meer, wenn es friedlich und still ist, ein Bild des göttlichen Friedens; ist es erregt, dann zeigt es die Schrecken des höchsten Zornes. Bewundern wir Alle nicht mit Recht Gottes Huld, wenn wir bemerken, dass auch die leblose Natur doch gewissermaßen mit Vernunft ihre Fluthen bändigt, dass auch die Woge Grenze und Ziel für sich erkennt? Was soll ich von den Fluren sagen, welche gehorsam göttlichem Gebote, allen Tieren Nahrung bieten, und welche die Saat, die sie aufgenommen, mit reichlichen Zinsen vermehrt zurückerstatten? Jener nun, der an der Hand der Natur das Wesen des göttlichen Werkes mit der Glutkraft seines Geistes erfasst hatte, der wusste auch, dass er vor Allem seinem Erretter Dank darbringen müsse: und da er ihn darbringend nicht hingeben konnte, so behielt er ihn fortdauernd im Besitze. Das ist ja die eigentümliche Kraft des Dankes, dass er, während er dargebracht wird, im Besitze bleibt. So brachte jener den Dank dar und empfing den Glauben. Denn wer so den Schutz des himmlischen Geheimnisses, das in das Leinentuch eingeschlossen war, erfahren hatte: wie sehr glaubte der wohl, wenn er das Geheimnis mit dem Munde empfing und in die Tiefe seines Herzens aufnahm! Wie viel erhabener musste er es erkennen, wenn er es in seiner Brust trug, da es ihm schon in der Umhüllung des Tuches solchen Schirm bereitet hatte! Wie groß aber auch sein Verlangen war, so vergaß er doch nicht der schuldigen Vorsicht, wie das bekanntlich bei Manchen in der Glut des Verlangens wohl vorkommt. Er rief den Bischof zu sich, und da er nicht glaubte, dass wahre Dankbarkeit ohne den wahren Glauben bestehen könnte, erforschte er zunächst, ob Jener auch mit den katholischen Bischöfen oder, was dasselbe ist, mit der Römischen Kirche verbunden sei.  [25] 

Versiegen sollen also die Tränen! Den von Gott gegebenen Heilmitteln gemäß soll man leben, weil doch zwischen Gläubigen und Ungläubigen ein Unterschied obwalten muss. Diejenigen mögen weinen, welche die Hoffnung der Auferstehung nicht haben können, jene Hoffnung, welche kein Urtheilsspruch Gottes, welche uns einzig die Schwäche des Glaubens raubt. Ein Unterschied muss zwischen den Dienern Christi und den Verehrern der Götzen bestehen: diese mögen die Ihrigen beweinen, die sie für immer dem Untergange geweiht erachten; sie mögen ihren Tränen keine Unterbrechung, ihrem Schmerze keine Ruhe gestatten, weil sie an das Ruhen der Todten nicht glauben. Uns aber, denen das Sterben nicht der Tod der Natur, sondern nur das Ende dieses Lebens ist, wobei die Natur selbst zum Besseren verwandelt wird: uns soll der Eintritt des Todes auch die Tränen allzumal trocknen. Wenn nun aber selbst jene noch irgend einen Trost für sich gefunden haben, welche den Tod für das Ende des Fühlens, für die Auflösung der Natur halten: um wie viel mehr müssen wir uns trösten, denen das Bewusstsein der guten Werke nach dem Tode herrlichere Belohnung verheißt! Die Heiden haben Trost gefunden, indem sie den Tod als das Ausruhen von allen Leiden ansahen: wie sie den Genuß des Lebens entbehrten, so, meinen sie, fehlte dort auch jedes schmerzliche Gefühl von all’ den Leiden, die wir im diesseitigen Leben so schwer und andauernd zu ertragen haben. Wir aber müssen, wie durch die Belohnung mehr aufgerichtet, so auch in der Tröstung geduldiger sein; nicht verloren, sondern nur vorausgeschickt scheinen ja die zu sein, welche der Tod nicht verschlingen, sondern die Ewigkeit aufnehmen sollte. [26] 

"So findet der Tod Bild und Gleichniß im Schlafe. Wenn die Seele, obwohl noch haftend in den Fesseln des Körpers, gebunden gleichsam im Kerker der Glieder, doch Höheres und Geistiges erkennen kann: um wie viel mehr wird sie das schauen, wenn sie dereinst in ihrem reinen vergeistigten Fühlen kein Hinderniß körperlicher Gebrechlichkeit mehr empfindet!" - St. Ambrosius, De ex. I, 14
"Welches Heilmittel aber soll ich suchen? „Wer wird mich befreien vom Leibe dieses Todes? Die Gnade Gottes durch unsern Herrn Jesus Christus.“(Röm. 7, 23 ff) Wir haben also einen Arzt, folgen wir dem Heilmittel! Es ist die Gnade Jesu Christi, und der Leib des Todes ist unser sterblicher Leib." - St. Ambrosius, De ex. II, 7
Nicht die Rechte der Natur sollen wir aufgeben, sondern die Gabe der göttlichen Gnade zum Voraus wünschen: „Aufgelöst und mit Christus zu sein,“ sagt der Apostel, „wäre um Vieles besser; aber mehr noch ist es nothwendig, im Fleische zu bleiben um euretwillen.“ (Phil. 1, 23) [27] 

Jener Vogel Arabiens, den wir Phönix nennen, lebt wieder auf, wenn nach seinem Tode die wiedererwachende Lebenskraft ihm zurückgegeben wird; und dass die Menschen wieder auferstehen, glauben wir nicht? "Oft genug haben wir vernommen und in Schriften gelesen, dass dem gedachten Vogel genau fünfhundert Jahre Lebenszeit bestimmt seien; wenn er dann in prophetischer Ahnung das Ende seines Lebens nahe erkenne, so bereite er sich eine Urne mit Weihrauch, Myrrhen und anderem kostbaren Rauchwerke; nachdem dieses Beginnen zugleich mit der bestimmten Zeit erfüllt sei, trete er selbst in die Urne und sterbe allda; aus seinem Lebenssafte aber entstehe ein Wurm, der allmählich zur Gestalt des Vogels wieder heranwachse; indem die Flugfedern wieder zurückgegeben würden, erneuere sich die frühere Lebensgewohnheit, und so beginne er die alten Lebensverrichtungen wieder gleichsam in Erfüllung einer Dankespflicht. Jene Urne nämlich, Hülle des Todes oder Wiege der Auferstehung, in welcher der Phönix nach Ablauf seiner Zeit stirbt, aber aus der er auch wieder seinen Ausgang nimmt: diese Urne kommt aus Äthiopien noch Lycaonien. So erkennen denn die Bewohner jener Gegenden aus dem Wiedererstehen des wunderbaren Vogels, dass die Zeit von fünfhundert Jahren vollendet ist. Für den Phönix ist also das fünfhundertste, für uns aber das tausendste Jahr das Jahr der Auferstehung: für jenen noch in der Weltzeit, für uns beim Ende der Welt.“ Man darf hier, ohne dem heiligen Ambrosius in seiner Rechtgläubigkeit zu nahe zu treten, recht wohl annehmen, dass er das tausendste Jahr in Wirklichkeit als die Zeit für das Weltende angenommen: zum Chiliasten macht ihn diese Meinung noch lange nicht. Man darf aber auch, ohne dem Texte Zwang anzutun, die Zahl 1000 wegen ihrer inneren Vollkommenheit als Bezeichnung für die Fülle aller Zeit nehmen. So sagt der hl. Augustinus de civit. Dei XX, 7 bei der Erklärung der Stelle aus der Offb. Joh. 20, 1 ff.: „Mille annos pro annis omnibus huius saeculi posuit, ut perfecto numero notaretur ipsa temporis plenitudo.“ Für diese Auffassung spricht das weitere Wort des Ambrosius (im 4. Alinea von hieran gerechnet): „Die Zeiten der Welt sind ein Jahr.“ [28] 

"Gar Viele nehmen auch an, dass der Phönix die Urne selbst anzünde und aus seiner eigenen Asche wieder erstehe. Vielleicht hat aber die Annahme Berechtigung, dass die tiefer erforschte Natur auch tiefere Begründung des Glaubens anbahnt. So möge denn unser Geist auf den Anfang und Ursprung des werdenden Menschen zurückgreifen. Ihr seid Männer und Frauen, denen das, was menschlich, nicht unbekannt ist. Sollten aber Einige von euch in Unwissenheit sein, so glauben diese wohl ohne Zweifel, dass wir aus Nichts geboren werden. Wie verschwindend klein ist die Quelle unseres Daseins! Wenn wir auch nicht weiter uns aussprechen, so wisset ihr doch, was wir sagen, oder eigentlich was wir nicht sagen wollen. Woher wird nun dieses Haupt, dieses bewunderungswürdige Antlitz, dessen Urheber wir nicht sehen, während wir das Werk anstaunen, woher wird Beides zu den verschiedenen Verwendungen und Tätigkeiten gestaltet? Woher kommt diese aufgerichtete Gestalt, diese erhabene Haltung, die Kraft zu handeln, die Lebhaftigkeit des Gefühles, die Fähigkeit ferner, aufrecht einher zu schreiten? Die eigentlichen Organe der Natur entziehen sich unserer Kenntnis, nur die Verrichtungen derselben sind uns bekannt."  - St. Ambrosius, De ex. II, 11

"Höre, was Paulus sagt, und lerne von ihm, dass du Samen bist: „Gesäet wird der Leib in Verweslichkeit, auferstehen wird er in Unverweslichkeit; gesäet wird er in Unehre, auferstehen wird er in Herrlichkeit; gesäet wird er in Schwachheit, auferstehen wird er in Kraft; gesäet wird ein tierischer Leib, auferstehen wird ein geistiger Leib.“ Und auch du wirst gesäet, wie alles Übrige; was wunderst du dich, wenn du auch erstehest, wie alles Uebrige? Jenes glaubst du, weil du es siehest; dieses glaubst du nicht, weil du es nicht siehest: und doch „sind selig diejenigen, welche nicht sehen und gleichwohl glauben.“ Übrigens sollte darnach auch Jenes nicht geglaubt werden, ehe die Zeit dazu kommt; jede Zeit ist ja nicht geeignet, die Saat hervorzurufen. Zu anderer Zeit wird der Weizen gesäet, zu anderer geht er auf; zu anderer Zeit wird die Rebe gesetzt, zu anderer schwellen die knospenbedeckten Reiser, sprossen die Blätter, bildet sich die Traube; zu anderer Zeit wird der Ölzweig gepflanzt, zu anderer birgt er wie im Mutterschooße die Last der Beeren, und  wieder zu anderer Zeit neigt er sich unter der reichen Fülle seiner Frucht. Ehe aber für jedes seine Zeit kommt, ist das Wachsthum karg, und die zeugende Kraft der Natur hat die Zeit des Werdens nicht in ihrer Gewalt. Du kannst beobachten, wie sie formlos, nackt im Keime liegt, wie sie dann aber unter Blüten ergrünt, wie sie dann in der Glutdürre wieder Mutter aller Dinge wird. Wollte sie auch für alle Zeiten sich schmücken, wollte sie niemals den goldenen Schmuck der Saaten, die grünende Pracht der Wiesen ablegen: sie wird doch des Mangels ihrer eigenen Früchte nicht überhoben sein; sie wird nicht im Besitze ihrer Erträgnisse bleiben, die sie wieder zum Zwecke anderer Befruchtung abgegeben. Willst du also unsere Auferstehung nicht im Glauben, auch nicht auf Grund anderer Beispiele annehmen, so wirst du doch sie glauben auf Grund der Erfahrung. Viele Früchte, Wein, Oel, verschiedene Obstarten und andere haben am Schlusse des Jahres die Zeit ihrer Reife: auch uns bezeichnet das Ende der Welt, gleichsam das äusserste Ende des Jahres, die zur Auferstehung passende Zeit. Mit Recht fällt die Auferstehung der Toten mit dem Ende der Welt zusammen, damit nach der Auferstehung eine Rückkehr zu dieser sündigen Welt und Zeit nicht mehr stattfinden könne. Hat ja Christus gerade deswegen gelitten, um uns von dieser bösen Welt zu befreien, damit die Versuchungen der Welt uns nicht von Neuem überstürzten und so die Wiedergeburt, wenn es eine Wiedergeburt zur Schuld wäre, Unheil statt Segen brächte. Da haben wir also Grund und Zeit für die Auferstehung: den Grund, sofern die Natur sich bei allen Geschöpfen gleich bleibt, also auch beim Menschen allein nicht ausartet; die Zeit, weil Alles am Ende des Jahres zur Frucht wird. Die Zeiten der Welt sind Ein Jahr. Ist das zu verwundern, da sie in Einem Tage zusammengefasst werden? An Einem Tage führt der Herr die Arbeiter in seinen Weinberg mit den Worten: „Was stehet ihr hier den ganzen Tag müßig?“ Grund allen Entstehens ist der Same; dass aber auch der menschliche Leib Same sei, lehrt der Völkerapostel. Daraus folgt, dass er auch die Substanz zur Auferstehung einschließt. Wenn dem aber auch nicht so wäre, sollte denn wohl Jemand glauben, es sei für Gott schwierig, wo und wie er es wollte, die Menschen wieder in das Dasein zu rufen, da er doch nur befahl, die Erde solle ohne irgend eine Substanz oder Materie entstehen — und sie entstand! Blicke den Himmel an, betrachte die Erde! Woher kommt das Glutfeuer der Sterne? Woher der strahlende Umkreis der Sonne? Woher der Mondball? Woher kommen die Gipfel der Berge, die Härten der Felsen, die schattigen Haine der Wälder? Woher kommt ferner die weit ergossene Luft, das eingeschlossene und überströmende Gewässer? Wenn nun Gott dieses alles aus Nichts gemacht hat („Er sprach, und es ward; er befahl, und es war erschaffen“): warum sollen wir dann anstaunen, dass wiedererstehen könne, was einst gewesen ist? Sehen wir doch, dass geworden ist, was nicht war." Ib.
 

Auch die Propheten kündigten den Völkern die Auferstehung an, nicht jedoch die Wanderung der menschlichen Seele in einen Tierleib

Auch Isaias, der den Völkern die Auferstehung ankündigte, und der versichert, dass er als ein Bote göttlichen Auftrages rede, auch er hat gesagt: „Geredet hat der Mund des Herrn, und die Völker werden ausrufen: Wegen deiner Furcht, o Herr, haben wir empfangen und den Geist deines Heiles geboren, den du ausgegossen hast über die Erde. Hinsinken werden die, welche die Erde bewohnen, erstehen werden die, welche in den Gräbern sind. Dein Tau ist Heil für sie, aber der Gottlosen Land wird vergehen. Gehe, mein Volk, gehe in deine Kammer; verbirg dich einen kleinen Augenblick, bis der Zorn vorüber ist.“2 Auch der heilige Prophet Ezechiel lehrt und beschreibt ausführlich, wie den dürren Gebeinen die Lebenskraft zurückgegeben wird, wie Sinn, Bewegung, Nerventätigkeit zurückkehrt und so das Gebilde des menschlichen Körpers wieder erstarkt; wie dann die dürren Gebeine mit Fleisch umgeben werden, und wie der Lauf der Adern die Ströme Blutes wieder unter die Decke der Haut leitet. Lesen wir diese prophetischen Schilderungen, so scheint es uns, als wenn die Saat der menschlichen Körper vor unseren Augen wieder erstehe; wir meinen das ausgedehnte Brachfeld sich regen zu sehen in aufgehender Menschensaat. Wenn nun heidnische Weise geglaubt haben, dass aus hingestreuten Drachenzähnen auf den Gefilden Thebens einstmals eine starre Saat Bewaffneter hervorgegangen sei, während es doch sicher ist, dass die Natur ihre Saat nicht in andere Wesen verwandeln kann, auch niemals von der Saat verschiedene Frucht hervorgebracht hat, so dass Menschen aus Schlangen oder aus Zähnen hervorgingen: wenn die Weisen gleichwohl so glauben, so sollte man doch um so mehr glauben, dass Alles, was gesäet worden, zu seiner früheren Natur und Wesenheit wieder auferstehe. Könnt ihr Heiden, dürfen wir fragen, könnt ihr die Veredlung der Natur leugnen, wenn ihr die Veränderung derselben annehmet? Solltet ihr dem Propheten und dem Evangelium nicht glauben können, wenn ihr leere Fabeln so bereitwillig glaubt? Hören wir nun den Propheten selbst! So lauten seine Worte: (Ezech. 37, 1 ff) „Die Hand des Herrn kam über mich und führte mich hinaus im Geiste des Herrn und ließ mich nieder mitten auf ein Feld, das voll von Gebeinen war. Und er führte mich durch sie allenthalben ringsum; es waren ihrer aber sehr viele auf der Oberfläche des Feldes, und sie waren sehr dürre. Und er sprach zu mir: Menschensohn, meinst du wohl, dass diese Gebeine lebendig werden? Und ich sprach: Gott, Herr, du weisst es! Und er sprach zu mir: Weissage über diese Gebeine und sprich zu ihnen: Ihr dürren Gebeine, höret das Wort des Herrn! So spricht Gott der Herr zu diesen Gebeinen: Siehe ich will Geist in euch bringen, dass ihr lebendig werdet. Ich will euch Nerven geben und Fleisch über euch wachsen lassen, und euch mit Haut überziehen, und will euch Geist geben, dass ihr lebendig werdet, und ihr sollet erfahren, dass ich der Herr bin. Und ich weissagte, wie er mir geboten hatte. Und da ich weissagte, fing es zu rauschen an, und es regte sich über die Erde hin.“ Beachte wohl, dass der Prophet kundgibt, wie in den Gebeinen Gehör und Bewegung war, auch ehe noch der Geist des Lebens in sie ausgegossen war. Ueber die dürren Gebeine hin ergeht das Gebot, zu hören, als hätten sie den Gehörsinn auch jetzt noch. dass sie wirklich gehört und sich zu einander hin bewegt haben, liegt in der Beschreibung des Propheten, der fortfährt: „Gebein nähert sich zu Gebein, ein jegliches zu seinem Gliede. Und ich schaute, und siehe, Nerven und Fleisch kamen über sie, und Haut zog sich darüber: Geist aber hatten sie noch nicht.“ [29] 

Zu Einstein und anderen Materialisten kann man mit Ambrosius sagen: "Über den Lauf der Sonne und das Wesen des Himmels haben die Philosophen ihre Meinungen, und es gibt Leute genug, welche meinen, dass man ihnen glauben müsse, während sie doch nicht wissen, was sie sagen. Sie haben ja den Himmel nicht erstiegen, haben seine Achse nicht gemessen, haben die Welt nicht durchforscht. Keiner von ihnen ist bei Gott gewesen im Anfange der Dinge; keiner von ihnen hat von Gott gesagt: „Als er die Himmel bereitete, da war ich bei ihm, und erfreute mich vor ihm Tag für Tag.“(Prov. 8, 27) Wenn man gleichwohl Jenen glaubt, soll dann Gott doch nicht geglaubt werden? „Wie die neuen Himmel und die neue Erde, die ich vor mir bestehen mache, spricht der Herr, so wird auch euer Same und euer Name bestehen. Und es wird geschehen von Monat zu Monat, und von Sabbath zu Sabbath, dass alles Fleisch kommt, um vor mir anzubeten, spricht der Herr. Und man wird hinaus gehen und schauen die Leichname der Menschen, die sich an mir versündigt haben: ihr Wurm wird nicht sterben und ihr Feuer nicht erlöschen, und sie werden zum Abscheu sein allen Menschen.“(Isa. 66, 22 ff.) Wenn nun Himmel und Erde erneuert wird, warum zweifeln wir dann, dass auch der Mensch erneuert werde, um deswillen doch Himmel und Erde gemacht sind? Wenn der Sünder zur Strafe erhalten bleibt, warum soll nicht der Gerechte ewig leben zur Glorie? Wenn der Wurm der Sünder nicht stirbt, wie soll dann der Leib der Gerechten vernichtet werden? Das ist ja die Auferstehung, wie das Wort selbst es ausdrückt: was niedergesunken, erhebt sich wieder; was gestorben war, soll wieder aufleben. Das ist aber Ende und Ziel der Auferstehung, dass Leib und Seele, wie ihre Handlungen gemeinsam sind, beide auch zum Gerichte kommen, damit beiden Lohn zu Teil werde oder Beide ihre Strafe erhalten." [30] 

In Anbetracht der Materialisten und Arianer oder Muslime kann man auch heute noch sagen: "Wir sehen also, eine wie schwere Gotteslästerung darin eingeschlossen liegt, wenn wir nicht an die Auferstehung glauben. Wenn wir nicht auferstehen, dann ist Christus vergebens gestorben, dann ist Christus gleichfalls nicht auferstanden. Denn wenn er für uns nicht auferstanden ist, so ist er überhaupt nicht auferstanden, weil gar kein Grund vorhanden war, dass er für sich selbst auferstände. In ihm ist Welt, Himmel und Erde auferstanden, denn es wird ein neuer Himmel, eine neue Erde sein. Wie aber könnte für ihn selbst die Auferstehung als Nothwendigkeit gelten, da ihn die Bande des Todes gar nicht halten konnten? Obwohl er als Mensch gestorben ist, so war er doch auch in der Unterwelt frei." Er ist Mensch geworden, nicht bloß dem äusseren Scheine nach, sondern in Wahrheit, und wer wird ihn erkennen? „Er ist den Menschen gleich geworden,“ sagt der Apostel, „und im Äussern wie ein Mensch erfunden; er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode.“(Phil. 2, 7 f.) Durch seinen Gehorsam sollen wir aber auch seine Glorie erkennen: „die Glorie wie des Eingeborenen vom Vater.“ Er bedurfte keines Helfers: er musste denselben entbehren, als er die Welt schuf, damit er seiner auch entbehren könnte, als er die Welt erlöste. Kein himmlischer Bote oder Gesandter kam, sondern der Herr selbst hat ihn gerettet. Wer könnte ihm auch Hilfe leisten, durch den Alles geschaffen ist, durch den Alles besteht? [31]

Angenommen aber auch, dass dem nicht so sei, so muss doch jedenfalls diesem Leben die Auferstehung vorgezogen werden. Oder haben gewisse Weltweise irgend eine Art des Daseins aufgefunden, der wir uns lieber hingeben möchten, als der Auferstehung? "Selbst diejenigen, welche sagen, dass die Seele allein unsterblich sei, können mich hier nicht zufriedenstellen, da sie nur eine teilweise Erlösung in Aussicht geben. Oder was ist das für ein Gnadenerweis, wenn ich nicht ganz errettet bin? Was ist das für ein Leben, wenn Gottes Werk in mir vernichtet wird? Wo bleibt da die Gerechtigkeit, wenn der Tod das Ende unserer Natur birgt, und zwar in gleicher Weise dem Verkehrten wie dem Gerechten? Wo bleibt da die Wahrheit, nach welcher geglaubt wird, dass die Seele, die selbst sich bewegt und immer bewegt wird, unsterblich sei? Ungewiß ist es vielleicht, wie es sich mit dem Leben, das uns mit den Tieren gemein ist, verhält, ehe der Körper da war; und nun soll aus den Gegensätzen die Wahrheit nicht gefolgert, sondern aufgehoben werden. Oder gefällt die Meinung derjenigen vielleicht besser, die behaupten, dass unsere Seelen, sobald sie aus dem Leibe geschieden sind, in die Leiber von Tieren oder von anderen Wesen übergehen? Aber fürwahr, dass dies dichterische Spielereien seien, passend zu den durch Tränke bewirkten Circeischen Verzauberungen, das pflegen die Philosophen selber zu lehren; und sie sagen, dass nicht sowohl diejenigen, welche Solches, also die Wanderung ihrer Seele in einen Tierleib, erduldet zu haben vorgeben, als vielmehr die Sinne jener, welche derlei Narrheiten ersonnen haben, wie durch einen Circe-Trank in verschiedene Tier-Ungeheuer verwandelt worden seien. Denn was grenzt so ans Unglaubliche als zu glauben, Menschen haben in Tiergestalt verwandelt werden können? Um wie viel unglaublicher ist es, dass eine mit Herrscherwürde ausgestattete Menschenseele die dem menschlichen Geschlechte entgegengesetzte Tiernatur annehmen, ein vernünftiges Wesen in ein unvernünftiges übergeben könne, als dass Leibesgestalten seien umgewandelt worden? Ihr zerstöret das selber, die ihr es lehret: denn ihr habt die durch Zaubersprüche bewirkten Arten solch ungeheuerlicher Verwandlung preisgegeben. Die Dichter ersinnen solche Spielereien, die Philosophen verwerfen dieselben: handelt es sich um Dinge wie in den Erzählungen von der Circe, so nehmen sie dergleichen sofort als Erfindung; sollen sie es glauben, wo es sich um Tote handelt? Jene aber, welchen die Ehre der Erfindung zukommt, haben damit keineswegs ihre eigenen Erfindungen beweisen, sondern lediglich die Verirrungen der Philosophen verspotten wollen, welche glauben, dass eine Seele, die in Sanftmut und Demut ihren Zorn zu besiegen, Geduld zu üben gewohnt war, jetzt in einen Löwen eingeschlossen, von seiner Wut entzündet sich an Zorn und Blutdurst mit ungezügelter Wut ersättigen könne! Da ist eine Seele, welche einst tieferregte Völker mit ihrer hohen Einsicht und mit dem Worte der Vernunft besänftigte: und jetzt soll sie heulend nach Art der Wölfe unwegsame Steppen durchjagen? Im anderen Falle schleppte auch wohl eine Seele, eingeschlossen in einen Stierleib, unter der Last des schweren Fluches klagend, Blöcke: und dann soll sie wiederum in eines Menschen Gestalt auf befreieter Stirn vergeblich ihre gewohnten Hörner suchen? In noch anderem Falle hätte eine Seele mit kühnem Fluge, den Ruderern ihrer Flügel vertrauend, vordem zur Höhe des Himmels sich emporgeschwungen: und nachher müsste sie, ohne auf solchen Flug zu denken, sich von der Schwere ihres Körpers zu Boden gedrückt sehen? Das hat vielleicht den Ikarus ins Verderben gestürzt, dass er in jugendlicher Unbesonnenheit den törichten Fabeln vertraut und so geglaubt hat, er sei früher wohl ein Vogel gewesen. Dadurch sind auch wohl manche Greise getäuscht, dass sie gewaltigem Schmerze sich hingaben, weil sie zu leichtgläubig den Fabeln von Verwandlungen in einen Schwan gelauscht hatten und nun glaubten, dass auch sie, in lauten Klagen ihren Schmerz ausströmend, ihr bleichendes Greisenhaar mit zartem Flaum vertauschen könnten," eine Anspielung auf Cycnus, den Sohn des Stenelus, den Freund des Phaëton, dessen Verlust er schmerzlich beklagte, weshalb ihn Apollo in einen Schwan verwandelte. (Vgl. Ovid’s Metam. II, 367 ff. Virg. Aen. X, 189 ff.) [32]

"Wie unvernünftig und abstoßend ist das Alles! Wäre es denn nicht viel verständiger, wenn man das glaubte, was der Natur entspricht, was durch jede Art von Frucht, durch das Beispiel Anderer bestätigt wird, was die Weissagungen der Propheten, was die himmlische Verheißung Jesu Christi verkündigt? Vor Allem aber ist es würdiger, anzunehmen, dass das Werk Gottes nicht zu Grunde geht, und dass die nach dem Bilde und Gleichnisse Gottes Geschaffenen nicht umgewandelt werden können zur Ähnlichkeit unvernünftiger Tiere, wenn allerdings auch nicht das Bild des Körpers nach Gottes Ähnlichkeit geschaffen ist, sondern nur die Seele." - St. Ambrosius, De ex. II, 23 

"Wir haben nun gesehen, was ihr Heiden von euch selbst denket; und es kann in der Tat nicht Verwunderung erregen, wenn ihr glaubt, dass ihr in Tiere verwandelt werdet, da ihr ja Tiere anbetet. Ich aber wünsche, dass ihr besser von dem Lohne denket, den Gott der Herr uns aufbehalten; glauben sollt ihr, dass ihr nicht in Gemeinschaft unvernünftiger Tiere, sondern in Gesellschaft der Engel dereinst sein werdet. Die Seele muss die Wirren dieses Lebens, muss die irdische Hülle ihres Leibes verlassen und den himmlischen Versammlungen zueilen: aber freilich können nur die Heiligen dorthin gelangen. Dort muss die Seele Gott das Lob singen, wie es uns prophetischen Geistes die „geheime Offenbarung“ kündet: „Sie sangen das Lied Moses, des Knechtes Gottes, und das Lied des Lammes und sprachen: Groß und wunderbar sind deine Werke, Herr, allmächtiger Gott, gerecht und wahrhaftig sind deine Wege, König der Ewigkeit! Wer sollte dich nicht fürchten, o Herr! wer sollte nicht deinen Namen preisen? Du allein bist ja heilig und alle Völker werden kommen und vor dir anbeten.“ (Offb. 15, 4. 5) Zu deinem Hochzeitsmahle, Herr Jesu, soll die Seele kommen: von den irdischen Freuden soll sie als Braut zu himmlischen geführt werden. „Alles Fleisch soll ja zu dir kommen,“(Ps. 65, 3) aber frei vor irdischer Vergänglichkeit, unzertrennlich mit dem Geiste verbunden. Dort wird die Seele das himmlische Brautgemach schauen, wie es geschmückt ist mit Purpur, Rosen, Lilien und Kronen. So ist nur das Hochzeitsmahl des Lammes, so nur sein Gemach geschmückt! Dort glänzt, vergleichbar blauem Purpur, als Schmuck die ausdauernde Geduld der Bekenner, das Blut der Martyrer wie strahlende Rosen; dort schimmert die Lilie der Jungfrauen, die Krone der Priester. Das vor Allem hat David zu schauen gewünscht, wenn er ausruft: „Um Eines habe ich gebeten den Herrn, wiederum verlange ich es, dass ich weile im Hause des Herrn alle Tage meines Lebens, dass ich schaue die Lust des Herrn.“(Ps. 27, 4) Wohl ist es ein Segen, das zu glauben, eine Wonne, so zu hoffen: das nicht geglaubt zu haben, ist bittere Pein; solcher Hoffnung gelebt zu haben, ist hohe Gnade. Wenn ich nun darin irre, dass ich dereinst nach meinem Tode lieber mit den heiligen Engeln als mit unvernünftigen Tieren vereint zu sein wünsche: dann will ich gerne in diesem Irrtum bleiben, und Nichts soll mich, so lange ich lebe, um diese Hoffnung betrügen." Ib. 

Wer sollte aber auch nicht wünschen, „dass dieses Verwesliche die Unverweslichkeit, dass dieses Sterbliche die Unsterblichkeit anziehe?“( I. Kor. 15, 53) Wie wir jetzt durch die Gebrechlichkeit unseres Körpers dem Tode unterliegen, so werden wir dann, über unsere Natur hinausgehoben, den Tod nicht mehr zu fürchten haben. [33]
 

Maria Magdalena, Jerusalem, ausgegossen ward das Oel über die Juden, aber aufgesammelt von den Völkern

Ähnlich wie Augustinus meint auch Ambrosius: "Vergesset nicht, dass lediglich die Bewahrung der äusseren Reinigkeit noch kein Verdienst einschließt, dass vielmehr die innere Tugend hinzutreten muss. So sieht sich Maria Magdalena gehindert, den Herrn zu berühren, weil sie im Glauben an die Auferstehung einen Augenblick geschwankt hatte. Die aber darf Christus berühren, die ihn im Glauben erfasst hat. „Maria Magdalena stand ausserhalb bei dem Grabe weinend.“ (Joh. 20, 11) Weil sie draussen war, weinte sie; wäre sie drinnen gewesen, sie hätte nicht geweint. Sie weinte, weil sie den Leib Christi nicht sah; sie glaubte, er sei fortgenommen, weil ihre Augen ihn nicht erblickten. Maria war draussen, nicht so Petrus und Johannes. Sie waren eilends herbeigekommen und in das Grab eingetreten; darum weinten sie nicht, kehrten vielmehr, sich in seliger Freude beglückwünschend, zurück. Jene aber war nicht hineingetreten; darum weinte sie und glaubte nicht, in der Meinung, ihr Herr sei hinterlistiger Weise fortgenommen: selbst als sie die Engel erblickte, hielt sie zum Glauben sich noch nicht verpflichtet. Darum sagen ihr diese: „Weib, was weinest du, wen suchest du?“ So die Engel, und der Herr wiederholt später dieselben Worte, um uns zu lehren, dass die Worte der Engel den Willen Gottes verkünden. „Weib, was weinest du? wen suchest du?“ fragt auch der Herr. Sie, die nicht freudig geglaubt, ist in der Tat ein Weib; denn der, welcher glaubt, ist nach den Worten des Apostels (Eph. 4, 13) erstanden „zur vollkommenen Mannheit, zum Maaße des vollen Alters Christi.“ „Weib“ sagt der Herr, und der Tadel, welcher in dem Worte liegt, trifft nicht das Geschlecht, sondern den schwankenden Glauben. „Was weinest du?“ das will sagen: in dir selbst liegt der Grund und die Ursache deines Weinens, weil du Christus nicht vollkommen glaubst. Du weinest, weil du Christus nicht siehest; glaube und alsbald wirst du ihn schauen. Er ist da und niemals ferne denjenigen, die ihn suchen. „Was weinest du?“ das heisst: es bedarf der Tränen nicht, sondern eines bereitwilligen, deines Gottes würdigen Glaubens. Denke nicht an das Sterbliche, nicht an das, was vergänglich ist; und deine Tränen werden versiegen. Warum weinest du also, da Andere sich freudig beglückwünschen? „Wen suchest du?“ lautet die fernere Frage. Das heisst: Siehst du nicht, dass Christus gegenwärtig ist? Weisst du nicht, dass er die Kraft, die Weisheit und Heiligkeit Gottes selbst ist? Weisst du nicht, dass er die unversehrte Reinheit ist, geboren aus der Jungfrau, dass er immerdar aus, bei und in dem Vater ist, geboren, nicht erschaffen, gleich dem Vater, ewig geliebt, wahrer Gott vom wahren Gotte? „Sie haben den Herrn weggetragen“ sagt Magdalena, „und ich weiß nicht, wohin sie ihn gelegt haben.“ Ach, du irrest, Weib, wenn du glaubst, Christus sei von Anderen aus dem Grabe genommen und nicht in eigener Kraft daraus erstanden. Wer vermöchte denn Solches über die Macht, die Weisheit, die Heiligkeit Gottes? Nein, Christus wird nicht aus dem Grabe des Gerechten genommen, aber auch nicht aus dem Herzen seiner reinen, ihm ergebenen Jungfrauen. Wollte man ihn auch hinwegnehmen, man würde Nichts vermögen. Dann sprach der Herr: „Maria, blicke auf zu mir!“ Solange sie nicht glaubt, nennt er sie Weib; da sie aber beginnt, zu ihm sich zu wenden, nennt er sie Maria. Das ist ja auch der Name jener Jungfrau, die ihn geboren, wie auch der Name jeder Seele, welche den Herrn gläubig aufnimmt. „Blicke auf zu mir!“ Wer auf Christus blickt, dessen Leben wird gebessert; aber der bleibt im Irrtum, der Christum nicht sieht. Da wandte sie sich, sah ihn an und rief: „Rabboni!“ das heisst: Meister! Wer auf ihn blickt, der bekehrt sich; wer sich bekehrt, der schaut voller auf ihn; wer so ihn anschaut, der macht wahre Fortschritte. Darum nennt sie ihn Meister, den sie tot glaubte; sie redet den an, den sie verloren wähnte. Jesus sprach zu ihr: „Rühre mich nicht an!“ Der Sinn des Schwankenden im Glauben erfasst Christus nicht. Magdalena soll nicht berühren die Kraft, die Weisheit, die unversehrte, himmlische Reinheit des Herrn. „Gehe hin zu meinen Brüdern!“ Was ist das anders, als ihr befehlen: Weine nicht ferner; gehe vielmehr hin zu den auserwählten, treuesten Priestern! „Sage ihnen: Ich gehe zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott!“ [34]

Nicht auf rituelle Waschungen hinter den Ohren, wie es bei Irrgläubigen üblich ist, kommt es an sondern auf "jene Füße, die David im Geiste gewaschen, wenn er uns lehrt, wie wir vermeiden, sie wieder zu beflecken: „Es stehen unsere Füße in deinen Vorhöfen, Jerusalem!“ (Ps. 122, 2) Da denkt er nicht an leibliche, sondern an geistige Füße. Denn wie könnte ein sterblicher, irdischer Mensch seine leiblichen Füße setzen in die Räume des Himmels? Jerusalem ist aber nach dem Zeugnisse des Apostels der Himmel; er sagt ja nicht minder: „Unser Wandel ist im Himmel!“ (Phil. 3, 20) der Wandel in rechtgläubiger Sitte. [35]

Es geht nun darum, das Licht der Heiden zu erkennen. "Wer nun so lebt, der darf sagen: „Mein Geliebter streckte seine Hand durch die Oeffnung, und ich erzitterte, da ich sie berührte. Ich stand auf, meinem Geliebten zu öffnen.“(Cant. 5, 4) Es ist recht, dass wir bei der Ankunft des Herrn in tiefster Seele erschüttert werden. Wenn schon Maria bei der Ankunft des Engels erschrack, um wie viel mehr müssen wir bewegt werden bei der Ankunft Christi! Wenn göttliches Leben einströmt in unsere Seele, dann weicht die irdische Gesinnung, und die alten Gewohnheiten des äusserlichen Menschen schwinden. Darum eile mit tiefer Bewegung ihm entgegen. Siehe, Christus weilt an der Pforte, er klopft an der Türe deines Hauses: wenn du ihm öffnest, so tritt er ein, er mit seinem himmlischen Vater. Christus, unser Heiland, spendet aber seine Segnungen nicht bloß, nachdem er in die Seele eingetreten ist; nein, schon vorher lenkt er seine Gnadenströmungen in die Seele, die ihm entgegenkommen will. Noch erzittert die Seele unter der Berührung seiner göttlichen Hand; kaum hat sie das Tor ihres Herzens für Christus geöffnet, da sinken schon die Bande, die Fleisch und Blut aus Sinnlichkeit geflochten: „Ich stand auf,“ kann sie sagen mit der Braut des hohen Liedes, „meinem Geliebten aufzumachen: meine Hände triefen von Myrrhen, und meine Finger waren voll der köstlichsten Myrrhen.“ So trug Nikodemus, jener Lehrer in Israel, der zuerst von dem Geheimnisse der Taufe hören durfte,  Myrrhe und Aloe zum Grabe des Herrn, um seinen heiligen Leichnam damit zu salben. Ist nun beides nicht Sinnbild des himmlischen Geruches vollkommenen Glaubens? So steigt der Duft der Seele empor, welche Christo zu öffnen beginnt; die treu und fest glaubt, dass sein heiliger Leib die Verwesung nicht geschaut hat, dass er vielmehr als eine duftende, ewig grünende Himmelsblüthe glorreich die Hülle des Grabes durchbrochen hat. Wie kann es anders sein? Ist doch sein Name wie ausgegossen Oel! dass es für uns dufte, darum hat er sich bis zur Menschwerdung vernichtet. So lange das ewige Wort beim Vater weilte, erfreute es in Himmelsduft nur die Engel und Erzengel. Der Vater aber öffnete seinen Mund und sprach:( Isai. 49, 6) „Siehe, ich mache dich zum Lichte der Heiden, dass du mein Heil bis an der Erde Grenzen bringest.“ Da stieg der Sohn hernieder, und Alles strömte über von dem nie geahnten Wohlgeruche des Wortes. Es entquoll dem Herzen des Vaters das Wort, das herabkam, und der heilige Geist hauchte in alle Herzen die Liebe. „Denn ausgegossen,“ sagt der Apostel, „ist die Liebe Gottes in unseren Herzen durch den heiligen Geist.“ Er verschloß seine Himmelslehre, wie der Duft eingeschlossen bleibt im Gefäße, bis seine Stunde gekommen nach den Worten des Propheten:(Isai. 50, 4) „Der Herr gab mir eine beredte Zunge, dass ich zu reden wüsste, wann die Zeit gekommen.“ Es kam die Stunde, er tat auf seinen Mund, und wie kostbares Oel waren seine Worte. Ausgegossen ward das Oel über die Juden, aber aufgesammelt von den Völkern; ausgegossen in Judäa streut es seinen Wohlgeruch durch alle Lande. Es hat die Wasser der Gnade berührt und geheiligt: es strömt fort seit jener Zeit und nie wird es versiegen. Kommet ihr heiligen Jungfrauen, tretet hinzu, nehmet von diesem Oele, bewahret es sicher, dass es nicht verrinnet." [36]
 

Menschenkunde nach Plato, Aristoteles und den Propheten

Man kann alten Dichtern und Philosophen folgen wie Plato und Aristoteles, auch wenn man sich damals mehr an die heiligen Schriftsteller gehalten hat. "So schreibt der Prophet Ezechiel:(Ezech. 1, 3 ff) „Die Hand des Herrn kam über mich; und ich schaute, und siehe, es kam ein ungestümer Wind von Mitternacht her, eine große Wolke, Feuer darin, Glanz um sie her und mitten in dem Feuer war es wie lichthelle. Und darin war die Gestalt von vier lebenden Wesen. Ihre Gesichter aber waren so gestaltet: ein Menschengesicht, dann ein Löwengesicht zur Rechten bei allen Vieren, dann ein Rindgesicht zur Linken bei allen Vieren und überdies ein Adlergesicht bei allen Vieren, ihre Flügel aber waren ausgespannt.“ Hier haben wir jene Darstellung der Seele kennen gelernt. Die vier lebenden Wesen deuten auf die vier Seelentätigkeiten: in dem Menschengesichte wird das Vernünftige, in dem Löwen das Mutige, in dem Rinde das Begehrliche, in dem Adler das Erkennende ausgedrückt. So sprechen auch die griechischen Philosophen bei der Seele von einem: logistikon, thymethikon, epithymetikon, dioratikon, die lateinischen aber von: prudentia, fortitudo, temperantia, iustitia. Die Klugheit eignet der menschlichen Vernunft; der Starkmut ruht auf einer gewissen Kraft, die gewaltigen Mut und Verachtung des Todes lehrt; die Mäßigkeit bindet durch heilige Liebe und durch Betrachtung der himmlischen Geheimnisse die Gelüste des Fleisches; die Gerechtigkeit aber, mehr für Andere, als für sich selbst besorgt, mehr bedacht auf das öffentliche Wohl, als auf eigenen Nutzen, übersieht und durchforscht Alles von erhabenem Standpunkte aus. Deshalb wird auch die Seele, sofern sie die Tugend der Gerechtigkeit anstrebt, mit einem Adler verglichen, weil sie dann alles rein Irdische unbeachtet lässt und nur in Erforschung der himmlischen Geheimnisse versenkt die Glorie der Auferstehung für sich gewinnt. Deshalb ist auch zu ihr gerade gesagt: „Dem Adler gleich wird deine Jugend erneuert.“ (Ps. 103, 5) Es ist darnach auch dem königlichen Sänger ganz entsprechend, von Flügeln der Seele zu reden. An einem anderen Orte (Ps. 124, 7) sagt er: „Unsere Seele ist entronnen, wie ein Vogel dem Stricke der Jäger,“ und wiederum: (Ps. 11, 1) „Ich vertraue auf den Herrn; wie saget ihr zu meiner Seele: Fliehe, wie ein Sperling auf den Berg?“ Die Seele hat also ihre Flügel, mit denen sie sich frei erheben kann von der Erde, deren Kräftigung in der fortgesetzten Uebung guter Werke besteht. So soll denn die Seele auch die Gnade des Herrn in sich anregen und dessen, was hinter uns liegt, vergessend dem zustreben, was vor uns liegt, was in der Ewigkeit uns bestimmt ist. Sie soll ferne sich halten von den Ehren des öffentlichen Lebens, ferne von der sengenden Glut weltlicher Leidenschaft; es möchte ihr sonst gehen, wie jenem mythischen Ikarus, dessen künstliche Flügel unter den Strahlen der Sonne sich lösten, so dass er elend niederfiel. Es mag gestattet sein, in ernster Rede dieser Fabel zu gedenken; in ihrer Tiefe liegt ja ohnehin die Lehre verborgen, dass der Seelenflug durch die Welt nur für die gereifte Tugend ohne Gefahr ist, dass aber die unerfahrene, leichtsinnige Jugend gar bald den Gelüsten der Welt anheimfällt, und dann, wenn das Band der Wahrheit, das die Seele mit Gott verknüpft, gelockert ist, in unsäglichem Elende zur Erde niedersinkt. Nicht leicht ist dieser Aufschwung für Alle; gar schwierig ist der Lebenslauf, wenn die Seelenfähigkeiten mit einander im Kampfe liegen. Herrscht aber hier volle Übereinstimmung, so wird der Prophet auch in uns jenes Rad erblicken, das er in seinem Gesichte schaute „auf dem Boden neben den Wesen, und das Rad war wie vierfach.“ (Ezech. 1, 15) Das Rad sinnbildet unser Leibesleben, wenn dieses getragen ist von dem Tugendleben der Seele und den Vorschriften des Evangeliums gemäß verläuft. So wie im Gesichte Ezechiels das „Rad im Rade“ erschien, so ist unser Leben im Leben. Steht ja das Leben der Heiligen für Vergangenheit und Zukunft nicht im Widerspruch, und ausserdem wird im Leibesleben das ewige Leben begonnen. Ist diese Übereinstimmung vorhanden, dann wird auch zu uns die Stimme Gottes erschallen und in unserem Herzen wird wie auf einer Trongestalt sich niederlassen eine Gestalt, anzusehen wie ein Mensch; das ist das Wort, das „Fleisch geworden“. Dieser Gottmensch ist der Beherrscher unserer Seelentätigkeiten, der Lenker unserer Sitten. Je nach dem Maaße unserer Verdienste besteigt er für uns den Berg oder das Schiff. Das ist aber jenes Schiff, das die Apostel führt, in dem Petrus seinen Fischfang hält. Kein gemeines Schiff ist das, welches auf’s hohe Meer geführt, das heisst: von den Ungläubigen getrennt wird. Warum aber ist es gerade ein Schiff, das der Herr besteigt, von dem aus die Volksschaaren belehrt werden? Weil die Kirche jenes Schiff ist, das unter wehender Kreuzesflagge von dem Hauche des göttlichen Geistes getrieben hinsegelt durch die stürmende Welt. Von hier aus hält Petrus seinen Fischzug. Bald heisst ihn der Herr das Netz, dann wieder die Angel auswerfen. Ausgeworfen wird die Angel in die Welt, um vor Allen aus ihr, wie aus des Meeres Tiefe, den ersten Märtyrer Stephanus zu heben, der in sich den Schatz birgt, der Christus muß gezollt werden: der Märtyrer Christi ist ja der Schatz der Kirche. Jener nun, der von der Erde zuerst zum Himmel heranstieg, war als Diacon von Petrus gewonnen, wie einst der Fisch, den er an der Angel aus dem Meere hob: so ward auch Stephanus unter Strömen Blutes zum Himmel emporgetragen. In seinem Munde ruhete der Schatz, da er Christus in feierlicher Rede bekannte. Welcher Schatz ruht in uns, wenn nicht das „Wort Gottes?“ Gottes Netz und Angel werden ausgeworfen. Das Netz holt Schaaren des Volkes aus der Tiefe; die Angel bringt einzelne Auserwählte."  [37]

Dort also ist die Tiefe der Wasser, wo Christus ist. Jene Gewässer sind das, von denen der Psalmist singt: (Ps. 77, 17) „Es sahen dich die Wasser, o Gott! es sahen dich die Wasser und fürchteten sich, es bebten die Tiefen.“ Bei den Juden fehlte die Tiefe des Herzens; darum sagte der Herr: „Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, aber ihr Herz ist weit von mir entfernt.“ Christus liebt es im Herzen zu weilen nach seinem eigenen Worte: (Matth. 12, 40) „Gleichwie Jonas drei Tage und drei Nächte in dem Bauche des Fisches gewesen, also wird auch der Sohn des Menschen drei Tage und drei Nächte im Herzen der Erde sein.“ Petrus selbst gibt aber deutlich genug kund, dass die Worte des Herrn: „Fahre hinaus in die Tiefe!“ vom Glauben zu verstehen seien. „Meister,“ sagt er, „wir haben die ganze Nacht gearbeitet und Nichts gefangen; aber auf dein Wort will ich die Netze auswerfen.“ Die Nacht umgab den Petrus, ehe er Christus erblickte. Der Tag war ihm noch nicht angebrochen, weil ihm das wahre Licht noch verborgen war. Heute ist die Moschee Nacht, "die Kirche erst ist Tag". Deshalb sagt auch Paulus: (Röm. 13, 12) „Die Nacht ist vorgerückt, der Tag aber hat sich genahet.“ Gebenedeit sei das Licht, welches die Finsternis der alten Treulosigkeit vertreibt und den Tag echten Glaubens anbrechen lässt. Tag ward es für Petrus, Tag auch für Paulus. Deshalb gelten heute, an ihrem Feste, die Worte des heiligen Geistes:(Ps. 19, 3) „Ein Tag bringt dem anderen das Wort herfür.“ Beide verkünden aus der Fülle ihres Herzens den Glauben an Jesus Christus, und selig der doppelt heilige Tag, der uns das wahre Licht gebracht hat! Was wir im Evangelium lesen, das wiederholt sich vielleicht im Himmel. Dort reden Christus, der Herr, und Petrus vielleicht wie einst. „Fahre hinaus in die Tiefe!“ spricht der Herr noch immer, und es ist mir, als hörte ich Petrus sagen: „Meister! wir haben die ganze Nacht gearbeitet und Nichts gefangen.“ Keiner von den Reicheren hat wohl heute gefastet. Ihnen sagt deshalb Petrus (I. Petr. 1, 17 ff) mit Recht: „Wandelt in Furcht, so lange ihr hier pilgert, da ihr wisset, dass ihr nicht mit vergänglichem Golde oder Silber erlöset seid von dem eitlen Wandel, der sich von den Vätern auf euch vererbt hat, sondern mit dem kostbaren Blute Christi, als eines unbefleckten und tadellosen Lammes.“ Gold und Silber hat euch also nicht befreiet, sondern die Bewährung des Glaubens rettet euch, die kostbarer ist als vorzügliches Gold. [38]
 

Theodosius hat jede Art von Götzendienst unter Strafe der Majestätsbeleidigung verboten. Unter ihm wurde das Christentum Staatsreligion; das Heidentum blieb fortan ohne Heiligtum und Kult

Das wäre in der heutigen Zeit unvorstellbar, in der schon fast der abstrakte Götzedienst des Islams von Politikern über das Christentum gestellt wird; in manchen Städten gibt es mehr Moscheen als Kirchen. Dazu Ambrosius: "Ein gutes Kind war nun Joseph, der der frommen Feier die Form gegeben hat, den der Vater lieb hatte und zu dem er sprach: „Mein Gott sei dein Helfer und segne dich mit der ganzen Segensfülle der Erde um des Segens der Mutterbrüste und des Mutterschoßes, der Segnungen deiner Mutter willen und um der Segnungen deines Vaters willen!“(Gen. 49, 25 f) Eines frommen Vaters gutes Kind! Schon er feierte also den vierzigsten Gedenktag seines Vaters Jakob, jenes Fersenhalters und Beinstellers (Gen. 25, 25; 27, 36). Auch wir begehen feierlich den Vierzigsten des Theodosius, der in Nachahmung Jakobs dem Unglauben der Tyrannen, Eugenius und Maximus, ein Bein stellte; der die Götzenbilder der Heiden vergrub (Gen. 35, 4), denn allen Götzendienst hat sein Glaube in Nacht begraben, allen heidnischen Kult in Vergessenheit gehüllt. Er bedauerte es sogar, dass der Straferlaß, den er gewährt hatte, an den Schuldigen, die sich gegen ihn vergangen hatten, nicht zur Ausführung gelangte und die Begnadigung ihnen versagt blieb." Das Römische Reich konvertierte 380 zum Christentum, als Theodosius I. mit dem Erlass "Cunctos Populos" alle heidnischen und häretischen Religionen verbot: "die übrigen, die wir für wahrhaft toll und wahnsinnig erklären, haben die Schande ketzerische Lehre zu tragen ... und werden von unserer Strafgerechtigkeit ereilt." Das war keine Konversion, sondern ein Befehl, dem rund 60 "Ausführungsbestimmungen" folgten. [39]

Ambrosius erinnert daran, welche Triumphe der Glaube des Theodosius errungen hat, über die ernsten religiösen Vorbereitungen des christlichen Kaisers auf den Feldzug gegen Eugenius im allgemeinen und auf die Entscheidungsschlacht bei Aquileja im besonderen. "Da infolge des engen Geländes und der Behinderungen durch den Troß das Heer etwas zu spät in die Schlacht eintrat und der Feind infolge der Verzögerung des Kampfes zum Sturm überzugehen schien, sprang der Kaiser vom Roß, trat allein vor die Schlachtreihe und rief: „Wo ist der Gott des Theodosius?“ Schon stand er Christus ganz nahe, da er dies sprach. Wer könnte denn auch so sprechen, wenn er sich nicht als Anhänger Christi fühlte? Durch diesen Ruf nun begeisterte er alle, durch sein Beispiel wappnete er alle. Gewiß, er stand an Jahren bereits im Greisenalter, kraft des Glaubens aber im kräftigen Mannesalter." Nach dem übereinstimmenden Urteil des Altertums verdankte er den Sieg vor allem einem gewaltigen Sturm, der gegen das feindliche Heer brauste und die eigenen Geschosse auf dasselbe zurücktrieb. [40]

Plato und Aristoteles sprechen sich für Strafmilderung aus für im Zorn begangene Verbrechen. Doch besser spricht die göttliche Schrift: „Zürnet, aber sündiget nicht!“ (Ps. 4, 5) Sie wollte lieber die Sünde von vornherein verhüten als nachträglich entschuldigen. Besser ist es, in der Aufregung das Lob der Milde zu ernten, als im Zorn zur Rache sich fortreißen zu lassen. [41]

Nur wer nämlich mit der Kirche das Ostern des Herrn feiert, bleibt in Ewigkeit. Wer immer hier das Ostern des Herrn gut feiert, wird im ewigen Lichte wohnen. Wer hat es glänzender gefeiert als der, "welcher die gottschänderischen Verirrungen abschaffte, die Tempel schloß, die Götzenbilder vernichtete?" Hierin bleibt dem König Josias vor seinen Vorgängern der Vorrang eingeräumt (2 Kön. 23). "Im Lichte wohnt nun Theodosius immerdar und freut sich der Herrlichkeit unter den Scharen der Heiligen. Dort umfängt er jetzt den Gratian, der seine Todeswunden nicht mehr beklagen braucht, weil ihm ein Rächer erstanden ist. Ob er auch vor der Zeit durch schmählichen Mord dahingerafft ward: er besitzt die Ruhe seiner Seele. Dort erfreuen sich beide so edle und weitherzige Träger der Liebe des gemeinsamen Lohnes ihrer Barmherzigkeit. Von ihnen gilt das Wort: „Ein Tag kündet dem anderen das Wort“(Ps. 19, 3); anders dagegen bei Maximus und Eugenius in der Hölle: da „tut’s eine Nacht der anderen kund“ (Ps. 19, 3). Sie lehren durch ihr trauriges Beispiel, wie schwere Folgen es hat, gegen die eigenen Fürsten die Waffen zu kehren. Von ihnen heisst es so trefflich: „Ich sah den Gottlosen hoch aufgerichtet und stolz erhoben wie die Zedern des Libanon. Da ging ich vorüber, und sieh, er war nicht mehr“ (Ps. 37, 35 f). Im Gegensatz zum Gottlosen (zu denen auch der Muslim gerechnet wird) ging der Christ nämlich "vom Dunkel dieser Welt zum ewigen Licht über, und der Gottlose war nicht mehr: er hat aufgehört, ein Ungerechter zu sein." [42]

Einen sochen Nachruf könnte man von heutigen Politikern kaum machen: "Jetzt erst fühlt sich Theodosius erlauchten Andenkens als König, da er im Reiche des Herrn Jesus Christus weilt und dessen Tempel schaut. Jetzt fühlt er als König sich glücklich, da er auch seinen Sohn Gratian und die Pulcheria, die süßen Lieblinge, die er hier verloren hatte, zurückerhielt; da seine Flaccilla, die gottgetreue Seele, bei ihm weilt; da er sich des wiedergefundenen Vaters freut; da er in Gemeinschaft mit Konstantin lebt. Wenngleich nämlich diesem erst an seinem letzten Lebensende durch die Taufgnade Nachlaß aller Sünden wurde, erlangte er doch durch den Umstand, dass er der erste Kaiser war, welcher den Glauben annahm, und dass er den Herrschern nach ihm das Glaubenserbe hinterließ, eine hohe Verdienstesstufe. In seinen Tagen erfüllte sich jenes Prophetenwort: „An jenem Tage wird auf dem Zaume des Rosses stehen: heilig dem allmächtigen Herrn“ (Zach. 14, 20). Seine Mutter, die große Helena heiligen Andenkens, machte das auf Eingebung des Geistes Gottes offenbar." [43]
 

Helena und die Legende vom wahren Kreuz (Storie della Vera croce) 

Eine Herbergswirtin soll sie anfänglich gewesen und so mit dem älteren Konstantius, der nachher die Herrschaft erlangte, bekannt geworden sein. Helena, aus niedrigem Stande geboren, war dem Konstantius Chlorus in unebenbürtiger, aber gültiger Ehe verbunden. Ihr Sohn Konstantin zog sie, nachdem Konstantius sie entlassen hatte, an den Kaiserhof und erhob sie zur Augusta. "Eine gute Herbergsmutter, die mit solchem Eifer die Krippe des Herrn aufsuchte. Eine gute Herbergsmutter, der jener Herbergsvater nicht unbekannt war, der die Wunden des von den Räubern wundgeschlagenen Menschen heilte (Luk. 10, 30 ff.). Eine gute Herbergsmutter, die lieber für Kot geachtet werden wollte, um Christus zu gewinnen (Phil. 3, 8). Darum hat sie Christus aus dem Kot zum Herrscherthrone emporgehoben nach dem Schriftworte: „Er erhebt den Armen aus dem Staube und richtet den Dürftigen aus dem Kot empor“ (Ps. 113, 7).Helena kam denn und begann die heiligen Orte zu besuchen. Da gab ihr der Geist ein, das Kreuzesholz aufzusuchen. Sie begab sich auf Golgatha und sprach: „Sieh, der Ort des Kampfes! Wo ist der Sieg? Ich suche das Panier des Kreuzes, aber ich finde es nicht. Ich,“ rief sie aus, „auf dem Throne, und das Kreuz des Herrn im Staube? Ich in Gold, und Christi Triumph im Schutt? Dieser noch begraben und vergraben die Siegespalme des ewigen Lebens? Wie soll ich an meine Erlösung glauben, wenn die Erlösung selbst sich dem Auge entzieht?"  [44]

Sie lässt nun den Boden aufgraben, das Erdreich wegnehmen: da stößt sie auf drei durcheinanderliegende Marterhölzer, die der Schutt bedeckt, der Feind versteckt hatte. Doch Christi Triumph konnte nicht in Nacht vergraben bleiben. Sie ist ratlos. "Doch der Heilige Geist gibt ihr einen sicheren Fingerzeig durch die Eingebung, dass zwei Schächer mit dem Herrn gekreuzigt wurden. Sie sucht nun nach dem mittleren Kreuzesholz. Doch möglicherweise hatte die Verschüttung die Kreuze durcheinander geworfen, der Zufall sie durcheinander gebracht. Wieder liest sie den Bericht des Evangeliums. Sie findet, dass das mittlere Kreuz die Aufschrift an der Stirne trug: „Jesus von Nazareth, König der Juden“ (Joh. 19, 19). Hieraus konnte der wahre Sachverhalt erschlossen werden: aus der Aufschrift ward das Kreuz des Heils offenbar. So lautete die Antwort, die Pilatus den Juden auf ihre Vorstellung gab: „Was ich geschrieben habe, bleibt geschrieben“ (Joh. 19, 22), d. h.: nicht das habe ich geschrieben, was euer Gefallen finden, sondern wovon die kommende Zeit Kenntnis nehmen sollte. Nicht für euch habe ich es geschrieben, sondern für die Nachwelt, beinahe als wollte er sagen: Helena sollte etwas zu lesen finden als Anhaltspunkt, um das Kreuz des Herrn daraus zu erkennen." [45]

Sie fand also die Aufschrift und betete den König, nicht fürwahr das Holz an; denn das wäre heidnischer Wahn und gottloser Aberglaube. Den vielmehr betete sie an, der am Holz gehangen, dessen Name auf der Überschrift gestanden. "Voll Verlangen trachtete die Frau, das Heilmittel der Unsterblichkeit zu berühren, scheute sich aber, das Geheimnis des Heils mit dem Fuße zu treten. Freudigen Herzens und zagenden Schrittes wusste sie nicht, was tun. Doch gelangte sie hin zur Liegestelle der Wahrheit: das Holz leuchtete auf, die Gnade erstrahlte. Und da schon Christus in Maria eine Frau heimgesucht hatte, suchte der Geist in Helena eine solche heim: er tat ihr kund, was eine Frau nicht wissen konnte, und führte sie auf den Weg, den ein Sterblicher nicht erkennen konnte."  [46]

Helena führte das Kreuz als Zeichen für christliche Kaiser ein: "Weise handelte Helena, da sie das Kreuz auf dem Haupte der Könige aufpflanzte. Es sollte das Kreuz Christi an den Königen verehrt werden. Nicht Ungehörigkeit ist es, sondern Frömmigkeit, wenn der heiligen Erlösung Verehrung gezollt wird. Ein Gut ist dieser Nagel im Zügel der römischen Herrschaft. Er beherrscht den ganzen Erdkreis und schmückt die Stirne der Kaiser, so dass sie jetzt Prediger sind, die so oft die Verfolger waren. Mit Recht ruht der Nagel auf dem Haupte, damit dort, wo der Verstand thront, auch der Schutz herrsche. Auf dem Haupte die Krone, in den Händen der Zügel. Die Krone vom Kreuze, dass der Glaube leuchte; desgleichen der Zügel vom Kreuze, dass die Macht herrsche. Und ein gerechtes Herrschen soll es sein, nicht ein ungerechtes Gebieten. Auch diesen Vorzug mögen die Kaiser von der Freigebigkeit Christi eingeräumt erhalten, dass vom römischen Kaiser in Nachahmung Christi das Wort gelte: „Eine Krone aus kostbarem Edelgestein hast du auf sein Haupt gesetzt“ (Ps. 21, 4)". [47]

Auch heute könnte es wieder aktuell werden: " Das Kreuz des Herrn wies sie in die Schranken und rief sie zurück aus dem Abgrund der Gottlosigkeit. Es richtete ihre Augen nach oben, dass sie himmelwärts Christus suchten. Sie legten ab den Zaum der Gottlosigkeit, legten an den Zügel der Gottesfürchtigkeit und des Glaubens und folgten dem, der sie einlud: „Nehmt mein Joch auf euch! Denn mein Joch ist süß und meine Bürde leicht“ (Matth. 11, 29 f.). Von da an waren alle folgenden Kaiser Christen mit einziger Ausnahme des Julian, der den Urheber seines Heils (Hebr. 2, 10) verließ, indem er sich dem Irrwahn der Philosophie ergab. Von da an herrschen ein Gratian und Theodosius." [48]

Der arme Lazarus trug von Jugend auf das schwere Joch; darum genießt er nach dem Zeugnis der göttlichen Schriftlesung im Schoße Abrahams der besonderen Ruhe (Luk. 16, 20 ff.). "Theodosius trug das schwere Joch von Jugend auf, da die Mörder seines siegreichen Vaters auch ihm nach dem Leben strebten. Er trug das schwere Joch, da er ob seiner Kindesliebe in die Verbannung gehen musste; da er die Reichsregierung zu einer Zeit übernahm, als die Barbaren das römische Reich überschwemmt hatten. Er trug das schwere Joch, um dem römischen Reich die Tyrannen vom Halse zu schaffen." Heute wird Europa mit muslimischen Barbaren überschwemmt, viele Politiker wie Merkel und die Grünen setzen auf unkontrollierte Zuwanderung der Muslime. [49]

Lange war Konstantinopel das Zentrum der christlichen Welt: "Besorge nicht, dass die siegverklärte irdische Hülle, wohin sie nur auf dem Zuge kommt, nicht die gebührenden Ehren fände. So denkt nicht Italien, das Zeuge seiner herrlichen Triumphe war, das von ihm wiederholt von Tyrannen befreit wurde und ihn als den Urheber seiner Freiheit feiert; so nicht Konstantinopel, das seinen Kaiser zum zweiten Mal zu siegreichem Kampf aussendete, den es nicht hätte zurückhalten können, auch wenn es gewollt hätte. Es hoffte zwar bei seiner Rückkehr Triumphe und Siegesfeste feiern zu können; es erwartete den Kaiser des ganzen Erdkreises, umringt von seinem gallischen Heere und gestützt auf die Macht der ganzen Welt. Doch jetzt kehrt Theodosius noch mächtiger, jetzt noch glorreicher dahin zurück, geleitet von der Schar der Engel, gefolgt von der Menge der Heiligen. Selig fürwahr, dass du einen Bewohner des Paradieses aufnimmst und in der hehren Grabstätte, die seinen Leib gastlich birgt, einen Bürger jener himmlischen Stadt in deiner Mitte haben wirst!" [50]
 

Achtsamkeit 

Ist einer im Reden behutsam, wird er milde, sanft, bescheiden. Wenn er nämlich seinen Mund hält und seine Zunge wahrt und nicht redet, bevor er nicht seine Worte prüft und überschlägt und abwägt, ob dies zu sagen sei, ob es diesem gegenüber zu sagen sei, ob es der rechte Zeitpunkt zu solcher Rede sei, so übt er in der Tat Bescheidenheit und Sanftmut und Geduld. Er wird nicht aus Ungehaltenheit und Zorn in Worte ausbrechen, in seinen Aussprüchen keinerlei Leidenschaft verraten und nicht merken lassen, dass die Glut sinnlicher Lust in seiner Rede lodert und seine Äusserungen den Stachel des Jähzornes bergen; die Rede soll schließlich nicht, statt eine Empfehlung für die innere Gesinnung zu sein, irgendeine sittliche Blöße aufdecken und verraten. Gerade dann macht der Widersacher in seinen Nachstellungen die größten Anstrengungen, wenn er etwelche Leidenschaften von uns in der Entstehung begriffen sieht. Da legt er den Zunder, legt er den Fallstrick. Nicht mit Unrecht spricht daher der Prophet, wie du heute verlesen hörtest: „Er hat mich befreit vom Stricke der Jäger und von herber Rede“ (Ps. 91, 3). Symmachus (Ein Ebionite, der das Alte Testament ins Griechische übersetzte) gebrauchte den Ausdruck ‚Wort der Aufreizung‘ [logos epereias], andere (zum Beispiel Theodotion, ebenfalls ein griech. Übersetzer des Alten Testamentes)‚ Wort der Verwirrung‘ [logos tarachodes]. "Der Strick des Widersachers ist unsere Rede, aber auch sie selbst ist nicht weniger unser Widersacher. Wir reden so häufig etwas: der Feind fängt es auf und verwundet uns gleichsam mit unserem eigenen Schwert. Wie ist es unvergleichlich erträglicher, durch fremdes Schwert als durch das eigene umzukommen! So kundschaftet denn der Widersacher unsere Waffen aus und prüft seine eigenen Geschosse. Sieht er mich in Erregung, setzt er seine Stachel an und weckt die Saat der Zankworte. Lasse ich ein unschickliches Wort entschlüpfen, zieht er seine Schlinge zusammen." [51]
"Aber auch vor jedem sichtbaren Widersacher, der reizt, der stachelt, der den Zunder der Lust oder Sinnlichkeit legt, hat man sich in acht zu nehmen. Wenn uns also einer schmäht, neckt, zu Tätlichkeit reizt, zu Zank herausfordert, dann lasst uns Schweigen üben! Dann lasst uns nicht schämen zu verstummen! Denn ein Sünder ist es, der uns herausfordert, der unrecht tut und uns zu seinesgleichen haben möchte. So spricht er denn gerne, wenn du schweigst, wenn du dir nichts merken lässt: Was schweigst du? Sprich, wenn du dich getraust! Doch du getraust dich nicht, du bist stumm, ich habe dich sprachlos gemacht. Schweigst du, zerschreit er sich noch mehr, hält sich für besiegt, genarrt, verachtet und verspottet. Erwiderst du, fühlt er sich als der Überlegene, weil er seinesgleichen gefunden hat. Schweigst du, so heisst es: er hat diesen beschimpft, dieser ihn mit Verachtung gestraft. Erwiderst du das Geschimpfe, heisst es: beide haben sich in Schmähungen ergangen; jeden straft das Urteil, keinen spricht es frei. Er geht also geflissentlich darauf aus, mich zu reizen, dass ich Ähnliches rede, Ähnliches tue wie er. Am Gerechten aber ist es, sich nichts merken zu lassen, nichts zu erwidern, die Frucht des guten Gewissens zu wahren, mehr dem Urteile der Guten, als der Unverschämtheit eines Lästermaules anheimzustellen und damit zufrieden zu sein, die Würde im Verhalten bewahrt zu haben. Das nämlich heisst „ob des Guten schweigen“ (Ps. 39, 3); denn wer ein gutes Gewissen hat, darf sich nicht über falsche Anschuldigungen aufregen und nicht glauben, fremder Schimpf wiege schwerer als das Selbstzeugnis. So kommt es, dass er auch die Demut wahrt. Will er hingegen nicht allzu demütig erscheinen, sinnt er also und spricht bei sich selbst: Wie, der will mich verachten und unter meinen Augen solche Reden wider mich führen, als könnte ich nicht den Mund gegen ihn auftun? Warum sollte nicht auch ich etwas sagen, womit ich ihn ärgern kann? Wie, der will mir Beleidigungen zufügen, als wäre ich kein Mann, als könnte ich mich nicht rächen? Der will mich verunglimpfen, als könnte ich nicht noch Schlimmeres wider ihn vorbringen? Wer so spricht, ist nicht sanft und demütig (Matth. 11, 29), ist nicht frei von Versuchung. Der Versucher stachelt ihn auf, er speit ihm solche Gedanken ein. Meist bedient sich der böse Geist eines Menschen hierzu und zieht ihn bei, dass er so zu ihm spreche. Doch du wandle fest auf Felsenpfad! Mag selbst ein Sklave eine Beleidigung sprechen, der Gerechte schweigt; mag ein Schwächling Schimpfworte ausstoßen, der Gerechte schweigt; mag ein Armer in Schmähungen sich ergehen, der Gerechte erwidert nicht. Das sind die Waffen des Gerechten. Durch Nachgeben trägt er den Sieg davon. So pflegen auch geübte Speerwerfer durch Ausweichen zu siegen und im Fliehen dem Verfolger die schwersten Wunden zu schlagen." - St. Ambrosius, De off. I, 5 
"Was braucht es denn der Aufregung, wenn wir Schmähungen hören? Warum wollten wir nicht jenen nachahmen, der bekennt: „Ich verstummte und demütigte mich und schwieg ob des Guten“ (Ps. 39, 3) Oder sprach David nur so, handelte er nicht auch so? Gewiß, er handelte auch so. Denn als Semeis Sohn ihn schmähte, schwieg David. Obschon von Bewaffneten umgeben, erwiderte er die Beschimpfung nicht, drang nicht auf Rache: so wenig, dass er dem Sohne Sarvias, der zu ihm sagte, er wolle Rache an jenem nehmen, es nicht erlaubte (2 Kön. 16, 5 ff.). So ging er denn gleichsam stumm und demütig, ging schweigend des Weges. Er regte sich über den Namen ‚Blutmensch‘ nicht auf, indem er seiner Sanftmut eingedenk blieb; er regte sich über die Beschimpfungen nicht auf, indem er sich seiner guten Werke vollbewusst war. Wer sonach durch Beleidigung sich schnell aufregen lässt, erweckt, während er das Unverdiente seiner Beschimpfung beweisen will, den Anschein, als ob er sie verdienen würde. Besser der, welcher sich über die Beleidigung hinwegsetzt, als der, welcher sich darüber abhärmt. Denn wer sich darüber hinwegsetzt, verachtet sie, als fühlte er sie nicht; wer sich aber darob abhärmt, leidet darunter, als fühlte er sie." Ib.
Die Pflichten, meinte Cicero, leiten sich her vom Sittlichguten und Nützlichen und von der Wahl des Besseren zwischen diesen beiden; es könne ferner der Fall eintreten, dass es sich um ein zweifaches Gute und ein zweifaches Nützliche zugleich handle und die Frage entstehe, was das Bessere und was das Nützlichere davon sei. So ergibt sich denn zunächst eine dreifache Einteilung des Pflichtmäßigen: in das Sittlichgute, das Nützliche und das, was das Bessere ist. Sodann teilte man diese drei Arten in fünf weitere ein: in ein zweifaches Sittlichgute, in ein zweifaches Nützliche und in die Wahl und Entscheidung darüber. Die ersteren betreffen, wie man sagt, das Schickliche und das Ehrbare im Leben, die beiden folgenden die Glücksgüter des Lebens: Besitz, Reichtum und Vermögen; die Wahl hierüber stehe dem Urteil zu. "Wir aber bemessen ausschließlich nur das Schickliche und Ehrbare, mehr mit dem Maßstab des Zukünftigen als des Gegenwärtigen, und bezeichnen nur das für nützlich, was der Seligkeit des ewigen Lebens, nicht was der Lust des gegenwärtigen frommt. Wir erblicken auch keinerlei Vorteile in Reichtum und Vermögensschätzen, sondern halten diese für Nachteile, wenn man nicht darauf verzichtet. Schwerer drückt ihre Last, wenn sie vorhanden sind, als ihr Verlust, wenn sie abhanden kommen. Unsere schriftliche Arbeit ist daher nicht überflüssig, weil wir an den Pflichtbegriff einen anderen Maßstab anlegen, als jene Autoren es getan haben. Sie halten die irdischen Glücksgüter für etwas Gutes, wir halten sie geradezu für einen Nachteil, weil einer, der gleich jenem Reichen hier Gutes empfängt, dort gepeinigt wird, ein Lazarus dagegen, der hier Schlimmes erduldete, dort seinen Trost findet (Luk. 16, 19 ff). Wer jene Werke nicht liest, mag nach Gutdünken unsere Zeilen lesen, wenn es ihm sonst nicht um Wortgepränge und Redekunst, sondern um die schlichte Schönheit der Sache zu tun ist." [52]

Ambrosius teilt mit vielen Kirchenschriftstellern der alten Zeit die Anschauung, dass alles, was an wahren Weisheitselementen bei heidnischen Autoren sich vorfindet, auf Entlehnungen aus der Hl. Schrift beruht. Daher sagt er, "an erster Stelle waren es unsere Schriften, worin das Geziemende, griechisch [prepon] genannt, näher festgesetzt wurde. Wir werden darüber aufgeklärt und belehrt, wenn wir lesen: „Dir geziemt Lobgesang, o Gott, auf Sion“, oder im Griechischen: [Soi prepei hymnos ho theos en Sion] (Ps. 65, 2). Auch der Apostel mahnt: „Rede, was sich für eine gesunde Lehre geziemt!“ (Tit. 2, 1) Und an einer anderen Stelle: „Es ziemte sich aber dem, durch welchen alle Dinge und um dessentwillen alle Dinge sind, und welcher viele Kinder zur Herrlichkeit herbeiführte, den Führer ihres Heils durch Leiden zu vollenden“ (Hebr. 2, 10). Hat etwa Panätius, hat Aristoteles, der ebenfalls von der Pflicht handelte, früher gelebt als David? Ist doch selbst Pythagoras, der an Alter, wie wir lesen, über Sokrates hinaufreicht, dem Propheten David gefolgt, da er den Seinigen das Gesetz des Schweigens gab. Doch er wollte seinen Schülern fünf Jahre lang das Sprechen überhaupt verbieten, während David diese Naturgabe nicht beeinträchtigen wollte, sondern nur Bedachtsamkeit im Reden lehrte. Näherhin wollte Pythagoras mittels des Nichtsprechens das Sprechen lehren; nach David sollten wir mehr durch Sprechen das Sprechen lernen. Wie wäre denn eine Unterweisung ohne Schulung oder ein Fortschritt ohne Übung denkbar? Wer im Kriegsfach sich ausbilden will, der übt sich täglich in den Waffen, tritt in voller Rüstung gleichsam in das Vorspiel des Kampfes ein, sucht Deckung, als stünde der Feind schon vor ihm, und erprobt seine Arme im gewandten und kräftigen Speerwerfen oder weicht dem Geschosse des Gegners aus und entgeht ihm wachsamen Auges. Wer ein Schiff auf dem Meere durch Steuer zu lenken oder durch Ruder zu leiten begehrt, übt sich zuvor auf einem Flusse. Wer einen lieblichen Sang und eine schöne Stimme erstrebt, bildet erst nach und nach die Stimme im Singen aus. Und wer durch Körperkraft und regelrechten Wettkampf nach der Siegeskrone auslangt, übt sich täglich in der Ringkunst, stählt seine Glieder, nährt seine Ausdauer, um sich erst mühsam daran zu gewöhnen. Das lehrt uns die Natur schon am kleinen Kinde. Es bemüht sich zunächst um die Sprachlaute, um das Sprechen zu lernen; der Laut ist gleichsam die Schule und der Ringplatz für die Stimme. So sollen denn auch die, welche Behutsamkeit im Reden lernen wollen, die Gabe der Natur nicht verleugnen, das Gebot der Wachsamkeit hingegen üben gleich wachestehenden Posten, die wachend, nicht schlafend auslugen. Jedes Ding findet nämlich durch Schulung, die seiner Eigenart und natürlichen Beschaffenheit entspricht, Förderung. David schwieg nicht immer, sondern wenn es der Augenblick erforderte; er verweigerte nicht ständig und nicht jedermann die Antwort, sondern nur dem Gegner, der ihn reizte, dem Sünder, der ihn herausforderte (Ps. 39, 2 f.). Und er hörte, wie er an einer anderen Stelle versichert, nur auf solche nicht, welche Eitles redeten und Trug sannen; und öffnete ihnen wie taub und stumm seine Stimme nicht (Ps. 38, 13). Auch anderswo liest man: „Antworte dem Törichten nicht auf seine Torheit, damit du ihm nicht ähnlich werdest!“ (Prov. 26, 4) Die erste Pflicht ist sonach das Maßhalten im Reden. Das heisst Gott ein Lobopfer darbringen; das heisst Ehrfurcht wahren bei der Schriftlesung; das heisst den Eltern Ehrerbietung erweisen. Ich weiß, dass man gar häufig nur redet, weil man nicht zu schweigen versteht. Selten schweigt einer, wenn schon das Reden ihm nicht frommt. Der Weise überlegt erst viel, wenn er reden soll: was er sprechen soll, zu wem er sprechen soll, an welchem Ort, zu welcher Zeit. So gibt es denn ein Maßhalten sowohl im Schweigen wie im Reden, aber auch ein Maßhalten im Handeln." [53]
 

Von der göttlichen Vorsehung

Doch so manche lassen sich in der Pflicht der mitteilsamen Barmherzigkeit irre machen. Wenn sie nämlich sehen, wie Sünder im Reichtum schwimmen, der Ehren, der Gesundheit, der Kinder sich erfreuen, Gerechte hingegen in Not, in Verachtung, kinderlos, siech am Leibe, oft von Trauer heimgesucht ihr Leben fristen, dann glauben sie, der Herr kümmere sich nicht um das Tun des Menschen; oder er wisse nicht, was wir im Verborgenen treiben, woran unser Gewissen sich hält; oder aber sein Gericht erscheine keineswegs als gerecht. Nicht unwichtig ist diese Frage. Erklärten doch jene drei königlichen Freunde Jobs ihn deshalb für einen Sünder, weil er, wie sie sahen, aus einem Reichen ein Armer, aus einem mit Kindern reichgesegneten Vater ein kinderloser geworden war, mit Geschwüren überdeckt, von Schwielen strotzend, vom Haupt bis zu den Füßen von Beulen zerwühlt (Job 4, 1 ff.). Der heilige Job gab ihnen nun Folgendes zu bedenken: Wenn ich meiner Sünden wegen dies leide, „warum leben dann die Gottlosen? Alt aber sind sie geworden, und ihre Nachkommen schwelgen im Reichtum nach Wunsch, ihre Kinder gedeihen vor ihren Augen, ihre Häuser mehren sich in Überfluß: nirgends aber eine Frucht; keine Geißel Gottes ruht auf ihnen“(Job 21, 7-9). Ein Schwächling, der dies sieht, wird in seinem Herzen irre und seinem Eifer abwendig. Was er vorbringen kann, dem hat der hl. Job zum voraus mit den Worten Ausdruck verliehen: „Ertraget mich! Ich aber will reden: dann verlacht mich nicht! Denn werde ich auch der Sünde geziehen, werde ich als Mensch derselben geziehen. So traget denn die Last meiner Worte!“(Job 21, 1 ff)  Ich werde, will er sagen, sprechen, was ich nicht billige; aber zu euerer Widerlegung will ich die sündhaften Worte aussprechen. Oder doch, weil der Vers so lautet: „Wie aber? Werde ich wohl von einem Menschen der Sünde geziehen?“(Job 21, 4) folgendermaßen: Kein Mensch kann mich der Sünde zeihen, ob ich auch Tadel verdiene; denn nicht auf offenkundige Schuld gründet sich euer Tadel, sondern aus den Schicksalsschlägen, die ich erlitten, schließt ihr auf das Missverdienst von Vergehungen. Angesichts der Tatsache nun, dass Ungerechte im Überfluß des Glückes schwelgen, er selbst aber von Unglück heimgesucht wird, spricht der Schwächling zum Herrn: „Geh weg von mir! Ich will nichts wissen von Deinen Wegen. Was nützt es, dass wir ihm gedient, was frommt es, dass wir ihm uns geweiht haben? In ihren Händen häufen sich alle Güter; die Werke der Gottlosen aber sieht er nicht“(Job 21, 14-16). Man lobt an Plato, dass er in seiner Staatslehre (Staat II 2) einen, der die Rolle des Anwalts wider eine gerechte Sache übernommen hatte, ob der Worte, die er selbst nicht billigen konnte, um Entschuldigung bitten und versichern lässt, dass ihm jene Rolle nur übertragen worden sei, um der Wahrheit auf den Grund zu kommen und Frage und Antwort auf ihren Gehalt prüfen zu können. Und dieses Verfahren billigte Tullius so sehr, dass auch er in seinen Büchern über den Staat (De republ. III 5) für diese Ansicht eintreten zu sollen glaubte. Wie bedeutend älter als jene Denker ist Job, der zuerst auf diesen Gedanken kam und nicht nur zur rednerischen Ausschmückung, sondern zur Erhärtung der Wahrheit das vorausschicken zu sollen glaubte. Sofort ließ er die Lösung der Frage folgen mit der Beteuerung, dass „die Leuchte der Gottlosen ausgelöscht werde und ihr Untergang bevorstehe“(Job 21, 17). Gott, der Lehrer der Weisheit und der Zucht, lasse sich nicht täuschen, sondern sei Richter über die Wahrheit (Job 21-22). Darum dürfe die Glückseligkeit der einzelnen nicht nach dem äusseren Überfluß bemessen werden, sondern nach dem inneren Gewissen, das zwischen Verdienst und Missverdienst der Schuldlosen und Lasterhaften unterscheide: ein wahrhafter und unbestechlicher Schiedsrichter über Strafe und Lohn! Der Schuldlose stirbt als Mächtiger im Reich der Unschuld, als überreicher Herr des eigenen Willens, im Besitze einer Seele, die gleichsam „voll Fett“ ist (Job 21, 24). Dagegen aber bringt der Sünder, ob er auch äusserlich im Überfluß schwimmt, in Vergnügungen schwelgt und von Salben duftet, das Leben „in der Bitterkeit seiner Seele“(Job 3, 20; 7, 11; 10, 1; 27, 2) zu und beschließt den letzten Tag, ohne etwas Gutes von seinen Genüssen mitnehmen, ohne etwas anderes mit sich fortnehmen zu können als den Preis seiner Verbrechen. Bedenke das und leugne, wenn du kannst, dass es eine Vergeltung im göttlichen Gerichte gibt! Jenen macht das eigene Herz glücklich, diesen unglücklich. Jenen spricht das eigene Urteil frei, diesen schuldig. Jenen überkommt Freude beim Hinscheiden, diesen Trauer. Wer könnte auch einen Menschen freisprechen, der nicht einmal vor sich selbst schuldlos dasteht? „Sagt mir“, heisst es, „wo ist der Schutz seiner Hütten?“(Job 21, 28f) Keine Spur von ihm wird man finden. "Denn das Leben des Lasterhaften ist wie ein Traum; er schlägt die Augen auf: dahin ist seine Ruhe, entschwunden das Ergötzen. Selbst die äussere Ruhe der Gottlosen, die zu ihren Lebzeiten in die Erscheinung tritt, gehört der Hölle an; denn lebendig fahren sie zur Hölle (Num. 16, 30. 33). Du siehst das Gastmahl eines Sünders: frage sein Gewissen! Riecht es nicht übler denn alle Gräber? Du schaust sein vergnügtes Leben, staunst über seine leibliche Gesundheit, über die überreiche Zahl an Kindern und Schätzen: schau hin auf die Beulen und Striemen seiner Seele und die Trübsal seines Herzens! Was soll ich denn ein Wort verlieren über seine Schätze? Liest du doch: „Nicht vom Überfluß hängt sein Leben ab“(Luk. 12, 15); weißt du doch, dass er, ob er dir auch reich erscheint, selbst arm sich dünkt und mit seinem Urteil das deinige Lügen straft. Was soll ich desgleichen über seine vielen Kinder und sein Freisein von Leid ein Wort verlieren? Muss er doch sich selbst bedauern und sich sagen, dass er ohne Erben bleiben werde, nachdem er seinesgleichen nicht zu Erben haben will. Der Sünder hinterlässt überhaupt kein Erbe. So ist also der Gottlose sich selbst zur Strafe, der Gerechte hingegen sich selbst zur Freude."  [54]

Warum haben Sünder Überfluß an Schätzen und Reichtümern, zechen in einemfort sonder Kummer, sonder Trauer, während dagegen Gerechte Not leiden und den Verlust von Gatten und Kindern zu beklagen haben? Solchen sollte jene Parabel im Evangelium den Mund schließen. Der Reiche kleidete sich in Byssus und Purpur und hielt täglich üppige Gelage, der Arme aber sammelte, mit Geschwüren vollbedeckt, die Überbleibsel von dessen Tisch. Nach dem Tode beider aber befand sich der Arme, der Ruhe genießend, im Schoße Abrahams, der Reiche hingegen in Qualen (Luk. 16, 19 ff.). Geht daraus nicht klar hervor, dass einen nach dem Tode je nach Verdienst entweder Lohn oder Strafe erwartet? Und mit Recht harrt, weil Kampf Mühe erheischt, nach dem Kampfe des einen Sieg, des anderen Beschämung. Oder wird denn einem vor der Vollendung des Laufes die Palme gereicht, die Krone verliehen? Mit Recht versichert Paulus: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, den Glauben bewahrt. Im übrigen ist mir die Krone der Gerechtigkeit hinterlegt, die mir der Herr an jenem Tag geben wird, der gerechte Richter, nicht allein aber mir, sondern auch denen, die seine Ankunft lieben“(2 Tim. 4, 7 f.). „An jenem Tage“, heisst es, wird er sie geben, nicht schon hier. Hier aber kämpfte er als ein guter Streiter in Mühen, in Gefahren, in Schiffbrüchen; denn er wusste, dass wir durch viele Trübsale ins Reich Gottes eingehen müssen (Apg. 14, 21). Keiner kann sonach den Preis empfangen, der nicht rechtmäßig gekämpft hat. Und es gibt keinen ruhmvollen Sieg ohne mühevollen Kampf. [55]

Nach göttlichem Urteil fängt die Seligkeit da an, wo menschliche Meinung nur Elend erblickt. „Selig die Hungernden; denn sie werden gesättigt werden! Selig die Trauernden; denn sie werden Trost finden! Selig die Barmherzigen; denn ihrer wird auch Gott sich erbarmen! Selig, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen! Selig, die um der Gerechtigkeit willen Verfolgung leiden; denn ihrer ist das Himmelreich! Selig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen und alles Böse wider euch reden werden um der Gerechtigkeit willen! Freut euch und frohlocket; denn euer Lohn ist groß im Himmel!“ (Matth. 5, 5 ff.) Einen zukünftigen, nicht gegenwärtigen Lohn versprach er; im Himmel, nicht auf der Erde ist er auszuzahlen. "Was forderst du hier, was dir an einem anderen Ort gebührt? Was verlangst du vorzeitig die Krone, bevor du siegst? Was wünschst du den Staub abzuschütteln, was auszuruhen, was verlangst du nach Speise, bevor die Rennbahn durchlaufen ist? Noch sieht das Volk zu, noch stehen die Wettkämpfer auf dem Kampfplatz: und du verlangst bereits nach Muße? Doch vielleicht möchtest du einwenden: Warum geben sich die Gottlosen dem Vergnügen, warum der Ausgelassenheit hin? Warum teilen nicht auch sie die Mühe und Arbeit mit mir? Weil die, welche sich nicht um die Siegeskrone bewerben, auch nicht zur Kampfesmühe sich angehalten fühlen. Wer nicht in die Rennbahn tritt, salbt sich nicht mit Öl, beschmutzt sich nicht mit Staub. Kämpfer, deren Ruhm harren soll, erwartet Ungemach. Salbenduftende Weichlinge pflegen zuzuschauen, nicht zu kämpfen, nicht Sonne, Hitze, Staub und Regen zu ertragen. Wohl mag auch an sie die Aufforderung der Kämpfenden ergehen: Kommt, teilt die Kampfesmühe mit uns! Doch als Zuschauer werden sie antworten: Wir spielen hier inzwischen eure Richter; ihr aber werdet euch auch ohne uns, wenn ihr siegt, den Ruhm sichern. Solche Leute nun, die ihr Sinnen und Trachten auf Genuß, auf Völlerei, Erpressung, Erwerb und Ehren richten, sind mehr Zuschauer denn Streiter. Sie ziehen Vorteil aus der Arbeit, keine Frucht aus der Tugend. Sie pflegen des Müßigganges, scharren in List und Ungerechtigkeit Haufen von Reichtümern zusammen. Doch wenn auch spät: sie werden für ihre Schlechtigkeit Strafe erleiden. Ihre Ruhe ist in der Hölle, die deinige aber im Himmel; ihre Behausung ist im Grabe, die deinige im Paradiese. Darum der schöne Ausspruch Jobs: sie wachen im Grabe (Job 21, 32), weil sie des Schlafes der Ruhe nicht genießen können, den jener schlief, der auferstanden ist. Sei also nicht unverständig wie ein Kind, rede nicht wie ein Kind, denke nicht wie ein Kind, maße dir nicht wie ein Kind etwas an, was einer späteren Zeit vorbehalten ist! Die Krone gebührt den Vollendeten. Mache dich gefasst, dass die Vollendung kommt! Dann magst du nicht im rätselhaften Bilde, sondern von Angesicht zu Angesicht die Gestalt der enthüllten Wahrheit selbst erkennen (1 Kor. 13, 12). Dann wird offenbar werden, warum der Ungerechte und Erpresser fremden Gutes reich, warum ein anderer mächtig, warum ein dritter mit zahlreichen Kindern gesegnet, wieder ein anderer mit Ehren bedacht war. Vielleicht soll zum Erpresser einmal gesprochen werden: Du warst reich, warum raubtest du fremdes Gut? Nicht Not trieb dich, nicht Armut zwang dich hierzu. Habe ich dich nicht deshalb reich werden lassen, um dir keine Ausrede zu ermöglichen? Ebenso soll zum Mächtigen gesprochen werden: Warum standst du den Witwen, ferner den Waisen nicht bei, da sie Unrecht litten? Warst du zu schwach hierzu? Warst du ausserstande, Hilfe zu leisten? Darum habe ich dich mächtig gemacht, nicht dass du Gewalttat übest, sondern verhütest. Galt dir nicht das Schriftwort: „Rette den, dem Unrecht widerfährt“? (Ekkli. 4, 9) Galt dir nicht das Schriftwort: „Befreiet den Armen und Notleidenden aus der Hand des Sünders“? (Ps. 82, 4) Desgleichen soll zum Reichen gesprochen werden: Mit Kindern und Ehren habe ich dich reich bedacht, leibliche Gesundheit dir geschenkt: warum befolgtest du meine Gebote nicht? Mein Diener, was habe ich dir getan oder womit dich betrübt? Habe nicht ich dir die Kinder gegeben, die Ehren verliehen, die Gesundheit geschenkt? Warum hast du mich verleugnet?" Es werden heute nicht nur arabisch-kurdische Clan-Mitglieder als "Salbenduftende Weichlinge" bezeichnet, also "Leute nun, die ihr Sinnen und Trachten auf Genuß, auf Völlerei, Erpressung, Erwerb und Ehren richten", sondern alle, die "mehr Zuschauer denn Streiter" sind und Christus verleugnen. [56]
 

Von der Sittsamkeit und Bescheidenheit 

Schön ist die Tugend der Sittsamkeit und hold ihr Reiz. Nicht nur im Handeln, sondern selbst im Reden tritt sie zutage: man überschreite nicht das Maß beim Sprechen; die Rede lasse nichts Unziemliches verlauten! Im Worte spiegelt sich ja so häufig das Bild des Geistes. Sogar den Ton der Stimme wägt die Eingezogenheit ab, dass nicht eine zu kräftige Stimme das Ohr des Hörers verletze. So besteht schon beim Singen und überhaupt bei jedem Gebrauch der Sprache die erste Schulung in bescheidener Zurückhaltung. Erst nach und nach soll einer zu psallieren oder zu singen oder endlich zu sprechen anfangen, damit die bescheidenen Anfänge vielversprechend für den Fortschritt werden. Gerade das Stillschweigen, die Mußezeit der übrigen Tugenden, ist das Wichtigste in der Sittsamkeit. Dasselbe gilt denn auch, wenn kindisches Unvermögen oder aber Stolz dahinter vermutet wird, für eine Schande, wenn Sittsamkeit, für etwas Lobenswertes. Susanna schwieg in der Gefahr (Dan. 13, 35); sie erachtete den Verlust der Schamhaftigkeit für schlimmer als den des Lebens und glaubte nicht ihre Reinheit auf das Spiel setzen zu sollen, um so ihr Leben zu wahren. Nur mit Gott sprach sie (Dan. 13, 42 f.), mit dem sie sich in keuscher Sittsamkeit aussprechen konnte. Öffentliches Schaubeten der Muslime hat mit Sittsamkeit nichts zu tun und wird auch nicht als Gebet anerkannt. Daher sagt Ambrosius: "Auch bei unserem Gebete zieht die Eingezogenheit viel Wohlgefallen nach sich und erwirbt uns viel Gnade bei unserem Gott. Gereichte nicht sie dem Zöllner, der nicht einmal seine Augen zum Himmel aufzuschlagen wagte, zur Auszeichnung und Empfehlung. Er geht nach dem Urteil des Herrn gerechtfertigter weg als der Pharisäer, den seine Anmaßung so widerlich machte (Luk. 18, 10 ff.). So lasst uns denn, wie Petrus mahnt, „in der Unversehrtheit eines stillen und bescheidenen Geistes beten, der vor Gott reich ist!“ (1 Petr. 3, 4) Etwas Großes muss es also um die Bescheidenheit sein, die sogar, des eigenen Rechtes lieber entsagend, sich nichts anmaßt, nichts aneignet, und mehr auf sich selbst sich beschränkend „vor Gott reich ist“, vor dem niemand reich ist (Luk. 12, 21). Reich ist die Bescheidenheit, weil sie Gottes Anteil ist. Auch Paulus gebot, das Gebet in Eingezogenheit und Nüchternheit zu verrichten. Diese Eingezogenheit wünscht er an erster Stelle und gleichsam als die Vorläuferin des nachfolgenden Gebetes, dass es nicht eines Sünders ruhmrediges Gebet werde." [57]
"Denn in der Haltung des Körpers verrät sich der Zustand des Geistes. Danach hält man den „verborgenen Menschen unseres Herzens“ (1 Petr. 3, 4) entweder für mehr leichtfertig oder prahlerisch oder ungestüm, oder aber für mehr ernst, beständig, lauter und reif. Durch die Körperbewegung spricht also gleichsam die Stimme des Geistes. Ihr erinnert euch, meine Söhne, an einen Freund, der, obschon er sich durch fleissige Dienstverrichtungen zu empfehlen schien, nur allein darum von mir nicht in den Klerus aufgenommen wurde, weil seine Haltung so unziemlich war; wie ich ebenso einem anderen, als ich ihn unter dem Klerus entdeckt hatte, verbot, je einmal an mir vorüberzugehen, weil sein kecker Gang mein Auge verletzte. Und zwar sagte ich ihm das, als er nach einer Verfehlung von neuem in sein Amt eingesetzt wurde. Diese einzige Ausstellung machte ich, und das Urteil trog nicht; denn beide Kleriker fielen von der Kirche ab. Sie entpuppten sich in ihrer inneren Nichtsnutzigkeit als das, als was sie bereits das äussere Auftreten verriet. Der eine nämlich verleugnete in der Zeit der arianischen Verfolgung den Glauben; der andere sagte sich aus Geldgier von uns los, um nicht dem priesterlichen Gerichte zu verfallen. Ihr Gang spiegelte das Bild der Leichtfertigkeit, sozusagen das Bild von herumziehenden Possenreißern." - St. Ambrosius, De off. I, 18
Nach Cicero und Ambrosius gibt es auch solche, "die zu gemächlich einhergehen, dabei wie Gaukler sich gebärden und gleichsam die Tragbahren auf den Umzügen und die Bewegungen der wackelnden Statuen nachahmen. Sie scheinen bei jedem Schritt, den sie tun, eine Art Rhythmus einhalten zu wollen. Auch das Laufen halte ich nicht für anständig, ausser wenn irgendeine begründete Gefahr oder gerechte Notwendigkeit es erfordert. Wir sehen so manchmal Leute ausser Atem dahineilen und das Gesicht verzerren. Fehlt ihnen der Grund zu einer notwendigen Eile, liegt darin ein Mangel, an dem man sich mit Recht stösst. Aber nicht von denen rede ich, für die sich mit Grund ein seltener Anlaß zur Eile ergibt, sondern denen ständige und fortwährende Hast zur Natur geworden ist. Ich kann weder an jenen ersteren es billigen, wenn sie wie Götzenbilder auftreten, noch an letzteren, wenn sie sich überstürzen, als hätte man sie fortgejagt. Es gibt auch einen löblichen Gang. Er muss in der äusseren Haltung Würde und gemessenen Ernst und ruhigen Schritt wahren, doch so, dass Absichtlichkeit und Gesuchtheit unterbleibt, die Bewegung vielmehr natürlich und schlicht ist; denn kein Falsch gefällt, natürlich sei die Bewegung! Haftet wirklich der Natur ein Fehler an, mag natürliche Geschicklichkeit ihn beseitigen; Künstelei sei ausgeschlossen, nicht Abhilfe. Wenn schon diese Dinge von einem höheren Gesichtspunkt sich ins Auge fassen lassen, wieviel mehr hat man sich zu hüten, dass dem Munde nichts Schändliches entschlüpft? Das wäre eine schwere Verunreinigung des Menschen. Denn nicht die Speise verunreinigt, sondern ungerechte Schmährede, unlautere Worte (Matth. 15, 11. 17 ff.)." [58]
"Belehrt uns nicht die Natur selbst darüber? Wohl ließ sie sämtlichen Körperteilen an uns eine volle Entwicklung angedeihen, um sowohl den Bedürfnissen Rechnung zu tragen, wie für zierliche Anmut zu sorgen. Jene indes, die einen lieblichen Anblick gewähren, in denen wie auf ragender Burg der Gipfel der Schönheit, die Lieblichkeit der Gestalt und der Reiz des Antlitzes aufleuchten, die rascher zu praktischem Gebrauch bereitstehen sollten, ließ sie frei und bloß. Jenen hingegen, die nur einem natürlichen Bedürfnisse dienen sollten, wies sie teils, um nicht einen abstoßenden Anblick zu gewähren, am Leibe selbst eine abgelegene und verborgene Stelle an, teils gab sie Anleitung und Anregung, dieselben zu verhüllen. Ist also nicht die Natur selbst die Lehrmeisterin der Sittsamkeit? Nach ihrem Vorgang hat menschliche Wohlanständigkeit, deren Name (modestia), wie ich glaube, vom Maß (modus) des Wissens um das Schickliche herkommt, das Verborgene, das sie an diesem unseren Körperbau vorfand, verhüllt und bedeckt." - St. Ambrosius, De off. I, 18
Die Sittsamkeit ist jedem Alter, jeder Person, Zeit und Örtlichkeit angemessen, schickt sich aber am meisten für die Heranwachsenden und Jugendlichen. Bei jedem Alter ist darauf zu achten, dass man tut, was sich ziemt, und dass die Lebensordnung im Einklang und in Übereinstimmung mit sich selbst bleibt. Daher hält Tullius dafür, es müsse auch im Schicklichen Ordnung gewahrt werden, und behauptet, es liege „in der Anmut, Anordnung und Zierlichkeit, die einer Handlung entsprechen“, Dingen, die sich mit Worten, wie er beifügt, schwerlich darlegen lassen; es genüge darum, dass man sie fühle. "Warum er gerade die leibliche Schönheit anführte, verstehe ich nicht; übrigens gilt sein Lob auch den Kräften des Leibes. Wir verlegen jedenfalls die Tugend nicht in die Körperschönheit. Wir schließen freilich deren Anmut nicht aus, weil die Sittsamkeit gerade auch das Antlitz mit Schamröte zu bedecken und reizender zu machen pflegt. Wie nämlich des Künstlers Schaffen in der Regel an einem geschmeidigeren Stoff besser hervortritt, so leuchtet auch die Sittsamkeit gerade aus der leiblichen Anmut mit erhöhtem Glanze hervor. Doch soll auch die leibliche Schönheit nichts Gekünsteltes, sondern etwas Natürliches sein: einfach, eher vernachlässigt denn gesucht, nicht in kostbare und glänzende Gewänder gehüllt, um ihr nachzuhelfen, sondern in gewöhnliche, so dass der Ehrbarkeit oder dem Bedürfnis kein Eintrag geschieht, die natürliche Anmut ohne künstliche Zutat bleibt. Selbst die Stimme soll nicht weichlich, nicht gebrochen sein, nicht weibisch klingen, wie es sich viele unter dem Schein des Würdevollen angewöhnt haben; sie soll vielmehr in Ausdruck, Modulierung und Kraft etwas Männliches wahren. Das heißt eine schöne Lebensweise einhalten: sich so geben, wie es seinem Geschlecht und seiner Person ziemt. Das ist die beste Handlungsweise, das die rechte Zier für jedes Tun. Doch wie ich nichts Weichliches und Schwächliches im Ton der Stimme und in der Körperhaltung billigen kann, so auch nichts Rohes und Bäuerisches. Ahmen wir die Natur nach!" [59]
 

Vom Zorn

Die Erbitterung verwirrt die Seele, so dass sie vernünftiger Überlegung nicht mehr fähig ist. Das erste nun ist, dass einem womöglich durch eine Art Gewöhnung, durch Herzensbildung und Vorsatz die Ruhe im Verhalten zur zweiten Natur werde. Weil sodann die Zornesregung zumeist so tief dem natürlichen Charakter anhaftet, dass sie sich nicht ausrotten oder verhüten lässt, unterdrücke man sie durch die Vernunft, wenn man sie voraussehen kann. Oder aber man überlege, wenn die Seele von Erbitterung erfasst wurde, bevor sich durch Überlegung dagegen vorbauen und vorsehen ließ, wie man die seelische Erregung überwinden, den Jähzorn dämpfen könne. "Widersteh dem Zorn, wenn du es kannst; weich ihm, wenn du es nicht kannst! Denn es steht geschrieben: „Gebt Raum dem Zorn [Gottes]!“ ( Röm. 12, 19). Jakob ging dem zürnenden Bruder aus dem Weg und wollte lieber, von Rebekka, d. i. von der Geduld beraten, in der Ferne und Fremde weilen, als den Unwillen des Bruders reizen, und erst dann zurückkehren, als er den Bruder besänftigt glaubte (Gen. 27, 42 ff.). So fand er denn auch so große Gnade bei Gott. Mit welchen Liebenswürdigkeiten sodann, mit welch großen Geschenken machte er sich den Bruder selbst geneigt, so dass dieser nicht mehr des vorweggenommenen Segens gedachte, sondern nur der geleisteten Genugtuung eingedenk war! (Gen. 32, 13 ff.; 33, 3 ff.) Wenn also Zorn dein Gemüt überrascht und überrumpelt und in dir aufsteigt, weich nicht von deinem Standpunkt! Dein Standpunkt ist die Geduld, dein Standpunkt ist die Weisheit, dein Standpunkt ist die Vernunft, dein Standpunkt ist die Dämpfung des Unwillens. Oder regt dich die Frechheit auf, mit der einer antwortet, oder reizt dich seine Verkehrtheit zum Unwillen, bezähme deine Zunge, falls du den Sinn nicht besänftigen kannst! Denn so steht geschrieben: „Halt deine Zunge und deine Lippen im Zaum, dass sie nicht Trug reden!“ (Ps. 34, 14) Ferner: „Suche Frieden und geh ihm nach!“ (Ps. 34, 15) Betrachte jene Friedfertigkeit des heiligen Jakob, mit der du allererst deinen Sinn besänftigen solltest! Vermagst du das nicht, so lege deiner Zunge Zügel an! Sodann unterlaß die Bemühung um die Wiederversöhnung nicht! Die weltlichen Redner haben diese Grundsätze von den Unsrigen entlehnt und in ihren Schriften niedergelegt. Doch der Vorzug dieser Auffassung gebührt dem, der sie zuerst vorgetragen hat.. So lasst uns also den Zorn meiden, oder aber dämpfen, dass er nicht in unserem lobenswerten Betragen eine Ausnahme bilde." [60]

Bei Kindern nehmen sich denn auch Zornesregungen harmlos aus; sie sind mehr drollig denn widerlich. Und kommen auch Kinder unter sich rasch in Aufregung, lassen sie sich doch rasch besänftigen und begegnen sich wiederum in um so größerer Freundlichkeit. Sie wissen nichts von hinterlistigem und ränkevollem Benehmen. Verachtet diese Kinder nicht! Der Herr sagt von ihnen: „Wenn ihr euch nicht bekehrt und werdet wie dieses Kind, werdet ihr in das Himmelreich nicht eingehen“ (Matth. 18, 3). Der Herr selbst, d. i. Gottes Kraft hat gleich einem Kinde, da er geschmäht wurde, die Schmähung nicht erwidert; da er geschlagen wurde, den Schlag nicht zurückversetzt (1 Petr. 2, 23). Mache den Vergleich mit dir! Halte gleich einem Kinde nicht am Unrecht fest! Sei nicht bösartig! Alles geschehe deinerseits in Unschuld! Schaue nicht auf das, was dir von anderen vergolten wird! Behaupte deinen Standpunkt und wahre die Aufrichtigkeit und Lauterkeit deines Herzens! Erwidere dem Zornigen nicht auf seinen Zornesausbruch, noch dem Unverständigen auf seinen Unverstand! Rasch löst Schuld wiederum Schuld aus. Wenn man den Stein am Steine reibt, schlägt nicht Feuer hervor? Die Heiden erzählen, wie sie alles mit Worten aufzubauschen pflegen, von einem Ausspruch des Philosophen Archytas aus Tarent, ein pythagoreischer Philosoph, Staatsmann und Feldherr um 400-365 v. Chr., den er an seinen Verwalter richtete: „Du Unseliger, wie würde ich dich schlagen, wenn ich nicht im Zorn wäre!“ Doch schon David hatte die im Unwillen erhobene bewaffnete Rechte sinken lassen (1 Kön. 25, 13 ff.). Und wieviel mehr besagt eine Schmähung nicht erwidern, als keine Strafe verhängen? Und zwar hatte Abigail durch bloße Bitten den wider Nabal zur Rache bereitstehenden Krieger davon abgewendet (1 Kön. 25, 23 ff.). Daraus sehen wir, dass wir selbst schon dringlichen Bitten nicht bloß nachgeben, sondern sogar darüber uns freuen sollten. So sehr aber war David darüber erfreut, dass er die Fürbittende segnete, weil er durch sie von Rachegelüsten abgewendet wurde ( 1 Kön. 25, 33). Schon hatte er über seine Feinde geklagt: „Denn Missetat wälzten sie auf mich, und im Zorn fielen sie mir lästig“ (Ps. 55, 4). Hören wir nun, was der Zornerregte gesprochen: „Wer gibt mir Flügel gleich der Taube, und ich will fliegen und Ruhe finden“ (Ps. 55, 7). Sie reizten ihn zum Zorne, er aber zog die Ruhe vor. [61]

"Schon hatte er gesprochen: „Zürnet, doch sündiget nicht!“ (Ps. 4, 5) Als ein Sittenlehrer, der wusste, dass eine natürliche Regung durch vernünftige Lehre mehr gezügelt als getilgt werden muss, gibt er seine Sittenvorschriften. Er will sagen: Zürnet, sobald ein Verschulden vorliegt, dem ihr zürnen sollt! Denn es ist unmöglich, dass wir uns nicht über nichtswürdige Dinge aufregen. Andernfalls müsste darin nicht sowohl Tugend, sondern Stumpfsinn und Gleichgültigkeit erblickt werden. Zürnet also in der Weise, dass ihr von Schuld euch fernhaltet! Oder so: Wenn ihr zürnet, sündiget nicht, sondern überwindet kraft der Vernunft den Zorn! Oder aber so: Wenn ihr zürnet, zürnet euch selbst, weil ihr euch zum Zorn fortreißen ließet, und ihr werdet nicht sündigen. Denn wer sich selbst zürnt weil er so rasch zum Zorn sich fortreißen ließ, hört auf, dem Nächsten zu zürnen; wer aber seinen Zorn als berechtigt erscheinen lassen will, erhitzt sich noch mehr und fällt rasch in Schuld. Besser aber ist nach Salomo, wer den Zorn bezwingt, als wer eine Stadt einnimmt (Prov. 16, 32); denn der Zorn beirrt selbst Starke. So müssen wir uns denn hüten, in Aufregung zu geraten, bevor die Vernunft unsere Seele in die rechte Verfassung versetzt. Gar häufig nämlich bringen Zorn oder Schmerz oder Todesfurcht den Geist aus der Fassung und treffen ihn mit unvorhergesehenem Schlag. Darum ist es schön, durch Denken, das den Geist schult, zuvorzukommen, dass er nicht in plötzlichen Erregungen aufbrause, sondern gleichsam im Joch und Zügel der Vernunft sich besänftige." - St. Ambrosius, De off. I, 21

Vom Schicklichen im Handeln; vollendete Vorbilder: Abraham, Jakob, Joseph, Job, David; Die vier Kardinaltugenden

Nach Cicero und Ambrosius "sollten wir uns nicht über das rechte Maß in unserem Streben und Handeln, desgleichen nicht über die Ordnung in den Dingen und den rechten Zeitpunkt hinwegsetzen", eine Forderung, die von heutigen Wissenschaftlern, die mit Hilfe der Gentechnik Pflanzen, Tiere und sogar Menschen manipulieren, immer weniger beachtet wird. [62]

Ward nicht fürs erste gerade jener Vater Abraham, der zur Belehrung der künftigen Nachkommenschaft seine Anleitung und Unterweisung erhielt, auf den Befehl, aus seinem Lande und aus seiner Verwandtschaft und aus seinem Vaterhause fortzuziehen, durch mehrfache Pietätsgefühle wie mit Fesseln zurückgehalten, und zwang er nicht dennoch sein Begehren zu gehorsamer Unterordnung unter die Vernunft? Wer würde denn nicht mit Lust und Freude an seinem Lande, an seiner Verwandtschaft, desgleichen am eigenen Hause hängen? Auch ihn nun wandelte die süße Freude an den Seinigen an, doch mehr noch bestimmte ihn der Gedanke an den himmlischen Befehl und die ewige Vergeltung. Sah er nicht, wie seine für Strapazen so schwächliche, für Kränkungen so zartfühlende, für Wüstlinge so reizende Gattin nicht ohne die größte Gefahr mitgeführt werden konnte? Und dennoch hielt er es für geratener, sich allem zu unterziehen, statt Entschuldigungen vorzubringen. Als er sodann nach Ägypten hinabzog, riet er derselben, sich als seine Schwester, nicht als seine Frau auszugeben. "Er fürchtete für der Gattin Reinheit, fürchtete für sein eigenes Leben, misstraute der Lüsternheit der Ägypter: und dennoch wog bei ihm der Gedanke an die religiöse Pflichterfüllung vor. Er beherzigte nämlich, wie er sich mit Gottes Gnade überall sicher fühlen, mit des Herrn Ungnade aber auch zu Hause nicht heil bleiben könne. So obsiegte also die Vernunft über das Begehren und machte es sich unterwürfig. Die Gefangennahme seines Neffens machte ihn nicht bangen, die Völker so vieler Könige beirrten ihn nicht: er greift wiederholt zu den Waffen. Als Sieger verzichtete er auf einen Anteil an der Beute, deren Eroberer er war (Gen. 14). Als ihm ferner ein Sohn verheißen wurde, schenkte er, obschon er seinen erstorbenen Leib entkräftet, seine Gattin unfruchtbar und hochbetagt sah, wider die Stimme der natürlichen Erfahrung Gott Glauben (Gen. 15)." [63]

Jenes Gleichmaß im Handeln war vorhanden, das weder Wichtiges für gering, noch Geringeres für wichtig hält, ferner das rechte Maßhalten im Tun, die Ordnung in den Dingen, die Einhaltung der rechten Zeit, die Abwägung der Worte. Ein Mann, im Glauben der erste, in der Gerechtigkeit allen voran, im Kampfe ausdauernd, im Siege nicht beutegierig, zu Hause gastfreundlich und treubesorgt um die Gattin. Ebenso freute sich sein Enkel Jakob zu Hause eines ruhigen Lebens. Doch die Mutter wollte, dass er in die Fremde ziehe, um dem erzürnten Bruder auszuweichen (Gen. 27, 41 ff.). Ein Verbannter aus dem Hause, ein Flüchtling fern den Eltern, hielt er doch überall in seinem Tun das geziemende Maß ein und beachtete den rechten Zeitpunkt. Zu Hause war er der Liebling seiner Eltern, so dass der eine Elternteil, durch seine zuvorkommende Dienstbeflissenheit bewogen, ihm den Segen gab, der andere in zärtlicher Liebe ihm besonders zugetan war (Gen. 25, 28; 27, 1 ff). Auch das Urteil des Bruders hatte ihm, nachdem er ihm seine Speise abtreten zu sollen glaubte, den Vorzug eingeräumt (Gen. 25, 29 ff.). Wohl hatte er ein natürliches Ergötzen am Gerichte, doch aus Bruderliebe gab er der Bitte nach. Ein treuer Hirte seinem Herrn, dem Schwiegervater ein aufmerksamer Schwiegersohn, bei der Arbeit fleißig, bei Tisch mäßig, im Genugtun zuvorkommend, im Belohnen freigebig (Gen. c. 29 ff.). So besänftigte er denn auch des Bruders Zorn in einer Weise, dass er sich statt der Feindschaft, vor der er sich fürchtete, dessen Huld erwarb (Gen. 32 f.). "Was soll ich von Joseph sagen, der doch sicherlich ein Verlangen nach der Freiheit trug und doch dem Zwang der Sklaverei sich unterzog? Wie unterwürfig war er in der Knechtschaft, wie standhaft in der Tugend, wie wohlwollend im Gefängnis, weise in der Traum-Deutung, vorsorglich in den Jahren der Fruchtbarkeit, gerecht während der Hungersnot, lobenswerte Ordnung in den Dingen mit dem rechten Augenblick in der Zeit verbindend, infolge seiner maßvollen Amtsführung voll Gerechtigkeit gegen das Volk! (Gen. 27 ff.) Ebenso war Job im Glück wie im Unglück gleich untadelig, geduldig, Gott genehm und wohlgefällig. Er ward von Leiden gequält, wusste sich aber zu trösten. David ferner, tapfer im Krieg, ausdauernd im Unglück, friedliebend in Jerusalem, im Sieg mild, in Schuld voll Reueschmerz, im Alter vorsorglich, beobachtete in seinen Liedern je nach der Altersstufe, auf der er stand, Maß in den Dingen und den Wechsel der Zeiten, so dass er, wie mich dünkt, nicht weniger durch seine Lebensart als durch seine lieblichen Weisen, süß wie keiner, zu Gott den unsterblichen Sang seines Verdienstes erschallen ließ." [64]

An welcher Förderung der Haupttugenden hätten es diese Männer fehlen lassen? An erste Stelle setzten Plato und auch die Stoiker die Klugheit, welche sich mit der Erforschung des Wahren befasst und den Trieb nach gründlicherem Wissen einflößt; an zweite Stelle die Gerechtigkeit, die jedem das Seinige zuteilt, kein fremdes Gut sich aneignet, vom eigenen Nutzen absieht, um die gemeinnützige Norm der Billigkeit zu wahren; an dritte Stelle den Starkmut, der im Feld wie zu Haus durch Seelengröße sich hervortut und durch Körperkraft sich auszeichnet; an vierte Stelle die Mäßigkeit, die in allem Maß und Ordnung hält, was wir tun oder reden zu sollen glauben. [65]
 

Von der Klugheit

Der heilige Abraham nun war in erster Linie im Besitz der Klugheit. Von ihm rühmt die Schrift: „Abraham glaubte Gott, und es ward ihm zur Gerechtigkeit angerechnet“ (Gen. 15, 6). Niemand nämlich kann klug sein, der Gott nicht kennt. So sprach denn auch der Unweise: „Es gibt keinen Gott“ (Ps. 14, 1); der Weise nämlich würde nicht so sprechen. Wie wäre denn der ein Weiser, der nicht nach seinem Schöpfer fragt; der zum Steine spricht: „Mein Vater bist du“ (Jer. 2, 27), wie der Mohammedanismus oder Islamismus, der in Mekka einen Stein anbetet, der wie Manichäus zum Teufel spricht: Mein Schöpfer bist du? Wie wäre Arius ein Weiser, der statt des wahren und vollkommenen Schöpfers einen unvollkommenen und unebenbürtigen haben will? Wie wären Marcion und Eunomius Weise, die lieber einen bösen als einen guten Gott haben wollen? Wie wäre der ein Weiser, der seinen Gott nicht fürchtet? Denn „der Anfang der Weisheit ist die Furcht des Herrn“ (Ps. 111, 9). Und an einer anderen Stelle liest man: „Die Weisen weichen nicht vom Munde des Herrn, sondern betätigen sich in ihren Bekenntnissen“ (Prov.. 24, 7 f). Mit der Beteuerung: „es ward ihm zur Gerechtigkeit angerechnet“ (Gen. 15, 6), sprach ihm die Schrift zugleich auch den Vorzug der zweiten Kardinal-Tugend zu. Die Klugheit beruhe in der Erkenntnis des Wahren, ein Ausspruch, der nach Cicero auf Plato zurückgeht, der dieses Axiom in der Philosophie heimisch machte. Denn wer von jenen heidnischen Schriftstellern lebte vor Abraham, David, Salomo? Ferner, die Gerechtigkeit beziehe sich auf das gesellschaftliche Leben des Menschengeschlechtes. So spricht denn David: „Er hat ausgeteilt, den Armen gegeben, seine Gerechtigkeit währt in Ewigkeit“ (Ps. 112, 9); der Gerechte „erbarmt sich“ (Ps. 112, 5); der Gerechte „leiht“. Dem Weisen und Gerechten ist die ganze Welt voll Reichtümer. Der Gerechte besitzt die Allgemeingüter als sein Eigentum, und sein Eigentum als Gemeingut. Der Gerechte klagt, bevor er andere anklagt, sich selbst an. Denn der ist gerecht, der seiner nicht schont. Was gäbe es Weiseres als den heiligen Jakob, der Gott von Angesicht zu Angesicht schaute und dessen Segen verdiente? (Gen. 32, 24 ff.) Was Gerechteres als ihn, der alles, was er erworben hatte, schenkungsweise mit dem Bruder teilte?(Gen. 32, 13 ff.; 33, 10 f.) Was Stärkeres als ihn, der mit Gott rang? Was Maßvolleres als ihn, der im Maßhalten so den Orts- und Zeitumständen Rechnung trug, dass er die Entehrung seiner Tochter lieber durch die Ehe bemänteln als rächen wollte, weil er dafür hielt, dass er, unter den Fremden lebend, mehr auf deren Liebe bedacht sein müsse, statt deren Hass sich zuzuziehen. [66]
"In der Erforschung der Wahrheit ist nun, so lehrt man, als das Schickliche festzuhalten, dass man mit allem Eifer dem nachforsche, was wahr ist, nicht Falsches für wahr halte, das Wahre nicht verdunkle, den Geist nicht mit unnützen oder verworrenen und ungewissen Problemen beschäftige. Was wäre so ungeziemend als die Verehrung von Holzklötzen, wie sie eben jene Lehrer betätigen? Was so dunkel als die astronomischen und geometrischen Untersuchungen, die sie für gut finden? Als die tiefen Lufträume zu messen, ferner den Himmel und das Meer in Zahlen zu schließen, die Sache des Heils hintanzusetzen, der des Irrtums nachzuhängen?" - St. Ambrosius, De off. I, 26
Um uns daher nichts Widernatürliches, nichts Schändliches und Unziemliches in den Sinn kommen zu lassen, sollen wir ein Zweifaches, d. i. Zeit und Fleiß auf die Betrachtung der Dinge verwenden, um sie erproben zu können. "Denn es gibt keinen größeren Vorzug, den der Mensch vor den übrigen lebenden Wesen voraus hat, als den, dass er vernunftbegabt ist, die Ursachen der Dinge ergründen kann. Allen Menschen nun wohnt schon auf Grund der menschlichen Natur, die uns zum Streben nach Erkenntnis und Wissen hinzieht und den Forschungstrieb einsenkt, der Drang nach Erforschung des Wahren inne. Hierin es allen zuvortun gilt für schön. Doch das zu erreichen, ist nur wenigen beschieden, die in ernster Gedankenarbeit, im Wägen und Wagen sich nicht geringe Mühe geben, um womöglich zu jenem seligen und tugendhaften Leben zu gelangen und auch im Handeln sich ihm zu nähern. „Denn nicht wer zu mir spricht ‚Herr, Herr‘,“ so heißt es, „wird ins Himmelreich eingehen, sondern wer das tut, was ich sage“ (Matth. 7, 21). Wissenschaft ohne Handeln danach ist nach Ambrosius nur Ballast. Auch Cicero erklärt das Wissen, dem kein Handeln folgt, für ein „unvollständiges und unfertiges.“ [67]
 

Von der Gerechtigkeit: 

Die Gerechtigkeit bezieht sich auf das Gesellschafts- und Gemeinschaftsleben des Menschengeschlechtes. Das Gesellschaftsleben beruht nämlich auf einem zweifachen Grund, dem der Gerechtigkeit und dem der Wohltätigkeit, auch Freigebigkeit und Wohlwollen genannt. Doch schon die erste Funktion der Gerechtigkeit, welche die Philosophen dafür halten, bleibt bei uns ausgeschlossen. Dieselben nennen nämlich als erste Regel der Gerechtigkeit, „dass man niemand Schaden zufügen dürfe, ausser wenn man durch ein Unrecht dazu gereizt ist“. Diese Regel wird nämlich kraft des Evangeliums umgestoßen. Denn die Schrift will in uns den Geist des Menschensohnes haben, der gekommen ist, um Gnade ergehen zu lassen, nicht Unrecht zuzufügen (Luk. 9, 55 f). Eine weitere Norm der Gerechtigkeit beruht ihrer Ansicht nach darin, dass man in den allgemeinen, d. i. öffentlichen Gütern öffentlichen Besitz, in den privaten Gütern Privatbesitz zu erblicken habe. Auch das entspricht nicht der Natur. Denn die Natur bringt alle Erzeugnisse zum gemeinsamen Gebrauch für alle hervor. Denn Gott hieß alle Erzeugnisse zu dem Zweck sprossen, dass jedermann sich der gemeinsamen Nahrung erfreuen und die Erde gleichsam der gemeinsame Besitz aller sein sollte. So schuf also die Natur ein gemeinsames Besitzrecht für alle; Anmaßung machte daraus ein Privatrecht. Man rühmt in diesem Punkt den Stoikern nach, eine Lieblingsauffassung derselben gehe dahin, dass „alle Erzeugnisse auf Erden zum Gebrauch für die Menschen geschaffen würden, die Menschen aber der Menschen wegen geboren seien, um sich gegenseitig nützen zu können“. Woher anders als aus unseren Schriften entlehnten sie diesen Ausspruch? Schon Moses schrieb nämlich, Gott habe gesprochen: „Lasst uns den Menschen nach unserem Bild und nach unserem Gleichnis schaffen! Und er soll Gewalt haben über die Fische des Meeres und die Vögel des Himmels und die Tiere und alles, was kriecht auf Erden!“ Und David ruft aus: „Alles hast Du ihm unter die Füße gelegt, Schafe und Rinder insgesamt, dazu noch das Vieh des Feldes, die Vögel des Himmels und die Fische des Meeres“ (Ps. 8, 8 f). So haben sie also die Behauptung, alles sei den Menschen unterworfen, unseren Autoren entnommen und nehmen eben darum an, es sei des Menschen wegen hervorgebracht worden. Auch dass der Mensch des Menschen wegen geboren sei, finden wir in den Büchern Moses ausgesprochen, worin der Herr spricht: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist: lasst uns demselben eine Gehilfin schaffen, die ihm gleiche!“ Zur Hilfeleistung wurde sonach das Weib dem Manne gegeben. [68]
"Im Verlangen nämlich, das Vermögen zu vermehren, Geld aufzuhäufen, Ländereien in Besitz zu bekommen, durch Reichtum zu glänzen, streifen wir die Norm der Gerechtigkeit ab und verlieren den Sinn für das gemeinnützige Wohltun. Wie kann denn einer gerecht sein, der dem Nächsten etwas zu entreißen sucht, was er für sich begehrt? Auch Machtgelüste entnervt die mannhafte Gerechtigkeit. Wie kann denn einer für andere eintreten, der sich andere zu unterjochen sucht? Und wie dem Wehrlosen gegen Gewalttätige Hilfe leisten, wenn er selbst es mit schwerer Gewalttat auf dessen Freiheit absieht?" - St. Ambrosius, De off. I, 28
Was es Großes um die Gerechtigkeit ist, lässt sich daraus ersehen, dass sie keine Ausnahme kennt, weder in Bezug auf Ort, noch Person, noch Zeit. Wird sie doch selbst den Feinden gegenüber geübt. Die Kriegsrechte (iura belli), bezw. Kriegspflichten (bellica officia) behandelt auch Cicero. "So standen denn auch späterhin die syrischen Seeräuber von ihren Einfällen in das Land Israel ab. Wenn sonach die Gerechtigkeit selbst im Kriege in Kraft bleibt, wieviel mehr muss sie im Frieden beobachtet werden!"  Die Alten hatten denn auch für die Feinde eine schonende Bezeichnung: sie nannten sie die ‚Fremden‘. Nach altem Brauch nämlich hießen die Feinde ‚Fremde‘. Die Hebräer nannten ihre Gegner die ‚Stammverschiedenen‘ (allophyli), d. i. nach lateinischer Bezeichnung ‚Ausländer‘ (alienigenae). So lesen wir im ersten Buch der Könige also: „Und es geschah an jenen Tagen, da sammelten sich die Ausländer zum Kampf gegen Israel“ (1 Kön. 4, 1). "Das Fundament der Gerechtigkeit ist der Glaube. Denn „der Gerechten Herz sinnt Glauben“ (Prov. 15, 28), und „der Gerechte, der sich anklagt, stellt die Gerechtigkeit auf den Glauben“ (Prov. 18, 17). Dann nämlich tritt seine Gerechtigkeit zutage, wenn er die Wahrheit bekennt. So spricht denn auch der Herr durch Isaias: „Sieh, ich lege einen Stein in die Grundfeste Sions“ (Is. 28, 16), d. i. Christus in die Grundfesten der Kirche. Christus nämlich ist der Glaube aller, die Kirche aber eine gewisse Form der Gerechtigkeit, das gemeinsame Recht aller: gemeinsam ist ihr Beten, gemeinsam ihr Wirken, gemeinsam ihre Prüfung. So ist denn, wer sich selbst verleugnet, gerecht, Christus würdig. Darum stellte auch Paulus Christus als das Fundament hin (1 Kor. 3, 11), damit wir auf ihn die Werke der Gerechtigkeit stellen; denn der Glaube ist das Fundament, in den Werken aber liegt entweder, falls sie bös sind, Ungerechtigkeit, oder aber, falls sie gut sind, Gerechtigkeit." Dieser Glaube und damit Gerechtigkeit fehlte damals den Sarazenen, Mohammedanern und Türken, wie er heute noch den muslimischen Machthabern fehlt. [69]
 

Von der Wohltätigkeit, Brote der Weisheit

Die Wohltätigkeit zerfällt in Wohlwollen und Freigebigkeit. Aus diesen beiden besteht sonach die Wohltätigkeit, soll sie vollkommen sein. Wohlwollen allein genügt nicht, sondern auch Wohltun ist erforderlich. Umgekehrt genügt auch Wohltun nicht, wenn es nicht aus einer guten Quelle, d. i. aus Gutwilligkeit hervorgeht; „denn den freudigen Geber liebt Gott“ (2 Kor. 9, 7). Tust du es nämlich unwillig, was wäre dein Lohn? Daher des Apostels allgemein gültiges Wort: „Tue ich das willig, habe ich Lohn; wenn unwillig, ist's nur die Amtsverwaltung, die mir anvertraut ist“ (1 Kor. 9, 17). Auch im Evangelium haben wir viele Anleitungen über die rechte Freigebigkeit. Edel ist Wohlwollen und Geben in der Absicht zu nützen, nicht zu schaden. Auch Cicero nennt als erste Einschränkung (cautio): Die Wohltat muss wirklich nützen, darf nicht schaden. "Denn glaubte man einem Schlemmer zu ausgelassener Schlemmerei, einem Ehebrecher zu gewerbsmäßigem Ehebruch geben zu sollen, so ist das nicht Wohltun, weil hier jedes Wohlwollen fehlt. Das heisst nämlich dem Nächsten schaden, nicht nützen, wolltest du einem geben, der damit Anschläge wider das Vaterland macht; der auf deine Kosten eine liederliche Gesellschaft um sich zu sammeln wünscht; der die Kirche bekämpft." So ist es, wenn heute europäische Politiker den Islamismus fördern, indem sie den Bau von Moscheen, islamischen Schulen und Vereinen unterstützen, Sozialhilfe zum Beispiel an einen islamischen Terroristen oder Terrorhelfer zahlt, "der damit Anschläge wider das Vaterland macht"  [70] 

Das ist keine zu billigende Freigebigkeit, wollte man einen unterstützen, der damit wider eine Witwe und deren Waisen einen schweren Entscheidungsprozeß anstrengt, oder ihnen irgendwie mit Gewalt Hab und Gut zu entreißen sucht. "Die Freigebigkeit verdient keine Billigung, wenn man das, was man dem einen gibt, dem anderen abpresst; wenn man es ungerecht erwirbt und gerecht austeilen zu sollen glaubt: es sei denn, dass man gleich jenem Zachäus ( Luk. 19, 8) einem, den man betrogen, erst vierfach wiedererstatten und die heidnischen Laster durch Glaubenseifer und durch gläubiges Wirken gutmachen wollte." Freigebigkeit taugt nur etwas, wenn es auf dem christlichen Glauben gegründet ist. "So soll denn deine Freigebigkeit auf einem festen Fundamente ruhen. Die erste Forderung lautet: Aufrichtigkeit beim Geben, kein Trug beim Spenden. Man verspreche nicht, mehr geben zu wollen, und gebe nicht weniger. Wozu braucht es denn der Worte? Es wäre ein trügerisches Versprechen. Du hast es in der Gewalt zu geben, was du willst. Der Trug untergräbt das Fundament, und das Werk stürzt ein." So können muslimische Vereine, die oft auch als Hilfsorganisationen getarnt sind, nicht als gemeinnützig anerkannt werden.  [71] 

Ferner muss Glaube, Beweggrund, Ort und Zeit die vollkommene Freigebigkeit empfehlen. "Zunächst soll man sich um seine Glaubensgenossen bemühen. Eine große Schuld wäre es, wenn ein Gläubiger darben würde und du wüßtest davon; du wüßtest: er ist ohne Lebensunterhalt, hungert, leidet Not, zumal wenn er ein verschämter Armer wäre; wenn er, sei es wegen der Gefangensetzung von Angehörigen, sei es wegen Verleumdung in einen Prozeß geriete, und du griffest nicht helfend ein; wenn ein Gerechter im Kerker schmachtete und wegen einer Schuldforderung Strafen und Qualen erlitte, obschon man nämlich jedermann Mitleid schuldet, so doch am meisten dem Gerechten; wenn er in der Stunde der Not nichts von dir erlangte"; Länder wie Deutschland geben zwar viel für muslimische Flüchtlinge aus, vernachlässigen aber die Unterstützung der eigenen christlichen Bevölkerung oder schröpfen sie noch zusätzlich, damit sie die Förderung der Ungläubigen und damit des Islamismus finanzieren können. [72] 

Wir aber schulden zwar allen Barmherzigkeit; doch weil so manche dieselbe trügerisch zu erschleichen suchen und Not vorspiegeln, darum soll gerade dort, wo der Fall klar, die Person bekannt ist und die Zeit drängt, die Barmherzigkeit am reichlichsten fließen. Denn der Herr ist nicht habsüchtig, dass er übermäßig viel verlangte. Selig zwar, wer alles weggibt und ihm nachfolgt! Aber auch der ist selig, der gern hingibt, was er hat. So schlug denn der Herr die zwei Heller der Witwe höher an als die Spenden der Reichen; denn jene spendete alles, was sie hatte, diese spendeten nur einen Teil von ihrem Überflusse (Luk. 21, 1-4). Die Gesinnung bestimmt sonach das Reichliche oder Dürftige der Gabe und gibt den Dingen den Wert. Übrigens will der Herr nicht, dass man sein Vermögen mit einem Mal verschwende, sondern nur, dass man davon mitteile: es müsste denn einer ein Elisäus sein, der seine Opfer schlachtete und von seiner Habe die Armen speiste, um durch keinerlei häusliche Sorge mehr gebunden zu sein, sondern alles zu verlassen und der Schule des Propheten Elias sich hinzugeben (1 Kön. 19, 19-21). Zu billigen ist auch die Freigebigkeit, dass man nicht von seinen Blutsverwandten, wenn man von deren Not erfährt, verächtlich den Blick wegwendet. Besser ist es, dass du selbst den Deinigen zu Hilfe kommst, wenn sie sich schämen, von anderen ihren Unterhalt zu erbitten oder im Notfall um Unterstützung zu betteln. [73] 

„Wie ein Saatfeld ist der törichte Mensch und wie eine Weinpflanzung der Geistesarme: lässt man ihn brach liegen, wird er veröden“ (Prov. 24, 30). Wie ein Saatfeld ist auch der Weise: er legt sich gleichsam den aufgenommenen Samen auf Zinsen an und stattet ihn in größerem Maß zurück. Die Erde nun bringt entweder von selbst ihre Früchte hervor oder erstattet und gibt sie, wenn sie ihr anvertraut wurden, in reichlicherer Fülle wieder. Beides schuldest du gleichsam nach dem von der Mutter Erde ererbten Brauch, um nicht brach zu bleiben gleich einem unfruchtbaren Acker. Doch gesetzt den Fall, ein Nichtgeben lasse sich entschuldigen: wie ließe sich ein Nichtwiedererstatten entschuldigen? Ein Nichtgeben geht schwerlich, ein Nichtwiedererstatten aber gar nicht an. "Erfreuen wir uns an jener Speise, welche der Prophet im Auge hatte mit der Aufforderung: „Freue dich im Herrn!“ An jener Speise erquicken sich jene, welche mit bewunderungswürdigem Geiste höhere Freuden erfassen lernten; welche zu verstehen vermögen, welcher Art jene reine und unsichtbare geistige Freude ist. Lasst uns denn die Brote der Weisheit essen und uns sättigen am Worte Gottes! Denn nicht im Brote allein, sondern in jeglichem Worte Gottes ruht das Leben des Menschen (Matth. 4, 4), der nach dem Bilde Gottes geschaffen ist. Über den Trank aber äussert sich mit hinlänglicher Deutlichkeit Job: „Wie die Erde, wenn sie auf den Regen wartet, so warten auch diese auf meine Worte“(Job 29, 23). Deshalb muss man sich an die wahre Philosophie halten und nicht an die, die sich auf Irrglauben oder Materialismus stützt. [74] 
 

Vom seelischen Starkmut

Jetzt geht es um die dritte Kardinaltugend, die Tapferkeit. Als hätte sie etwas vor den übrigen Tugenden voraus, zerfällt sie in die kriegerische und heimische Tapferkeit. Schon Cicero bekämpft die Meinung, Kriegstaten seien höher einzuschätzen als entsprechende Friedenswerke. Auch Ambrosius sagt "der Friedenssache gilt unser Handel und Wandel. Dagegen ernteten unsere Altvordern, wie Jesus Nave (Josue), Jeroboal (Gedeon), Samson, David auch im Krieg den höchsten Ruhm. Die Tapferkeit ist sonach eine Tugend, gewissermaßen über die anderen erhaben, doch nimmer ohne deren Begleitung. Denn sie darf sich selbst nicht trauen. Andernfalls ist die Tapferkeit ohne die Gerechtigkeit nur ein Hebel zum Bösen. Denn je stärker sie ist, um so mehr neigt sie zur Unterdrückung des Schwächeren. Und doch hält man dafür, dass auch in Sachen des Krieges darauf zu achten ist, ob Kriege gerecht oder ungerecht sind. Nie führte David einen Krieg, ohne dazu gereizt zu sein. Daher hatte er die Klugheit zur Begleiterin der Tapferkeit in der Schlacht. Selbst da er wider Goliath, einen Unmenschen an Leibesgröße, zum Einzelkampf sich anschickte, wies er die Waffen zurück, die ihn beschwerten (1 Kön. 17, 38 ff.); denn die Manneskraft stützt sich lieber auf den eigenen Arm als auf fremde Deckung. Sodann streckte er den Feind mit einem Steinwurf aus größerer Entfernung, um ihn wuchtiger zu treffen, nieder. Auch später fing er nie einen Krieg an, ohne den Herrn zu Rate gezogen zu haben (2 Kön. 5, 19. 23. 25). Deshalb ging er aus allen Schlachten als Sieger hervor. Die Hand bis ins höchste Greisenalter am Schwerte, mischte er sich in Kriege wider die Titanen als Kämpfer unter die wilden Heerscharen, voll Verlangen nach Ruhm, unbekümmert um sein Leben (2 Kön. 21, 15 ff.). Doch nicht das allein nur ist ruhmvolle Tapferkeit: uns gilt vielmehr auch die Tapferkeit jener Gläubigen für herrlich, die kraft des Glaubens durch ihre Seelengröße „der Löwen Rachen verschlossen, die Gewalt des Feuers auslöschten, der Schärfe des Schwertes entrannen, aus Schwachen zu Helden erstarkten“(Hebr. 11, 33 f.); die nicht, von Gefolgschaft und Legionen umgeben, im Verein mit vielen anderen den gemeinsamen Sieg, sondern allein durch ihre bloße Seelenkraft den Triumph über die Ruchlosen davontrugen. Wie unbesieglich war Daniel, der vor den Löwen, die zu seinen Seiten brüllten, nicht zitterte! Die Bestien knirschten, und er aß (Dan. 14, 38)." Heute bewährt sich der Starkmut weniger im Kriege als im Geisteskampf gegen die Irrlehren des Arianismus, Islamismus und Materialismus. [75] 
"Ruhmvolle Tapferkeit beruht nicht bloß in der Körperkraft und den Armmuskeln, sondern mehr noch in der Kraft der Seele. Und das Gesetz für diese Kraft lautet: nicht Unrecht tun, sondern ihm wehren. Denn wer nicht von seinem Mitmenschen Unrecht abwehrt, wenn er kann, ist ebenso schuldbar wie jener, der es begeht."  - St. Ambrosius, De off. I, 36 

"Darin nämlich besteht die Ruhe und Mäßigung der Seele, dass sie sich weder von Gewinnsucht einnehmen, noch durch Furcht vor Armut ängstigen läßt." Ib.

Das nun ist die erste Wirkung des Starkmutes. In zweifacher Art tritt nämlich der seelische Starkmut in die Erscheinung. Fürs erste soll er das Äußerliche am Leibe recht gering einschätzen und als etwas Überflüssiges lieber für verächtlich denn für begehrenswert erachten; fürs zweite die höchsten Güter und all das, worin man das Sittlichgute und jenes [prepon], Schickliche, erblickt, klar ins Auge fassen und solange anstreben, bis er es erreicht hat. "Was wäre denn so klar als die Notwendigkeit, deine Seele derart zu schulen, dass du die höchsten Güter weder in Reichtum, noch in Vergnügen, noch in Ehren setzest und nicht dein ganzes Streben darauf verschwendest? Bei solcher inneren Gesinnung wirst du notwendig jenes Sittlichgute und Schickliche vorziehen zu müssen glauben und dein Sinnen so darauf richten, dass du über alles, was da kommt und den Mut zu brechen pflegt, wie Vermögenseinbuße oder Ehrenverlust oder Anfeindung von seiten der Ungläubigen, erhaben bist, ohne es zu fühlen, und dass dich ferner selbst Lebensgefahren, die du für die Gerechtigkeit auf dich nimmst, nicht aus der Fassung bringen. Das ist der wahre Starkmut, den Christi Streiter besitzt, der nicht gekrönt wird, wenn er nicht rechtmäßig gekämpft hat (2 Tim. 2, 5)."  [76] 

Auch das schließt das sogenannte „Freisein der Seele von Beunruhigungen“ ein, dass wir weder im Schmerz zu wehleidig, noch im Glück zu übermütig sind. "Wenn schon jene, die jemand zur Übernahme eines öffentlichen Amtes auffordern, solche Weisungen geben, wieviel mehr sollten wir im Falle der Berufung zu einem Kirchendienste nur das tun, was Gott gefällt! Die Kraft Christi soll Wehr und Schild in uns sein. Und also erprobt, laßt uns vor unserem Gebieter stehen, dass unsere Glieder „Waffen der Gerechtigkeit“ (Röm. 6, 13) sind." Die Flucht in Zeiten der Glaubensverfolgung zählt durchaus auch zum Starkmut. Der Herr will, dass wir in der Zeit der Verfolgung von Stadt zu Stadt ziehen, oder vielmehr, um seinen Ausdruck selbst zu gebrauchen, ‚fliehen‘ (Matth. 10, 23), damit nicht einer aus Verlangen nach dem Ruhme des Martyriums vermessen in Gefahren sich begebe, die das schwache Fleisch oder der zu wenig kräftige Geist nicht zu tragen und zu bestehen vermögen. Auch Cicero warnt vor der „Torheit“, sich grundlos in Gefahren zu begeben. Nach der Eroberung Konstantinopels durch die ungläubigen Türken, sind viele Intellektuelle und Künstler nach Italien geflohen und haben die Renaissance mitbegründet. [77] 

Man soll sich auch, in acht nehmen, dass nicht der eine oder andere aus überspanntem Ehrgeiz herausfordernd gegen die Behörden der Ungläubigen sich benehme und "die uns meist abgeneigten Gemüter der Heiden zur Verfolgung reize und zur Erbitterung stachle. Wie vielen bereiten sie, um selbst die Standhaften und Sieghaften in Martern spielen zu können, den Untergang? Auch soll man vorsichtig sein, um nicht Schmeichlern sein Ohr zu leihen. Durch Schmeichelei sich umstimmen lassen, scheint nicht bloß keine Tapferkeit, sondern vielmehr Feigheit zu sein."  [78] 
 

Von der Mäßigkeit

Halten wir denn fest an der Sittsamkeit und jener Selbstbeherrschung, welche den Schmuck des ganzen Lebens erhöht! Denn nichts Geringes ist es, allem sein Maß anzuweisen und seine Ordnung zu bestimmen. Und doch leuchtet fürwahr gerade hierin das hervor, was man das Schickliche nennt. Dieses nämlich ist mit dem Sittlichguten so eng verbunden, dass es unzertrennlich davon ist. Ist doch das Schickliche auch gut, das Gute schicklich, so dass es sich mehr um eine Verschiedenheit im Ausdruck als um einen Unterschied in der Tugend handelt. Ein Unterschied zwischen ihnen läßt sich denken, nicht ausdrücken. Um nun doch den Versuch zu machen, einigen Unterschied herauszustellen, so ist das Sittlichgute, was für den Leib das Wohlbefinden, gleichsam die Gesundheit ist; die Schicklichkeit aber, was seine Anmut und Schönheit ist. Wie nun die Schönheit sichtlich über die Gesundheit und das Wohlbefinden hinaus einen Vorzug besagt und gleichwohl nicht ohne diese bestehen kann und in keiner Weise davon sich trennen läßt, weil es ohne blühende Gesundheit keine Schönheit und Anmut geben kann: so schließt auch das Sittlichgute jenes Schickliche derart in sich, dass es sich augenscheinlich von ihm herleitet und ohne dasselbe nicht bestehen kann. So bedeutet denn das Gute sozusagen die Gesundheit unseres gesamten Tuns und Treibens, das Schickliche gleichsam seine äußere Schönheit: es ist eins mit dem Guten und nur im Denken davon verschieden. [79] 

Wenn nun jemand in seinem Gesamtleben sich gleichförmig bleibt und in den Einzelhandlungen das rechte Maß einhält, desgleichen Ordnung, Beständigkeit und Mäßigung in seinem Reden und Handeln wahrt, so tritt in seinem Leben jenes Schickliche hervor und strahlt daraus wie in einem Spiegel wider. Damit verbinde sich jedoch eine liebenswürdige Redeweise, um die Hörer für sich zu gewinnen und bei Angehörigen oder bei Mitbürgern oder womöglich bei allen den Eindruck des Gefälligen zu machen. Niemand schmeichle man, und von niemand lasse man sich schmeicheln! Das eine verriete Verstellung, das andere Eitelkeit. Es sei ihm nicht gleichgültig, was einer, namentlich ein guter Mensch von ihm denkt. Auf diese Weise lernt er Achtung haben vor den Guten. Über der Guten Urteil sich hinwegsetzen, wäre nämlich entweder ein Zeichen von Anmaßung oder von Gleichgültigkeit, wobei ersteres dem Hochmut, letzteres der Nachlässigkeit zuzuschreiben wäre. [80] 

Es gibt ein dreifaches Verhalten gegen erlittenes Unrecht: der gewöhnliche Mensch braust auf, der Fortgeschrittene schweigt, der Vollkommene freut sich darüber, wie Paulus und David. "Wir wollen nun womöglich zeigen, wie es in der göttlichen Schrift dreierlei Menschen gibt, die Unrecht leiden. Die erste Klasse sind jene, welche der Sünder verhöhnt, beschimpft, verspottet. Da es zu Unrecht geschieht, brennt heißer die Schamröte, heftiger der Schmerz. Diesen gleichen eine ganze Menge von meinem Stand und meinem Rang. Fügte man mir Schwächling eine bloße Beleidigung zu, würde ich, obwohl ein Schwächling, vielleicht das Unrecht gegen mich verzeihen. Macht man mich zum Verbrecher, bin ich, obschon ich mich von solchem Vorwurf frei weiß, nicht so großmütig, dass ich mich mit meinem Gewissen zufrieden gebe, sondern wünsche in meiner Schwachheit den Schandfleck wegzuwischen, der mein empfindliches Schamgefühl verletzt. So fordere ich denn „Aug’ um Aug’ und Zahn um Zahn“ und vergelte Schimpf mit Schimpf. Bin ich aber ein Fortschreitender, wenn auch noch kein Vollkommener, dann erwidere ich die Schmach nicht. Und wenn jener meine Ohren mit Schimpf überschüttet und mit Schmähungen überschwemmt: ich schweige und erwidere nichts. Bin ich aber ein Vollkommener, beispielsweise rede ich so; denn in Wahrheit bin ich ein Schwächling: bin ich ein Vollkommener, segne ich den Schmähenden, wie auch Paulus ihn segnete, der beteuert: „Man schmäht uns, und wir segnen“ (1 Kor. 4, 12). Denn er hatte das Wort vernommen: „Liebet eure Feinde, betet für eure Verleumder und Verfolger!“(Matth. 5, 44) Darum also litt und trug Paulus die Verfolgung (1 Kor. 4, 12), weil er ob des Lohnes der Kindschaft Gottes, der im Fall der Feindesliebe in Aussicht gestellt ward (Matth. 5, 44 f), die menschliche Leidenschaft besiegte und beschwichtigte. Aber auch vom heiligen David können wir dartun, wie er auch in dieser Tugendart dem Paulus nicht unebenbürtig war. Und zwar schwieg er zunächst zur Schmähung des Sohnes Semeis und zu dessen Vorwurf auf Verbrechen und verdemütigte sich und äußerte bei seinem guten Gewissen, d. i. im Bewußtsein seines guten Handelns nichts. Sodann aber wünschte er sich geradezu die Schmähung, weil er durch solche Schmähung die göttliche Barmherzigkeit zu erlangen hoffte (2 Kön. 16, 5 ff.). Doch sieh, wie er Demut, Gerechtigkeit und Klugheit wahrte, um der Gnade vom Herrn sich würdig zu machen. Sein erstes Wort lautete: „Deshalb flucht er mir, weil der Herr ihm sagte, er solle fluchen“(2 Kön. 16, 10). Da hast du die Demut; denn Gottes Gebot glaubte er als armseliger Knecht mit Gleichmut tragen zu müssen." [81] 

Das Bild Christi, nicht des Teufels soll in unserer Seele aufleuchten. "Solange wir nun hier weilen, lasst uns das Bild festhalten, um dort zur Wahrheit zu gelangen! Das Bild der Gerechtigkeit sei in uns! Das Bild der Weisheit sei in uns! Denn es wird zu jenem Tage kommen, und nach dem Bilde wird man uns werten. Nicht finde der Feind sein Bild in dir: nicht Wut, nicht Raserei! In diesen Zügen verrät sich das Bild der Bosheit. Denn der Widersacher, der Teufel, sucht wie ein Löwe, wen er töte, wen er verschlinge (1 Petr. 5, 8). Er finde keine Goldgier, keine Silbermengen, keine Lasterbilder, um dir nicht das freie Wort zu rauben! Das freie Wort besteht nämlich in dem Bekenntnis: „Der Fürst dieser Welt mag kommen, und er soll nichts an mir finden“ (Joh. 14, 30). Bist du sicher, dass er nichts an dir findet, wenn er zur Suche kommt, magst du das Wort des Patriarchen Jakob an Laban nachsprechen: „Überzeuge dich, ob sich etwas von dem Deinigen bei mir findet!“ (Gen. 31, 32) Selig mit Recht Jakob, weil Laban nichts von dem Seinigen bei ihm finden konnte! Rachel nämlich hatte seine goldenen und silbernen Götzenbilder verborgen (Gen. 31, 34). Wenn nun deine Weisheit, wenn dein Glaube, wenn deine Weltverachtung, wenn deine Gnade mit aller Gottlosigkeit aufräumt, wirst du selig sein, weil dein Blick nicht „auf Eitelkeiten und trügerischen Aberwitz“ (Ps. 40, 5) gerichtet ist. Oder ist es gleichgültig, ob ich dem Gegner das Wort entziehen kann, so dass seine Anschuldigung wider mich jeder Beweiskraft ermangelt?" Wer sein Auge nicht auf Eitelkeiten richtet, geht nicht irre: wer es darauf richtet, geht irre, und zwar ganz blindlings. Denn was anders bedeutet Schätze häufen als eitel Beginnen? Eitel genug ist es ja, nach Vergänglichem zu trachten. Hat man sie aber aufgehäuft, wer weiß, ob einem deren Besitz auch vergönnt ist? Ist es nicht eitel, wenn der Kaufmann Tag und Nacht auf Reisen ist, um womöglich Haufen Schätze zu sammeln? Wenn er Waren anhäuft, über deren Preis sich den Kopf zerbricht, um nicht unter dem Einkaufspreis zu verkaufen, die Ortspreise ablauert? Wenn er mit einem Mal einen Wegelagerer wider sich reizt, der mit scheelem Auge sein wohlbekanntes Handelsgeschäft verfolgte? Oder wenn er auf seiner Jagd nach Gewinn Schiffbruch leidet, weil er, des Harrens überdrüssig, keine günstigeren Winde abwartete. Oder ist nicht auch jener das Opfer eitlen Trugs, der mit größter Anstrengung Schätze zusammenrafft, ohne zu wissen, welchem Erben denn seine Hinterlassenschaft zufallen soll? [82] 

"Oftmals wirft ein genußsüchtiger Erbe das, was der Habsüchtige mit tausend Mühen und Sorgen zusammenscharrte, in jäher Verschwendung hinaus und verschleudert es, und lässt ein schändlicher Prasser, der blindlings in die Gegenwart, sorglos in die Zukunft hineinlebt, das langsam Erworbene wie in einem Abgrund verschwinden." - St. Ambrosius, De off. I, 49
Es ist unnötig, einen "Haufen Reichtümer wie unnützes Netzwerk" aufzuhäufen. Sie streifen dir vielmehr nur das Bild Gottes ab und ziehen dir das Bild des Irdischen an (1 Kor. 15, 47 ff). Unter dem Irdischen versteht Ambrosius den vorläufig zur Erde herabgeschleuderten Satan, der das Christentum bekämpft, wie der Islamismus. Herrschern sarazenischer oder islamischer Länder zum Beispiel ruft Ambrosius zu: "Trägt einer das Bild des Tyrannen an sich, setzt er sich nicht der Verurteilung aus? Du willst das Bild des ewigen Herrschers ablegen und wünschst an dir das Bild des Todes? Hinweg vielmehr aus der Stadt deiner Seele mit dem Bilde des Teufels! Richte auf das Bild Christi! Das soll in dir leuchten, in deiner Stadt, d. i. in deiner Seele erstrahlen, um die Bildnisse der Laster schwinden zu machen! Von diesen spricht David: „Herr, Du wirst in Deiner Stadt ihre Bilder fortschaffen“ (Ps. 73, 20). Dann nämlich, wenn der Herr jenes Jerusalem nach seinem Bilde zeichnet, wird jedes Bild der Widersacher vernichtet." [83] 
 

Von den Leviten

Wenn durch das Evangelium des Herrn sogar auch das gewöhnliche Volk zur Verachtung des Reichtums angeleitet und angehalten ist, "wieviel mehr dürft ihr Leviten nicht von irdischen Lüsten euch einnehmen lassen, da Gott euer Anteil ist. Als nämlich von Moses der Besitz des Landes an das Vätervolk ausgeteilt wurde, schloß der Herr die Leviten von der Teilnahme daran aus Num. (18, 20 ff.), weil er selbst ihr Erblos sein wollte (Ps. 105, 11). Daher Davids Bekenntnis: „Der Herr ist meines Erbes und meines Bechers Anteil“ (Ps. 16, 5). Das bedeutet denn auch der Name Levite: ‚er ist mein‘, oder aber: ‚er ist statt meiner‘ (Num. 3, 12. 45). [84] 

Auch der Apostel fügte hinzu, nachdem er vom Bischof verlangt hatte, er solle nüchtern, ehrbar, würdevoll, gastfrei, zum Lehren geeignet, nicht geizig, nicht streitsüchtig sein, seinem Hause ein guter Vorgesetzter (1 Tim. 3, 2 ff.): „Desgleichen sollen die Diakonen gesetzt sein, nicht doppelzüngig, nicht viel dem Wein ergeben, nicht nach schnödem Gewinn trachtend, das Geheimnis des Glaubens in reinem Gewissen tragend. Auch sie sollen aber erst erprobt werden und so, wenn sie untadelig sind, den Dienst versehen“ (1 Tim. 3, 8 ff.). Der Diener des Herrn soll von Wein sich enthalten, auf einen guten Leumund nicht bloß der Gläubigen, sondern auch „von seiten derer, die draußen sind“, sich stützen können (1 Tim. 3, 7). Denn die öffentliche Meinung darf billig Zeuge unseres Handelns und Wirkens sein, damit der Ruf des Amtes nicht leide; damit, wer einen Diener des Altares im geziemenden Tugendschmucke erblickt, den Schöpfer preise und den Herrn ehre, der solche Diener hat. Denn wo rein die Habe und unsträflich die Zucht der Dienerschaft, erhebt sich das Lob des Herrn. [85]

Ambrosius übt Kritik an Philosophen wie Cicero; er erklärt die Weisheit, „die Wissenschaft vom Göttlichen und Menschlichen“, zwar als „die Fürstin aller Tugenden“. Wohl aber setzt er die Klugheit [phronesis], „die Wissenschaft von den Dingen, die anzustreben und zu fliehen sind“, den „aus dem Gemeinschaftsleben sich ergebenden Pflichten“, d. i. der Gerechtigkeit nach; zudem fehlt ihm das Fundament. Die Weisheit ist das Fundament, die Gerechtigkeit der Bau darüber, der ohne das Fundament nicht denkbar ist. Das Fundament aber ist Christus (1 Kor. 3, 11). Das erste nun ist der Glaube. Er gehört zur Weisheit. [86]
 

Vom seligen Leben

Die Quelle desselben ist das Sittlichgute. Es wird innerlich erlebt, unabhängig von fremder Beurteilung. "So groß ist nämlich der Glanz des Sittlichguten, dass gerade die Ruhe des Gewissens und der sichere Besitz der Unschuld das selige Leben ausmachen. Wie die Sonne nach ihrem Aufgang den Mondball und die übrigen Lichtkörper am Sternenhimmel schwinden macht, so überstrahlt der Glanz des Sittlichguten, wo er in wahrer und ungebrochener Schönheit aufblitzt, alles andere, was nach Maßgabe der Sinnenlust für gut, oder nach dem Urteil der Welt für herrlich und ruhmvoll gilt. Selig fürwahr das Leben, dessen Wertschätzung nicht von fremdem Urteil abhängt, sondern das, ein Selbstrichter, im eigenen Empfinden erlebt wird! Es bedarf des Leumundes der Leute nicht als Lohnes, fürchtet ihn aber auch nicht als Strafe. Je weniger es nach Ruhm strebt, desto mehr ist es darüber erhaben. Denn wer nach Ruhm verlangt, besitzt in diesem Lohne des Gegenwärtigen nur den Schatten des Zukünftigen, und damit ein Hindernis des ewigen Lebens, wie es im Evangelium geschrieben steht: „Wahrlich ich sage euch, sie haben ihren Lohn schon erhalten“ (Matth. 6, 2). Jene sind gemeint, die wie mit Posaunenschall ihre Freigebigkeit, die sie gegen Arme üben, bekanntzumachen wünschen; ebenso ihr Fasten, mit dem sie Aufsehen machen wollen. „Sie haben ihren Lohn“, so heißt es (Matth. 6, 16). So ist es denn dem Sittlichguten eigen, im Verborgenen sei es Barmherzigkeit zu üben, sei es Fasten zu halten; es soll sich damit zeigen, dass du allein nur von deinem Gott, nicht auch von den Menschen deinen Lohn suchst. Denn wer ihn von den Menschen sucht, „der hat seinen Lohn“; wer hingegen von Gott, der hat das ewige Leben, das nur der Urheber der Ewigkeit (Is. 9, 6) verleihen kann." Und damit steht die Auffassung des Hl. Ambrosius im Gegensatz zu der der Sarazenen oder Muslime, die großes Aufsehen veranstalten wegen ihres Fastens (Ramadan), das ohnehin kein Fasten ist, denn nachts statt tagsüber etwas essen, wie es im Ramadan üblich ist, bedeutet nicht nur kein Fasten sondern im Gegenteil Völlerei. [87]

Wie sehen die verschiedenen Auffassungen der Philosophie aus? Von den Philosophen nun verlegten die einen das selige Leben in die Schmerzlosigkeit, wie Hieronymus, andere in die Erkenntnis der Dinge, wie Herillus. Dieser hörte nämlich, wie Aristoteles und Theophrast der Erkenntnis der Dinge wunderbares Lob spendeten, und setzte darum in sie allein das höchste Gut, während jene sie wohl als ein Gut, nicht aber als das einzige Gut priesen. Andere, wie Epikur, nannten den Genuß; andere, wie Kallipho und nach ihm Diodor, erklärten sich dahin, dass der eine das Sittlichgute mit dem Genusse, der andere mit dem Freisein von Schmerz zugleich verband, indem es ohne dasselbe kein seliges Leben geben könne. Der Stoiker Zeno behauptete, das Sittlichgute sei das einzige und höchste Gut; Aristoteles hingegen, bezw. Theophrast und die übrigen Peripatetiker, das selige Leben beruhe zwar in der Tugend, d. i. im Sittlichguten, aber zum Vollmaß ihrer Seligkeit gehörten auch die leiblichen und äusseren Güter. Die göttliche Schrift dagegen verlegte das ewige Leben in die Erkenntnis Gottes und die Frucht des guten Wirkens. Für beide Behauptungen spricht denn auch das Zeugnis des Evangeliums. Was einerseits die Erkenntnis anlangt, so äusserte sich der Herr Jesus folgendermaßen: „Das ist aber das ewige Leben, dass sie Dich, den alleinigen wahren Gott, erkennen, und den Du gesandt hast, Jesus Christus“ (Joh. 17, 3), weshalb die Sarazenen oder Muslime vom seligen Leben ausgeschlossen sind, da sie weder den wahren Gott kennen noch den, den er gesandt hat. Der muslimische Glaube taugt also nicht das Geringste, denn nur der wahre Glaube besitzt das ewige Leben: "er ist dessen gute Grundlage." [88]

Aber auch die guten Werke besitzen es. In Wort und Tat zugleich bewährt sich nämlich der Gerechte. Denn wenn er nur im Reden bewandert, in Werken aber lässig ist, straft das Tun seine Einsicht Lügen, und um so schwerer ist die Verantwortung, wenn man weiß, was man tun sollte, aber nicht tat, was man zu tun für notwendig erkannte. "Aber auch umgekehrt. Im Handeln gewissenhaft, in der Gesinnung schwankend sein, hieße über schlechter Grundlage schöne Giebelbauten aufführen wollen. Je mehr man aufbaut, umso mehr stürzt ein. Ohne die feste Stütze des Glaubens können die guten Werke nicht bestehen. Eine unzuverlässige Reede im Hafen macht das Schiff zerschellen; und ein sandiger Boden entweicht rasch und vermag die Last des aufgeführten Baues nicht zu tragen. Dort also winkt der volle Lohn, wo vollendete Tugend herrscht und vernünftiges Handeln mit vernünftigem Reden gleichsam gleichen Schritt hält." Darin zeigt sich die Sinnlosigkeit muslimischer Hilfsorganisationen, die ohne die feste Stütze des wahren Glaubens nicht bestehen können. [89]

"Weil nun die bloße Wissenschaft von den Dingen, nach den müßigen Streitreden der Philosophie zu urteilen, sei es als Scheinwissen, sei es als Halbwissen dem Fluche der Lächerlichkeit verfallen ist, so lasst uns erwägen, wie klar die göttliche Schrift das Problem löst, über das wir in der Philosophie so vielerlei verworrene und unklare Fragen aufgeworfen sehen. Nur das Ehrenhafte ist nach der Schrift gut; und nur die Tugend, die weder durch leibliche oder äussere Güter einen Zuwachs, noch durch Widerwärtigkeiten einen Eintrag erleidet, ist nach ihrem Urteil in jeder Sachlage selig, und nichts so selig, als was von Sünde frei, voll Unschuld und voll Gnade Gottes ist. Denn es steht geschrieben: „Selig der Mann, der nicht nach dem Rate der Gottlosen wandelt und nicht auf dem Wege der Sünder steht und nicht auf dem Stuhle der Pest sitzt, sondern seine Lust am Gesetze des Herrn hat!“ (Ps. 1, 1) - St. Ambrosius, De off. II, 3

"So erübrigt denn noch zu zeigen, wie man es unter seiner Würde halten soll, als Anwalt der Lust aufzutreten, oder aber den Tod zu fürchten: das eine verächtlich, weil entnervt und weichlich, das andere, weil unmännlich und schwächlich; wie vielmehr gerade in Schmerz und Leiden das selige Leben sich vorzüglich bekundet. Dies läßt sich leicht dartun, wenn wir lesen: „Selig seid ihr, wenn man euch schmäht und verfolgt und alles Böse mit Unwahrheit wider euch redet um der Gerechtigkeit willen! Freuet euch und frohlocket! Denn euer Lohn ist groß im Himmel. Ebenso hat man ja auch die Propheten verfolgt, die vor euch waren“ (Matth. 5, 11 f.). Und an einer anderen Stelle: „Wer mir nachfolgen will, nehme sein Kreuz und folge mir“ (Matth. 16, 24). Ib.

Die äußeren Güter tragen nicht bloß nichts zur Seligkeit bei, sondern beeinträchtigen sie obendrein. Die Scheingüter Reichtum, Genuß und Freude, die kein Leid trübt, sind nach dem klar ausgesprochenen Urteil des Herrn für die Seligkeit von Nachteil. Denn es heißt: „Wehe euch Reichen, denn ihr habt euren Trost! Wehe euch, die ihr gesättigt seid, denn ihr werdet hungern; wehe den Lachenden, denn sie werden trauern!“ (Luk. 6, 24 f.) So sind also die leiblichen und äusseren Güter nicht bloß kein Vorteil für das selige Leben, sondern sogar ein Nachteil. "Daher denn war Naboth, selbst da er vom Reichen gesteinigt wurde, selig. Arm und schwach der Macht des Königs gegenüber, besaß er nämlich als einzigen Reichtum soviel Gefühl und Rücksicht, dass er den ererbten väterlichen Weinberg um des Königs Geld nicht vertauschen mochte; und war eben darum vollkommen, weil er den rechtlichen Besitz seiner Vorfahren mit dem eigenen Blute verteidigte. Daher war aber auch Achab sogar nach seinem eigenen Urteil unselig, weil er den Armen töten ließ, um in den Besitz seines Weinberges zu gelangen ( 1 Kön. 21). Soviel ist gewiß: die Tugend ist das einzige und höchste Gut und allein übervoll der Frucht des ewigen Lebens; nicht die äusseren oder die leiblichen Güter, sondern nur die Tugend verschafft das selige Leben, durch das man das ewige Leben erlangt. Das selige Leben beruht im Gegenwärtigen, das ewige Leben aber in der Hoffnung auf das Zukünftige. Und doch gibt es Leute, die das selige Leben in diesem so schwächlichen, so gebrechlichen Leibe für ausgeschlossen halten, da er notwendig Drangsale, Leiden, Tränen und Siechtum mit sich führt: als ob ich fürwahr behaupten wollte, das selige Leben beruhe im Wohlbefinden des Leibes und nicht in der Tiefe der Weisheit, in der süßen Ruhe des Gewissens, im Hochgefühl der Tugend. Denn selig sein heißt nicht ein Leidender, sondern Sieger über das Leiden sein und nicht unter der Regung des zeitlichen Schmerzes zusammenbrechen. " [90]
 

Vom Nützlichen; Weisheit und Gerechtigkeit, gerechter Rat; Freigebigkeit halte Maß, um nicht Unwürdige zu unterstützen

Entgegen den Utilitaristen kann man mit Ambrosius sagen, das wahrhaft Nützliche deckt sich mit dem Sittlichguten. So finden wir in der göttlichen Schrift, wenn wir uns genau darin umsehen, häufig das Sittlichgute nützlich genannt. „Alles steht mir frei, doch nicht alles ist nützlich“(1 Kor. 6, 12). Im Vorausgehenden sprach der Apostel von den Lastern. Das will er sonach sagen: zu sündigen steht einem frei, aber es schickt sich nicht; die Sünde steht in seiner Gewalt, ist aber nicht geziemend; zu Völlerei bietet sich leicht Gelegenheit, sie ist aber nicht recht; denn nicht Gott, sondern dem Bauche dient die Speise, die man zu sich nimmt (1 Kor. 6, 13). "Weil also das Nützliche mit dem Rechten sich deckt, so ist es recht, dass wir Christus dienen, der uns erlöst hat. Gerecht waren, die sich für seinen Namen dem Tode weihten; ungerecht, die ihm auswichen. Diesen gilt das Wort: „Welcher Nutzen liegt in meinem Blute“ (Ps. 30, 10), d. i. welcher Vorteil in meiner Gerechtigkeit? Daher auch ihr Ruf: „Binden wir den Gerechten, weil er uns unnütz“(Sap. 2, 12), d. i. weil er ungerecht ist, indem er uns anklagt, verurteilt, straft! Freilich läßt sich die Stelle auch auf die Habsucht gottloser Menschen, welche der Ruchlosigkeit nachbarlich ist, beziehen." Über jenes Nützliche ist sonach zu handeln, das voll Ehrbarkeit ist, wie es der Apostel ausdrücklich näher bestimmte mit den Worten: „Dies aber sage ich zu eurem Nutzen, nicht um euch eine Schlinge umzuwerfen, sondern zu eurer Ehrbarkeit“ (1 Kor. 7, 35). So ist denn klar, dass das Ehrbare nützlich und das wahrhaft Nützliche ehrbar ist, und dass das Nützliche gerecht und das Gerechte nützlich ist. Nicht gewinn- und habsüchtigen Krämerseelen gilt die Abhandlung des Hl. Ambrosius, sondern seine Abhandlung über die Pflichten dienen dazu, einzuschärfen und einzuflößen, damit das, was dem Geiste und sittlichem Verhalten bereits durch praktische Anleitung eingepflanzt und eingeprägt wurde, "auch in Form einer schulgerechten Abhandlung erschlossen werde." [91]
Wenn ich nun darangehe, über das Nützliche zu sprechen, möchte ich jenes Verses beim Propheten mich bedienen: „Wende mein Herz zu Deinen Zeugnissen und nicht zur Habsucht!“ (Ps. 119, 36) Der Laut des Nützlichen soll nicht die Geldgier reizen. So lesen denn auch andere: „Wende mein Herz zu Deinen Zeugnissen und nicht zum Nutzen“, d. i. jenem auf das Feilschen und Markten ausgehenden, jenem nach der Leute Brauch auf Geldgier bedachten und gerichteten Nutzen! Gewöhnlich nennt man ja nur das nützlich, was Gewinn einträgt. Wir aber handeln von jenem Nutzen, den man unter Nachteilen sucht, um Christus zu gewinnen (Phil. 3, 7 f).  - St. Ambrosius, De off. II, 6
Auch im wahren Nützlichen gibt es Gradunterschiede. "Zwischen dem Sittlichguten und Nützlichen besteht sonach nicht bloß eine innige Beziehung, sondern das Nützliche deckt sich geradezu mit dem Sittlichguten. Darum suchte auch der, welcher allen das Himmelreich erschließen wollte, nicht seinen Nutzen, sondern den der Allgemeinheit. Auch wir sollen darum eine gewisse Ordnung und Stufenfolge von den Dingen gewöhnlicher und allgemeiner Art bis zu den erhabeneren einhalten, um aus dem Vielerlei einen Fortschritt im Nützlichen zu erzielen. Fürs erste mögen wir wissen, dass nichts so nützlich ist als Beliebtheit, nichts so nachteilig als Unbeliebtheit1; denn ich halte Mißliebigkeit für unheilvoll und überaus verderblich. Lasst uns denn trachten, mit allem Eifer unsere Achtung und unseren Ruf zu heben und namentlich durch Sanftmut des Geistes und durch Herzensgüte uns die Zuneigung der Leute zu gewinnen! Denn Güte ist jedermann lieb und wert, und es gibt nichts, was so leicht den Weg in die Herzen der Menschen fände. Verbinden sich mit ihr auch noch ein sanftes, freundliches Wesen, sodann weise Mäßigung im Befehlen und Leutseligkeit im Gespräch, ehrende Worte und auch geduldiges Anhören von Widerrede sowie gewinnende Bescheidenheit, so möchte man es nicht glauben, zu welchem Maß von Beliebtheit sie fortschreitet. Wir lesen nämlich nicht bloß von gewöhnlichen Menschen, sondern selbst von Königen, wieviel Nutzen holde, liebenswürdige Herablassung, bzw. wieviel Schaden hochfahrendes Wesen und hochmütige Rede angestiftet haben, so dass sie sogar den Sturz ihrer Reiche, die Vernichtung ihrer Macht zur Folge hatten. Gewinnt nun einer durch Einsicht, Erfahrung, Dienstgefälligkeit die Gunst des Volkes, oder setzt einer unter Gefahr sein Leben für das ganze Volk ein, so strömt zweifellos so viel Liebe von seiten des Volkes auf ihn zurück, dass es sein Heil und sein Wohlbefinden dem eigenen vorzieht. Wieviel Schmähungen musste nicht Moses von seiten des Volkes hinnehmen! Und doch bot er sich, als der Herr an den übermütigen Volksgenossen Rache nehmen wollte, wiederholt für das Volk zum Opfer dar, um es vom Zorne Gottes zu erretten (Exod. 32, 11 f.). Mit wie sanften Worten redete er auf Beleidigungen das Volk an, tröstete es in seinen Nöten, beschwichtigte es mit göttlichen Aussprüchen, erquickte es mit seinen Taten! Und obschon er beständig mit Gott redete, pflegte er doch die Leute demütig und freundlich anzureden und ins Gespräch zu ziehen. Mit Recht hielt man ihn für einen Übermenschen, so dass man selbst sein Angesicht nicht zu schauen vermochte (Exod. 34, 29 ff.) und glaubte, sein Grab habe sich nicht finden lassen (Deut. 34, 6)." Daran knüpfte sich der Volksglaube, den auch Ambrosius nach Philo teilt, dass des Moses Leib nach dessen Tod ins überirdische Paradies entrückt worden sei, was später fälschlicherweise die Muslime für ihren Mohammed in Anspruch nahmen. [92]

So nämlich hatte er die Herzen des ganzen Volkes an sich gefesselt, dass ihre Liebe zu ihm ob seiner Sanftmut größer war als ihre Bewunderung für seine Taten. Wie steht es mit seinem Nachahmer, dem heiligen David, der aus allen zur Regierung des Volkes erkoren ward? "Wie sanft und liebenswürdig war er, wie demütigen Geistes, arglosen Herzens, huldvoller Gesinnung! Noch vor dem Regierungsantritt setzte er für alle sein Leben ein. Als König tat er es allen im Kriegsdienst gleich und teilte mit ihnen die Kampfesmühe: tapfer in der Schlacht, milde auf dem Throne, geduldig bei Schmähung, bereit, lieber Unrecht zu ertragen als zu vergelten. Daher war er auch bei allen so beliebt, dass er, noch ein Jüngling, wider seinen Willen zum Könige begehrt und trotz Widerstreben hierzu genötigt ward, als Greis aber von den Seinigen gebeten wurde, sich nicht in die Schlacht zu mengen, indem lieber alle für ihn, statt er für alle, der Gefahr sich aussetzen wollten. In folgender Weise hatte er sich durch seine liebenswürdigen Dienste das Volk verbunden: Vor allem wollte er bei den Volksfehden lieber als Verbannter in Hebron denn als König in Jerusalem weilen (2 Kön. 2, 1 ff.; c. 3 f.)." [93]

"Wer wäre denn so wie er in Heiligkeit des Herzens und Gerechtigkeit gewandelt, um den Willen Gottes zu erfüllen? Ward doch um seinetwillen selbst noch seinen Nachkommn, wenn sie sich vergingen, Verzeihung gewährt und als seinen Erben Gnade vor Recht gewahrt. Wer hätte ihn denn nicht liebgewinnen müssen, wenn er sah, wie er den Freunden so lieb war, dass er, weil er selbst aufrichtige Freundesliebe übte, der gleichen Liebe von seiten seiner Freunde versichert war? (1 Kön. c. 18-20) So zogen ihn denn auch Eltern ihren Kindern, Kinder ihren Eltern vor. Saul geriet darob heftig in Zorn und wollte seinen Sohn Jonathas mit dem Speere durchbohren, weil er glaubte, Davids Freundschaft gelte bei ihm mehr als die Liebe und das Ansehen des Vaters (1 Kön. 20, 30 ff.). Zur Entfachung der Liebe trägt überhaupt am meisten bei, wenn einer den Liebenden Gegenliebe erweist und zeigt, dass seine Gegenliebe nicht hinter der Liebe, die er selbst findet, zurückbleibt, und dies aus Proben treuer Freundschaft offen erhellt. Was wäre denn so herzgewinnend als Wohlwollen? Was der Natur so eigen als einen Liebenden zu lieben? Was dem menschlichen Gemüte so eingepflanzt und eingeprägt als das Herzensbedürfnis, den zu lieben, von dem man geliebt sein möchte? Mit Recht spricht der Weise: „Laß um des Bruders und des Freundes willen Geld zu Verlust gehen!“ (Ekkli. 29, 13) Und an einer anderen Stelle: „Einen Freund zu grüßen, will ich mich nicht schämen und angesichts desselben mich nicht verbergen“ (Ekkli. 22, 31). Bezeugt doch das Wort des Ekklesiastikus, am Freunde habe man „eine Arznei des Lebens und der Unsterblichkeit“ (Ekkli. 6, 16). Und niemand zweifle, dass in der Liebe eine gar mächtige Schutzwehr liegt. Versichert doch der Apostel: „Alles erträgt sie, alles glaubt sie, alles hofft sie, alles duldet sie, nimmer kommt die Liebe zu Fall“(1 Kor. 13, 7 f.). Daher wankte Davids Thron nicht, weil er jedermann lieb war und von den Untertanen geliebt statt gefürchtet sein wollte. Die Furcht leistet ja nur eine vorübergehende Schutzwache, kennt keine dauernde Hut. Sobald daher die Furcht weicht, wagt Verwegenheit sich hervor; denn nicht Furcht erzwingt die Treue, sondern Liebe schafft sie. So gereicht uns denn in erster Linie Liebe zur Empfehlung. Es ist daher gut, wenn wir im Geruche allgemeiner Beliebtheit stehen. Daraus ersteht das Vertrauen, so dass selbst Fremde unbedenklich deiner Gewogenheit sich anvertrauen, wenn sie sehen, wie du bei der Mehrzahl beliebt bist. Ähnlich wie durch Liebe kann es auch durch Vertrauen dahinkommen, dass einer, der einem oder zweien die Treue wahrte, allen gleichsam ins Herz wächst und aller Gunst erwirbt." - St. Ambrosius, De off. II, 7
"Diese beiden Stücke nun tragen am meisten zu unserer Empfehlung bei: Liebe und Vertrauen; und als drittes folgender Vorzug, wenn man ihn besitzt, weil die große Menge ihn an einem bewunderungswürdig findet und mit Recht für ehrenwert erachtet. Und weil gerade erfahrener Rat die Leute in höchstem Maße gewinnt, darum ist für jeden Klugheit und Gerechtigkeit erforderlich, und die Mehrheit erwartet sie auch, so dass man einem, der sie besitzt, zutraut, dass er auf Wunsch nützlichen und verlässigen Rat zu erteilen vermag. Wer möchte ihm denn trauen, wenn er ihn nicht für weiser halten könnte, als er, der Ratsuchende, selbst ist? Der um Rat Gebetene muss daher notwendig vortrefflicher sein als der Ratsuchende. Was wollte man denn einen zu Rate ziehen, dem man nicht besser als der eigenen Einsicht die Fähigkeit zutraut, das Rechte zu treffen. Findet man nun einen, der durch Schärfe des Denkens, durch Kraft und Überlegenheit des Geistes sich hervortut und es dahin bringt, dass er durch Beispiel und Erfahrung noch größere Meisterschaft erlangt, gegenwärtige Gefahren beschwört, künftige voraussieht, auf drohende aufmerksam macht, auch den Grund hiervon aufzeigt, das Rettungsmittel zur rechten Zeit angibt und nicht bloß zu Rat, sondern auch zur helfenden Tat bereit ist: so schenkt man einem solchen Glauben, so dass der Ratsuchende sprechen mag: „Sollte mir selbst Schlimmes durch ihn begegnen, ich nehme es hin“ (Ekkli. 22, 31). Einem solchen Manne nun, der nach der obigen Ausführung gerecht und klug ist, vertrauen wir unser Leben und unseren Ruf an. Die Gerechtigkeit nämlich bürgt dafür, dass kein Trug zu fürchten steht; desgleichen die Klugheit dafür, dass keine Irrung zu besorgen ist. Freilich noch bereitwilliger verlassen wir uns, um mit der gewöhnlichen Erfahrung zu sprechen, auf einen gerechten als auf einen klugen Mann. Nach philosophischer Auffassung begegnen sich übrigens dort, wo eine Tugend sich findet, auch die übrigen, und kann es eine Klugheit ohne die Gerechtigkeit nicht geben. Auch bei den Unsrigen finden wir das ausgesprochen. David nämlich versichert: „Der Gerechte ist mitleidig und leiht“ (Ps. 37, 26; 37, 21). Was der Gerechte leiht, spricht er an einer anderen Stelle aus: „Liebenswürdig der Mann, der mitleidig ist und leiht: er wird seine Worte zurechtstellen im Gerichte“ (Ps. 112, 5). Ist jenes berühmte Urteil Salomos nicht voll Weisheit und Gerechtigkeit?" - St. Ambrosius, De off. II, 8
Es steht sonach fest, dass es auch nach der göttlichen Schrift, keine Weisheit ohne die Gerechtigkeit geben kann; denn wo nur eine dieser Tugenden ist, da sind beide. Oft spiegelt sich das Fehlen von Weisheit und Gerechtigkeit in der Politik in manchen heutigen Amtsgerichten und Finanzämtern wieder, wo dann ebenfalls sowohl Weisheit als auch Gerechtigkeit fehlen, wenn z.B. Meinungsfreiheit beschnitten wird und lächerliche Klagen zugelassen werden, nur weil z.B. ein Finanzbeamter oder Politiker sein Fehlverhalten durch "die Lügenhaftigkeit der falschen Anschuldigung" vertuschen will und Meinungsfreiheit nicht ertragen kann, Amtsgerichte sich an unwichtigen Fällen festbeißen, statt sich um die wirklich relevanten Fälle zu kümmern, für die dann kaum noch Zeit verbleibt, so dass die eigentlich Kriminellen wieder auf freien Fuß gesetzt werden müssen. "Wie weise kam nicht auch Daniel durch seine tiefsinnige Fragestellung, worauf die Verleumder keine übereinstimmende Antwort mehr zu geben wussten, auf die Lügenhaftigkeit der falschen Anschuldigung! (Dan. 13, 45 ff.) Aufgabe der Klugheit war es, die Schuldigen durch ihr Wort Zeugnis ablegen zu lassen und zu entlarven; Aufgabe der Gerechtigkeit desgleichen, die Schuldigen der Strafe zu überantworten, die Unschuldigen davor zu bewahren. So besteht denn eine unzertrennliche Gemeinschaft zwischen der Weisheit und Gerechtigkeit. Nach der gewöhnlichen Auffassung jedoch unterscheidet man die einzelnen Tugendnormen. Die Mäßigkeit liegt danach in der Verachtung der sinnlichen Genüsse; der Starkmut zeigt sich in Mühen und Gefahren; die Klugheit in der Entscheidung für das Gute, indem sie zwischen dem Nützlichen und Nachteiligen zu unterscheiden weiß; die Gerechtigkeit darin, dass sie als gute Hüterin fremden Rechtes und als Beschützerin des eigenen Besitzes jedem das Seinige wahrt." [94]

Gerechten Rat sucht man bei heutigen Politikern oft vegebens. Weil dem Gerechten das Urteil, dem Weisen aber dessen Begründung zusteht, obliegt ersterem die strenge Prüfung des Verhandlungsergebnisses, letzterem das Vorgehen zur Aufdeckung des Falles. Vereinigt man beides, werden sich jene ungemein heilsamen Ratschläge erteilen lassen, die jedermann aus Bewunderung für die Weisheit und aus Liebe zur Gerechtigkeit erwartet; alle werden die Weisheit eines solchen Mannes, in welchem sich beide Tugenden verbinden, zu hören suchen, "wie alle Könige der Erde das Angesicht Salomos zu schauen und seine Weisheit zu hören suchten, so dass auch die Königin von Saba zu ihm kam und durch Fragen ihn erprobte: Und sie kam und redete alles, was sie auf dem Herzen hatte, und hörte alle Weisheit Salomos, und es entging ihr kein Wort davon (1 Kön. 10, 1 ff.). Wer diese ist, der nichts entgeht, und dass es nichts gibt, was ihr der wahre Salomo nicht kundgetan hätte, das erschließe, o Mensch, aus dem, was du sie reden hörst! „Wahr ist“, so beteuert sie, „das Gerücht, das ich in meinem Lande über deine Reden und deine Klugheit vernommen habe; und ich glaubte dem nicht, was man mir sagte, bis ich kam, und meine Augen es schauten. Und nun ist das, was man mir kundgab, nicht einmal die Hälfte. Das Gute, das du auftischtest, übertraf alles, was ich in meinem Lande hörte. Selig deine Frauen und selig deine Diener, die an deiner Seite stehen, die alle deine Klugheit vernehmen!“ Erkenn das Gastmahl des wahren Salomo und was bei diesem Gastmahle aufgetragen wird! Erkenn weise und erwäge, in welchem Lande die Heidenkirche den Ruf der wahren Weisheit und Gerechtigkeit vernahm und mit welchen Augen sie ihn sah, da sie Dinge unsichtbarer Art schauten! „Denn das Sichtbare ist zeitlich, das Unsichtbare aber ewig“ (2 Kor. 4, 18). Wer anders sind die „seligen Frauen“ als jene, von welchen es heißt: „Viele hören das Wort Gottes und bringen es hervor“? ( Luk. 11, 28) Und an einer anderen Stelle: „Denn wer immer das Wort Gottes tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und Mutter“ (Matth. 12, 50; Luk. 8, 21). Wer anders ferner sind „deine seligen Diener an der Seite“ als ein Paulus, der beteuerte: „Bis zu diesem Tage stehe ich da und lege öffentlich Zeugnis ab vor klein und groß“? (Apg. 26, 22), als ein Symeon, der im Tempel harrte, um den Trost Israels zu schauen? (Luk. 2, 25f) Warum hätte er denn um Entlassung gebeten, wenn nicht deshalb, weil er, vor dem Herrn stehend, ohne den Willen des Herrn kein Recht zum Scheiden hatte? Zum Vorbild ward Salomo uns vor Augen gestellt mit der Forderung, wetteifernd von ihm die Weisheit zu hören. Auch Joseph hatte nicht einmal im Gefängnisse soviel Ruhe, dass man ihn nicht in zweifelhaften Fällen zu Rate zog. Ganz Ägypten frommte sein Rat, so dass es nicht unter der Unfruchtbarkeit der sieben Jahre leiden brauchte und andere Völker von der traurigen Hungersnot befreite (Gen. 41). Daniel, aus der Mitte der Gefangenen zum Vorsitzenden über die königlichen Räte bestellt, griff bessernd durch seinen Rat in die Gegenwart ein und verkündete die Zukunft (Dan. 2). Denn nachdem er sich durch seine häufigen Deutungen als ein Verkündiger der Wahrheit erwiesen hatte, schenkte man ihm in allem Glauben." [95]

Die Bedingungen zur Erteilung eines vertrauenswürdigen Rates werden vorbildlich eingelöst z.B. bei Salomo, Moses, Daniel und Joseph. Schon das Leben dieser Männer weckte Vertrauen zu ihrer Klugheit und steigerte die Bewunderung für dieselbe. Wer hätte nicht dem Rate des Moses vertraut, dem die Ältesten im Fall, dass ihrer Ansicht nach etwas die eigene Einsicht und Kraft überstieg, die Entscheidung anheimstellten? Wer hätte Daniels Rat zurückgewiesen, von dem Gott selbst beteuerte: „Wer ist weiser als Daniel?“ (Ezech. 28, 3) Oder wie hätten die Leute im Zweifel über die Einsicht derer sein können, denen Gott so große Gnade verlieh? Durch des Moses Rat wurden Kriege beendet (Exod. 14). "Wie rein war Daniels Seele, dass er der Barbaren Sitten milderte, Löwen besänftigte! (Dan. 6, 14 ff.; 14, 30 ff.). Welche Mäßigkeit war in ihm! Welche geistige und leibliche Enthaltsamkeit! Nicht mit Unrecht ward er Gegenstand der Bewunderung für alle, da er, was doch die Menschen so gewaltig anstaunen, trotz der Freundschaft mit Königen, auf die er sich stützen konnte, nicht nach Gold verlangte und das ihm übertragene Ehrenamt nicht über den Glauben stellte (Dan. 2, 48 f.; 5, 16 f.; 6, 1 ff.; 14, 1 ff.). Ja er wollte sogar lieber für das Gesetz des Herrn Gefahr laufen, als um den Preis von Menschengunst sich umstimmen lassen (Dan. 1, 11 ff.; 3, 8 ff.; 6, 10 ff.; 14, 30 ff.). Was soll ich denn von der Keuschheit und Gerechtigkeit des Joseph sagen, den ich beinahe übergangen hätte? Erstere verschmähte die Lockungen der Herrin und wies ihre Lohnangebote zurück (Gen. 39, 7 ff.); letztere verachtete den Tod, verscheuchte die Furcht und wählte lieber den Kerker (Gen. 39, 19 f.). Wer hätte ihn, dessen reiche Seele und fruchtbarer Geist eine unfruchtbare Zeit gleichsam mit dem Born des Rates und der Einsicht speiste, nicht auch in einer persönlichen Angelegenheit für den rechten Mann zu Ratserholung gehalten?"  [96]

Politikberatung hat heute vielfach selsame Ausmaße angenommen und hat mit den Männern nach Art der gottgesandten Ratgeber des Alten Bundes wenig zu tun. Bei Ratschlägen, die zu erholen sind, kommt nun, wie wir sehen, recht viel auf die Rechtschaffenheit des Lebens, den Vorzug der Tugenden, die Betätigung des Wohlwollens an. "Wer wollte denn in einer Pfütze Quellwasser suchen? Wer aus trübem Wasser einen Trunk verlangen? Wer glaubte dort, wo Völlerei, wo Unenthaltsamkeit herrscht, wo ein Lasterstrom sich ergießt, etwas einschlürfen zu sollen? Wer würde nicht einen unflätigen Sittenwandel verachten? Wer wollte jemand für einen nützlichen Anwalt in einer fremden Sache halten, wenn er ihn in seinem eigenen Leben als einen Nichtsnutz sieht? Wer würde nicht hinwiederum einem ruchlosen, übelwollenden und schmähsüchtigen Menschen fernbleiben, der bereit ist, einem nur Schaden zuzufügen? Wer ihm nicht mit aller Beflissenheit aus dem Wege gehen? Wer aber möchte einen um hilfreichen Rat angehen, der, obschon hierzu fähig, doch schwer zugänglich ist; der denselben wie ein verschlossenes Quellwasser in sich trägt? Was nützt denn die Weisheit, die du hast, wenn du den Rat verweigerst? Bist du nicht zu bewegen, einen Rat zu erteilen, dann hast du die Quelle verschlossen, so dass sie weder anderen fließt, noch dir selbst nützt. Das trifft genau auch bei dem zu, der wohl Klugheit besitzt, sie aber mit schmutzigen Lastern befleckt. Er verunreinigt das hervorquellende Wasser. Das Leben entlarvt die entartete Gesinnung. Wie könnte man denn jemand für einen trefflichen Ratgeber halten, den man sittlich minderwertig sieht? Über mich erhaben muss sein, dem ich bereitwillig trauen soll. Oder werde ich den für geeignet erachten, der mir einen Rat erteilt, den er sich selbst nicht gibt? Und werde ich von dem glauben, dass er sich mir schenkt, der sich selbst nicht gehört? dessen Seele Genußsucht einnimmt, Lust überwältigt, Habsucht unterjocht, Begierlichkeit beunruhigt, Furcht quält? Wie soll da Raum für Rat sein, wo kein Raum für Ruhe ist? Bewunderungswürdig und verehrungswürdig ist mir der Ratgeber, wie ihn der Herr den Vätern, wenn hold gesinnt, gab." [97]

"Wer wollte gleichsam vorne den Schein der Schönheit zur Schau tragen und hinten mit viehischem Aussehen und tierischen Klauen den Reiz der höheren Anmut entstellen? Ist doch nach dem Zeugnis des Schrifttextes die Anmut der Tugend und insbesonders die Schönheit der Weisheit so wunderbar und erhaben! „Herrlicher wie die Sonne ist diese und, mit dem Lichte verglichen, über alle Sternenpracht vorzüglicher befunden; denn dieses Licht raubt die Nacht, über die Weisheit aber obsiegt nicht die Bosheit“ (Sap. 7, 29 f.). Wir sprachen von ihrer Schönheit und bewiesen es durch ein Schriftzeugnis. Es erübrigt noch, an der Hand der Schrift darzutun, dass sie nichts mit den Lastern gemein hat, wohl aber mit den übrigen Tugenden unzertrennlich verbunden ist; denn „ihr Geist ist beredt, sonder Makel, sicher, heilig, das Gute liebend, scharfsinnig, gegen Wohltun nimmer ablehnend, gütig, beständig, ruhig, allvermögend und allschauend“(Sap. 7, 22 f.). Und im folgenden: „Denn Mäßigkeit lehrt sie und Gerechtigkeit und Tugend“ (Sap. 8, 7)." - St. Ambrosius, De off. II, 13
"So bringt denn die Klugheit alles zuwege, hat teil an allem Guten. Wie könnte sie denn nützlichen Rat erteilen, besäße sie nicht die Gerechtigkeit? So nur gürtet sie sich mit Standhaftigkeit, schaudert vor dem Tode nicht zurück, lässt sich durch keine Drohung, durch keine Furcht beirren, glaubt durch keine Schmeichelei vom Wahren abweichen zu sollen, schrickt im Bewusstsein, dass der Weise die Welt zum Vaterlande hat, nicht vor Verbannung zurück, bangt nicht vor Not, weil sie weiß, dass dem Weisen, dem die ganze Welt gehört, nichts mangelt. Was überträfe denn an Vorzüglichkeit den Mann, den Gold nimmer zu berücken vermag, der für Geld nur Verachtung hat und wie von einer ragenden Burg aus auf die menschliche Habgier herabblickt? Wer es so macht, den halten Menschen für einen Übermenschen. „Wer ist dieser“, heißt es, „und wir wollen ihn loben? Denn er hat Wunderbares vollbracht in seinem Leben“ (Ekkli. 31, 9). Wie wäre denn einer nicht bewunderungswürdig, der den Reichtum verachtet, den schon so viele dem eigenen Leben vorgezogen haben? Allen geziemt sonach strenge Genügsamkeit, am meisten aber dem Träger eines Ehrenamtes. Den Mann in bevorzugter Stellung sollen nicht seine Schätze einnehmen, der Vorsteher über Freie nicht Sklave des Geldes sein. Besser geziemt sich dies, dass er in seiner Gesinnung über das Geld erhaben ist, in seiner Dienstbeflissenheit unter den Freund sich herablässt; denn Demut steigert nur die Liebenswürdigkeit. Das ist des Lobes voll und einem Würdenträger angemessen: nicht mit tyrischen Kaufleuten und galaaditischen Händlern schimpfliche Gewinnsucht teilen; nicht alles Gute im Geld suchen und wie ein Taglöhner den Tagesverdienst zählen, die Einnahmen überschlagen." - St. Ambrosius, De off. II, 14
Wenn es lobenswert ist, solchen Dingen gegenüber nüchternes Sinnes zu bleiben, wieviel vorzüglicher ist es, sich die Liebe der Menge durch Freigebigkeit zu erwerben, "die weder gegen unverschämte Arme verschwenderisch", zum Beispiel Sozialhilfe für Terroristen oder Islamisten und ihre Familien, wie es in Deutschland praktiziert wurde, noch gegen wahrhaft Dürftige knauserig ist, was in Deutschland ebenfalls praktiziert wird. Recht vielartig aber betätigt sich die Freigebigkeit: sie reicht und teilt nicht bloß den des täglichen Bedarfes mangelnden Armen zum nötigen Lebensunterhalte Nahrung aus, sondern lässt auch den verschämten Armen ihre Sorge und Hilfe angedeihen, soweit nicht die allgemeinen Mittel zum Unterhalte der Armen dadurch erschöpft werden. "Eine recht große Freigebigkeit ist es ferner, Gefangene loszukaufen und aus Feindeshand zu befreien, Menschen vom Tode und insbesondere Frauen vor Schande zu erretten, Kinder den Eltern, Eltern den Kindern zurückzuführen, Bürger dem Vaterlande wiederzugeben." Eine besonders verdienstliche Freigebigkeit besteht sonach im Loskauf von Gefangenen, "namentlich von einem barbarischen Feinde, der für Erbarmen nur soviel Menschlichkeit übrig hat, als die Habsucht sich im Fall des Loskaufes vorbehielt; ferner in der Übernahme fremder Schulden, wenn der Schuldner zahlungsunfähig ist und dennoch zu einer Zahlung gedrängt wird, die von Rechts wegen geschuldet und wegen Dürftigkeit nicht geleistet werden kann; in der Aufziehung von Kindern und der Beschützung der Waisen. Auch gibt es Personen, die elternlosen Jungfrauen zum Schutz ihrer Keuschheit zur Ehe verhelfen und nicht bloß für ihre Unterstützung sich bemühen, sondern auch selbst sie durch Geldaufwand betätigen." [98]

Geld wird leicht aufgebraucht, Rat lässt sich nicht erschöpfen. „Mit Rat einem an die Hand gehen und vor Gericht beistehen“, wird auch bei Cicero unter den persönlichen Leistungen der Freigebigkeit aufgezählt. Dieser steigert sich mit der Ausübung, das Geld verringert sich und geht bald ganz aus und macht der Mildtätigkeit ein Ende. Je mehr Dürftigen man geben will, desto wenigeren kann man helfen, und oft ermangelt man dessen überhaupt, was man anderen spenden zu sollen glaubt. "Rat und Tat aber, die man übt, strömen, auf je mehr sie sich ergießen, um so voller und münden zu ihrer Quelle zurück. Denn der reiche Strom der Klugheit fließt in sich zurück, und je mehr Dürftigen er strömt, um so kräftigere Wogen schlägt der ganze Strom, der zurückflutet." [99] 

Die Freigebigkeit halte Maß, um nicht Unwürdige zu unterstützen, und zwar das Mittelmaß zwischen Knauserei und Verschwendung. Es ist klar, dass es in der Freigebigkeit ein Maß geben muss. Das Geben darf nicht zwecklos sein, es muss vielmehr eine vernünftige Grenze dabei eingehalten werden, "besonders von seiten der Priester, dass sie sich beim Ausspenden nicht von Prahlsucht, sondern von Gerechtigkeit leiten lassen. Nirgend sonst gebärdet sich nämlich der Bettel zudringlicher. Da kommen kräftige Burschen, kommen Leute aus keinem anderen Grund als aus Stromerei und wollen die Armenunterstützungen aufzehren, deren Aufwand aufbrauchen. Mit Wenigem nicht zufrieden, verlangen sie größere Spenden, suchen mit der Kleidertracht ihrem Bettel nachzuhelfen und unter Vorspiegelung des Geburtstages doppelte Beträge zu ergattern. Wer solchen Leuten leicht Glauben schenkt, zehrt bald die Mittel auf, die dem Unterhalte der Armen dienen sollten. Ein Maß im Geben muss sein: die Armen sollen nicht leer ausgehen und ihr Lebensunterhalt nicht Gaunern als Beute überwiesen werden. Jenes Maß soll sein, dass einerseits der Menschenfreundlichkeit nicht Abbruch geschehe, andrerseits der Not die Hilfe nicht versagt bleibe. Gar manche spiegeln Schulden vor. Man prüfe den wahren Sachverhalt! Sie klagen, sie seien durch Erpressungen ausgezogen worden. Das Unrecht, bezw. die Person, die einem etwa bekannt ist, müssen das beglaubigen, um dann desto bereitwilliger zu helfen. Den von der Kirche Ausgestoßenen soll eine Aufwendung zufließen, wenn es ihnen am nötigen Lebensunterhalt gebricht. Wer daher das rechte Maß einhält, ist gegen niemand knauserig, wohl aber gegen jedermann freigebig. Wir sollen ja nicht bloß ein Ohr für die Stimme der Bittenden, sondern auch ein Auge für die Nöten der Nichtbittenden haben. Einen lauteren Notschrei richtet der Anblick eines Bresthaften als die Stimme eines Armen an die Guttäter. Freilich es ist nicht anders denkbar: der laute, aufdringliche Bittruf von Flehenden erpresst mehr. Aber nicht immer soll frecher Zudringlichkeit stattgegeben werden. Nach jenem sollst du dich umsehen, der dir nicht unter die Augen tritt; nach jenem dich erkundigen, der als verschämter Arme sich nicht blicken lässt; jener Sträfling im Gefängnis ferner soll dir im Geiste begegnen; jener mit Krankheit Behaftete deinen Geist treffen, wenn er dein Ohr nicht treffen kann. Je mehr das Volk dich wirken sieht, um so mehr wird es dich lieben. Ich weiß von so manchen Priestern: je mehr sie gaben, um so mehr hatten sie. Denn jeder, der einen guten Arbeiter sieht, gibt ihm, dass er’s kraft seines Amtes verteile, dessen gewiß, dass sein Mitleid den Weg zu einem Armen findet; denn nur einem Armen will jeder seine Gabe zugute kommen lassen. Sieht er von einem Almosenverteiler, dass er verschwenderisch oder aber zu knauserig ist, wird er beides verächtlich finden, sei es, dass derselbe durch überflüssige Aufwendungen die Früchte fremder Arbeit vergeudet, sei es, dass er sie im Säckel zurückbehält. Wie daher Maß in der Freigebigkeit zu halten ist, so scheint gar manchmal auch ein Ansporn hierzu am Platz zu sein: Maß deshalb, um täglich seinem Wohltun nachgehen zu können, um nicht die vergeudeten Summen der Not zu entziehen; Ansporn darum, weil das Geld in der Schüssel des Armen mehr bezweckt als im Säckel des Reichen. Hüte dich, das Wohl der Dürftigen in deinen Schrank zu sperren und das Leben der Armen sozusagen ins Grab zu betten! Joseph hätte die ganzen Reichtümer Ägyptens verschenken und des Königs Schätze vergeuden können: doch er wollte nicht als Verschwender fremden Gutes erscheinen. Er wollte das Getreide lieber verkaufen (Gen. 41, 56 ff.) als an die Hungernden verschenken, weil es der großen Mehrzahl gemangelt hätte, wenn er es an wenige verschenkt hätte. Jene Freigebigkeit zog er vor, durch die er an die Gesamtheit reichlich austeilen konnte. Er öffnete die Scheunen. Doch alle sollten das nötige Getreide kaufen, dass sie nicht, wenn sie es unentgeltlich bekämen, die Bestellung des Ackerlandes unterließen (Gen. 47, 19). Wer vom fremden Gut zehrt, vernachlässigt das eigene. Zunächst trieb er nun für den König Geld in Menge ein; sodann verschaffte er ihm sonstige Fahrnisse; endlich das Besitzrecht auf Ländereien (Gen. 47, 14 ff), nicht um alle des Ihrigen zu berauben, sondern zu deren Unterstützung, zur Festsetzung einer öffentlichen Abgabe behufs größerer Sicherung ihres Besitzstandes. Das nahmen auch alle, denen er Ländereien abgenommen hatte, willig hin: sie erblickten darin nicht den Verkauf ihres rechtlichen Besitzes, sondern den Erlös ihres Lebens. So beteuerten sie denn auch: „Du hast uns Heil verschafft; wir haben Gnade gefunden vor den Augen des Herrn“ (Gen. 47, 25). Sie hatten ja auch am Eigentum nichts verloren, nachdem sie rechtmäßig dafür entschädigt worden waren; und hatten am eigenen Vorteil nichts eingebüßt, nachdem sie ihre dauernde Existenz dafür gefunden hatten. O großer Mann, der nicht nach dem vergänglichen Ruhm verschwenderischer Freigebigkeit haschte, sondern durch nützliche Fürsorge ein dauerndes Denkmal sich setzte! Er bewirkte ja nur, dass das Volk durch seine Abgaben sich eine Selbsthilfe schuf und in der Zeit der Not nicht auf fremde Hilfe angewiesen war. Es war besser, dass es einen Teil von den Früchten abgab, statt seinen ganzen rechtlichen Besitz zu verlieren. Den fünften Teil bestimmte er als Abgabe (Gen. 47, 24), in der Fürsorge ebenso umsichtig, wie in der Besteuerung milde." Davon sind die Politiker und ihre Finanzämter in Deutschland meilenweit entfernt. Auf eine milde Besteuerung warten die Bürger in Deutschland seit Jahrzehnten! [100] 

So erlebte denn auch Ägypten später keine solche Hungersnot mehr. Wie wunderbar aber erschloß er die künftigen Dinge! Vor allem wie haarscharf brachte er als Traumdeuter des Königs nur die Wirklichkeit zum Ausdruck! Zum erstenmal träumte es dem König also: Sieben junge Kühe, wohlgestaltet und fettleibig, stiegen aus dem Flusse und weideten an dessen Ufer. Auch noch andere Jungrinder, hässlich an Gestalt und mager an Körper, stiegen nach jenen Kühen aus dem Flusse und weideten neben ihnen an eben jenem schwellenden Uferrande. Da sah man, wie diese hageren, mageren Jungrinder jene an Gestalt und Schönheit vorzüglicheren auffraßen. Und zum zweitenmal träumte es ihm also: Sieben fette, erlesene und fruchtbare Ähren hoben sich von der Erde, und nach ihnen richteten sich sieben dünne, vom Winde geknickte und welke Ähren auf. Und man sah, wie die unfruchtbaren und dünnen Ähren die frischen und vollen Ähren aufzehrten (Gen. 41, 1 ff). Diesen Traum erklärte Joseph dahin, dass die sieben jungen Kühe sieben Jahre, und ebenso die sieben Ähren sieben Jahre bedeuteten, indem er die Zeiten nach dem Ertrag und der Fruchtbarkeit auslegte. Die Trächtigkeit einer Kuh besagt ja einen Jahresumlauf, und die Frucht des Saatfeldes lässt wiederum ein volles Jahr zur Rüste gehen. Darum stiegen jene vom Flusse herauf, weil die Tage, die Jahre und Zeitläufte nach Art der Flüsse vorüberziehen und eilends dahingleiten. Die ersten sieben Jahre nun, erklärt er, würden Jahre reichen Segens für das Land sein, ergiebig und fruchtbar; die letzten anderen sieben Jahre unfruchtbar und ertragslos, und ihre Unfruchtbarkeit werde den Überfluß der vorausgehenden aufzehren. Daher seine Mahnung zur Vorsorge: es sollten in den Segensjahren Getreidemittel angesammelt werden, welche die Not der kommenden Hungersnot heben könnten. Was soll ich zuerst bewundern? Die Einsicht, mit der er in den Schacht der Wahrheit selbst hinabdrang? Oder den Rat, mit dem er einer so schweren und langen Not vorbeugte? Oder die Umsicht und die Gerechtigkeit, von denen die eine der ihr obliegenden großen Aufgabe zufolge so vielfache Lebensmittel ansammelte, die andere gleiches Maß für alle wahrte? Was soll ich denn von seinem Großmut sprechen, dass er, obwohl von den Brüdern in die Sklaverei verkauft (Gen. 37, 27 ff.), ihr Unrecht nicht vergalt, sondern ihren Hunger stillte?(Gen. 42, 25 ff.) Was von der Liebenswürdigkeit, mit der er sich durch fromme List die Anwesenheit seines geliebten Bruders verschaffen wollte, den er auf einen fein ersonnenen Scheindiebstahl hin der Entwendung schuldig erklärte, um ihn als holden Geisel zurückzubehalten? ( Gen. 44, 2 ff.) Mit Recht sprach darum der Vater zu ihm: „Reich gesegnet ist mein Sohn Joseph, reich gesegnet mein Sohn, der Eiferer, mein jugendlicher Sohn. Dir stand bei mein Gott und segnete dich mit dem Segen des Himmels aus der Höhe und mit dem Segen der Erde mit all ihren Gütern um der Segnungen deines Vaters und deiner Mutter willen. Er überbot die Segensfülle der unvergänglichen Berge und die Erwartung der ewigen Hügel“ (Gen. 49, 22 ff.). Und im Deuteronomium heißt es: „Der im Dornbusch Erschienene komme über Josephs Haupt und dessen Scheitel! Verehrungswürdig ist er unter seinen Brüdern." (Deut. 33, 16 ff) [101] 

Notwendige Eigenschaften eines Ratgebers, politische und soziale Bedeutung der Gerechtigkeit und des Wohlwollens, finden wir beim Patriarchen Joseph und dem Apostel Paulus, nicht jedoch in deutschen Amtsgerichten und Finanzämtern. Wer dem Nächsten Rat erteilen will, muss so beschaffen sein, dass er sich selbst anderen gegenüber als eine mustergültige Norm des guten Handelns erweist in Gelehrsamkeit, in Unsträflichkeit, in Würde, so dass sein Wort heilsam und untadelig, sein Rat nützlich, sein Leben ehrbar, seine Gesinnung lauter sei (Tit. 2, 7 f.; 1 Tim. 4, 12). So beschaffen war Paulus, der in der Weise den Jungfrauen Rat (1 Kor. 7, 25 ff.), den Priestern Unterweisung gab, dass er sich uns erst selbst als Vorbild zur Nachahmung hinstellte. Daher „wusste er sich zu demütigen“ (Phil. 4, 12), wie es auch Joseph wusste, der, ein Sprössling des hochedlen Patriarchengeschlechtes, den niederen Sklavendienst nicht verschmähte, ihn vielmehr in Gehorsam leistete und mit Tugenden adelte. Er wusste sich zu demütigen, der dem Verkäufer und Käufer sich fügte und letzteren seinen Herrn nannte. So muss denn ein Ratgeber beschaffen sein: nichts Unklares, nichts Trügerisches, nichts Erlogenes, nichts Erheucheltes, was sein Leben und seinen Charakter in schiefes Licht stellen würde, nichts Ruchloses und Böswilliges, was die Ratsuchenden abstoßen würde, darf er an sich haben. Das eine nämlich würde man fliehen, das andere verachten. Was Schaden anrichten, was, bösartig wie schleichendes Gift, Unheil anstiften könnte, das fliehen wir. Wenn beispielsweise der, den man um Rat fragen will, von unzuverlässigem Charakter und geldgierig wäre, so dass er sich um Geld umstimmen ließe, wenn er zur Ungerechtigkeit neigte, so flieht und meidet man ihn. Wer dagegen genußsüchtig, unenthaltsam und, wenn auch nicht trügerisch, doch habsüchtig und gewinnsüchtig wäre, den verachtet man. Welchen Beweis von Eifer, welche Frucht an Arbeit könnte denn einer aufweisen, welcher Wachsamkeit und Sorgfalt innerlich sich befleißigen, der sich der Gleichgültigkeit und Trägheit hingibt? Darum das Bekenntnis eines guten Ratgebers: „Ich aber habe gelernt mich mit dem, was ich habe, zu begnügen“ (Phil. 4, 11). Er wusste nämlich, dass die Habsucht die Wurzel aller Übel ist (1 Tim. 6, 10), und war daher mit dem Seinigen zufrieden und verlangte nicht nach fremdem Gut. Mir genügt, wollte er sagen, was ich habe; ob ich weniger habe oder viel, für mich ist’s viel. Eins, wie es scheint, verdient ausdrücklich hervorgehoben zu werden. Er bediente sich nämlich einer bezeichnenden Wendung: „Mir genügt, was ich habe“, spricht er, d. i. ich habe weder Mangel noch Überfluß: nicht Mangel, weil ich nichts Weiteres verlange; nicht Überfluß, weil mein Besitz nicht mir allein, sondern der Mehrzahl frommt. Soviel, was den Geldpunkt betrifft. Im übrigen kann man ganz allgemein sagen: Er begnügte sich mit dem, was er augenblicklich besaß, d. i. er verlangte nicht nach größerer Auszeichnung, nicht nach mehr Gefälligkeiten, war nicht übermäßig ruhmsüchtig oder haschte nicht ungebührlich nach Gunst, sondern harrte, voll Geduld im Leiden und seines Verdienstes gewiß, auf das Ende des pflichtschuldigen Kampfes. „Ich weiß mich auch zu demütigen“, beteuert er (Phil. 4, 12). Nicht also unbewusste, sondern selbstbeherrschende und selbstbewusste Demut findet hier Lob. Es gibt ja auch eine Demut voll Furchtsamkeit, es gibt eine volle Unerfahrenheit und Unwissenheit. Daher das Schriftwort: „Und die Demütigen im Geiste wird er retten“ (Ps. 34, 19). Ein prächtiges Wort: „Ich weiß mich auch zu demütigen“, nämlich an welchem Platz, in welchem Maß, zu welchem Zweck, zu welchem Dienst, in welchem Amt. Der Pharisäer wusste sich nicht zu demütigen, er ward darum erniedrigt; der Zöllner wusste es, er ward darum gerechtfertigt (Luk. 18, 10 ff.). Auch in Überfluß zu leben, verstand Paulus (Phil. 4, 12), weil er ein reiches Herz besaß, wenn auch nicht eines Reichen Schatz. Er verstand es, in Überfluß zu leben, weil er keine Gabe in Geld verlangte, sondern Frucht in der Gnade zu erzielen trachtete. Auch so können wir es verstehen: Er verstand es, in Überfluß zu leben, weil er sprechen konnte: „Unser Mund ist aufgetan gen euch, ihr Korinther, unser Herz ist weit geworden“ (2 Kor. 6, 11). In allem war er heimisch, im Sattwerden und Hungern. Selig, der es verstand, in Christus sich zu sättigen! Nicht eine leibliche, sondern eine geistige Sättigung ist es, welche das Wissen bewirkt. Und mit Recht tut das Wissen not; denn „der Mensch lebt nicht vom Brote allein, sondern von jeglichem Worte Gottes“ (Matth. 4, 4). Wer also so sich zu sättigen und zu hungern verstand, der verstand nach Gott zu hungern, nach Gott zu dürsten, um immer neue Genüsse sich zu verschaffen. Er wusste zu hungern, weil er wusste, dass die Hungernden essen werden. Er wusste und vermochte in Überfluß zu leben, weil er nichts hatte und alles besaß (2 Kor. 6, 10). [102] 

"So ist denn klar, dass Gerechtigkeit Reiche festigt, Ungerechtigkeit sie auflöst. Wie könnte denn Übelwollen den Besitz eines Reiches behaupten, nachdem es nicht einmal eine gewöhnliche Familie zu beherrschen vermag? Es bedarf sonach nicht bloß zur Stütze einer Staatsregierung, sondern auch zur Wahrung privater Rechte im höchsten Grade des Wohlwollens. Eine Hauptstütze ist das Wohlwollen, das bestrebt ist, alle mit Wohltun zu umfangen, durch Gefälligkeiten sich verbindlich zu machen, durch Liebenswürdigkeit sich zu verpflichten. Auch freundliche Rede trägt sehr viel zur Gewinnung der Gunst bei. Aber wir wollen von ihr, dass sie aufrichtig und maßvoll sei, frei von jeder Schmeichelei. Keine Schmeichelworte dürfen die Einfalt und Reinheit der Rede entstellen. Denn wir sollen nicht bloß im Handeln, sondern auch im Sprechen, in der Keuschheit und im Glauben den anderen zum Vorbild sein. Wie wir uns beurteilt wissen wollen, so sollen wir sein und unsere Gesinnung so offenbaren, wie wir sie hegen. Nicht einmal im Herzen sollen wir ein übelwollendes Wort aussprechen, das wir im Schweigen geborgen glauben. Denn der Schöpfer des verborgenen Innern hört auch das im Verborgenen Gesprochene; und der, welcher dem Herzen die Gesinnung eingoß, kennt auch das Heimliche des Herzens. Alles sonach, was wir tun, wollen wir uns, wie unter den Augen eines Richters stehend, ans Licht gestellt denken, so dass es allen offensichtlich ist."  - St. Ambrosius, De off. II, 19
Sehr förderlich ist jedem der enge Anschluß an Gute. Auch Jünglingen frommt der Anschluß an berühmte und weise Männer. Denn wer mit Weisen umgeht, ist ein Weiser; wer hingegen Unverständigen anhängt, gibt sich als Unverständiger zu erkennen. Sowohl zur Bildung wie zum Rufe der Rechtschaffenheit trägt dies sehr viel bei. Es zeigt sich ja an jungen Leuten, dass sie jene nachahmen, denen sie anhängen; und es bestätigt sich die Annahme, dass sie von denen, nach deren Umgang sie lechzen, die gleiche Lebensweise annehmen. Darum war Jesus Nave so groß, weil ihn der innige Verkehr mit Moses nicht nur in die Gesetzeskunde einführte, sondern auch zur Heiligung in der Gnade führte. Es war denn auch Jesus Nave, als man im Zelte des Moses infolge der Gegenwart Gottes die Herrlichkeit des Herrn aufleuchten sah, der einzige, der im Zelte weilte. Moses sprach mit Gott, Jesus ward gleichfalls von der heiligen Wolke bedeckt. Die Ältesten und das Volk standen unten, Jesus stieg mit Moses hinauf, das Gesetz zu empfangen. Das ganze Volk war innerhalb des Lagers, Jesus außerhalb des Lagers im Zelte des Zeugnisses. Da die Wolkensäule sich herabließ und mit Moses redete, stand er als treuer Diener dabei; und der Jüngling trat nicht aus dem Zelte heraus, während die Ältesten in weiter Entfernung davon vor den göttlichen Wundern zitterten (Exod. 24, 13 ff.; 33, 8 ff.). So war er denn überall, bei den offenen Wunderwerken wie bei den insgeheim sich abspielenden Vorgängen der unzertrennliche Jünger an der Seite des heiligen Moses. Daher kam es, dass er, der Gefährte seines Lebens, der Nachfolger in seinem Amte wurde (Deut. 34, 9). Er ward mit Recht ein solcher Held, dass er der Flüsse Lauf zum Stehen brachte (Jos. 3, 15 ff.); dass er ,wie dem Moses war es versagt! (Deut. 34, 4), allein auserkoren wurde, das Volk ins Land der Verheißung zu führen (Jos. 1, 2 ff.). Ein Mann des Glaubens, groß durch Wunder, groß durch Triumphe. Des Moses Werke waren glänzender, die unseres Helden glücklicher. Beide waren, gestützt auf Gottes Gnade, Übermenschen. [103] 

Gar sehr empfiehlt einen die Beschützung der Schwachen und die Übung der Gastfreundschaft. Auch das trägt zur Förderung des guten Rufes bei, wenn man einen Armen den Händen eines Mächtigen entreißt, einen Verurteilten vom Tode errettet, soweit es ohne Aufsehen und Aufregung geschehen kann; es soll ja nicht den Anschein gewinnen, als handelten wir mehr aus Prahlerei denn aus Mitleid und schlügen, während wir leichtere Wunden zu heilen wünschen, schwere. Wenn man nämlich einen bedrängten Menschen, der mehr unter der Gewalttat und Machenschaft eines Mächtigen, als unter der verdienten Strafe für ein Verbrechen leidet, befreit, so gewinnt der gute Ruf, in dem man steht. Gar manchem dient auch die Gastlichkeit zur Empfehlung. Die allgemeine Tugend der Menschenfreundlichkeit verlangt nämlich, dass der Fremde nicht der gastlichen Herberge entrate; dass er zuvorkommend aufgenommen werde; dass ihm beim Kommen die Türe offen stehe. In der ganzen Welt gilt es für überaus edel, Fremde in Ehren aufzunehmen, es nicht am gastlichen Tische fehlen zu lassen, den Gästen mit Erweisen von Freigebigkeit entgegenzukommen, nach ihrer Ankunft sich zu erkundigen. Dieses Lob nun fand Abraham, der vor seiner Türe sich umsah, dass kein Fremdling etwa vorübergehe; der Obacht gab, um einem Gast entgegenzueilen, ihm zuvorzukommen, ihn mit Bitten zu bestürmen, er möchte nicht vorbeigehen. „Herr“, so bat er, „wenn ich Gnade vor dir gefunden habe, so geh nicht vorüber an deinem Diener“ (Gen. 18, 1f). Dafür erhielt er zum Lohn seiner Gastlichkeit die Frucht der Nachkommenschaft (Gen. 18, 10. 14). Ebenso wendete sein Neffe Lot, nicht bloß der Abstammung, sondern auch der Tugend nach sein Nächstverwandter, infolge seiner gastfreundlichen Gesinnung die Strafe der Sodomiten von sich und den Seinigen ab (Gen. 19, 1 ff.). So geziemt es sich denn, gastlich, wohlwollend, gerecht zu sein, nicht fremdes Gut zu begehren, vielmehr, wenn man herausgefordert wird, lieber irgendwie auf sein eigenes Recht zu verzichten, als an fremden Rechten zu rühren, Streitigkeiten zu meiden, Gezänke zu verabscheuen, Eintracht und holden Frieden wiederherzustellen. Ist doch der etwaige Rechtsverzicht von seiten der Guten nicht bloß ein Akt der Freigebigkeit, sondern gar oft auch eine Quelle des Vorteils. Fürs erste ist es kein geringer Gewinn, von Prozesskosten verschont zu bleiben; dazu kommt als weitere Frucht die Mehrung der Freundschaft, aus der so viele Vorteile entspringen, die dem, der für den Augenblick einigen Verzicht leistet, später reichen Segen zeitigen werden. Der Pflichtenkreis der Gastfreundschaft schließt gegen jedermann das Gebot der Menschenfreundlichkeit in sich, ein besonders reiches Maß von Ehrenbezeigung aber gebührt dem Gerechten. Denn „wer immer einen Gerechten im Namen eines Gerechten aufnimmt, wird den Lohn des Gerechten empfangen“(Matth. 10, 41), wie der Herr feierlich versicherte. Soviel gilt Gastfreundschaft bei Gott, dass selbst der Trunk kalten Wassers nicht unbelohnt bleibt (Matth. 10, 42). Doch hat jenes Übel sich längst in den menschlichen Sinn eingeschlichen, wonach Geld als Ehrensache gilt und das Menschenherz von Bewunderung für den Reichtum eingenommen ist. Daher die Habsucht, die wie eine Dürre eingedrungen ist, die den Pflichtenkreis des Guten verheert, so dass der Mensch jeden Aufwand für Verlust erachtet, der über das herkömmliche Maß hinaus gemacht wird. Doch auch in diesem Punkte hat die ehrwürdige Schrift, um jede Schwierigkeit abzuschneiden, die man machen könnte, wider die Habsucht Vorsorge getroffen, indem sie erklärte: „Besser ist die Gastfreundschaft bei Gemüse“ (Prov. 15, 17), und im Folgenden: „Besser ist Brot in Lust genossen mit Frieden“ (Prov. 17,1). Nicht verschwenderisch nämlich, wohl aber freigebig sollen wir nach der Lehre der Schrift sein. Es gibt nämlich zwei Arten des Gebens: die eine besteht in Freigebigkeit, die andere in Verschwendung und Vergeudung. Freigebigkeit ist es, einen Gast aufzunehmen, einen Nackten zu bekleiden, Gefangene loszukaufen, Dürftige durch eine Geldspende zu unterstützen (Matth. 25, 35 f.); Verschwendung ist es, bei kostspieligen Gelagen und reichlichem Weingenuß zu schlemmen. [104] 

So mancher möchte lieber etwas nachsichtig sein, um gut zu erscheinen. Doch das ist gewiß: keine Heuchelei und Verstellung hat mit wahrer Tugend etwas gemein. Ja sie pflegt auch gar nicht von langer Dauer zu sein. Anfänglich gedeiht sie, allmählich verweht und vergeht sie wie eine schwächliche Blüte. Das Wahre und Aufrichtige aber schlägt tiefe Wurzel. Wer durch Geld erkauft oder durch Schmeichelei gewonnen wird, ist nicht verlässlich. [105] 

"Wer möchte sich von jenen Treue versprechen, deren Gehorsam durch Geld erkauft wird? Oder von jenen, die nur durch schmeichelhafte Worte sich dazu bestimmen lassen? Erstere wollen sich oftmals verkaufen lassen, letztere vermögen strenge Befehle nicht zu ertragen. Durch ein leichtes Schmeichelwörtchen lassen sie sich unschwer gewinnen; auf ein Tadelwort hin murren sie, reißen aus, laufen verbittert davon und verlassen einen tief gekränkt. Sie wollen lieber befehlen als gehorchen und glauben von ihren Vorgesetzten, die sie für solche halten sollten, sie seien ihnen gleichsam durch Wohltun ihrerseits verbunden und müssten ihnen daher willfährig sein. Wer nun möchte sich von Leuten Treue erwarten, die er sich, sei es durch Geld, sei es durch Schmeichelei verpflichten zu sollen glaubte? Der Geldempfänger würde sich nur gering und verächtlich eingeschätzt erachten, wenn er nicht oftmals wiedergekauft würde: er erwartet daher häufig seinen Preis. Der offensichtlich an Bitt- und Schmeichelworte Gewöhnte will immer nur gebeten sein." - St. Ambrosius, De off. II, 23
In Ämtern, vor allem kirchlichen Ehrenämtern, halte man sich fern von Eifersüchtelei gegen tüchtige Kleriker, letztere von Anmaßung und Nörgelei gegen ersteren. Gerechtigkeit ohne Ansehen der Person ist der oberste Grundsatz in der Rechtsprechung. "Durch gutes Handeln und in reiner Absicht, glaube ich, soll ein Ehrenamt, besonders ein kirchliches, angestrebt werden. Es sollte hierbei weder hochnäsige Anmaßung oder gleichgültige Nachlässigkeit, noch schimpfliches Strebertum und unziemlicher Ehrgeiz hervortreten. Gerade, aufrechte Gesinnung genügt zu allem und empfiehlt sich hinlänglich selbst. Im Amte aber soll geziemenderweise weder schroffe Strenge noch zu große Nachgiebigkeit walten, um uns nicht den Anschein zu geben, es sei uns bloß um Ausübung der Macht zu tun, oder aber wir füllten keineswegs den übernommenen Dienst aus. Auch soll man sich bestreben, recht viele sich durch Wohltaten und Dienstgefälligkeiten verbindlich zu machen und die dankbare Gesinnung, die sie gegen einen hegen, zu erhalten, damit sie, wenn sie sich einmal schwer beleidigt fühlen, des genossenen Wohltuns mit Recht nicht vergessen. Denn es kommt erfahrungsgemäß oft vor, dass man Leute, die man begünstigte oder zu irgendeiner höheren Stufe beförderte, abstößt, wenn man ihnen jemand zu Unrecht vorziehen zu sollen glaubt. Aber auch dem Priester geziemt es, dass er seine Gewogenheit, die er in seinen Wohltaten und Entscheidungen zum Ausdruck bringt, unter Wahrung der Gerechtigkeit betätigt und einem Presbyter oder Kirchendiener wie einem Bruder Achtung bezeugt. Diese dürfen, weil sie einmal als erprobt befunden wurden, nicht anmaßend werden, sondern lieber im Bewußtsein der empfangenen Gnade demütig bleiben; der Priester aber soll nicht Anstoß daran nehmen, wenn ein Presbyter oder ein Diener oder sonst ein Mitglied des Klerus durch seine Mildtätigkeit oder Enthaltsamkeit oder Unbescholtenheit oder Gelehrsamkeit oder Schriftbelesenheit in der Achtung steigt. Denn die Gunst der Gemeinde bedeutet Lob für den Lehrer. Gut, wenn das Wirken eines Klerikers Lob findet, doch so, dass ihm jede Ruhmsucht fern liegt. Des Nächsten Lippen, und nicht sein eigener Mund sollen ihn loben, sein Wirken, nicht Strebertum ihn empfehlen. Sollte übrigens jemand dem Bischof nicht gehorchen und darauf ausgehen, sich selbst zu überheben und großzumachen, die Verdienste des Bischofs dagegen durch erheuchelte Gelehrsamkeit oder Demut oder Mildtätigkeit in Schatten zu stellen, so ist er ein vom Wahren abgeirrter, hochmütiger Mensch; denn die Regel der Wahrheit verlangt, nichts zur eigenen Empfehlung zu tun um den Preis der Verkleinerung eines anderen, und nicht das Gute, das man etwa hat, zur Bemängelung und Verunglimpfung des Nächsten zu betätigen. Tritt nicht für einen Schlechten ein und glaube nicht einem Unwürdigen das Heilige anvertrauen zu sollen!" Wie kann man also einem Sarazenen zum Beispiel den Religionsunterricht anvertrauen, wie es in Deutschland heute vielfach geschieht? [106] 

Ob reich oder arm: "in Christus ist das einerlei. Auch ein Heiliger darf nicht größere Ansprüche machen; denn für ihn geziemt sich noch größere Demut. Sodann aber fort mit jeder Rücksichtnahme auf die Person des Nächsten bei der Rechtsprechung! Fort mit Begünstigung! Nach Gebühr soll der Fall entschieden werden. Nichts belastet den Ruf, oder vielmehr den Glauben so sehr, als wenn man in der Rechtsprechung die Sache eines Niedereren dem Mächtigeren ausliefert, oder einen unschuldigen Armen beschuldigt, den schuldigen Reichen entschuldigt. Ist doch das Menschengeschlecht geneigt, Höhergestellte zu begünstigen, damit sie sich nicht beleidigt, nicht, weil unterlegen, gekränkt fühlen. Doch fürs erste brauchst du, wenn du Anstoß fürchtest, das Urteil nicht übernehmen, brauchst, wenn du Priester oder sonst jemand bist, nicht den Herausfordernden machen. Es ist dir gestattet, wenn es sich lediglich um eine Geldangelegenheit handelt, zu schweigen, obschon Charakterfestigkeit ein Eintreten für Recht und Gerechtigkeit verlangte. In einer Sache Gottes aber, wo das allgemeine Wohl auf dem Spiel steht, wäre schon bloßes Schweigen aus Verstellung keine geringe Sünde." Hier haben zwei wichtige Würdenträger des Christentums in Deutschland versagt, als sie öffentlichkeitswirksam vor den Sarazenen in Jerusalem ihr Kreuz abnahmen! [107] 

"Was aber nützte dir die Begünstigung eines Reichen? Oder geschieht es, weil er seinem Gönner eher lohnt? Nur zu oft gilt ja denen unsere Gunst, von denen wir eine Vergeltung derselben erwarten. Um so mehr aber gebührt es sich, uns des Schwachen und Dürftigen anzunehmen, indem wir uns statt vom Armen, der nicht dazu in der Lage ist, vom Herrn Jesus den Lohn erhoffen. Er stellte ja unter dem Bilde des Gastmahles (Luk. 14, 7 ff.) die allgemeine Regel auf, dass wir lieber denen unser Wohltun zuwenden sollen, die es uns nicht erwidern können, indem er zeigte, wie zu Gastmahlen und Gelagen nicht die Reichen, sondern die Armen zu laden sind. Denn Reiche, den Anschein weckt es, bittet man zu Gaste, dass auch sie uns hinwiederum zu Gaste laden: Arme, die nicht in der Lage sind, für das Empfangene eine Gegenleistung zu bieten, machen uns den Herrn zum Vergelter, der sich als Bürgen für den Armen erboten hat. Auch rein weltlich betrachtet, hat das Wohltun gegen Arme mehr für sich als das gegen Reiche, weil der Reiche auf Wohltun verzichtet und Dankespflicht als beschämend empfindet. Ja er schreibt anmaßend die Wohltat, die ihm erwiesen wurde, seinen Verdiensten zu: die empfangene Gabe sei ihm entweder gleichsam geschuldet gewesen, oder aber deshalb gespendet worden, weil der Spender vom Reichen eine um so ansehnlichere Gegengabe erwarte. Reiche glauben also, wenn sie eine Wohltat entgegennehmen, gerade wegen dieses Entgegennehmens mehr Geber denn Nehmer zu sein. Der Arme hingegen stattet, wenn er auch kein Geld zur Wiedererstattung hat, Dank ab und erstattet damit sicherlich mehr, als er empfangen hat. Geldschuld trägt sich mit dem Hinzählen des Geldes ab, Dankbarkeit erschöpft sich nimmer. Der Geldsäckel leert sich mit der Rückzahlung, Dankbarkeit hingegen erstattet man dadurch, dass man sie hat, und hat man dadurch, dass man sie erstattet. Was ferner dem Reichen widerstrebt: der Arme gesteht zu, dass er sich als Schuldner verpflichtet fühle und hält es nicht unter seiner Würde, dass er unterstützt wurde. Er ist überzeugt davon, dass ihm die Kinder geschenkt, das Leben zurückgegeben, die Familie erhalten worden sei. Wieviel besser also ist es, seine Wohltat Guten statt Undankbaren in die Hand zu legen! Daher die Mahnung des Herrn an seine Jünger: „Besitzet nicht Gold, nicht Silber, noch Geld!“ (Matth. 10, 9) Wie mit einer Sichel schnitt er damit die in der Brust des Menschen wuchernde Habsucht ab. Desgleichen beteuert Petrus dem Lahmen, den man vom Mutterleibe an tragen musste: „Silber und Gold habe ich nicht; aber was ich habe, gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi des Nazareners steh auf und wandle!“(Apg. 3, 6) Nicht Geld spendete er, die Gesundheit spendete er. Wie unvergleichlich besser ist Gesundheit ohne Geld, als Geld ohne Gesundheit! Der Lahme konnte sich erheben, was er nicht erwartete; Geld empfing er nicht, das er erwartete." - St. Ambrosius, De off. II, 25
Wie töricht, dass man nur den Vermögenden für ehrenwert hält! Übrigens ist die Bewunderung des Reichtums so Sitte bei den Menschen geworden, dass niemand als der Reiche für ehrenwert gilt. Dieser Brauch ist nicht neu. Auch nach Cicero ist die Bewunderung des Reichtums eine Quelle sittlicher Verderbtheit. "Schon längst, und das ist noch schlimmer, hat sich vielmehr dieses Übel im Menschengeiste eingebürgert. Machte doch, als die große Stadt Jericho auf den Schall der Priestertrompeten eingestürzt war und Jesus Nave den Sieg davon trug (Jos. 6f), letzterer die Beobachtung, dass die Tugend des Volkes durch Habsucht und Goldgier geschwächt sei. Denn als Achan von der Beute der eingeäscherten Stadt ein goldenes Gewand und zweihundert Doppeldrachmen Silber und eine goldene Zunge fortgenommen hatte, vermochte er es, vor den Herrn gestellt, nicht zu leugnen, sondern gestand den Diebstahl ein. Etwas Uraltes ist sonach die Habsucht. Ihr Anfang fällt mit dem Eintritt des göttlichen Gesetzes selbst zusammen, ja gerade zu ihrer Unterdrückung wurde das Gesetz gegeben (Exod. 20, 17). Aus Habsucht, so meinte Balak, lasse sich Balaam durch Belohnungen gewinnen, dem Volke der Väter zu fluchen. Und die Habsucht hätte auch den Sieg davongetragen, hätte nicht der Herr ihm befohlen, von der Verfluchung abzustehen (Num. 22, 2 ff.). Aus Habsucht war Achan gefallen und hatte das ganze Vätervolk ins Verderben gestürzt." Jesus Nave konnte der Habsucht nicht Einhalt tun, dass sie nicht um sich greife. Beim Fortschreiten der Habsucht verlor er beinahe den Sieg (Jos. 10, 12 ff.). "Wie? Beirrte nicht des Weibes Dalila Habsucht den Stärksten von allen, Samson? (Richt. 16, 4 ff.) Er, der einen brüllenden Löwen mit seinen Händen zerriß (Richt. 14, 5 f.); der gebunden und den Fremden ausgeliefert, allein die Fesseln sprengte, ohne dass ihm jemand half, und tausend Mann von ihnen tötete; der Seile, aus Sehnen geflochten, wie schwache Spartonfäden zerriß (Richt. 15, 9 ff.): er beugte seinen Nacken auf die Knie eines Weibes, ließ sich scheren und verlor so den Schmuck seines unbesieglichen Haares, den einzigartigen Vorzug seiner Kraft. Das Geld floß in den Schoß des Weibes, und die Gnade wich vom Helden (Richt. 16, 18 f.). Verderblich also ist die Habsucht, verführerisch das Geld, das die Besitzenden mit Schuld befleckt, den Nichtbesitzenden nicht frommt. Gesetzt aber, das Geld komme einmal auch einem Geringeren zunutze, freilich auch ihm nur, weil er danach verlangte: warum wendet man sich mit seinem Interesse nicht auch jenem zu, der nicht danach verlangt, der nicht darauf ausgeht, der kein Bedürfnis nach solcher Hilfe empfindet? Warum nur anderen, wenn nämlich der Besitzende besonders vermöglich ist? Ist dieser vielleicht deshalb ehrenwerter, weil er einen Besitz hat, durch den die Ehrenhaftigkeit so oft verloren geht? Eine Habe, die er mehr zu bewahren als zu besitzen hat? Denn nur das besitzen wir, was uns zum Gebrauch dient; was darüber hinausgeht, das bringt wahrlich keine Besitzfrucht, sondern nur die Gefahr der Bewachung." [108] 

Ambrosius rechtfertigt die von den Arianern beanstandete Einschmelzung der Kirchengefäße zum Loskauf von Gefangenen. "So haben auch wir uns einmal gehässige Vorwürfe zugezogen, weil wir die gottesdienstlichen Gefäße zerbrechen ließen, um damit Gefangene loszukaufen. Nur den Arianern konnte das missfallen. Es handelte sich auch weniger um das Missfallen an dem Vorgang als darum, an uns etwas zu tadeln zu haben. Wer aber wäre so felsenhart, grausam, eisern, dass ihm der Loskauf eines Mannes vom Tode, einer Frau von den Schändlichkeiten der Barbaren, die noch härter denn der Tod sind, von Jünglingen und Knaben, ja Kindern von der ansteckenden Seuche des Götzendienstes, von der sie sich aus Angst vor dem Tode verunreinigen ließen, missfiele? Obwohl wir diesen Schritt ohne irgendwelche Rechenschaft zu schulden tun konnten, haben wir uns gleichwohl auch beim Volke darüber in dem Sinn geäussert, dass wir offen darlegten, es sei viel zweckdienlicher gewesen, die Seelen als das Gold dem Herrn zu bewahren. Er, der die Apostel ohne Gold aussendete (Matth. 10, 9), hat auch die Kirche ohne Gold vereinigt. Die Kirche besitzt das Gold nicht, um es aufzubewahren, sondern um es aufzuwenden, um den Nöten abzuhelfen. Was braucht es auch eine Sache nutzlos aufbewahren? Oder wissen wir nicht, wieviel Gold und Silber die Assyrer vom Tempel des Herrn fortgeschleppt haben? (2 Kön. 24, 13) Schmelzen nicht die Priester, wenn es sonst an Mitteln gebricht, es zum Unterhalt der Armen besser ein, als dass ein frevler Feind es verunehrt und fortschleppt? Würde nicht der Herr sprechen: Warum hast du es gelitten, dass so viele Arme des Hungers sterben? Und doch hattest du Gold. Hättest du dafür Nahrung geboten! Warum wurden so viele Gefangene als Kriegsbeute abgeführt und vom Feinde getötet, ohne dass man sie loskaufte? Besser wäre es gewesen, die lebendigen Gefäße zu bewahren als die metallenen. Auf diese Fragen ließe sich keine Antwort geben. Wie hätte man entgegnen können: Ich fürchtete, es möchte dem Tempel Gottes an Schmuck gebrechen? Er hätte erwidert: die Geheimnisse verlangen kein Gold; und was sich um Gold nicht kaufen lässt, verdankt auch Goldesglanz nicht seinen Reiz. Der Loskauf der Gefangenen gereicht den Geheimnissen zur Zierde. Kostbare Gefäße fürwahr sind jene, welche die Seele vom Tode erkaufen. Das ist der wahre Schatz des Herrn, der bewirkt, was das Blut Christi bewirkt hat. Da erkennt man das Gefäß mit dem Blute des Herrn, wenn man in beiden Erlösung schaut: im Kelch die Erlösung derer vom Feinde, welche das Blut von der Sünde erlöste. Wie schön, wenn sich von den Scharen der Gefangenen, welche von der Kirche losgekauft wurden, sagen lässt: Diese hat Christus losgekauft! Sieh, ein Gold, das erprobt ist! Sieh, ein Gold, das frommt! Sieh, das Gold Christi, das vom Tode befreit!" Solches Gold wahrte der heilige Märtyrer Laurentius dem Herrn auf. Als man nämlich von ihm die Kirchenschätze forderte, versprach er dieselben aufzuzeigen. Am folgenden Tage führte er die Armen vor. Auf die Frage, wo die Schätze wären, die er versprochen hatte, zeigte er auf die Armen und sprach: "Das sind die Schätze der Kirche. Und fürwahr Schätze, die Christus in sich bergen, die Christi Glauben in sich bergen! So sprach auch der Apostel: „Wir haben diesen Schatz in irdenen Gefäßen“ (2 Kor. 4, 7). Welche bessere Schätze hätte Christus als jene, denen er selbst nach seiner Versicherung innewohnt? Denn so steht geschrieben: „Ich hungerte, und ihr gabt mir zu essen; ich dürstete, und ihr gabt mir zu trinken; ich war fremd, und ihr nahmt mich auf“ (Matth. 25, 35). Und im folgenden: „Denn was ihr einem von diesen getan habt, das habt ihr mir getan“ (Matth. 25, 40). Welche bessere Schätze hat Jesus als die, worin er selbst geschaut zu werden wünscht? Diese Schätze zeigte Laurentius vor, und er blieb Sieger, weil selbst der Verfolger sie nicht rauben konnte. Als Joachim bei der Belagerung das Gold zurückhielt, statt es zur Beschaffung von Nahrungsmitteln zu verwenden, musste er sehen, wie einerseits das Gold geraubt, andrerseits er selbst in die Gefangenschaft abgeführt wurde (2 Kön. 24, 10 ff.). Laurentius, der das Gold der Kirche lieber an die Armen verteilen, als für den Verfolger aufbewahren wollte, empfing für seine einzigartig geistreiche Deutung die heilige Martyrkrone. Hat man nun etwa dem Laurentius entgegengehalten: Du durftest die Schätze der Kirche nicht aufwenden, die gottesdienstlichen Gefäße nicht verkaufen? Erforderlich ist, dass einer ein solches Handeln in reiner Absicht und aus offensichtlicher Fürsorglichkeit vollbringt. In der Tat, wenn jemand Aufwendungen zu seinem Vorteil macht, so ist es ein Verbrechen; wendet er es für die Armen auf, kauft er einen Gefangenen los, so ist es Barmherzigkeit. Denn niemand kann sagen: Wozu lebt der Arme? Niemand kann den Loskauf von Gefangenen bedauern. Niemand kann Klage erheben, dass ein Tempel Gottes erbaut wurde. Niemand kann darüber ungehalten sein, dass man zur Bestattung der leiblichen Überreste der Gläubigen geräumige Plätze schuf. Niemand kann es leid tun, dass die Toten ihre Ruhe in den Grabstätten der Christen finden. Auf solche dreifache Art ist es gestattet, Kirchengefäße, selbst geweihte, zu zerbrechen, einzuschmelzen und zu veräußern. Darauf ist notwendig zu sehen, dass kein geformter gottesdienstlicher Becher aus der Kirche fortkomme, damit der heilige Kelch nicht lasterhaftem Gebrauche dienstbar gemacht werde. Man sah sich darum innerhalb der Kirche zunächst nach den ungeweihten Gefäßen um, schlug sie hierauf klein, schmolz sie endlich ein und verteilte sie in kleinen Stücken unter die Dürftigen. Ebenso kamen sie den Gefangenen zugute. Fehlt es an neuen und ungeweihten Gefäßen, können meiner Überzeugung nach alle zu solchen Zwecken, wie wir sie oben aufführten, mit gutem Gewissen verwendet werden." Laurentius gibt den Armen, nicht jedoch den Antichristen, den Sarazenen, die sich Christus entgegenstellen:"Das sind die Schätze der Kirche. Und fürwahr Schätze, die Christus in sich bergen, die Christi Glauben in sich bergen!" Es geht nicht darum Sarazenen oder Muslime auf muslimischen Friedhöfen zu begraben, sondern: "Niemand kann darüber ungehalten sein, dass man zur Bestattung der leiblichen Überreste der Gläubigen geräumige Plätze schuf. Niemand kann es leid tun, dass die Toten ihre Ruhe in den Grabstätten der Christen finden." [109] 

Heliodors abschreckendes Beispiel oder wie man sich dem Übergriff der Mächtigen wehrt, wie Ambrosius selbst wiederholt und der Bischof von Ticinum dem Kaiser Widerstand geleistet haben. Ausschließlich auf den Namen der Witwen wurde, wie wir in den Büchern der Makkabäer (2 Makk. 3, 4 ff.) lesen, die ganze Summe, die dem Tempel anvertraut war, aufbewahrt. "Als nämlich Anzeige von den Geldern erstattet wurde, die, wie der gottlose Simon dem Könige Antiochus verriet, in großer Menge im Tempel zu Jerusalem zu finden waren, wurde Heliodor als Sachwalter abgesandt. Er kam zum Tempel und eröffnete dem Hohenpriester die traurige Anzeige und den Grund seiner Ankunft. Darauf erklärte der Priester, es sei die Hinterlage zum Unterhalte der Witwen und Waisen. Als Heliodor trotzdem an deren Raub gehen und sie dem königlichen Fiskus zu eigen machen wollte, warfen sich die Priester, mit der priesterlichen Kleidung angetan, vor den Altar und riefen unter Tränen zum lebendigen Gott, der das Gesetz über die Hinterlage gegeben hatte, er möchte sich als Beschützer seiner Gebote zeigen. Die Gesichtsfarbe des Hohenpriesters aber war verändert und verriet den Schmerz der Seele und den Kummer des tieferschütterten Herzens. Alles weinte, weil die Stätte der Verachtung anheimfallen müsse, wenn nicht einmal mehr im Tempel Gottes sich eine verlässliche, sichere Hut durchhalten lasse. Weiber, die Brust umgürtet, und weltabgeschlossene Jungfrauen klopften an die Türe: die einen liefen den Mauern zu, andere lugten zum Fenster heraus; alles streckte die Hände zum Himmel und flehte, der Herr möge seine eigenen Gesetze schützen. Aber auch hierdurch ließ Heliodor sich nicht abschrecken. Er beschleunigte sein Vorhaben und hatte eben mit seinen Trabanten den Tempelschatz umringt. Da erschien ihm plötzlich ein furchtbarer Reiter, in goldener Waffenrüstung blitzend; sein Roß aber war mit einer Prachtdecke geschmückt. Noch weitere zwei Jünglinge erschienen, von leuchtender Kraft und holder Anmut, in herrlichem Glanze und kostbarem Gewande. Sie umringten ihn und geißelten den Tempelschänder ununterbrochen mit fortgesetzten Hieben. Wozu viele Worte? Von Finsternis umgeben, stürzte er zur Erde und lag, ein augenscheinlicher Beweis von Gottes Eingreifen, entseelt am Boden, und kein Hoffnungsstrahl auf Rettung ruhte auf ihm. Da überkam die Fürchtenden Freude, die Übermütigen Furcht, und niedergeschmettert baten einige von den Freunden Heliodors den Onias, er möchte um dessen Leben bitten. Schon lag er nämlich in den letzten Zügen. Während nun der Hohepriester betete, erschienen dem Heliodor wiederum die nämlichen Jünglinge im nämlichen Gewande mit der Aufforderung: Dem Hohenpriester Onias sage Dank; denn um seinetwillen ward dir das Leben wieder geschenkt! Du aber geh, nachdem du die Geißel des Herrn gekostet, und verkündige all den Deinigen, wie groß des Tempels Heiligkeit und Gottes Macht ist, die du kennen lerntest! Nach diesen Worten waren sie nicht mehr zu sehen. Heliodor nun brachte, nachdem er den Lebensodem zurückerhalten hatte, dem Herrn ein Opfer dar, sprach dem Priester Onias seinen Dank aus und kehrte mit dem Heere zum König zurück, zu dem er sprach: Hast du einen offenen Feind oder einen geheimen Gegner deiner Sache, schicke ihn dorthin, und du wirst ihn gezüchtigt zurückbekommen. So verlangen denn, meine Söhne, hinterlegte Gelder Treue und Sorgfalt. Herrliches Licht fällt auf euren Dienst, wenn der unerträglichen Bedrückung, sei es einer Witwe, sei es von Waisen durch einen Mächtigen mit Hilfe der Kirche ein Damm gesetzt wird; wenn ihr zeigt, dass bei euch das Gebot des Herrn mehr gilt als die Gunst eines Reichen. Ihr erinnert euch selbst, wie oft wir Übergriffen der Regierung gegenüber den Kampf für der Witwen, ja für jedermanns Hinterlagen aufgenommen haben. Ich teile mich in eure Aufgabe. Ein neues Beispiel aus der Kirche von Ticinum möchte ich anführen. Sie stand in Gefahr, die Hinterlage einer Witwe, die sie übernommen hatte, zu verlieren. Auf die Aufforderung des Beamten, der kraft kaiserlichen Reskriptes dieselbe zu sich nehmen wollte, wahrten die Kleriker ihren Standpunkt nicht. Da ihnen auch noch Ehre angetan und die Vermittlung übertragen wurde, berichteten sie, man könne doch den Verordnungen des Kaisers nicht entgegentreten. Der Erlaß, der nur in allzu bestimmter Form lautete, und die Weisungen des obersten Beamten wurden verlesen, das ausführende Organ drohte. Kurz, der Auslieferung war stattgegeben worden. Der heilige Bischof jedoch nahm, nachdem er mit mir Rat gepflogen hatte, die Schränke, wohin jene Hinterlage der Witwe, wie er wusste, gebracht war, in Beschlag. Da man sie also nicht fortschaffen konnte, wurde ein schriftliches Protokoll darüber aufgenommen. Später wurde das Geld neuerdings schriftlich gefordert. Wiederholt hatte der Kaiser Befehl gegeben zu einer persönlichen Zusammenkunft mit uns. Sie wurde abgelehnt. Erst nachdem dem Kaiser die Autorität des göttlichen Gesetzes und der Text der einschlägigen Schriftlesung sowie Heliodors Gefahr auseinandergesetzt worden waren, nahm er endlich zur Not Vernunft an." Heute gibt es vielleicht keine Gesandten des Königs, die wie "Heliodor trotzdem an deren Raub gehen und sie dem königlichen Fiskus zu eigen machen wollte" aber es gibt insbesondere deutsche Finanzämter, die mit Hilfe neuer Gesetze oder fadenscheiniger Gründe christlichen Organisationen, Kirchen und Unternehmen ihr dringend benötigtes Kapital rauben, obwohl man hofft, dass sie "endlich zur Not Vernunft" annehmen. [110] 

"Der Friede, der allen Begriff übersteigt (Phil. 4, 7), walte unter euch! Liebet einander! Nichts ist süßer als die Liebe, nichts köstlicher als der Friede. Und ihr selbst wisst, dass ich euch stets mehr als alle anderen geliebt habe und liebe. Wie Söhne eines Vaters seid ihr in der Bruderliebe geeint. Haltet fest am Guten! (1 Thess. 5, 21) Und der Gott des Friedens (1 Thess. 5, 23. 2 Thess. 3, 16. 1 Kor. 14, 33) und der Liebe (1 Joh. 4, 8. 16) wird mit euch sein im Herrn Jesus, dem Ehre, Ruhm, Herrlichkeit und Macht gebührt samt dem Heiligen Geist in alle Ewigkeiten." - St. Ambrosius, De off. II, 30

Vom Verhältnis des Nützlichen zum Sittlichguten; nicht erst Scipio, schon David, Moses, die Apostel, Elias, Elisäus verstanden es, in der Einsamkeit nicht vereinsamt, in der Muße nicht müßig zu sein

Der Prophet David lehrte uns, in unserem Herzen wie in einem geräumigen Hause wandeln und mit ihm wie mit einem guten Wohnungsgenossen verkehren, wie er selbst auch mit sich redete und plauderte. So heißt es: „Ich sprach: ich will acht haben auf meine Wege“ (Ps. 39, 2). Auch sein Sohn Salomo mahnt: „Trink Wasser aus den eigenen Gefäßen und aus den Quellen deiner Bronnen“ (Prov. 5, 15), d. i. schöpfe aus der eigenen Einsicht! Denn „tiefes Wasser ist die Einsicht im Herzen des Mannes“ (Prov. 20, 5). „Kein Fremder“, fährt er fort, „teile sich mit dir darein! Dein Wasserquell gehöre dir allein, und deine Freude habe an dem Weibe, das dein eigen von Jugend auf! Ein freundschaftlicher Hirsch und ein freundliches Füllen mögen mit dir plaudern!“ (Prov. 5, 17-19) Nicht Scipio war also der erste, der es verstand, nicht allein zu sein, wenn er allein war, und ebensowenig müßig, wenn er müßig war. Nach Cicero, bzw. nach dessen Gewährsmann Cato pflegte P. Scipio Afrikanus zu sagen, er fühle sich niemals weniger müßig als in der Muße und niemals weniger allein, als wenn er allein sei. Vor ihm verstand es Moses, der, da er schwieg, schrie (Exod. 14, 15), da er müßig stand, kämpfte, und nicht bloß kämpfte, sondern auch über die Feinde, ohne mit ihnen in Berührung gekommen zu sein, triumphierte: so müßig, dass andere ihm sogar die Hände stützten, und doch nicht weniger tätig wie die übrigen, indem er mit seinen müßigen Händen den Feind bezwang, den die Kämpfenden nicht zu besiegen vermochten (Exod. 17, 9 ff). So also redete Moses im Schweigen und war tätig in der Muße. Wessen Tätigkeit aber überträfe an Bedeutung seine Muße? Empfing er doch nach vierzigtägiger Zurückgezogenheit auf dem Berge das ganze Gesetz (Exod. 24, 12 ff.). Selbst in jener Einsamkeit fehlte es nicht an jemand, der mit ihm sprach. Daher denn auch Davids Wort: „Ich will hören, was Gott der Herr in mir spricht“ (Ps. 85, 9). Und wie unvergleichlich mehr bedeutet Gottes Sprechen mit einem als das Selbstgespräch, das einer führt! Die Apostel gingen vorüber, und ihr Schatten heilte die Kranken (Apg. 5, 15 f.). Man berührte ihre Kleider und erlangte Gesundung (Apg. 19, 12). Elias sprach nur ein Wort, und der Regen hielt inne und fiel drei Jahre und sechs Monate nicht mehr zur Erde. Wiederum sprach er, und der Mehltopf nahm nicht ab, und das Ölgefäß wurde während der ganzen Zeit der langen Hungersnot nicht leer (1 Kön. 17, 1 ff.). Und weil man so gern an Kriegsereignissen seine Freude hat: was ist großartiger, mit wuchtigen Armen oder mit bloßen Verdiensten das Ende einer Schlacht herbeigeführt zu haben? Elisäus blieb am gleichen Platz sitzen, und der König von Syrien zog mit großer Kriegsmacht wider das Vätervolk heran, bedrohte es einmal über das andere Mal mit mannigfachen tückischen Anschlägen und suchte ihm mit Hinterlist und Hinterhalt beizukommen. Doch der Prophet durchschaute alle seine Vorkehrungen, deckte den Seinigen, im Geiste mit Gottes Gnade überall zugegen, die Absichten der Feinde auf und machte auf die Orte aufmerksam, vor denen man sich zu hüten hätte. Sobald das dem Könige von Syrien kundgetan ward, sandte er ein Heer aus und ließ den Propheten einschließen. Elisäus betete und bewirkte, dass all jene, die gekommen waren ihn einzuschließen, mit Blindheit geschlagen wurden und Samaria als Gefangene betraten (2 Kön. 6, 8 ff.). Vergleichen wir solche Muße mit der Muße anderer. Andere pflegen zum Ausruhen ihren Geist von Beschäftigungen abzulenken, vom Verkehr und Umgang mit Menschen sich zurückzuziehen und entweder auf das stille Land zu gehen und einsame Plätzchen aufzusuchen, oder aber in der Stadt den Geist abzuspannen und der Ruhe und Erholung zu frönen. Elisäus hingegen verhilft auf dem Karmel einer Unfruchtbaren unerwartet zur Leibesfrucht, nachdem er das Hindernis der Zeugung beseitigt hatte (2 Kön. 4, 16 f.); oder erweckt Tote (2 Kön. 4, 32ff.); oder schafft einem Aussätzigen durch Reinigung (2 Kön. 5, 1 ff. ), oder in der Zeit der Dürre durch Regen, oder in der Zeit der Hungersnot durch Fruchtbarkeit Wandel (2 Kön. 8, 1 ff.). Wann wäre denn der Gerechte allein, nachdem er stets mit Gott weilt? Wann wäre er vereinsamt, nachdem er nimmer von Christus sich trennt? „Wer wird uns“, so heißt es, „von der Liebe Christi trennen?“ (Röm. 8, 35) [111] 
 

Das willst du Menschlichkeit nennen, wo Unrecht auf Unrecht sich häuft? Sklavenart ist heimlicher Diebstahl, der Reichen Art öffentliche Erpressung; natürliches und christliche Sittengesetz

Naturgesetz wie göttliches und staatliches Gesetz verbieten, den Nächsten um des eigenen Vorteils willen zu benachteiligen. Cicero findet die gleiche Forderung begründet 1. im Staatswohl, das kraft des Naturrechtes und Gesetzes sie erheben kann und muss; 2. in der natürlichen Bestimmung des Menschen, wonach der einzelne für die Gesamtheit sich hingeben muss; 3. in der Interessengemeinschaft des ganzen Menschengeschlechtes, das nun einmal neben- und miteinander zu leben hat. Bei Ambrosius erfährt die Begründung mit dem Hinweis auf Christi Vorbild und Gottes Offenbarungswillen noch eine wesentliche Bereicherung und Vertiefung, die sich bei den Stoikern, Arianern und später Sarazenen nicht finden lässt. [112] 
"Wer aller Wohlgefallen wünscht, suche nicht seinen Nutzen, sondern den der großen Mehrheit, wie ihn Paulus suchte. Denn das heißt Christus gleichförmig werden: nicht nach fremdem Gute auslangen, nichts vom Nächsten ergattern, um es sich anzueignen. Christus der Herr nämlich, da er doch in Gottes Gestalt war, entäusserte sich, so dass er Menschengestalt annahm (Phil. 2, 6 f.), um sie mit den Tugendschätzen seines Wirkens zu bereichern. Du nun willst den berauben, den Christus ausstattete? Du willst den ausziehen, den Christus bekleidete? Denn das tust du, wenn du zum Nachteil des anderen deine eigenen Glücksgüter zu mehren trachtest. Bedenke, o Mensch, woher du deinen Namen bekommen hast! Von der Erde doch, die niemand etwas nimmt, sondern allen alles gibt und allen Lebewesen ihre mannigfaltigen Früchte zum Genusse darbietet. Daher der Name Menschlichkeit für jene besondere, dem Menschen eignende Tugend, die sich dem Nebenmenschen hilfreich erweist. Schon die Gestalt deines Leibes und die Tätigkeit deiner Glieder mag dich belehren. Maßt sich etwa ein Glied an dir die Dienste eines anderen an? Maßt sich das Auge den Dienst des Mundes, oder der Mund den Dienst des Auges, oder die Hand den Dienst der Füße, oder der Fuß den Dienst der Hände an? (1 Kor. 12, 12 ff. Röm. 12, 5) Ja selbst die rechte und die linke Hand haben vielfach ihre unterschiedlichen Dienste, so dass es naturwidrig wäre, würde man die Tätigkeit der beiden vertauschen. Eher ließe sich der ganze Mensch verkehren als die Dienste seiner Glieder: wenn man mit der Linken Speise nähme, oder mit der Rechten eine Tätigkeit der Linken verrichtete, wie die Beseitigung von Speiseresten, es würde denn der Notfall es erfordern. Setze den Fall und gib dem Auge die Kraft, dass es dem Haupte den Sinn, den Ohren das Gehör, dem Geiste die Gedanken, der Nase den Geruch, dem Munde den Geschmack nehme und sich selbst aneigne: würde das nicht die ganze Anlage der Natur aufheben? Daher der schöne Ausspruch des Apostels: „Wenn der ganze Leib Auge wäre, wo wäre das Gehör? Wenn der ganze Leib Gehör wäre, wo wäre der Geruch? (1 Kor. 12, 17) Alle sind wir sonach ein Leib und dessen verschiedene Glieder, doch alle dem Leibe notwendige Glieder. Denn es kann nicht ein Glied vom anderen sagen: es ist mir nicht vonnöten. Vielmehr sind sogar die anscheinend schwächeren Glieder weitaus die notwendigeren (1 Kor. 12, 21 f) und erfordern zumeist die größere Sorgfalt für ihren Schutz. Und wenn ein Glied leidet, leiden alle mit ihm. Wie sündhaft ist es also, einen irgendwie zu schmälern, mit dem wir Mitgefühl haben sollten, und einen zu hintergehen und zu schädigen, dem wir teilnehmenden Dienst schulden! Ist dies doch ein Naturgesetz, das uns zu jeglicher Menschlichkeit verpflichtet: Wir sollen gegenseitig, einer dem andern, als Glieder eines Leibes zu Diensten stehen und nicht glauben, uns irgendeine Schmälerung erlauben zu dürfen, nachdem schon das Nichthelfen wider das Naturgesetz verstößt. Denn also treten wir ins Leben, dass zwischen den Gliedern Übereinstimmung herrscht, eines dem anderen anhängt, in gegenseitiger Dienstleistung untereinander Willfährigkeit herrscht. Lässt es nur eines an seiner Verrichtung fehlen, werden alle anderen behindert. Risse beispielsweise die Hand das Auge aus, hätte sie sich nicht damit die Ausübung ihrer Tätigkeit abgeschnitten? Würde sie den Fuß verletzen, wie viele ersprießliche Handlungen würde sie sich selbst versagen! Wie unvergleichlich schlimmer wäre die Schädigung des ganzen Menschen als die eines Gliedes! Liegt nun in einem Gliede die Verletzung des ganzen Leibes vor, so wird auch in einem Menschen die Gemeinschaft der ganzen Menschheit untergraben: man verletzt die Natur des Menschengeschlechtes und die Gemeinschaft der heiligen Kirche, die durch die Einheit des Glaubens und der Liebe zu einem fest verbundenen und gefügten Leibe ersteht." - St. Ambrosius, De off. III, 3

"Das willst du Menschlichkeit nennen, wo Unrecht auf Unrecht sich häuft? Das haben wir vor den übrigen lebenden Wesen voraus, dass die einen Arten von ihnen nichts von einem Mitteilen wissen, die wilden Tiere aber auf Raub ausgehen, der Mensch mitteilsam ist. Daher des Psalmisten Wort: „Der Gerechte ist mitleidig und teilt aus“ (Ps. 37, 21). Wohl gibt es Wesen, denen auch die wilden Tiere etwas zutragen. Sie nähren ja durch Zutragen ihre Brut. Und auch die Vögel atzen ihre Jungen mit Speise. Dem Menschen allein aber war es verliehen, allen Nahrung zu reichen, als wären sie die Seinigen. Er schuldet das schon kraft des Naturgesetzes. Wenn nun schon ein Nichtgeben pflichtwidrig wäre, wie könnte eine Benachteiligung erlaubt sein? Belehren uns nicht auch die Gesetze hierüber? Verlangen sie doch in erhöhtem Maße Rückerstattung des Schadens, der einem unter persönlicher oder unter Sachverletzung zugefügt wurde, um so den Dieb, sei es durch Strafen von Schädigung abzuschrecken, sei es durch Geldbuße davon zurückzuhalten." Ib.

"Sklavenart ist heimlicher Diebstahl, der Reichen Art öffentliche Erpressung. Was aber wäre so naturwidrig, als die Schädigung des Nächsten um eines eigenen Vorteiles willen, da doch das natürliche Gefühl einem die Pflicht nahelegt, auf alle seine Sorge auszudehnen, für sie Beschwerden auf sich zu nehmen, der Mühe sich zu unterziehen; da es für jeden als rühmlich gilt, wenn er unter eigenen Gefahren für die Ruhe und den Frieden der Allgemeinheit eintritt; jeder es für viel edler erachtet, wenn er lieber den Untergang des Vaterlandes denn eigene Gefahren abwendete; es für vorzüglicher hält, dass er sein Wirken dem Vaterlande weihte, statt unter tausend Genüssen in Muße ein ruhiges Leben zu führen?" Ib.

Daraus folgt nun, dass der Mensch, der in seiner natürlichen Anlage die Weisung trägt, der Natur zu folgen, unmöglich dem Nächsten schaden darf; dass der Vorteil, den er zu erlangen glaubt, wenn er einen schädigt, die Natur verletzt und nicht so groß ist als der Nachteil, der ihm daraus ersteht. Welch schwerere Strafe gäbe es denn als ein wundes Gewissen im Innern? Welch strengeres Gericht als das eigene, kraft dessen jeder sich vor sich selbst schuldig weiß, sich selbst anklagt, dass er in unwürdigem Verhalten dem Bruder Unrecht getan hat? Die Schrift verurteilt das nicht wenig scharf mit den Worten: „Aus dem Munde der Toren dringt die Rute der Schmach“ (Prov. 14, 3). Der Torheit wird sonach der Mensch geziehen, der Schmach zufügt. Ist das nicht mehr zu fliehen als der Tod, als Verlust, als Not, als Verbannung, als schmerzliche Krankheit? Wer wollte denn ein Leibesgebrechen oder einen Vermögensverlust nicht geringer anschlagen als ein Gebrechen der Seele oder die Einbuße des guten Namens? So hat denn, wie sich klar ergibt, jedermann darauf zu sehen und daran festzuhalten, dass nur das, was der Gesamtheit nützt, zugleich dem einzelnen frommt, und darf nichts für vorteilhaft erachten, was nicht gemeinnützig ist. Wie könnte denn auch das, was allen zum Schaden ist, dem einzelnen von Nutzen sein? [113] 
"Ich wenigstens glaube nicht, dass einer, der der Allgemeinheit nicht nützt, sich selbst nützen kann. Denn wenn es nur ein Naturgesetz für alle gibt, dann gibt es doch auch nur einen Nutzen für alle; dann sind wir durch das Naturgesetz zur Sorge für alle verpflichtet. Wer also für den Nächsten, wie es naturgemäß ist, gesorgt wissen will, dem liegt es fern, ihm wider das Naturgesetz zu schaden. Wenn die Kämpfer, die in der Rennbahn laufen, wie es heißt, derart geschult und angeleitet werden, dass jeder durch Schnelligkeit, nicht durch Übervorteilung das Ziel anstreben und durch möglichst flinkes Laufen dem Ziel entgegeneilen soll, ohne sich zu erdreisten, dem anderen ein Bein zu stellen oder mit der Hand ihn zu Fall zu bringen: wieviel mehr müssen wir in diesem unseren Lebenslaufe ohne Trug und Übervorteilung des Nächsten den Sieg anstreben? Manche werfen die Frage auf, ob ein Weiser, wenn er bei einem Schiffbruch einem Nichtweisen ein Brett entreißen könnte, es müsse. Ich nun pflichte, ob es auch für das Gemeinwohl zweckdienlicher erscheinen mag, dass lieber ein Weiser als ein Unweiser dem Schiffbruch entgehe, gleichwohl nicht der Meinung zu, dass ein gerechter und weiser Christ sich sein Leben um den Preis des Unterganges eines anderen sich zu erhalten suchen soll. Darf er doch selbst im Fall, dass er einem bewaffneten Räuber in die Hand fällt, dem Schlagenden den Schlag nicht zurückversetzen, um nicht bei der Verteidigung seines Lebens die Liebe zu verletzen. Hierüber steht in den Evangelienschriften der klare und deutliche Ausspruch: „Stecke dein Schwert ein! Denn jeder, der mit dem Schwerte schlägt, wird mit dem Schwerte geschlagen werden“ (Matth. 26, 52). Wer wäre ein verabscheuungswürdigerer Räuber als der Häscher, der gekommen war, Christus zu töten? Doch Christus wollte sich nicht um den Preis der Verwundung seiner Verfolger verteidigen lassen: er, der durch seine Wunden alle heilen wollte. Warum wolltest du dich denn für besser halten als den Nächsten? Ist es doch Christenart, dem anderen den Vorzug vor sich zu geben, nichts sich anzumaßen, keine Ehre für sich in Anspruch zu nehmen, keinen Preis für sein Verdienst sich zu verlangen. Ferner warum wolltest du es dir nicht zur Gepflogenheit machen, lieber eigenen Nachteil zu erleiden, als fremden Vorteil an dich zu reißen? Was wäre so naturwidrig, als mit dem eigenen Besitz nicht zufrieden zu sein, nach fremdem Gut zu streben, schimpflich danach zu fahnden? Denn ist das Sittlichgute naturgemäß, alles hat ja Gott überaus gut gemacht, so ist doch das Schändliche das Gegenteil davon. Es lässt sich darum zwischen dem Sittlichguten und dem Schandbaren kein Bund eingehen, da sie sich nach dem Naturgesetze gegenseitig ausschließen." - St. Ambrosius, De off. III, 4

Der wahre Weise handelt auch im geheimen recht; Gygessage; wahre Begebenheiten aus der Geschichte Davids oder des Täufers; Der wahre Jünger Christi führt ein verborgenes Leben

Der Weise handelt in allem voll Aufrichtigkeit, ohne Trug, und tut, auch wenn er verborgen bleiben kann, nichts, worin er sich irgendwie in Schuld verstricken würde. Denn eher als vor anderen, fühlt er sich vor sich selbst schuldig; und schwerer wiegt bei ihm die Beschämung vor dem Gewissen als jene, welche das Offenkundigwerden einer Schandtat mit sich führt. Das können wir nicht nur an erdichteten Fabeln, wie die Philosophen es bei ihren Besprechungen tun, sondern an völlig wahren Beispielen von gerechten Männern aufzeigen. Man brauch also keinen Erdspalt erdichten, indem die Erde auf angebliche heftige Regenschauer hin zerriß und auseinanderbarst. Gyges soll hier nach Plato (Gygessage) hinabgestiegen und auf jenes fabelhafte Roß aus Erz gestoßen sein, das an seinen Seiten Türen hatte. Sogleich nach Öffnung derselben habe er einen goldenen Ring am Finger eines Toten bemerkt, dessen entseelter Leichnam daselbst lag, und aus Goldgier den Ring genommen. Da er sich aber zu des Königs Hirten, zu deren Zahl er selbst gehörte, zurückbegeben hatte, sah er, als er einmal zufällig die Fassung jenes Ringes nach der flachen Hand gedreht hatte, seinerseits alle, während er selbst niemand sichtbar war; sodann aber, als er den Ring an seinen Platz zurückgedreht hatte, ward er wiederum allen sichtbar. Mit diesem Wunder vertraut, nahte er mit Hilfe des Ringes der Königin und entehrte sie gewaltsam, tötete den König und ermordete die übrigen, die er töten zu müssen glaubte, um ihm nicht hinderlich im Wege zu stehen, und erlangte so das lydische Königreich. Gib, so fordert man, diesen Ring einem Weisen, dass er im Fall eines Fehltrittes mit Hilfe desselben verborgen bleiben könne! Er wird die Befleckung der Sünde nicht weniger fliehen, als wenn er nicht verborgen bleiben könnte. Denn nicht der Schlupfwinkel, sondern die Schuldlosigkeit verbürgt dem Weisen die Zuversichtlichkeit seiner Straffreiheit. So ist denn auch „das Gesetz nicht dem Gerechten auferlegt, sondern dem Ungerechten“ (1 Tim. 1, 9). Denn der Gerechte hat zum Gesetz seinen Geist und zur Norm seine Rechtlichkeit und Gerechtigkeit. Darum hält er sich nicht aus Furcht vor Strafe, sondern kraft der Norm des Sittlichguten von Schuld fern.  Auf die Frage zielt doch die Fabel ab, ob der Weise auch dann, wenn ihm jener Ring zur Verfügung stünde, mit dem er seine Schandtaten verbergen und eine Krone gewinnen könnte, gleichwohl nicht sündigen wollte und die verbrecherische Befleckung für schlimmer halten würde als die qualvollen Strafen hierfür; oder aber ob er die Straflosigkeit, die in Aussicht stünde, zur Begehung eines Verbrechens ausnützen würde. Ein Hinweis auf wahre Begebenheiten aus der Geschichte Davids zeigt: David nämlich hat, als er vor König Saul floh, weil der König mit auserlesenen dreitausend Mann in der Wüste ihm nach dem Leben strebte, nicht bloß seinerseits dem Könige, als er in dessen Lager eindrang und ihn schlafend antraf, nichts zuleide getan, sondern ihn sogar geschützt, dass er von keinem anderen, der zugleich eingedrungen war, ums Leben gebracht würde (1 Kön. 26, 1 ff.). Denn als Abisai zu ihm sprach: „Heute hat der Herr deinen Feind in deine Hände geliefert, und nun will ich ihn töten“, erwiderte er: „Vernichte ihn nicht; denn wer wird an den Gesalbten des Herrn seine Hand legen und rein bleiben?“ Und er fügte bei: „So wahr der Herr lebt, wenn der Herr ihn nicht schlägt, oder wenn seine Stunde nicht gekommen ist, dass er sterbe, oder wenn er nicht in den Kampf geht und mir sich gegenüberstellt, so bewahre mich der Herr, dass ich meine Hand an den Gesalbten des Herrn lege“ (1 Kön. 26, 10 ff.). So ließ er denn nicht zu, dass man ihn tötete, sondern nahm nur die Lanze zu seinen Häupten und das Trinkgefäß hinweg. Während alle schliefen, verließ er das Lager, ging hinüber auf die Spitze eines Berges und begann die Trabanten des Königs und allen voran dessen Kriegsobersten Abner zu beschuldigen, dass er seinem König und Herrn so gar keine treue Wache angedeihen lasse; er möge ferner zeigen, wo die Lanze des Königs und das Trinkgefäß zu dessen Häupten wären. Und er gab sogar auf die Aufforderung des Königs die Lanze zurück. „Und der Herr“, so fügte er hinzu, „vergelte jedem seine Gerechtigkeit und seine Treue, so wie der Herr dich heute in meine Hände gegeben hat, und ich meine Hand nicht an den Gesalbten des Herrn legen wollte“ (1 Kön. 26, 23). Während er dies sprach, musste er doch dessen Nachstellungen fürchten, seinen Wohnsitz mit der Verbannung vertauschen und fliehen. Und dennoch ging ihm sein Wohl nicht über seine Schuldlosigkeit. Er hatte, obschon sich ihm bereits zum zweiten Mal die Möglichkeit bot, den König zu töten, die vorteilhafte Gelegenheit nicht benützen wollen, die ihm, dem Fürchtenden, die Sicherheit des Lebens, dem Verbannten die Königskrone bot. Wo bedurfte Johannes des gygeischen Ringes? Hätte er geschwiegen, wäre er von Herodes nicht getötet worden (Matth. 14, 1 ff.). Sein Schweigen hätte ihm den Vorteil gebracht, am sichtbaren Leben zu bleiben und nicht ermordet zu werden. Weil er aber nicht bloß keine persönliche Sünde zum Schutz seines Lebens zuließ, sondern nicht einmal eine fremde Sünde dulden und ertragen konnte, darum beschwor er selbst die Ursache zu seiner Ermordung herauf. Sie, die von jenem Gyges leugnen, dass er dank jenem Ringe verborgen bleiben konnte, können sicherlich nicht leugnen, dass jener die Möglichkeit hatte, zu schweigen. "Aber entspricht auch der Fabel keine Wirklichkeit, hat sie doch den Sinn, dass der Gerechte, ob er auch verborgen bleiben könnte, dennoch die Sünde meidet, als könnte er nicht verborgen bleiben; und dass er, wenn nicht mit dem Ringe angetan, seine Person, so doch, mit Christus angetan, sein Leben verborgen hält nach des Apostels Wort: „Unser Leben ist mit Christus verborgen in Gott“ (Kol. 3, 3f.). Niemand suche denn im Diesseits zu glänzen! Niemand maße sich etwas an! Niemand poche auf sich! Christus wollte hier keine Anerkennung, wollte nicht, dass sein Name im Evangelium gepriesen werde, solange er auf Erden weilte. Er kam, um vor dieser Welt sich zu verbergen (Matth. 8, 4; 9, 30; 12, 16 ff.; 17, 9. Joh. 6, 15). So lasst denn auch uns nach dem Beispiel Christi unser Leben verborgen halten! Lasst uns Prahlerei fliehen, nicht nach Lob haschen! Besser ist es, hier in Niedrigkeit, dort in Herrlichkeit zu sein. „Wenn Christus erscheint“, so heißt es, „dann werdet auch ihr mit ihm erscheinen in Herrlichkeit“." [114] 
 

Utilitarismus, Spekualtion mit Ackerland und Lebensmitteln; Preistreiberei und Lebensmittelhinterziehung in der Zeit der Teuerung

Der Satz "Nicht soll das Nützliche über das Sittlichgute, sondern das Sittlichgute über das Nützliche den Sieg davontragen. Ich meine unter dem Nützlichen das, was nach der gewöhnlichen Auffassung darunter verstanden wird. Habsucht soll ertötet werden, Begehrlichkeit ersterben." lässt sich in Zeiten des Utilitarismus kaum vorstellen.  Ein Heiliger bekennt, sich deshalb nicht mit Handel befasst zu haben, weil die höheren Preise, die man erstrebt, nicht die Frucht der Ehrlichkeit, sondern der Gerissenheit sind (Ps. 72). Und ein anderer spricht: „Wer nach Getreidepreisen Jagd macht, ist beim Volke verflucht“ (Prov. 11, 26). Der Sinn steht fest. Er lässt für Wortstreit keinen Raum. Eine solche Art Wortgezänk pflegen die Sprüche zu sein, die der eine macht: der Ackerbau gelte doch bei allen für löblich; die Früchte der Erde wüchsen sonder Falsch; je mehr Mühe einer auf die Aussaat verwende, um so mehr Lob verdiene er; der fleißigeren Bewirtschaftung mangle es nicht an reichlicheren Erträgnissen; man pflege doch mehr die Nachlässigkeit und Sorglosigkeit, mit der man ein Land unbebaut lasse, zu tadeln. Ich habe, macht man geltend, mit besonderem Fleiß gepflügt, mit besonderem Eifer angebaut und guten Ertrag geerntet, mit besonderer Sorgfalt ihn in die Scheuer gebracht, treu aufbewahrt, umsichtig behütet. Jetzt zur Zeit der Hungersnot verkaufe ich ihn, komme den Hungernden zu Hilfe; verkaufe nicht fremdes, sondern mein Getreide, nicht teurer als die übrigen, sondern sogar billiger. Wie kann da von Trug die Rede sein, da doch viele in Gefahr kommen könnten, wenn sie nichts zu kaufen hätten? Will man eifriges Wirtschaften zum Verbrechen stempeln? Will man die Rührigkeit tadeln? Will man die Fürsorglichkeit schelten? Vielleicht mag er einwenden: Auch Joseph sammelte Getreide in Fülle, verkaufte es in der Zeit der Teuerung. Will man einen zu noch teuererem Einkauf zwingen? Will man gegen den Käufer Gewalt anwenden? Jedem wird Gelegenheit zum Kaufe geboten, keinem geschieht Unrecht. Gegen diese Ausführungen nun, wie sie jeder nach seiner Art vorbringt, erhebt sich ein anderer und spricht: Ja, gut ist der Ackerbau, der allen seine Früchte darbietet; "der mit redlichem Fleiß die Fruchtbarkeit der Gefilde mehrt, ohne Trügerisches, ohne Falsches darein zu säen. Unstatthaftes irgendwelcher Art würde denn auch mehr Nachteil stiften. Denn nur wer die Saat gut bestellt, wird eine bessere Ernte erzielen; und wenn er lauteres Weizenkorn sät, wird er auch reinere, lautere Frucht einheimsen. Nur ein fruchtbarer Boden gibt vielfältig zurück, was er aufgenommen hat; nur ein tüchtiger Acker pflegt seine Erzeugnisse mit Zinseszins heimzuzahlen." Durch Gentechnik und Pestizide wird heute "die Fruchtbarkeit der Gefilde" vermindert, auf die Felder wird für Bienen, Hummeln und andere Blütenbestäuber, für Tiere, die den Acker als Lebensraum nutzen sowie den Menschen "Trügerisches" ausgesät. [115] 

Auch Spekualtion mit Ackerland und Lebensmitteln, wie es heute vielfach geschieht, hat negative Folgen: "Du darfst nun vom Ertrag der ergiebigen Scholle deiner Mühe Lohn erwarten, von der Fruchtbarkeit des fetten Bodens die gebührenden Einkünfte erhoffen. Warum willst du das rege Schaffen der Natur in Trug kehren? Warum ihre Erzeugnisse, die für alle da sind, neidisch dem menschlichen Gebrauch entziehen? Warum deren Fülle dem Volk verringern? Warum heuchlerisch Mangel vorschützen? Warum bewirken, dass die Armen sich lieber Unfruchtbarkeit wünschten? Denn wenn sie wegen deiner Preistreiberei, wegen deiner Getreidehinterziehung vom Segen der Fruchtbarkeit nichts spüren, wünschen sie sich lieber keine Erzeugnisse als die Geschäfte, die du mit der allgemeinen Teuerung machst. Dir kommt die Getreidenot und der Lebensmittelmangel erwünscht, du bedauerst reichliche Bodenerzeugnisse, klagst über allgemeine Fruchtbarkeit, trauerst über volle Getreideschuppen, hältst dich auf der Lauer, so oft ein dürftigerer Ertrag, ein spärlicheres Wachstum einfällt. Freudig begrüßt du den Fluch, der deinen Wünschen lächelte, dass niemand die geringsten Erzeugnisse erzielte. Da ist deine Ernte gekommen, dir zur Wonne; da raffst du dir aus dem allgemeinen Elend deine Schätze zusammen. Und das heißt du wirtschaften, das nennst du Rührigkeit, was nur geriebene Schlauheit, listige Gaunerei ist! Und das nennst du Hilfeleistung, was nur nichtsnutzige Berechnung ist! Soll ich das Raub oder Wucher nennen? Wie beim Raub werden nur die günstigen Augenblicke erspäht, um als hartherziger, hinterhältiger Mensch in den ureigenen Besitz der Leute einzudringen. Man treibt den Wucherpreis hinauf und gefährdet dadurch in noch höherem Grade das Leben. Dir aber erwächst hundertfacher Ertrag aus der heimlich hinterzogenen Erntefrucht. Du hältst wie ein Wucherer das Getreide zurück und schraubst als Verkäufer dessen Preis in die Höhe. Wozu gegen jedermann die schlimm gemeinte Versicherung, die Hungersnot werde künftig noch größer, weil es angeblich keine Früchte mehr gebe; weil ein noch größeres Mißjahr folge? Dein Gewin geht zu Schaden der Allgemeinheit. Der heilige Joseph öffnete jedermann die Scheune, verschloß sie nicht. Es war ihm auch nicht um wucherische Getreidepreise zu tun, sondern um die Erschließung einer nachhaltigen Hilfsquelle. Für sich erwarb er nichts, sondern traf in fürsorglicher Anordnung Vorkehrung, wie sich auch für künftig die Hungersnot überwinden ließe (Gen. 41, 56 f.; 47, 13 ff). Ihr habt gelesen, wie der Herr Jesus im Evangelium einen solchen Getreidepreiswucherer bloßstellt. Sein Besitz trug ihm reiche Früchte ein, und gleichwohl sprach er, als wäre er in Nöten: „Was soll ich tun? Ich habe keinen Raum mehr, um etwas unterzubringen. Ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen“ (Luk. 12, 17 f.). Und doch konnte er nicht wissen, ob nicht seine Seele schon in der folgenden Nacht von ihm abverlangt würde. Er wusste nicht, was er tun solle; er schwebte in der ungewissen Angst, es möchten ihm die Lebensmittel ausgehen; die Scheunen fassten das Getreide nicht, und er glaubte darben zu müssen. Mit Recht nun urteilt Salomo: „Wer das Getreide zusammenhält, wird es fremden Völkern hinterlassen“, nicht den Erben, weil der Ertrag der Habsucht nicht in den Rechtsbesitz von Nachfolgern übergeht. Was nicht rechtmäßig erworben wird, wird wie vom Winde unter fremde Besitzer zerstreut, die es an sich reißen. Und er fügte bei: „Wer wucherisch das Getreide aufkauft, ist verflucht beim Volke; der Segen desselben aber ruht auf dem Haupte dessen, der es verteilt“ (Prov. 11, 26)" [116] 
 

Nur das Gute ist zugleich nützlich; Was wäre so nützlich, als dass dem Felde der Bebauer erhalten bleibe und das Landvolk nicht aussterbe?

Die Politik muss sich darum kümmern, dass Insbesondere die Landbevölkerung nicht aussterbe, "dem Felde der Bebauer erhalten bleibe." Schon seit Jahrzehnten ist das Gegenteil der Fall. Bauern und Imker werden immer mehr zum Aufgeben ihrer Betriebe gedrängt zugunsten von Agrarfabriken (Factoryfarming), die Land und Umwelt mit Pestiziden und genmanipulierten Pflanzen und Tieren verseuchen. "Die wilden Tiere stoßen ihresgleichen nicht aus: und der Mensch will den Menschen ausstoßen! Tiere und Bestien betrachten die Nahrung, welche die Erde darbietet, als allen gemeinsam; sie sind auch hilfreich gegen ihresgleichen: der Mensch will feindselig sein, dem nichts Menschliches fremd sein sollte! Wieviel richtiger handelte jener Stadtpräfekt! Da er schon bejahrt war und die Bürgerschaft Hungersnot litt und das Volk, wie es unter solchen Umständen zu gehen pflegt, verlangte, es sollten die Fremden aus der Stadt ausgewiesen werden, berief er, da die Stadtverwaltung vor allen anderen gerade seiner Obsorge anvertraut war, die angesehenen und wohlhabenderen Männer zusammen und forderte sie auf, zum allgemeinen Besten Rats zu pflegen. Dabei äusserte er, wie grausam es sei, die Fremden auszuweisen; wie unmenschlich, einem Sterbenden die Nahrung vorzuenthalten. Keinen Hund lassen wir ohne Futter vor unserem Tische, den Menschen stoßen wir hinaus. Wie zwecklos ferner gehen ganze Volksmassen als Opfer der unseligen Hungerpest der Welt verloren! Wie viele gehen der Stadt verloren, die derselben, sei es für die Lebensmittelbeschaffung, sei es für den Handelsmarkt, ihre helfenden Dienste zu leihen pflegten! Niemand ist mit dem Hunger anderer geholfen. Er kann den Tag möglichst lange fristen, der Not nicht steuern. Im Gegenteil, wenn so viele Landbebauer mit Tod abgehen, so viele Ackersleute dahinsterben, werden auch die Getreidemittel für die Zukunft dahinschwinden. Wir weisen daher nur jene aus, die uns den Lebensunterhalt zu beschaffen pflegen. Jene wollen wir in der Stunde der Not nicht nähren, die uns jederzeit mit Nahrung versehen haben? Wieviel wird uns selbst noch in dieser Zeit von ihnen geboten! „Nicht vom Brote allein lebt der Mensch“. Unsere eigenen Leute befinden sich daselbst, so manche sind sogar unsere Verwandten. Vergelten wir ihnen, was wir empfangen haben! Doch wir fürchten hierdurch die Not zu vermehren. Vor allem findet Barmherzigkeit nimmer leere, sondern hilfreiche Hände. Sodann wollen wir die Getreidemittel, die für dieselben aufzuwenden sind, durch eine Sammlung aufbringen, mit Gold erstehen. Oder müssen wir nicht offenbar, wenn jene Landbebauer verschwinden, andere um Geld dingen? Wieviel billiger kommt es, einen Landbebauer zu ernähren als zu dingen! Wo dann Ersatz hernehmen? Wo den neuen Ackersmann auftreiben? Wenn du ihn auftreibst, nimm hinzu, dass du einen des Feldbaues Unkundigen, der eine andere Beschäftigung gewohnt war, wohl der Zahl, nicht der Arbeit nach als Ersatz rechnen kannst. Wozu noch mehr? Man sammelte Gold und brachte Getreide zusammen. So griff er den Vorrat der Stadt nicht an und versorgte die Auswärtigen mit Nahrung. Wie sehr empfahl dies den so heiligmäßigen Greis bei Gott! Wieviel Ruhm trug es ihm bei den Menschen ein! Das war ein in Wahrheit bewährter Großer, der wirklich auf die Bevölkerung der ganzen Provinz zeigen und zum Kaiser sprechen konnte: Diese alle habe ich dir erhalten; sie verdanken ihr Leben deinen Ratsherren; deine Behörde hat sie dem Tode entrissen. Wie unvergleichlich zweckmäßiger war dies gegenüber dem, was jüngst zu Rom geschah! Leute, die bereits den größten Teil ihres Lebens dortselbst zugebracht hatten, jagte man aus der so weitausgedehnten Stadt. Mit Tränen in den Augen zogen sie mit ihren Kindern fort, deren Verbannung man beweinte, weil sie als Bürger nicht davon hätten betroffen werden sollen. Zwischen so vielen wurden die Bande der Verwandtschaft zerschnitten, die Bande der Schwägerschaft zerrissen. Und doch hatte ein fruchtbares Jahr gelächelt. Die Stadt allein nur bedurfte der Getreideeinfuhr. Es hätte geholfen werden können, wenn man von den Bewohnern Italiens, deren Kinder man vertrieb, Getreide angefordert hätte. Eine größere Schmach kann es nicht geben: einen wie einen Landfremden forttreiben und gleichsam den eigenen Bruder hinausstoßen! Wie darfst du ihn fortjagen, der sich vom Seinigen nährt? Wie darfst du ihn fortjagen, der dich ernährt? Den Sklaven behältst du, den Bruder stößt du fort. Das Getreide nimmst du entgegen, Mitgefühl bringst du nicht entgegen. Den Lebensunterhalt erpreßt du, Gnade läßt du nicht ergehen. Wie abscheulich, wie nutzlos ist das! Wie könnte denn auch etwas von Nutzen sein, was sich nicht geziemt? Um wie viele Hilfsmittel ward Rom unlängst betrogen, die ihm von seiten derer zuzufließen pflegten, die ihm einverleibt waren! Es stand ebenso in seiner Macht, dieselben nicht auszuweisen, wie günstige Winde und die erhoffte Schiffszufuhr abzuwarten und so der Hungersnot zu entgehen. Wie gut und nützlich war hingegen das oben erwähnte Vorgehen! Was wäre denn auch so geziemend und gut, als dass den Dürftigen durch die Beiträge der Reichen geholfen, den Hungernden der Lebensbedarf gereicht werde und keinem es an Nahrung fehle? Was wäre so nützlich, als dass dem Felde der Bebauer erhalten bleibe und das Landvolk nicht aussterbe? Das Sittlichgute ist sonach nützlich und das Nützliche sittlichgut; und umgekehrt das Schädliche ungeziemend, das Unziemliche aber zugleich schädlich." [117] 

Manche "gemeinnützigen" Vereine verbergen "unter der Maske der Selbstlosigkeit und der Vornehmheit, doch im Widerspruch mit der christlichen Gesinnung" ihre Habsucht, sammeln das Geld ein um Firmen zu fördern, die genmanipulierte Pflanzen und Tiere patentieren lassen oder die die Gegner des Christentums finanzieren und sich selbst bereichern, wie einige islamische Vereine. Einige islamische Vereine bereichern sich durch öffentliche Zuwendungen, gleich "heuchlerischen Betrügern" und finanzieren den Dschihad gegen das Christentum. "Das Hässlichste ist, wenn man keine Liebe zur Tugendhaftigkeit hat, gleichsam geschäftsmäßig sein Sinnen und Trachten voll Unruhe und Sorge auf niederen Erwerb aus gemeinem Handel richtet, im Herzen von Habsucht entbrennt, Tag und Nacht nach der Schädigung fremden Vermögens lechzt, seinen Geist nicht zum Glanz der Tugendhaftigkeit erhebt, seinen Sinn nicht auf die Schönheit wahren Lobes lenkt. Daher die Erbschleichereien unter der Maske der Selbstlosigkeit und der Vornehmheit, doch im Widerspruch mit der christlichen Gesinnung. Denn alles, was künstlich herausgelockt und trügerisch ergattert wird, mangelt des Verdienstes der Ehrlichkeit." Wer an seinem Lebensende steht, soll selbst die Entscheidung haben und frei nach Gutdünken seine letztwilligen Verfügungen treffen, indem er nachher nichts mehr gut machen kann. Wäre es doch sittlich unstatthaft, anderen die bezüglichen Beträge, die ihnen gebühren oder für sie ausgeworfen sind, zu hintertreiben. Wie tugendhaft, dass David des Königs, seines Feindes, obwohl er ihm schaden konnte, lieber schonte! (1 Kön. 24) Wie vorteilhaft aber auch, weil es dem Nachfolger zugute kam, dass alle ihrem König Treue wahren, nicht anmaßend ihre Hand nach der Herrschaft ausstrecken, sondern sie achten lernten! So ward dem Sittlichguten der Vorrang vor dem Nützlichen, dem Nützlichen der Platz nach dem Sittlichguten eingeräumt. Nicht genug, dass er desselben schonte. Er ging noch weiter und betrauerte und beweinte ihn bitterlich, da er im Kriege gefallen war, und klagte: „Ihr Berge von Gelboe, weder Tau noch Regen falle auf euch! Ihr Todesberge! Denn dort ward weggenommen die Schutzwehr der Helden, die Schutzwehr Sauls. Nicht mit Öl und dem Blute der Verwundeten und aus dem Fett der Kriegführenden wurde er gesalbt. Der Pfeil Jonathas kehrte nicht zurück und das Schwert Sauls nicht leer wieder. Saul und Jonathas, die Lieblichen und Liebsten, die Unzertrennlichen im Leben, wurden auch im Tode nicht getrennt. Leichter wie Adler, stärker wie Löwen waren sie. Töchter Israels, weinet über Saul, der euch zu eurem Schmuck hinzu mit Purpur kleidete; der eure Gewänder mit Gold besetzte! Wie fielen doch die Helden inmitten der Schlacht! Jonathas ward tödlich verwundet. Ich trauere über dich, Bruder Jonathas, ein Bild mir von unvergleichlicher Schönheit! Wie Frauenliebe war deine Liebe mir zuteil. Wie fielen die Helden und sind zunichte die Waffen, die begehrenswerten!“(2 Kön. 1, 21 ff.) Welche Mutter würde ihr einziges Kind so beweinen, wie dieser seinen Feind beweinte? Wer würde einem Gönner so hohes Lob spenden, wie dieser es dem Gegner spendete, der nach seinem Haupte fahndete? "Schändlich ist jeglicher Trug. So ist denn selbst im Kleinen falsches Gewicht und trügerisches Maß verabscheuungswürdig. Wenn man aber den Trug auf dem Verkaufsmarkte, bei Handelsgeschäften mit Strafe belegt, kann er im Tugenddienste als unsträflich erscheinen? Salomo ruft aus: „Zu großes und kleines Gewicht und doppeltes Maß sind unrein vor Gott“ (Prov. 20, 10). Auch im vorausgehenden warnte er: „Falsche Wage ist dem Herrn ein Greuel, das rechte Gewicht aber ist ihm genehm“ (Prov. 11, 1). [118] 

Den heuchlerischen Betrüger vergleicht Christus mit einem Fuchs, David mit einem Schermesser. Die Norm der Gerechtigkeit aber ist bekannt: "Es ziemt dem Guten nicht, von der Wahrheit abzuweichen, jemand ungerechten Schaden zuzufügen, irgendwelche Hinterlist damit zu verbinden oder Trug zu ersinnen." Was ist bekannter als das Verhalten des Ananias? Er behielt vom Erlös seines Ackers, den er selbst veräußert hatte, trügerisch etwas zurück und legte einen Teilbetrag des Erlöses für die volle Summe den Aposteln zu Füßen. Es war ihm doch freigestellt, auch nichts anzubieten, und er hätte dies ohne Trug tun können. Aber weil er solchen unterlaufen ließ, trug er keinen Dank für seine Freigebigkeit davon, sondern erntete vielmehr Strafe für seine Falschheit (Apg. 5, 1 ff.). Auch der Herr wies im Evangelium jene, die in Arglist ihm nahten, mit den Worten ab: „Die Füchse haben Gruben“ (Matth. 8, 20); er befiehlt uns nämlich in Einfalt und Unschuld des Herzens zu leben. Desgleichen rügt David: „Wie ein scharfes Schermesser übtest du Trug“ (Ps. 52, 4). Er beschuldigt den Verräter der Bosheit, insofern dieses Instrument wohl zur Verschönerung des Menschen dient, so manchmal aber auch zur Verwundung. [119] 
 

Falsches Schwören; Schwur des Herodes

Ein unehrenhaftes Versprechen, selbst in Eidesform, bindet nicht. So hatte der Schwur des Herodes, das Gelübde des Jephte keine bindende Kraft. Auch ein falscher Schwur, zum Beispiel auf den Koran, wie es von einigen muslimischen Politikern zur Amtseinführung in Europa und den USA praktiziert wird, hat keine bindende Kraft. "Rein und aufrichtig soll die Gesinnung sein. Schlicht sei darum die Rede, die einer vorbringt; in Heiligkeit trage er sein Gefäß (1 Thess. 4, 4); er täusche nicht mit listigen Worten und mache kein unehrenhaftes Versprechen. Und wenn er eines gemacht hat, wäre es erträglicher, es nicht zu halten, als etwas Schändliches zu tun. Häufig bindet sich gar mancher selbst durch einen Eidschwur." Und obschon er merkt, das Versprechen sollte nicht gegeben worden sein, löst er gleichwohl mit Rücksicht auf den Eid das Gelübde ein. Das zeigt der Schwur des Herodes, welcher der Tänzerin ein schimpfliches Versprechen machte und es grausam einlöste. Schimpflich war es, ein Reich für einen Tanz zu versprechen; grausam, um der Heiligkeit des Eides willen den Tod eines Propheten als Geschenk zu bieten. Wie unvergleichlich erträglicher wäre ein Meineid gewesen als ein solcher Eid, wenn man das überhaupt Meineid hätte nennen können, was ein Trunkener bei Wein beschworen, was ein Entmannter beim Reigen der Tanzenden versprochen hatte. Man bringt auf einer Schüssel das Haupt des Propheten herein: und das hielt man für Eidestreue, was nur Ausfluß von Raserei war. Nimmer auch könnte ich zum Glauben bewogen werden, der Feldherr Jephte habe nicht unvorsichtig sein Gelübde gemacht, Gott zu opfern, was immer ihm bei seiner Rückkehr auf der Schwelle seines Hauses begegnen würde. Bereute er doch selbst sein Gelübde, da ihm seine Tochter begegnet war (Richt. 11, 30 ff). So zerriß er denn seine Kleider und klagte: „Wehe mir, o Tochter, du hast mich verwirrt, zum Stachel des Schmerzes bist du mir geworden“. Obschon er aus religiöser Scheu und Angst das bittere Opfer der schmerzlichen Einlösung des Gelübdes brachte, hinterließ er doch selbst für die Folgezeit die Anordnung einer jährlichen Trauerfeier. Ein hartes Gelübde, noch bitterer dessen Erfüllung. Wie musste jener selbst es bedauern, der es machte! So wurde denn folgende Vorschrift und Anordnung für ewige Zeiten erlassen: „Es ergingen sich“, so lautete sie, „die Töchter des Volkes Israel vier Tage im Jahre in Trauer über die Tochter des Galaditers Jephte“. Ich kann den Mann nicht der Schuld zeihen, der sich zur Erfüllung seines Gelübdes verpflichtet hielt. Bedauerlich aber bleibt eine Pflicht, die mit Kindesmord eingelöst wird. Besser kein Gelöbnis als ein Gelöbnis, dessen Erfüllung derjenige, dem es gemacht wird, nicht wünschen kann. So haben wir denn an Isaak ein Beispiel hierfür, indem der Herr statt seiner das Opfer eines Widders sich ausbedingte (Gen. 22, 11 ff.). Nicht immer darf jedwedes Versprechen eingelöst werden. So ändert auch der Herr selbst häufig sein Urteil, wie die Schrift bezeugt. Auch in jenem Buche, das den Titel Numeri trägt, hatte er sich vorgenommen, über das Volk Tod und Untergang zu verhängen, ließ sich aber nachher auf Bitten des Moses mit seinem Volke wieder versöhnen (Num. 14, 11 ff.). Und wiederum sprach er zu Moses und Aaron: „Sondert euch ab von dieser Gemeine, und ich will sie mitsammen vertilgen“ (Num. 16, 21). Während sie sich von der Rotte entfernten, teilte sich plötzlich die Erde mit tiefem Spalt und verschlang den Dathan und Abiron, die gottlosen (Num. 16, 31 ff.).  [120] 

Herrlicher und älter ist das obige Beispiel von der Tochter Jephtes als das in philosophischen Kreisen gerühmte von den zwei Pythagoreern. Der eine von ihnen nämlich bat, als er vom Tyrannen Dionysius zum Tode verurteilt war, am festgesetzten Todestage um die Erlaubnis, nach Hause gehen zu dürfen, um für die Seinigen noch Sorge zu treffen. Um nun die Glaubwürdigkeit seiner Rückkehr außer Zweifel zu setzen, stellte er einen Todesbürgen mit dem Anerbieten, dass, falls er selbst zum bestimmten Termin nicht da wäre, sein Bürge die Verpflichtung anerkenne, für ihn zu sterben. Der bestellte Bürge lehnte auch die Bürgschaft, wie sie lautete, nicht ab und harrte standhaft des Tages der Hinrichtung. Der eine Freund kannte kein Sichweigern, der andere kehrte auf den Tag zurück. Das war etwas so Wundervolles, dass der Tyrann sie zu Freunden annahm, deren Leben er eben aufs äußerste gefährdete. Diesen Stoff verarbeitete Schiller in seiner Ballade "Die Bürgschaft". [121] 
 

Eine sittliche Forderung war es ja, zu verhindern, dass das Gottesvolk einem unheiligen Kult sich ergab; Judith als eine sieghafte Streiterin für das Sittlichgute und eben darum für das Nützliche

"Sieh, da kommt dir Judith entgegen, die wunderbare, da sie dem Holofernes naht, dem Schrecken der Völker, umgeben von der siegreichen Heerschar der Assyrer. Erst berückte sie ihn mit dem Zauber ihrer Gestalt und der Anmut ihres Gesichtes, sodann bestrickte sie ihn mit der Lieblichkeit ihrer Rede. Ihr erster Triumph bestand darin, dass sie ihre Reinheit unversehrt aus dem Zelte des Feindes zurückbrachte; der zweite darin, dass sie als Weib über einen Mann den Sieg davontrug, durch ihren Entschluß Völker in die Flucht schlug (Jud. c. 10 ff.). Schrecken überkam die Perser ob ihrer Kühnheit. Fürchtete sie doch keine Todesgefahr, was man freilich auch an jenen beiden Pythagoreern bewundert, aber auch keine Gefahr für ihre Reinheit, was edlen Frauen schwerere Sorge macht. Sie kannte keine Angst vor dem Schwertstreich eines einzelnen Schergen, aber auch keine vor den Geschossen eines ganzen Heeres. Eine Frau, stand sie mitten unter Kriegerscharen, unter sieghaften Waffen, dem Tode ruhig ins Auge schauend. Anbetrachts der riesigen Gefahr war ihr Gang ein Todesgang, anbetrachts des Glaubens ein Waffengang. Dem Sittlichguten galt Judiths Schritt, und sie erzielte, da sie ihn ausführte, zugleich das Nützliche. Eine sittliche Forderung war es ja, zu verhindern, dass das Gottesvolk einem unheiligen Kult sich ergab; dass es seine väterlichen Bräuche und heiligen Geheimnisse entweihte; dass es seine heiligen Jungfrauen, ehrwürdigen Witwen, keuschen Frauen der Unreinheit der Barbaren preisgab; dass es seine Belagerung mit der Übergabe beendigte. Eine sittliche Forderung war es, lieber für alle Gefahr zu laufen, um alle aus der Gefahr zu erretten. Wie muss es doch etwas unvergleichlich Erhabenes um das Sittlichgute sein, dass ein Weib über die wichtigsten Dinge zu einem Plane sich entschließt, ohne ihn den Ältesten des Volkes zu unterbreiten! Wie muss es etwas unvergleichlich Erhabenes um das Sittlichgute sein, dass es Gott als Helfer voraussetzen durfte! Wie muß es etwas unvergleichlich Gnadenvolles darum sein, dass es ihn als Helfer fand!" - St. Ambrosius, De off. III, 13
Das Verhalten des Elisäus gegen die gefangenen Syrer, sowie das des Täufers und der Susanna bestätigen, dass das Sittlichgute und Nützliche unzertrennliche Begriffe sind. Was anderem aber als dem Sittlichguten ging Elisäus nach, als er das syrische Heer, das zu seiner Belagerung erschienen war, gefangen nach Samaria führte? (2 Kön. 6, 8 ff.) Er hatte dessen Augen mit Blindheit geschlagen und bat: „Herr, öffne ihnen die Augen, dass sie sehen! Und sie sahen“ (2 Kön. 6, 20). Als nun der König von Israel die eingetretenen Syrer niedermetzeln wollte und vom Propheten die Erlaubnis dazu sich erbat, verbot dieser das Gemetzel, nachdem er ihre Gefangennahme nicht durch Kriegsgewalt und -waffen bewirkt hatte, sondern befahl, sie lieber durch Lebensmittelreichung zu unterstützen. So glaubten denn auch die syrischen Piraten, die reichlich mit Speisen erquickt worden waren, nie mehr neuerdings ins Land Israel einfallen zu sollen“ (2 Kön. 6, 21 ff). Denn auch die heilige Judith machte durch die schickliche Hintansetzung ihres eigenen Wohls der Gefahr der Belagerung ein Ende und verschaffte durch ihre Tugendhaftigkeit der Allgemeinheit Nutzen. Und für Elisäus war es ruhmvoller, dass er Verzeihung angedeihen als ein Blutbad anrichten ließ; und er stiftete dadurch den größeren Nutzen, dass er die gefangenen Feinde am Leben erhielt. Was anders aber hatte Johannes im Auge als das Sittlichehrbare, so dass er selbst beim Könige kein unehrbares Ehebündnis dulden mochte und sprach: „Es ist dir nicht erlaubt, jene zur Gattin zu haben“? (Matth. 14, 4) Er konnte schweigen, hätte es ihm nicht für unziemlich geschienen, aus Furcht vor dem Tode die Wahrheit nicht zu sagen, dem prophetischen Ansehen dem Könige gegenüber etwas zu vergeben und seinem Verhalten den Anschein von Schmeichelei zu geben. Er wusste recht wohl, dass ihm der Widerstand gegen den König das Leben kosten werde, aber er zog die Tugendhaftigkeit dem Leben vor. Und doch, was hätte größeren Nutzen gebracht als ein Verhalten, das dem heiligen Mann den Ruhm des Martyriums eintrug? So auch die heilige Susanna, als sie die schauerliche Kunde von dem falschen Zeugnisse vernommen hatte. Da sie sich einerseits von Gefahr, andrerseits von Schande bedrängt sah, wollte sie lieber durch einen ehrenvollen Tod der Schande entgehen, als aus Sorge um ihr Wohl ein schimpfliches Leben führen und ertragen. Indem sie sich nun der Ehrenhaftigkeit befleißigte, rettete sie zugleich das Leben (Dan. 13, 22 ff.). Hätte sie einem Scheinvorteil für das Leben den Vorzug gegeben, hätte sie keinen so großen Ruhm erlangt. Ja vielleicht wäre ein solches Verhalten, das nicht bloß keinen Vorteil, sondern sogar eine Gefahr in sich barg, der Strafe des Verbrechens nicht entronnen. So sehen wir denn, dass das Schimpfliche nicht nützlich, und umgekehrt das Ehrbare nicht schädlich sein kann; denn das Nützliche hat das Ehrbare und das Ehrbare das Nützliche zum unzertrennlichen Begleiter. [122] 
"Wie? hat nicht die Königin Esther zur Rettung ihres Volkes aus Gefahr sich dem Tode ausgesetzt ohne Furcht vor der Wut des grausamen Königs? (Esth. 4, 11 ff.; 5, 1 ff.) Eine schöne und gute Tat! Selbst auch der grimme und stolze Perserkönig hielt es für schicklich, dem Manne, der die Nachstellungen aufgedeckt hatte, die ihm bereitet wurden, Gnade widerfahren zu lassen, das freie Volk von der Knechtschaft zu entbinden, vom Tode zu erretten und keine Schonung gegen den zu üben, der so Unziemliches geraten hatte. So überantwortete er denn den Würdenträger, der die zweite Stelle nach ihm einnahm und unter allen Freunden den Vortritt hatte, dem Kreuzestod, weil er seine Ehre durch dessen hinterlistige Ratschläge mit Schmach bedeckt sah (Esth. 6 f.)." - St. Ambrosius, De off. III, 21 

Freundschaft

Nichts also darf dem Sittlichguten vorgezogen werden. dass man sogar im Interesse der Freundschaft nicht davon abgehen darf, auch das lehrt die Schrift über die Freundschaft. Von den Philosophen nämlich werden so manche Fragen aufgeworfen: ob einer aus Willfährigkeit gegen den Freund um des Freundes willen Anschläge wider das Vaterland machen dürfe oder nicht? Ob er in der Rücksicht und Absicht, dem Freunde Vorteile zu verschaffen, wortbrüchig werden solle? Wohl sagt die Schrift: „Keule und Schwert und ein eiserner Pfeil, so ist der Mensch, der falsches Zeugnis ablegt wider seinen Freund“ (Prov.. 25, 18). Doch bedenke, was sie sagen will! Nicht die Zeugenaussage gegen den Freund, sondern nur das falsche Zeugnis tadelt sie. Denn wie? wenn jemand um der Sache Gottes willen, wie? wenn er um der Sache des Vaterlandes willen gezwungen wäre, Zeugnis abzulegen? Darf etwa die Freundschaft der Gottesfürchtigkeit, darf sie der Liebe zu den Mitbürgern vorgehen? Doch muss auch in diesen Fällen auf der Forderung der Wahrheit des Zeugnisses bestanden werden, damit nicht der Freund infolge der Treulosigkeit des Freundes gerichtlich belangt werde, statt durch dessen Treue losgesprochen zu werden. So darf denn der Freund einerseits dem schuldigen Freunde nicht zuhalten, andrerseits gegen den schuldlosen nicht hinterhältig sein. Ist man wirklich, wenn man am Freunde einen Fehler gewahrt, als Zeuge hierüber zu sprechen gezwungen, übe man insgeheim Zurechtweisung. Will er nicht hören, weise man ihn offen zurecht. Denn Zurechtweisungen sind gut und so manchmal besser als stumme Freundschaft. Und sollte sich der Freund auch verletzt fühlen: du weis ihn dennoch zurecht! Und wenn das Bittere der Zurechtweisung seinem Herzen wehe tut: du weis ihn dennoch zurecht und fürchte nicht! Denn „erträglicher sind Freundeswunden als Schmeichlerküsse“ (Prov.. 27, 6). Den irrenden Freund weis sonach zurecht, den unschuldigen Freund laß nicht im Stich! Denn die Freundschaft muss fest, in der Liebe beständig sein. Wir dürfen nicht nach Kinderart schwankenden Urteils die Freunde wechseln. Öffne dem Freunde dein Herz, dass er dir treu sei, und du süße Lebenslabe von ihm schöpfest! Denn „ein treuer Freund ist Arznei des Lebens und Unsterblichkeitsgenuß“ (Ekkli. 6, 16). Komm dem Freunde wie deinesgleichen entgegen und schäme dich nicht, dem Freunde mit deinem Dienste zuvorzukommen! Denn die Freundschaft kennt keine Selbstüberhebung. Daher des Weisen Mahnung: „Einen Freund zu grüßen, schäme dich nicht!“(Ekkli. 22, 31) Laß den Freund nicht im Stich und verlaß ihn nicht und versage ihm nicht deine Hilfe! Denn Freundschaft ist des Lebens Stütze. [123] 

Eines ist klar: Nimmer darf dem wahren Glauben um der Freundschaft willen Eintrag geschehen. "Denn niemand kann eines Menschen Freund sein, der Gott die Glaubenstreue bricht." Da die Sarazenen oder Muslime dem wahren Gott die Treue versagen, können sie auch nicht wirkliche Freunde der Christen werden. Eine Hüterin der Liebe ist die Freundschaft und eine Lehrerin der Gleichheit. Der Höhere soll dem Niedereren, der Niederere dem Höheren gegenüber sich gleich fühlen. Denn bei Ungleichheit im Verhalten kann es keine Freundschaft geben; holde Übereinstimmung muss zwischen beiden herrschen. Dem Niedereren soll es, wenn es die Sache fordert, nicht an Ansehen, dem Höheren nicht an Demut fehlen: er höre ihn wie seinesgleichen, wie einen Altersgenossen an! Jener aber mahne, tadle als Freund, nicht in hochmütiger Absicht, sondern in liebevoller Gesinnung! Die Mahnung soll nicht bitter, der Tadel nicht kränkend sein. Denn Freundschaft soll ebensosehr von Anmaßung sich frei halten als Schmeichelei fliehen. Was ist denn auch der Freund anders als ein Genosse der Liebe, an den man sein Herz hängt und schmiegt; mit dem man es so verschmilzt, dass man aus zweien eins machen möchte; dem man sich wie einem zweiten Ich anvertraut; von dem man nichts fürchtet, nichts Unrechtes um des eigenen Vorteils willen verlangt? Keine Geldquelle ist Freundschaft, sondern ein Füllhorn des Schicklichen, ein Füllhorn des Anmutigen. Eine Tugend ist die Freundschaft, keine Erwerbsquelle. Denn nicht um Geld, sondern um Liebe, nicht mit gesteigertem Preisangebot, sondern mit wetteiferndem Wohlwollen wird sie erworben. So sind denn auch meist die Freundschaften zwischen Unbemittelten besser als die zwischen Vermöglichen. Und häufig haben Reiche keine Freunde, während Arme eine übergroße Zahl besitzen Denn es gibt keine Freundschaft, wo falsche Schmeichelei herrscht. Gerade die Reichen haben so gern ihre Liebediener, die ihnen schmeicheln: gegen den Armen spielt niemand den Heuchler. Jedes Entgegenkommen gegen den Armen beruht auf Wahrheit; die Freundschaft mit ihm erregt keinen Neid. Was ist köstlicher denn Freundschaft, deren Band Engel und Menschen gemeinschaftlich verknüpft? Daher die Mahnung des Herrn Jesus: „Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, die euch in die ewigen Wohnungen aufnehmen!“ (Luk. 16, 9) Gott selbst macht uns aus armseligen Dienern zu Freunden, wie er selbst beteuert: „Nunmehr seid ihr meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch gebiete“(Joh. 15, 14). Er gab damit die Norm der Freundschaft, die wir zu befolgen haben: wir sollen dem Freund zu Willen sein; alle unsere Heimlichkeiten, die wir in der Brust tragen, dem Freunde erschließen und auch in seine Geheimnisse nicht uneingeweiht bleiben. Eröffnen wir ihm unser Herz, mag auch er uns das seinige erschließen. Daher „nannte ich euch Freunde“, versichert er, „weil ich alles, was ich von meinem Vater gehört, euch kundgetan habe“ (Joh. 15, 15). Nichts verheimlicht der Freund, wenn er ein wahrer Freund ist. Er schüttet sein Herz aus (Ps. 62, 9), wie der Herr Jesus es mit den Geheimnissen des Vaters machte. Wer also Gottes Gebote beobachtet, der ist sein Freund und verdient diesen Ehrennamen. Wer eines Sinnes mit ihm ist, der ist sein Freund; denn Freunde haben nur einen Sinn. Und niemand ist verächtlicher, als wer die Freundschaft verletzt. Als das schwerste Unrecht am Verräter, dessentwegen er seine Ruchlosigkeit verurteilte, fand der Herr gerade dies, dass er nicht Wohlwollen mit Wohlwollen erwiderte und ins Gastmahl der Freundschaft das Gift des Übelwollens mischte. Daher sein Vorwurf: „Du aber, Mann eines Sinnes mit mir, mein Führer und Vertrauter, der du stets süße Speisen mit mir genossest!“ (Ps. 55, 14 f.) Das heißt: das ist unerträglich, dass du, der eines Sinnes mit mir war, nun gegen den losgehst, der dir nur Wohlwollen geschenkt hatte. „Denn wenn mein Feind mich geschmäht hätte, hätte ich es immerhin ertragen; und vor meinem Hasser würde ich mich verbergen“ (Ps. 55, 13) Dem Feinde lässt sich aus dem Wege gehen, dem Freunde nicht, wenn er einem nachstellen will. Vor jenem, den wir in unsere Absichten nicht einweihen, können wir uns in acht nehmen, vor diesem nicht, den wir eingeweiht haben. Um daher das Gehässige der Judas-Sünde in seiner ganzen Größe zu zeigen, sprach er nicht: du aber, „mein Diener, mein Apostel“, sondern: „eines Sinnes mit mir“, das heißt: nicht mein, sondern zugleich dein Verräter bist du, nachdem du den verraten, der eines Sinnes mit dir war. [124] 
 

Die drei Arten der Philosophie: Natur-, Moral-, Vernunftphilosophie

Die drei Arten der Philosophie: Natur-, Moral-, Vernunftphilosophie kennt und lehrt schon das Alte Testament, ferner das Neue Testament, im besonderen das Lukasevangelium. Welche Art von Weisheit hätte desgleichen den Evangelisten gefehlt? Sie weisen wohl von den verschiedenen Arten derselben reichen Ertrag auf, doch tut jeder wiederum in einer anderen Art sich besonders hervor. So enthält sicherlich die nach Johannes betitelte Evangeliumschrift Naturphilosophie. Denn niemand sonst, wage ich zu behaupten, hat mit so erhabener Weisheit die Majestät Gottes geschaut und in eigenartiger Sprache uns erschlossen. Er schwang sich auf über die Wolken, schwang sich auf über die Kräfte des Himmels, schwang sich auf über die Engel und fand „im Anfang das Wort  und schaute „das Wort bei Gott". Wer aber hätte in höherem Grade die dem Menschen entsprechenden Lebensvorschriften bis ins einzelne unter dem Gesichtspunkt des Sittlichen erforscht und uns schriftlich vorgelegt als der hl. Matthäus? Was wäre wegen ihrer wunderbaren Verbindung vernunftgemäßer als die Verse, die der hl. Markus sogleich an den Anfang stellen zu müssen glaubte: „Sieh, ich sende meinen Engel"  und: „die Stimme des Rufenden in der Wüste"? (Mark. 1, 2. 3) [125] 

Der heilige Lukas hat dagegen eine Art geschichtliche Anordnung eingehalten und uns eine größere Anzahl wunderbarer Begebenheiten aus der Lebensgeschichte des Herrn bekannt gegeben, doch so, dass die Geschichte dieses seines Evangeliums die Vorzüge der ganzen Weisheitslehre in sich schließt. Denn welche erhabenere Wahrheit kennt die Naturphilosophie als die von ihm mitgeteilte Tatsache, es sei der Heilige Geist auch Schöpfer der Menschwerdung des Herrn gewesen? (Luk. 1, 35). In die Naturwahrheiten schlägt sonach seine Lehre von der schöpferischen Wirksamkeit des Heiligen Geistes ein. Darum trägt auch David Naturphilosophie vor, wenn er sagt: „Sende aus Deinen Geist und sie werden erschaffen werden (104, 30). Die Lehre vom Sittlichen vertritt Lukas in der gleichen Schrift, indem er uns in jenen Seligpreisungen (Luk. 6, 20 ff.) sittliche Unterweisungen erteilt, wie man den Feind lieben müsse (Luk. 6, 27. 35), wie man dem tätlichen Angreifer nicht Hieb und Schlag zurückgeben dürfe (Luk. 6, 29), wie man Gutes tun, Darlehen geben müsse ohne Aussicht auf Rückerstattung und mit Aussicht auf die göttliche Lohnvergeltung (Luk. 6, 34 f.); denn leichter fällt einem der Lohn zu, wenn man ihn nicht erwartet. Auch in Vernunftwahrheiten unterwies er uns, wenn wir lesen, dass der, „welcher treu ist im Kleinsten, auch in bezug auf Größeres treu ist" (Luk. 16, 10). Was soll man noch hinsichtlich der Naturwahrheiten an seine Lehre erinnern, die Kräfte der Himmel würden erschüttert (Luk. 21, 26; Mark. 13, 24 f.), der Herr der Sonnen sei Gottes eingeborener Sohn, bei dessen Leiden bei Tag Finsternis entstanden sei, die Erde in Dunkel sich gehüllt, die Sonne sich verborgen habe?(Luk. 23, 24 f.) [126] 

Nach Ambrosius, Cusanus, Thomas von Aquin und anderen kann man sagen, "der ganze Vorrang also, den sich die weltliche Weisheit fälschlich anmaßt, gebührt in Wahrheit der geistlichen Weisheit. Kann doch, um eine etwas kühne Wendung zu gebrauchen, selbst unser Glaube, selbst das Trinitätsgeheimnis nicht ohne die dreifache Weisheitslehre gedacht werden: ohne den Glauben an jenen, der von Natur der Vater ist, der uns den Erlöser erzeugt hat, und an jenes sittliche Ideal, den Sohn, der als Mensch dem Vater bis zum Tode gehorsam (Phil. 2, 8) uns erlöst hat, und an jenen vernünftigen Geist, welcher der Menschenbrust die vernünftige Gottesverehrung und Lebensführung eingesenkt hat. Niemand glaube, wir hätten damit einen Unterschied zwischen ihrer Macht und Kraft gemacht, eine Verdächtigung, mit der er doch ebensogut einen Paulus begeifern könnte! Denn auch dieser machte keinen Unterschied, da er sprach: „Es gibt Unterschiede der Gnadengaben, aber es ist derselbe Geist; und es gibt Unterschiede der Ämter, aber es ist derselbe Herr; und es gibt Unterschiede in den Wirkungen, aber es ist derselbe Gott, der alles in allen wirkt  (1 Kor. 12, 4-6). Alles und in allen wirkt nämlich der Sohn, wie man auch an einer anderen Stelle liest: „Alles und in allen ist Christus (Kol. 3, 11). Es wirkt aber auch der Heilige Geist; denn „alles wirkt ein und derselbe Geist, einem jeden zuteilend, wie er will" (1 Kor. 12, 11). [127] 
 

Wahre und falsche Propheten, Vom Mottenfraß der Häresie, Antichrist

Die Geschichte unserer Zeit weist in ihrer Entwicklung vielfach die gleichen Erscheinungen und Ursachen auf wie die altjüdische, teilt mit ihr analoge Vorgänge, die den gleichen Lauf und Verlauf nehmen, hat Geschehnisse mit ihr gemeinsam, die sich vom Anfang bis zum Ende ähneln. Wie nämlich viele in jenem Volk auf Eingebung des göttlichen Geistes geweissagt haben, andere hingegen nur sich "anheischig machten zu weissagen und ihren Beruf durch Lügenhaftigkeit herabwürdigten, sie waren mehr Pseudopropheten als Propheten", wie Ananias, der Sohn Azots oder Azor  (Jer. 28, 1 ff.) und später Mohammed und seine Sarazenen; das Volk aber besaß die Gabe der Unterscheidung der Geister (Deut. 18, 21 f.), um zu erkennen, welche es zur Zahl der Propheten rechnen, "welche es dagegen gleich einem tüchtigen Münzkontrolleur für unecht erklären solle, nachdem an ihnen mehr die trübe Farbe eines falschen Münzstückes denn das Blinken echten Metallglanzes hervorträte, so haben wir dieselbe Erscheinung auch jetzt noch im Neuen Testament: Viele haben versucht, Evangelien zu schreiben, welche die guten Münzkenner als unecht befunden haben. Nur eines aber, in vier Büchern dargestellt, glaubten sie aus allen als echt auswählen zu müssen." Viele Bücher, die herauskamen stammten von falschen Propheten, wie später der Koran auch. Auch andere Evangeliien sind im Umlauf, zum Beispiel Evangelien nach Basilides, nach Thomas, nach Matthias. "So manche auch haben diejenigen Abschnitte aus den vier Evangelienschriften, die ihrer Meinung nach mit dem Gift ihrer Lehren übereinstimmten, zu einem Ganzen vermengt."  [128] 
"Ja nur versucht  haben sie’s, die nichts zu Ende führen konnten. dass viele daran gegangen, aber nicht zu Ende gekommen sind, bezeugt nun mehr denn hinlänglich auch der heilige Lukas, indem er hervorhebt, gar viele hätten den Versuch gemacht. Wer es nämlich bloß zum Versuch einer geordneten Darstellung brachte, setzte nur sein eigenes Mühen ein und brachte nichts zu Ende; denn die Charismen und die Gnade Gottes belassen es nicht beim bloßen Versuch. Diese pflegt vielmehr den Geist des Schriftstellers im Augenblick, da sie sich in ihn ergießt, zu befruchten, so dass er nicht darbt, sondern reichlich überquillt. Nicht beim Versuche blieb ein Matthäus stehen, nicht beim Versuch ein Markus, nicht beim Versuch ein Johannes, nicht beim Versuch ein Lukas, sondern kraft des göttlichen Geistes, der ihnen die Fülle aller Aussprüche und Taten des Herrn darbot, führten sie das Begonnene ohne alle Anstrengung zu Ende. Darum fügt nun Lukas passend hinzu: „Weil denn viele versucht haben, eine geordnete Darstellung von den Tatsachen zu geben, die in uns erfüllt worden sind , bezw.: „die in uns in Fülle vorhanden sind ." - St. Ambrosius, sup. Luc. I, 3 
Was nämlich in Fülle da ist, dessen mangelt niemand, und was in Erfüllung gegangen, das bezweifelt keiner, weil die Verwirklichung Glaubwürdigkeit begründet, der schließliche Ausgang sie offen dartut. So ist nun das Evangelium eine erfüllte Tatsache und strömt in seiner Überfülle über auf alle Gläubigen auf dem ganzen Erdkreise und befruchtet den Geist und bestärkt den Sinn aller. Mit Recht hebt darum der Evangelist, der „im Felsen Christus" gründend (Luk. 6, 48) die ganze Fülle des Glaubens (Hebr. 10, 22) und die Kraft der Standhaftigkeit in sich aufgenommen, hervor: „die in uns erfüllt worden sind". Denn nicht mit Zeichen und Wundern, sondern durch das Wort scheiden diejenigen das Wahre und Falsche auseinander, welche die Heilsgeschichte des Herrn darstellen, oder welche ihren Sinn auf das Wunderbare an ihm hinlenken. Denn was wäre so vernünftig als der Glaube, dass die Werke übermenschlicher Art, von denen man liest, Wirkungen einer höheren Natur sind, oder aber der Glaube, dass das Sittliche, von dem man liest, das Erlebnis einer wirklich angenommenen Menschheit ist? So gründet denn unser Glaube in Wort und Vernunft, nicht in Wunderzeichen. [129] 

Wie es uns diejenigen überliefert haben, die von Anfang an selbst Augenzeugen und Diener des Wortes gewesen sind (Luk. 1, 2). Dieser Satz will nicht sagen, dass wir mehr Wert auf den Dienst als auf das Anhören des Wortes legen sollen. Es wird vielmehr damit überhaupt nicht das gesprochene Wort, sondern jenes wesenhafte Wort bezeichnet, das „Fleisch geworden ist und unter uns gewohnt hat" (Joh. 1, 14) . Darum wollen wir darunter auch nicht das Wort im gewöhnlichen Sinn, sondern jenes himmlische verstehen, in dessen Dienst die Apostel standen. Es steht indes im Buche Exodus zu lesen: „Das Volk sah die Stimme des Herrn" (Exod. 20, 18). Die Stimme sieht man doch nicht, sondern man hört sie. Denn was ist die Stimme anders als ein Laut, den man nicht mit Augen sieht, sondern nur hört. Demgegenüber war es Moses zu tun, gar tiefsinnig zu erklären, wie Gottes Stimme sich schauen lasse; mit des Geistes Auge im Innern nämlich lasse sie sich schauen. Im Evangelium hingegen schaut man nicht die Stimme, sondern jenes Wort, das vorzüglicher ist denn die Stimme. Darum versichert auch der heilige Evangelist Johannes: Was von Anfang war, was wir gehört und was wir gesehen, mit eigenen Augen geschaut und unsere Hände geprüft haben vom Worte des Lebens: und das Leben ist offenbar geworden, und wir haben es geschaut und bezeugen und verkündigen euch vom Leben, welches beim Vater war und uns erschienen ist. Du siehst also, wie die Apostel das Wort Gottes sowohl schauten wie hörten. Sie schauten nämlich den Herrn nicht bloß als Menschen, sondern auch als das Wort: sie, die mit Moses und Elias die Herrlichkeit des Wortes schauten (Matth. 17, 1 ff.), schauten das Wort; denn nur die, welche im Lichte der eigenen Verklärung schauten, vermochten Jesus zu schauen, andere schauten ihn nicht: sie vermochten nur seinen Leib zu sehen; denn nicht mit leiblichem, sondern mit geistigem Auge wird Jesus geschaut. [130] 

So schauten denn die Juden Jesus nicht, obschon sie ihn sahen. Es schaute ihn aber Abraham; denn es steht geschrieben: „Abraham hat meinen Tag geschaut und frohlockt" (Joh. 8, 56). Es schaute ihn Abraham, obschon er doch den Herrn nicht im Leibe gesehen. Doch da er ihn im Geiste schaute, schaute er ihn auch im Leibe; wer ihn aber nur leiblich sah und nicht geistig schaute, der schaute im Leibe nicht, was er sah. Es schaute ihn Isaias und schaute ihn, weil er ihn im Geiste schaute, auch im Leibe: Nicht hatte er, so sprach er denn, seine Gestalt noch Schönheit (Is. 53, 2). Nicht schauten ihn die Juden; denn „verblendet war ihr törichtes Herz" (Mark. 6, 52). Er selbst auch bezeugt die Unfähigkeit der Juden, ihn zu schauen, mit den Worten: „Blinde Führer, die ihr Mücken seihet und Kamele verschluckt!" (Matth. 23, 24) Denn hätten sie ihn geschaut, würden sie nimmermehr den Herrn der Herrlichkeit gekreuzigt haben (1 Kor. 2, 8). Wer also Gott schaute, schaute auch den Emanuel, d. i. er schaute den Gott-mit-uns (Matth. 1, 23; vgl. Is. 7, 14); wer aber den Gott-mit-uns nicht schaute, konnte den nicht schauen, den die Jungfrau geboren. Dies betrifft heute vor allem die Arianer und Muslime. [131] 

"Was heißt nun ‚Gott schauen? Frag das Evangelium, frag den Herrn selbst! Vielmehr vernimm gleich seine Antwort: „Philippus, wer mich geschaut, hat auch den Vater geschaut, der mich gesendet hat. Wie kannst du sprechen: zeige uns den Vater? Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und der Vater in mir ist? (Joh. 14, 9 f.) Kein Körper kann doch in einem anderen, kein Geist in einem anderen geschaut werden: indes jener Vater allein wird im Sohn geschaut, bezw. dieser Sohn im Vater geschaut; denn Unähnliches läßt sich nicht in Unähnlichem schauen, vielmehr kann nur unter der Voraussetzung der Einheit des Wirkens und der Kraft der Sohn im Vater und der Vater im Sohne geschaut werden. „Die Werke, die ich vollbringe, versichert er, vollbringt auch jener (Joh. 5, 19). In den Werken wird Jesus geschaut, in den Werken des Sohnes auch der Vater wahrnehmbar. Der schaute Jesus, der jenes Geheimnis in Galiläa schaute, weil ja niemand ausser dem Herrn der Welt Elemente verwandeln konnte (Joh. 2, 9. 11). Ich schaue Jesus, wenn ich lese, wie er einen Blinden die Augen mit Erde bestrich und das Augenlicht zurückgab (Joh. 9, 6); denn ich erkenne den wieder, der den Menschen aus Erde bildete und ihm den Geist des Lebens, das Licht der Augen eingoß. Ich schaue Jesus, da er Sünden vergibt; denn niemand kann Sünden nachlassen als Gott allein (Mark. 2, 5. 7). Ich schaue Jesus, da er den Lazarus auferweckt (Joh. 11, 43 f.), während ihn die Augenzeugen nicht schauten. Ich schaue Jesus, schaue desgleichen den Vater, da ich die Augen zum Himmel erhebe, nach den Meeren wende, zur Erde zurücklenke;  „denn was an ihm unsichtbar ist, wird in den geschaffenen Dingen geistig wahrgenommen" (Röm. 1, 20)." - St. Ambrosius, sup. Luc. I, 7  
"Adressiert aber ist das Evangelium an Theophilus, d. i. den Gottgeliebten. Wenn du Gott liebst, ist es an dich geschrieben; wenn es an dich geschrieben ist, nimm das Geschenk des Evangelisten hin! Bewahre des Freundes Pfand im Inneren des Herzens! „Bewahre die schöne Hinterlage durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist (2 Tim. 1, 14), betrachte sie häufig, erwäge sie oftmals! Treue gebührt vor allem dem Pfande; der Treue folgt Sorgfalt, dass nicht Motte oder Rost die dir anvertrauten Pfänder verzehre (Matth. 6, 19 f.); denn verzehrbar ist, was dir anvertraut ist. Das Evangelium ist ein schönes Pfand, doch sieh zu, dass nicht in deinem Herzen Motte oder Rost es verzehren! Mottenfraß ist’s, wenn du der guten Lektüre schlechten Glauben schenkst." - St. Ambrosius, sup. Luc. I, 12
Wer sind die Motten? "Eine Motte ist der Häretiker, eine Motte Photinus, eine Motte für dich Arius. Es zernagt das Kleid der Gottheit, wer das Wort von Gott trennt." Es zernagt das Kleid Photinus,  "es zernagt das Kleid, wer Christus von Gott trennt. Es zernagt das Kleid, wer liest: „Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich erkennen, den alleinigen wahren Gott (Joh. 17, 3), wenn er nicht auch Christus erkennt. Denn nicht allein den Vater wahrhaft als Gott erkennen, ist ewiges Leben, sondern auch Christus als wahren Gott erkennen, als den Wahren vom Wahren, als Gott von Gott, ist unsterbliches Leben. Mottenfraß ist’s, Christus erkennen zu wollen ohne den Glauben an seine Gottheit oder ohne das Geheimnis seiner Menschheit. Eine Motte ist Arius, eine Motte ist Sabellius. Diese Motten duldet nur der Geist der Glaubensschwachen. Diese Motten duldet nur der Geist, der nicht glaubt, dass der Vater und der Sohn eins sind in der Gottheit. Das Schriftwort: „Ich und der Vater sind eins" (Joh. 10, 30) zernagt, wer das „eins durch die Annahme verschiedener Wesenheiten teilt. Diese Motte duldet nur der Geist, der nicht glaubt, dass Christus im Fleische gekommen ist (1 Joh. 4, 2): und er selbst ist eine Motte; denn er ist ein Antichrist (1 Joh. 4, 3). Die aber aus Gott sind, halten am Glauben fest und können darum die Motte nicht dulden, die das Kleid zerteilt. Denn alles, was unter sich geteilt ist, wie des Satans Reich, kann nicht ewig sein (Matth. 12, 25 f)." wer also "Christus von Gott trennt" wie die Arianer und Mohammedaner, ist nach Ambrosius eine Motte und ein Antichrist. [132] 

Eine "Dunstschicht des Unglaubens" durch Materialismus und Islamismus, die sich mehr und mehr ausbreitet, auch an europäischen und amerikanischen Universitäten, lässt die Seele rosten. "Es gibt auch einen Rost der Seele, wenn der scharfe Stahl des religiösen Eifers von der Kruste weltlicher Begierden belegt oder des Glaubens Reinheit von der Dunstschicht des Unglaubens getrübt wird. Ein Rost des Geistes ist die Begierde nach Hab und Gut; ein Rost des Geistes ist die Lauheit; ein Rost des Geistes ist ein Streben nach Würden, wenn man hierin das höchste Hoffnungsideal des gegenwärtigen Lebens setzt. Darum laßt uns, dem Göttlichen zugewendet, den Geist schärfen, die Begeisterung entflammen, dass wir jenes Schwert, das der Herr um den Erlös des Rockes zu kaufen heißt (Luk. 22, 36), stets bereit und blank gleichsam in der Scheide des Geistes verwahrt zu halten vermögen! Denn die geistigen, tapfer „für Gott kämpfenden Waffen zur Zerstörung von Bollwerken“ (2 Kor. 10, 4) müssen den Streitern Christi stets zur Hand sein, damit nicht der Führer der himmlischen Heerschar (Jos. 5, 13 f.; Luk. 2, 13) bei seiner Ankunft über den Zustand unserer Waffen aufgebracht wird und uns vom Verband seiner Legionen ausschließt."  [133] 
 
 

Anmerkungen

[1] Vgl. Kurs Nr. 564 St. Augustinus, Akademie der Kunst und Philosophie
[2] „So kam es, dass ich, bevor ich lernte, anfing zu lehren. Lernen und lehren zugleich musste ich sonach, da mir zu einem vorausgängigen Lernen keine Zeit erübrigte.“ (Ambrosius, De off. I 1, 4);.zu den Arianern vgl. Kurs Nr. 570 Hilarius von Poitiers, Ib.
[3] Vgl. Kurs Nr. 564 St. Augustinus, So trug er kein Bedenken, zum Loskaufe von Gefangenen einmal die heiligen Gefäße der Kirche zu verkaufen, was freilich einigen Unwillen in Mailand erregte. (De off. II 28, 136)
[4] Ib.
[5] zu: "Diese Pflicht als Christen zu agieren, fehlt den heutigen Politikern und auch einigen Kirchenvertretern, die das Heidentum in Form des Islams, durch islamischen Religionsunterricht, das Ersetzen der Byzantinistik durch Islamwissenschaften an Universitäten, in Europa wieder etablieren wollen" vgl. auch Kurse Nr. 544 Staats- und Rechtslehre, Nr. 512 Novalis, Nr. 570 Hilarius von Poitiers, Nr. 501 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period II: Summa Theol., Nr. 502 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period III, Nr. 582 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period IV, Nr. 583 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period V, Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher I. Ib. 
[6] Ib.
[7] Ib.
[8] Ib.
[9] Zu: "Von einer Niederlage des Arianismus und des Islams im Abendlande ist man heute leider noch weit entfernt" vgl. Anm. 5
[10] zu einer Ästhetik und Philosophie der Kunst und zur Kirchenmusik zum Beispiel von Händel, Bach, Vivaldi, Monteverdi, Mozart, Beethoven und Wagner vgl. auch Kurse Nr. 551 G.W.F. Hegel - Philosophie der Wissenschaft, Kunst und Religion - Philosophy of Science, Art and Religion, Nr. 512 Novalis, Nr. 505 Schopenhauer, Nr. 559 - Wolfram von Eschenbach, Nr. 533 Aristoteles. Ib.; zu "An den Wänden der Kirche, oder vielmehr an der Standhaftigkeit des Bischofs und des Volkes prallte der letzte und hartnäckigste Vorstoß des Arianismus ab" Heute gibt es Bischöfe, die vor den Muslimen, also den Ungläubigen ihr Kreuz abnehmen und zusammen mit Politikern, die an Altersschwachsinn leiden, diese sogar darin bestärken ihren Unglauben auf Kosten des Christentums zu verbreiten." vgl. Kurse Nr. 582 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period IV, Nr. 583 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period V, Nr. 570 Hilarius von Poitiers, Ib.
[11] Vgl. Kurs Nr. 564 St. Augustinus, Ib.
[12] zu: Schriften gegen die Arianer und andere Häretiker vgl. Kurs Nr. 570 Hilarius von Poitiers, Ib.
[13] zur Kirchenmusik vgl. Anm. 10
[14] Zu: "Sowohl eine falsch verstandene Wissenschaft /Philosophie wie die materialistische Gentechnik, die am Erbgut herummanipuliert als auch eine Pseudoreligion wie die der Arianer oder der heutigen Muslime sei abzulehnen" vgl. Abschnitt und Anm. 5, 10 und 62 sowie Kurse Nr. 564 St. Ambrosius, Nr. 567 Gottfried Wilhelm Leibniz, Nr. 533 Aristoteles, Nr. 564 St. Augustinus, Nr. 501 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period II: Summa Theol., Nr. 502 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period III . Ib. sowie Zentrum für wesensgemaesse Bienenhaltung / Zentrum für natürliche Bienentherapie 2018: Gefährliche Suessigkeiten. Pressemitteilung;  Ders. 2018: Mechanistische Sichtweise in der Schulmedizin und unvorhersehbare Folgen der personalisierten Medizin. Ib
[15] Ib.
[16] Ib.
[17] Ib.
[18] Vgl. Kurse Nr. 500 Thomas von Aquin I: Summa contra Gentiles, Nr. 562 Dante , Ib.
[19] Ib.
[20] Ib.
[21] Ib.
[22] zu Antichristen vgl. Kurse Nr. 578 Pierre Abaelard, Nr. 570 Hilarius von Poitiers, Ib.
[23] Ib.
[24] Ambrosius von Mailand, De excessu I
[25] Ib.
[26] Ib.
[27] II 
[28] Ib.; vgl. Kurs Nr. 564 St. Augustinus, Ib.
[29] Ib.
[30] Ib.; zu Einstein vgl. Kurs Nr. 533 Aristoteles, Ib.
[31] Ib.; zu: Arianer oder Muslime und ihre "schwere Gotteslästerung" vgl. Kurse Nr. 582 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period IV, Nr. 583 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period V, Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher I, Nr. 578 Pierre Abaelard, Nr. 570 Hilarius von Poitiers, Ib.
[32] Ib
[33] Ib
[34] Ambrosius von Mailand, De virginitae
[35] Ib.
[36] Ib.
[37] Ib.; Plato nimmt eine Dreizahl von Seelen im Menschen an oder teilt die Seele in drei von einander verschiedenen Sphären. Die Begierdeseele, to epithymetikon, und die ihr übergeordnete Mutseele, thymoeides, irascibile, bedingen das sinnliche Leben, während die Vernunftseele, logistikon, das Göttliche im Menschen ausmacht. Die vierte Sphäre, to dioratikon, wie Ambrosius sie nennt, stammt von Aristoteles, empfindende Seele (Ästhetikon) und als denkendes Vermögen eine geistige Seele (Dianoetikon).  In der Uebertragung auf die Ethik gehört dann die Weisheit (sophia - prudentia) der vernünftigen Seele; der Starkmut (andria - fortitudo) ist die Tugend des thymos und betätigt sich in dem mutigen Anstreben des Guten; die Mäßigkeit (sophrosyne - temperantia) fällt der begehrlichen Seele, der epithymia zu und äussert sich dadurch, dass sie die Begierden zügelt; die Gerechtigkeit (dikaiosyne - iustitia) gehört den drei Teilen der Seele zugleich an; sie ist das Band und die Einheit der übrigen drei Tugenden, die eigentliche Ordnerin der Seele. Vgl. Kurse Nr. 531 Plato, Nr. 533 Aristoteles, Ib. 
[38] Ib.
[39] Ambrosius von Mailand - Trauerrede auf Kaiser Theodosius d. Gr. (De obitu Theodosii oratio); Schon seit Beginn seiner Regierung (379) trat Theodosius entschieden, noch entschiedener in seiner Alleinherrschaft (394) wider das Heidentum auf. So wurde, um von anderen Religionsedikten zu schweigen, 394 jede Art von Götzendienst unter Strafe der Majestätsbeleidigung verboten. Unter ihm wurde das Christentum Staatsreligion; das Heidentum blieb fortan ohne Heiligtum und Kult.; zum abstrakten Götzedienst des Islams vgl. Anm. 5,  31 und 42; zu Theodosius vgl. Kurse Nr. 564 St. Ambrosius, Nr. 350 Byzantinische Kunst und Architektur. Ib.
[40] Ib.
[41] Ib.; Plato, De legg. IX 7 und Aristoteles, Eth VII 6; vgl. Anm. 37 
[42] Ib.
[43] Ib.; Flacilla ist die erste Gemahlin des Kaisers, gest. 385. Von ihr hatte er die beiden Söhne Honorius und Arkadius und die Tochter Pulcheria. Den Sohn Gratian schenkte ihm seine zweite Gemahlin Galla
[44] Ib
[45] Ib
[46] Ib
[47] Ib
[48] Ib; unter "Irrwahn der Philosophie" ist eine Philosophie gemeint, die den Weg der wahren Philosophie verlassen hat, vgl. Anm. 14 und 30
[49] Ib.; Kaiser Valentinian I. ließ ihn aus Argwohn, da er sich als kaiserlicher Heerführer besonders hervorgetan hatte, im Jahre 376 aus dem Wege räumen. Sein Sohn Theodosius zog sich, da er ebenfalls seines Lebens nicht mehr sicher war, nach Spanien zurück; zu: "da er die Reichsregierung zu einer Zeit übernahm, als die Barbaren das römische Reich überschwemmt hatten. Er trug das schwere Joch, um dem römischen Reich die Tyrannen vom Halse zu schaffen. Heute wird Europa mit muslimischen Barbaren überschwemmt, viele Politiker wie Merkel und die Grünen setzen auf unkontrollierte Zuwanderung der Muslime" vgl. Anm. 5.
[50] Ib; zu: "Lange war Konstantinopel das Zentrum der christlichen Welt" vgl. Anm. 39
[51] Ambrosius von Mailand, De Officiis I, 4
[52] I, 9-10
[53] Ib.
[54] I, 12-16; vgl. Kurse Nr. 531 Plato, Nr. 564 St. Augustinus, Ib.
[55] Ib.
[56] Ib.; zu: Es werden heute nicht nur arabisch-kurdische Clan-Mitglieder als "Salbenduftende Weichlinge" bezeichnet, also "Leute nun, die ihr Sinnen und Trachten auf Genuß, auf Völlerei, Erpressung, Erwerb und Ehren richten", sondern alle, die "mehr Zuschauer denn Streiter" sind und Christus verleugnen vgl. Kurse Nr. 544 Staats- und Rechtslehre, Nr. 582 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period IV, Nr. 570 Hilarius von Poitiers, Ib. 
[57] I, 18-19; zu Gesang und Musik vgl. Anm. 10; zu: Öffentliches Schaubeten der Muslime hat mit Sittsamkeit nichts zu tun und wird auch nicht als Gebet anerkannt. Daher sagt Ambrosius: "Auch bei unserem Gebete zieht die Eingezogenheit viel Wohlgefallen nach sich und erwirbt uns viel Gnade bei unserem Gott. So lasst uns denn, wie Petrus mahnt, „in der Unversehrtheit eines stillen und bescheidenen Geistes beten, der vor Gott reich ist!“ Auch Paulus gebot, das Gebet in Eingezogenheit und Nüchternheit zu verrichten. Diese Eingezogenheit wünscht er an erster Stelle und gleichsam als die Vorläuferin des nachfolgenden Gebetes, dass es nicht eines Sünders ruhmrediges Gebet werde." vgl. Kurse Nr. 544 Staats- und Rechtslehre, Nr. 564 St. Ambrosius, Nr. 582 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period IV, Ib.
[58] Ib.
[59] Ib.
[60] I, 21
[61] Ib.
[62] I, 24f; vgl. Anm. 14
[63] Ib.
[64] Ib.
[65] Ib.
[66] Ib.; zu Wie wäre denn der ein Weiser, der nicht nach seinem Schöpfer fragt; der zum Steine spricht: „Mein Vater bist du“ (Jer. 2, 27), wie der Mohammedanismus oder Islamismus, der in Mekka einen Stein anbetet, vgl. Kurse Nr. 502 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period III, Nr. 582 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period IV, Ib.; zu: Die Klugheit beruhe in der Erkenntnis des Wahren, ein Ausspruch, der nach Cicero auf Plato zurückgeht, der dieses Axiom in der Philosophie heimisch machte, vgl. Kurs Nr. 531 Plato, Ib.
[67] Ib.; vgl. Anm. 62
[68] Ib.
[69] Ib; zu: "Darum stellte auch Paulus Christus als das Fundament hin (1 Kor. 3, 11), damit wir auf ihn die Werke der Gerechtigkeit stellen; denn der Glaube ist das Fundament, in den Werken aber liegt entweder, falls sie bös sind, Ungerechtigkeit, oder aber, falls sie gut sind, Gerechtigkeit." Dieser Glaube und damit Gerechtigkeit fehlte damals den Sarazenen, Mohammedanern und Türken, wie er heute noch den muslimischen Machthabern fehlt, vgl. Kurse  Nr. 578 Pierre Abaelard, Nr. 570 Hilarius von PoitiersNr. 564 St. Ambrosius, Nr. 510 Schelling - Philosophie der Offenbarung, Nr. 320 Romanische Kunst und Architektur, Nr. 325 Kunst und Architektur der Gothik, Nr. 326 Kunst und Architektur der Renaissance, Nr. 350 Byzantinische Kunst und Architektur. Ib.
[70] Ib.; zu: "Das heisst nämlich dem Nächsten schaden, nicht nützen, wolltest du einem geben, der damit Anschläge wider das Vaterland macht; der auf deine Kosten eine liederliche Gesellschaft um sich zu sammeln wünscht; der die Kirche bekämpft." So ist es, wenn heute europäische Politiker den Islamismus fördern, indem sie den Bau von Moscheen, islamischen Schulen und Vereinen unterstützen, Sozialhilfe zum Beispiel an einen islamischen Terroristen oder Terrorhelfer zahlt, "der damit Anschläge wider das Vaterland macht" vgl. Kurse Nr. 544 Staats- und Rechtslehre, Nr. 545 Sittenlehre, Nr. 564 St. Ambrosius, Nr. 512 Novalis, Nr. 582 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period IV, Ib.
[71] Ib.; zu: Freigebigkeit taugt nur etwas, wenn es auf dem christlichen Glauben gegründet ist. "So soll denn deine Freigebigkeit auf einem festen Fundamente ruhen. Die erste Forderung lautet: Aufrichtigkeit beim Geben, kein Trug beim Spenden. Man verspreche nicht, mehr geben zu wollen, und gebe nicht weniger. Wozu braucht es denn der Worte? Es wäre ein trügerisches Versprechen. Du hast es in der Gewalt zu geben, was du willst. Der Trug untergräbt das Fundament, und das Werk stürzt ein." So können muslimische Vereine, die oft auch als Hilfsorganisationen getarnt sind, nicht als gemeinnützig anerkannt werden, vgl. Anm. 70
[72] Ib.; zu: "Zunächst soll man sich um seine Glaubensgenossen bemühen. Eine große Schuld wäre es, wenn ein Gläubiger darben würde und du wüßtest davon; du wüßtest: er ist ohne Lebensunterhalt, hungert, leidet Not, zumal wenn er ein verschämter Armer wäre; wenn er, sei es wegen der Gefangensetzung von Angehörigen, sei es wegen Verleumdung in einen Prozeß geriete, und du griffest nicht helfend ein; wenn ein Gerechter im Kerker schmachtete und wegen einer Schuldforderung Strafen und Qualen erlitte, obschon man nämlich jedermann Mitleid schuldet, so doch am meisten dem Gerechten; wenn er in der Stunde der Not nichts von dir erlangte"; Länder wie Deutschland geben zwar viel für muslimische Flüchtlinge aus, vernachlässigen aber die Unterstützung der eigenen christlichen Bevölkerung oder schröpfen sie noch zusätzlich, damit sie die Förderung der "Ungläubigen" und damit des Islamismus finanzieren können, vgl. Anm. 70
[73] Ib.
[74] Ib.; zur wahren Philosophie vgl. Anm. 125ff und Kurse Nr. 551 G.W.F. Hegel - Philosophie der Wissenschaft, Kunst und Religion, Nr. 511 Fichte - Philosophie der Erziehung, Nr. 510 Schelling - Philosophie der Offenbarung, Nr. 020 Goethe: Wissenschaft, Kunst und Religion, Nr. 567 Gottfried Wilhelm Leibniz. Ib.
[75] I, 35f.; zu: Heute bewährt sich der Starkmut weniger im Kriege als im geistigen Glaubenskampf gegen die Irrlehren des Arianismus, Islamismus und Materialismus, vgl. Nr. 570 Hilarius von Poitiers, Ib. 
[76] Ib.
[77] Ib.; zu: Nach der Eroberung Konstantinopels durch die ungläubigen Türken, sind viele Intellektuelle und Künstler nach Italien geflohen und haben die Renaissance mitbegründet, vgl. Kurse Nr. 326 Kunst und Architektur der Renaissance, Nr. 350 Byzantinische Kunst und Architektur. Ib. 
[78] Ib.
[79] I, 45f 
[80] Ib.
[81] Ib.
[82] Ib.
[83] Ib.; zu: Unter dem Irdischen versteht Ambrosius den vorläufig zur Erde herabgeschleuderten Satan, der das Christentum bekämpft, wie der Islamismus. Herrschern sarazenischer oder islamischer Länder zum Beispiel ruft Ambrosius zu: "Trägt einer das Bild des Tyrannen an sich, setzt er sich nicht der Verurteilung aus? Du willst das Bild des ewigen Herrschers ablegen und wünschst an dir das Bild des Todes? Hinweg vielmehr aus der Stadt deiner Seele mit dem Bilde des Teufels! Richte auf das Bild Christi! Das soll in dir leuchten, in deiner Stadt, d. i. in deiner Seele erstrahlen, vgl. Anm. 69
[84] Ib.; über die Bedeutung des Namens Levi und Levite vgl. auch Ambrosius, Expos. in Ps. 118 serm. 8, 4 und De Cain et Abel II 3, 11
[85] Ib.
[86] Ib.
[87] II, 1f; zu: Und damit steht die Auffassung des Hl. Ambrosius im Gegensatz zu der der Sarazenen oder Muslime, die großes Aufsehen veranstalten wegen ihres Fastens (Ramadan), das ohnehin kein Fasten ist, denn nachts statt tagsüber etwas essen, wie es im Ramadan üblich ist, bedeutet nicht nur kein Fasten sondern im Gegenteil Völlerei, vgl. Kurs Nr. 502 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period III, Nr. 582 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period IV, Ib. 
[88] Ib.; zu: "Die göttliche Schrift dagegen verlegte das ewige Leben in die Erkenntnis Gottes und die Frucht des guten Wirkens. Für beide Behauptungen spricht denn auch das Zeugnis des Evangeliums. Was einerseits die Erkenntnis anlangt, so äusserte sich der Herr Jesus folgendermaßen: „Das ist aber das ewige Leben, dass sie Dich, den alleinigen wahren Gott, erkennen, und den Du gesandt hast, Jesus Christus“ (Joh. 17, 3), weshalb die Sarazenen oder Muslime vom seligen Leben ausgeschlossen sind, da sie weder den wahren Gott kennen noch den, den er gesandt hat", vgl. Kurse Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher I, Nr. 501 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period II: Summa Theol., Nr. 578 Pierre Abaelard, Nr. 570 Hilarius von PoitiersNr. 564 St. Ambrosius, Nr. 510 Schelling - Philosophie der Offenbarung, Ib.
[89] Ib.; zu: "Aber auch umgekehrt. Im Handeln gewissenhaft, in der Gesinnung schwankend sein, hieße über schlechter Grundlage schöne Giebelbauten aufführen wollen. Je mehr man aufbaut, umso mehr stürzt ein. Ohne die feste Stütze des Glaubens können die guten Werke nicht bestehen. Eine unzuverlässige Reede im Hafen macht das Schiff zerschellen; und ein sandiger Boden entweicht rasch und vermag die Last des aufgeführten Baues nicht zu tragen. Dort also winkt der volle Lohn, wo vollendete Tugend herrscht und vernünftiges Handeln mit vernünftigem Reden gleichsam gleichen Schritt hält." Darin zeigt sich die Sinnlosigkeit muslimischer Hilfsorganisationen, die ohne die feste Stütze des wahren Glaubens nicht bestehen können, vgl. Anm. 71 und 88
[90] Ib.
[91] Ib.
[92] Ib.
[93] Ib.
[94] Ib.; zu gerechter Rat: Es steht sonach fest, dass es auch nach der göttlichen Schrift, keine Weisheit ohne die Gerechtigkeit geben kann; denn wo nur eine dieser Tugenden ist, da sind beide. Oft spiegelt sich das Fehlen von Weisheit und Gerechtigkeit in der Politik in manchen heutigen Amtsgerichten und Finanzämtern wieder, wo dann ebenfalls sowohl Weisheit als auch Gerechtigkeit fehlen, wenn z.B. Meinungsfreiheit beschnitten wird und lächerliche Klagen zugelassen werden, nur weil z.B. ein Finanzbeamter oder Politiker sein Fehlverhalten durch "die Lügenhaftigkeit der falschen Anschuldigung" vertuschen will und Meinungsfreiheit nicht ertragen kann, Amtsgerichte sich an unwichtigen Fällen festbeißen, statt sich um die wirklich relevanten Fälle zu kümmern, für die dann kaum noch Zeit verbleibt, so dass die eigentlich Kriminellen wieder auf freien Fuß gesetzt werden müssen, vgl. Anm. 110 und Kurse Nr. 502 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period III, Nr. 582 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period IV, Nr. 544 Staats- und Rechtslehre, Ib.
[95] Ib.
[96] Ib.; zur heutigen Pokitikberatung vgl. Anm. 94ff
[97] Ib.
[98] Ib.; zur Freigebigkeit, "die weder gegen unverschämte Arme verschwenderisch", zum Beispiel Sozialhilfe für Terroristen und ihre Familien, wie es in Deutschland praktiziert wurde, noch gegen wahrhaft Dürftige knauserig ist, was in Deutschland ebenfalls praktiziert wird, vgl. Anm. 70ff
[99] Ib.
[100] Ib.; zu: " in der Fürsorge ebenso umsichtig, wie in der Besteuerung milde." Davon sind die Politiker und ihre Finanzämter in Deutschland meilenweit entfernt. Auf eine milde Besteuerung warten die Bürger in Deutschland seit Jahrzehnten, vgl. Anm. 94 und 102 
[101] Ib.
[102] Ib.
[103] Ib.
[104] Ib.
[105] Ib. 
[106] Ib.; zu: "glaube nicht einem Unwürdigen das Heilige anvertrauen zu sollen!" Wie kann man also einem Sarazenen zum Beispiel den Religionsunterricht anvertrauen, wie es in Deutschland heute vielfach geschieht? Vgl. Anm. 5
[107] Ib.; zu:  "In einer Sache Gottes aber, wo das allgemeine Wohl auf dem Spiel steht, wäre schon bloßes Schweigen aus Verstellung keine geringe Sünde." Hier haben zwei wichtige Würdenträger des Christentums in Deutschland versagt, als sie öffentlichkeitswirksam vor den Sarazenen in Jerusalem ihr Kreuz abnahmen! Vgl. Anm. 10
[108] Ib.
[109] Ib.; zu: Laurentius gibt den Armen, nicht jedoch den Antichristen, den Sarazenen, die sich Christus entgegenstellen:"Das sind die Schätze der Kirche. Und fürwahr Schätze, die Christus in sich bergen, die Christi Glauben in sich bergen!" Es geht nicht darum Sarazenen oder Muslime auf muslimischen Friedhöfen zu begraben, sondern: "Niemand kann darüber ungehalten sein, dass man zur Bestattung der leiblichen Überreste der Gläubigen geräumige Plätze schuf. Niemand kann es leid tun, dass die Toten ihre Ruhe in den Grabstätten der Christen finden." Vgl. Anm. 70f 
[110] Ib.; zu: Heute gibt es vielleicht keine Gesandten des Königs, die wie "Heliodor trotzdem an deren Raub gehen und sie dem königlichen Fiskus zu eigen machen wollte" aber es gibt insbesondere deutsche Finanzämter, die mit Hilfe neuer Gesetze oder fadenscheiniger Gründe christlichen Organisationen, Kirchen und Unternehmen ihr dringend benötigtes Kapital rauben, obwohl man hofft, dass sie "endlich zur Not Vernunft" annehmen, vgl. Anm. 94
[111] III, 1f
[112] Ib.
[113] Ib.
[114] Ib.
[115] Ib.; Durch Gentechnik und Pestizide wird heute "die Fruchtbarkeit der Gefilde" vermindert, auf die Felder wird für Bienen, Hummeln und andere Blütenbestäuber, für Tiere, die den Acker als Lebensraum nutzen sowie den Menschen "Trügerisches" ausgesät; zu vergifteten und krankmachenden Lebensmitteln und wie man Bienen und Hummeln schützen, selbst Bienen halten oder sich von ihnen heilen lassen kann vgl. Kurse Nr. 48 wesensgemäße Bienenhaltung, Nr. 567 Gottfried Wilhelm Leibniz, Nr. 533 Aristoteles, Nr. 564 St. Augustinus, Nr. 501 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period II: Summa Theol., Nr. 502 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period III . Ib. sowie Zentrum für wesensgemaesse Bienenhaltung / Zentrum für natürliche Bienentherapie 2019: Gefährliche Suessigkeiten. Pressemitteilung; Ders. 2018: Mechanistische Sichtweise in der Schulmedizin. Ib.; Ders.  2019: Natürliche Bienentherapie. Ib.; Ders. 2019: Bluthochdruck. Ib.; Ders. 2019 Depression, Psychose und Bienentherapie.Ib. Neben Kurs Nr. 48 können die Bienen insbesondere durch eine Bienenpatenschaft und eine offizielle Mitgliedschaft bei Save the Bees, Bumblebees and Beecolonies (https://www.facebook.com/SaveBeecolonies) gefördert werden. 
[116] Ib.
[117] Ib.; vgl. Anm. 115 
[118] Ib.
[119] Ib.
[120] Ib.; zum falschen Schwören vgl. auch Kurse Nr. 582 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period IV, Nr. 544 Staats- und Rechtslehre, Ib. 
[121] Ib.; zur Bürgschaft vgl. Kurs Nr. 553 Friedrich Schiller. Ib.
[122] Ib.
[123] Ib.
[124] Ib.; zu: "Denn niemand kann eines Menschen Freund sein, der Gott die Glaubenstreue bricht." Da die Sarazenen oder Muslime dem wahren Gott die Treue versagen, können sie auch nicht wirkliche Freunde der Christen werden, vgl. Anm. 88-89
[125] Ambrosius von Mailand, sup. Luc.
[126] Ib. 
[127] Ib.; zu: Nach Ambrosius, Cusanus, Thomas von Aquin und anderen Philosophen kann man sagen, "der ganze Vorrang also, den sich die weltliche Weisheit fälschlich anmaßt, gebührt in Wahrheit der geistlichen Weisheit, vgl. Anm. 74 und Kurse Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher I, Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher II, Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher III, Nr. 564 St. Ambrosius, Nr. 564 St. Augustinus, Nr. 500 Thomas von Aquin I: Summa contra Gentiles, Nr. 501 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period II: Summa Theol., Nr. 502 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period III, Nr. 582 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period IV, Nr. 583 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period V, Nr. 510 Schelling - Philosophie der Offenbarung, Ib.
[128] I, 1-14
[129] Ib. 
[130] Ib. 
[131] Ib. 
[132] Ib.; zu: wer also "Christus von Gott trennt" wie die Arianer und Mohammedaner, ist nach Ambrosius eine Motte und ein Antichrist, vgl. Kurse Nr. 578 Pierre Abaelard, Nr. 505 Schopenhauer, Nr. 512 Novalis, Nr. 570 Hilarius von Poitiers, Nr. 564 St. Ambrosius, Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher I, Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher II, Nr. 500 Thomas von Aquin I: Summa contra Gentiles, Nr. 582 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period IV, Nr. 501 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period II: Summa Theol. Ib.  
[133] Ib.; zu: Eine "Dunstschicht des Unglaubens" durch Materialismus und Islamismus, die sich mehr und mehr ausbreitet, auch an europäischen und amerikanischen Universitäten, lässt die Seele rosten, vgl. Anm. 132 
 
 
 
 
 
 

Zur Philosophie und Kultugeschichte des Mittelalters, der Schule von Chartres und der Renaissance vgl. Kurse: Nr. 581 Bernhard von Chartres, Nr. 580 Wilhelm von Conches, Nr. 579 Albertus Magnus, Nr. 578 Pierre Abaelard, Nr. 574 Johannes von Salisbury, Nr. 577 Petrus Lombardus, Nr. 576 Gilbert de la Porrée / Gilbert von Poitiers, Nr. 565 Johannes Scotus Eriugena, Nr. 575 Thierry de ChartresNr. 571 Alanus ab Insulis, Nr. 572 Anselm von Canterbury, Nr. 570 Hilarius von Poitiers, Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher I, Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher II, Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher III, Nr. 564 St. Ambrosius, Nr. 564 St. Augustinus, Nr. 500 Thomas von Aquin I: Summa contra Gentiles, Nr. 501 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period II: Summa Theol., Nr. 502 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period III, Nr. 582 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period IV, Nr. 583 St.Thomas Aquinas - Philosopher of Gothic period V, Nr. 566 Meister Eckhart , Nr. 562 Dante, Nr. 320 Romanische Kunst und Architektur , Nr. 325 Kunst und Architektur der Gothik, Nr. 326 Kunst und Architektur der Renaissance, Nr. 350 Byzantinische Kunst und Architektur. Akademie der Kunst und Philosophie
 
 


In this 15th-century fresco by Piero della Francesca, Helena (left) supervises the unearthing of the True Cross from the place of its secret burial

Piero della Francesca, Storie della Vera croce, Battaglia di Eraclito e Cosroè, Arezzo


Hagia Sophia zur Zeit des Byzantinischen Reiches

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Letzte Bearbeitung:14.01.2019