Akademie der Kunst und Philosophie
Akademie der Wissenschaften | Académie des sciences
 

 

Nr. 585 

St. Ambrosius - S. Ambrogio 

Poet, Composer and Philosopher 


On wrong Philosophy / Science and how to improve

„Die Weisen der Welt besitzen zwar die Augen des Geistes, aber sehen nicht. Sie schauen nichts vom Lichte, sondern wandeln im Finstern. Sie wähnen die Höhen des Himmels zu erspähen, während sie dem nächtlichen Blendwerke der Dämonen nachhängen . . . Dem Glauben abgekehrt umgibt sie die Finsternis ewiger Blindheit. Da der Tag Christi und das Licht der Kirche vor ihren Augen leuchtet, sehen sie gleichwohl nichts, öffnen aber doch den Mund, als wüssten sie alles. Scharfsinnig im Nichtigen, doch abgestumpft für das Ewige, verraten sie mit den Umschweifen ihrer langen Deduktionen nur die Blindheit ihrer Unwissenheit und sehen, während sie in spitzfindigen Untersuchungen den Flug nach oben richten wollen, gleich Nachtvögeln nichts inmitten des Lichtes." - St. Ambrosius

„Naboth wollte das Erbe seiner Väter nicht herausgeben, und ich sollte das Erbe Christi übergeben?“ - St. Ambrosius zu den Arianern

 

Taufe des Augustinus durch Bischof Ambrosius, Fresko von Benozzo Gozzoli, ca. 1465

 

 
 
 
 
 

 

Aus dem Inhalt:

Für den Lebensgang des hl. Ambrosius, des nach Augustins Zeugnis (Conf. V 13) „best- und weltbekannten Bischofs von Mailand“ (374—397), des ersten der vier großen abendländischen Kirchenlehrer, liefern die eigenen Briefe und Schriften das geschichtlich wertvollste Quellenmaterial. Als zweite Hauptquelle reiht sich das auf Augustins Anregung verfasste „Leben des heiligen Ambrosius“ aus der Feder seines Sekretärs Paulinus an. Ambrosius ward darnach um das Jahr 333 (oder 340) wahrscheinlich zu Trier geboren, wo sein gleichnamiger Vater das Amt eines Praefectus praetorio für Gallien bekleidete: der Sprößling eines vornehmen römischen Geschlechtes, das auf verdiente Staatsmänner, der Sohn eines christlichen Hauses, das auf mehrere Märtyrer zurückblicken konnte. Wahrheit und Dichtung deuten schon an der Wiege auf das Kind der Vorsehung. Ein Bienenschwarm sollen sich auf des schlafenden Knaben Gesicht niedergelassen haben. Seine höhere Ausbildung genoß der heranwachsende Jüngling in Rom, wohin die Mutter nach des Vaters frühem Tod mit den Kindern übergesiedelt war. Gleich dem Bruder widmete er sich der staatsmännischen Laufbahn, die ihn bei seinen ungewöhnlichen Fähigkeiten rasch von Erfolg zu Erfolg, von Stufe zu Stufe führte und um 370 zur Konsularwürde emportrug. Um 374 wurde ihm als Konsular von Aemilia und Liguria Mailand als Residenz angewiesen, dem seine politische und kulturelle Bedeutung längst die Hegemonie unter den norditalischen Städten und den Ehrennamen eines zweiten Rom, eines zweiten Athen eingetragen hatte. Hier sollte der Ahnungslose die Konsularwürde mit der Bischofswürde vertauschen. [1]

Der Arianer Auxentius, welcher der überwiegend katholisch gesinnten Kirche Mailands vom Kaiserhofe 355 als Bischof aufgedrängt ward, starb 374, kurz nach der Ankunft des Ambrosius. Ein heftiger Streit entbrannte eben anläßlich der Bischofswahl zwischen den Katholiken und den Arianern. Der neue Konsular eilte herbei, seines Amtes zu walten zur Beschwichtigung der erregten Gemüter, zur Verhütung der drohenden Exzesse. „Da erscholl plötzlich aus dem Volke eine Kinderstimme: ‚Ambrosius Bischof! Und die Augen des ganzen Volkes wendeten sich in der Richtung nach der Stimme Schall, und einmütig rief es: ,Ambrosius Bischof!“ Noch war derselbe Katechumene, in der heiligen Wissenschaft Laie. Vergebens sträubte er sich gegen die Wahl, vergebens schützte er Sündhaftigkeit vor, vergebens suchte er durch wiederholte Flucht sich derselben zu entziehen. Des Volkes Stimme war Gottes Stimme. Und „als er den Willen Gottes betreffs seiner und das Vergebliche seines Widersträubens erkannte, verlangte er die Taufe, doch nur aus der Hand eines katholischen Bischofs; denn er mied den Unglauben der Arianer. Nach der Taufe nun erfüllte er, wie versichert wird, sämtliche kirchliche Weihe-Vorschriften und empfing am achten Tage die Bischofsweihe zur höchsten Befriedigung und Freude aller“. Schon vorher hatte Kaiser Valentinian I. „mit größter Freude es aufgenommen, dass man einen von ihm bestellten Richter für das Priesteramt begehre“ [2]

Mit Ambrosius bestieg ein Kirchenfürst den Bischofsstuhl, in welchem die Tugend des alten Römers mit dem Geiste Christi zu vollendeter Einheit sich verband. Für sich begnügte er sich mit einer Lebensweise, die ihm fortan mit kargen Händen kaum das zum Leben Notwendige bot. Die herzlosen Lebemänner, welche, der Armen vergessend, mit den Stammbäumen ihrer Hunde und Pferde prahlten (De Nabuth. 13), rief er ebenso eindringlich zu christlicher Pflicht und Sitte, wie die Proletarier, die, ohne Tunika, ohne Geld zur Bestreitung des kommenden Tagesbedarfes, zur Begleichung ihrer Schuldigkeit an den Wirt, vor den Türen der Tabernen herumlungerten und an einem Tage den Arbeitsverdienst vieler Tage verzechten (De Elia 12). Den Armen aber träufelte sein Wort und Beispiel Trost und Mut in das zagende Herz, in des Lebens Not. Gerade die Armenpflege nahm einen großen Teil seiner Hirtensorge und Zeit in Anspruch. Ein Vater der Hilfsbedürftigen überhaupt hielt er sich jedem verbunden, der seines Dienstes begehrte. Seine Türe stand des Tages jedem offen, dem Vornehmen wie dem Niedrigen, die unangemeldet eintreten konnten (Aug., Conf. VI 3). Und oftmals erübrigten dem tagsüber von „Haufen Leuten“ in Anspruch Genommenen nur die Stunden der Nacht zu Gebet und Studien. [3]

Indes das Herzstück seiner seelsorglichen Tätigkeit war und blieb die Verkündigung des Gotteswortes. Sie trug seinen Ruf als Kanzelredner über Land und Meer. Eines ganz ungewöhnlichen Andranges, eines ganz ungewöhnlichen Erfolges erfreute sich denn auch sein Predigtwort. Vom Sturm der Begeisterung ergriffen, den es weckte, eilten nicht bloß von Placentia und Bologna, sondern selbst noch vom fernen Mauretanien Jungfrauen herbei, um in Mailand in christliche Klöster einzutreten. Einen Augustinus zog es an, der, wie er selbst bekennt (Conf. V 13), „voll Spannung an des Predigers Worten hing . . . und an der Süßigkeit seines Vortrags sich ergötzte“, ja „seinem Mund allererst“ die Bekehrung verdankte (Ep. 147). [4]

Wo immer weit über Mailand und Italien hinaus große Gefahren und schwere Kämpfe wie Wetterleuchten durch die Kirche zucken, taucht seine überragende Persönlichkeit auf, Wort und Tat wie Wehr und Wall ihr leihend. Er ist der gewaltigste Vorkämpfer wider die letzten krampfhaften Reaktionen des Heidentums, ihrer Selbständigkeit gegenüber der Staatsgewalt, ihrer Rechtgläubigkeit und Einheit wider Häresie und Schisma. Im Jahre 382 hatte Kaiser Gratian (375—383) sicherlich nicht ohne Einwirkung seines väterlichen Beraters Ambrosius die Staatsbeiträge für den heidnischen Kult zurückgenommen, dessen Tempelgüter und Privilegien eingezogen, das letzte Wahrzeichen des herrschenden Götterwahnes in Rom, die von Augustus im Sitzungssaale des Senats errichtete Bildsäule der Siegesgöttin beseitigen lassen. Die heidnische Mehrheitspartei der Kurie mit dem edlen Stadtpräfekten Symmachus als Wortführer an der Spitze machte sich auf den Weg zum Kaiser, um ihn zur Zurücknahme seiner Verordnungen zu bewegen. Eher als die Deputation erreichte der flammende Protest, den die christliche Senatsminorität dagegen erhob, das Ohr des Kaisers. Unter dem Eindruck desselben war es Ambrosius leicht, letzteren zu standhaftem Beharren bei seinen Entschließungen zu bestimmen. Ohne einer Audienz gewürdigt zu werden, musste die Abordnung unverrichteter Sache nach Rom zurückkehren. Als unter Gratians Stiefbruder und Nachfolger Valentinian II. (383-392) der heidnische Senat den gleichen Versuch erneute, scheiterte derselbe wiederum an der Umsicht und Tatkraft des Bischofs, dessen persönlichen Opfern und diplomatischen Erfolgen der dreizehnjährige Kaiser unmittelbar zuvor den Thron zu verdanken hatte. Auf die Denkschrift des Symmachus (relatio Symmachi) an die Kaiser des Ost- und Westreiches antwortete er mit einer eingehenden Kritik und Widerlegung und sicherte von neuem den Triumph der Kirche über das sinkende Heidentum. Noch ein drittes Mal (388/89) bemühte sich der Senat, bei Theodosius d. Gr. jenen Lieblingswunsch durchzusetzen. Der Augenblick schien günstig, da dem Kaiser nach dem Siege über Maxentius daran gelegen sein musste, seine Herrschaft im Westen mit Gnadenerweisen einzuführen und den Römern sich entgegenkommend zu zeigen. Auch diesmal siegte der Einfluß des Bischofs, der dem schwankenden Fürsten seine Meinung „unbedenklich ins Gesicht sagte“ und die Pflicht einschärfte, die ihm als Christen oblag (Ep. 57). Diese Pflicht als Christen zu agieren, fehlt den heutigen Politikern und auch einigen Kirchenvertretern, die das Heidentum in Form des Islams, durch islamischen Religionsunterricht, das Ersetzen der Byzantinistik durch Islamwissenschaften an Universitäten, in Europa wieder etablieren wollen. [5]

Ambrosius war der väterliche Freund und Berater der Kaiser in wichtigen Angelegenheiten überhaupt und in Zeiten der Gefahr die festeste Stütze ihres Thrones. Der jugendliche Gratian und Valentinian II. waren ihm wie Söhne ergeben, und das Freundschaftsband, das ihn mit Theodosius (379-395) verknüpfte, schlang sich trotz vorübergehenden Lockerungen immer enger. Mit dem Verlangen nach Ambrosius im Herzen, mit dem Namen des Ambrosius auf den Lippen war Gratian 383, erst 24 Jahre alt, zu Lyon als Opfer treulosen Verrates unter Meuchlerhänden verblutet. Seine eigenen Legionen hatten bereits den ehrgeizigen Rebellen Maximus zum Augustus mit ausgerufen. In dieser äusserst kritischen Lage bewährte sich Ambrosius zum ersten Male dem Kaiserhause als der Retter in der Not. Er war der erste Kirchenfürst, den die Kaiser anriefen, ihren wankenden Thron zu stützen. Selbst die Kaiserin - Mutter Justina, die so gehässige arianische Partnerin, verdemütigte sich und empfahl ihren Sohn und Mündel seiner erprobten Treue und erfahrenen Staatskunst. Er nahm in eigener Person die Gefahren und Strapazen der Gesandtschaftsreise nach Trier zum Kaisermörder und Thronprätendenten auf sich, brachte durch seine umsichtige Politik dessen letzte Pläne zum Scheitern und sicherte durch den Friedensschluß von 384 seinem kaiserlichen Schützling das Imperium: Maximus ward nicht Augustus des weströmischen Reiches, sondern nur Mitaugustus über Gallien, Spanien und Britannien. Als letzterer zwei Jahre später (386) die schweren religionspolitischen Fehler des arianisierenden Mailänder Hofes (d. h. Justinas) und die hierüber entstandene Mißstimmung des katholischen Klerus und Volkes ausnützend als angeblicher Schützer und Retter der Orthodoxie seine Aspirationen auf die Alleinherrschaft erneute, durchschaute Ambrosius das politische Ränkespiel in religiöser Maske und trat wiederum seinem Siegeslauf hindernd in den Weg. Die ärgerlichen arianerfreundlichen Allüren des Kaiserhauses vermochten ihn ebensowenig in seinen loyalen Gesinnungen gegen die legitime Kaiserdynastie zu erschüttern, als die aufdringlichen Bemühungen des Maximus um die Orthodoxie ihn über dessen wahre politische Ziele hinwegtäuschten. Zum zweiten Male trat er für das von Maximus schwer bedrohte Kaiserhaus die Gesandtschaftsreise an dessen Hof in Trier an. Er vertrat voll Kraft und Würde des Valentinian Sache vor dem versammelten Konsistorium und wagte sogar, mehr Ankläger denn Bittender, den Usurpator öffentlich des Unrechts zu zeihen. Wohl musste er anscheinend unverrichteter Dinge abziehen. Indes Maximus hatte sich überzeugen müssen, dass Italiens Bischöfe zu keinerlei Konspirationen, der Mailänder Kaiserhof zu keinerlei Konzessionen gewillt seien. Sein Einfall in Italien, der ihn schließlich dem Feldherrngenie eines Theodosius gegenüberstellte, endete für ihn mit dem Verluste von Thron und Leben. Ein drittes Mal (392) rief die Not seines Kaisers den Bischof nach Gallien. In kriegerischen Unternehmungen daselbst begriffen, sollte Valentinian II., erst 21 Jahre alt, der ehrgeizigen Politik des treulosen Franken Arbogast zum Opfer fallen. Sehnlichst hatte es den Ahnenden und Fürchtenden noch nach dem Trost und Beistand des heiligen Bischofs, den Katechumenen nach der Taufe aus dessen Hand verlangt. Es war zu spät. Der Heilige vermochte nur die Leiche des Ermordeten nach Mailand zu überführen, wo er ihn in einer ergreifenden Leichenrede gleich Gratian als Bekenner-Kaiser feierte: Seine anfängliche Mißstimmung gegen den Bischof sei immer zärtlicherer Liebe, sein anfänglicher Weltsinn immer reiferem Tugendernste gewichen. [6]

Theodosius d. Gr., seit 394 durch den Sieg über Arbogast und dessen Schattenkaiser Eugenius bei Aquileja Alleinherrscher, würdigte als strenggläubiger Katholik von Anfang an Ambrosius seines hohen Vertrauens, seiner ehrlichen Freundschaft. Diese wurde freilich wiederholt auf harte Probe gestellt. Über Freundesrücksicht stand dem heiligen Bischof die Amtspflicht. Auch einem Theodosius gegenüber wahrt er mit unbestechlicher Gerechtigkeit und unbeugsamem Mut das höhere Recht der Kirche und deren Unabhängigkeit von der weltlichen Macht. Ja vielleicht wird eine pragmatische Geschichtsbetrachtung die ersten tiefen Wurzeln jener Kirchenhoheit der späteren Jahrhunderte gerade bei Ambrosius finden, der sie wie kein anderer Kirchenfürst vor Gregor d. Gr. vorbereiten half. Heidnische Tempel, heute würde man sagen Moscheen, sollten nicht wieder aufgebaut werden. Ambrosius widersetzte sich dem Ansinnen in einer freimütigen Denkschrift an den Kaiser: er stelle damit den Bischof vor die Wahl, ein Verräter am Glauben oder ein Märtyrer desselben zu werden. [7]

Einen noch schärferen Konflikt zwischen beiden Männern beschwor zwei Jahre später (390) das Blutbad zu Thessalonich herauf. Die Kunde, dass der Jähzorn des Kaisers zur Sühne der tumultuarischen Ermordung einiger Beamten gegen siebentausend Menschen ohne Unterschied des Alters und Geschlechtes dem Tode weihte, rief überall Bestürzung hervor. Auch des Ambrosius Herz blutete. Er verließ zunächst Mailand, um einer persönlichen Begegnung mit Theodosius aus dem Weg zu gehen. Gleichzeitig stellte er ihm in einem Schreiben ebenso freimütig wie eindringlich die Größe der Schuld und die Notwendigkeit der Buße vor die Seele. Mag die bekannte dramatische Szene vor dem Portale der Mailänder Kathedrale, wonach der Bischof den im Hofstaat zum Gottesdienst erscheinenden Kaiser mit quer vorgehaltenem Stabe vom Eintritt in die Kirche zurückwies und dessen Selbstentschuldigung mit der Antwort parierte: „Bist du David in der Sünde gefolgt, so folge ihm auch in der Buße“, in ihrer Geschichtlichkeit sehr dahingestellt bleiben, soviel ist gewiß, dass er von demselben öffentliche Buße verlangte und hiervon ganz unzweideutig die kirchliche Gemeinschaft und die Teilnahme am Gottesdienste abhängig machte: „Ich wage nicht, das Opfer darzubringen, wenn du anwohnen wolltest“. Der Kaiser unterwarf sich denn auch der öffentlichen Kirchenbuße: „Er warf“, bezeugt Ambrosius selbst, „allen kaiserlichen Schmuck, den er trug, weg, beweinte in der Kirche öffentlich seine Sünde, die ihn auf das trügerische Zureden anderer übermannt hatte, und flehte unter Seufzen und Tränen um Vergebung. Wessen gewöhnliche Leute sich schämen, dessen schämte der Kaiser sich nicht: öffentlich Buße zu tun. Und auch später verging kein Tag, an dem er nicht schmerzlich jener Verirrung gedacht hätte“ (De obit. Theod.). Keine glänzendere Probe hätte die sittliche Größe des Kaisers bestehen können als diese Selbstverdemütigung. Kaum weniger glänzend bewährte sich dieselbe darin, dass der Bischof, der einem der großen alttestamentlichen Propheten vergleichbar für die Autorität des göttlichen Rechtes und der kirchlichen Ordnung dem Mächtigen der Erde gegenüber eingetreten war, in dessen Achtung und Freundschaft nur stieg. Und nichts störte fernerhin das vertraute, herzliche Verhältnis der beiden großen, ja größten Männer ihrer Zeit. Im Jahre 395 starb Theodosius, von niemand tiefer betrauert als von Ambrosius. Die Leichenrede, die er demselben hielt, ein rhetorisches Meisterwerk, bleibt das herrliche Denkmal der Liebe und Verehrung, das der heilige Bischof dem großen Theodosius für alle Zeiten gesetzt hat. [8]

Die schwersten Kämpfe hatte Ambrosius mit dem Arianismus zu bestehen, der trotz seiner Niederlage bei der Bischofswahl noch einen starken Anhang in Mailand, besonders in den germanischen Hofkreisen besaß. Die Arianer waren der Wahl des wegen seines milden, konzilianten Wesens allgemein beliebten Statthalters zum Bischof nicht abgeneigt gewesen, hatten sich aber gründlich verrechnet, wenn sie von ihm auch in Glaubenssachen Nachsicht und Nachgiebigkeit  erwarteten. Schon seine bestimmte Forderung, dass kein arianischer Bischof bei seiner Taufe zugezogen werde, ließ über seine Stellung zum Arianismus keinen Zweifel. Den Kampf wider denselben betrachtete er als seine Lebensaufgabe. Und derselbe endete mit Sieg auf allen Linien. Hierauf vor allem bezieht sich der Ausspruch des Hieronymus, der sonst mit seinem Lob auf Ambrosius so peinlich kargt: „Ganz Italien kehrt nun seit Aufstellung des Ambrosius zum Bischof in Mailand nach des Auxentius spätem Tode zur Rechtgläubigkeit zurück“. Schon 379 oder 380 hatte Ambrosius durch seine persönliche Gegenwart und Autorität den Versuch der Arianer in Sirmium, unter Justinas Protektion einen Parteigänger auf den Bischofsstuhl zu erheben, vereitelt und die Wahl eines Anhängers des Nikänums durchgesetzt. Sein Verdienst war es überhaupt, wenn in den illyrischen Provinzen, einer Hauptdomäne des Arianismus, mehr und mehr die Orthodoxie obsiegte. Die Machinationen eines Palladius und Sekundianus, welche unter dem Schein der Rechtgläubigkeit dem Arianismus Vorspann leisteten und ihre Bischofsstühle zu behaupten suchten, durchschaute er mit klarem Blick. Das Konzil von Aquileja 381, das unter seiner Ägide den Glaubenskampf wider die Häresie führte, verurteilte dieselben einstimmig und entschied für immer die Niederlage des Arianismus im Abendlande, so kräftig da und dort, und gerade auch in Mailand, seine Nachzuckungen noch sein mochten. Von einer Niederlage des Arianismus und des Islams im Abendlande ist man heute leider noch weit entfernt. [9]

Schon im Jahre 376 waren sämtliche Kirchen Mailands in den Besitz der Katholiken übergegangen. Als nun 385 die Kaiserin-Mutter die anscheinend bescheidene Forderung an die religiöse Toleranz des Kirchenfürsten stellte, den Arianern eine kleine Kirche (Portiana, später S. Victor) vor den Toren der Stadt zu überlassen, wies Ambrosius das Ansinnen entschieden zurück (Ep. 20 und 21). Der Arianismus war kirchlich verurteilt und durfte nicht auf kirchliche Duldung rechnen. Dem Kaiser, den Justina für ihre Pläne eingenommen hatte, hielt er bestimmt entgegen: „Man befiehlt mir: gib die Basilika heraus! Ich antworte: weder habe ich ein Recht zu deren Herausgabe, noch du, Kaiser, ein Interesse an deren Annahme. An keinem Privathause darfst du dich mit Recht vergreifen, ein Gotteshaus glaubst du wegnehmen zu dürfen? Gott, was Gottes ist, dem Kaiser, was des Kaisers ist (Matth. 22, 21)! Dem Kaiser gehören die Paläste, dem Priester die Kirchen“. Als sodann Justina „eine noch größere, die Neue Basilika“ (später S. Maria) für den Arianismus in Beschlag nehmen wollte, kam es zu tumultuarischen Zusammenstößen zwischen dem gläubigen Volk, das einmütig zu seinem Bischof stund, und dem Militär. Nicht die Geld- und Freiheitsstrafen, mit denen der übelberatene Hof den Widerstand des Volkes mehr reizte als dämpfte, sondern des Bischofs Mahnungen zum Frieden verhinderten das drohende Blutvergießen. „Wir sind hier im Gotteshaus um zu beten“, beschwichtigt er, „nicht um zu kämpfen.“ „Wir beten“, so kann er beifügen, „wir fürchten aber nicht.“ Wie wenig er fürchtete, beweist der Freimut, mit welchem er, ein Gefangener in der eigenen, von Soldaten belagerten Kirche, das Verhalten der Kaiserin geißelte. Wohl aber fürchtete der Hof. Durch das Verhalten des Volkes und eines Teiles des Militärs eingeschüchtert, zog er die Soldaten zurück und mußte für diesmal nachgeben. Der Funke glühte indes unter der Asche fort. Heftiger als zuvor entbrannte ein Jahr darauf (386) zur gleichen Osterzeit der Kampf. Ein arianischer Gegenbischof (Auxentius), eine Kreatur des Hofes, sammelte alle bischoffeindlichen Elemente in Mailand um sich. Der Kaiser selbst verfiel auf die unglückliche Idee, mittels der berüchtigten Formel von Arimini (359) die Parität zwischen beiden Bekenntnissen zu dekretieren und von neuem die Auslieferung einer Kirche an die Arianer zu verlangen. Ambrosius verweigerte letztere ebenso bestimmt: „Naboth wollte das Erbe seiner Väter nicht herausgeben, und ich sollte das Erbe Christi übergeben?“, wie er eine Disputation mit dem arianischen Gegner und des Kaisers Schiedsspruch entrüstet ablehnte:  „Wann, fragt er, hast du, gnädigster Kaiser, je gehört, dass in einer Glaubenssache Laien über den Bischof zu Gericht saßen? Ein Laie soll Sprecher, der Bischof Hörer, der Bischof des Laien Schüler sein? Fürwahr doch, wenn wir uns den Inhalt der göttlichen Schriften oder die alten Zeiten vergegenwärtigen, wer könnte leugnen, dass in Glaubenssachen, ich wiederhole ,in Glaubenssachen, die Bischöfe über die christlichen Kaiser, nicht die Kaiser über die Bischöfe zu Gericht saßen?“ Der Aufforderung, die Stadt zu verlassen, hält er entgegen, „es sei nicht seine Gepflogenheit, zu fliehen und seine Gemeinde zu verlassen“. Wiederum droht Gewalt. Wiederum zieht sich Ambrosius, von den treuen Volksscharen umringt, in die Hauptkirche zurück, die von der kaiserlichen Soldateska besetzt wird. Aussen scheint der Arianer Sache zu obsiegen, innen führt Ambrosius die vernichtende Sprache wider deren Haupt; aussen schlägt des Kaisers Gewalttat an das Heiligtum, innen weist des Bischofs Wort seine Macht in die Schranken: „Der Kaiser steht innerhalb der Kirche, nicht über der Kirche“; aussen starren und klirren die Waffen roher Soldaten, innen erklärt der Heilige: „Meine Waffen sind meine Tränen; das ist des Priesters Schutz und Wehr; anderen Widerstand darf und kann ich nicht leisten“. Und „die fromme Gemeinde“, berichtet Augustinus (Conf. IX 7),„verharrte in dieser heiligen Gefangenschaft des Nachts wachend in der Kirche, bereit zu sterben mit ihrem Bischof. Da ward der Hymnen- und Psalmengesang eingeführt nach morgenländischem Brauch, damit das Volk nicht vor Verdruß und Gram vergehe“ , ein glücklicher Gedanke, der nicht bloß für den Augenblick, sondern für alle Zukunft die religiöse Begeisterung des gläubigen Volkes beleben und die kirchliche Liturgie um einen der schönsten Juwelen bereichern sollte. An den Wänden der Kirche, oder vielmehr an der Standhaftigkeit des Bischofs und des Volkes prallte der letzte und hartnäckigste Vorstoß des Arianismus ab. Die tiefere Bedeutung des Kampfes aber lag in dem Sieg der kirchlichen Autonomie gegenüber der Staatsgewalt, in der Niederlage der byzantinischen Auffassung von der Oberhoheit des Kaisers auch über die kirchlich-religiöse Sphäre. Heute gibt es Bischöfe, die vor den Muslimen, also den Ungläubigen ihr Kreuz abnehmen und zusammen mit Politikern, die an Altersschwachsinn leiden, diese sogar darin bestärken ihren Unglauben auf Kosten des Christentums zu verbreiten. [10]

Einen Triumph höherer Art, wie durch ein Gottesurteil, erfuhr der schwergeprüfte Bekennerbischof in jenen Tagen durch die wunderbare Auffindung der noch blutbetauten Gebeine der berühmten Märtyrer und Stadtheiligen Gervasius und Protasius, die in feierlicher Prozession unter fast zahlloser Beteiligung und jubelnder Begeisterung des unter dem Eindruck auffallender Wunder stehenden Volkes nach S. Ambrogio übergeführt und daselbst beigesetzt wurden (Ep. 22). Mit freudiger Genugtuung konnte der Heilige in seiner Predigt hervorheben, wie Gott ihm, dem es versagt war, ein Märtyrer zu werden, die Gnade verliehen, Märtyrer aufzufinden. Einen noch größeren Triumph für die Kirche bedeutete die zu Ostern des folgenden Jahres (387) erfolgte Taufe des hl. Augustinus durch Ambrosius. Augustinus selbst erblickt in letzterem den „väterlichen Freund“, dem er allererst die Bekehrung verdanke, seine Mutter, die hl. Monika, den „Engel“, den die Vorsehung ihrem Sohne entgegengeführt habe (Conf. VI 1).  Am 4. April (Karsamstag) 397 entschlief Ambrosius, nicht bloß von der mailändischen, sondern von der ganzen Kirche tief betrauert. Selbst Heiden und Juden drängten sich mit den Gläubigen wetteifernd nach S. Ambrogio, woselbst die irdische Hülle des Verewigten aufgebahrt lag. Sein Sterben war wie sein Leben das eines Heiligen. Ein Denkmal, dauernder denn Erz, setzte er sich selbst in dem literarischen Nachlasse, den er der Kirche schenkte und der Gemeingut der Gläubigen aller Zungen und aller Zeiten geworden ist. [11]
 

Seine Schriften

Besonders gibt die energische Kürze und kühne Originalität des Ausdruckes seinen Schriften jenes eigentümliche Gepräge, das ihren Autor so recht zum Tacitus unter den lateinischen Kirchenschriftstellern stempelt. Kaum weniger schwer als das homiletische wiegt das exegetische Moment in unseren Schriften. Das Schriftgut bildet bei Ambrosius den Hauptinhalt, den Ausgangspunkt und Mittelpunkt seiner Paränese. Eine wunderbare Schriftkenntnis, der keine kleinste Wendung zu entgehen scheint, hält ihm diese nimmer versiegende Quelle, die sein Wort speist, seine Rede befruchtet, stets offen und zugänglich. Wo der Buchstabe der Schrift zu versagen scheint, weiß die findige Allegorese wie mit leichtem Zauberstab die Verbindungsbrücke zwischen seinem und der Schrift Wort herzustellen. Und doch ist Ambrosius nicht eigentlich heimisch in der Schrifterklärung, nicht Exeget von Beruf. Dazu fehlt ihm die wissenschaftliche Vorbildung, die methodische Schulung. Wir finden ihn vielmehr auf fremden Pfaden, am häufigsten auf der Spur der alexandrinischen Schriftexegese. Er folgt ihr freilich nicht sklavisch. Wenn auch in fremdem Fahrzeug: das Steuerruder selbst gibt er nicht aus der zielfesten Hand, die sichere Orientierung verliert er nicht aus dem Auge. Wie kaum ein anderer christlicher Schriftsteller vor und nach ihm folgt er, namentlich in der ersten literarischen Periode, dem jüdisch - alexandrinischen Exegeten Philo, wie kaum einen anderen christlichen Autor hat er Origenes zu seinem Führer und Gewährsmann sich erkoren. Mit letzterem nimmt er auch einen dreifachen Sinn der Heiligen Schrift an, den natürlich-geschichtlichen, den moralischen und den geistig - mystischen, und wendet denselben nicht selten der Reihe nach auf einen vorliegenden Schrifttext an. Öfter noch freilich faßt er die beiden letzteren unter einem, dem „höheren Sinn“, zusammen, den er dem „Buchstaben“ der Schrift gegenüberstellt. Seine Schriften lassen sich wie folgt einteilen:

A. Exegetische Schriften. Sie bilden die Mehrzahl der Schriften und sind fast alle aus Predigten des Bischofs hervorgegangen. Mit der einzigen Ausnahme des Lukaskommentars beziehen sie sich samt und sonders auf alttestamentliche Bücher oder Texte: Das „Exameron“ (Sechstagewerk) in sechs Büchern (sieh unten); die allegorische Erklärung „Über das Paradies“ im engsten Anschluß an Philo von Alexandrien (um 375); als Fortsetzung hiervon die Abhandlung „Über Kain und Abel“ (nach 375); die ebenfalls, teilweise sogar wörtlich aus Philo schöpfende Schrift „Über Noe (und die Arche)“, letztere das Bild des menschlichen Leibes darstellend (um 378—386); „Zwei Bücher über Abraham“, ersteres für Katechumenen bestimmt, um sie in den erbaulichen moralischen Sinn des einschlägigen Genesisberichtes einzuführen, letzteres für Getaufte, um ihnen den tieferen mystischen Sinn desselben zu erschließen (um 387); der vermutlich aus Origenes, teilweise sicher aus Hippolyt und mit dem Text des Hohen Liedes durchwobene Traktat „Über Isaak und die Seele“, eine allegorische Darstellung der bräutlichen Verbindung Christi mit der Seele (um 388); „Zwei Bücher über Jakob und das selige Leben“, mit tiefsinnigen Erörterungen (1. Buch) und praktischen biblischen Beispielen (2. Buch) über die wahre Freiheit und die wahre Seligkeit (um 388);  „Über den Patriarchen Joseph“ als Vorbild der Keuschheit und Typus Christi (um 389); „Über die (Segnungen der) Patriarchen“, d. i. den Segen Jakobs über seine Söhne (um 389); „Über Elias und das Fasten“, Predigten zu Beginn der Fastenzeit mit scharfer Verurteilung der Unmäßigkeit und Genußsucht (um 387?391); „Über den Jezraheliten Nabuth“, eine Strafpredigt wider die Habsucht (um 394?); „Über Tobias“ eine solche wider den Wucher, d. i. wider das Zinsnehmen unter Gläubigen (wohl vor 380); die unter dem gemeinschaftlichen Titel „Überdie Klage Jobs und Davids“ zusammengefaßten vier Predigten, eine Art Theodizee anbetrachts des physischen und moralischen menschlichen Elends, sowie der Gottlosen Glück und der Frommen Unglück (um 383?); „Rechtfertigung des Propheten David an Kaiser Theodosius“ auf Grund des Bekenntnisses und der Buße Davids (383—389); „Erklärungen zu zwölf davidischen Psalmen“ (Ps. 1. 35—40. 43. 45. 47. 48. 61), eine nach dem Tode des heiligen hergestellte Homiliensammlung; die wiederum an Origenes orientierte, in die Schönheit des Hohen Liedes getauchte „Auslegung des 118. Psalmes“, 22 ,Reden zu je einem Oktonar desselben (wohl 387—388); die verloren gegangene „Auslegung des Propheten Isaias“ (vor 389). 

B. Schriften gegen Arianer und andere Häresien: „Über den Glauben an Kaiser Gratian in fünf Büchern“, eine auf Bitten des jungen Kaisers unternommene Verteidigung der Gottheit Christi gegen die Arianer (zwei Teile, 378 und 379—380); als Fortführung die auf Didymus dem Blinden, Athanasius und Basilius (Th. Schermann) beruhende Schrift „Über den Heiligen Geist“, eine gründliche Verteidigung seiner Konsubstantialität (381); „Über das Geheimnis der Menschwerdung des Herrn“, der gleichen Adresse und apologetischen Tendenz gewidmet (um 381—382); die nur fragmentarisch erhaltene „Auslegung des Glaubens“, die ebenso als echt festzuhalten sein wird, wie die Schrift „Über die Mysterien“, eine mystagogische Unterweisung der Neophyten über Taufe, Firmung und Eucharistie (um 387?); die wider die Novatianer gerichteten „Zwei Bücher über die Buße“, welche dem katholischen Priester die unbeschränkte Schlüsselgewalt über alle Sünden vindizieren (380—390); die verloren gegangene Schrift „Über das Sakrament der Wiedergeburt oder über die Philosophie“ [12]

C. Moralische Schriften. Kein Gebiet beherrscht Ambrosius so souverän, kein Feld bebaut er so fruchtbar als das praktisch-ethische: „Drei Bücher über die Pflichten der (Kirchen-) Diener“, das bekannteste seiner Werke, ein christliches Gegenstück zu Ciceros (stoischer) Pflichtenlehre, die erste mehr systematische Behandlung der christlichen Ethik (etwa um 391); die auf Marcellinas Wunsch verfaßten, in duftiges Sprachgewand gekleideten „Drei Bücher über die Jungfrauen“ (377), denen rasch die kurze Abhandlung „Über die Witwen“, sowie das Schriftchen „Über die Jungfräulichkeit“ mit der Rechtfertigung seiner bis zum Anstoß erfolggekrönten Predigten zugunsten des jungfräulichen Lebensstandes (sieh oben) folgten (um 378); „Die Unterweisung einer Jungfrau (Ambrosia) und die immerwährende Jungfräulichkeit der heiligen Maria an Eusebius“, eine scharfe Abrechnung mit den Gegnern (Bonosus) der Virginität (etwa um 391); . „Ermunterung zur Jungfräulichkeit“, eine erweiterte Gelegenheitspredigt (etwa 393). Den moralisch-aszetischen Schriften sind endlich trotz der nahen Beziehungen zu den exegetischen Abhandlungen beizuzählen der Traktat „Über das Gut des Todes“, eine Fortführung der Schrift „Über Isaak und die Seele“, mit reichem Einschlag platonischer und stoischer Gedanken, sowie die an Num. 35, 11 ff. (Freistädte) anknüpfende Paränese „Über die Weltflucht“, ein christlicher Ableger von Philos Schrift „Über die Flüchtlinge“ (etwa nach 391).

D. Reden. Nur wenige Predigten haben sich in der ursprünglicheren Form kunstmäßiger Rede erhalten. Es sind dies vor allem einige Leichenreden des Heiligen, die ältesten des christlichen Abendlandes, die den Weg zu uns herab genommen haben. Den ersten Platz behaupten die „Zwei Bücher über den Hingang seines Bruders Satyrus“, bestehend aus einer ergreifenden Trauerrede vor der aufgebahrten Leiche und einer sieben Tage darauf gehaltenen Trostrede mit einer in hohem Grade systematischen Darstellung und Begründung der christlichen Auferstehungslehre (387 oder 388). Daran reihen sich die „Trostrede auf den Tod Valentinians“ (II.) am Beerdigungstage in Gegenwart der beiden überlebenden Schwestern des ermordeten Kaisers (392), sowie die „Rede auf den Tod des Theodosius“, vierzig Tage nach dem Hinscheiden des kaiserlichen Freundes im Angesicht des neuen Augustus Honorius und des ganzen Heeres (395) gehalten. Hierher zählen endlich noch einige hochbedeutsame Gelegenheitsreden, wie sie die Briefe 22 und 41 überliefern, insbesondere aber die von heiligem Zorne flammende „Predigt gegen Auxentius betreffs der Auslieferung der Kirchen“ (386).

E. Briefe. Von der sehr umfangreichen Korrespondenz des Kirchenfürsten haben sich 91 Briefe erhalten, zum größeren Teil Amtsschreiben in Betreff öffentlicher Angelegenheiten der Kirche und des Staates, zum geringeren Teil nichtamtliche Schriftstücke. Nur wenige dienen einer rein persönlichen Aussprache. Verkörpert doch sein Leben und Wirken selbst ein beträchtliches Stück der Kirchen- und Profangeschichte seines Jahrhunderts.

F. Hymnen.
Ambrosius gilt auch als der Vater des Kirchengesanges, der Schöpfer der liturgischen Hymnodie im Abendlande. Vier der sog. Ambrosianischen Hymnen galten von jeher, weil schon durch einwandfreie äußere Zeugnisse beglaubigt, als Produkte seines Genius: Das feierliche Abendlied Deus creator omnium („O Gott, Du Schöpfer aller Welt“), der hehre Morgensang Aeterne rerum conditor („O ew’ger Schöpfer aller Welt“), der erhabene Kreuzeshymnus zur dritten Tageszeit lam surgit hora tertia („Schon bricht die dritte Stunde an“), endlich das innige Weihnachtslied Intende, qui regis Israel („Hör’ uns, Du König Israels“). Noch weitere acht (vielleicht zehn) kirchliche Hymnen vermochte die neuere Forschung als echte Geisteskinder seiner schöpferischen Dichtkunst mehr oder weniger sicher nachzuweisen. [13]
 

Philosophie

Ambrosius weist ein für seine Zeit ungewöhnliches Maß philosophischer Bildung im allgemeinen, eine große Vertrautheit mit der griechischen Philosophie im besonderen auf. Thales, Demokrit, Pythagoras und Hippokrates, Sokrates, Plato, Aristoteles, Zeno, Epikur waren ihm geläufig. Das Forschen nach der Wahrheit und das Verlangen nach immer größerer Erkenntnis erklärt er ausdrücklich als die Proprietäten der ersten Kardinaltugend, der Klugheit oder der von ihm synonym verstandenen Weisheit und definiert letztere als „die Erkenntnis des Wahren“. Als decorum müsse in der Forschung festgehalten werden, dass man mit allem Fleiß nur dem nachgehe, was wahr sei, nichts Falsches für wahr halte, das Wahre nicht verdunkle, den Geist nicht mit überflüssigen, unlösbaren oder ungewissen Problemen beschäftige (De off. I). Sowohl eine falsch verstandene Wissenschaft /Philosophie wie die materialistische Gentechnik, die am Erbgut herummanipuliert als auch eine Pseudoreligion wie die der Arianer oder der heutigen Muslime sei abzulehnen. [14]

Mit diesen Forderungen und Funktionen der wahren Weisheit sieht aber Ambrosius die „Weltweisheit oder heidnische Philosophie in offenkundigem Widerspruch, sieht sie, vom Lichte der Wahrheit abgekehrt, in Nacht und Finsternis irren. Ihr, dem Kehr- und Zerrbild der wahren Weisheit, gilt seine Ablehnung, sein Kampf. „Was wäre denn auch so ungeziemend (indecorum), als dem Holz göttliche Verehrung erweisen, was jene tun? Was wäre in solches Dunkel gehüllt als die Probleme der Astronomie und Geometrie, wie sie selbst zugeben? als die Räume des Luftkreises messen, den Himmel und das Meer in Zahlen fassen und dabei von den Quellen des Heils sich entfernen und den Irrtümern nachgehen? (Ib.) „Die Weisen der Welt besitzen zwar die Augen des Geistes, aber sehen nicht. Sie schauen nichts vom Lichte, sondern wandeln im Finstern. Sie wähnen die Höhen des Himmels zu erspähen, während sie dem nächtlichen Blendwerke der Dämonen nachhängen . . . Dem Glauben abgekehrt umgibt sie die Finsternis ewiger Blindheit. Da der Tag Christi und das Licht der Kirche vor ihren Augen leuchtet, sehen sie gleichwohl nichts, öffnen aber doch den Mund, als wüssten sie alles. Scharfsinnig im Nichtigen, doch abgestumpft für das Ewige, verraten sie mit den Umschweifen ihrer langen Deduktionen nur die Blindheit ihrer Unwissenheit und sehen, während sie in spitzfindigen Untersuchungen den Flug nach oben richten wollen, gleich Nachtvögeln nichts inmitten des Lichtes." (Exam. V) [15]

So wenig als die Pseudowissenschaftler besitzen aber auch die Häretiker und die Gottlosen die wahre Weisheit. Erstere schon deshalb nicht, weil dieselbe den rechten Gottesbegriff zur notwendigen Voraussetzung und zum hauptsächlichsten Inhalt hat, den sie fälschten; „denn niemand ist ein Weiser, der Gott nicht kennt. Demgemäß hat der Unweise gesprochen: es gibt keinen Gott (Ps. 14, 1); der Weise nämlich würde nicht so gesprochen haben. Wie wäre auch der ein Weiser, der nicht seinen Urheber sucht, der zum Steine spricht: mein Vater bist du (Jer. 2, 27), der wie Manichäus zum Teufel spricht: mein Urheber bist du. Wie wäre Arius ein Weiser, der lieber einen unvollkommenen und unebenbürtigen als den wahren und vollkommenen Urheber haben möchte? Wie wäre Marcion ein Weiser und Eunomius, die lieber einen bösen als einen guten Gott haben wollen? (De off. I)? [16]

Die Häretiker wie die Ungläubigen missbrauchen in den Augen des Ambrosius die Philosophie nicht bloß zur Propaganda ihrer Irrtümer, sondern auch zur Bekämpfung der kirchlichen Rechtgläubigkeit, des christlichen Glaubens. Im Dienste des häretischen Rationalismus und der heidnischen Polemik wird sie die giftige Feindin der überlieferten Heilswahrheit, die unversöhnliche Widersacherin der christlichen Weltanschauung und Lebensauffassung. Aus dieser konkreten Sachlage ist es also zu beurteilen, wenn der hl. Lehrer als der berufene Hüter und unentwegte Vorkämpfer der kirchlichen Orthodoxie der Pseodo-Philosophie gegenüber eine so skeptische und schroff ablehnende Haltung einnimmt. [17]

Subjekt der Verdammnis sind die bösen Geister, für die es keine Erlösung gibt (De fug.); sodann die „Gottlosen“ und „Ungläubigen“, zu denen auch die Arianer und heute die Muslime zählen, die „mit dem Teufel gezüchtigt werden“; endlich die eine Gruppe der „Sünder“, d. i. der Todsünder. Die Strafe besteht vor allem in deren „Ausschluß vom Reiche Gottes“ (In Ps. 39) und von seinen Gütern („Verlust des Ewigen“ usw.), in deren Trennung („Relegation“) von Gott und „Verwerfung vor Gottes Angesicht“, der schwersten Strafe von allen (Apol. Dav.), wie ja umgekehrt die himmlische Seligkeit gerade in der Anschauung Gottes gipfelt. In positiver Hinsicht führt die Strafe zum „Hinabgestoßenwerden“ in die „untersten Regionen des Infernus“, in dessen „Tiefe sie versinken“, „wie von einem schweren Mühlstein . . ., von zentnerschwerem Blei ihrer Schuld hinabgedrückt“. Diese Regionen bilden näherhin einen „brennenden Feuerpfuhl“, so dass der Gedanke an die Hölle auch bei Ambrosius in die Vorstellung eines grimmigen Straffeuers überzugehen pflegt, das „stets von neuem peinigt“ (In Ps. 118). [18]

Wie die Seligkeit der Auserwählten pflegt der Kirchenvater auch das Straflos der Verdammten unter denselben Gesichtspunkten ins Auge zu fassen wie ihren diesseitigen Seelenzustand, der seinem wesentlichen Inhalt nach durch den Tod nicht alteriert wird, so tiefeinschneidend auch die Veränderung in der äusseren Gesamtlage derselben sein mag. Am häufigsten fasst er dasselbe auf als moralischen Tod („des Todes sterben“), als moralisches Nichtsein, Nichtexistieren, sodann als „unerträgliche Knechtschaft“ in „Kettenbanden und Kerkerhaft“, als „Finsternis ewiger Nacht“, als absolute Armut und Entbehrung aller äusseren und inneren Gnadengüter und Lebensgenüsse, als Fried- und Ruhelosigkeit, als ewiges Wehklagen usw. Indes ist auch die Strafsumme der Verdammten nicht für alle gleich. Die Größe des Strafmaßes bemisst sich nach der Größe der Schuld: Engelsünde ist strafwürdiger als Menschensünde; die Sünde eines Älteren strafwürdiger als die eines Jugendlichen, die Verführung eines Kindes strafwürdiger als die eines Erwachsenen (In Ps. 118). [19]

Die Ewigkeit der Hölle und der Höllenstrafen betont und umschreibt Ambrosius in den verschiedensten und unzweideutigsten Wendungen. Sie ist ein „Feuerbrand ohne Aufhören“, und „gerade deshalb erlischt ihr Brand nicht, damit die Strafe nimmer sterbe“ (De fid. II). Da er aber nur die „Ungläubigen“ und „Gottlosen“, nicht aber die „Sünder“, die den Glaubenshabitus bewahrten, für immer und ewig zugrunde gehen läßt, erklärt es sich, dass er in seinem Predigtwort an die Gläubigen mehr auf die „Schrecken des Gerichtes“, die allererst über die „Sünder“ ergehen, als auf die ewigen Höllenstrafen rekurriert. Nur wo der Glaube selbst auf dem Spiele steht, wo es sich z. B. um das Martyrium um des Glaubens willen handelt, stellt er als mächtigstes Motiv die Ewigkeit der Höllenstrafen den Gläubigen in grellster Beleuchtung vor Augen. [20]

Die Voraussetzung der ewigen Höllenstrafen ist die physische Fortdauer der Verdammten. Das „Nichtsein“, „Nichtleben“ derselben versteht Ambrosius nicht im Sinn einer physischen Annihilation. „Viele“4, sagt er selbst, „haben die keineswegs gleichgültige Frage aufgeworfen, ob nicht die Heilige Schrift (Ps. 1, 4) die endliche Vernichtung der Natur (der Gottlosen) ausspreche?“ Und er antwortet mit einem entschiedenen Nein. Die menschliche Natur sei nichts Substantiell-Böses. Etwas Substantielles sei die Gottlosigkeit überhaupt nicht, sondern nur ein der Natur inhärierender Habitus. „Wie sollte also die Schrift mit der Vernichtung eines bloßen Habitus [apollesomenas physeis], d. i. dem Untergang geweihte Naturen meinen?“ Die Offenbarung bekräftige nur diese Wahrheit, „deren Annahme philosophisch nichts im Wege stehe“. „Gott habe versichert, dass wohl der Weg der Gottlosen untergehe (Ps. 1, 6), nicht aber die Gottlosen selbst. Er erhält ihre Natur . . .“ (In Ps. 1.)  [21]

Die Tage der Gottlosigkeit stehen im Zeichen des Antichrists und des Massenabfalles von der wahren Religion. Der Antichrist selbst ist ein Menschenindividuum, aus dem Stamme Dan hervorgehend (Gen. 49, 16 f.), vom Teufel verschieden, zu welchem er weder in einem Identitäts- noch Verwandtschaftsverhältnis (Laktantius) steht. Umso enger freilich knüpft sich das moralische Band zwischen beiden, demzufolge der Teufel der „Urheber des Antichrists“, der Antichrist der „Schüler des Teufels“ ist, der an Selbstüberhebung den Meister noch überbietet (In Ps. 118). Einen Antichrist als Personifikation der gottfeindlichen Gewalten in der Welt oder als appellative Bezeichnung der gottwidrigen Menschheit kennt Ambrosius nicht; wohl aber adoptiert er die sekundäre, zeit- und weltgeschichtliche Anwendung des Begriffes im Sinne der paulinischen und besonders johanneischen Theologie: „Es gibt noch einen dritten Antichrist, sei es Arius, sei es Sabellius; ja lauter Antichristen sind es, die uns durch ihre falsche Schriftauslegung beirren“ (In Luc. X). [22]

In seinem Wirken verkörpert der Antichrist so recht die Macht der Sünde. Diese Machtentfaltung charakterisiert das kurze Sätzchen: „Der Böse ist in seinem Reich“ (In Luc. X). Er schreitet in der Selbstapotheose bis zur vollendeten Empörung wider Gott fort (2 Thess. 2, 3 f.). Unter den Menschen aber beschwört er die „Tage der Gottlosigkeit“, den Greuel der Danielschen Verwüstung (Dan. 9, 27) herauf, „indem er mit unseligen Sakrilegien das Innere des Geistes beflecken wird“ (Ib.). Straffolgen der überhandnehmenden Ungerechtigkeit und zugleich Anzeichen des nahenden Endes sind sodann gewaltige Katastrophen im äusseren Natur- und Menschenleben (Luk. 21, 11) sowie der grauenhafte Verfall des religiösen Lebens, auf welche Ambrosius allegorisch die kosmischen und astralischen Umwälzungen (Matth. 24, 29) und die „Abkürzung jener Tage“ (Ib. 22) zu deuten pflegt; endlich das Auftreten von Falschpropheten, welche in Wort und Werk, in Scheinwundern und Vorspiegelungen dem Antichrist in die Hände arbeiten.  „Aus der Mitte aber wird er hinweggeräumt (2 Thess. 2, 7) und die Gerechtigkeit wird herrschen, die jede (andere) Herrschaft in den Seelen der Gläubigen vernichtet (1 Kor. 15, 24), wenn jeglichem in seiner Not Christi geistige Gegenwart aufleuchten wird“. Damit kommt Ambrosius auf die Zeichen der Adventzeit selbst zu sprechen und deutet an, dass Christus nicht sowohl durch seine physische Wiederkunft und die mit ihr verbundenen eschatologischen Ereignisse der Herrschaft des Antichrists das jähe Ende bereiten und die „Tage der Gerechtigkeit“ heraufführen wird, als vielmehr durch seinen der physischen Wiederkunft vorausgehenden, sie einleitenden Gnadenadvent. Es wird das Gute (und die Guten) in der Zeit des Antichrists nicht bloß geprüft werden (In Ps. 37), sondern zugleich durch ein ausserordentliches Gnadenwalten Gottes innerlich mehr und mehr erstarken, bis es auch äusserlich zur obsiegenden Herrschaft auf dem ganzen Erdkreis gelangen wird. Der leiblichen Wiederkunft geht die geistige Parusie als Morgenrot voraus. Die zum Gerichte und zur leiblichen Auf-erweckung der Toten erscheinende Sonne der Gerechtigkeit wirft gleichsam ihre mächtigen Strahlen über den Erdkreis voraus, welche erst noch die innere Gnadenerleuchtung und geistige Auferstehung der lebenden Menschheit bezwecken. [23]
 

Klugheit, Schlaf, Tod und Auferstehung; Unterschied zwischen den Dienern Christi und den Verehrern der Götzen

Ambrosius meint, die Klugheit, werde von den Weisen folgendermaßen erklärt: "Das höchste der Güter sei, sagen sie, Gott zu erkennen, ihn als das Wahre und Göttliche frommen Sinnes zu verehren, jene liebens- und begehrenswürdige Schönheit der ewigen Wahrheit mit der vollen Glut des Herzens zu lieben. Das Zweite aber bestehe darin, von jenem göttlichen Urquell aller Dinge die Liebe auf die Nebenmenschen hinüberzuleiten, weil auch die Weisen der Welt aus unseren Gesetzen geschöpft haben. Sie hätten ja nicht in die menschliche Gesetzgebung hinüberleiten können, was sie nicht aus jenem himmlischen Quell des göttlichen Gesetzes geschöpft hatten."  [24] 
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Gerade das entspricht der Tugend der Klugheit, sich selbst zu erkennen und, wie es von den Weisen erklärt wird, der Natur gemäß zu leben. Was ist aber so naturgemäß, als dem Schöpfer Dank zu sagen? Blicke doch nur auf zum Himmel, ob er dem Schöpfer nicht Dank darbringt! „Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes, und das Firmament verkündet die Werke seiner Hände.“ So bietet auch das Meer, wenn es friedlich und still ist, ein Bild des göttlichen Friedens; ist es erregt, dann zeigt es die Schrecken des höchsten Zornes. Bewundern wir Alle nicht mit Recht Gottes Huld, wenn wir bemerken, dass auch die leblose Natur doch gewissermaßen mit Vernunft ihre Fluthen bändigt, dass auch die Woge Grenze und Ziel für sich erkennt? Was soll ich von den Fluren sagen, welche gehorsam göttlichem Gebote, allen Tieren Nahrung bieten, und welche die Saat, die sie aufgenommen, mit reichlichen Zinsen vermehrt zurückerstatten? Jener nun, der an der Hand der Natur das Wesen des göttlichen Werkes mit der Glutkraft seines Geistes erfasst hatte, der wusste auch, dass er vor Allem seinem Erretter Dank darbringen müsse: und da er ihn darbringend nicht hingeben konnte, so behielt er ihn fortdauernd im Besitze. Das ist ja die eigentümliche Kraft des Dankes, dass er, während er dargebracht wird, im Besitze bleibt. So brachte jener den Dank dar und empfing den Glauben. Denn wer so den Schutz des himmlischen Geheimnisses, das in das Leinentuch eingeschlossen war, erfahren hatte: wie sehr glaubte der wohl, wenn er das Geheimnis mit dem Munde empfing und in die Tiefe seines Herzens aufnahm! Wie viel erhabener musste er es erkennen, wenn er es in seiner Brust trug, da es ihm schon in der Umhüllung des Tuches solchen Schirm bereitet hatte! Wie groß aber auch sein Verlangen war, so vergaß er doch nicht der schuldigen Vorsicht, wie das bekanntlich bei Manchen in der Glut des Verlangens wohl vorkommt. Er rief den Bischof zu sich, und da er nicht glaubte, dass wahre Dankbarkeit ohne den wahren Glauben bestehen könnte, erforschte er zunächst, ob Jener auch mit den katholischen Bischöfen oder, was dasselbe ist, mit der Römischen Kirche verbunden sei.  [25] 

Versiegen sollen also die Tränen! Den von Gott gegebenen Heilmitteln gemäß soll man leben, weil doch zwischen Gläubigen und Ungläubigen ein Unterschied obwalten muss. Diejenigen mögen weinen, welche die Hoffnung der Auferstehung nicht haben können, jene Hoffnung, welche kein Urtheilsspruch Gottes, welche uns einzig die Schwäche des Glaubens raubt. Ein Unterschied muss zwischen den Dienern Christi und den Verehrern der Götzen bestehen: diese mögen die Ihrigen beweinen, die sie für immer dem Untergange geweiht erachten; sie mögen ihren Tränen keine Unterbrechung, ihrem Schmerze keine Ruhe gestatten, weil sie an das Ruhen der Todten nicht glauben. Uns aber, denen das Sterben nicht der Tod der Natur, sondern nur das Ende dieses Lebens ist, wobei die Natur selbst zum Besseren verwandelt wird: uns soll der Eintritt des Todes auch die Tränen allzumal trocknen. Wenn nun aber selbst jene noch irgend einen Trost für sich gefunden haben, welche den Tod für das Ende des Fühlens, für die Auflösung der Natur halten: um wie viel mehr müssen wir uns trösten, denen das Bewusstsein der guten Werke nach dem Tode herrlichere Belohnung verheißt! Die Heiden haben Trost gefunden, indem sie den Tod als das Ausruhen von allen Leiden ansahen: wie sie den Genuß des Lebens entbehrten, so, meinen sie, fehlte dort auch jedes schmerzliche Gefühl von all’ den Leiden, die wir im diesseitigen Leben so schwer und andauernd zu ertragen haben. Wir aber müssen, wie durch die Belohnung mehr aufgerichtet, so auch in der Tröstung geduldiger sein; nicht verloren, sondern nur vorausgeschickt scheinen ja die zu sein, welche der Tod nicht verschlingen, sondern die Ewigkeit aufnehmen sollte. [26] 

"So findet der Tod Bild und Gleichniß im Schlafe. Wenn die Seele, obwohl noch haftend in den Fesseln des Körpers, gebunden gleichsam im Kerker der Glieder, doch Höheres und Geistiges erkennen kann: um wie viel mehr wird sie das schauen, wenn sie dereinst in ihrem reinen vergeistigten Fühlen kein Hinderniß körperlicher Gebrechlichkeit mehr empfindet!" - St. Ambrosius, De ex. I, 14
"Welches Heilmittel aber soll ich suchen? „Wer wird mich befreien vom Leibe dieses Todes? Die Gnade Gottes durch unsern Herrn Jesus Christus.“(Röm. 7, 23 ff) Wir haben also einen Arzt, folgen wir dem Heilmittel! Es ist die Gnade Jesu Christi, und der Leib des Todes ist unser sterblicher Leib." - St. Ambrosius, De ex. II, 7
Nicht die Rechte der Natur sollen wir aufgeben, sondern die Gabe der göttlichen Gnade zum Voraus wünschen: „Aufgelöst und mit Christus zu sein,“ sagt der Apostel, „wäre um Vieles besser; aber mehr noch ist es nothwendig, im Fleische zu bleiben um euretwillen.“ (Phil. 1, 23) [27] 

Jener Vogel Arabiens, den wir Phönix nennen, lebt wieder auf, wenn nach seinem Tode die wiedererwachende Lebenskraft ihm zurückgegeben wird; und dass die Menschen wieder auferstehen, glauben wir nicht? "Oft genug haben wir vernommen und in Schriften gelesen, dass dem gedachten Vogel genau fünfhundert Jahre Lebenszeit bestimmt seien; wenn er dann in prophetischer Ahnung das Ende seines Lebens nahe erkenne, so bereite er sich eine Urne mit Weihrauch, Myrrhen und anderem kostbaren Rauchwerke; nachdem dieses Beginnen zugleich mit der bestimmten Zeit erfüllt sei, trete er selbst in die Urne und sterbe allda; aus seinem Lebenssafte aber entstehe ein Wurm, der allmählich zur Gestalt des Vogels wieder heranwachse; indem die Flugfedern wieder zurückgegeben würden, erneuere sich die frühere Lebensgewohnheit, und so beginne er die alten Lebensverrichtungen wieder gleichsam in Erfüllung einer Dankespflicht. Jene Urne nämlich, Hülle des Todes oder Wiege der Auferstehung, in welcher der Phönix nach Ablauf seiner Zeit stirbt, aber aus der er auch wieder seinen Ausgang nimmt: diese Urne kommt aus Äthiopien noch Lycaonien. So erkennen denn die Bewohner jener Gegenden aus dem Wiedererstehen des wunderbaren Vogels, dass die Zeit von fünfhundert Jahren vollendet ist. Für den Phönix ist also das fünfhundertste, für uns aber das tausendste Jahr das Jahr der Auferstehung: für jenen noch in der Weltzeit, für uns beim Ende der Welt.“ Man darf hier, ohne dem heiligen Ambrosius in seiner Rechtgläubigkeit zu nahe zu treten, recht wohl annehmen, dass er das tausendste Jahr in Wirklichkeit als die Zeit für das Weltende angenommen: zum Chiliasten macht ihn diese Meinung noch lange nicht. Man darf aber auch, ohne dem Texte Zwang anzutun, die Zahl 1000 wegen ihrer inneren Vollkommenheit als Bezeichnung für die Fülle aller Zeit nehmen. So sagt der hl. Augustinus de civit. Dei XX, 7 bei der Erklärung der Stelle aus der Offb. Joh. 20, 1 ff.: „Mille annos pro annis omnibus huius saeculi posuit, ut perfecto numero notaretur ipsa temporis plenitudo.“ Für diese Auffassung spricht das weitere Wort des Ambrosius (im 4. Alinea von hieran gerechnet): „Die Zeiten der Welt sind ein Jahr.“ [28] 

"Gar Viele nehmen auch an, dass der Phönix die Urne selbst anzünde und aus seiner eigenen Asche wieder erstehe. Vielleicht hat aber die Annahme Berechtigung, dass die tiefer erforschte Natur auch tiefere Begründung des Glaubens anbahnt. So möge denn unser Geist auf den Anfang und Ursprung des werdenden Menschen zurückgreifen. Ihr seid Männer und Frauen, denen das, was menschlich, nicht unbekannt ist. Sollten aber Einige von euch in Unwissenheit sein, so glauben diese wohl ohne Zweifel, dass wir aus Nichts geboren werden. Wie verschwindend klein ist die Quelle unseres Daseins! Wenn wir auch nicht weiter uns aussprechen, so wisset ihr doch, was wir sagen, oder eigentlich was wir nicht sagen wollen. Woher wird nun dieses Haupt, dieses bewunderungswürdige Antlitz, dessen Urheber wir nicht sehen, während wir das Werk anstaunen, woher wird Beides zu den verschiedenen Verwendungen und Tätigkeiten gestaltet? Woher kommt diese aufgerichtete Gestalt, diese erhabene Haltung, die Kraft zu handeln, die Lebhaftigkeit des Gefühles, die Fähigkeit ferner, aufrecht einher zu schreiten? Die eigentlichen Organe der Natur entziehen sich unserer Kenntnis, nur die Verrichtungen derselben sind uns bekannt."  - St. Ambrosius, De ex. II, 11

"Höre, was Paulus sagt, und lerne von ihm, dass du Samen bist: „Gesäet wird der Leib in Verweslichkeit, auferstehen wird er in Unverweslichkeit; gesäet wird er in Unehre, auferstehen wird er in Herrlichkeit; gesäet wird er in Schwachheit, auferstehen wird er in Kraft; gesäet wird ein tierischer Leib, auferstehen wird ein geistiger Leib.“ Und auch du wirst gesäet, wie alles Übrige; was wunderst du dich, wenn du auch erstehest, wie alles Uebrige? Jenes glaubst du, weil du es siehest; dieses glaubst du nicht, weil du es nicht siehest: und doch „sind selig diejenigen, welche nicht sehen und gleichwohl glauben.“ Übrigens sollte darnach auch Jenes nicht geglaubt werden, ehe die Zeit dazu kommt; jede Zeit ist ja nicht geeignet, die Saat hervorzurufen. Zu anderer Zeit wird der Weizen gesäet, zu anderer geht er auf; zu anderer Zeit wird die Rebe gesetzt, zu anderer schwellen die knospenbedeckten Reiser, sprossen die Blätter, bildet sich die Traube; zu anderer Zeit wird der Ölzweig gepflanzt, zu anderer birgt er wie im Mutterschooße die Last der Beeren, und  wieder zu anderer Zeit neigt er sich unter der reichen Fülle seiner Frucht. Ehe aber für jedes seine Zeit kommt, ist das Wachsthum karg, und die zeugende Kraft der Natur hat die Zeit des Werdens nicht in ihrer Gewalt. Du kannst beobachten, wie sie formlos, nackt im Keime liegt, wie sie dann aber unter Blüten ergrünt, wie sie dann in der Glutdürre wieder Mutter aller Dinge wird. Wollte sie auch für alle Zeiten sich schmücken, wollte sie niemals den goldenen Schmuck der Saaten, die grünende Pracht der Wiesen ablegen: sie wird doch des Mangels ihrer eigenen Früchte nicht überhoben sein; sie wird nicht im Besitze ihrer Erträgnisse bleiben, die sie wieder zum Zwecke anderer Befruchtung abgegeben. Willst du also unsere Auferstehung nicht im Glauben, auch nicht auf Grund anderer Beispiele annehmen, so wirst du doch sie glauben auf Grund der Erfahrung. Viele Früchte, Wein, Oel, verschiedene Obstarten und andere haben am Schlusse des Jahres die Zeit ihrer Reife: auch uns bezeichnet das Ende der Welt, gleichsam das äusserste Ende des Jahres, die zur Auferstehung passende Zeit. Mit Recht fällt die Auferstehung der Toten mit dem Ende der Welt zusammen, damit nach der Auferstehung eine Rückkehr zu dieser sündigen Welt und Zeit nicht mehr stattfinden könne. Hat ja Christus gerade deswegen gelitten, um uns von dieser bösen Welt zu befreien, damit die Versuchungen der Welt uns nicht von Neuem überstürzten und so die Wiedergeburt, wenn es eine Wiedergeburt zur Schuld wäre, Unheil statt Segen brächte. Da haben wir also Grund und Zeit für die Auferstehung: den Grund, sofern die Natur sich bei allen Geschöpfen gleich bleibt, also auch beim Menschen allein nicht ausartet; die Zeit, weil Alles am Ende des Jahres zur Frucht wird. Die Zeiten der Welt sind Ein Jahr. Ist das zu verwundern, da sie in Einem Tage zusammengefasst werden? An Einem Tage führt der Herr die Arbeiter in seinen Weinberg mit den Worten: „Was stehet ihr hier den ganzen Tag müßig?“ Grund allen Entstehens ist der Same; dass aber auch der menschliche Leib Same sei, lehrt der Völkerapostel. Daraus folgt, dass er auch die Substanz zur Auferstehung einschließt. Wenn dem aber auch nicht so wäre, sollte denn wohl Jemand glauben, es sei für Gott schwierig, wo und wie er es wollte, die Menschen wieder in das Dasein zu rufen, da er doch nur befahl, die Erde solle ohne irgend eine Substanz oder Materie entstehen — und sie entstand! Blicke den Himmel an, betrachte die Erde! Woher kommt das Glutfeuer der Sterne? Woher der strahlende Umkreis der Sonne? Woher der Mondball? Woher kommen die Gipfel der Berge, die Härten der Felsen, die schattigen Haine der Wälder? Woher kommt ferner die weit ergossene Luft, das eingeschlossene und überströmende Gewässer? Wenn nun Gott dieses alles aus Nichts gemacht hat („Er sprach, und es ward; er befahl, und es war erschaffen“): warum sollen wir dann anstaunen, dass wiedererstehen könne, was einst gewesen ist? Sehen wir doch, dass geworden ist, was nicht war." Ib.
 

Auch die Propheten kündigten den Völkern die Auferstehung an, nicht jedoch die Wanderung der menschlichen Seele in einen Tierleib

Auch Isaias, der den Völkern die Auferstehung ankündigte, und der versichert, dass er als ein Bote göttlichen Auftrages rede, auch er hat gesagt: „Geredet hat der Mund des Herrn, und die Völker werden ausrufen: Wegen deiner Furcht, o Herr, haben wir empfangen und den Geist deines Heiles geboren, den du ausgegossen hast über die Erde. Hinsinken werden die, welche die Erde bewohnen, erstehen werden die, welche in den Gräbern sind. Dein Tau ist Heil für sie, aber der Gottlosen Land wird vergehen. Gehe, mein Volk, gehe in deine Kammer; verbirg dich einen kleinen Augenblick, bis der Zorn vorüber ist.“2 Auch der heilige Prophet Ezechiel lehrt und beschreibt ausführlich, wie den dürren Gebeinen die Lebenskraft zurückgegeben wird, wie Sinn, Bewegung, Nerventätigkeit zurückkehrt und so das Gebilde des menschlichen Körpers wieder erstarkt; wie dann die dürren Gebeine mit Fleisch umgeben werden, und wie der Lauf der Adern die Ströme Blutes wieder unter die Decke der Haut leitet. Lesen wir diese prophetischen Schilderungen, so scheint es uns, als wenn die Saat der menschlichen Körper vor unseren Augen wieder erstehe; wir meinen das ausgedehnte Brachfeld sich regen zu sehen in aufgehender Menschensaat. Wenn nun heidnische Weise geglaubt haben, dass aus hingestreuten Drachenzähnen auf den Gefilden Thebens einstmals eine starre Saat Bewaffneter hervorgegangen sei, während es doch sicher ist, dass die Natur ihre Saat nicht in andere Wesen verwandeln kann, auch niemals von der Saat verschiedene Frucht hervorgebracht hat, so dass Menschen aus Schlangen oder aus Zähnen hervorgingen: wenn die Weisen gleichwohl so glauben, so sollte man doch um so mehr glauben, dass Alles, was gesäet worden, zu seiner früheren Natur und Wesenheit wieder auferstehe. Könnt ihr Heiden, dürfen wir fragen, könnt ihr die Veredlung der Natur leugnen, wenn ihr die Veränderung derselben annehmet? Solltet ihr dem Propheten und dem Evangelium nicht glauben können, wenn ihr leere Fabeln so bereitwillig glaubt? Hören wir nun den Propheten selbst! So lauten seine Worte: (Ezech. 37, 1 ff) „Die Hand des Herrn kam über mich und führte mich hinaus im Geiste des Herrn und ließ mich nieder mitten auf ein Feld, das voll von Gebeinen war. Und er führte mich durch sie allenthalben ringsum; es waren ihrer aber sehr viele auf der Oberfläche des Feldes, und sie waren sehr dürre. Und er sprach zu mir: Menschensohn, meinst du wohl, dass diese Gebeine lebendig werden? Und ich sprach: Gott, Herr, du weisst es! Und er sprach zu mir: Weissage über diese Gebeine und sprich zu ihnen: Ihr dürren Gebeine, höret das Wort des Herrn! So spricht Gott der Herr zu diesen Gebeinen: Siehe ich will Geist in euch bringen, dass ihr lebendig werdet. Ich will euch Nerven geben und Fleisch über euch wachsen lassen, und euch mit Haut überziehen, und will euch Geist geben, dass ihr lebendig werdet, und ihr sollet erfahren, dass ich der Herr bin. Und ich weissagte, wie er mir geboten hatte. Und da ich weissagte, fing es zu rauschen an, und es regte sich über die Erde hin.“ Beachte wohl, dass der Prophet kundgibt, wie in den Gebeinen Gehör und Bewegung war, auch ehe noch der Geist des Lebens in sie ausgegossen war. Ueber die dürren Gebeine hin ergeht das Gebot, zu hören, als hätten sie den Gehörsinn auch jetzt noch. dass sie wirklich gehört und sich zu einander hin bewegt haben, liegt in der Beschreibung des Propheten, der fortfährt: „Gebein nähert sich zu Gebein, ein jegliches zu seinem Gliede. Und ich schaute, und siehe, Nerven und Fleisch kamen über sie, und Haut zog sich darüber: Geist aber hatten sie noch nicht.“ [29] 

Zu Einstein und anderen Materialisten kann man mit Ambrosius sagen: "Über den Lauf der Sonne und das Wesen des Himmels haben die Philosophen ihre Meinungen, und es gibt Leute genug, welche meinen, dass man ihnen glauben müsse, während sie doch nicht wissen, was sie sagen. Sie haben ja den Himmel nicht erstiegen, haben seine Achse nicht gemessen, haben die Welt nicht durchforscht. Keiner von ihnen ist bei Gott gewesen im Anfange der Dinge; keiner von ihnen hat von Gott gesagt: „Als er die Himmel bereitete, da war ich bei ihm, und erfreute mich vor ihm Tag für Tag.“(Prov. 8, 27) Wenn man gleichwohl Jenen glaubt, soll dann Gott doch nicht geglaubt werden? „Wie die neuen Himmel und die neue Erde, die ich vor mir bestehen mache, spricht der Herr, so wird auch euer Same und euer Name bestehen. Und es wird geschehen von Monat zu Monat, und von Sabbath zu Sabbath, dass alles Fleisch kommt, um vor mir anzubeten, spricht der Herr. Und man wird hinaus gehen und schauen die Leichname der Menschen, die sich an mir versündigt haben: ihr Wurm wird nicht sterben und ihr Feuer nicht erlöschen, und sie werden zum Abscheu sein allen Menschen.“(Isa. 66, 22 ff.) Wenn nun Himmel und Erde erneuert wird, warum zweifeln wir dann, dass auch der Mensch erneuert werde, um deswillen doch Himmel und Erde gemacht sind? Wenn der Sünder zur Strafe erhalten bleibt, warum soll nicht der Gerechte ewig leben zur Glorie? Wenn der Wurm der Sünder nicht stirbt, wie soll dann der Leib der Gerechten vernichtet werden? Das ist ja die Auferstehung, wie das Wort selbst es ausdrückt: was niedergesunken, erhebt sich wieder; was gestorben war, soll wieder aufleben. Das ist aber Ende und Ziel der Auferstehung, dass Leib und Seele, wie ihre Handlungen gemeinsam sind, beide auch zum Gerichte kommen, damit beiden Lohn zu Teil werde oder Beide ihre Strafe erhalten." [30] 

In Anbetracht der Materialisten und Arianer oder Muslime kann man auch heute noch sagen: "Wir sehen also, eine wie schwere Gotteslästerung darin eingeschlossen liegt, wenn wir nicht an die Auferstehung glauben. Wenn wir nicht auferstehen, dann ist Christus vergebens gestorben, dann ist Christus gleichfalls nicht auferstanden. Denn wenn er für uns nicht auferstanden ist, so ist er überhaupt nicht auferstanden, weil gar kein Grund vorhanden war, dass er für sich selbst auferstände. In ihm ist Welt, Himmel und Erde auferstanden, denn es wird ein neuer Himmel, eine neue Erde sein. Wie aber könnte für ihn selbst die Auferstehung als Nothwendigkeit gelten, da ihn die Bande des Todes gar nicht halten konnten? Obwohl er als Mensch gestorben ist, so war er doch auch in der Unterwelt frei." Er ist Mensch geworden, nicht bloß dem äusseren Scheine nach, sondern in Wahrheit, und wer wird ihn erkennen? „Er ist den Menschen gleich geworden,“ sagt der Apostel, „und im Äussern wie ein Mensch erfunden; er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode.“(Phil. 2, 7 f.) Durch seinen Gehorsam sollen wir aber auch seine Glorie erkennen: „die Glorie wie des Eingeborenen vom Vater.“ Er bedurfte keines Helfers: er musste denselben entbehren, als er die Welt schuf, damit er seiner auch entbehren könnte, als er die Welt erlöste. Kein himmlischer Bote oder Gesandter kam, sondern der Herr selbst hat ihn gerettet. Wer könnte ihm auch Hilfe leisten, durch den Alles geschaffen ist, durch den Alles besteht? [31]

Angenommen aber auch, dass dem nicht so sei, so muss doch jedenfalls diesem Leben die Auferstehung vorgezogen werden. Oder haben gewisse Weltweise irgend eine Art des Daseins aufgefunden, der wir uns lieber hingeben möchten, als der Auferstehung? "Selbst diejenigen, welche sagen, dass die Seele allein unsterblich sei, können mich hier nicht zufriedenstellen, da sie nur eine teilweise Erlösung in Aussicht geben. Oder was ist das für ein Gnadenerweis, wenn ich nicht ganz errettet bin? Was ist das für ein Leben, wenn Gottes Werk in mir vernichtet wird? Wo bleibt da die Gerechtigkeit, wenn der Tod das Ende unserer Natur birgt, und zwar in gleicher Weise dem Verkehrten wie dem Gerechten? Wo bleibt da die Wahrheit, nach welcher geglaubt wird, dass die Seele, die selbst sich bewegt und immer bewegt wird, unsterblich sei? Ungewiß ist es vielleicht, wie es sich mit dem Leben, das uns mit den Tieren gemein ist, verhält, ehe der Körper da war; und nun soll aus den Gegensätzen die Wahrheit nicht gefolgert, sondern aufgehoben werden. Oder gefällt die Meinung derjenigen vielleicht besser, die behaupten, dass unsere Seelen, sobald sie aus dem Leibe geschieden sind, in die Leiber von Tieren oder von anderen Wesen übergehen? Aber fürwahr, dass dies dichterische Spielereien seien, passend zu den durch Tränke bewirkten Circeischen Verzauberungen, das pflegen die Philosophen selber zu lehren; und sie sagen, dass nicht sowohl diejenigen, welche Solches, also die Wanderung ihrer Seele in einen Tierleib, erduldet zu haben vorgeben, als vielmehr die Sinne jener, welche derlei Narrheiten ersonnen haben, wie durch einen Circe-Trank in verschiedene Tier-Ungeheuer verwandelt worden seien. Denn was grenzt so ans Unglaubliche als zu glauben, Menschen haben in Tiergestalt verwandelt werden können? Um wie viel unglaublicher ist es, dass eine mit Herrscherwürde ausgestattete Menschenseele die dem menschlichen Geschlechte entgegengesetzte Tiernatur annehmen, ein vernünftiges Wesen in ein unvernünftiges übergeben könne, als dass Leibesgestalten seien umgewandelt worden? Ihr zerstöret das selber, die ihr es lehret: denn ihr habt die durch Zaubersprüche bewirkten Arten solch ungeheuerlicher Verwandlung preisgegeben. Die Dichter ersinnen solche Spielereien, die Philosophen verwerfen dieselben: handelt es sich um Dinge wie in den Erzählungen von der Circe, so nehmen sie dergleichen sofort als Erfindung; sollen sie es glauben, wo es sich um Tote handelt? Jene aber, welchen die Ehre der Erfindung zukommt, haben damit keineswegs ihre eigenen Erfindungen beweisen, sondern lediglich die Verirrungen der Philosophen verspotten wollen, welche glauben, dass eine Seele, die in Sanftmut und Demut ihren Zorn zu besiegen, Geduld zu üben gewohnt war, jetzt in einen Löwen eingeschlossen, von seiner Wut entzündet sich an Zorn und Blutdurst mit ungezügelter Wut ersättigen könne! Da ist eine Seele, welche einst tieferregte Völker mit ihrer hohen Einsicht und mit dem Worte der Vernunft besänftigte: und jetzt soll sie heulend nach Art der Wölfe unwegsame Steppen durchjagen? Im anderen Falle schleppte auch wohl eine Seele, eingeschlossen in einen Stierleib, unter der Last des schweren Fluches klagend, Blöcke: und dann soll sie wiederum in eines Menschen Gestalt auf befreieter Stirn vergeblich ihre gewohnten Hörner suchen? In noch anderem Falle hätte eine Seele mit kühnem Fluge, den Ruderern ihrer Flügel vertrauend, vordem zur Höhe des Himmels sich emporgeschwungen: und nachher müsste sie, ohne auf solchen Flug zu denken, sich von der Schwere ihres Körpers zu Boden gedrückt sehen? Das hat vielleicht den Ikarus ins Verderben gestürzt, dass er in jugendlicher Unbesonnenheit den törichten Fabeln vertraut und so geglaubt hat, er sei früher wohl ein Vogel gewesen. Dadurch sind auch wohl manche Greise getäuscht, dass sie gewaltigem Schmerze sich hingaben, weil sie zu leichtgläubig den Fabeln von Verwandlungen in einen Schwan gelauscht hatten und nun glaubten, dass auch sie, in lauten Klagen ihren Schmerz ausströmend, ihr bleichendes Greisenhaar mit zartem Flaum vertauschen könnten," eine Anspielung auf Cycnus, den Sohn des Stenelus, den Freund des Phaëton, dessen Verlust er schmerzlich beklagte, weshalb ihn Apollo in einen Schwan verwandelte. (Vgl. Ovid’s Metam. II, 367 ff. Virg. Aen. X, 189 ff.) [32]

"Wie unvernünftig und abstoßend ist das Alles! Wäre es denn nicht viel verständiger, wenn man das glaubte, was der Natur entspricht, was durch jede Art von Frucht, durch das Beispiel Anderer bestätigt wird, was die Weissagungen der Propheten, was die himmlische Verheißung Jesu Christi verkündigt? Vor Allem aber ist es würdiger, anzunehmen, dass das Werk Gottes nicht zu Grunde geht, und dass die nach dem Bilde und Gleichnisse Gottes Geschaffenen nicht umgewandelt werden können zur Ähnlichkeit unvernünftiger Tiere, wenn allerdings auch nicht das Bild des Körpers nach Gottes Ähnlichkeit geschaffen ist, sondern nur die Seele." - St. Ambrosius, De ex. II, 23 

"Wir haben nun gesehen, was ihr Heiden von euch selbst denket; und es kann in der Tat nicht Verwunderung erregen, wenn ihr glaubt, dass ihr in Tiere verwandelt werdet, da ihr ja Tiere anbetet. Ich aber wünsche, dass ihr besser von dem Lohne denket, den Gott der Herr uns aufbehalten; glauben sollt ihr, dass ihr nicht in Gemeinschaft unvernünftiger Tiere, sondern in Gesellschaft der Engel dereinst sein werdet. Die Seele muss die Wirren dieses Lebens, muss die irdische Hülle ihres Leibes verlassen und den himmlischen Versammlungen zueilen: aber freilich können nur die Heiligen dorthin gelangen. Dort muss die Seele Gott das Lob singen, wie es uns prophetischen Geistes die „geheime Offenbarung“ kündet: „Sie sangen das Lied Moses, des Knechtes Gottes, und das Lied des Lammes und sprachen: Groß und wunderbar sind deine Werke, Herr, allmächtiger Gott, gerecht und wahrhaftig sind deine Wege, König der Ewigkeit! Wer sollte dich nicht fürchten, o Herr! wer sollte nicht deinen Namen preisen? Du allein bist ja heilig und alle Völker werden kommen und vor dir anbeten.“ (Offb. 15, 4. 5) Zu deinem Hochzeitsmahle, Herr Jesu, soll die Seele kommen: von den irdischen Freuden soll sie als Braut zu himmlischen geführt werden. „Alles Fleisch soll ja zu dir kommen,“(Ps. 65, 3) aber frei vor irdischer Vergänglichkeit, unzertrennlich mit dem Geiste verbunden. Dort wird die Seele das himmlische Brautgemach schauen, wie es geschmückt ist mit Purpur, Rosen, Lilien und Kronen. So ist nur das Hochzeitsmahl des Lammes, so nur sein Gemach geschmückt! Dort glänzt, vergleichbar blauem Purpur, als Schmuck die ausdauernde Geduld der Bekenner, das Blut der Martyrer wie strahlende Rosen; dort schimmert die Lilie der Jungfrauen, die Krone der Priester. Das vor Allem hat David zu schauen gewünscht, wenn er ausruft: „Um Eines habe ich gebeten den Herrn, wiederum verlange ich es, dass ich weile im Hause des Herrn alle Tage meines Lebens, dass ich schaue die Lust des Herrn.“(Ps. 27, 4) Wohl ist es ein Segen, das zu glauben, eine Wonne, so zu hoffen: das nicht geglaubt zu haben, ist bittere Pein; solcher Hoffnung gelebt zu haben, ist hohe Gnade. Wenn ich nun darin irre, dass ich dereinst nach meinem Tode lieber mit den heiligen Engeln als mit unvernünftigen Tieren vereint zu sein wünsche: dann will ich gerne in diesem Irrtum bleiben, und Nichts soll mich, so lange ich lebe, um diese Hoffnung betrügen." Ib. 

Wer sollte aber auch nicht wünschen, „dass dieses Verwesliche die Unverweslichkeit, dass dieses Sterbliche die Unsterblichkeit anziehe?“( I. Kor. 15, 53) Wie wir jetzt durch die Gebrechlichkeit unseres Körpers dem Tode unterliegen, so werden wir dann, über unsere Natur hinausgehoben, den Tod nicht mehr zu fürchten haben. [33]
 

Maria Magdalena, Jerusalem, ausgegossen ward das Oel über die Juden, aber aufgesammelt von den Völkern

Ähnlich wie Augustinus meint auch Ambrosius: "Vergesset nicht, dass lediglich die Bewahrung der äusseren Reinigkeit noch kein Verdienst einschließt, dass vielmehr die innere Tugend hinzutreten muss. So sieht sich Maria Magdalena gehindert, den Herrn zu berühren, weil sie im Glauben an die Auferstehung einen Augenblick geschwankt hatte. Die aber darf Christus berühren, die ihn im Glauben erfasst hat. „Maria Magdalena stand ausserhalb bei dem Grabe weinend.“ (Joh. 20, 11) Weil sie draussen war, weinte sie; wäre sie drinnen gewesen, sie hätte nicht geweint. Sie weinte, weil sie den Leib Christi nicht sah; sie glaubte, er sei fortgenommen, weil ihre Augen ihn nicht erblickten. Maria war draussen, nicht so Petrus und Johannes. Sie waren eilends herbeigekommen und in das Grab eingetreten; darum weinten sie nicht, kehrten vielmehr, sich in seliger Freude beglückwünschend, zurück. Jene aber war nicht hineingetreten; darum weinte sie und glaubte nicht, in der Meinung, ihr Herr sei hinterlistiger Weise fortgenommen: selbst als sie die Engel erblickte, hielt sie zum Glauben sich noch nicht verpflichtet. Darum sagen ihr diese: „Weib, was weinest du, wen suchest du?“ So die Engel, und der Herr wiederholt später dieselben Worte, um uns zu lehren, dass die Worte der Engel den Willen Gottes verkünden. „Weib, was weinest du? wen suchest du?“ fragt auch der Herr. Sie, die nicht freudig geglaubt, ist in der Tat ein Weib; denn der, welcher glaubt, ist nach den Worten des Apostels (Eph. 4, 13) erstanden „zur vollkommenen Mannheit, zum Maaße des vollen Alters Christi.“ „Weib“ sagt der Herr, und der Tadel, welcher in dem Worte liegt, trifft nicht das Geschlecht, sondern den schwankenden Glauben. „Was weinest du?“ das will sagen: in dir selbst liegt der Grund und die Ursache deines Weinens, weil du Christus nicht vollkommen glaubst. Du weinest, weil du Christus nicht siehest; glaube und alsbald wirst du ihn schauen. Er ist da und niemals ferne denjenigen, die ihn suchen. „Was weinest du?“ das heisst: es bedarf der Tränen nicht, sondern eines bereitwilligen, deines Gottes würdigen Glaubens. Denke nicht an das Sterbliche, nicht an das, was vergänglich ist; und deine Tränen werden versiegen. Warum weinest du also, da Andere sich freudig beglückwünschen? „Wen suchest du?“ lautet die fernere Frage. Das heisst: Siehst du nicht, dass Christus gegenwärtig ist? Weisst du nicht, dass er die Kraft, die Weisheit und Heiligkeit Gottes selbst ist? Weisst du nicht, dass er die unversehrte Reinheit ist, geboren aus der Jungfrau, dass er immerdar aus, bei und in dem Vater ist, geboren, nicht erschaffen, gleich dem Vater, ewig geliebt, wahrer Gott vom wahren Gotte? „Sie haben den Herrn weggetragen“ sagt Magdalena, „und ich weiß nicht, wohin sie ihn gelegt haben.“ Ach, du irrest, Weib, wenn du glaubst, Christus sei von Anderen aus dem Grabe genommen und nicht in eigener Kraft daraus erstanden. Wer vermöchte denn Solches über die Macht, die Weisheit, die Heiligkeit Gottes? Nein, Christus wird nicht aus dem Grabe des Gerechten genommen, aber auch nicht aus dem Herzen seiner reinen, ihm ergebenen Jungfrauen. Wollte man ihn auch hinwegnehmen, man würde Nichts vermögen. Dann sprach der Herr: „Maria, blicke auf zu mir!“ Solange sie nicht glaubt, nennt er sie Weib; da sie aber beginnt, zu ihm sich zu wenden, nennt er sie Maria. Das ist ja auch der Name jener Jungfrau, die ihn geboren, wie auch der Name jeder Seele, welche den Herrn gläubig aufnimmt. „Blicke auf zu mir!“ Wer auf Christus blickt, dessen Leben wird gebessert; aber der bleibt im Irrtum, der Christum nicht sieht. Da wandte sie sich, sah ihn an und rief: „Rabboni!“ das heisst: Meister! Wer auf ihn blickt, der bekehrt sich; wer sich bekehrt, der schaut voller auf ihn; wer so ihn anschaut, der macht wahre Fortschritte. Darum nennt sie ihn Meister, den sie tot glaubte; sie redet den an, den sie verloren wähnte. Jesus sprach zu ihr: „Rühre mich nicht an!“ Der Sinn des Schwankenden im Glauben erfasst Christus nicht. Magdalena soll nicht berühren die Kraft, die Weisheit, die unversehrte, himmlische Reinheit des Herrn. „Gehe hin zu meinen Brüdern!“ Was ist das anders, als ihr befehlen: Weine nicht ferner; gehe vielmehr hin zu den auserwählten, treuesten Priestern! „Sage ihnen: Ich gehe zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott!“ [34]

Nicht auf rituelle Waschungen hinter den Ohren, wie es bei Irrgläubigen üblich ist, kommt es an sondern auf "jene Füße, die David im Geiste gewaschen, wenn er uns lehrt, wie wir vermeiden, sie wieder zu beflecken: „Es stehen unsere Füße in deinen Vorhöfen, Jerusalem!“ (Ps. 122, 2) Da denkt er nicht an leibliche, sondern an geistige Füße. Denn wie könnte ein sterblicher, irdischer Mensch seine leiblichen Füße setzen in die Räume des Himmels? Jerusalem ist aber nach dem Zeugnisse des Apostels der Himmel; er sagt ja nicht minder: „Unser Wandel ist im Himmel!“ (Phil. 3, 20) der Wandel in rechtgläubiger Sitte. [35]

Es geht nun darum, das Licht der Heiden zu erkennen. "Wer nun so lebt, der darf sagen: „Mein Geliebter streckte seine Hand durch die Oeffnung, und ich erzitterte, da ich sie berührte. Ich stand auf, meinem Geliebten zu öffnen.“(Cant. 5, 4) Es ist recht, dass wir bei der Ankunft des Herrn in tiefster Seele erschüttert werden. Wenn schon Maria bei der Ankunft des Engels erschrack, um wie viel mehr müssen wir bewegt werden bei der Ankunft Christi! Wenn göttliches Leben einströmt in unsere Seele, dann weicht die irdische Gesinnung, und die alten Gewohnheiten des äusserlichen Menschen schwinden. Darum eile mit tiefer Bewegung ihm entgegen. Siehe, Christus weilt an der Pforte, er klopft an der Türe deines Hauses: wenn du ihm öffnest, so tritt er ein, er mit seinem himmlischen Vater. Christus, unser Heiland, spendet aber seine Segnungen nicht bloß, nachdem er in die Seele eingetreten ist; nein, schon vorher lenkt er seine Gnadenströmungen in die Seele, die ihm entgegenkommen will. Noch erzittert die Seele unter der Berührung seiner göttlichen Hand; kaum hat sie das Tor ihres Herzens für Christus geöffnet, da sinken schon die Bande, die Fleisch und Blut aus Sinnlichkeit geflochten: „Ich stand auf,“ kann sie sagen mit der Braut des hohen Liedes, „meinem Geliebten aufzumachen: meine Hände triefen von Myrrhen, und meine Finger waren voll der köstlichsten Myrrhen.“ So trug Nikodemus, jener Lehrer in Israel, der zuerst von dem Geheimnisse der Taufe hören durfte,  Myrrhe und Aloe zum Grabe des Herrn, um seinen heiligen Leichnam damit zu salben. Ist nun beides nicht Sinnbild des himmlischen Geruches vollkommenen Glaubens? So steigt der Duft der Seele empor, welche Christo zu öffnen beginnt; die treu und fest glaubt, dass sein heiliger Leib die Verwesung nicht geschaut hat, dass er vielmehr als eine duftende, ewig grünende Himmelsblüthe glorreich die Hülle des Grabes durchbrochen hat. Wie kann es anders sein? Ist doch sein Name wie ausgegossen Oel! dass es für uns dufte, darum hat er sich bis zur Menschwerdung vernichtet. So lange das ewige Wort beim Vater weilte, erfreute es in Himmelsduft nur die Engel und Erzengel. Der Vater aber öffnete seinen Mund und sprach:( Isai. 49, 6) „Siehe, ich mache dich zum Lichte der Heiden, dass du mein Heil bis an der Erde Grenzen bringest.“ Da stieg der Sohn hernieder, und Alles strömte über von dem nie geahnten Wohlgeruche des Wortes. Es entquoll dem Herzen des Vaters das Wort, das herabkam, und der heilige Geist hauchte in alle Herzen die Liebe. „Denn ausgegossen,“ sagt der Apostel, „ist die Liebe Gottes in unseren Herzen durch den heiligen Geist.“ Er verschloß seine Himmelslehre, wie der Duft eingeschlossen bleibt im Gefäße, bis seine Stunde gekommen nach den Worten des Propheten:(Isai. 50, 4) „Der Herr gab mir eine beredte Zunge, dass ich zu reden wüsste, wann die Zeit gekommen.“ Es kam die Stunde, er tat auf seinen Mund, und wie kostbares Oel waren seine Worte. Ausgegossen ward das Oel über die Juden, aber aufgesammelt von den Völkern; ausgegossen in Judäa streut es seinen Wohlgeruch durch alle Lande. Es hat die Wasser der Gnade berührt und geheiligt: es strömt fort seit jener Zeit und nie wird es versiegen. Kommet ihr heiligen Jungfrauen, tretet hinzu, nehmet von diesem Oele, bewahret es sicher, dass es nicht verrinnet." [36]
 

Menschenkunde nach Plato, Aristoteles und den Propheten

Man kann alten Dichtern und Philosophen folgen wie Plato und Aristoteles, auch wenn man sich damals mehr an die heiligen Schriftsteller gehalten hat. "So schreibt der Prophet Ezechiel:(Ezech. 1, 3 ff) „Die Hand des Herrn kam über mich; und ich schaute, und siehe, es kam ein ungestümer Wind von Mitternacht her, eine große Wolke, Feuer darin, Glanz um sie her und mitten in dem Feuer war es wie lichthelle. Und darin war die Gestalt von vier lebenden Wesen. Ihre Gesichter aber waren so gestaltet: ein Menschengesicht, dann ein Löwengesicht zur Rechten bei allen Vieren, dann ein Rindgesicht zur Linken bei allen Vieren und überdies ein Adlergesicht bei allen Vieren, ihre Flügel aber waren ausgespannt.“ Hier haben wir jene Darstellung der Seele kennen gelernt. Die vier lebenden Wesen deuten auf die vier Seelentätigkeiten: in dem Menschengesichte wird das Vernünftige, in dem Löwen das Mutige, in dem Rinde das Begehrliche, in dem Adler das Erkennende ausgedrückt. So sprechen auch die griechischen Philosophen bei der Seele von einem: logistikon, thymethikon, epithymetikon, dioratikon, die lateinischen aber von: prudentia, fortitudo, temperantia, iustitia. Die Klugheit eignet der menschlichen Vernunft; der Starkmut ruht auf einer gewissen Kraft, die gewaltigen Mut und Verachtung des Todes lehrt; die Mäßigkeit bindet durch heilige Liebe und durch Betrachtung der himmlischen Geheimnisse die Gelüste des Fleisches; die Gerechtigkeit aber, mehr für Andere, als für sich selbst besorgt, mehr bedacht auf das öffentliche Wohl, als auf eigenen Nutzen, übersieht und durchforscht Alles von erhabenem Standpunkte aus. Deshalb wird auch die Seele, sofern sie die Tugend der Gerechtigkeit anstrebt, mit einem Adler verglichen, weil sie dann alles rein Irdische unbeachtet lässt und nur in Erforschung der himmlischen Geheimnisse versenkt die Glorie der Auferstehung für sich gewinnt. Deshalb ist auch zu ihr gerade gesagt: „Dem Adler gleich wird deine Jugend erneuert.“ (Ps. 103, 5) Es ist darnach auch dem königlichen Sänger ganz entsprechend, von Flügeln der Seele zu reden. An einem anderen Orte (Ps. 124, 7) sagt er: „Unsere Seele ist entronnen, wie ein Vogel dem Stricke der Jäger,“ und wiederum: (Ps. 11, 1) „Ich vertraue auf den Herrn; wie saget ihr zu meiner Seele: Fliehe, wie ein Sperling auf den Berg?“ Die Seele hat also ihre Flügel, mit denen sie sich frei erheben kann von der Erde, deren Kräftigung in der fortgesetzten Uebung guter Werke besteht. So soll denn die Seele auch die Gnade des Herrn in sich anregen und dessen, was hinter uns liegt, vergessend dem zustreben, was vor uns liegt, was in der Ewigkeit uns bestimmt ist. Sie soll ferne sich halten von den Ehren des öffentlichen Lebens, ferne von der sengenden Glut weltlicher Leidenschaft; es möchte ihr sonst gehen, wie jenem mythischen Ikarus, dessen künstliche Flügel unter den Strahlen der Sonne sich lösten, so dass er elend niederfiel. Es mag gestattet sein, in ernster Rede dieser Fabel zu gedenken; in ihrer Tiefe liegt ja ohnehin die Lehre verborgen, dass der Seelenflug durch die Welt nur für die gereifte Tugend ohne Gefahr ist, dass aber die unerfahrene, leichtsinnige Jugend gar bald den Gelüsten der Welt anheimfällt, und dann, wenn das Band der Wahrheit, das die Seele mit Gott verknüpft, gelockert ist, in unsäglichem Elende zur Erde niedersinkt. Nicht leicht ist dieser Aufschwung für Alle; gar schwierig ist der Lebenslauf, wenn die Seelenfähigkeiten mit einander im Kampfe liegen. Herrscht aber hier volle Übereinstimmung, so wird der Prophet auch in uns jenes Rad erblicken, das er in seinem Gesichte schaute „auf dem Boden neben den Wesen, und das Rad war wie vierfach.“ (Ezech. 1, 15) Das Rad sinnbildet unser Leibesleben, wenn dieses getragen ist von dem Tugendleben der Seele und den Vorschriften des Evangeliums gemäß verläuft. So wie im Gesichte Ezechiels das „Rad im Rade“ erschien, so ist unser Leben im Leben. Steht ja das Leben der Heiligen für Vergangenheit und Zukunft nicht im Widerspruch, und ausserdem wird im Leibesleben das ewige Leben begonnen. Ist diese Übereinstimmung vorhanden, dann wird auch zu uns die Stimme Gottes erschallen und in unserem Herzen wird wie auf einer Trongestalt sich niederlassen eine Gestalt, anzusehen wie ein Mensch; das ist das Wort, das „Fleisch geworden“. Dieser Gottmensch ist der Beherrscher unserer Seelentätigkeiten, der Lenker unserer Sitten. Je nach dem Maaße unserer Verdienste besteigt er für uns den Berg oder das Schiff. Das ist aber jenes Schiff, das die Apostel führt, in dem Petrus seinen Fischfang hält. Kein gemeines Schiff ist das, welches auf’s hohe Meer geführt, das heisst: von den Ungläubigen getrennt wird. Warum aber ist es gerade ein Schiff, das der Herr besteigt, von dem aus die Volksschaaren belehrt werden? Weil die Kirche jenes Schiff ist, das unter wehender Kreuzesflagge von dem Hauche des göttlichen Geistes getrieben hinsegelt durch die stürmende Welt. Von hier aus hält Petrus seinen Fischzug. Bald heisst ihn der Herr das Netz, dann wieder die Angel auswerfen. Ausgeworfen wird die Angel in die Welt, um vor Allen aus ihr, wie aus des Meeres Tiefe, den ersten Märtyrer Stephanus zu heben, der in sich den Schatz birgt, der Christus muß gezollt werden: der Märtyrer Christi ist ja der Schatz der Kirche. Jener nun, der von der Erde zuerst zum Himmel heranstieg, war als Diacon von Petrus gewonnen, wie einst der Fisch, den er an der Angel aus dem Meere hob: so ward auch Stephanus unter Strömen Blutes zum Himmel emporgetragen. In seinem Munde ruhete der Schatz, da er Christus in feierlicher Rede bekannte. Welcher Schatz ruht in uns, wenn nicht das „Wort Gottes?“ Gottes Netz und Angel werden ausgeworfen. Das Netz holt Schaaren des Volkes aus der Tiefe; die Angel bringt einzelne Auserwählte."  [37]

Dort also ist die Tiefe der Wasser, wo Christus ist. Jene Gewässer sind das, von denen der Psalmist singt: (Ps. 77, 17) „Es sahen dich die Wasser, o Gott! es sahen dich die Wasser und fürchteten sich, es bebten die Tiefen.“ Bei den Juden fehlte die Tiefe des Herzens; darum sagte der Herr: „Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, aber ihr Herz ist weit von mir entfernt.“ Christus liebt es im Herzen zu weilen nach seinem eigenen Worte: (Matth. 12, 40) „Gleichwie Jonas drei Tage und drei Nächte in dem Bauche des Fisches gewesen, also wird auch der Sohn des Menschen drei Tage und drei Nächte im Herzen der Erde sein.“ Petrus selbst gibt aber deutlich genug kund, dass die Worte des Herrn: „Fahre hinaus in die Tiefe!“ vom Glauben zu verstehen seien. „Meister,“ sagt er, „wir haben die ganze Nacht gearbeitet und Nichts gefangen; aber auf dein Wort will ich die Netze auswerfen.“ Die Nacht umgab den Petrus, ehe er Christus erblickte. Der Tag war ihm noch nicht angebrochen, weil ihm das wahre Licht noch verborgen war. Heute ist die Moschee Nacht, "die Kirche erst ist Tag". Deshalb sagt auch Paulus: (Röm. 13, 12) „Die Nacht ist vorgerückt, der Tag aber hat sich genahet.“ Gebenedeit sei das Licht, welches die Finsternis der alten Treulosigkeit vertreibt und den Tag echten Glaubens anbrechen lässt. Tag ward es für Petrus, Tag auch für Paulus. Deshalb gelten heute, an ihrem Feste, die Worte des heiligen Geistes:(Ps. 19, 3) „Ein Tag bringt dem anderen das Wort herfür.“ Beide verkünden aus der Fülle ihres Herzens den Glauben an Jesus Christus, und selig der doppelt heilige Tag, der uns das wahre Licht gebracht hat! Was wir im Evangelium lesen, das wiederholt sich vielleicht im Himmel. Dort reden Christus, der Herr, und Petrus vielleicht wie einst. „Fahre hinaus in die Tiefe!“ spricht der Herr noch immer, und es ist mir, als hörte ich Petrus sagen: „Meister! wir haben die ganze Nacht gearbeitet und Nichts gefangen.“ Keiner von den Reicheren hat wohl heute gefastet. Ihnen sagt deshalb Petrus (I. Petr. 1, 17 ff) mit Recht: „Wandelt in Furcht, so lange ihr hier pilgert, da ihr wisset, dass ihr nicht mit vergänglichem Golde oder Silber erlöset seid von dem eitlen Wandel, der sich von den Vätern auf euch vererbt hat, sondern mit dem kostbaren Blute Christi, als eines unbefleckten und tadellosen Lammes.“ Gold und Silber hat euch also nicht befreiet, sondern die Bewährung des Glaubens rettet euch, die kostbarer ist als vorzügliches Gold. [38]
 

Theodosius hat jede Art von Götzendienst unter Strafe der Majestätsbeleidigung verboten. Unter ihm wurde das Christentum Staatsreligion; das Heidentum blieb fortan ohne Heiligtum und Kult

Das wäre in der heutigen Zeit unvorstellbar, in der schon fast der abstrakte Götzedienst des Islams von Politikern über das Christentum gestellt wird; in manchen Städten gibt es mehr Moscheen als Kirchen. Dazu Ambrosius: "Ein gutes Kind war nun Joseph, der der frommen Feier die Form gegeben hat, den der Vater lieb hatte und zu dem er sprach: „Mein Gott sei dein Helfer und segne dich mit der ganzen Segensfülle der Erde um des Segens der Mutterbrüste und des Mutterschoßes, der Segnungen deiner Mutter willen und um der Segnungen deines Vaters willen!“(Gen. 49, 25 f) Eines frommen Vaters gutes Kind! Schon er feierte also den vierzigsten Gedenktag seines Vaters Jakob, jenes Fersenhalters und Beinstellers (Gen. 25, 25; 27, 36). Auch wir begehen feierlich den Vierzigsten des Theodosius, der in Nachahmung Jakobs dem Unglauben der Tyrannen, Eugenius und Maximus, ein Bein stellte; der die Götzenbilder der Heiden vergrub (Gen. 35, 4), denn allen Götzendienst hat sein Glaube in Nacht begraben, allen heidnischen Kult in Vergessenheit gehüllt. Er bedauerte es sogar, dass der Straferlaß, den er gewährt hatte, an den Schuldigen, die sich gegen ihn vergangen hatten, nicht zur Ausführung gelangte und die Begnadigung ihnen versagt blieb." Das Römische Reich konvertierte 380 zum Christentum, als Theodosius I. mit dem Erlass "Cunctos Populos" alle heidnischen und häretischen Religionen verbot: "die übrigen, die wir für wahrhaft toll und wahnsinnig erklären, haben die Schande ketzerische Lehre zu tragen ... und werden von unserer Strafgerechtigkeit ereilt." Das war keine Konversion, sondern ein Befehl, dem rund 60 "Ausführungsbestimmungen" folgten. [39]

Ambrosius erinnert daran, welche Triumphe der Glaube des Theodosius errungen hat, über die ernsten religiösen Vorbereitungen des christlichen Kaisers auf den Feldzug gegen Eugenius im allgemeinen und auf die Entscheidungsschlacht bei Aquileja im besonderen. "Da infolge des engen Geländes und der Behinderungen durch den Troß das Heer etwas zu spät in die Schlacht eintrat und der Feind infolge der Verzögerung des Kampfes zum Sturm überzugehen schien, sprang der Kaiser vom Roß, trat allein vor die Schlachtreihe und rief: „Wo ist der Gott des Theodosius?“ Schon stand er Christus ganz nahe, da er dies sprach. Wer könnte denn auch so sprechen, wenn er sich nicht als Anhänger Christi fühlte? Durch diesen Ruf nun begeisterte er alle, durch sein Beispiel wappnete er alle. Gewiß, er stand an Jahren bereits im Greisenalter, kraft des Glaubens aber im kräftigen Mannesalter." Nach dem übereinstimmenden Urteil des Altertums verdankte er den Sieg vor allem einem gewaltigen Sturm, der gegen das feindliche Heer brauste und die eigenen Geschosse auf dasselbe zurücktrieb. [40]

Plato und Aristoteles sprechen sich für Strafmilderung aus für im Zorn begangene Verbrechen. Doch besser spricht die göttliche Schrift: „Zürnet, aber sündiget nicht!“ (Ps. 4, 5) Sie wollte lieber die Sünde von vornherein verhüten als nachträglich entschuldigen. Besser ist es, in der Aufregung das Lob der Milde zu ernten, als im Zorn zur Rache sich fortreißen zu lassen. [41]

Nur wer nämlich mit der Kirche das Ostern des Herrn feiert, bleibt in Ewigkeit. Wer immer hier das Ostern des Herrn gut feiert, wird im ewigen Lichte wohnen. Wer hat es glänzender gefeiert als der, "welcher die gottschänderischen Verirrungen abschaffte, die Tempel schloß, die Götzenbilder vernichtete?" Hierin bleibt dem König Josias vor seinen Vorgängern der Vorrang eingeräumt (2 Kön. 23). "Im Lichte wohnt nun Theodosius immerdar und freut sich der Herrlichkeit unter den Scharen der Heiligen. Dort umfängt er jetzt den Gratian, der seine Todeswunden nicht mehr beklagen braucht, weil ihm ein Rächer erstanden ist. Ob er auch vor der Zeit durch schmählichen Mord dahingerafft ward: er besitzt die Ruhe seiner Seele. Dort erfreuen sich beide so edle und weitherzige Träger der Liebe des gemeinsamen Lohnes ihrer Barmherzigkeit. Von ihnen gilt das Wort: „Ein Tag kündet dem anderen das Wort“(Ps. 19, 3); anders dagegen bei Maximus und Eugenius in der Hölle: da „tut’s eine Nacht der anderen kund“ (Ps. 19, 3). Sie lehren durch ihr trauriges Beispiel, wie schwere Folgen es hat, gegen die eigenen Fürsten die Waffen zu kehren. Von ihnen heisst es so trefflich: „Ich sah den Gottlosen hoch aufgerichtet und stolz erhoben wie die Zedern des Libanon. Da ging ich vorüber, und sieh, er war nicht mehr“ (Ps. 37, 35 f). Im Gegensatz zum Gottlosen (zu denen auch der Muslim gerechnet wird) ging der Christ nämlich "vom Dunkel dieser Welt zum ewigen Licht über, und der Gottlose war nicht mehr: er hat aufgehört, ein Ungerechter zu sein." [42]

Einen sochen Nachruf könnte man von heutigen Politikern kaum machen: "Jetzt erst fühlt sich Theodosius erlauchten Andenkens als König, da er im Reiche des Herrn Jesus Christus weilt und dessen Tempel schaut. Jetzt fühlt er als König sich glücklich, da er auch seinen Sohn Gratian und die Pulcheria, die süßen Lieblinge, die er hier verloren hatte, zurückerhielt; da seine Flaccilla, die gottgetreue Seele, bei ihm weilt; da er sich des wiedergefundenen Vaters freut; da er in Gemeinschaft mit Konstantin lebt. Wenngleich nämlich diesem erst an seinem letzten Lebensende durch die Taufgnade Nachlaß aller Sünden wurde, erlangte er doch durch den Umstand, dass er der erste Kaiser war, welcher den Glauben annahm, und dass er den Herrschern nach ihm das Glaubenserbe hinterließ, eine hohe Verdienstesstufe. In seinen Tagen erfüllte sich jenes Prophetenwort: „An jenem Tage wird auf dem Zaume des Rosses stehen: heilig dem allmächtigen Herrn“ (Zach. 14, 20). Seine Mutter, die große Helena heiligen Andenkens, machte das auf Eingebung des Geistes Gottes offenbar." [43]
 

Helena und die Legende vom wahren Kreuz (Storie della Vera croce) 

Eine Herbergswirtin soll sie anfänglich gewesen und so mit dem älteren Konstantius, der nachher die Herrschaft erlangte, bekannt geworden sein. Helena, aus niedrigem Stande geboren, war dem Konstantius Chlorus in unebenbürtiger, aber gültiger Ehe verbunden. Ihr Sohn Konstantin zog sie, nachdem Konstantius sie entlassen hatte, an den Kaiserhof und erhob sie zur Augusta. "Eine gute Herbergsmutter, die mit solchem Eifer die Krippe des Herrn aufsuchte. Eine gute Herbergsmutter, der jener Herbergsvater nicht unbekannt war, der die Wunden des von den Räubern wundgeschlagenen Menschen heilte (Luk. 10, 30 ff.). Eine gute Herbergsmutter, die lieber für Kot geachtet werden wollte, um Christus zu gewinnen (Phil. 3, 8). Darum hat sie Christus aus dem Kot zum Herrscherthrone emporgehoben nach dem Schriftworte: „Er erhebt den Armen aus dem Staube und richtet den Dürftigen aus dem Kot empor“ (Ps. 113, 7).Helena kam denn und begann die heiligen Orte zu besuchen. Da gab ihr der Geist ein, das Kreuzesholz aufzusuchen. Sie begab sich auf Golgatha und sprach: „Sieh, der Ort des Kampfes! Wo ist der Sieg? Ich suche das Panier des Kreuzes, aber ich finde es nicht. Ich,“ rief sie aus, „auf dem Throne, und das Kreuz des Herrn im Staube? Ich in Gold, und Christi Triumph im Schutt? Dieser noch begraben und vergraben die Siegespalme des ewigen Lebens? Wie soll ich an meine Erlösung glauben, wenn die Erlösung selbst sich dem Auge entzieht?"  [44]

Sie lässt nun den Boden aufgraben, das Erdreich wegnehmen: da stößt sie auf drei durcheinanderliegende Marterhölzer, die der Schutt bedeckt, der Feind versteckt hatte. Doch Christi Triumph konnte nicht in Nacht vergraben bleiben. Sie ist ratlos. "Doch der Heilige Geist gibt ihr einen sicheren Fingerzeig durch die Eingebung, dass zwei Schächer mit dem Herrn gekreuzigt wurden. Sie sucht nun nach dem mittleren Kreuzesholz. Doch möglicherweise hatte die Verschüttung die Kreuze durcheinander geworfen, der Zufall sie durcheinander gebracht. Wieder liest sie den Bericht des Evangeliums. Sie findet, dass das mittlere Kreuz die Aufschrift an der Stirne trug: „Jesus von Nazareth, König der Juden“ (Joh. 19, 19). Hieraus konnte der wahre Sachverhalt erschlossen werden: aus der Aufschrift ward das Kreuz des Heils offenbar. So lautete die Antwort, die Pilatus den Juden auf ihre Vorstellung gab: „Was ich geschrieben habe, bleibt geschrieben“ (Joh. 19, 22), d. h.: nicht das habe ich geschrieben, was euer Gefallen finden, sondern wovon die kommende Zeit Kenntnis nehmen sollte. Nicht für euch habe ich es geschrieben, sondern für die Nachwelt, beinahe als wollte er sagen: Helena sollte etwas zu lesen finden als Anhaltspunkt, um das Kreuz des Herrn daraus zu erkennen." [45]

Sie fand also die Aufschrift und betete den König, nicht fürwahr das Holz an; denn das wäre heidnischer Wahn und gottloser Aberglaube. Den vielmehr betete sie an, der am Holz gehangen, dessen Name auf der Überschrift gestanden. "Voll Verlangen trachtete die Frau, das Heilmittel der Unsterblichkeit zu berühren, scheute sich aber, das Geheimnis des Heils mit dem Fuße zu treten. Freudigen Herzens und zagenden Schrittes wusste sie nicht, was tun. Doch gelangte sie hin zur Liegestelle der Wahrheit: das Holz leuchtete auf, die Gnade erstrahlte. Und da schon Christus in Maria eine Frau heimgesucht hatte, suchte der Geist in Helena eine solche heim: er tat ihr kund, was eine Frau nicht wissen konnte, und führte sie auf den Weg, den ein Sterblicher nicht erkennen konnte."  [46]

Helena führte das Kreuz als Zeichen für christliche Kaiser ein: "Weise handelte Helena, da sie das Kreuz auf dem Haupte der Könige aufpflanzte. Es sollte das Kreuz Christi an den Königen verehrt werden. Nicht Ungehörigkeit ist es, sondern Frömmigkeit, wenn der heiligen Erlösung Verehrung gezollt wird. Ein Gut ist dieser Nagel im Zügel der römischen Herrschaft. Er beherrscht den ganzen Erdkreis und schmückt die Stirne der Kaiser, so dass sie jetzt Prediger sind, die so oft die Verfolger waren. Mit Recht ruht der Nagel auf dem Haupte, damit dort, wo der Verstand thront, auch der Schutz herrsche. Auf dem Haupte die Krone, in den Händen der Zügel. Die Krone vom Kreuze, dass der Glaube leuchte; desgleichen der Zügel vom Kreuze, dass die Macht herrsche. Und ein gerechtes Herrschen soll es sein, nicht ein ungerechtes Gebieten. Auch diesen Vorzug mögen die Kaiser von der Freigebigkeit Christi eingeräumt erhalten, dass vom römischen Kaiser in Nachahmung Christi das Wort gelte: „Eine Krone aus kostbarem Edelgestein hast du auf sein Haupt gesetzt“ (Ps. 21, 4)". [47]

Auch heute könnte es wieder aktuell werden: " Das Kreuz des Herrn wies sie in die Schranken und rief sie zurück aus dem Abgrund der Gottlosigkeit. Es richtete ihre Augen nach oben, dass sie himmelwärts Christus suchten. Sie legten ab den Zaum der Gottlosigkeit, legten an den Zügel der Gottesfürchtigkeit und des Glaubens und folgten dem, der sie einlud: „Nehmt mein Joch auf euch! Denn mein Joch ist süß und meine Bürde leicht“ (Matth. 11, 29 f.). Von da an waren alle folgenden Kaiser Christen mit einziger Ausnahme des Julian, der den Urheber seines Heils (Hebr. 2, 10) verließ, indem er sich dem Irrwahn der Philosophie ergab. Von da an herrschen ein Gratian und Theodosius." [48]

Der arme Lazarus trug von Jugend auf das schwere Joch; darum genießt er nach dem Zeugnis der göttlichen Schriftlesung im Schoße Abrahams der besonderen Ruhe (Luk. 16, 20 ff.). "Theodosius trug das schwere Joch von Jugend auf, da die Mörder seines siegreichen Vaters auch ihm nach dem Leben strebten. Er trug das schwere Joch, da er ob seiner Kindesliebe in die Verbannung gehen musste; da er die Reichsregierung zu einer Zeit übernahm, als die Barbaren das römische Reich überschwemmt hatten. Er trug das schwere Joch, um dem römischen Reich die Tyrannen vom Halse zu schaffen." Heute wird Europa mit muslimischen Barbaren überschwemmt, viele Politiker wie Merkel und die Grünen setzen auf unkontrollierte Zuwanderung der Muslime. [49]

Lange war Konstantinopel das Zentrum der christlichen Welt: "Besorge nicht, dass die siegverklärte irdische Hülle, wohin sie nur auf dem Zuge kommt, nicht die gebührenden Ehren fände. So denkt nicht Italien, das Zeuge seiner herrlichen Triumphe war, das von ihm wiederholt von Tyrannen befreit wurde und ihn als den Urheber seiner Freiheit feiert; so nicht Konstantinopel, das seinen Kaiser zum zweiten Mal zu siegreichem Kampf aussendete, den es nicht hätte zurückhalten können, auch wenn es gewollt hätte. Es hoffte zwar bei seiner Rückkehr Triumphe und Siegesfeste feiern zu können; es erwartete den Kaiser des ganzen Erdkreises, umringt von seinem gallischen Heere und gestützt auf die Macht der ganzen Welt. Doch jetzt kehrt Theodosius noch mächtiger, jetzt noch glorreicher dahin zurück, geleitet von der Schar der Engel, gefolgt von der Menge der Heiligen. Selig fürwahr, dass du einen Bewohner des Paradieses aufnimmst und in der hehren Grabstätte, die seinen Leib gastlich birgt, einen Bürger jener himmlischen Stadt in deiner Mitte haben wirst!" [50]
 

Achtsamkeit 

Ist einer im Reden behutsam, wird er milde, sanft, bescheiden. Wenn er nämlich seinen Mund hält und seine Zunge wahrt und nicht redet, bevor er nicht seine Worte prüft und überschlägt und abwägt, ob dies zu sagen sei, ob es diesem gegenüber zu sagen sei, ob es der rechte Zeitpunkt zu solcher Rede sei, so übt er in der Tat Bescheidenheit und Sanftmut und Geduld. Er wird nicht aus Ungehaltenheit und Zorn in Worte ausbrechen, in seinen Aussprüchen keinerlei Leidenschaft verraten und nicht merken lassen, dass die Glut sinnlicher Lust in seiner Rede lodert und seine Äusserungen den Stachel des Jähzornes bergen; die Rede soll schließlich nicht, statt eine Empfehlung für die innere Gesinnung zu sein, irgendeine sittliche Blöße aufdecken und verraten. Gerade dann macht der Widersacher in seinen Nachstellungen die größten Anstrengungen, wenn er etwelche Leidenschaften von uns in der Entstehung begriffen sieht. Da legt er den Zunder, legt er den Fallstrick. Nicht mit Unrecht spricht daher der Prophet, wie du heute verlesen hörtest: „Er hat mich befreit vom Stricke der Jäger und von herber Rede“ (Ps. 91, 3). Symmachus (Ein Ebionite, der das Alte Testament ins Griechische übersetzte) gebrauchte den Ausdruck ‚Wort der Aufreizung‘ [logos epereias], andere (zum Beispiel Theodotion, ebenfalls ein griech. Übersetzer des Alten Testamentes)‚ Wort der Verwirrung‘ [logos tarachodes]. "Der Strick des Widersachers ist unsere Rede, aber auch sie selbst ist nicht weniger unser Widersacher. Wir reden so häufig etwas: der Feind fängt es auf und verwundet uns gleichsam mit unserem eigenen Schwert. Wie ist es unvergleichlich erträglicher, durch fremdes Schwert als durch das eigene umzukommen! So kundschaftet denn der Widersacher unsere Waffen aus und prüft seine eigenen Geschosse. Sieht er mich in Erregung, setzt er seine Stachel an und weckt die Saat der Zankworte. Lasse ich ein unschickliches Wort entschlüpfen, zieht er seine Schlinge zusammen." [51]
"Aber auch vor jedem sichtbaren Widersacher, der reizt, der stachelt, der den Zunder der Lust oder Sinnlichkeit legt, hat man sich in acht zu nehmen. Wenn uns also einer schmäht, neckt, zu Tätlichkeit reizt, zu Zank herausfordert, dann lasst uns Schweigen üben! Dann lasst uns nicht schämen zu verstummen! Denn ein Sünder ist es, der uns herausfordert, der unrecht tut und uns zu seinesgleichen haben möchte. So spricht er denn gerne, wenn du schweigst, wenn du dir nichts merken lässt: Was schweigst du? Sprich, wenn du dich getraust! Doch du getraust dich nicht, du bist stumm, ich habe dich sprachlos gemacht. Schweigst du, zerschreit er sich noch mehr, hält sich für besiegt, genarrt, verachtet und verspottet. Erwiderst du, fühlt er sich als der Überlegene, weil er seinesgleichen gefunden hat. Schweigst du, so heisst es: er hat diesen beschimpft, dieser ihn mit Verachtung gestraft. Erwiderst du das Geschimpfe, heisst es: beide haben sich in Schmähungen ergangen; jeden straft das Urteil, keinen spricht es frei. Er geht also geflissentlich darauf aus, mich zu reizen, dass ich Ähnliches rede, Ähnliches tue wie er. Am Gerechten aber ist es, sich nichts merken zu lassen, nichts zu erwidern, die Frucht des guten Gewissens zu wahren, mehr dem Urteile der Guten, als der Unverschämtheit eines Lästermaules anheimzustellen und damit zufrieden zu sein, die Würde im Verhalten bewahrt zu haben. Das nämlich heisst „ob des Guten schweigen“ (Ps. 39, 3); denn wer ein gutes Gewissen hat, darf sich nicht über falsche Anschuldigungen aufregen und nicht glauben, fremder Schimpf wiege schwerer als das Selbstzeugnis. So kommt es, dass er auch die Demut wahrt. Will er hingegen nicht allzu demütig erscheinen, sinnt er also und spricht bei sich selbst: Wie, der will mich verachten und unter meinen Augen solche Reden wider mich führen, als könnte ich nicht den Mund gegen ihn auftun? Warum sollte nicht auch ich etwas sagen, womit ich ihn ärgern kann? Wie, der will mir Beleidigungen zufügen, als wäre ich kein Mann, als könnte ich mich nicht rächen? Der will mich verunglimpfen, als könnte ich nicht noch Schlimmeres wider ihn vorbringen? Wer so spricht, ist nicht sanft und demütig (Matth. 11, 29), ist nicht frei von Versuchung. Der Versucher stachelt ihn auf, er speit ihm solche Gedanken ein. Meist bedient sich der böse Geist eines Menschen hierzu und zieht ihn bei, dass er so zu ihm spreche. Doch du wandle fest auf Felsenpfad! Mag selbst ein Sklave eine Beleidigung sprechen, der Gerechte schweigt; mag ein Schwächling Schimpfworte ausstoßen, der Gerechte schweigt; mag ein Armer in Schmähungen sich ergehen, der Gerechte erwidert nicht. Das sind die Waffen des Gerechten. Durch Nachgeben trägt er den Sieg davon. So pflegen auch geübte Speerwerfer durch Ausweichen zu siegen und im Fliehen dem Verfolger die schwersten Wunden zu schlagen." - St. Ambrosius, De off. I, 5 
"Was braucht es denn der Aufregung, wenn wir Schmähungen hören? Warum wollten wir nicht jenen nachahmen, der bekennt: „Ich verstummte und demütigte mich und schwieg ob des Guten“ (Ps. 39, 3) Oder sprach David nur so, handelte er nicht auch so? Gewiß, er handelte auch so. Denn als Semeis Sohn ihn schmähte, schwieg David. Obschon von Bewaffneten umgeben, erwiderte er die Beschimpfung nicht, drang nicht auf Rache: so wenig, dass er dem Sohne Sarvias, der zu ihm sagte, er wolle Rache an jenem nehmen, es nicht erlaubte (2 Kön. 16, 5 ff.). So ging er denn gleichsam stumm und demütig, ging schweigend des Weges. Er regte sich über den Namen ‚Blutmensch‘ nicht auf, indem er seiner Sanftmut eingedenk blieb; er regte sich über die Beschimpfungen nicht auf, indem er sich seiner guten Werke vollbewusst war. Wer sonach durch Beleidigung sich schnell aufregen lässt, erweckt, während er das Unverdiente seiner Beschimpfung beweisen will, den Anschein, als ob er sie verdienen würde. Besser der, welcher sich über die Beleidigung hinwegsetzt, als der, welcher sich darüber abhärmt. Denn wer sich darüber hinwegsetzt, verachtet sie, als fühlte er sie nicht; wer sich aber darob abhärmt, leidet darunter, als fühlte er sie." Ib.
Die Pflichten, meinte Cicero, leiten sich her vom Sittlichguten und Nützlichen und von der Wahl des Besseren zwischen diesen beiden; es könne ferner der Fall eintreten, dass es sich um ein zweifaches Gute und ein zweifaches Nützliche zugleich handle und die Frage entstehe, was das Bessere und was das Nützlichere davon sei. So ergibt sich denn zunächst eine dreifache Einteilung des Pflichtmäßigen: in das Sittlichgute, das Nützliche und das, was das Bessere ist. Sodann teilte man diese drei Arten in fünf weitere ein: in ein zweifaches Sittlichgute, in ein zweifaches Nützliche und in die Wahl und Entscheidung darüber. Die ersteren betreffen, wie man sagt, das Schickliche und das Ehrbare im Leben, die beiden folgenden die Glücksgüter des Lebens: Besitz, Reichtum und Vermögen; die Wahl hierüber stehe dem Urteil zu. "Wir aber bemessen ausschließlich nur das Schickliche und Ehrbare, mehr mit dem Maßstab des Zukünftigen als des Gegenwärtigen, und bezeichnen nur das für nützlich, was der Seligkeit des ewigen Lebens, nicht was der Lust des gegenwärtigen frommt. Wir erblicken auch keinerlei Vorteile in Reichtum und Vermögensschätzen, sondern halten diese für Nachteile, wenn man nicht darauf verzichtet. Schwerer drückt ihre Last, wenn sie vorhanden sind, als ihr Verlust, wenn sie abhanden kommen. Unsere schriftliche Arbeit ist daher nicht überflüssig, weil wir an den Pflichtbegriff einen anderen Maßstab anlegen, als jene Autoren es getan haben. Sie halten die irdischen Glücksgüter für etwas Gutes, wir halten sie geradezu für einen Nachteil, weil einer, der gleich jenem Reichen hier Gutes empfängt, dort gepeinigt wird, ein Lazarus dagegen, der hier Schlimmes erduldete, dort seinen Trost findet (Luk. 16, 19 ff). Wer jene Werke nicht liest, mag nach Gutdünken unsere Zeilen lesen, wenn es ihm sonst nicht um Wortgepränge und Redekunst, sondern um die schlichte Schönheit der Sache zu tun ist." [52]

Ambrosius teilt mit vielen Kirchenschriftstellern der alten Zeit die Anschauung, dass alles, was an wahren Weisheitselementen bei heidnischen Autoren sich vorfindet, auf Entlehnungen aus der Hl. Schrift beruht. Daher sagt er, "an erster Stelle waren es unsere Schriften, worin das Geziemende, griechisch [prepon] genannt, näher festgesetzt wurde. Wir werden darüber aufgeklärt und belehrt, wenn wir lesen: „Dir geziemt Lobgesang, o Gott, auf Sion“, oder im Griechischen: [Soi prepei hymnos ho theos en Sion] (Ps. 65, 2). Auch der Apostel mahnt: „Rede, was sich für eine gesunde Lehre geziemt!“ (Tit. 2, 1) Und an einer anderen Stelle: „Es ziemte sich aber dem, durch welchen alle Dinge und um dessentwillen alle Dinge sind, und welcher viele Kinder zur Herrlichkeit herbeiführte, den Führer ihres Heils durch Leiden zu vollenden“ (Hebr. 2, 10). Hat etwa Panätius, hat Aristoteles, der ebenfalls von der Pflicht handelte, früher gelebt als David? Ist doch selbst Pythagoras, der an Alter, wie wir lesen, über Sokrates hinaufreicht, dem Propheten David gefolgt, da er den Seinigen das Gesetz des Schweigens gab. Doch er wollte seinen Schülern fünf Jahre lang das Sprechen überhaupt verbieten, während David diese Naturgabe nicht beeinträchtigen wollte, sondern nur Bedachtsamkeit im Reden lehrte. Näherhin wollte Pythagoras mittels des Nichtsprechens das Sprechen lehren; nach David sollten wir mehr durch Sprechen das Sprechen lernen. Wie wäre denn eine Unterweisung ohne Schulung oder ein Fortschritt ohne Übung denkbar? Wer im Kriegsfach sich ausbilden will, der übt sich täglich in den Waffen, tritt in voller Rüstung gleichsam in das Vorspiel des Kampfes ein, sucht Deckung, als stünde der Feind schon vor ihm, und erprobt seine Arme im gewandten und kräftigen Speerwerfen oder weicht dem Geschosse des Gegners aus und entgeht ihm wachsamen Auges. Wer ein Schiff auf dem Meere durch Steuer zu lenken oder durch Ruder zu leiten begehrt, übt sich zuvor auf einem Flusse. Wer einen lieblichen Sang und eine schöne Stimme erstrebt, bildet erst nach und nach die Stimme im Singen aus. Und wer durch Körperkraft und regelrechten Wettkampf nach der Siegeskrone auslangt, übt sich täglich in der Ringkunst, stählt seine Glieder, nährt seine Ausdauer, um sich erst mühsam daran zu gewöhnen. Das lehrt uns die Natur schon am kleinen Kinde. Es bemüht sich zunächst um die Sprachlaute, um das Sprechen zu lernen; der Laut ist gleichsam die Schule und der Ringplatz für die Stimme. So sollen denn auch die, welche Behutsamkeit im Reden lernen wollen, die Gabe der Natur nicht verleugnen, das Gebot der Wachsamkeit hingegen üben gleich wachestehenden Posten, die wachend, nicht schlafend auslugen. Jedes Ding findet nämlich durch Schulung, die seiner Eigenart und natürlichen Beschaffenheit entspricht, Förderung. David schwieg nicht immer, sondern wenn es der Augenblick erforderte; er verweigerte nicht ständig und nicht jedermann die Antwort, sondern nur dem Gegner, der ihn reizte, dem Sünder, der ihn herausforderte (Ps. 39, 2 f.). Und er hörte, wie er an einer anderen Stelle versichert, nur auf solche nicht, welche Eitles redeten und Trug sannen; und öffnete ihnen wie taub und stumm seine Stimme nicht (Ps. 38, 13). Auch anderswo liest man: „Antworte dem Törichten nicht auf seine Torheit, damit du ihm nicht ähnlich werdest!“ (Prov. 26, 4) Die erste Pflicht ist sonach das Maßhalten im Reden. Das heisst Gott ein Lobopfer darbringen; das heisst Ehrfurcht wahren bei der Schriftlesung; das heisst den Eltern Ehrerbietung erweisen. Ich weiß, dass man gar häufig nur redet, weil man nicht zu schweigen versteht. Selten schweigt einer, wenn schon das Reden ihm nicht frommt. Der Weise überlegt erst viel, wenn er reden soll: was er sprechen soll, zu wem er sprechen soll, an welchem Ort, zu welcher Zeit. So gibt es denn ein Maßhalten sowohl im Schweigen wie im Reden, aber auch ein Maßhalten im Handeln." [53]
 

Von der göttlichen Vorsehung

Doch so manche lassen sich in der Pflicht der mitteilsamen Barmherzigkeit irre machen. Wenn sie nämlich sehen, wie Sünder im Reichtum schwimmen, der Ehren, der Gesundheit, der Kinder sich erfreuen, Gerechte hingegen in Not, in Verachtung, kinderlos, siech am Leibe, oft von Trauer heimgesucht ihr Leben fristen, dann glauben sie, der Herr kümmere sich nicht um das Tun des Menschen; oder er wisse nicht, was wir im Verborgenen treiben, woran unser Gewissen sich hält; oder aber sein Gericht erscheine keineswegs als gerecht. Nicht unwichtig ist diese Frage. Erklärten doch jene drei königlichen Freunde Jobs ihn deshalb für einen Sünder, weil er, wie sie sahen, aus einem Reichen ein Armer, aus einem mit Kindern reichgesegneten Vater ein kinderloser geworden war, mit Geschwüren überdeckt, von Schwielen strotzend, vom Haupt bis zu den Füßen von Beulen zerwühlt (Job 4, 1 ff.). Der heilige Job gab ihnen nun Folgendes zu bedenken: Wenn ich meiner Sünden wegen dies leide, „warum leben dann die Gottlosen? Alt aber sind sie geworden, und ihre Nachkommen schwelgen im Reichtum nach Wunsch, ihre Kinder gedeihen vor ihren Augen, ihre Häuser mehren sich in Überfluß: nirgends aber eine Frucht; keine Geißel Gottes ruht auf ihnen“(Job 21, 7-9). Ein Schwächling, der dies sieht, wird in seinem Herzen irre und seinem Eifer abwendig. Was er vorbringen kann, dem hat der hl. Job zum voraus mit den Worten Ausdruck verliehen: „Ertraget mich! Ich aber will reden: dann verlacht mich nicht! Denn werde ich auch der Sünde geziehen, werde ich als Mensch derselben geziehen. So traget denn die Last meiner Worte!“(Job 21, 1 ff)  Ich werde, will er sagen, sprechen, was ich nicht billige; aber zu euerer Widerlegung will ich die sündhaften Worte aussprechen. Oder doch, weil der Vers so lautet: „Wie aber? Werde ich wohl von einem Menschen der Sünde geziehen?“(Job 21, 4) folgendermaßen: Kein Mensch kann mich der Sünde zeihen, ob ich auch Tadel verdiene; denn nicht auf offenkundige Schuld gründet sich euer Tadel, sondern aus den Schicksalsschlägen, die ich erlitten, schließt ihr auf das Missverdienst von Vergehungen. Angesichts der Tatsache nun, dass Ungerechte im Überfluß des Glückes schwelgen, er selbst aber von Unglück heimgesucht wird, spricht der Schwächling zum Herrn: „Geh weg von mir! Ich will nichts wissen von Deinen Wegen. Was nützt es, dass wir ihm gedient, was frommt es, dass wir ihm uns geweiht haben? In ihren Händen häufen sich alle Güter; die Werke der Gottlosen aber sieht er nicht“(Job 21, 14-16). Man lobt an Plato, dass er in seiner Staatslehre (Staat II 2) einen, der die Rolle des Anwalts wider eine gerechte Sache übernommen hatte, ob der Worte, die er selbst nicht billigen konnte, um Entschuldigung bitten und versichern lässt, dass ihm jene Rolle nur übertragen worden sei, um der Wahrheit auf den Grund zu kommen und Frage und Antwort auf ihren Gehalt prüfen zu können. Und dieses Verfahren billigte Tullius so sehr, dass auch er in seinen Büchern über den Staat (De republ. III 5) für diese Ansicht eintreten zu sollen glaubte. Wie bedeutend älter als jene Denker ist Job, der zuerst auf diesen Gedanken kam und nicht nur zur rednerischen Ausschmückung, sondern zur Erhärtung der Wahrheit das vorausschicken zu sollen glaubte. Sofort ließ er die Lösung der Frage folgen mit der Beteuerung, dass „die Leuchte der Gottlosen ausgelöscht werde und ihr Untergang bevorstehe“(Job 21, 17). Gott, der Lehrer der Weisheit und der Zucht, lasse sich nicht täuschen, sondern sei Richter über die Wahrheit (Job 21-22). Darum dürfe die Glückseligkeit der einzelnen nicht nach dem äusseren Überfluß bemessen werden, sondern nach dem inneren Gewissen, das zwischen Verdienst und Missverdienst der Schuldlosen und Lasterhaften unterscheide: ein wahrhafter und unbestechlicher Schiedsrichter über Strafe und Lohn! Der Schuldlose stirbt als Mächtiger im Reich der Unschuld, als überreicher Herr des eigenen Willens, im Besitze einer Seele, die gleichsam „voll Fett“ ist (Job 21, 24). Dagegen aber bringt der Sünder, ob er auch äusserlich im Überfluß schwimmt, in Vergnügungen schwelgt und von Salben duftet, das Leben „in der Bitterkeit seiner Seele“(Job 3, 20; 7, 11; 10, 1; 27, 2) zu und beschließt den letzten Tag, ohne etwas Gutes von seinen Genüssen mitnehmen, ohne etwas anderes mit sich fortnehmen zu können als den Preis seiner Verbrechen. Bedenke das und leugne, wenn du kannst, dass es eine Vergeltung im göttlichen Gerichte gibt! Jenen macht das eigene Herz glücklich, diesen unglücklich. Jenen spricht das eigene Urteil frei, diesen schuldig. Jenen überkommt Freude beim Hinscheiden, diesen Trauer. Wer könnte auch einen Menschen freisprechen, der nicht einmal vor sich selbst schuldlos dasteht? „Sagt mir“, heisst es, „wo ist der Schutz seiner Hütten?“(Job 21, 28f) Keine Spur von ihm wird man finden. "Denn das Leben des Lasterhaften ist wie ein Traum; er schlägt die Augen auf: dahin ist seine Ruhe, entschwunden das Ergötzen. Selbst die äussere Ruhe der Gottlosen, die zu ihren Lebzeiten in die Erscheinung tritt, gehört der Hölle an; denn lebendig fahren sie zur Hölle (Num. 16, 30. 33). Du siehst das Gastmahl eines Sünders: frage sein Gewissen! Riecht es nicht übler denn alle Gräber? Du schaust sein vergnügtes Leben, staunst über seine leibliche Gesundheit, über die überreiche Zahl an Kindern und Schätzen: schau hin auf die Beulen und Striemen seiner Seele und die Trübsal seines Herzens! Was soll ich denn ein Wort verlieren über seine Schätze? Liest du doch: „Nicht vom Überfluß hängt sein Leben ab“(Luk. 12, 15); weißt du doch, dass er, ob er dir auch reich erscheint, selbst arm sich dünkt und mit seinem Urteil das deinige Lügen straft. Was soll ich desgleichen über seine vielen Kinder und sein Freisein von Leid ein Wort verlieren? Muss er doch sich selbst bedauern und sich sagen, dass er ohne Erben bleiben werde, nachdem er seinesgleichen nicht zu Erben haben will. Der Sünder hinterlässt überhaupt kein Erbe. So ist also der Gottlose sich selbst zur Strafe, der Gerechte hingegen sich selbst zur Freude."  [54]

Warum haben Sünder Überfluß an Schätzen und Reichtümern, zechen in einemfort sonder Kummer, sonder Trauer, während dagegen Gerechte Not leiden und den Verlust von Gatten und Kindern zu beklagen haben? Solchen sollte jene Parabel im Evangelium den Mund schließen. Der Reiche kleidete sich in Byssus und Purpur und hielt täglich üppige Gelage, der Arme aber sammelte, mit Geschwüren vollbedeckt, die Überbleibsel von dessen Tisch. Nach dem Tode beider aber befand sich der Arme, der Ruhe genießend, im Schoße Abrahams, der Reiche hingegen in Qualen (Luk. 16, 19 ff.). Geht daraus nicht klar hervor, dass einen nach dem Tode je nach Verdienst entweder Lohn oder Strafe erwartet? Und mit Recht harrt, weil Kampf Mühe erheischt, nach dem Kampfe des einen Sieg, des anderen Beschämung. Oder wird denn einem vor der Vollendung des Laufes die Palme gereicht, die Krone verliehen? Mit Recht versichert Paulus: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, den Glauben bewahrt. Im übrigen ist mir die Krone der Gerechtigkeit hinterlegt, die mir der Herr an jenem Tag geben wird, der gerechte Richter, nicht allein aber mir, sondern auch denen, die seine Ankunft lieben“(2 Tim. 4, 7 f.). „An jenem Tage“, heisst es, wird er sie geben, nicht schon hier. Hier aber kämpfte er als ein guter Streiter in Mühen, in Gefahren, in Schiffbrüchen; denn er wusste, dass wir durch viele Trübsale ins Reich Gottes eingehen müssen (Apg. 14, 21). Keiner kann sonach den Preis empfangen, der nicht rechtmäßig gekämpft hat. Und es gibt keinen ruhmvollen Sieg ohne mühevollen Kampf. [55]

Nach göttlichem Urteil fängt die Seligkeit da an, wo menschliche Meinung nur Elend erblickt. „Selig die Hungernden; denn sie werden gesättigt werden! Selig die Trauernden; denn sie werden Trost finden! Selig die Barmherzigen; denn ihrer wird auch Gott sich erbarmen! Selig, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen! Selig, die um der Gerechtigkeit willen Verfolgung leiden; denn ihrer ist das Himmelreich! Selig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen und alles Böse wider euch reden werden um der Gerechtigkeit willen! Freut euch und frohlocket; denn euer Lohn ist groß im Himmel!“ (Matth. 5, 5 ff.) Einen zukünftigen, nicht gegenwärtigen Lohn versprach er; im Himmel, nicht auf der Erde ist er auszuzahlen. "Was forderst du hier, was dir an einem anderen Ort gebührt? Was verlangst du vorzeitig die Krone, bevor du siegst? Was wünschst du den Staub abzuschütteln, was auszuruhen, was verlangst du nach Speise, bevor die Rennbahn durchlaufen ist? Noch sieht das Volk zu, noch stehen die Wettkämpfer auf dem Kampfplatz: und du verlangst bereits nach Muße? Doch vielleicht möchtest du einwenden: Warum geben sich die Gottlosen dem Vergnügen, warum der Ausgelassenheit hin? Warum teilen nicht auch sie die Mühe und Arbeit mit mir? Weil die, welche sich nicht um die Siegeskrone bewerben, auch nicht zur Kampfesmühe sich angehalten fühlen. Wer nicht in die Rennbahn tritt, salbt sich nicht mit Öl, beschmutzt sich nicht mit Staub. Kämpfer, deren Ruhm harren soll, erwartet Ungemach. Salbenduftende Weichlinge pflegen zuzuschauen, nicht zu kämpfen, nicht Sonne, Hitze, Staub und Regen zu ertragen. Wohl mag auch an sie die Aufforderung der Kämpfenden ergehen: Kommt, teilt die Kampfesmühe mit uns! Doch als Zuschauer werden sie antworten: Wir spielen hier inzwischen eure Richter; ihr aber werdet euch auch ohne uns, wenn ihr siegt, den Ruhm sichern. Solche Leute nun, die ihr Sinnen und Trachten auf Genuß, auf Völlerei, Erpressung, Erwerb und Ehren richten, sind mehr Zuschauer denn Streiter. Sie ziehen Vorteil aus der Arbeit, keine Frucht aus der Tugend. Sie pflegen des Müßigganges, scharren in List und Ungerechtigkeit Haufen von Reichtümern zusammen. Doch wenn auch spät: sie werden für ihre Schlechtigkeit Strafe erleiden. Ihre Ruhe ist in der Hölle, die deinige aber im Himmel; ihre Behausung ist im Grabe, die deinige im Paradiese. Darum der schöne Ausspruch Jobs: sie wachen im Grabe (Job 21, 32), weil sie des Schlafes der Ruhe nicht genießen können, den jener schlief, der auferstanden ist. Sei also nicht unverständig wie ein Kind, rede nicht wie ein Kind, denke nicht wie ein Kind, maße dir nicht wie ein Kind etwas an, was einer späteren Zeit vorbehalten ist! Die Krone gebührt den Vollendeten. Mache dich gefasst, dass die Vollendung kommt! Dann magst du nicht im rätselhaften Bilde, sondern von Angesicht zu Angesicht die Gestalt der enthüllten Wahrheit selbst erkennen (1 Kor. 13, 12). Dann wird offenbar werden, warum der Ungerechte und Erpresser fremden Gutes reich, warum ein anderer mächtig, warum ein dritter mit zahlreichen Kindern gesegnet, wieder ein anderer mit Ehren bedacht war. Vielleicht soll zum Erpresser einmal gesprochen werden: Du warst reich, warum raubtest du fremdes Gut? Nicht Not trieb dich, nicht Armut zwang dich hierzu. Habe ich dich nicht deshalb reich werden lassen, um dir keine Ausrede zu ermöglichen? Ebenso soll zum Mächtigen gesprochen werden: Warum standst du den Witwen, ferner den Waisen nicht bei, da sie Unrecht litten? Warst du zu schwach hierzu? Warst du ausserstande, Hilfe zu leisten? Darum habe ich dich mächtig gemacht, nicht dass du Gewalttat übest, sondern verhütest. Galt dir nicht das Schriftwort: „Rette den, dem Unrecht widerfährt“? (Ekkli. 4, 9) Galt dir nicht das Schriftwort: „Befreiet den Armen und Notleidenden aus der Hand des Sünders“? (Ps. 82, 4) Desgleichen soll zum Reichen gesprochen werden: Mit Kindern und Ehren habe ich dich reich bedacht, leibliche Gesundheit dir geschenkt: warum befolgtest du meine Gebote nicht? Mein Diener, was habe ich dir getan oder womit dich betrübt? Habe nicht ich dir die Kinder gegeben, die Ehren verliehen, die Gesundheit geschenkt? Warum hast du mich verleugnet?" Es werden heute nicht nur arabisch-kurdische Clan-Mitglieder als "Salbenduftende Weichlinge" bezeichnet, also "Leute nun, die ihr Sinnen und Trachten auf Genuß, auf Völlerei, Erpressung, Erwerb und Ehren richten", sondern alle, die "mehr Zuschauer denn Streiter" sind und Christus verleugnen. [56]
 

Von der Sittsamkeit und Bescheidenheit 

Schön ist die Tugend der Sittsamkeit und hold ihr Reiz. Nicht nur im Handeln, sondern selbst im Reden tritt sie zutage: man überschreite nicht das Maß beim Sprechen; die Rede lasse nichts Unziemliches verlauten! Im Worte spiegelt sich ja so häufig das Bild des Geistes. Sogar den Ton der Stimme wägt die Eingezogenheit ab, dass nicht eine zu kräftige Stimme das Ohr des Hörers verletze. So besteht schon beim Singen und überhaupt bei jedem Gebrauch der Sprache die erste Schulung in bescheidener Zurückhaltung. Erst nach und nach soll einer zu psallieren oder zu singen oder endlich zu sprechen anfangen, damit die bescheidenen Anfänge vielversprechend für den Fortschritt werden. Gerade das Stillschweigen, die Mußezeit der übrigen Tugenden, ist das Wichtigste in der Sittsamkeit. Dasselbe gilt denn auch, wenn kindisches Unvermögen oder aber Stolz dahinter vermutet wird, für eine Schande, wenn Sittsamkeit, für etwas Lobenswertes. Susanna schwieg in der Gefahr (Dan. 13, 35); sie erachtete den Verlust der Schamhaftigkeit für schlimmer als den des Lebens und glaubte nicht ihre Reinheit auf das Spiel setzen zu sollen, um so ihr Leben zu wahren. Nur mit Gott sprach sie (Dan. 13, 42 f.), mit dem sie sich in keuscher Sittsamkeit aussprechen konnte. Öffentliches Schaubeten der Muslime hat mit Sittsamkeit nichts zu tun und wird auch nicht als Gebet anerkannt. Daher sagt Ambrosius: "Auch bei unserem Gebete zieht die Eingezogenheit viel Wohlgefallen nach sich und erwirbt uns viel Gnade bei unserem Gott. Gereichte nicht sie dem Zöllner, der nicht einmal seine Augen zum Himmel aufzuschlagen wagte, zur Auszeichnung und Empfehlung. Er geht nach dem Urteil des Herrn gerechtfertigter weg als der Pharisäer, den seine Anmaßung so widerlich machte (Luk. 18, 10 ff.). So lasst uns denn, wie Petrus mahnt, „in der Unversehrtheit eines stillen und bescheidenen Geistes beten, der vor Gott reich ist!“ (1 Petr. 3, 4) Etwas Großes muss es also um die Bescheidenheit sein, die sogar, des eigenen Rechtes lieber entsagend, sich nichts anmaßt, nichts aneignet, und mehr auf sich selbst sich beschränkend „vor Gott reich ist“, vor dem niemand reich ist (Luk. 12, 21). Reich ist die Bescheidenheit, weil sie Gottes Anteil ist. Auch Paulus gebot, das Gebet in Eingezogenheit und Nüchternheit zu verrichten. Diese Eingezogenheit wünscht er an erster Stelle und gleichsam als die Vorläuferin des nachfolgenden Gebetes, dass es nicht eines Sünders ruhmrediges Gebet werde." [57]
"Denn in der Haltung des Körpers verrät sich der Zustand des Geistes. Danach hält man den „verborgenen Menschen unseres Herzens“ (1 Petr. 3, 4) entweder für mehr leichtfertig oder prahlerisch oder ungestüm, oder aber für mehr ernst, beständig, lauter und reif. Durch die Körperbewegung spricht also gleichsam die Stimme des Geistes. Ihr erinnert euch, meine Söhne, an einen Freund, der, obschon er sich durch fleissige Dienstverrichtungen zu empfehlen schien, nur allein darum von mir nicht in den Klerus aufgenommen wurde, weil seine Haltung so unziemlich war; wie ich ebenso einem anderen, als ich ihn unter dem Klerus entdeckt hatte, verbot, je einmal an mir vorüberzugehen, weil sein kecker Gang mein Auge verletzte. Und zwar sagte ich ihm das, als er nach einer Verfehlung von neuem in sein Amt eingesetzt wurde. Diese einzige Ausstellung machte ich, und das Urteil trog nicht; denn beide Kleriker fielen von der Kirche ab. Sie entpuppten sich in ihrer inneren Nichtsnutzigkeit als das, als was sie bereits das äussere Auftreten verriet. Der eine nämlich verleugnete in der Zeit der arianischen Verfolgung den Glauben; der andere sagte sich aus Geldgier von uns los, um nicht dem priesterlichen Gerichte zu verfallen. Ihr Gang spiegelte das Bild der Leichtfertigkeit, sozusagen das Bild von herumziehenden Possenreißern." - St. Ambrosius, De off. I, 18
Nach Cicero und Ambrosius gibt es auch solche, "die zu gemächlich einhergehen, dabei wie Gaukler sich gebärden und gleichsam die Tragbahren auf den Umzügen und die Bewegungen der wackelnden Statuen nachahmen. Sie scheinen bei jedem Schritt, den sie tun, eine Art Rhythmus einhalten zu wollen. Auch das Laufen halte ich nicht für anständig, ausser wenn irgendeine begründete Gefahr oder gerechte Notwendigkeit es erfordert. Wir sehen so manchmal Leute ausser Atem dahineilen und das Gesicht verzerren. Fehlt ihnen der Grund zu einer notwendigen Eile, liegt darin ein Mangel, an dem man sich mit Recht stösst. Aber nicht von denen rede ich, für die sich mit Grund ein seltener Anlaß zur Eile ergibt, sondern denen ständige und fortwährende Hast zur Natur geworden ist. Ich kann weder an jenen ersteren es billigen, wenn sie wie Götzenbilder auftreten, noch an letzteren, wenn sie sich überstürzen, als hätte man sie fortgejagt. Es gibt auch einen löblichen Gang. Er muss in der äusseren Haltung Würde und gemessenen Ernst und ruhigen Schritt wahren, doch so, dass Absichtlichkeit und Gesuchtheit unterbleibt, die Bewegung vielmehr natürlich und schlicht ist; denn kein Falsch gefällt, natürlich sei die Bewegung! Haftet wirklich der Natur ein Fehler an, mag natürliche Geschicklichkeit ihn beseitigen; Künstelei sei ausgeschlossen, nicht Abhilfe. Wenn schon diese Dinge von einem höheren Gesichtspunkt sich ins Auge fassen lassen, wieviel mehr hat man sich zu hüten, dass dem Munde nichts Schändliches entschlüpft? Das wäre eine schwere Verunreinigung des Menschen. Denn nicht die Speise verunreinigt, sondern ungerechte Schmährede, unlautere Worte (Matth. 15, 11. 17 ff.)." [58]
"Belehrt uns nicht die Natur selbst darüber? Wohl ließ sie sämtlichen Körperteilen an uns eine volle Entwicklung angedeihen, um sowohl den Bedürfnissen Rechnung zu tragen, wie für zierliche Anmut zu sorgen. Jene indes, die einen lieblichen Anblick gewähren, in denen wie auf ragender Burg der Gipfel der Schönheit, die Lieblichkeit der Gestalt und der Reiz des Antlitzes aufleuchten, die rascher zu praktischem Gebrauch bereitstehen sollten, ließ sie frei und bloß. Jenen hingegen, die nur einem natürlichen Bedürfnisse dienen sollten, wies sie teils, um nicht einen abstoßenden Anblick zu gewähren, am Leibe selbst eine abgelegene und verborgene Stelle an, teils gab sie Anleitung und Anregung, dieselben zu verhüllen. Ist also nicht die Natur selbst die Lehrmeisterin der Sittsamkeit? Nach ihrem Vorgang hat menschliche Wohlanständigkeit, deren Name (modestia), wie ich glaube, vom Maß (modus) des Wissens um das Schickliche herkommt, das Verborgene, das sie an diesem unseren Körperbau vorfand, verhüllt und bedeckt." - St. Ambrosius, De off. I, 18
Die Sittsamkeit ist jedem Alter, jeder Person, Zeit und Örtlichkeit angemessen, schickt sich aber am meisten für die Heranwachsenden und Jugendlichen. Bei jedem Alter ist darauf zu achten, dass man tut, was sich ziemt, und dass die Lebensordnung im Einklang und in Übereinstimmung mit sich selbst bleibt. Daher hält Tullius dafür, es müsse auch im Schicklichen Ordnung gewahrt werden, und behauptet, es liege „in der Anmut, Anordnung und Zierlichkeit, die einer Handlung entsprechen“, Dingen, die sich mit Worten, wie er beifügt, schwerlich darlegen lassen; es genüge darum, dass man sie fühle. "Warum er gerade die leibliche Schönheit anführte, verstehe ich nicht; übrigens gilt sein Lob auch den Kräften des Leibes. Wir verlegen jedenfalls die Tugend nicht in die Körperschönheit. Wir schließen freilich deren Anmut nicht aus, weil die Sittsamkeit gerade auch das Antlitz mit Schamröte zu bedecken und reizender zu machen pflegt. Wie nämlich des Künstlers Schaffen in der Regel an einem geschmeidigeren Stoff besser hervortritt, so leuchtet auch die Sittsamkeit gerade aus der leiblichen Anmut mit erhöhtem Glanze hervor. Doch soll auch die leibliche Schönheit nichts Gekünsteltes, sondern etwas Natürliches sein: einfach, eher vernachlässigt denn gesucht, nicht in kostbare und glänzende Gewänder gehüllt, um ihr nachzuhelfen, sondern in gewöhnliche, so dass der Ehrbarkeit oder dem Bedürfnis kein Eintrag geschieht, die natürliche Anmut ohne künstliche Zutat bleibt. Selbst die Stimme soll nicht weichlich, nicht gebrochen sein, nicht weibisch klingen, wie es sich viele unter dem Schein des Würdevollen angewöhnt haben; sie soll vielmehr in Ausdruck, Modulierung und Kraft etwas Männliches wahren. Das heißt eine schöne Lebensweise einhalten: sich so geben, wie es seinem Geschlecht und seiner Person ziemt. Das ist die beste Handlungsweise, das die rechte Zier für jedes Tun. Doch wie ich nichts Weichliches und Schwächliches im Ton der Stimme und in der Körperhaltung billigen kann, so auch nichts Rohes und Bäuerisches. Ahmen wir die Natur nach!" [59]
 

Vom Zorn

Die Erbitterung verwirrt die Seele, so dass sie vernünftiger Überlegung nicht mehr fähig ist. Das erste nun ist, dass einem womöglich durch eine Art Gewöhnung, durch Herzensbildung und Vorsatz die Ruhe im Verhalten zur zweiten Natur werde. Weil sodann die Zornesregung zumeist so tief dem natürlichen Charakter anhaftet, dass sie sich nicht ausrotten oder verhüten lässt, unterdrücke man sie durch die Vernunft, wenn man sie voraussehen kann. Oder aber man überlege, wenn die Seele von Erbitterung erfasst wurde, bevor sich durch Überlegung dagegen vorbauen und vorsehen ließ, wie man die seelische Erregung überwinden, den Jähzorn dämpfen könne. "Widersteh dem Zorn, wenn du es kannst; weich ihm, wenn du es nicht kannst! Denn es steht geschrieben: „Gebt Raum dem Zorn [Gottes]!“ ( Röm. 12, 19). Jakob ging dem zürnenden Bruder aus dem Weg und wollte lieber, von Rebekka, d. i. von der Geduld beraten, in der Ferne und Fremde weilen, als den Unwillen des Bruders reizen, und erst dann zurückkehren, als er den Bruder besänftigt glaubte (Gen. 27, 42 ff.). So fand er denn auch so große Gnade bei Gott. Mit welchen Liebenswürdigkeiten sodann, mit welch großen Geschenken machte er sich den Bruder selbst geneigt, so dass dieser nicht mehr des vorweggenommenen Segens gedachte, sondern nur der geleisteten Genugtuung eingedenk war! (Gen. 32, 13 ff.; 33, 3 ff.) Wenn also Zorn dein Gemüt überrascht und überrumpelt und in dir aufsteigt, weich nicht von deinem Standpunkt! Dein Standpunkt ist die Geduld, dein Standpunkt ist die Weisheit, dein Standpunkt ist die Vernunft, dein Standpunkt ist die Dämpfung des Unwillens. Oder regt dich die Frechheit auf, mit der einer antwortet, oder reizt dich seine Verkehrtheit zum Unwillen, bezähme deine Zunge, falls du den Sinn nicht besänftigen kannst! Denn so steht geschrieben: „Halt deine Zunge und deine Lippen im Zaum, dass sie nicht Trug reden!“ (Ps. 34, 14) Ferner: „Suche Frieden und geh ihm nach!“ (Ps. 34, 15) Betrachte jene Friedfertigkeit des heiligen Jakob, mit der du allererst deinen Sinn besänftigen solltest! Vermagst du das nicht, so lege deiner Zunge Zügel an! Sodann unterlaß die Bemühung um die Wiederversöhnung nicht! Die weltlichen Redner haben diese Grundsätze von den Unsrigen entlehnt und in ihren Schriften niedergelegt. Doch der Vorzug dieser Auffassung gebührt dem, der sie zuerst vorgetragen hat.. So lasst uns also den Zorn meiden, oder aber dämpfen, dass er nicht in unserem lobenswerten Betragen eine Ausnahme bilde." [60]

Bei Kindern nehmen sich denn auch Zornesregungen harmlos aus; sie sind mehr drollig denn widerlich. Und kommen auch Kinder unter sich rasch in Aufregung, lassen sie sich doch rasch besänftigen und begegnen sich wiederum in um so größerer Freundlichkeit. Sie wissen nichts von hinterlistigem und ränkevollem Benehmen. Verachtet diese Kinder nicht! Der Herr sagt von ihnen: „Wenn ihr euch nicht bekehrt und werdet wie dieses Kind, werdet ihr in das Himmelreich nicht eingehen“ (Matth. 18, 3). Der Herr selbst, d. i. Gottes Kraft hat gleich einem Kinde, da er geschmäht wurde, die Schmähung nicht erwidert; da er geschlagen wurde, den Schlag nicht zurückversetzt (1 Petr. 2, 23). Mache den Vergleich mit dir! Halte gleich einem Kinde nicht am Unrecht fest! Sei nicht bösartig! Alles geschehe deinerseits in Unschuld! Schaue nicht auf das, was dir von anderen vergolten wird! Behaupte deinen Standpunkt und wahre die Aufrichtigkeit und Lauterkeit deines Herzens! Erwidere dem Zornigen nicht auf seinen Zornesausbruch, noch dem Unverständigen auf seinen Unverstand! Rasch löst Schuld wiederum Schuld aus. Wenn man den Stein am Steine reibt, schlägt nicht Feuer hervor? Die Heiden erzählen, wie sie alles mit Worten aufzubauschen pflegen, von einem Ausspruch des Philosophen Archytas aus Tarent, ein pythagoreischer Philosoph, Staatsmann und Feldherr um 400-365 v. Chr., den er an seinen Verwalter richtete: „Du Unseliger, wie würde ich dich schlagen, wenn ich nicht im Zorn wäre!“ Doch schon David hatte die im Unwillen erhobene bewaffnete Rechte sinken lassen (1 Kön. 25, 13 ff.). Und wieviel mehr besagt eine Schmähung nicht erwidern, als keine Strafe verhängen? Und zwar hatte Abigail durch bloße Bitten den wider Nabal zur Rache bereitstehenden Krieger davon abgewendet (1 Kön. 25, 23 ff.). Daraus sehen wir, dass wir selbst schon dringlichen Bitten nicht bloß nachgeben, sondern sogar darüber uns freuen sollten. So sehr aber war David darüber erfreut, dass er die Fürbittende segnete, weil er durch sie von Rachegelüsten abgewendet wurde ( 1 Kön. 25, 33). Schon hatte er über seine Feinde geklagt: „Denn Missetat wälzten sie auf mich, und im Zorn fielen sie mir lästig“ (Ps. 55, 4). Hören wir nun, was der Zornerregte gesprochen: „Wer gibt mir Flügel gleich der Taube, und ich will fliegen und Ruhe finden“ (Ps. 55, 7). Sie reizten ihn zum Zorne, er aber zog die Ruhe vor. [61]

"Schon hatte er gesprochen: „Zürnet, doch sündiget nicht!“ (Ps. 4, 5) Als ein Sittenlehrer, der wusste, dass eine natürliche Regung durch vernünftige Lehre mehr gezügelt als getilgt werden muss, gibt er seine Sittenvorschriften. Er will sagen: Zürnet, sobald ein Verschulden vorliegt, dem ihr zürnen sollt! Denn es ist unmöglich, dass wir uns nicht über nichtswürdige Dinge aufregen. Andernfalls müsste darin nicht sowohl Tugend, sondern Stumpfsinn und Gleichgültigkeit erblickt werden. Zürnet also in der Weise, dass ihr von Schuld euch fernhaltet! Oder so: Wenn ihr zürnet, sündiget nicht, sondern überwindet kraft der Vernunft den Zorn! Oder aber so: Wenn ihr zürnet, zürnet euch selbst, weil ihr euch zum Zorn fortreißen ließet, und ihr werdet nicht sündigen. Denn wer sich selbst zürnt weil er so rasch zum Zorn sich fortreißen ließ, hört auf, dem Nächsten zu zürnen; wer aber seinen Zorn als berechtigt erscheinen lassen will, erhitzt sich noch mehr und fällt rasch in Schuld. Besser aber ist nach Salomo, wer den Zorn bezwingt, als wer eine Stadt einnimmt (Prov. 16, 32); denn der Zorn beirrt selbst Starke. So müssen wir uns denn hüten, in Aufregung zu geraten, bevor die Vernunft unsere Seele in die rechte Verfassung versetzt. Gar häufig nämlich bringen Zorn oder Schmerz oder Todesfurcht den Geist aus der Fassung und treffen ihn mit unvorhergesehenem Schlag. Darum ist es schön, durch Denken, das den Geist schult, zuvorzukommen, dass er nicht in plötzlichen Erregungen aufbrause, sondern gleichsam im Joch und Zügel der Vernunft sich besänftige." - St. Ambrosius, De off. I, 21

Vom Schicklichen im Handeln; vollendete Vorbilder: Abraham, Jakob, Joseph, Job, David; Die vier Kardinaltugenden

Nach Cicero und Ambrosius "sollten wir uns nicht über das rechte Maß in unserem Streben und Handeln, desgleichen nicht über die Ordnung in den Dingen und den rechten Zeitpunkt hinwegsetzen", eine Forderung, die von heutigen Wissenschaftlern, die mit Hilfe der Gentechnik Pflanzen, Tiere und sogar Menschen manipulieren, immer weniger beachtet wird. [62]

Ward nicht fürs erste gerade jener Vater Abraham, der zur Belehrung der künftigen Nachkommenschaft seine Anleitung und Unterweisung erhielt, auf den Befehl, aus seinem Lande und aus seiner Verwandtschaft und aus seinem Vaterhause fortzuziehen, durch mehrfache Pietätsgefühle wie mit Fesseln zurückgehalten, und zwang er nicht dennoch sein Begehren zu gehorsamer Unterordnung unter die Vernunft? Wer würde denn nicht mit Lust und Freude an seinem Lande, an seiner Verwandtschaft, desgleichen am eigenen Hause hängen? Auch ihn nun wandelte die süße Freude an den Seinigen an, doch mehr noch bestimmte ihn der Gedanke an den himmlischen Befehl und die ewige Vergeltung. Sah er nicht, wie seine für Strapazen so schwächliche, für Kränkungen so zartfühlende, für Wüstlinge so reizende Gattin nicht ohne die größte Gefahr mitgeführt werden konnte? Und dennoch hielt er es für geratener, sich allem zu unterziehen, statt Entschuldigungen vorzubringen. Als er sodann nach Ägypten hinabzog, riet er derselben, sich als seine Schwester, nicht als seine Frau auszugeben. "Er fürchtete für der Gattin Reinheit, fürchtete für sein eigenes Leben, misstraute der Lüsternheit der Ägypter: und dennoch wog bei ihm der Gedanke an die religiöse Pflichterfüllung vor. Er beherzigte nämlich, wie er sich mit Gottes Gnade überall sicher fühlen, mit des Herrn Ungnade aber auch zu Hause nicht heil bleiben könne. So obsiegte also die Vernunft über das Begehren und machte es sich unterwürfig. Die Gefangennahme seines Neffens machte ihn nicht bangen, die Völker so vieler Könige beirrten ihn nicht: er greift wiederholt zu den Waffen. Als Sieger verzichtete er auf einen Anteil an der Beute, deren Eroberer er war (Gen. 14). Als ihm ferner ein Sohn verheißen wurde, schenkte er, obschon er seinen erstorbenen Leib entkräftet, seine Gattin unfruchtbar und hochbetagt sah, wider die Stimme der natürlichen Erfahrung Gott Glauben (Gen. 15)." [63]

Jenes Gleichmaß im Handeln war vorhanden, das weder Wichtiges für gering, noch Geringeres für wichtig hält, ferner das rechte Maßhalten im Tun, die Ordnung in den Dingen, die Einhaltung der rechten Zeit, die Abwägung der Worte. Ein Mann, im Glauben der erste, in der Gerechtigkeit allen voran, im Kampfe ausdauernd, im Siege nicht beutegierig, zu Hause gastfreundlich und treubesorgt um die Gattin. Ebenso freute sich sein Enkel Jakob zu Hause eines ruhigen Lebens. Doch die Mutter wollte, dass er in die Fremde ziehe, um dem erzürnten Bruder auszuweichen (Gen. 27, 41 ff.). Ein Verbannter aus dem Hause, ein Flüchtling fern den Eltern, hielt er doch überall in seinem Tun das geziemende Maß ein und beachtete den rechten Zeitpunkt. Zu Hause war er der Liebling seiner Eltern, so dass der eine Elternteil, durch seine zuvorkommende Dienstbeflissenheit bewogen, ihm den Segen gab, der andere in zärtlicher Liebe ihm besonders zugetan war (Gen. 25, 28; 27, 1 ff). Auch das Urteil des Bruders hatte ihm, nachdem er ihm seine Speise abtreten zu sollen glaubte, den Vorzug eingeräumt (Gen. 25, 29 ff.). Wohl hatte er ein natürliches Ergötzen am Gerichte, doch aus Bruderliebe gab er der Bitte nach. Ein treuer Hirte seinem Herrn, dem Schwiegervater ein aufmerksamer Schwiegersohn, bei der Arbeit fleißig, bei Tisch mäßig, im Genugtun zuvorkommend, im Belohnen freigebig (Gen. c. 29 ff.). So besänftigte er denn auch des Bruders Zorn in einer Weise, dass er sich statt der Feindschaft, vor der er sich fürchtete, dessen Huld erwarb (Gen. 32 f.). "Was soll ich von Joseph sagen, der doch sicherlich ein Verlangen nach der Freiheit trug und doch dem Zwang der Sklaverei sich unterzog? Wie unterwürfig war er in der Knechtschaft, wie standhaft in der Tugend, wie wohlwollend im Gefängnis, weise in der Traum-Deutung, vorsorglich in den Jahren der Fruchtbarkeit, gerecht während der Hungersnot, lobenswerte Ordnung in den Dingen mit dem rechten Augenblick in der Zeit verbindend, infolge seiner maßvollen Amtsführung voll Gerechtigkeit gegen das Volk! (Gen. 27 ff.) Ebenso war Job im Glück wie im Unglück gleich untadelig, geduldig, Gott genehm und wohlgefällig. Er ward von Leiden gequält, wusste sich aber zu trösten. David ferner, tapfer im Krieg, ausdauernd im Unglück, friedliebend in Jerusalem, im Sieg mild, in Schuld voll Reueschmerz, im Alter vorsorglich, beobachtete in seinen Liedern je nach der Altersstufe, auf der er stand, Maß in den Dingen und den Wechsel der Zeiten, so dass er, wie mich dünkt, nicht weniger durch seine Lebensart als durch seine lieblichen Weisen, süß wie keiner, zu Gott den unsterblichen Sang seines Verdienstes erschallen ließ." [64]

An welcher Förderung der Haupttugenden hätten es diese Männer fehlen lassen? An erste Stelle setzten Plato und auch die Stoiker die Klugheit, welche sich mit der Erforschung des Wahren befasst und den Trieb nach gründlicherem Wissen einflößt; an zweite Stelle die Gerechtigkeit, die jedem das Seinige zuteilt, kein fremdes Gut sich aneignet, vom eigenen Nutzen absieht, um die gemeinnützige Norm der Billigkeit zu wahren; an dritte Stelle den Starkmut, der im Feld wie zu Haus durch Seelengröße sich hervortut und durch Körperkraft sich auszeichnet; an vierte Stelle die Mäßigkeit, die in allem Maß und Ordnung hält, was wir tun oder reden zu sollen glauben. [65]
 

Von der Klugheit

Der heilige Abraham nun war in erster Linie im Besitz der Klugheit. Von ihm rühmt die Schrift: „Abraham glaubte Gott, und es ward ihm zur Gerechtigkeit angerechnet“ (Gen. 15, 6). Niemand nämlich kann klug sein, der Gott nicht kennt. So sprach denn auch der Unweise: „Es gibt keinen Gott“ (Ps. 14, 1); der Weise nämlich würde nicht so sprechen. Wie wäre denn der ein Weiser, der nicht nach seinem Schöpfer fragt; der zum Steine spricht: „Mein Vater bist du“ (Jer. 2, 27), wie der Mohammedanismus oder Islamismus, der in Mekka einen Stein anbetet, der wie Manichäus zum Teufel spricht: Mein Schöpfer bist du? Wie wäre Arius ein Weiser, der statt des wahren und vollkommenen Schöpfers einen unvollkommenen und unebenbürtigen haben will? Wie wären Marcion und Eunomius Weise, die lieber einen bösen als einen guten Gott haben wollen? Wie wäre der ein Weiser, der seinen Gott nicht fürchtet? Denn „der Anfang der Weisheit ist die Furcht des Herrn“ (Ps. 111, 9). Und an einer anderen Stelle liest man: „Die Weisen weichen nicht vom Munde des Herrn, sondern betätigen sich in ihren Bekenntnissen“ (Prov.. 24, 7 f). Mit der Beteuerung: „es ward ihm zur Gerechtigkeit angerechnet“ (Gen. 15, 6), sprach ihm die Schrift zugleich auch den Vorzug der zweiten Kardinal-Tugend zu. Die Klugheit beruhe in der Erkenntnis des Wahren, ein Ausspruch, der nach Cicero auf Plato zurückgeht, der dieses Axiom in der Philosophie heimisch machte. Denn wer von jenen heidnischen Schriftstellern lebte vor Abraham, David, Salomo? Ferner, die Gerechtigkeit beziehe sich auf das gesellschaftliche Leben des Menschengeschlechtes. So spricht denn David: „Er hat ausgeteilt, den Armen gegeben, seine Gerechtigkeit währt in Ewigkeit“ (Ps. 112, 9); der Gerechte „erbarmt sich“ (Ps. 112, 5); der Gerechte „leiht“. Dem Weisen und Gerechten ist die ganze Welt voll Reichtümer. Der Gerechte besitzt die Allgemeingüter als sein Eigentum, und sein Eigentum als Gemeingut. Der Gerechte klagt, bevor er andere anklagt, sich selbst an. Denn der ist gerecht, der seiner nicht schont. Was gäbe es Weiseres als den heiligen Jakob, der Gott von Angesicht zu Angesicht schaute und dessen Segen verdiente? (Gen. 32, 24 ff.) Was Gerechteres als ihn, der alles, was er erworben hatte, schenkungsweise mit dem Bruder teilte?(Gen. 32, 13 ff.; 33, 10 f.) Was Stärkeres als ihn, der mit Gott rang? Was Maßvolleres als ihn, der im Maßhalten so den Orts- und Zeitumständen Rechnung trug, dass er die Entehrung seiner Tochter lieber durch die Ehe bemänteln als rächen wollte, weil er dafür hielt, dass er, unter den Fremden lebend, mehr auf deren Liebe bedacht sein müsse, statt deren Hass sich zuzuziehen. [66]
"In der Erforschung der Wahrheit ist nun, so lehrt man, als das Schickliche festzuhalten, dass man mit allem Eifer dem nachforsche, was wahr ist, nicht Falsches für wahr halte, das Wahre nicht verdunkle, den Geist nicht mit unnützen oder verworrenen und ungewissen Problemen beschäftige. Was wäre so ungeziemend als die Verehrung von Holzklötzen, wie sie eben jene Lehrer betätigen? Was so dunkel als die astronomischen und geometrischen Untersuchungen, die sie für gut finden? Als die tiefen Lufträume zu messen, ferner den Himmel und das Meer in Zahlen zu schließen, die Sache des Heils hintanzusetzen, der des Irrtums nachzuhängen?" - St. Ambrosius, De off. I, 26
Um uns daher nichts Widernatürliches, nichts Schändliches und Unziemliches in den Sinn kommen zu lassen, sollen wir ein Zweifaches, d. i. Zeit und Fleiß auf die Betrachtung der Dinge verwenden, um sie erproben zu können. "Denn es gibt keinen größeren Vorzug, den der Mensch vor den übrigen lebenden Wesen voraus hat, als den, dass er vernunftbegabt ist, die Ursachen der Dinge ergründen kann. Allen Menschen nun wohnt schon auf Grund der menschlichen Natur, die uns zum Streben nach Erkenntnis und Wissen hinzieht und den Forschungstrieb einsenkt, der Drang nach Erforschung des Wahren inne. Hierin es allen zuvortun gilt für schön. Doch das zu erreichen, ist nur wenigen beschieden, die in ernster Gedankenarbeit, im Wägen und Wagen sich nicht geringe Mühe geben, um womöglich zu jenem seligen und tugendhaften Leben zu gelangen und auch im Handeln sich ihm zu nähern. „Denn nicht wer zu mir spricht ‚Herr, Herr‘,“ so heißt es, „wird ins Himmelreich eingehen, sondern wer das tut, was ich sage“ (Matth. 7, 21). Wissenschaft ohne Handeln danach ist nach Ambrosius nur Ballast. Auch Cicero erklärt das Wissen, dem kein Handeln folgt, für ein „unvollständiges und unfertiges.“ [67]
 

Von der Gerechtigkeit: 

Die Gerechtigkeit bezieht sich auf das Gesellschafts- und Gemeinschaftsleben des Menschengeschlechtes. Das Gesellschaftsleben beruht nämlich auf einem zweifachen Grund, dem der Gerechtigkeit und dem der Wohltätigkeit, auch Freigebigkeit und Wohlwollen genannt. Doch schon die erste Funktion der Gerechtigkeit, welche die Philosophen dafür halten, bleibt bei uns ausgeschlossen. Dieselben nennen nämlich als erste Regel der Gerechtigkeit, „dass man niemand Schaden zufügen dürfe, ausser wenn man durch ein Unrecht dazu gereizt ist“. Diese Regel wird nämlich kraft des Evangeliums umgestoßen. Denn die Schrift will in uns den Geist des Menschensohnes haben, der gekommen ist, um Gnade ergehen zu lassen, nicht Unrecht zuzufügen (Luk. 9, 55 f). Eine weitere Norm der Gerechtigkeit beruht ihrer Ansicht nach darin, dass man in den allgemeinen, d. i. öffentlichen Gütern öffentlichen Besitz, in den privaten Gütern Privatbesitz zu erblicken habe. Auch das entspricht nicht der Natur. Denn die Natur bringt alle Erzeugnisse zum gemeinsamen Gebrauch für alle hervor. Denn Gott hieß alle Erzeugnisse zu dem Zweck sprossen, dass jedermann sich der gemeinsamen Nahrung erfreuen und die Erde gleichsam der gemeinsame Besitz aller sein sollte. So schuf also die Natur ein gemeinsames Besitzrecht für alle; Anmaßung machte daraus ein Privatrecht. Man rühmt in diesem Punkt den Stoikern nach, eine Lieblingsauffassung derselben gehe dahin, dass „alle Erzeugnisse auf Erden zum Gebrauch für die Menschen geschaffen würden, die Menschen aber der Menschen wegen geboren seien, um sich gegenseitig nützen zu können“. Woher anders als aus unseren Schriften entlehnten sie diesen Ausspruch? Schon Moses schrieb nämlich, Gott habe gesprochen: „Lasst uns den Menschen nach unserem Bild und nach unserem Gleichnis schaffen! Und er soll Gewalt haben über die Fische des Meeres und die Vögel des Himmels und die Tiere und alles, was kriecht auf Erden!“ Und David ruft aus: „Alles hast Du ihm unter die Füße gelegt, Schafe und Rinder insgesamt, dazu noch das Vieh des Feldes, die Vögel des Himmels und die Fische des Meeres“ (Ps. 8, 8 f). So haben sie also die Behauptung, alles sei den Menschen unterworfen, unseren Autoren entnommen und nehmen eben darum an, es sei des Menschen wegen hervorgebracht worden. Auch dass der Mensch des Menschen wegen geboren sei, finden wir in den Büchern Moses ausgesprochen, worin der Herr spricht: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist: lasst uns demselben eine Gehilfin schaffen, die ihm gleiche!“ Zur Hilfeleistung wurde sonach das Weib dem Manne gegeben. [68]
"Im Verlangen nämlich, das Vermögen zu vermehren, Geld aufzuhäufen, Ländereien in Besitz zu bekommen, durch Reichtum zu glänzen, streifen wir die Norm der Gerechtigkeit ab und verlieren den Sinn für das gemeinnützige Wohltun. Wie kann denn einer gerecht sein, der dem Nächsten etwas zu entreißen sucht, was er für sich begehrt? Auch Machtgelüste entnervt die mannhafte Gerechtigkeit. Wie kann denn einer für andere eintreten, der sich andere zu unterjochen sucht? Und wie dem Wehrlosen gegen Gewalttätige Hilfe leisten, wenn er selbst es mit schwerer Gewalttat auf dessen Freiheit absieht?" - St. Ambrosius, De off. I, 28
Was es Großes um die Gerechtigkeit ist, lässt sich daraus ersehen, dass sie keine Ausnahme kennt, weder in Bezug auf Ort, noch Person, noch Zeit. Wird sie doch selbst den Feinden gegenüber geübt. Die Kriegsrechte (iura belli), bezw. Kriegspflichten (bellica officia) behandelt auch Cicero. "So standen denn auch späterhin die syrischen Seeräuber von ihren Einfällen in das Land Israel ab. Wenn sonach die Gerechtigkeit selbst im Kriege in Kraft bleibt, wieviel mehr muss sie im Frieden beobachtet werden!"  Die Alten hatten denn auch für die Feinde eine schonende Bezeichnung: sie nannten sie die ‚Fremden‘. Nach altem Brauch nämlich hießen die Feinde ‚Fremde‘. Die Hebräer nannten ihre Gegner die ‚Stammverschiedenen‘ (allophyli), d. i. nach lateinischer Bezeichnung ‚Ausländer‘ (alienigenae). So lesen wir im ersten Buch der Könige also: „Und es geschah an jenen Tagen, da sammelten sich die Ausländer zum Kampf gegen Israel“ (1 Kön. 4, 1). "Das Fundament der Gerechtigkeit ist der Glaube. Denn „der Gerechten Herz sinnt Glauben“ (Prov. 15, 28), und „der Gerechte, der sich anklagt, stellt die Gerechtigkeit auf den Glauben“ (Prov. 18, 17). Dann nämlich tritt seine Gerechtigkeit zutage, wenn er die Wahrheit bekennt. So spricht denn auch der Herr durch Isaias: „Sieh, ich lege einen Stein in die Grundfeste Sions“ (Is. 28, 16), d. i. Christus in die Grundfesten der Kirche. Christus nämlich ist der Glaube aller, die Kirche aber eine gewisse Form der Gerechtigkeit, das gemeinsame Recht aller: gemeinsam ist ihr Beten, gemeinsam ihr Wirken, gemeinsam ihre Prüfung. So ist denn, wer sich selbst verleugnet, gerecht, Christus würdig. Darum stellte auch Paulus Christus als das Fundament hin (1 Kor. 3, 11), damit wir auf ihn die Werke der Gerechtigkeit stellen; denn der Glaube ist das Fundament, in den Werken aber liegt entweder, falls sie bös sind, Ungerechtigkeit, oder aber, falls sie gut sind, Gerechtigkeit." Dieser Glaube und damit Gerechtigkeit fehlte damals den Sarazenen, Mohammedanern und Türken, wie er heute noch den muslimischen Machthabern fehlt. [69]
 

Von der Wohltätigkeit, Brote der Weisheit

Die Wohltätigkeit zerfällt in Wohlwollen und Freigebigkeit. Aus diesen beiden besteht sonach die Wohltätigkeit, soll sie vollkommen sein. Wohlwollen allein genügt nicht, sondern auch Wohltun ist erforderlich. Umgekehrt genügt auch Wohltun nicht, wenn es nicht aus einer guten Quelle, d. i. aus Gutwilligkeit hervorgeht; „denn den freudigen Geber liebt Gott“ (2 Kor. 9, 7). Tust du es nämlich unwillig, was wäre dein Lohn? Daher des Apostels allgemein gültiges Wort: „Tue ich das willig, habe ich Lohn; wenn unwillig, ist's nur die Amtsverwaltung, die mir anvertraut ist“ (1 Kor. 9, 17). Auch im Evangelium haben wir viele Anleitungen über die rechte Freigebigkeit. Edel ist Wohlwollen und Geben in der Absicht zu nützen, nicht zu schaden. Auch Cicero nennt als erste Einschränkung (cautio): Die Wohltat muss wirklich nützen, darf nicht schaden. "Denn glaubte man einem Schlemmer zu ausgelassener Schlemmerei, einem Ehebrecher zu gewerbsmäßigem Ehebruch geben zu sollen, so ist das nicht Wohltun, weil hier jedes Wohlwollen fehlt. Das heisst nämlich dem Nächsten schaden, nicht nützen, wolltest du einem geben, der damit Anschläge wider das Vaterland macht; der auf deine Kosten eine liederliche Gesellschaft um sich zu sammeln wünscht; der die Kirche bekämpft." So ist es, wenn heute europäische Politiker den Islamismus fördern, indem sie den Bau von Moscheen, islamischen Schulen und Vereinen unterstützen, Sozialhilfe zum Beispiel an einen islamischen Terroristen oder Terrorhelfer zahlt, "der damit Anschläge wider das Vaterland macht"  [70] 

Das ist keine zu billigende Freigebigkeit, wollte man einen unterstützen, der damit wider eine Witwe und deren Waisen einen schweren Entscheidungsprozeß anstrengt, oder ihnen irgendwie mit Gewalt Hab und Gut zu entreißen sucht. "Die Freigebigkeit verdient keine Billigung, wenn man das, was man dem einen gibt, dem anderen abpresst; wenn man es ungerecht erwirbt und gerecht austeilen zu sollen glaubt: es sei denn, dass man gleich jenem Zachäus ( Luk. 19, 8) einem, den man betrogen, erst vierfach wiedererstatten und die heidnischen Laster durch Glaubenseifer und durch gläubiges Wirken gutmachen wollte." Freigebigkeit taugt nur etwas, wenn es auf dem christlichen Glauben gegründet ist. "So soll denn deine Freigebigkeit auf einem festen Fundamente ruhen. Die erste Forderung lautet: Aufrichtigkeit beim Geben, kein Trug beim Spenden. Man verspreche nicht, mehr geben zu wollen, und gebe nicht weniger. Wozu braucht es denn der Worte? Es wäre ein trügerisches Versprechen. Du hast es in der Gewalt zu geben, was du willst. Der Trug untergräbt das Fundament, und das Werk stürzt ein." So können muslimische Vereine, die oft auch als Hilfsorganisationen getarnt sind, nicht als gemeinnützig anerkannt werden.  [71] 

Ferner muss Glaube, Beweggrund, Ort und Zeit die vollkommene Freigebigkeit empfehlen. "Zunächst soll man sich um seine Glaubensgenossen bemühen. Eine große Schuld wäre es, wenn ein Gläubiger darben würde und du wüßtest davon; du wüßtest: er ist ohne Lebensunterhalt, hungert, leidet Not, zumal wenn er ein verschämter Armer wäre; wenn er, sei es wegen der Gefangensetzung von Angehörigen, sei es wegen Verleumdung in einen Prozeß geriete, und du griffest nicht helfend ein; wenn ein Gerechter im Kerker schmachtete und wegen einer Schuldforderung Strafen und Qualen erlitte, obschon man nämlich jedermann Mitleid schuldet, so doch am meisten dem Gerechten; wenn er in der Stunde der Not nichts von dir erlangte"; Länder wie Deutschland geben zwar viel für muslimische Flüchtlinge aus, vernachlässigen aber die Unterstützung der eigenen christlichen Bevölkerung oder schröpfen sie noch zusätzlich, damit sie die Förderung der Ungläubigen und damit des Islamismus finanzieren können. [72] 

Wir aber schulden zwar allen Barmherzigkeit; doch weil so manche dieselbe trügerisch zu erschleichen suchen und Not vorspiegeln, darum soll gerade dort, wo der Fall klar, die Person bekannt ist und die Zeit drängt, die Barmherzigkeit am reichlichsten fließen. Denn der Herr ist nicht habsüchtig, dass er übermäßig viel verlangte. Selig zwar, wer alles weggibt und ihm nachfolgt! Aber auch der ist selig, der gern hingibt, was er hat. So schlug denn der Herr die zwei Heller der Witwe höher an als die Spenden der Reichen; denn jene spendete alles, was sie hatte, diese spendeten nur einen Teil von ihrem Überflusse (Luk. 21, 1-4). Die Gesinnung bestimmt sonach das Reichliche oder Dürftige der Gabe und gibt den Dingen den Wert. Übrigens will der Herr nicht, dass man sein Vermögen mit einem Mal verschwende, sondern nur, dass man davon mitteile: es müsste denn einer ein Elisäus sein, der seine Opfer schlachtete und von seiner Habe die Armen speiste, um durch keinerlei häusliche Sorge mehr gebunden zu sein, sondern alles zu verlassen und der Schule des Propheten Elias sich hinzugeben (1 Kön. 19, 19-21). Zu billigen ist auch die Freigebigkeit, dass man nicht von seinen Blutsverwandten, wenn man von deren Not erfährt, verächtlich den Blick wegwendet. Besser ist es, dass du selbst den Deinigen zu Hilfe kommst, wenn sie sich schämen, von anderen ihren Unterhalt zu erbitten oder im Notfall um Unterstützung zu betteln. [73] 

„Wie ein Saatfeld ist der törichte Mensch und wie eine Weinpflanzung der Geistesarme: lässt man ihn brach liegen, wird er veröden“ (Prov. 24, 30). Wie ein Saatfeld ist auch der Weise: er legt sich gleichsam den aufgenommenen Samen auf Zinsen an und stattet ihn in größerem Maß zurück. Die Erde nun bringt entweder von selbst ihre Früchte hervor oder erstattet und gibt sie, wenn sie ihr anvertraut wurden, in reichlicherer Fülle wieder. Beides schuldest du gleichsam nach dem von der Mutter Erde ererbten Brauch, um nicht brach zu bleiben gleich einem unfruchtbaren Acker. Doch gesetzt den Fall, ein Nichtgeben lasse sich entschuldigen: wie ließe sich ein Nichtwiedererstatten entschuldigen? Ein Nichtgeben geht schwerlich, ein Nichtwiedererstatten aber gar nicht an. "Erfreuen wir uns an jener Speise, welche der Prophet im Auge hatte mit der Aufforderung: „Freue dich im Herrn!“ An jener Speise erquicken sich jene, welche mit bewunderungswürdigem Geiste höhere Freuden erfassen lernten; welche zu verstehen vermögen, welcher Art jene reine und unsichtbare geistige Freude ist. Lasst uns denn die Brote der Weisheit essen und uns sättigen am Worte Gottes! Denn nicht im Brote allein, sondern in jeglichem Worte Gottes ruht das Leben des Menschen (Matth. 4, 4), der nach dem Bilde Gottes geschaffen ist. Über den Trank aber äussert sich mit hinlänglicher Deutlichkeit Job: „Wie die Erde, wenn sie auf den Regen wartet, so warten auch diese auf meine Worte“(Job 29, 23). Deshalb muss man sich an die wahre Philosophie halten und nicht an die, die sich auf Irrglauben oder Materialismus stützt. [74] 
 

Vom seelischen Starkmut

Jetzt geht es um die dritte Kardinaltugend, die Tapferkeit. Als hätte sie etwas vor den übrigen Tugenden voraus, zerfällt sie in die kriegerische und heimische Tapferkeit. Schon Cicero bekämpft die Meinung, Kriegstaten seien höher einzuschätzen als entsprechende Friedenswerke. Auch Ambrosius sagt "der Friedenssache gilt unser Handel und Wandel. Dagegen ernteten unsere Altvordern, wie Jesus Nave (Josue), Jeroboal (Gedeon), Samson, David auch im Krieg den höchsten Ruhm. Die Tapferkeit ist sonach eine Tugend, gewissermaßen über die anderen erhaben, doch nimmer ohne deren Begleitung. Denn sie darf sich selbst nicht trauen. Andernfalls ist die Tapferkeit ohne die Gerechtigkeit nur ein Hebel zum Bösen. Denn je stärker sie ist, um so mehr neigt sie zur Unterdrückung des Schwächeren. Und doch hält man dafür, dass auch in Sachen des Krieges darauf zu achten ist, ob Kriege gerecht oder ungerecht sind. Nie führte David einen Krieg, ohne dazu gereizt zu sein. Daher hatte er die Klugheit zur Begleiterin der Tapferkeit in der Schlacht. Selbst da er wider Goliath, einen Unmenschen an Leibesgröße, zum Einzelkampf sich anschickte, wies er die Waffen zurück, die ihn beschwerten (1 Kön. 17, 38 ff.); denn die Manneskraft stützt sich lieber auf den eigenen Arm als auf fremde Deckung. Sodann streckte er den Feind mit einem Steinwurf aus größerer Entfernung, um ihn wuchtiger zu treffen, nieder. Auch später fing er nie einen Krieg an, ohne den Herrn zu Rate gezogen zu haben (2 Kön. 5, 19. 23. 25). Deshalb ging er aus allen Schlachten als Sieger hervor. Die Hand bis ins höchste Greisenalter am Schwerte, mischte er sich in Kriege wider die Titanen als Kämpfer unter die wilden Heerscharen, voll Verlangen nach Ruhm, unbekümmert um sein Leben (2 Kön. 21, 15 ff.). Doch nicht das allein nur ist ruhmvolle Tapferkeit: uns gilt vielmehr auch die Tapferkeit jener Gläubigen für herrlich, die kraft des Glaubens durch ihre Seelengröße „der Löwen Rachen verschlossen, die Gewalt des Feuers auslöschten, der Schärfe des Schwertes entrannen, aus Schwachen zu Helden erstarkten“(Hebr. 11, 33 f.); die nicht, von Gefolgschaft und Legionen umgeben, im Verein mit vielen anderen den gemeinsamen Sieg, sondern allein durch ihre bloße Seelenkraft den Triumph über die Ruchlosen davontrugen. Wie unbesieglich war Daniel, der vor den Löwen, die zu seinen Seiten brüllten, nicht zitterte! Die Bestien knirschten, und er aß (Dan. 14, 38)." Heute bewährt sich der Starkmut weniger im Kriege als im Geisteskampf gegen die Irrlehren des Arianismus, Islamismus und Materialismus. [75] 
"Ruhmvolle Tapferkeit beruht nicht bloß in der Körperkraft und den Armmuskeln, sondern mehr noch in der Kraft der Seele. Und das Gesetz für diese Kraft lautet: nicht Unrecht tun, sondern ihm wehren. Denn wer nicht von seinem Mitmenschen Unrecht abwehrt, wenn er kann, ist ebenso schuldbar wie jener, der es begeht."  - St. Ambrosius, De off. I, 36 

"Darin nämlich besteht die Ruhe und Mäßigung der Seele, dass sie sich weder von Gewinnsucht einnehmen, noch durch Furcht vor Armut ängstigen läßt." Ib.

Das nun ist die erste Wirkung des Starkmutes. In zweifacher Art tritt nämlich der seelische Starkmut in die Erscheinung. Fürs erste soll er das Äußerliche am Leibe recht gering einschätzen und als etwas Überflüssiges lieber für verächtlich denn für begehrenswert erachten; fürs zweite die höchsten Güter und all das, worin man das Sittlichgute und jenes [prepon], Schickliche, erblickt, klar ins Auge fassen und solange anstreben, bis er es erreicht hat. "Was wäre denn so klar als die Notwendigkeit, deine Seele derart zu schulen, dass du die höchsten Güter weder in Reichtum, noch in Vergnügen, noch in Ehren setzest und nicht dein ganzes Streben darauf verschwendest? Bei solcher inneren Gesinnung wirst du notwendig jenes Sittlichgute und Schickliche vorziehen zu müssen glauben und dein Sinnen so darauf richten, dass du über alles, was da kommt und den Mut zu brechen pflegt, wie Vermögenseinbuße oder Ehrenverlust oder Anfeindung von seiten der Ungläubigen, erhaben bist, ohne es zu fühlen, und dass dich ferner selbst Lebensgefahren, die du für die Gerechtigkeit auf dich nimmst, nicht aus der Fassung bringen. Das ist der wahre Starkmut, den Christi Streiter besitzt, der nicht gekrönt wird, wenn er nicht rechtmäßig gekämpft hat (2 Tim. 2, 5)."  [76] 

Auch das schließt das sogenannte „Freisein der Seele von Beunruhigungen“ ein, dass wir weder im Schmerz zu wehleidig, noch im Glück zu übermütig sind. "Wenn schon jene, die jemand zur Übernahme eines öffentlichen Amtes auffordern, solche Weisungen geben, wieviel mehr sollten wir im Falle der Berufung zu einem Kirchendienste nur das tun, was Gott gefällt! Die Kraft Christi soll Wehr und Schild in uns sein. Und also erprobt, laßt uns vor unserem Gebieter stehen, dass unsere Glieder „Waffen der Gerechtigkeit“ (Röm. 6, 13) sind." Die Flucht in Zeiten der Glaubensverfolgung zählt durchaus auch zum Starkmut. Der Herr will, dass wir in der Zeit der Verfolgung von Stadt zu Stadt ziehen, oder vielmehr, um seinen Ausdruck selbst zu gebrauchen, ‚fliehen‘ (Matth. 10, 23), damit nicht einer aus Verlangen nach dem Ruhme des Martyriums vermessen in Gefahren sich begebe, die das schwache Fleisch oder der zu wenig kräftige Geist nicht zu tragen und zu bestehen vermögen. Auch Cicero warnt vor der „Torheit“, sich grundlos in Gefahren zu begeben. Nach der Eroberung Konstantinopels durch die ungläubigen Türken, sind viele Intellektuelle und Künstler nach Italien geflohen und haben die Renaissance mitbegründet. [77] 

Man soll sich auch, in acht nehmen, dass nicht der eine oder andere aus überspanntem Ehrgeiz herausfordernd gegen die Behörden der Ungläubigen sich benehme und "die uns meist abgeneigten Gemüter der Heiden zur Verfolgung reize und zur Erbitterung stachle. Wie vielen bereiten sie, um selbst die Standhaften und Sieghaften in Martern spielen zu können, den Untergang? Auch soll man vorsichtig sein, um nicht Schmeichlern sein Ohr zu leihen. Durch Schmeichelei sich umstimmen lassen, scheint nicht bloß keine Tapferkeit, sondern vielmehr Feigheit zu sein."  [78] 
 

Von der Mäßigkeit

Halten wir denn fest an der Sittsamkeit und jener Selbstbeherrschung, welche den Schmuck des ganzen Lebens erhöht! Denn nichts Geringes ist es, allem sein Maß anzuweisen und seine Ordnung zu bestimmen. Und doch leuchtet fürwahr gerade hierin das hervor, was man das Schickliche nennt. Dieses nämlich ist mit dem Sittlichguten so eng verbunden, dass es unzertrennlich davon ist. Ist doch das Schickliche auch gut, das Gute schicklich, so dass es sich mehr um eine Verschiedenheit im Ausdruck als um einen Unterschied in der Tugend handelt. Ein Unterschied zwischen ihnen läßt sich denken, nicht ausdrücken. Um nun doch den Versuch zu machen, einigen Unterschied herauszustellen, so ist das Sittlichgute, was für den Leib das Wohlbefinden, gleichsam die Gesundheit ist; die Schicklichkeit aber, was seine Anmut und Schönheit ist. Wie nun die Schönheit sichtlich über die Gesundheit und das Wohlbefinden hinaus einen Vorzug besagt und gleichwohl nicht ohne diese bestehen kann und in keiner Weise davon sich trennen läßt, weil es ohne blühende Gesundheit keine Schönheit und Anmut geben kann: so schließt auch das Sittlichgute jenes Schickliche derart in sich, dass es sich augenscheinlich von ihm herleitet und ohne dasselbe nicht bestehen kann. So bedeutet denn das Gute sozusagen die Gesundheit unseres gesamten Tuns und Treibens, das Schickliche gleichsam seine äußere Schönheit: es ist eins mit dem Guten und nur im Denken davon verschieden. [79] 

Wenn nun jemand in seinem Gesamtleben sich gleichförmig bleibt und in den Einzelhandlungen das rechte Maß einhält, desgleichen Ordnung, Beständigkeit und Mäßigung in seinem Reden und Handeln wahrt, so tritt in seinem Leben jenes Schickliche hervor und strahlt daraus wie in einem Spiegel wider. Damit verbinde sich jedoch eine liebenswürdige Redeweise, um die Hörer für sich zu gewinnen und bei Angehörigen oder bei Mitbürgern oder womöglich bei allen den Eindruck des Gefälligen zu machen. Niemand schmeichle man, und von niemand lasse man sich schmeicheln! Das eine verriete Verstellung, das andere Eitelkeit. Es sei ihm nicht gleichgültig, was einer, namentlich ein guter Mensch von ihm denkt. Auf diese Weise lernt er Achtung haben vor den Guten. Über der Guten Urteil sich hinwegsetzen, wäre nämlich entweder ein Zeichen von Anmaßung oder von Gleichgültigkeit, wobei ersteres dem Hochmut, letzteres der Nachlässigkeit zuzuschreiben wäre. [80] 

Es gibt ein dreifaches Verhalten gegen erlittenes Unrecht: der gewöhnliche Mensch braust auf, der Fortgeschrittene schweigt, der Vollkommene freut sich darüber, wie Paulus und David. "Wir wollen nun womöglich zeigen, wie es in der göttlichen Schrift dreierlei Menschen gibt, die Unrecht leiden. Die erste Klasse sind jene, welche der Sünder verhöhnt, beschimpft, verspottet. Da es zu Unrecht geschieht, brennt heißer die Schamröte, heftiger der Schmerz. Diesen gleichen eine ganze Menge von meinem Stand und meinem Rang. Fügte man mir Schwächling eine bloße Beleidigung zu, würde ich, obwohl ein Schwächling, vielleicht das Unrecht gegen mich verzeihen. Macht man mich zum Verbrecher, bin ich, obschon ich mich von solchem Vorwurf frei weiß, nicht so großmütig, dass ich mich mit meinem Gewissen zufrieden gebe, sondern wünsche in meiner Schwachheit den Schandfleck wegzuwischen, der mein empfindliches Schamgefühl verletzt. So fordere ich denn „Aug’ um Aug’ und Zahn um Zahn“ und vergelte Schimpf mit Schimpf. Bin ich aber ein Fortschreitender, wenn auch noch kein Vollkommener, dann erwidere ich die Schmach nicht. Und wenn jener meine Ohren mit Schimpf überschüttet und mit Schmähungen überschwemmt: ich schweige und erwidere nichts. Bin ich aber ein Vollkommener, beispielsweise rede ich so; denn in Wahrheit bin ich ein Schwächling: bin ich ein Vollkommener, segne ich den Schmähenden, wie auch Paulus ihn segnete, der beteuert: „Man schmäht uns, und wir segnen“ (1 Kor. 4, 12). Denn er hatte das Wort vernommen: „Liebet eure Feinde, betet für eure Verleumder und Verfolger!“(Matth. 5, 44) Darum also litt und trug Paulus die Verfolgung (1 Kor. 4, 12), weil er ob des Lohnes der Kindschaft Gottes, der im Fall der Feindesliebe in Aussicht gestellt ward (Matth. 5, 44 f), die menschliche Leidenschaft besiegte und beschwichtigte. Aber auch vom heiligen David können wir dartun, wie er auch in dieser Tugendart dem Paulus nicht unebenbürtig war. Und zwar schwieg er zunächst zur Schmähung des Sohnes Semeis und zu dessen Vorwurf auf Verbrechen und verdemütigte sich und äußerte bei seinem guten Gewissen, d. i. im Bewußtsein seines guten Handelns nichts. Sodann aber wünschte er sich geradezu die Schmähung, weil er durch solche Schmähung die göttliche Barmherzigkeit zu erlangen hoffte (2 Kön. 16, 5 ff.). Doch sieh, wie er Demut, Gerechtigkeit und Klugheit wahrte, um der Gnade vom Herrn sich würdig zu machen. Sein erstes Wort lautete: „Deshalb flucht er mir, weil der Herr ihm sagte, er solle fluchen“(2 Kön. 16, 10). Da hast du die Demut; denn Gottes Gebot glaubte er als armseliger Knecht mit Gleichmut tragen zu müssen." [81] 

Das Bild Christi, nicht des Teufels soll in unserer Seele aufleuchten. "Solange wir nun hier weilen, lasst uns das Bild festhalten, um dort zur Wahrheit zu gelangen! Das Bild der Gerechtigkeit sei in uns! Das Bild der Weisheit sei in uns! Denn es wird zu jenem Tage kommen, und nach dem Bilde wird man uns werten. Nicht finde der Feind sein Bild in dir: nicht Wut, nicht Raserei! In diesen Zügen verrät sich das Bild der Bosheit. Denn der Widersacher, der Teufel, sucht wie ein Löwe, wen er töte, wen er verschlinge (1 Petr. 5, 8). Er finde keine Goldgier, keine Silbermengen, keine Lasterbilder, um dir nicht das freie Wort zu rauben! Das freie Wort besteht nämlich in dem Bekenntnis: „Der Fürst dieser Welt mag kommen, und er soll nichts an mir finden“ (Joh. 14, 30). Bist du sicher, dass er nichts an dir findet, wenn er zur Suche kommt, magst du das Wort des Patriarchen Jakob an Laban nachsprechen: „Überzeuge dich, ob sich etwas von dem Deinigen bei mir findet!“ (Gen. 31, 32) Selig mit Recht Jakob, weil Laban nichts von dem Seinigen bei ihm finden konnte! Rachel nämlich hatte seine goldenen und silbernen Götzenbilder verborgen (Gen. 31, 34). Wenn nun deine Weisheit, wenn dein Glaube, wenn deine Weltverachtung, wenn deine Gnade mit aller Gottlosigkeit aufräumt, wirst du selig sein, weil dein Blick nicht „auf Eitelkeiten und trügerischen Aberwitz“ (Ps. 40, 5) gerichtet ist. Oder ist es gleichgültig, ob ich dem Gegner das Wort entziehen kann, so dass seine Anschuldigung wider mich jeder Beweiskraft ermangelt?" Wer sein Auge nicht auf Eitelkeiten richtet, geht nicht irre: wer es darauf richtet, geht irre, und zwar ganz blindlings. Denn was anders bedeutet Schätze häufen als eitel Beginnen? Eitel genug ist es ja, nach Vergänglichem zu trachten. Hat man sie aber aufgehäuft, wer weiß, ob einem deren Besitz auch vergönnt ist? Ist es nicht eitel, wenn der Kaufmann Tag und Nacht auf Reisen ist, um womöglich Haufen Schätze zu sammeln? Wenn er Waren anhäuft, über deren Preis sich den Kopf zerbricht, um nicht unter dem Einkaufspreis zu verkaufen, die Ortspreise ablauert? Wenn er mit einem Mal einen Wegelagerer wider sich reizt, der mit scheelem Auge sein wohlbekanntes Handelsgeschäft verfolgte? Oder wenn er auf seiner Jagd nach Gewinn Schiffbruch leidet, weil er, des Harrens überdrüssig, keine günstigeren Winde abwartete. Oder ist nicht auch jener das Opfer eitlen Trugs, der mit größter Anstrengung Schätze zusammenrafft, ohne zu wissen, welchem Erben denn seine Hinterlassenschaft zufallen soll? [82] 

"Oftmals wirft ein genußsüchtiger Erbe das, was der Habsüchtige mit tausend Mühen und Sorgen zusammenscharrte, in jäher Verschwendung hinaus und verschleudert es, und lässt ein schändlicher Prasser, der blindlings in die Gegenwart, sorglos in die Zukunft hineinlebt, das langsam Erworbene wie in einem Abgrund verschwinden." - St. Ambrosius, De off. I, 49
Es ist unnötig, einen "Haufen Reichtümer wie unnützes Netzwerk" aufzuhäufen. Sie streifen dir vielmehr nur das Bild Gottes ab und ziehen dir das Bild des Irdischen an (1 Kor. 15, 47 ff). Unter dem Irdischen versteht Ambrosius den vorläufig zur Erde herabgeschleuderten Satan, der das Christentum bekämpft, wie der Islamismus. Herrschern sarazenischer oder islamischer Länder zum Beispiel ruft Ambrosius zu: "Trägt einer das Bild des Tyrannen an sich, setzt er sich nicht der Verurteilung aus? Du willst das Bild des ewigen Herrschers ablegen und wünschst an dir das Bild des Todes? Hinweg vielmehr aus der Stadt deiner Seele mit dem Bilde des Teufels! Richte auf das Bild Christi! Das soll in dir leuchten, in deiner Stadt, d. i. in deiner Seele erstrahlen, um die Bildnisse der Laster schwinden zu machen! Von diesen spricht David: „Herr, Du wirst in Deiner Stadt ihre Bilder fortschaffen“ (Ps. 73, 20). Dann nämlich, wenn der Herr jenes Jerusalem nach seinem Bilde zeichnet, wird jedes Bild der Widersacher vernichtet." Davon ist man in Jerusalem noch weit entfernt, denn der ursprünglich christliche, heute islamische Felsendom auf dem Tempelberg dominiert als "Bild der Widersacher" die Stadt. Auch in anderen islamischen Ländern dominiert das "Bild der Widersachers" in Form von Moscheen; man versucht die Moscheen nach christlichen Vorbildern zu bauen, erreicht aber nie die Schönheit der christlichen Kathedralen. Neuerdings versucht man aus Gründen der PR, den Moscheen christliche Namen zu geben: Der Kronprinz der Arabischen Emirate, "nach dem das Gebetshaus benannt gewesen war, hatte es im Juni 2017 im Namen der interreligiösen Verständigung umbenennen lassen: Jetzt heißt die Moschee „Maria Mutter von Jesus Moschee“. Die emiratischen Herrscher haben eine Schwäche für solche Botschaften. Der Papstbesuch markiert so etwas wie den Auftakt für das „Jahr der Toleranz“, das die Führung für 2019 ausgerufen hat. Für Toleranz gibt es im Kabinett sogar einen eigenen Minister. Der Papstbesuch ist gut dafür geeignet, das Image der Emirate als traditionsbewusstes, aber weltoffenes und zukunftsgewandtes Land zu formen. Doch die Emirate haben auch ein anderes Gesicht. Der Kronprinz steht nicht nur für die Umbenennung der Marien-Moschee, sondern wird mit einer aggressiven Außenpolitik in Verbindung gebracht – dem ruinösen Abnutzungskrieg im Jemen zum Beispiel, in dem auch Milizen radikaler Salafisten zu Verbündeten der emiratischen Streitkräfte zählen. Der fehlgeschlagene Fluchtversuch einer Prinzessin aus einem der Herrscherhäuser, die der gesellschaftlichen Enge und der Strenge ihres Vaters ins Ausland entkommen wollte, machte Schlagzeilen. Menschenrechtsorganisationen sind besorgt angesichts der Repression gegen Kritiker. Sie sehen in Gesetze wie dem Antidiskriminierungsgesetz nicht eine Waffe im Kampf gegen die Intoleranz, radikales Gedankengut oder den sich ausbreitenden Konfessionalismus in der Region, sondern vor allem als ein Mittel, Andersdenkende einzusperren und zum Schweigen zu bringen. Für alles, was die Macht der Herrscherhäuser in Frage stellt, gilt eine Null-Toleranz-Politik – auch und vor allem gegenüber den Gastarbeitern, die nach Schätzungen mehr als vier Fünftel der Einwohner ausmachen, und von deren Arbeitskraft der Wohlstand der Emirate abhängt. Sie dürfen in ihren Kirchen und Tempeln zwar beten. Aber sie sollten besser niemals streiken oder protestieren." Die Vertreter der Regierung sehen zwar in der Toleranzkampagne und dem Papstbesuch weit mehr als bloße PR-Offensiven. Tatsächlich ist das Verhältnis der Emiratis und ihrer Führung zu den Christen unverkrampfter als andernorts in der Region, wo Christen ihren Glauben nicht frei ausüben dürfen und immer wieder Ziel von Terroranschlägen sind. "Zaki Nusseibeh erinnert an eine Geschichte aus dem Jahr 1992. Damals habe eine archäologische Expedition auf der Insel Sir Ban Yas vor der Küste Abu Dhabis die Überreste eines Klosters aus vorislamischer Zeit entdeckt. Was sollen wir machen?, wurde Scheich Zayed damals gefragt. Er antwortete: Richtet es her, dass die Leute es besuchen können und erfahren, dass hier in früherer Zeit Christen gelebt haben." Es gibt im ganzen Land insgesamt zweiundsiebzig Kirchen oder Tempel, in denen Christen, Hindus und Buddhisten ihren Glauben ausüben können, auch eine diskret betriebene Synagoge gibt es. Im benachbarten Saudi-Arabien wäre das undenkbar. Auf dem Gelände der St.-Joseph-Kathedrale ist immer Betrieb. Es gibt dort Messen auf Arabisch, Filipino, Malayalam, Tamil, Konkani, Urdu, Singhalesisch, Französisch, Spanisch, Deutsch, Italienisch, Kroatisch, Polnisch. An Werktagen sieht man Kinder in den Uniformen der katholischen Schule auf dem großen geteerten Hof, Krankenpfleger oder Hausangestellte kommen in Berufskleidung für ein kurzes Gebet. Am Wochenenden und zu großen Festen herrscht Volksfeststimmung. Familien strömen zu den Massengottesdiensten im Hof. „Es sind einfache Menschen, die ein hartes Leben führen“, erklärt Pater Troy, der von den Philippinen stammt und nach Abu Dhabi entsandt worden ist, um sich um die Heerscharen von Gastarbeitern aus seinem Heimatland zu kümmern. Pater Troy kennt die Probleme seiner Leute gut. „Sie sind sehr familienorientiert, aber sie müssen oft allein kommen, um ihre Lieben zu Hause über Wasser zu halten“, sagt er. Viele seien noch sehr jung, aber die einzigen Verdiener. Manche, sagt Pater Troy, hätten monatelang keine Zeit, um an Messen teilzunehmen, weil sie keinen freien Tag bekommen. Immer wieder hört man solche Geschichten. Von Leuten, denen die Abschiebung droht, weil sie ihre Arbeit verloren haben. Von Misshandlung und Ausbeutung durch ihre Arbeitgeber. Das "Bild der Widersacher" ist in allen islamischen Ländern präsent. Das weiß auch Pater Troy.  "Er ist auf der Hut, nichts Falsches zu sagen oder zu tun. Etwas, das zu politisch klänge oder danach aussehen könnte, auch die Einheimischen für das Christentum gewinnen zu wollen. Das ist streng verboten. „Wir als Priester haben keinen Kontakt zu ihnen“, sagt er. Immer wieder kommen Landsleute auf ihn zu und bitten ihn, ihr neues Auto zu segnen. Aber Pater Troy wird sich hüten, das auf dem Parkplatz vor den Toren des Kirchengeländes zu tun. „Sie müssen die Autos auf den Hof fahren“, sagt er. „Unsere Aktivitäten beschränken sich auf dieses Areal.“ Die benachbarte "Marien-Moschee" ist also nicht nur ein Symbol der Toleranz, sondern vor allem ein Zeichen des Selbstbewusstseins, das die Verhältnisse klarstellt: Der Widerchrist setzt sich in islamischen Ländern an die Stelle, die dem Christentum gebührt: Die Minarette und Moscheen sind in erster Linie "ein Zeichen der Einschüchterung" Das Christentum kann nur Staatsreligion in islamischen Ländern werden, wenn "Christen noch stärker aus ihrer Blase heraustreten können und der Austausch mit den Einheimischen verstärkt wird." Sonst herrscht nur eine islamische Toleranz, die "Kümmere-dich-um-deinen-eigenen-Kram-Toleranz“ [83] 
 

Von den Leviten

Wenn durch das Evangelium des Herrn sogar auch das gewöhnliche Volk zur Verachtung des Reichtums angeleitet und angehalten ist, "wieviel mehr dürft ihr Leviten nicht von irdischen Lüsten euch einnehmen lassen, da Gott euer Anteil ist. Als nämlich von Moses der Besitz des Landes an das Vätervolk ausgeteilt wurde, schloß der Herr die Leviten von der Teilnahme daran aus Num. (18, 20 ff.), weil er selbst ihr Erblos sein wollte (Ps. 105, 11). Daher Davids Bekenntnis: „Der Herr ist meines Erbes und meines Bechers Anteil“ (Ps. 16, 5). Das bedeutet denn auch der Name Levite: ‚er ist mein‘, oder aber: ‚er ist statt meiner‘ (Num. 3, 12. 45). [84] 

Auch der Apostel fügte hinzu, nachdem er vom Bischof verlangt hatte, er solle nüchtern, ehrbar, würdevoll, gastfrei, zum Lehren geeignet, nicht geizig, nicht streitsüchtig sein, seinem Hause ein guter Vorgesetzter (1 Tim. 3, 2 ff.): „Desgleichen sollen die Diakonen gesetzt sein, nicht doppelzüngig, nicht viel dem Wein ergeben, nicht nach schnödem Gewinn trachtend, das Geheimnis des Glaubens in reinem Gewissen tragend. Auch sie sollen aber erst erprobt werden und so, wenn sie untadelig sind, den Dienst versehen“ (1 Tim. 3, 8 ff.). Der Diener des Herrn soll von Wein sich enthalten, auf einen guten Leumund nicht bloß der Gläubigen, sondern auch „von seiten derer, die draußen sind“, sich stützen können (1 Tim. 3, 7). Denn die öffentliche Meinung darf billig Zeuge unseres Handelns und Wirkens sein, damit der Ruf des Amtes nicht leide; damit, wer einen Diener des Altares im geziemenden Tugendschmucke erblickt, den Schöpfer preise und den Herrn ehre, der solche Diener hat. Denn wo rein die Habe und unsträflich die Zucht der Dienerschaft, erhebt sich das Lob des Herrn. [85]

Ambrosius übt Kritik an Philosophen wie Cicero; er erklärt die Weisheit, „die Wissenschaft vom Göttlichen und Menschlichen“, zwar als „die Fürstin aller Tugenden“. Wohl aber setzt er die Klugheit [phronesis], „die Wissenschaft von den Dingen, die anzustreben und zu fliehen sind“, den „aus dem Gemeinschaftsleben sich ergebenden Pflichten“, d. i. der Gerechtigkeit nach; zudem fehlt ihm das Fundament. Die Weisheit ist das Fundament, die Gerechtigkeit der Bau darüber, der ohne das Fundament nicht denkbar ist. Das Fundament aber ist Christus (1 Kor. 3, 11). Das erste nun ist der Glaube. Er gehört zur Weisheit. [86]
 

Vom seligen Leben

Die Quelle desselben ist das Sittlichgute. Es wird innerlich erlebt, unabhängig von fremder Beurteilung. "So groß ist nämlich der Glanz des Sittlichguten, dass gerade die Ruhe des Gewissens und der sichere Besitz der Unschuld das selige Leben ausmachen. Wie die Sonne nach ihrem Aufgang den Mondball und die übrigen Lichtkörper am Sternenhimmel schwinden macht, so überstrahlt der Glanz des Sittlichguten, wo er in wahrer und ungebrochener Schönheit aufblitzt, alles andere, was nach Maßgabe der Sinnenlust für gut, oder nach dem Urteil der Welt für herrlich und ruhmvoll gilt. Selig fürwahr das Leben, dessen Wertschätzung nicht von fremdem Urteil abhängt, sondern das, ein Selbstrichter, im eigenen Empfinden erlebt wird! Es bedarf des Leumundes der Leute nicht als Lohnes, fürchtet ihn aber auch nicht als Strafe. Je weniger es nach Ruhm strebt, desto mehr ist es darüber erhaben. Denn wer nach Ruhm verlangt, besitzt in diesem Lohne des Gegenwärtigen nur den Schatten des Zukünftigen, und damit ein Hindernis des ewigen Lebens, wie es im Evangelium geschrieben steht: „Wahrlich ich sage euch, sie haben ihren Lohn schon erhalten“ (Matth. 6, 2). Jene sind gemeint, die wie mit Posaunenschall ihre Freigebigkeit, die sie gegen Arme üben, bekanntzumachen wünschen; ebenso ihr Fasten, mit dem sie Aufsehen machen wollen. „Sie haben ihren Lohn“, so heißt es (Matth. 6, 16). So ist es denn dem Sittlichguten eigen, im Verborgenen sei es Barmherzigkeit zu üben, sei es Fasten zu halten; es soll sich damit zeigen, dass du allein nur von deinem Gott, nicht auch von den Menschen deinen Lohn suchst. Denn wer ihn von den Menschen sucht, „der hat seinen Lohn“; wer hingegen von Gott, der hat das ewige Leben, das nur der Urheber der Ewigkeit (Is. 9, 6) verleihen kann." Und damit steht die Auffassung des Hl. Ambrosius im Gegensatz zu der der Sarazenen oder Muslime, die großes Aufsehen veranstalten wegen ihres Fastens (Ramadan), das ohnehin kein Fasten ist, denn nachts statt tagsüber etwas essen, wie es im Ramadan üblich ist, bedeutet nicht nur kein Fasten sondern im Gegenteil Völlerei. [87]

Wie sehen die verschiedenen Auffassungen der Philosophie aus? Von den Philosophen nun verlegten die einen das selige Leben in die Schmerzlosigkeit, wie Hieronymus, andere in die Erkenntnis der Dinge, wie Herillus. Dieser hörte nämlich, wie Aristoteles und Theophrast der Erkenntnis der Dinge wunderbares Lob spendeten, und setzte darum in sie allein das höchste Gut, während jene sie wohl als ein Gut, nicht aber als das einzige Gut priesen. Andere, wie Epikur, nannten den Genuß; andere, wie Kallipho und nach ihm Diodor, erklärten sich dahin, dass der eine das Sittlichgute mit dem Genusse, der andere mit dem Freisein von Schmerz zugleich verband, indem es ohne dasselbe kein seliges Leben geben könne. Der Stoiker Zeno behauptete, das Sittlichgute sei das einzige und höchste Gut; Aristoteles hingegen, bezw. Theophrast und die übrigen Peripatetiker, das selige Leben beruhe zwar in der Tugend, d. i. im Sittlichguten, aber zum Vollmaß ihrer Seligkeit gehörten auch die leiblichen und äusseren Güter. Die göttliche Schrift dagegen verlegte das ewige Leben in die Erkenntnis Gottes und die Frucht des guten Wirkens. Für beide Behauptungen spricht denn auch das Zeugnis des Evangeliums. Was einerseits die Erkenntnis anlangt, so äusserte sich der Herr Jesus folgendermaßen: „Das ist aber das ewige Leben, dass sie Dich, den alleinigen wahren Gott, erkennen, und den Du gesandt hast, Jesus Christus“ (Joh. 17, 3), weshalb die Sarazenen oder Muslime vom seligen Leben ausgeschlossen sind, da sie weder den wahren Gott kennen noch den, den er gesandt hat. Der muslimische Glaube taugt also nicht das Geringste, denn nur der wahre Glaube besitzt das ewige Leben: "er ist dessen gute Grundlage." [88]

Aber auch die guten Werke besitzen es. In Wort und Tat zugleich bewährt sich nämlich der Gerechte. Denn wenn er nur im Reden bewandert, in Werken aber lässig ist, straft das Tun seine Einsicht Lügen, und um so schwerer ist die Verantwortung, wenn man weiß, was man tun sollte, aber nicht tat, was man zu tun für notwendig erkannte. "Aber auch umgekehrt. Im Handeln gewissenhaft, in der Gesinnung schwankend sein, hieße über schlechter Grundlage schöne Giebelbauten aufführen wollen. Je mehr man aufbaut, umso mehr stürzt ein. Ohne die feste Stütze des Glaubens können die guten Werke nicht bestehen. Eine unzuverlässige Reede im Hafen macht das Schiff zerschellen; und ein sandiger Boden entweicht rasch und vermag die Last des aufgeführten Baues nicht zu tragen. Dort also winkt der volle Lohn, wo vollendete Tugend herrscht und vernünftiges Handeln mit vernünftigem Reden gleichsam gleichen Schritt hält." Darin zeigt sich die Sinnlosigkeit muslimischer Hilfsorganisationen, die ohne die feste Stütze des wahren Glaubens nicht bestehen können. [89]

"Weil nun die bloße Wissenschaft von den Dingen, nach den müßigen Streitreden der Philosophie zu urteilen, sei es als Scheinwissen, sei es als Halbwissen dem Fluche der Lächerlichkeit verfallen ist, so lasst uns erwägen, wie klar die göttliche Schrift das Problem löst, über das wir in der Philosophie so vielerlei verworrene und unklare Fragen aufgeworfen sehen. Nur das Ehrenhafte ist nach der Schrift gut; und nur die Tugend, die weder durch leibliche oder äussere Güter einen Zuwachs, noch durch Widerwärtigkeiten einen Eintrag erleidet, ist nach ihrem Urteil in jeder Sachlage selig, und nichts so selig, als was von Sünde frei, voll Unschuld und voll Gnade Gottes ist. Denn es steht geschrieben: „Selig der Mann, der nicht nach dem Rate der Gottlosen wandelt und nicht auf dem Wege der Sünder steht und nicht auf dem Stuhle der Pest sitzt, sondern seine Lust am Gesetze des Herrn hat!“ (Ps. 1, 1) - St. Ambrosius, De off. II, 3

"So erübrigt denn noch zu zeigen, wie man es unter seiner Würde halten soll, als Anwalt der Lust aufzutreten, oder aber den Tod zu fürchten: das eine verächtlich, weil entnervt und weichlich, das andere, weil unmännlich und schwächlich; wie vielmehr gerade in Schmerz und Leiden das selige Leben sich vorzüglich bekundet. Dies läßt sich leicht dartun, wenn wir lesen: „Selig seid ihr, wenn man euch schmäht und verfolgt und alles Böse mit Unwahrheit wider euch redet um der Gerechtigkeit willen! Freuet euch und frohlocket! Denn euer Lohn ist groß im Himmel. Ebenso hat man ja auch die Propheten verfolgt, die vor euch waren“ (Matth. 5, 11 f.). Und an einer anderen Stelle: „Wer mir nachfolgen will, nehme sein Kreuz und folge mir“ (Matth. 16, 24). Ib.

Die äußeren Güter tragen nicht bloß nichts zur Seligkeit bei, sondern beeinträchtigen sie obendrein. Die Scheingüter Reichtum, Genuß und Freude, die kein Leid trübt, sind nach dem klar ausgesprochenen Urteil des Herrn für die Seligkeit von Nachteil. Denn es heißt: „Wehe euch Reichen, denn ihr habt euren Trost! Wehe euch, die ihr gesättigt seid, denn ihr werdet hungern; wehe den Lachenden, denn sie werden trauern!“ (Luk. 6, 24 f.) So sind also die leiblichen und äusseren Güter nicht bloß kein Vorteil für das selige Leben, sondern sogar ein Nachteil. "Daher denn war Naboth, selbst da er vom Reichen gesteinigt wurde, selig. Arm und schwach der Macht des Königs gegenüber, besaß er nämlich als einzigen Reichtum soviel Gefühl und Rücksicht, dass er den ererbten väterlichen Weinberg um des Königs Geld nicht vertauschen mochte; und war eben darum vollkommen, weil er den rechtlichen Besitz seiner Vorfahren mit dem eigenen Blute verteidigte. Daher war aber auch Achab sogar nach seinem eigenen Urteil unselig, weil er den Armen töten ließ, um in den Besitz seines Weinberges zu gelangen ( 1 Kön. 21). Soviel ist gewiß: die Tugend ist das einzige und höchste Gut und allein übervoll der Frucht des ewigen Lebens; nicht die äusseren oder die leiblichen Güter, sondern nur die Tugend verschafft das selige Leben, durch das man das ewige Leben erlangt. Das selige Leben beruht im Gegenwärtigen, das ewige Leben aber in der Hoffnung auf das Zukünftige. Und doch gibt es Leute, die das selige Leben in diesem so schwächlichen, so gebrechlichen Leibe für ausgeschlossen halten, da er notwendig Drangsale, Leiden, Tränen und Siechtum mit sich führt: als ob ich fürwahr behaupten wollte, das selige Leben beruhe im Wohlbefinden des Leibes und nicht in der Tiefe der Weisheit, in der süßen Ruhe des Gewissens, im Hochgefühl der Tugend. Denn selig sein heißt nicht ein Leidender, sondern Sieger über das Leiden sein und nicht unter der Regung des zeitlichen Schmerzes zusammenbrechen. " [90]
 

Vom Nützlichen; Weisheit und Gerechtigkeit, gerechter Rat; Freigebigkeit halte Maß, um nicht Unwürdige zu unterstützen

Entgegen den Utilitaristen kann man mit Ambrosius sagen, das wahrhaft Nützliche deckt sich mit dem Sittlichguten. So finden wir in der göttlichen Schrift, wenn wir uns genau darin umsehen, häufig das Sittlichgute nützlich genannt. „Alles steht mir frei, doch nicht alles ist nützlich“(1 Kor. 6, 12). Im Vorausgehenden sprach der Apostel von den Lastern. Das will er sonach sagen: zu sündigen steht einem frei, aber es schickt sich nicht; die Sünde steht in seiner Gewalt, ist aber nicht geziemend; zu Völlerei bietet sich leicht Gelegenheit, sie ist aber nicht recht; denn nicht Gott, sondern dem Bauche dient die Speise, die man zu sich nimmt (1 Kor. 6, 13). "Weil also das Nützliche mit dem Rechten sich deckt, so ist es recht, dass wir Christus dienen, der uns erlöst hat. Gerecht waren, die sich für seinen Namen dem Tode weihten; ungerecht, die ihm auswichen. Diesen gilt das Wort: „Welcher Nutzen liegt in meinem Blute“ (Ps. 30, 10), d. i. welcher Vorteil in meiner Gerechtigkeit? Daher auch ihr Ruf: „Binden wir den Gerechten, weil er uns unnütz“(Sap. 2, 12), d. i. weil er ungerecht ist, indem er uns anklagt, verurteilt, straft! Freilich läßt sich die Stelle auch auf die Habsucht gottloser Menschen, welche der Ruchlosigkeit nachbarlich ist, beziehen." Über jenes Nützliche ist sonach zu handeln, das voll Ehrbarkeit ist, wie es der Apostel ausdrücklich näher bestimmte mit den Worten: „Dies aber sage ich zu eurem Nutzen, nicht um euch eine Schlinge umzuwerfen, sondern zu eurer Ehrbarkeit“ (1 Kor. 7, 35). So ist denn klar, dass das Ehrbare nützlich und das wahrhaft Nützliche ehrbar ist, und dass das Nützliche gerecht und das Gerechte nützlich ist. Nicht gewinn- und habsüchtigen Krämerseelen gilt die Abhandlung des Hl. Ambrosius, sondern seine Abhandlung über die Pflichten dienen dazu, einzuschärfen und einzuflößen, damit das, was dem Geiste und sittlichem Verhalten bereits durch praktische Anleitung eingepflanzt und eingeprägt wurde, "auch in Form einer schulgerechten Abhandlung erschlossen werde." [91]
Wenn ich nun darangehe, über das Nützliche zu sprechen, möchte ich jenes Verses beim Propheten mich bedienen: „Wende mein Herz zu Deinen Zeugnissen und nicht zur Habsucht!“ (Ps. 119, 36) Der Laut des Nützlichen soll nicht die Geldgier reizen. So lesen denn auch andere: „Wende mein Herz zu Deinen Zeugnissen und nicht zum Nutzen“, d. i. jenem auf das Feilschen und Markten ausgehenden, jenem nach der Leute Brauch auf Geldgier bedachten und gerichteten Nutzen! Gewöhnlich nennt man ja nur das nützlich, was Gewinn einträgt. Wir aber handeln von jenem Nutzen, den man unter Nachteilen sucht, um Christus zu gewinnen (Phil. 3, 7 f).  - St. Ambrosius, De off. II, 6
Auch im wahren Nützlichen gibt es Gradunterschiede. "Zwischen dem Sittlichguten und Nützlichen besteht sonach nicht bloß eine innige Beziehung, sondern das Nützliche deckt sich geradezu mit dem Sittlichguten. Darum suchte auch der, welcher allen das Himmelreich erschließen wollte, nicht seinen Nutzen, sondern den der Allgemeinheit. Auch wir sollen darum eine gewisse Ordnung und Stufenfolge von den Dingen gewöhnlicher und allgemeiner Art bis zu den erhabeneren einhalten, um aus dem Vielerlei einen Fortschritt im Nützlichen zu erzielen. Fürs erste mögen wir wissen, dass nichts so nützlich ist als Beliebtheit, nichts so nachteilig als Unbeliebtheit1; denn ich halte Mißliebigkeit für unheilvoll und überaus verderblich. Lasst uns denn trachten, mit allem Eifer unsere Achtung und unseren Ruf zu heben und namentlich durch Sanftmut des Geistes und durch Herzensgüte uns die Zuneigung der Leute zu gewinnen! Denn Güte ist jedermann lieb und wert, und es gibt nichts, was so leicht den Weg in die Herzen der Menschen fände. Verbinden sich mit ihr auch noch ein sanftes, freundliches Wesen, sodann weise Mäßigung im Befehlen und Leutseligkeit im Gespräch, ehrende Worte und auch geduldiges Anhören von Widerrede sowie gewinnende Bescheidenheit, so möchte man es nicht glauben, zu welchem Maß von Beliebtheit sie fortschreitet. Wir lesen nämlich nicht bloß von gewöhnlichen Menschen, sondern selbst von Königen, wieviel Nutzen holde, liebenswürdige Herablassung, bzw. wieviel Schaden hochfahrendes Wesen und hochmütige Rede angestiftet haben, so dass sie sogar den Sturz ihrer Reiche, die Vernichtung ihrer Macht zur Folge hatten. Gewinnt nun einer durch Einsicht, Erfahrung, Dienstgefälligkeit die Gunst des Volkes, oder setzt einer unter Gefahr sein Leben für das ganze Volk ein, so strömt zweifellos so viel Liebe von seiten des Volkes auf ihn zurück, dass es sein Heil und sein Wohlbefinden dem eigenen vorzieht. Wieviel Schmähungen musste nicht Moses von seiten des Volkes hinnehmen! Und doch bot er sich, als der Herr an den übermütigen Volksgenossen Rache nehmen wollte, wiederholt für das Volk zum Opfer dar, um es vom Zorne Gottes zu erretten (Exod. 32, 11 f.). Mit wie sanften Worten redete er auf Beleidigungen das Volk an, tröstete es in seinen Nöten, beschwichtigte es mit göttlichen Aussprüchen, erquickte es mit seinen Taten! Und obschon er beständig mit Gott redete, pflegte er doch die Leute demütig und freundlich anzureden und ins Gespräch zu ziehen. Mit Recht hielt man ihn für einen Übermenschen, so dass man selbst sein Angesicht nicht zu schauen vermochte (Exod. 34, 29 ff.) und glaubte, sein Grab habe sich nicht finden lassen (Deut. 34, 6)." Daran knüpfte sich der Volksglaube, den auch Ambrosius nach Philo teilt, dass des Moses Leib nach dessen Tod ins überirdische Paradies entrückt worden sei, was später fälschlicherweise die Muslime für ihren Mohammed in Anspruch nahmen. [92]

So nämlich hatte er die Herzen des ganzen Volkes an sich gefesselt, dass ihre Liebe zu ihm ob seiner Sanftmut größer war als ihre Bewunderung für seine Taten. Wie steht es mit seinem Nachahmer, dem heiligen David, der aus allen zur Regierung des Volkes erkoren ward? "Wie sanft und liebenswürdig war er, wie demütigen Geistes, arglosen Herzens, huldvoller Gesinnung! Noch vor dem Regierungsantritt setzte er für alle sein Leben ein. Als König tat er es allen im Kriegsdienst gleich und teilte mit ihnen die Kampfesmühe: tapfer in der Schlacht, milde auf dem Throne, geduldig bei Schmähung, bereit, lieber Unrecht zu ertragen als zu vergelten. Daher war er auch bei allen so beliebt, dass er, noch ein Jüngling, wider seinen Willen zum Könige begehrt und trotz Widerstreben hierzu genötigt ward, als Greis aber von den Seinigen gebeten wurde, sich nicht in die Schlacht zu mengen, indem lieber alle für ihn, statt er für alle, der Gefahr sich aussetzen wollten. In folgender Weise hatte er sich durch seine liebenswürdigen Dienste das Volk verbunden: Vor allem wollte er bei den Volksfehden lieber als Verbannter in Hebron denn als König in Jerusalem weilen (2 Kön. 2, 1 ff.; c. 3 f.)." [93]

"Wer wäre denn so wie er in Heiligkeit des Herzens und Gerechtigkeit gewandelt, um den Willen Gottes zu erfüllen? Ward doch um seinetwillen selbst noch seinen Nachkommn, wenn sie sich vergingen, Verzeihung gewährt und als seinen Erben Gnade vor Recht gewahrt. Wer hätte ihn denn nicht liebgewinnen müssen, wenn er sah, wie er den Freunden so lieb war, dass er, weil er selbst aufrichtige Freundesliebe übte, der gleichen Liebe von seiten seiner Freunde versichert war? (1 Kön. c. 18-20) So zogen ihn denn auch Eltern ihren Kindern, Kinder ihren Eltern vor. Saul geriet darob heftig in Zorn und wollte seinen Sohn Jonathas mit dem Speere durchbohren, weil er glaubte, Davids Freundschaft gelte bei ihm mehr als die Liebe und das Ansehen des Vaters (1 Kön. 20, 30 ff.). Zur Entfachung der Liebe trägt überhaupt am meisten bei, wenn einer den Liebenden Gegenliebe erweist und zeigt, dass seine Gegenliebe nicht hinter der Liebe, die er selbst findet, zurückbleibt, und dies aus Proben treuer Freundschaft offen erhellt. Was wäre denn so herzgewinnend als Wohlwollen? Was der Natur so eigen als einen Liebenden zu lieben? Was dem menschlichen Gemüte so eingepflanzt und eingeprägt als das Herzensbedürfnis, den zu lieben, von dem man geliebt sein möchte? Mit Recht spricht der Weise: „Laß um des Bruders und des Freundes willen Geld zu Verlust gehen!“ (Ekkli. 29, 13) Und an einer anderen Stelle: „Einen Freund zu grüßen, will ich mich nicht schämen und angesichts desselben mich nicht verbergen“ (Ekkli. 22, 31). Bezeugt doch das Wort des Ekklesiastikus, am Freunde habe man „eine Arznei des Lebens und der Unsterblichkeit“ (Ekkli. 6, 16). Und niemand zweifle, dass in der Liebe eine gar mächtige Schutzwehr liegt. Versichert doch der Apostel: „Alles erträgt sie, alles glaubt sie, alles hofft sie, alles duldet sie, nimmer kommt die Liebe zu Fall“(1 Kor. 13, 7 f.). Daher wankte Davids Thron nicht, weil er jedermann lieb war und von den Untertanen geliebt statt gefürchtet sein wollte. Die Furcht leistet ja nur eine vorübergehende Schutzwache, kennt keine dauernde Hut. Sobald daher die Furcht weicht, wagt Verwegenheit sich hervor; denn nicht Furcht erzwingt die Treue, sondern Liebe schafft sie. So gereicht uns denn in erster Linie Liebe zur Empfehlung. Es ist daher gut, wenn wir im Geruche allgemeiner Beliebtheit stehen. Daraus ersteht das Vertrauen, so dass selbst Fremde unbedenklich deiner Gewogenheit sich anvertrauen, wenn sie sehen, wie du bei der Mehrzahl beliebt bist. Ähnlich wie durch Liebe kann es auch durch Vertrauen dahinkommen, dass einer, der einem oder zweien die Treue wahrte, allen gleichsam ins Herz wächst und aller Gunst erwirbt." - St. Ambrosius, De off. II, 7
"Diese beiden Stücke nun tragen am meisten zu unserer Empfehlung bei: Liebe und Vertrauen; und als drittes folgender Vorzug, wenn man ihn besitzt, weil die große Menge ihn an einem bewunderungswürdig findet und mit Recht für ehrenwert erachtet. Und weil gerade erfahrener Rat die Leute in höchstem Maße gewinnt, darum ist für jeden Klugheit und Gerechtigkeit erforderlich, und die Mehrheit erwartet sie auch, so dass man einem, der sie besitzt, zutraut, dass er auf Wunsch nützlichen und verlässigen Rat zu erteilen vermag. Wer möchte ihm denn trauen, wenn er ihn nicht für weiser halten könnte, als er, der Ratsuchende, selbst ist? Der um Rat Gebetene muss daher notwendig vortrefflicher sein als der Ratsuchende. Was wollte man denn einen zu Rate ziehen, dem man nicht besser als der eigenen Einsicht die Fähigkeit zutraut, das Rechte zu treffen. Findet man nun einen, der durch Schärfe des Denkens, durch Kraft und Überlegenheit des Geistes sich hervortut und es dahin bringt, dass er durch Beispiel und Erfahrung noch größere Meisterschaft erlangt, gegenwärtige Gefahren beschwört, künftige voraussieht, auf drohende aufmerksam macht, auch den Grund hiervon aufzeigt, das Rettungsmittel zur rechten Zeit angibt und nicht bloß zu Rat, sondern auch zur helfenden Tat bereit ist: so schenkt man einem solchen Glauben, so dass der Ratsuchende sprechen mag: „Sollte mir selbst Schlimmes durch ihn begegnen, ich nehme es hin“ (Ekkli. 22, 31). Einem solchen Manne nun, der nach der obigen Ausführung gerecht und klug ist, vertrauen wir unser Leben und unseren Ruf an. Die Gerechtigkeit nämlich bürgt dafür, dass kein Trug zu fürchten steht; desgleichen die Klugheit dafür, dass keine Irrung zu besorgen ist. Freilich noch bereitwilliger verlassen wir uns, um mit der gewöhnlichen Erfahrung zu sprechen, auf einen gerechten als auf einen klugen Mann. Nach philosophischer Auffassung begegnen sich übrigens dort, wo eine Tugend sich findet, auch die übrigen, und kann es eine Klugheit ohne die Gerechtigkeit nicht geben. Auch bei den Unsrigen finden wir das ausgesprochen. David nämlich versichert: „Der Gerechte ist mitleidig und leiht“ (Ps. 37, 26; 37, 21). Was der Gerechte leiht, spricht er an einer anderen Stelle aus: „Liebenswürdig der Mann, der mitleidig ist und leiht: er wird seine Worte zurechtstellen im Gerichte“ (Ps. 112, 5). Ist jenes berühmte Urteil Salomos nicht voll Weisheit und Gerechtigkeit?" - St. Ambrosius, De off. II, 8
Es steht sonach fest, dass es auch nach der göttlichen Schrift, keine Weisheit ohne die Gerechtigkeit geben kann; denn wo nur eine dieser Tugenden ist, da sind beide. Oft spiegelt sich das Fehlen von Weisheit und Gerechtigkeit in der Politik in manchen heutigen Amtsgerichten und Finanzämtern wieder, wo dann ebenfalls sowohl Weisheit als auch Gerechtigkeit fehlen, wenn z.B. Meinungsfreiheit beschnitten wird und lächerliche Klagen zugelassen werden, nur weil z.B. ein Finanzbeamter oder Politiker sein Fehlverhalten durch "die Lügenhaftigkeit der falschen Anschuldigung" vertuschen will und Meinungsfreiheit nicht ertragen kann, Amtsgerichte sich an unwichtigen Fällen festbeißen, statt sich um die wirklich relevanten Fälle zu kümmern, für die dann kaum noch Zeit verbleibt, so dass die eigentlich Kriminellen wieder auf freien Fuß gesetzt werden müssen. "Wie weise kam nicht auch Daniel durch seine tiefsinnige Fragestellung, worauf die Verleumder keine übereinstimmende Antwort mehr zu geben wussten, auf die Lügenhaftigkeit der falschen Anschuldigung! (Dan. 13, 45 ff.) Aufgabe der Klugheit war es, die Schuldigen zu entlarven; Aufgabe der Gerechtigkeit desgleichen, die Schuldigen der Strafe zu überantworten, die Unschuldigen davor zu bewahren. So besteht denn eine unzertrennliche Gemeinschaft zwischen der Weisheit und Gerechtigkeit. Nach der gewöhnlichen Auffassung jedoch unterscheidet man die einzelnen Tugendnormen. Die Mäßigkeit liegt danach in der Verachtung der sinnlichen Genüsse; der Starkmut zeigt sich in Mühen und Gefahren; die Klugheit in der Entscheidung für das Gute, indem sie zwischen dem Nützlichen und Nachteiligen zu unterscheiden weiß; die Gerechtigkeit darin, dass sie als gute Hüterin fremden Rechtes und als Beschützerin des eigenen Besitzes jedem das Seinige wahrt. [94]

Gerechten Rat sucht man bei heutigen Politikern oft vegebens. Weil dem Gerechten das Urteil, dem Weisen aber dessen Begründung zusteht, obliegt ersterem die strenge Prüfung des Verhandlungsergebnisses, letzterem das Vorgehen zur Aufdeckung des Falles. Vereinigt man beides, werden sich jene ungemein heilsamen Ratschläge erteilen lassen, die jedermann aus Bewunderung für die Weisheit und aus Liebe zur Gerechtigkeit erwartet; alle werden die Weisheit eines solchen Mannes, in welchem sich beide Tugenden verbinden, zu hören suchen, "wie alle Könige der Erde das Angesicht Salomos zu schauen und seine Weisheit zu hören suchten, so dass auch die Königin von Saba zu ihm kam und durch Fragen ihn erprobte: Und sie kam und redete alles, was sie auf dem Herzen hatte, und hörte alle Weisheit Salomos, und es entging ihr kein Wort davon (1 Kön. 10, 1 ff.). Wer diese ist, der nichts entgeht, und dass es nichts gibt, was ihr der wahre Salomo nicht kundgetan hätte, das erschließe, o Mensch, aus dem, was du sie reden hörst! „Wahr ist“, so beteuert sie, „das Gerücht, das ich in meinem Lande über deine Reden und deine Klugheit vernommen habe; und ich glaubte dem nicht, was man mir sagte, bis ich kam, und meine Augen es schauten. Und nun ist das, was man mir kundgab, nicht einmal die Hälfte. Das Gute, das du auftischtest, übertraf alles, was ich in meinem Lande hörte. Selig deine Frauen und selig deine Diener, die an deiner Seite stehen, die alle deine Klugheit vernehmen!“ Erkenn das Gastmahl des wahren Salomo und was bei diesem Gastmahle aufgetragen wird! Erkenn weise und erwäge, in welchem Lande die Heidenkirche den Ruf der wahren Weisheit und Gerechtigkeit vernahm und mit welchen Augen sie ihn sah, da sie Dinge unsichtbarer Art schauten! „Denn das Sichtbare ist zeitlich, das Unsichtbare aber ewig“ (2 Kor. 4, 18). Wer anders sind die „seligen Frauen“ als jene, von welchen es heißt: „Viele hören das Wort Gottes und bringen es hervor“? ( Luk. 11, 28) Und an einer anderen Stelle: „Denn wer immer das Wort Gottes tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und Mutter“ (Matth. 12, 50; Luk. 8, 21). Wer anders ferner sind „deine seligen Diener an der Seite“ als ein Paulus, der beteuerte: „Bis zu diesem Tage stehe ich da und lege öffentlich Zeugnis ab vor klein und groß“? (Apg. 26, 22), als ein Symeon, der im Tempel harrte, um den Trost Israels zu schauen? (Luk. 2, 25f) Warum hätte er denn um Entlassung gebeten, wenn nicht deshalb, weil er, vor dem Herrn stehend, ohne den Willen des Herrn kein Recht zum Scheiden hatte? Zum Vorbild ward Salomo uns vor Augen gestellt mit der Forderung, wetteifernd von ihm die Weisheit zu hören. Auch Joseph hatte nicht einmal im Gefängnisse soviel Ruhe, dass man ihn nicht in zweifelhaften Fällen zu Rate zog. Ganz Ägypten frommte sein Rat, so dass es nicht unter der Unfruchtbarkeit der sieben Jahre leiden brauchte und andere Völker von der traurigen Hungersnot befreite (Gen. 41). Daniel, aus der Mitte der Gefangenen zum Vorsitzenden über die königlichen Räte bestellt, griff bessernd durch seinen Rat in die Gegenwart ein und verkündete die Zukunft (Dan. 2). Denn nachdem er sich durch seine häufigen Deutungen als ein Verkündiger der Wahrheit erwiesen hatte, schenkte man ihm in allem Glauben." [95]

Die Bedingungen zur Erteilung eines vertrauenswürdigen Rates werden vorbildlich eingelöst z.B. bei Salomo, Moses, Daniel und Joseph. Schon das Leben dieser Männer weckte Vertrauen zu ihrer Klugheit und steigerte die Bewunderung für dieselbe. Wer hätte nicht dem Rate des Moses vertraut, dem die Ältesten im Fall, dass ihrer Ansicht nach etwas die eigene Einsicht und Kraft überstieg, die Entscheidung anheimstellten? Wer hätte Daniels Rat zurückgewiesen, von dem Gott selbst beteuerte: „Wer ist weiser als Daniel?“ (Ezech. 28, 3) Oder wie hätten die Leute im Zweifel über die Einsicht derer sein können, denen Gott so große Gnade verlieh? Durch des Moses Rat wurden Kriege beendet (Exod. 14). "Wie rein war Daniels Seele, dass er der Barbaren Sitten milderte, Löwen besänftigte! (Dan. 6, 14 ff.; 14, 30 ff.). Welche Mäßigkeit war in ihm! Welche geistige und leibliche Enthaltsamkeit! Nicht mit Unrecht ward er Gegenstand der Bewunderung für alle, da er, was doch die Menschen so gewaltig anstaunen, trotz der Freundschaft mit Königen, auf die er sich stützen konnte, nicht nach Gold verlangte und das ihm übertragene Ehrenamt nicht über den Glauben stellte (Dan. 2, 48 f.; 5, 16 f.; 6, 1 ff.; 14, 1 ff.). Ja er wollte sogar lieber für das Gesetz des Herrn Gefahr laufen, als um den Preis von Menschengunst sich umstimmen lassen (Dan. 1, 11 ff.; 3, 8 ff.; 6, 10 ff.; 14, 30 ff.). Was soll ich denn von der Keuschheit und Gerechtigkeit des Joseph sagen, den ich beinahe übergangen hätte? Erstere verschmähte die Lockungen der Herrin und wies ihre Lohnangebote zurück (Gen. 39, 7 ff.); letztere verachtete den Tod, verscheuchte die Furcht und wählte lieber den Kerker (Gen. 39, 19 f.). Wer hätte ihn, dessen reiche Seele und fruchtbarer Geist eine unfruchtbare Zeit gleichsam mit dem Born des Rates und der Einsicht speiste, nicht auch in einer persönlichen Angelegenheit für den rechten Mann zu Ratserholung gehalten?"  [96]

Politikberatung hat heute vielfach selsame Ausmaße angenommen und hat mit den Männern nach Art der gottgesandten Ratgeber des Alten Bundes wenig zu tun. Bei Ratschlägen, die zu erholen sind, kommt nun, wie wir sehen, recht viel auf die Rechtschaffenheit des Lebens, den Vorzug der Tugenden, die Betätigung des Wohlwollens an. "Wer wollte denn in einer Pfütze Quellwasser suchen? Wer aus trübem Wasser einen Trunk verlangen? Wer glaubte dort, wo Völlerei, wo Unenthaltsamkeit herrscht, wo ein Lasterstrom sich ergießt, etwas einschlürfen zu sollen? Wer würde nicht einen unflätigen Sittenwandel verachten? Wer wollte jemand für einen nützlichen Anwalt in einer fremden Sache halten, wenn er ihn in seinem eigenen Leben als einen Nichtsnutz sieht? Wer würde nicht hinwiederum einem ruchlosen, übelwollenden und schmähsüchtigen Menschen fernbleiben, der bereit ist, einem nur Schaden zuzufügen? Wer ihm nicht mit aller Beflissenheit aus dem Wege gehen? Wer aber möchte einen um hilfreichen Rat angehen, der, obschon hierzu fähig, doch schwer zugänglich ist; der denselben wie ein verschlossenes Quellwasser in sich trägt? Was nützt denn die Weisheit, die du hast, wenn du den Rat verweigerst? Bist du nicht zu bewegen, einen Rat zu erteilen, dann hast du die Quelle verschlossen, so dass sie weder anderen fließt, noch dir selbst nützt. Das trifft genau auch bei dem zu, der wohl Klugheit besitzt, sie aber mit schmutzigen Lastern befleckt. Er verunreinigt das hervorquellende Wasser. Das Leben entlarvt die entartete Gesinnung. Wie könnte man denn jemand für einen trefflichen Ratgeber halten, den man sittlich minderwertig sieht? Über mich erhaben muss sein, dem ich bereitwillig trauen soll. Oder werde ich den für geeignet erachten, der mir einen Rat erteilt, den er sich selbst nicht gibt? Und werde ich von dem glauben, dass er sich mir schenkt, der sich selbst nicht gehört? dessen Seele Genußsucht einnimmt, Lust überwältigt, Habsucht unterjocht, Begierlichkeit beunruhigt, Furcht quält? Wie soll da Raum für Rat sein, wo kein Raum für Ruhe ist? Bewunderungswürdig und verehrungswürdig ist mir der Ratgeber, wie ihn der Herr den Vätern, wenn hold gesinnt, gab." [97]

"Wer wollte gleichsam vorne den Schein der Schönheit zur Schau tragen und hinten mit viehischem Aussehen und tierischen Klauen den Reiz der höheren Anmut entstellen? Ist doch nach dem Zeugnis des Schrifttextes die Anmut der Tugend und insbesonders die Schönheit der Weisheit so wunderbar und erhaben! „Herrlicher wie die Sonne ist diese und, mit dem Lichte verglichen, über alle Sternenpracht vorzüglicher befunden; denn dieses Licht raubt die Nacht, über die Weisheit aber obsiegt nicht die Bosheit“ (Sap. 7, 29 f.). Wir sprachen von ihrer Schönheit und bewiesen es durch ein Schriftzeugnis. Es erübrigt noch, an der Hand der Schrift darzutun, dass sie nichts mit den Lastern gemein hat, wohl aber mit den übrigen Tugenden unzertrennlich verbunden ist; denn „ihr Geist ist beredt, sonder Makel, sicher, heilig, das Gute liebend, scharfsinnig, gegen Wohltun nimmer ablehnend, gütig, beständig, ruhig, allvermögend und allschauend“(Sap. 7, 22 f.). Und im folgenden: „Denn Mäßigkeit lehrt sie und Gerechtigkeit und Tugend“ (Sap. 8, 7)." - St. Ambrosius, De off. II, 13
"So bringt denn die Klugheit alles zuwege, hat teil an allem Guten. Wie könnte sie denn nützlichen Rat erteilen, besäße sie nicht die Gerechtigkeit? So nur gürtet sie sich mit Standhaftigkeit, schaudert vor dem Tode nicht zurück, lässt sich durch keine Drohung, durch keine Furcht beirren, glaubt durch keine Schmeichelei vom Wahren abweichen zu sollen, schrickt im Bewusstsein, dass der Weise die Welt zum Vaterlande hat, nicht vor Verbannung zurück, bangt nicht vor Not, weil sie weiß, dass dem Weisen, dem die ganze Welt gehört, nichts mangelt. Was überträfe denn an Vorzüglichkeit den Mann, den Gold nimmer zu berücken vermag, der für Geld nur Verachtung hat und wie von einer ragenden Burg aus auf die menschliche Habgier herabblickt? Wer es so macht, den halten Menschen für einen Übermenschen. „Wer ist dieser“, heißt es, „und wir wollen ihn loben? Denn er hat Wunderbares vollbracht in seinem Leben“ (Ekkli. 31, 9). Wie wäre denn einer nicht bewunderungswürdig, der den Reichtum verachtet, den schon so viele dem eigenen Leben vorgezogen haben? Allen geziemt sonach strenge Genügsamkeit, am meisten aber dem Träger eines Ehrenamtes. Den Mann in bevorzugter Stellung sollen nicht seine Schätze einnehmen, der Vorsteher über Freie nicht Sklave des Geldes sein. Besser geziemt sich dies, dass er in seiner Gesinnung über das Geld erhaben ist, in seiner Dienstbeflissenheit unter den Freund sich herablässt; denn Demut steigert nur die Liebenswürdigkeit. Das ist des Lobes voll und einem Würdenträger angemessen: nicht mit tyrischen Kaufleuten und galaaditischen Händlern schimpfliche Gewinnsucht teilen; nicht alles Gute im Geld suchen und wie ein Taglöhner den Tagesverdienst zählen, die Einnahmen überschlagen." - St. Ambrosius, De off. II, 14
Wenn es lobenswert ist, solchen Dingen gegenüber nüchternes Sinnes zu bleiben, wieviel vorzüglicher ist es, sich die Liebe der Menge durch Freigebigkeit zu erwerben, "die weder gegen unverschämte Arme verschwenderisch", zum Beispiel Sozialhilfe für Terroristen oder Islamisten und ihre Familien, wie es in Deutschland praktiziert wurde, noch gegen wahrhaft Dürftige knauserig ist, was in Deutschland ebenfalls praktiziert wird. Recht vielartig aber betätigt sich die Freigebigkeit: sie reicht und teilt nicht bloß den des täglichen Bedarfes mangelnden Armen zum nötigen Lebensunterhalte Nahrung aus, sondern lässt auch den verschämten Armen ihre Sorge und Hilfe angedeihen, soweit nicht die allgemeinen Mittel zum Unterhalte der Armen dadurch erschöpft werden. "Eine recht große Freigebigkeit ist es ferner, Gefangene loszukaufen und aus Feindeshand zu befreien, Menschen vom Tode und insbesondere Frauen vor Schande zu erretten, Kinder den Eltern, Eltern den Kindern zurückzuführen, Bürger dem Vaterlande wiederzugeben." Eine besonders verdienstliche Freigebigkeit besteht sonach im Loskauf von Gefangenen, "namentlich von einem barbarischen Feinde, der für Erbarmen nur soviel Menschlichkeit übrig hat, als die Habsucht sich im Fall des Loskaufes vorbehielt; ferner in der Übernahme fremder Schulden, wenn der Schuldner zahlungsunfähig ist und dennoch zu einer Zahlung gedrängt wird, die von Rechts wegen geschuldet und wegen Dürftigkeit nicht geleistet werden kann; in der Aufziehung von Kindern und der Beschützung der Waisen. Auch gibt es Personen, die elternlosen Jungfrauen zum Schutz ihrer Keuschheit zur Ehe verhelfen und nicht bloß für ihre Unterstützung sich bemühen, sondern auch selbst sie durch Geldaufwand betätigen." [98]

Geld wird leicht aufgebraucht, Rat lässt sich nicht erschöpfen. „Mit Rat einem an die Hand gehen und vor Gericht beistehen“, wird auch bei Cicero unter den persönlichen Leistungen der Freigebigkeit aufgezählt. Dieser steigert sich mit der Ausübung, das Geld verringert sich und geht bald ganz aus und macht der Mildtätigkeit ein Ende. Je mehr Dürftigen man geben will, desto wenigeren kann man helfen, und oft ermangelt man dessen überhaupt, was man anderen spenden zu sollen glaubt. "Rat und Tat aber, die man übt, strömen, auf je mehr sie sich ergießen, um so voller und münden zu ihrer Quelle zurück. Denn der reiche Strom der Klugheit fließt in sich zurück, und je mehr Dürftigen er strömt, um so kräftigere Wogen schlägt der ganze Strom, der zurückflutet." [99] 

Die Freigebigkeit halte Maß, um nicht Unwürdige zu unterstützen, und zwar das Mittelmaß zwischen Knauserei und Verschwendung. Es ist klar, dass es in der Freigebigkeit ein Maß geben muss. Das Geben darf nicht zwecklos sein, es muss vielmehr eine vernünftige Grenze dabei eingehalten werden, "besonders von seiten der Priester, dass sie sich beim Ausspenden nicht von Prahlsucht, sondern von Gerechtigkeit leiten lassen. Nirgend sonst gebärdet sich nämlich der Bettel zudringlicher. Da kommen kräftige Burschen, kommen Leute aus keinem anderen Grund als aus Stromerei und wollen die Armenunterstützungen aufzehren, deren Aufwand aufbrauchen. Mit Wenigem nicht zufrieden, verlangen sie größere Spenden, suchen mit der Kleidertracht ihrem Bettel nachzuhelfen und unter Vorspiegelung des Geburtstages doppelte Beträge zu ergattern. Wer solchen Leuten leicht Glauben schenkt, zehrt bald die Mittel auf, die dem Unterhalte der Armen dienen sollten. Ein Maß im Geben muss sein: die Armen sollen nicht leer ausgehen und ihr Lebensunterhalt nicht Gaunern als Beute überwiesen werden. Jenes Maß soll sein, dass einerseits der Menschenfreundlichkeit nicht Abbruch geschehe, andrerseits der Not die Hilfe nicht versagt bleibe. Gar manche spiegeln Schulden vor. Man prüfe den wahren Sachverhalt! Sie klagen, sie seien durch Erpressungen ausgezogen worden. Das Unrecht, bezw. die Person, die einem etwa bekannt ist, müssen das beglaubigen, um dann desto bereitwilliger zu helfen. Den von der Kirche Ausgestoßenen soll eine Aufwendung zufließen, wenn es ihnen am nötigen Lebensunterhalt gebricht. Wer daher das rechte Maß einhält, ist gegen niemand knauserig, wohl aber gegen jedermann freigebig. Wir sollen ja nicht bloß ein Ohr für die Stimme der Bittenden, sondern auch ein Auge für die Nöten der Nichtbittenden haben. Einen lauteren Notschrei richtet der Anblick eines Bresthaften als die Stimme eines Armen an die Guttäter. Freilich es ist nicht anders denkbar: der laute, aufdringliche Bittruf von Flehenden erpresst mehr. Aber nicht immer soll frecher Zudringlichkeit stattgegeben werden. Nach jenem sollst du dich umsehen, der dir nicht unter die Augen tritt; nach jenem dich erkundigen, der als verschämter Arme sich nicht blicken lässt; jener Sträfling im Gefängnis ferner soll dir im Geiste begegnen; jener mit Krankheit Behaftete deinen Geist treffen, wenn er dein Ohr nicht treffen kann. Je mehr das Volk dich wirken sieht, um so mehr wird es dich lieben. Ich weiß von so manchen Priestern: je mehr sie gaben, um so mehr hatten sie. Denn jeder, der einen guten Arbeiter sieht, gibt ihm, dass er’s kraft seines Amtes verteile, dessen gewiß, dass sein Mitleid den Weg zu einem Armen findet; denn nur einem Armen will jeder seine Gabe zugute kommen lassen. Sieht er von einem Almosenverteiler, dass er verschwenderisch oder aber zu knauserig ist, wird er beides verächtlich finden, sei es, dass derselbe durch überflüssige Aufwendungen die Früchte fremder Arbeit vergeudet, sei es, dass er sie im Säckel zurückbehält. Wie daher Maß in der Freigebigkeit zu halten ist, so scheint gar manchmal auch ein Ansporn hierzu am Platz zu sein: Maß deshalb, um täglich seinem Wohltun nachgehen zu können, um nicht die vergeudeten Summen der Not zu entziehen; Ansporn darum, weil das Geld in der Schüssel des Armen mehr bezweckt als im Säckel des Reichen. Hüte dich, das Wohl der Dürftigen in deinen Schrank zu sperren und das Leben der Armen sozusagen ins Grab zu betten! Joseph hätte die ganzen Reichtümer Ägyptens verschenken und des Königs Schätze vergeuden können: doch er wollte nicht als Verschwender fremden Gutes erscheinen. Er wollte das Getreide lieber verkaufen (Gen. 41, 56 ff.) als an die Hungernden verschenken, weil es der großen Mehrzahl gemangelt hätte, wenn er es an wenige verschenkt hätte. Jene Freigebigkeit zog er vor, durch die er an die Gesamtheit reichlich austeilen konnte. Er öffnete die Scheunen. Doch alle sollten das nötige Getreide kaufen, dass sie nicht, wenn sie es unentgeltlich bekämen, die Bestellung des Ackerlandes unterließen (Gen. 47, 19). Wer vom fremden Gut zehrt, vernachlässigt das eigene. Zunächst trieb er nun für den König Geld in Menge ein; sodann verschaffte er ihm sonstige Fahrnisse; endlich das Besitzrecht auf Ländereien (Gen. 47, 14 ff), nicht um alle des Ihrigen zu berauben, sondern zu deren Unterstützung, zur Festsetzung einer öffentlichen Abgabe behufs größerer Sicherung ihres Besitzstandes. Das nahmen auch alle, denen er Ländereien abgenommen hatte, willig hin: sie erblickten darin nicht den Verkauf ihres rechtlichen Besitzes, sondern den Erlös ihres Lebens. So beteuerten sie denn auch: „Du hast uns Heil verschafft; wir haben Gnade gefunden vor den Augen des Herrn“ (Gen. 47, 25). Sie hatten ja auch am Eigentum nichts verloren, nachdem sie rechtmäßig dafür entschädigt worden waren; und hatten am eigenen Vorteil nichts eingebüßt, nachdem sie ihre dauernde Existenz dafür gefunden hatten. O großer Mann, der nicht nach dem vergänglichen Ruhm verschwenderischer Freigebigkeit haschte, sondern durch nützliche Fürsorge ein dauerndes Denkmal sich setzte! Er bewirkte ja nur, dass das Volk durch seine Abgaben sich eine Selbsthilfe schuf und in der Zeit der Not nicht auf fremde Hilfe angewiesen war. Es war besser, dass es einen Teil von den Früchten abgab, statt seinen ganzen rechtlichen Besitz zu verlieren. Den fünften Teil bestimmte er als Abgabe (Gen. 47, 24), in der Fürsorge ebenso umsichtig, wie in der Besteuerung milde." Davon sind die Politiker und ihre Finanzämter in Deutschland meilenweit entfernt. Auf eine milde Besteuerung warten die Bürger in Deutschland seit Jahrzehnten! [100] 

So erlebte denn auch Ägypten später keine solche Hungersnot mehr. Wie wunderbar aber erschloß er die künftigen Dinge! Vor allem wie haarscharf brachte er als Traumdeuter des Königs nur die Wirklichkeit zum Ausdruck! Zum erstenmal träumte es dem König also: Sieben junge Kühe, wohlgestaltet und fettleibig, stiegen aus dem Flusse und weideten an dessen Ufer. Auch noch andere Jungrinder, hässlich an Gestalt und mager an Körper, stiegen nach jenen Kühen aus dem Flusse und weideten neben ihnen an eben jenem schwellenden Uferrande. Da sah man, wie diese hageren, mageren Jungrinder jene an Gestalt und Schönheit vorzüglicheren auffraßen. Und zum zweitenmal träumte es ihm also: Sieben fette, erlesene und fruchtbare Ähren hoben sich von der Erde, und nach ihnen richteten sich sieben dünne, vom Winde geknickte und welke Ähren auf. Und man sah, wie die unfruchtbaren und dünnen Ähren die frischen und vollen Ähren aufzehrten (Gen. 41, 1 ff). Diesen Traum erklärte Joseph dahin, dass die sieben jungen Kühe sieben Jahre, und ebenso die sieben Ähren sieben Jahre bedeuteten, indem er die Zeiten nach dem Ertrag und der Fruchtbarkeit auslegte. Die Trächtigkeit einer Kuh besagt ja einen Jahresumlauf, und die Frucht des Saatfeldes lässt wiederum ein volles Jahr zur Rüste gehen. Darum stiegen jene vom Flusse herauf, weil die Tage, die Jahre und Zeitläufte nach Art der Flüsse vorüberziehen und eilends dahingleiten. Die ersten sieben Jahre nun, erklärt er, würden Jahre reichen Segens für das Land sein, ergiebig und fruchtbar; die letzten anderen sieben Jahre unfruchtbar und ertragslos, und ihre Unfruchtbarkeit werde den Überfluß der vorausgehenden aufzehren. Daher seine Mahnung zur Vorsorge: es sollten in den Segensjahren Getreidemittel angesammelt werden, welche die Not der kommenden Hungersnot heben könnten. Was soll ich zuerst bewundern? Die Einsicht, mit der er in den Schacht der Wahrheit selbst hinabdrang? Oder den Rat, mit dem er einer so schweren und langen Not vorbeugte? Oder die Umsicht und die Gerechtigkeit, von denen die eine der ihr obliegenden großen Aufgabe zufolge so vielfache Lebensmittel ansammelte, die andere gleiches Maß für alle wahrte? Was soll ich denn von seinem Großmut sprechen, dass er, obwohl von den Brüdern in die Sklaverei verkauft (Gen. 37, 27 ff.), ihr Unrecht nicht vergalt, sondern ihren Hunger stillte?(Gen. 42, 25 ff.) Was von der Liebenswürdigkeit, mit der er sich durch fromme List die Anwesenheit seines geliebten Bruders verschaffen wollte, den er auf einen fein ersonnenen Scheindiebstahl hin der Entwendung schuldig erklärte, um ihn als holden Geisel zurückzubehalten? ( Gen. 44, 2 ff.) Mit Recht sprach darum der Vater zu ihm: „Reich gesegnet ist mein Sohn Joseph, reich gesegnet mein Sohn, der Eiferer, mein jugendlicher Sohn. Dir stand bei mein Gott und segnete dich mit dem Segen des Himmels aus der Höhe und mit dem Segen der Erde mit all ihren Gütern um der Segnungen deines Vaters und deiner Mutter willen. Er überbot die Segensfülle der unvergänglichen Berge und die Erwartung der ewigen Hügel“ (Gen. 49, 22 ff.). Und im Deuteronomium heißt es: „Der im Dornbusch Erschienene komme über Josephs Haupt und dessen Scheitel! Verehrungswürdig ist er unter seinen Brüdern." (Deut. 33, 16 ff) [101] 

Notwendige Eigenschaften eines Ratgebers, politische und soziale Bedeutung der Gerechtigkeit und des Wohlwollens, finden wir beim Patriarchen Joseph und dem Apostel Paulus, nicht jedoch in deutschen Amtsgerichten und Finanzämtern. Wer dem Nächsten Rat erteilen will, muss so beschaffen sein, dass er sich selbst anderen gegenüber als eine mustergültige Norm des guten Handelns erweist in Gelehrsamkeit, in Unsträflichkeit, in Würde, so dass sein Wort heilsam und untadelig, sein Rat nützlich, sein Leben ehrbar, seine Gesinnung lauter sei (Tit. 2, 7 f.; 1 Tim. 4, 12). So beschaffen war Paulus, der in der Weise den Jungfrauen Rat (1 Kor. 7, 25 ff.), den Priestern Unterweisung gab, dass er sich uns erst selbst als Vorbild zur Nachahmung hinstellte. Daher „wusste er sich zu demütigen“ (Phil. 4, 12), wie es auch Joseph wusste, der, ein Sprössling des hochedlen Patriarchengeschlechtes, den niederen Sklavendienst nicht verschmähte, ihn vielmehr in Gehorsam leistete und mit Tugenden adelte. Er wusste sich zu demütigen, der dem Verkäufer und Käufer sich fügte und letzteren seinen Herrn nannte. So muss denn ein Ratgeber beschaffen sein: nichts Unklares, nichts Trügerisches, nichts Erlogenes, nichts Erheucheltes, was sein Leben und seinen Charakter in schiefes Licht stellen würde, nichts Ruchloses und Böswilliges, was die Ratsuchenden abstoßen würde, darf er an sich haben. Das eine nämlich würde man fliehen, das andere verachten. Was Schaden anrichten, was, bösartig wie schleichendes Gift, Unheil anstiften könnte, das fliehen wir. Wenn beispielsweise der, den man um Rat fragen will, von unzuverlässigem Charakter und geldgierig wäre, so dass er sich um Geld umstimmen ließe, wenn er zur Ungerechtigkeit neigte, so flieht und meidet man ihn. Wer dagegen genußsüchtig, unenthaltsam und, wenn auch nicht trügerisch, doch habsüchtig und gewinnsüchtig wäre, den verachtet man. Welchen Beweis von Eifer, welche Frucht an Arbeit könnte denn einer aufweisen, welcher Wachsamkeit und Sorgfalt innerlich sich befleißigen, der sich der Gleichgültigkeit und Trägheit hingibt? Darum das Bekenntnis eines guten Ratgebers: „Ich aber habe gelernt mich mit dem, was ich habe, zu begnügen“ (Phil. 4, 11). Er wusste nämlich, dass die Habsucht die Wurzel aller Übel ist (1 Tim. 6, 10), und war daher mit dem Seinigen zufrieden und verlangte nicht nach fremdem Gut. Mir genügt, wollte er sagen, was ich habe; ob ich weniger habe oder viel, für mich ist’s viel. Eins, wie es scheint, verdient ausdrücklich hervorgehoben zu werden. Er bediente sich nämlich einer bezeichnenden Wendung: „Mir genügt, was ich habe“, spricht er, d. i. ich habe weder Mangel noch Überfluß: nicht Mangel, weil ich nichts Weiteres verlange; nicht Überfluß, weil mein Besitz nicht mir allein, sondern der Mehrzahl frommt. Soviel, was den Geldpunkt betrifft. Im übrigen kann man ganz allgemein sagen: Er begnügte sich mit dem, was er augenblicklich besaß, d. i. er verlangte nicht nach größerer Auszeichnung, nicht nach mehr Gefälligkeiten, war nicht übermäßig ruhmsüchtig oder haschte nicht ungebührlich nach Gunst, sondern harrte, voll Geduld im Leiden und seines Verdienstes gewiß, auf das Ende des pflichtschuldigen Kampfes. „Ich weiß mich auch zu demütigen“, beteuert er (Phil. 4, 12). Nicht also unbewusste, sondern selbstbeherrschende und selbstbewusste Demut findet hier Lob. Es gibt ja auch eine Demut voll Furchtsamkeit, es gibt eine volle Unerfahrenheit und Unwissenheit. Daher das Schriftwort: „Und die Demütigen im Geiste wird er retten“ (Ps. 34, 19). Ein prächtiges Wort: „Ich weiß mich auch zu demütigen“, nämlich an welchem Platz, in welchem Maß, zu welchem Zweck, zu welchem Dienst, in welchem Amt. Der Pharisäer wusste sich nicht zu demütigen, er ward darum erniedrigt; der Zöllner wusste es, er ward darum gerechtfertigt (Luk. 18, 10 ff.). Auch in Überfluß zu leben, verstand Paulus (Phil. 4, 12), weil er ein reiches Herz besaß, wenn auch nicht eines Reichen Schatz. Er verstand es, in Überfluß zu leben, weil er keine Gabe in Geld verlangte, sondern Frucht in der Gnade zu erzielen trachtete. Auch so können wir es verstehen: Er verstand es, in Überfluß zu leben, weil er sprechen konnte: „Unser Mund ist aufgetan gen euch, ihr Korinther, unser Herz ist weit geworden“ (2 Kor. 6, 11). In allem war er heimisch, im Sattwerden und Hungern. Selig, der es verstand, in Christus sich zu sättigen! Nicht eine leibliche, sondern eine geistige Sättigung ist es, welche das Wissen bewirkt. Und mit Recht tut das Wissen not; denn „der Mensch lebt nicht vom Brote allein, sondern von jeglichem Worte Gottes“ (Matth. 4, 4). Wer also so sich zu sättigen und zu hungern verstand, der verstand nach Gott zu hungern, nach Gott zu dürsten, um immer neue Genüsse sich zu verschaffen. Er wusste zu hungern, weil er wusste, dass die Hungernden essen werden. Er wusste und vermochte in Überfluß zu leben, weil er nichts hatte und alles besaß (2 Kor. 6, 10). [102] 

"So ist denn klar, dass Gerechtigkeit Reiche festigt, Ungerechtigkeit sie auflöst. Wie könnte denn Übelwollen den Besitz eines Reiches behaupten, nachdem es nicht einmal eine gewöhnliche Familie zu beherrschen vermag? Es bedarf sonach nicht bloß zur Stütze einer Staatsregierung, sondern auch zur Wahrung privater Rechte im höchsten Grade des Wohlwollens. Eine Hauptstütze ist das Wohlwollen, das bestrebt ist, alle mit Wohltun zu umfangen, durch Gefälligkeiten sich verbindlich zu machen, durch Liebenswürdigkeit sich zu verpflichten. Auch freundliche Rede trägt sehr viel zur Gewinnung der Gunst bei. Aber wir wollen von ihr, dass sie aufrichtig und maßvoll sei, frei von jeder Schmeichelei. Keine Schmeichelworte dürfen die Einfalt und Reinheit der Rede entstellen. Denn wir sollen nicht bloß im Handeln, sondern auch im Sprechen, in der Keuschheit und im Glauben den anderen zum Vorbild sein. Wie wir uns beurteilt wissen wollen, so sollen wir sein und unsere Gesinnung so offenbaren, wie wir sie hegen. Nicht einmal im Herzen sollen wir ein übelwollendes Wort aussprechen, das wir im Schweigen geborgen glauben. Denn der Schöpfer des verborgenen Innern hört auch das im Verborgenen Gesprochene; und der, welcher dem Herzen die Gesinnung eingoß, kennt auch das Heimliche des Herzens. Alles sonach, was wir tun, wollen wir uns, wie unter den Augen eines Richters stehend, ans Licht gestellt denken, so dass es allen offensichtlich ist."  - St. Ambrosius, De off. II, 19
Sehr förderlich ist jedem der enge Anschluß an Gute. Auch Jünglingen frommt der Anschluß an berühmte und weise Männer. Denn wer mit Weisen umgeht, ist ein Weiser; wer hingegen Unverständigen anhängt, gibt sich als Unverständiger zu erkennen. Sowohl zur Bildung wie zum Rufe der Rechtschaffenheit trägt dies sehr viel bei. Es zeigt sich ja an jungen Leuten, dass sie jene nachahmen, denen sie anhängen; und es bestätigt sich die Annahme, dass sie von denen, nach deren Umgang sie lechzen, die gleiche Lebensweise annehmen. Darum war Jesus Nave so groß, weil ihn der innige Verkehr mit Moses nicht nur in die Gesetzeskunde einführte, sondern auch zur Heiligung in der Gnade führte. Es war denn auch Jesus Nave, als man im Zelte des Moses infolge der Gegenwart Gottes die Herrlichkeit des Herrn aufleuchten sah, der einzige, der im Zelte weilte. Moses sprach mit Gott, Jesus ward gleichfalls von der heiligen Wolke bedeckt. Die Ältesten und das Volk standen unten, Jesus stieg mit Moses hinauf, das Gesetz zu empfangen. Das ganze Volk war innerhalb des Lagers, Jesus außerhalb des Lagers im Zelte des Zeugnisses. Da die Wolkensäule sich herabließ und mit Moses redete, stand er als treuer Diener dabei; und der Jüngling trat nicht aus dem Zelte heraus, während die Ältesten in weiter Entfernung davon vor den göttlichen Wundern zitterten (Exod. 24, 13 ff.; 33, 8 ff.). So war er denn überall, bei den offenen Wunderwerken wie bei den insgeheim sich abspielenden Vorgängen der unzertrennliche Jünger an der Seite des heiligen Moses. Daher kam es, dass er, der Gefährte seines Lebens, der Nachfolger in seinem Amte wurde (Deut. 34, 9). Er ward mit Recht ein solcher Held, dass er der Flüsse Lauf zum Stehen brachte (Jos. 3, 15 ff.); dass er ,wie dem Moses war es versagt! (Deut. 34, 4), allein auserkoren wurde, das Volk ins Land der Verheißung zu führen (Jos. 1, 2 ff.). Ein Mann des Glaubens, groß durch Wunder, groß durch Triumphe. Des Moses Werke waren glänzender, die unseres Helden glücklicher. Beide waren, gestützt auf Gottes Gnade, Übermenschen. [103] 

Gar sehr empfiehlt einen die Beschützung der Schwachen und die Übung der Gastfreundschaft. Auch das trägt zur Förderung des guten Rufes bei, wenn man einen Armen den Händen eines Mächtigen entreißt, einen Verurteilten vom Tode errettet, soweit es ohne Aufsehen und Aufregung geschehen kann; es soll ja nicht den Anschein gewinnen, als handelten wir mehr aus Prahlerei denn aus Mitleid und schlügen, während wir leichtere Wunden zu heilen wünschen, schwere. Wenn man nämlich einen bedrängten Menschen, der mehr unter der Gewalttat und Machenschaft eines Mächtigen, als unter der verdienten Strafe für ein Verbrechen leidet, befreit, so gewinnt der gute Ruf, in dem man steht. Gar manchem dient auch die Gastlichkeit zur Empfehlung. Die allgemeine Tugend der Menschenfreundlichkeit verlangt nämlich, dass der Fremde nicht der gastlichen Herberge entrate; dass er zuvorkommend aufgenommen werde; dass ihm beim Kommen die Türe offen stehe. In der ganzen Welt gilt es für überaus edel, Fremde in Ehren aufzunehmen, es nicht am gastlichen Tische fehlen zu lassen, den Gästen mit Erweisen von Freigebigkeit entgegenzukommen, nach ihrer Ankunft sich zu erkundigen. Dieses Lob nun fand Abraham, der vor seiner Türe sich umsah, dass kein Fremdling etwa vorübergehe; der Obacht gab, um einem Gast entgegenzueilen, ihm zuvorzukommen, ihn mit Bitten zu bestürmen, er möchte nicht vorbeigehen. „Herr“, so bat er, „wenn ich Gnade vor dir gefunden habe, so geh nicht vorüber an deinem Diener“ (Gen. 18, 1f). Dafür erhielt er zum Lohn seiner Gastlichkeit die Frucht der Nachkommenschaft (Gen. 18, 10. 14). Ebenso wendete sein Neffe Lot, nicht bloß der Abstammung, sondern auch der Tugend nach sein Nächstverwandter, infolge seiner gastfreundlichen Gesinnung die Strafe der Sodomiten von sich und den Seinigen ab (Gen. 19, 1 ff.). So geziemt es sich denn, gastlich, wohlwollend, gerecht zu sein, nicht fremdes Gut zu begehren, vielmehr, wenn man herausgefordert wird, lieber irgendwie auf sein eigenes Recht zu verzichten, als an fremden Rechten zu rühren, Streitigkeiten zu meiden, Gezänke zu verabscheuen, Eintracht und holden Frieden wiederherzustellen. Ist doch der etwaige Rechtsverzicht von seiten der Guten nicht bloß ein Akt der Freigebigkeit, sondern gar oft auch eine Quelle des Vorteils. Fürs erste ist es kein geringer Gewinn, von Prozesskosten verschont zu bleiben; dazu kommt als weitere Frucht die Mehrung der Freundschaft, aus der so viele Vorteile entspringen, die dem, der für den Augenblick einigen Verzicht leistet, später reichen Segen zeitigen werden. Der Pflichtenkreis der Gastfreundschaft schließt gegen jedermann das Gebot der Menschenfreundlichkeit in sich, ein besonders reiches Maß von Ehrenbezeigung aber gebührt dem Gerechten. Denn „wer immer einen Gerechten im Namen eines Gerechten aufnimmt, wird den Lohn des Gerechten empfangen“(Matth. 10, 41), wie der Herr feierlich versicherte. Soviel gilt Gastfreundschaft bei Gott, dass selbst der Trunk kalten Wassers nicht unbelohnt bleibt (Matth. 10, 42). Doch hat jenes Übel sich längst in den menschlichen Sinn eingeschlichen, wonach Geld als Ehrensache gilt und das Menschenherz von Bewunderung für den Reichtum eingenommen ist. Daher die Habsucht, die wie eine Dürre eingedrungen ist, die den Pflichtenkreis des Guten verheert, so dass der Mensch jeden Aufwand für Verlust erachtet, der über das herkömmliche Maß hinaus gemacht wird. Doch auch in diesem Punkte hat die ehrwürdige Schrift, um jede Schwierigkeit abzuschneiden, die man machen könnte, wider die Habsucht Vorsorge getroffen, indem sie erklärte: „Besser ist die Gastfreundschaft bei Gemüse“ (Prov. 15, 17), und im Folgenden: „Besser ist Brot in Lust genossen mit Frieden“ (Prov. 17,1). Nicht verschwenderisch nämlich, wohl aber freigebig sollen wir nach der Lehre der Schrift sein. Es gibt nämlich zwei Arten des Gebens: die eine besteht in Freigebigkeit, die andere in Verschwendung und Vergeudung. Freigebigkeit ist es, einen Gast aufzunehmen, einen Nackten zu bekleiden, Gefangene loszukaufen, Dürftige durch eine Geldspende zu unterstützen (Matth. 25, 35 f.); Verschwendung ist es, bei kostspieligen Gelagen und reichlichem Weingenuß zu schlemmen. [104] 

So mancher möchte lieber etwas nachsichtig sein, um gut zu erscheinen. Doch das ist gewiß: keine Heuchelei und Verstellung hat mit wahrer Tugend etwas gemein. Ja sie pflegt auch gar nicht von langer Dauer zu sein. Anfänglich gedeiht sie, allmählich verweht und vergeht sie wie eine schwächliche Blüte. Das Wahre und Aufrichtige aber schlägt tiefe Wurzel. Wer durch Geld erkauft oder durch Schmeichelei gewonnen wird, ist nicht verlässlich. [105] 

"Wer möchte sich von jenen Treue versprechen, deren Gehorsam durch Geld erkauft wird? Oder von jenen, die nur durch schmeichelhafte Worte sich dazu bestimmen lassen? Erstere wollen sich oftmals verkaufen lassen, letztere vermögen strenge Befehle nicht zu ertragen. Durch ein leichtes Schmeichelwörtchen lassen sie sich unschwer gewinnen; auf ein Tadelwort hin murren sie, reißen aus, laufen verbittert davon und verlassen einen tief gekränkt. Sie wollen lieber befehlen als gehorchen und glauben von ihren Vorgesetzten, die sie für solche halten sollten, sie seien ihnen gleichsam durch Wohltun ihrerseits verbunden und müssten ihnen daher willfährig sein. Wer nun möchte sich von Leuten Treue erwarten, die er sich, sei es durch Geld, sei es durch Schmeichelei verpflichten zu sollen glaubte? Der Geldempfänger würde sich nur gering und verächtlich eingeschätzt erachten, wenn er nicht oftmals wiedergekauft würde: er erwartet daher häufig seinen Preis. Der offensichtlich an Bitt- und Schmeichelworte Gewöhnte will immer nur gebeten sein." - St. Ambrosius, De off. II, 23
In Ämtern, vor allem kirchlichen Ehrenämtern, halte man sich fern von Eifersüchtelei gegen tüchtige Kleriker, letztere von Anmaßung und Nörgelei gegen ersteren. Gerechtigkeit ohne Ansehen der Person ist der oberste Grundsatz in der Rechtsprechung. "Durch gutes Handeln und in reiner Absicht, glaube ich, soll ein Ehrenamt, besonders ein kirchliches, angestrebt werden. Es sollte hierbei weder hochnäsige Anmaßung oder gleichgültige Nachlässigkeit, noch schimpfliches Strebertum und unziemlicher Ehrgeiz hervortreten. Gerade, aufrechte Gesinnung genügt zu allem und empfiehlt sich hinlänglich selbst. Im Amte aber soll geziemenderweise weder schroffe Strenge noch zu große Nachgiebigkeit walten, um uns nicht den Anschein zu geben, es sei uns bloß um Ausübung der Macht zu tun, oder aber wir füllten keineswegs den übernommenen Dienst aus. Auch soll man sich bestreben, recht viele sich durch Wohltaten und Dienstgefälligkeiten verbindlich zu machen und die dankbare Gesinnung, die sie gegen einen hegen, zu erhalten, damit sie, wenn sie sich einmal schwer beleidigt fühlen, des genossenen Wohltuns mit Recht nicht vergessen. Denn es kommt erfahrungsgemäß oft vor, dass man Leute, die man begünstigte oder zu irgendeiner höheren Stufe beförderte, abstößt, wenn man ihnen jemand zu Unrecht vorziehen zu sollen glaubt. Aber auch dem Priester geziemt es, dass er seine Gewogenheit, die er in seinen Wohltaten und Entscheidungen zum Ausdruck bringt, unter Wahrung der Gerechtigkeit betätigt und einem Presbyter oder Kirchendiener wie einem Bruder Achtung bezeugt. Diese dürfen, weil sie einmal als erprobt befunden wurden, nicht anmaßend werden, sondern lieber im Bewußtsein der empfangenen Gnade demütig bleiben; der Priester aber soll nicht Anstoß daran nehmen, wenn ein Presbyter oder ein Diener oder sonst ein Mitglied des Klerus durch seine Mildtätigkeit oder Enthaltsamkeit oder Unbescholtenheit oder Gelehrsamkeit oder Schriftbelesenheit in der Achtung steigt. Denn die Gunst der Gemeinde bedeutet Lob für den Lehrer. Gut, wenn das Wirken eines Klerikers Lob findet, doch so, dass ihm jede Ruhmsucht fern liegt. Des Nächsten Lippen, und nicht sein eigener Mund sollen ihn loben, sein Wirken, nicht Strebertum ihn empfehlen. Sollte übrigens jemand dem Bischof nicht gehorchen und darauf ausgehen, sich selbst zu überheben und großzumachen, die Verdienste des Bischofs dagegen durch erheuchelte Gelehrsamkeit oder Demut oder Mildtätigkeit in Schatten zu stellen, so ist er ein vom Wahren abgeirrter, hochmütiger Mensch; denn die Regel der Wahrheit verlangt, nichts zur eigenen Empfehlung zu tun um den Preis der Verkleinerung eines anderen, und nicht das Gute, das man etwa hat, zur Bemängelung und Verunglimpfung des Nächsten zu betätigen. Tritt nicht für einen Schlechten ein und glaube nicht einem Unwürdigen das Heilige anvertrauen zu sollen!" Wie kann man also einem Sarazenen zum Beispiel den Religionsunterricht anvertrauen, wie es in Deutschland heute vielfach geschieht? [106] 

Ob reich oder arm: "in Christus ist das einerlei. Auch ein Heiliger darf nicht größere Ansprüche machen; denn für ihn geziemt sich noch größere Demut. Sodann aber fort mit jeder Rücksichtnahme auf die Person des Nächsten bei der Rechtsprechung! Fort mit Begünstigung! Nach Gebühr soll der Fall entschieden werden. Nichts belastet den Ruf, oder vielmehr den Glauben so sehr, als wenn man in der Rechtsprechung die Sache eines Niedereren dem Mächtigeren ausliefert, oder einen unschuldigen Armen beschuldigt, den schuldigen Reichen entschuldigt. Ist doch das Menschengeschlecht geneigt, Höhergestellte zu begünstigen, damit sie sich nicht beleidigt, nicht, weil unterlegen, gekränkt fühlen. Doch fürs erste brauchst du, wenn du Anstoß fürchtest, das Urteil nicht übernehmen, brauchst, wenn du Priester oder sonst jemand bist, nicht den Herausfordernden machen. Es ist dir gestattet, wenn es sich lediglich um eine Geldangelegenheit handelt, zu schweigen, obschon Charakterfestigkeit ein Eintreten für Recht und Gerechtigkeit verlangte. In einer Sache Gottes aber, wo das allgemeine Wohl auf dem Spiel steht, wäre schon bloßes Schweigen aus Verstellung keine geringe Sünde." Hier haben zwei wichtige Würdenträger des Christentums in Deutschland versagt, als sie öffentlichkeitswirksam vor den Sarazenen in Jerusalem ihr Kreuz abnahmen! [107] 

"Was aber nützte dir die Begünstigung eines Reichen? Oder geschieht es, weil er seinem Gönner eher lohnt? Nur zu oft gilt ja denen unsere Gunst, von denen wir eine Vergeltung derselben erwarten. Um so mehr aber gebührt es sich, uns des Schwachen und Dürftigen anzunehmen, indem wir uns statt vom Armen, der nicht dazu in der Lage ist, vom Herrn Jesus den Lohn erhoffen. Er stellte ja unter dem Bilde des Gastmahles (Luk. 14, 7 ff.) die allgemeine Regel auf, dass wir lieber denen unser Wohltun zuwenden sollen, die es uns nicht erwidern können, indem er zeigte, wie zu Gastmahlen und Gelagen nicht die Reichen, sondern die Armen zu laden sind. Denn Reiche, den Anschein weckt es, bittet man zu Gaste, dass auch sie uns hinwiederum zu Gaste laden: Arme, die nicht in der Lage sind, für das Empfangene eine Gegenleistung zu bieten, machen uns den Herrn zum Vergelter, der sich als Bürgen für den Armen erboten hat. Auch rein weltlich betrachtet, hat das Wohltun gegen Arme mehr für sich als das gegen Reiche, weil der Reiche auf Wohltun verzichtet und Dankespflicht als beschämend empfindet. Ja er schreibt anmaßend die Wohltat, die ihm erwiesen wurde, seinen Verdiensten zu: die empfangene Gabe sei ihm entweder gleichsam geschuldet gewesen, oder aber deshalb gespendet worden, weil der Spender vom Reichen eine um so ansehnlichere Gegengabe erwarte. Reiche glauben also, wenn sie eine Wohltat entgegennehmen, gerade wegen dieses Entgegennehmens mehr Geber denn Nehmer zu sein. Der Arme hingegen stattet, wenn er auch kein Geld zur Wiedererstattung hat, Dank ab und erstattet damit sicherlich mehr, als er empfangen hat. Geldschuld trägt sich mit dem Hinzählen des Geldes ab, Dankbarkeit erschöpft sich nimmer. Der Geldsäckel leert sich mit der Rückzahlung, Dankbarkeit hingegen erstattet man dadurch, dass man sie hat, und hat man dadurch, dass man sie erstattet. Was ferner dem Reichen widerstrebt: der Arme gesteht zu, dass er sich als Schuldner verpflichtet fühle und hält es nicht unter seiner Würde, dass er unterstützt wurde. Er ist überzeugt davon, dass ihm die Kinder geschenkt, das Leben zurückgegeben, die Familie erhalten worden sei. Wieviel besser also ist es, seine Wohltat Guten statt Undankbaren in die Hand zu legen! Daher die Mahnung des Herrn an seine Jünger: „Besitzet nicht Gold, nicht Silber, noch Geld!“ (Matth. 10, 9) Wie mit einer Sichel schnitt er damit die in der Brust des Menschen wuchernde Habsucht ab. Desgleichen beteuert Petrus dem Lahmen, den man vom Mutterleibe an tragen musste: „Silber und Gold habe ich nicht; aber was ich habe, gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi des Nazareners steh auf und wandle!“(Apg. 3, 6) Nicht Geld spendete er, die Gesundheit spendete er. Wie unvergleichlich besser ist Gesundheit ohne Geld, als Geld ohne Gesundheit! Der Lahme konnte sich erheben, was er nicht erwartete; Geld empfing er nicht, das er erwartete." - St. Ambrosius, De off. II, 25
Wie töricht, dass man nur den Vermögenden für ehrenwert hält! Übrigens ist die Bewunderung des Reichtums so Sitte bei den Menschen geworden, dass niemand als der Reiche für ehrenwert gilt. Dieser Brauch ist nicht neu. Auch nach Cicero ist die Bewunderung des Reichtums eine Quelle sittlicher Verderbtheit. "Schon längst, und das ist noch schlimmer, hat sich vielmehr dieses Übel im Menschengeiste eingebürgert. Machte doch, als die große Stadt Jericho auf den Schall der Priestertrompeten eingestürzt war und Jesus Nave den Sieg davon trug (Jos. 6f), letzterer die Beobachtung, dass die Tugend des Volkes durch Habsucht und Goldgier geschwächt sei. Denn als Achan von der Beute der eingeäscherten Stadt ein goldenes Gewand und zweihundert Doppeldrachmen Silber und eine goldene Zunge fortgenommen hatte, vermochte er es, vor den Herrn gestellt, nicht zu leugnen, sondern gestand den Diebstahl ein. Etwas Uraltes ist sonach die Habsucht. Ihr Anfang fällt mit dem Eintritt des göttlichen Gesetzes selbst zusammen, ja gerade zu ihrer Unterdrückung wurde das Gesetz gegeben (Exod. 20, 17). Aus Habsucht, so meinte Balak, lasse sich Balaam durch Belohnungen gewinnen, dem Volke der Väter zu fluchen. Und die Habsucht hätte auch den Sieg davongetragen, hätte nicht der Herr ihm befohlen, von der Verfluchung abzustehen (Num. 22, 2 ff.). Aus Habsucht war Achan gefallen und hatte das ganze Vätervolk ins Verderben gestürzt." Jesus Nave konnte der Habsucht nicht Einhalt tun, dass sie nicht um sich greife. Beim Fortschreiten der Habsucht verlor er beinahe den Sieg (Jos. 10, 12 ff.). "Wie? Beirrte nicht des Weibes Dalila Habsucht den Stärksten von allen, Samson? (Richt. 16, 4 ff.) Er, der einen brüllenden Löwen mit seinen Händen zerriß (Richt. 14, 5 f.); der gebunden und den Fremden ausgeliefert, allein die Fesseln sprengte, ohne dass ihm jemand half, und tausend Mann von ihnen tötete; der Seile, aus Sehnen geflochten, wie schwache Spartonfäden zerriß (Richt. 15, 9 ff.): er beugte seinen Nacken auf die Knie eines Weibes, ließ sich scheren und verlor so den Schmuck seines unbesieglichen Haares, den einzigartigen Vorzug seiner Kraft. Das Geld floß in den Schoß des Weibes, und die Gnade wich vom Helden (Richt. 16, 18 f.). Verderblich also ist die Habsucht, verführerisch das Geld, das die Besitzenden mit Schuld befleckt, den Nichtbesitzenden nicht frommt. Gesetzt aber, das Geld komme einmal auch einem Geringeren zunutze, freilich auch ihm nur, weil er danach verlangte: warum wendet man sich mit seinem Interesse nicht auch jenem zu, der nicht danach verlangt, der nicht darauf ausgeht, der kein Bedürfnis nach solcher Hilfe empfindet? Warum nur anderen, wenn nämlich der Besitzende besonders vermöglich ist? Ist dieser vielleicht deshalb ehrenwerter, weil er einen Besitz hat, durch den die Ehrenhaftigkeit so oft verloren geht? Eine Habe, die er mehr zu bewahren als zu besitzen hat? Denn nur das besitzen wir, was uns zum Gebrauch dient; was darüber hinausgeht, das bringt wahrlich keine Besitzfrucht, sondern nur die Gefahr der Bewachung." [108] 

Ambrosius rechtfertigt die von den Arianern beanstandete Einschmelzung der Kirchengefäße zum Loskauf von Gefangenen. "So haben auch wir uns einmal gehässige Vorwürfe zugezogen, weil wir die gottesdienstlichen Gefäße zerbrechen ließen, um damit Gefangene loszukaufen. Nur den Arianern konnte das missfallen. Es handelte sich auch weniger um das Missfallen an dem Vorgang als darum, an uns etwas zu tadeln zu haben. Wer aber wäre so felsenhart, grausam, eisern, dass ihm der Loskauf eines Mannes vom Tode, einer Frau von den Schändlichkeiten der Barbaren, die noch härter denn der Tod sind, von Jünglingen und Knaben, ja Kindern von der ansteckenden Seuche des Götzendienstes, von der sie sich aus Angst vor dem Tode verunreinigen ließen, missfiele? Obwohl wir diesen Schritt ohne irgendwelche Rechenschaft zu schulden tun konnten, haben wir uns gleichwohl auch beim Volke darüber in dem Sinn geäussert, dass wir offen darlegten, es sei viel zweckdienlicher gewesen, die Seelen als das Gold dem Herrn zu bewahren. Er, der die Apostel ohne Gold aussendete (Matth. 10, 9), hat auch die Kirche ohne Gold vereinigt. Die Kirche besitzt das Gold nicht, um es aufzubewahren, sondern um es aufzuwenden, um den Nöten abzuhelfen. Was braucht es auch eine Sache nutzlos aufbewahren? Oder wissen wir nicht, wieviel Gold und Silber die Assyrer vom Tempel des Herrn fortgeschleppt haben? (2 Kön. 24, 13) Schmelzen nicht die Priester, wenn es sonst an Mitteln gebricht, es zum Unterhalt der Armen besser ein, als dass ein frevler Feind es verunehrt und fortschleppt? Würde nicht der Herr sprechen: Warum hast du es gelitten, dass so viele Arme des Hungers sterben? Und doch hattest du Gold. Hättest du dafür Nahrung geboten! Warum wurden so viele Gefangene als Kriegsbeute abgeführt und vom Feinde getötet, ohne dass man sie loskaufte? Besser wäre es gewesen, die lebendigen Gefäße zu bewahren als die metallenen. Auf diese Fragen ließe sich keine Antwort geben. Wie hätte man entgegnen können: Ich fürchtete, es möchte dem Tempel Gottes an Schmuck gebrechen? Er hätte erwidert: die Geheimnisse verlangen kein Gold; und was sich um Gold nicht kaufen lässt, verdankt auch Goldesglanz nicht seinen Reiz. Der Loskauf der Gefangenen gereicht den Geheimnissen zur Zierde. Kostbare Gefäße fürwahr sind jene, welche die Seele vom Tode erkaufen. Das ist der wahre Schatz des Herrn, der bewirkt, was das Blut Christi bewirkt hat. Da erkennt man das Gefäß mit dem Blute des Herrn, wenn man in beiden Erlösung schaut: im Kelch die Erlösung derer vom Feinde, welche das Blut von der Sünde erlöste. Wie schön, wenn sich von den Scharen der Gefangenen, welche von der Kirche losgekauft wurden, sagen lässt: Diese hat Christus losgekauft! Sieh, ein Gold, das erprobt ist! Sieh, ein Gold, das frommt! Sieh, das Gold Christi, das vom Tode befreit!" Solches Gold wahrte der heilige Märtyrer Laurentius dem Herrn auf. Als man nämlich von ihm die Kirchenschätze forderte, versprach er dieselben aufzuzeigen. Am folgenden Tage führte er die Armen vor. Auf die Frage, wo die Schätze wären, die er versprochen hatte, zeigte er auf die Armen und sprach: "Das sind die Schätze der Kirche. Und fürwahr Schätze, die Christus in sich bergen, die Christi Glauben in sich bergen! So sprach auch der Apostel: „Wir haben diesen Schatz in irdenen Gefäßen“ (2 Kor. 4, 7). Welche bessere Schätze hätte Christus als jene, denen er selbst nach seiner Versicherung innewohnt? Denn so steht geschrieben: „Ich hungerte, und ihr gabt mir zu essen; ich dürstete, und ihr gabt mir zu trinken; ich war fremd, und ihr nahmt mich auf“ (Matth. 25, 35). Und im folgenden: „Denn was ihr einem von diesen getan habt, das habt ihr mir getan“ (Matth. 25, 40). Welche bessere Schätze hat Jesus als die, worin er selbst geschaut zu werden wünscht? Diese Schätze zeigte Laurentius vor, und er blieb Sieger, weil selbst der Verfolger sie nicht rauben konnte. Als Joachim bei der Belagerung das Gold zurückhielt, statt es zur Beschaffung von Nahrungsmitteln zu verwenden, musste er sehen, wie einerseits das Gold geraubt, andrerseits er selbst in die Gefangenschaft abgeführt wurde (2 Kön. 24, 10 ff.). Laurentius, der das Gold der Kirche lieber an die Armen verteilen, als für den Verfolger aufbewahren wollte, empfing für seine einzigartig geistreiche Deutung die heilige Martyrkrone. Hat man nun etwa dem Laurentius entgegengehalten: Du durftest die Schätze der Kirche nicht aufwenden, die gottesdienstlichen Gefäße nicht verkaufen? Erforderlich ist, dass einer ein solches Handeln in reiner Absicht und aus offensichtlicher Fürsorglichkeit vollbringt. In der Tat, wenn jemand Aufwendungen zu seinem Vorteil macht, so ist es ein Verbrechen; wendet er es für die Armen auf, kauft er einen Gefangenen los, so ist es Barmherzigkeit. Denn niemand kann sagen: Wozu lebt der Arme? Niemand kann den Loskauf von Gefangenen bedauern. Niemand kann Klage erheben, dass ein Tempel Gottes erbaut wurde. Niemand kann darüber ungehalten sein, dass man zur Bestattung der leiblichen Überreste der Gläubigen geräumige Plätze schuf. Niemand kann es leid tun, dass die Toten ihre Ruhe in den Grabstätten der Christen finden. Auf solche dreifache Art ist es gestattet, Kirchengefäße, selbst geweihte, zu zerbrechen, einzuschmelzen und zu veräußern. Darauf ist notwendig zu sehen, dass kein geformter gottesdienstlicher Becher aus der Kirche fortkomme, damit der heilige Kelch nicht lasterhaftem Gebrauche dienstbar gemacht werde. Man sah sich darum innerhalb der Kirche zunächst nach den ungeweihten Gefäßen um, schlug sie hierauf klein, schmolz sie endlich ein und verteilte sie in kleinen Stücken unter die Dürftigen. Ebenso kamen sie den Gefangenen zugute. Fehlt es an neuen und ungeweihten Gefäßen, können meiner Überzeugung nach alle zu solchen Zwecken, wie wir sie oben aufführten, mit gutem Gewissen verwendet werden." Laurentius gibt den Armen, nicht jedoch den Antichristen, den Sarazenen, die sich Christus entgegenstellen:"Das sind die Schätze der Kirche. Und fürwahr Schätze, die Christus in sich bergen, die Christi Glauben in sich bergen!" Es geht nicht darum Sarazenen oder Muslime auf muslimischen Friedhöfen zu begraben, sondern: "Niemand kann darüber ungehalten sein, dass man zur Bestattung der leiblichen Überreste der Gläubigen geräumige Plätze schuf. Niemand kann es leid tun, dass die Toten ihre Ruhe in den Grabstätten der Christen finden." [109] 

Heliodors abschreckendes Beispiel oder wie man sich dem Übergriff der Mächtigen wehrt, wie Ambrosius selbst wiederholt und der Bischof von Ticinum dem Kaiser Widerstand geleistet haben. Ausschließlich auf den Namen der Witwen wurde, wie wir in den Büchern der Makkabäer (2 Makk. 3, 4 ff.) lesen, die ganze Summe, die dem Tempel anvertraut war, aufbewahrt. "Als nämlich Anzeige von den Geldern erstattet wurde, die, wie der gottlose Simon dem Könige Antiochus verriet, in großer Menge im Tempel zu Jerusalem zu finden waren, wurde Heliodor als Sachwalter abgesandt. Er kam zum Tempel und eröffnete dem Hohenpriester die traurige Anzeige und den Grund seiner Ankunft. Darauf erklärte der Priester, es sei die Hinterlage zum Unterhalte der Witwen und Waisen. Als Heliodor trotzdem an deren Raub gehen und sie dem königlichen Fiskus zu eigen machen wollte, warfen sich die Priester, mit der priesterlichen Kleidung angetan, vor den Altar und riefen unter Tränen zum lebendigen Gott, der das Gesetz über die Hinterlage gegeben hatte, er möchte sich als Beschützer seiner Gebote zeigen. Die Gesichtsfarbe des Hohenpriesters aber war verändert und verriet den Schmerz der Seele und den Kummer des tieferschütterten Herzens. Alles weinte, weil die Stätte der Verachtung anheimfallen müsse, wenn nicht einmal mehr im Tempel Gottes sich eine verlässliche, sichere Hut durchhalten lasse. Weiber, die Brust umgürtet, und weltabgeschlossene Jungfrauen klopften an die Türe: die einen liefen den Mauern zu, andere lugten zum Fenster heraus; alles streckte die Hände zum Himmel und flehte, der Herr möge seine eigenen Gesetze schützen. Aber auch hierdurch ließ Heliodor sich nicht abschrecken. Er beschleunigte sein Vorhaben und hatte eben mit seinen Trabanten den Tempelschatz umringt. Da erschien ihm plötzlich ein furchtbarer Reiter, in goldener Waffenrüstung blitzend; sein Roß aber war mit einer Prachtdecke geschmückt. Noch weitere zwei Jünglinge erschienen, von leuchtender Kraft und holder Anmut, in herrlichem Glanze und kostbarem Gewande. Sie umringten ihn und geißelten den Tempelschänder ununterbrochen mit fortgesetzten Hieben. Wozu viele Worte? Von Finsternis umgeben, stürzte er zur Erde und lag, ein augenscheinlicher Beweis von Gottes Eingreifen, entseelt am Boden, und kein Hoffnungsstrahl auf Rettung ruhte auf ihm. Da überkam die Fürchtenden Freude, die Übermütigen Furcht, und niedergeschmettert baten einige von den Freunden Heliodors den Onias, er möchte um dessen Leben bitten. Schon lag er nämlich in den letzten Zügen. Während nun der Hohepriester betete, erschienen dem Heliodor wiederum die nämlichen Jünglinge im nämlichen Gewande mit der Aufforderung: Dem Hohenpriester Onias sage Dank; denn um seinetwillen ward dir das Leben wieder geschenkt! Du aber geh, nachdem du die Geißel des Herrn gekostet, und verkündige all den Deinigen, wie groß des Tempels Heiligkeit und Gottes Macht ist, die du kennen lerntest! Nach diesen Worten waren sie nicht mehr zu sehen. Heliodor nun brachte, nachdem er den Lebensodem zurückerhalten hatte, dem Herrn ein Opfer dar, sprach dem Priester Onias seinen Dank aus und kehrte mit dem Heere zum König zurück, zu dem er sprach: Hast du einen offenen Feind oder einen geheimen Gegner deiner Sache, schicke ihn dorthin, und du wirst ihn gezüchtigt zurückbekommen. So verlangen denn, meine Söhne, hinterlegte Gelder Treue und Sorgfalt. Herrliches Licht fällt auf euren Dienst, wenn der unerträglichen Bedrückung, sei es einer Witwe, sei es von Waisen durch einen Mächtigen mit Hilfe der Kirche ein Damm gesetzt wird; wenn ihr zeigt, dass bei euch das Gebot des Herrn mehr gilt als die Gunst eines Reichen. Ihr erinnert euch selbst, wie oft wir Übergriffen der Regierung gegenüber den Kampf für der Witwen, ja für jedermanns Hinterlagen aufgenommen haben. Ich teile mich in eure Aufgabe. Ein neues Beispiel aus der Kirche von Ticinum möchte ich anführen. Sie stand in Gefahr, die Hinterlage einer Witwe, die sie übernommen hatte, zu verlieren. Auf die Aufforderung des Beamten, der kraft kaiserlichen Reskriptes dieselbe zu sich nehmen wollte, wahrten die Kleriker ihren Standpunkt nicht. Da ihnen auch noch Ehre angetan und die Vermittlung übertragen wurde, berichteten sie, man könne doch den Verordnungen des Kaisers nicht entgegentreten. Der Erlaß, der nur in allzu bestimmter Form lautete, und die Weisungen des obersten Beamten wurden verlesen, das ausführende Organ drohte. Kurz, der Auslieferung war stattgegeben worden. Der heilige Bischof jedoch nahm, nachdem er mit mir Rat gepflogen hatte, die Schränke, wohin jene Hinterlage der Witwe, wie er wusste, gebracht war, in Beschlag. Da man sie also nicht fortschaffen konnte, wurde ein schriftliches Protokoll darüber aufgenommen. Später wurde das Geld neuerdings schriftlich gefordert. Wiederholt hatte der Kaiser Befehl gegeben zu einer persönlichen Zusammenkunft mit uns. Sie wurde abgelehnt. Erst nachdem dem Kaiser die Autorität des göttlichen Gesetzes und der Text der einschlägigen Schriftlesung sowie Heliodors Gefahr auseinandergesetzt worden waren, nahm er endlich zur Not Vernunft an." Heute gibt es vielleicht keine Gesandten des Königs, die wie "Heliodor trotzdem an deren Raub gehen und sie dem königlichen Fiskus zu eigen machen wollte" aber es gibt insbesondere Beamte in deutschen Finanzämtern, die mit Hilfe neuer Gesetze oder fadenscheiniger Gründe christlichen Organisationen, Kirchen und Unternehmen ihr dringend benötigtes Kapital rauben, obwohl man hofft, dass sie "endlich zur Not Vernunft" annehmen. [110] 

"Der Friede, der allen Begriff übersteigt (Phil. 4, 7), walte unter euch! Liebet einander! Nichts ist süßer als die Liebe, nichts köstlicher als der Friede. Und ihr selbst wisst, dass ich euch stets mehr als alle anderen geliebt habe und liebe. Wie Söhne eines Vaters seid ihr in der Bruderliebe geeint. Haltet fest am Guten! (1 Thess. 5, 21) Und der Gott des Friedens (1 Thess. 5, 23. 2 Thess. 3, 16. 1 Kor. 14, 33) und der Liebe (1 Joh. 4, 8. 16) wird mit euch sein im Herrn Jesus, dem Ehre, Ruhm, Herrlichkeit und Macht gebührt samt dem Heiligen Geist in alle Ewigkeiten." - St. Ambrosius, De off. II, 30

Vom Verhältnis des Nützlichen zum Sittlichguten; nicht erst Scipio, schon David, Moses, die Apostel, Elias, Elisäus verstanden es, in der Einsamkeit nicht vereinsamt, in der Muße nicht müßig zu sein

Der Prophet David lehrte uns, in unserem Herzen wie in einem geräumigen Hause wandeln und mit ihm wie mit einem guten Wohnungsgenossen verkehren, wie er selbst auch mit sich redete und plauderte. So heißt es: „Ich sprach: ich will acht haben auf meine Wege“ (Ps. 39, 2). Auch sein Sohn Salomo mahnt: „Trink Wasser aus den eigenen Gefäßen und aus den Quellen deiner Bronnen“ (Prov. 5, 15), d. i. schöpfe aus der eigenen Einsicht! Denn „tiefes Wasser ist die Einsicht im Herzen des Mannes“ (Prov. 20, 5). „Kein Fremder“, fährt er fort, „teile sich mit dir darein! Dein Wasserquell gehöre dir allein, und deine Freude habe an dem Weibe, das dein eigen von Jugend auf! Ein freundschaftlicher Hirsch und ein freundliches Füllen mögen mit dir plaudern!“ (Prov. 5, 17-19) Nicht Scipio war also der erste, der es verstand, nicht allein zu sein, wenn er allein war, und ebensowenig müßig, wenn er müßig war. Nach Cicero, bzw. nach dessen Gewährsmann Cato pflegte P. Scipio Afrikanus zu sagen, er fühle sich niemals weniger müßig als in der Muße und niemals weniger allein, als wenn er allein sei. Vor ihm verstand es Moses, der, da er schwieg, schrie (Exod. 14, 15), da er müßig stand, kämpfte, und nicht bloß kämpfte, sondern auch über die Feinde, ohne mit ihnen in Berührung gekommen zu sein, triumphierte: so müßig, dass andere ihm sogar die Hände stützten, und doch nicht weniger tätig wie die übrigen, indem er mit seinen müßigen Händen den Feind bezwang, den die Kämpfenden nicht zu besiegen vermochten (Exod. 17, 9 ff). So also redete Moses im Schweigen und war tätig in der Muße. Wessen Tätigkeit aber überträfe an Bedeutung seine Muße? Empfing er doch nach vierzigtägiger Zurückgezogenheit auf dem Berge das ganze Gesetz (Exod. 24, 12 ff.). Selbst in jener Einsamkeit fehlte es nicht an jemand, der mit ihm sprach. Daher denn auch Davids Wort: „Ich will hören, was Gott der Herr in mir spricht“ (Ps. 85, 9). Und wie unvergleichlich mehr bedeutet Gottes Sprechen mit einem als das Selbstgespräch, das einer führt! Die Apostel gingen vorüber, und ihr Schatten heilte die Kranken (Apg. 5, 15 f.). Man berührte ihre Kleider und erlangte Gesundung (Apg. 19, 12). Elias sprach nur ein Wort, und der Regen hielt inne und fiel drei Jahre und sechs Monate nicht mehr zur Erde. Wiederum sprach er, und der Mehltopf nahm nicht ab, und das Ölgefäß wurde während der ganzen Zeit der langen Hungersnot nicht leer (1 Kön. 17, 1 ff.). Und weil man so gern an Kriegsereignissen seine Freude hat: was ist großartiger, mit wuchtigen Armen oder mit bloßen Verdiensten das Ende einer Schlacht herbeigeführt zu haben? Elisäus blieb am gleichen Platz sitzen, und der König von Syrien zog mit großer Kriegsmacht wider das Vätervolk heran, bedrohte es einmal über das andere Mal mit mannigfachen tückischen Anschlägen und suchte ihm mit Hinterlist und Hinterhalt beizukommen. Doch der Prophet durchschaute alle seine Vorkehrungen, deckte den Seinigen, im Geiste mit Gottes Gnade überall zugegen, die Absichten der Feinde auf und machte auf die Orte aufmerksam, vor denen man sich zu hüten hätte. Sobald das dem Könige von Syrien kundgetan ward, sandte er ein Heer aus und ließ den Propheten einschließen. Elisäus betete und bewirkte, dass all jene, die gekommen waren ihn einzuschließen, mit Blindheit geschlagen wurden und Samaria als Gefangene betraten (2 Kön. 6, 8 ff.). Vergleichen wir solche Muße mit der Muße anderer. Andere pflegen zum Ausruhen ihren Geist von Beschäftigungen abzulenken, vom Verkehr und Umgang mit Menschen sich zurückzuziehen und entweder auf das stille Land zu gehen und einsame Plätzchen aufzusuchen, oder aber in der Stadt den Geist abzuspannen und der Ruhe und Erholung zu frönen. Elisäus hingegen verhilft auf dem Karmel einer Unfruchtbaren unerwartet zur Leibesfrucht, nachdem er das Hindernis der Zeugung beseitigt hatte (2 Kön. 4, 16 f.); oder erweckt Tote (2 Kön. 4, 32ff.); oder schafft einem Aussätzigen durch Reinigung (2 Kön. 5, 1 ff. ), oder in der Zeit der Dürre durch Regen, oder in der Zeit der Hungersnot durch Fruchtbarkeit Wandel (2 Kön. 8, 1 ff.). Wann wäre denn der Gerechte allein, nachdem er stets mit Gott weilt? Wann wäre er vereinsamt, nachdem er nimmer von Christus sich trennt? „Wer wird uns“, so heißt es, „von der Liebe Christi trennen?“ (Röm. 8, 35) [111] 
 

Das willst du Menschlichkeit nennen, wo Unrecht auf Unrecht sich häuft? Sklavenart ist heimlicher Diebstahl, der Reichen Art öffentliche Erpressung; natürliches und christliche Sittengesetz

Naturgesetz wie göttliches und staatliches Gesetz verbieten, den Nächsten um des eigenen Vorteils willen zu benachteiligen. Cicero findet die gleiche Forderung begründet 1. im Staatswohl, das kraft des Naturrechtes und Gesetzes sie erheben kann und muss; 2. in der natürlichen Bestimmung des Menschen, wonach der einzelne für die Gesamtheit sich hingeben muss; 3. in der Interessengemeinschaft des ganzen Menschengeschlechtes, das nun einmal neben- und miteinander zu leben hat. Bei Ambrosius erfährt die Begründung mit dem Hinweis auf Christi Vorbild und Gottes Offenbarungswillen noch eine wesentliche Bereicherung und Vertiefung, die sich bei den Stoikern, Arianern und später Sarazenen nicht finden lässt. [112] 
"Wer aller Wohlgefallen wünscht, suche nicht seinen Nutzen, sondern den der großen Mehrheit, wie ihn Paulus suchte. Denn das heißt Christus gleichförmig werden: nicht nach fremdem Gute auslangen, nichts vom Nächsten ergattern, um es sich anzueignen. Christus der Herr nämlich, da er doch in Gottes Gestalt war, entäusserte sich, so dass er Menschengestalt annahm (Phil. 2, 6 f.), um sie mit den Tugendschätzen seines Wirkens zu bereichern. Du nun willst den berauben, den Christus ausstattete? Du willst den ausziehen, den Christus bekleidete? Denn das tust du, wenn du zum Nachteil des anderen deine eigenen Glücksgüter zu mehren trachtest. Bedenke, o Mensch, woher du deinen Namen bekommen hast! Von der Erde doch, die niemand etwas nimmt, sondern allen alles gibt und allen Lebewesen ihre mannigfaltigen Früchte zum Genusse darbietet. Daher der Name Menschlichkeit für jene besondere, dem Menschen eignende Tugend, die sich dem Nebenmenschen hilfreich erweist. Schon die Gestalt deines Leibes und die Tätigkeit deiner Glieder mag dich belehren. Maßt sich etwa ein Glied an dir die Dienste eines anderen an? Maßt sich das Auge den Dienst des Mundes, oder der Mund den Dienst des Auges, oder die Hand den Dienst der Füße, oder der Fuß den Dienst der Hände an? (1 Kor. 12, 12 ff. Röm. 12, 5) Ja selbst die rechte und die linke Hand haben vielfach ihre unterschiedlichen Dienste, so dass es naturwidrig wäre, würde man die Tätigkeit der beiden vertauschen. Eher ließe sich der ganze Mensch verkehren als die Dienste seiner Glieder: wenn man mit der Linken Speise nähme, oder mit der Rechten eine Tätigkeit der Linken verrichtete, wie die Beseitigung von Speiseresten, es würde denn der Notfall es erfordern. Setze den Fall und gib dem Auge die Kraft, dass es dem Haupte den Sinn, den Ohren das Gehör, dem Geiste die Gedanken, der Nase den Geruch, dem Munde den Geschmack nehme und sich selbst aneigne: würde das nicht die ganze Anlage der Natur aufheben? Daher der schöne Ausspruch des Apostels: „Wenn der ganze Leib Auge wäre, wo wäre das Gehör? Wenn der ganze Leib Gehör wäre, wo wäre der Geruch? (1 Kor. 12, 17) Alle sind wir sonach ein Leib und dessen verschiedene Glieder, doch alle dem Leibe notwendige Glieder. Denn es kann nicht ein Glied vom anderen sagen: es ist mir nicht vonnöten. Vielmehr sind sogar die anscheinend schwächeren Glieder weitaus die notwendigeren (1 Kor. 12, 21 f) und erfordern zumeist die größere Sorgfalt für ihren Schutz. Und wenn ein Glied leidet, leiden alle mit ihm. Wie sündhaft ist es also, einen irgendwie zu schmälern, mit dem wir Mitgefühl haben sollten, und einen zu hintergehen und zu schädigen, dem wir teilnehmenden Dienst schulden! Ist dies doch ein Naturgesetz, das uns zu jeglicher Menschlichkeit verpflichtet: Wir sollen gegenseitig, einer dem andern, als Glieder eines Leibes zu Diensten stehen und nicht glauben, uns irgendeine Schmälerung erlauben zu dürfen, nachdem schon das Nichthelfen wider das Naturgesetz verstößt. Denn also treten wir ins Leben, dass zwischen den Gliedern Übereinstimmung herrscht, eines dem anderen anhängt, in gegenseitiger Dienstleistung untereinander Willfährigkeit herrscht. Lässt es nur eines an seiner Verrichtung fehlen, werden alle anderen behindert. Risse beispielsweise die Hand das Auge aus, hätte sie sich nicht damit die Ausübung ihrer Tätigkeit abgeschnitten? Würde sie den Fuß verletzen, wie viele ersprießliche Handlungen würde sie sich selbst versagen! Wie unvergleichlich schlimmer wäre die Schädigung des ganzen Menschen als die eines Gliedes! Liegt nun in einem Gliede die Verletzung des ganzen Leibes vor, so wird auch in einem Menschen die Gemeinschaft der ganzen Menschheit untergraben: man verletzt die Natur des Menschengeschlechtes und die Gemeinschaft der heiligen Kirche, die durch die Einheit des Glaubens und der Liebe zu einem fest verbundenen und gefügten Leibe ersteht." - St. Ambrosius, De off. III, 3

"Das willst du Menschlichkeit nennen, wo Unrecht auf Unrecht sich häuft? Das haben wir vor den übrigen lebenden Wesen voraus, dass die einen Arten von ihnen nichts von einem Mitteilen wissen, die wilden Tiere aber auf Raub ausgehen, der Mensch mitteilsam ist. Daher des Psalmisten Wort: „Der Gerechte ist mitleidig und teilt aus“ (Ps. 37, 21). Wohl gibt es Wesen, denen auch die wilden Tiere etwas zutragen. Sie nähren ja durch Zutragen ihre Brut. Und auch die Vögel atzen ihre Jungen mit Speise. Dem Menschen allein aber war es verliehen, allen Nahrung zu reichen, als wären sie die Seinigen. Er schuldet das schon kraft des Naturgesetzes. Wenn nun schon ein Nichtgeben pflichtwidrig wäre, wie könnte eine Benachteiligung erlaubt sein? Belehren uns nicht auch die Gesetze hierüber? Verlangen sie doch in erhöhtem Maße Rückerstattung des Schadens, der einem unter persönlicher oder unter Sachverletzung zugefügt wurde, um so den Dieb, sei es durch Strafen von Schädigung abzuschrecken, sei es durch Geldbuße davon zurückzuhalten." Ib.

"Sklavenart ist heimlicher Diebstahl, der Reichen Art öffentliche Erpressung. Was aber wäre so naturwidrig, als die Schädigung des Nächsten um eines eigenen Vorteiles willen, da doch das natürliche Gefühl einem die Pflicht nahelegt, auf alle seine Sorge auszudehnen, für sie Beschwerden auf sich zu nehmen, der Mühe sich zu unterziehen; da es für jeden als rühmlich gilt, wenn er unter eigenen Gefahren für die Ruhe und den Frieden der Allgemeinheit eintritt; jeder es für viel edler erachtet, wenn er lieber den Untergang des Vaterlandes denn eigene Gefahren abwendete; es für vorzüglicher hält, dass er sein Wirken dem Vaterlande weihte, statt unter tausend Genüssen in Muße ein ruhiges Leben zu führen?" Ib.

Daraus folgt nun, dass der Mensch, der in seiner natürlichen Anlage die Weisung trägt, der Natur zu folgen, unmöglich dem Nächsten schaden darf; dass der Vorteil, den er zu erlangen glaubt, wenn er einen schädigt, die Natur verletzt und nicht so groß ist als der Nachteil, der ihm daraus ersteht. Welch schwerere Strafe gäbe es denn als ein wundes Gewissen im Innern? Welch strengeres Gericht als das eigene, kraft dessen jeder sich vor sich selbst schuldig weiß, sich selbst anklagt, dass er in unwürdigem Verhalten dem Bruder Unrecht getan hat? Die Schrift verurteilt das nicht wenig scharf mit den Worten: „Aus dem Munde der Toren dringt die Rute der Schmach“ (Prov. 14, 3). Der Torheit wird sonach der Mensch geziehen, der Schmach zufügt. Ist das nicht mehr zu fliehen als der Tod, als Verlust, als Not, als Verbannung, als schmerzliche Krankheit? Wer wollte denn ein Leibesgebrechen oder einen Vermögensverlust nicht geringer anschlagen als ein Gebrechen der Seele oder die Einbuße des guten Namens? So hat denn, wie sich klar ergibt, jedermann darauf zu sehen und daran festzuhalten, dass nur das, was der Gesamtheit nützt, zugleich dem einzelnen frommt, und darf nichts für vorteilhaft erachten, was nicht gemeinnützig ist. Wie könnte denn auch das, was allen zum Schaden ist, dem einzelnen von Nutzen sein? [113] 
"Ich wenigstens glaube nicht, dass einer, der der Allgemeinheit nicht nützt, sich selbst nützen kann. Denn wenn es nur ein Naturgesetz für alle gibt, dann gibt es doch auch nur einen Nutzen für alle; dann sind wir durch das Naturgesetz zur Sorge für alle verpflichtet. Wer also für den Nächsten, wie es naturgemäß ist, gesorgt wissen will, dem liegt es fern, ihm wider das Naturgesetz zu schaden. Wenn die Kämpfer, die in der Rennbahn laufen, wie es heißt, derart geschult und angeleitet werden, dass jeder durch Schnelligkeit, nicht durch Übervorteilung das Ziel anstreben und durch möglichst flinkes Laufen dem Ziel entgegeneilen soll, ohne sich zu erdreisten, dem anderen ein Bein zu stellen oder mit der Hand ihn zu Fall zu bringen: wieviel mehr müssen wir in diesem unseren Lebenslaufe ohne Trug und Übervorteilung des Nächsten den Sieg anstreben? Manche werfen die Frage auf, ob ein Weiser, wenn er bei einem Schiffbruch einem Nichtweisen ein Brett entreißen könnte, es müsse. Ich nun pflichte, ob es auch für das Gemeinwohl zweckdienlicher erscheinen mag, dass lieber ein Weiser als ein Unweiser dem Schiffbruch entgehe, gleichwohl nicht der Meinung zu, dass ein gerechter und weiser Christ sich sein Leben um den Preis des Unterganges eines anderen sich zu erhalten suchen soll. Darf er doch selbst im Fall, dass er einem bewaffneten Räuber in die Hand fällt, dem Schlagenden den Schlag nicht zurückversetzen, um nicht bei der Verteidigung seines Lebens die Liebe zu verletzen. Hierüber steht in den Evangelienschriften der klare und deutliche Ausspruch: „Stecke dein Schwert ein! Denn jeder, der mit dem Schwerte schlägt, wird mit dem Schwerte geschlagen werden“ (Matth. 26, 52). Wer wäre ein verabscheuungswürdigerer Räuber als der Häscher, der gekommen war, Christus zu töten? Doch Christus wollte sich nicht um den Preis der Verwundung seiner Verfolger verteidigen lassen: er, der durch seine Wunden alle heilen wollte. Warum wolltest du dich denn für besser halten als den Nächsten? Ist es doch Christenart, dem anderen den Vorzug vor sich zu geben, nichts sich anzumaßen, keine Ehre für sich in Anspruch zu nehmen, keinen Preis für sein Verdienst sich zu verlangen. Ferner warum wolltest du es dir nicht zur Gepflogenheit machen, lieber eigenen Nachteil zu erleiden, als fremden Vorteil an dich zu reißen? Was wäre so naturwidrig, als mit dem eigenen Besitz nicht zufrieden zu sein, nach fremdem Gut zu streben, schimpflich danach zu fahnden? Denn ist das Sittlichgute naturgemäß, alles hat ja Gott überaus gut gemacht, so ist doch das Schändliche das Gegenteil davon. Es lässt sich darum zwischen dem Sittlichguten und dem Schandbaren kein Bund eingehen, da sie sich nach dem Naturgesetze gegenseitig ausschließen." - St. Ambrosius, De off. III, 4

Der wahre Weise handelt auch im geheimen recht; Gygessage; wahre Begebenheiten aus der Geschichte Davids oder des Täufers; Der wahre Jünger Christi führt ein verborgenes Leben

Der Weise handelt in allem voll Aufrichtigkeit, ohne Trug, und tut, auch wenn er verborgen bleiben kann, nichts, worin er sich irgendwie in Schuld verstricken würde. Denn eher als vor anderen, fühlt er sich vor sich selbst schuldig; und schwerer wiegt bei ihm die Beschämung vor dem Gewissen als jene, welche das Offenkundigwerden einer Schandtat mit sich führt. Das können wir nicht nur an erdichteten Fabeln, wie die Philosophen es bei ihren Besprechungen tun, sondern an völlig wahren Beispielen von gerechten Männern aufzeigen. Man brauch also keinen Erdspalt erdichten, indem die Erde auf angebliche heftige Regenschauer hin zerriß und auseinanderbarst. Gyges soll hier nach Plato (Gygessage) hinabgestiegen und auf jenes fabelhafte Roß aus Erz gestoßen sein, das an seinen Seiten Türen hatte. Sogleich nach Öffnung derselben habe er einen goldenen Ring am Finger eines Toten bemerkt, dessen entseelter Leichnam daselbst lag, und aus Goldgier den Ring genommen. Da er sich aber zu des Königs Hirten, zu deren Zahl er selbst gehörte, zurückbegeben hatte, sah er, als er einmal zufällig die Fassung jenes Ringes nach der flachen Hand gedreht hatte, seinerseits alle, während er selbst niemand sichtbar war; sodann aber, als er den Ring an seinen Platz zurückgedreht hatte, ward er wiederum allen sichtbar. Mit diesem Wunder vertraut, nahte er mit Hilfe des Ringes der Königin und entehrte sie gewaltsam, tötete den König und ermordete die übrigen, die er töten zu müssen glaubte, um ihm nicht hinderlich im Wege zu stehen, und erlangte so das lydische Königreich. Gib, so fordert man, diesen Ring einem Weisen, dass er im Fall eines Fehltrittes mit Hilfe desselben verborgen bleiben könne! Er wird die Befleckung der Sünde nicht weniger fliehen, als wenn er nicht verborgen bleiben könnte. Denn nicht der Schlupfwinkel, sondern die Schuldlosigkeit verbürgt dem Weisen die Zuversichtlichkeit seiner Straffreiheit. So ist denn auch „das Gesetz nicht dem Gerechten auferlegt, sondern dem Ungerechten“ (1 Tim. 1, 9). Denn der Gerechte hat zum Gesetz seinen Geist und zur Norm seine Rechtlichkeit und Gerechtigkeit. Darum hält er sich nicht aus Furcht vor Strafe, sondern kraft der Norm des Sittlichguten von Schuld fern.  Auf die Frage zielt doch die Fabel ab, ob der Weise auch dann, wenn ihm jener Ring zur Verfügung stünde, mit dem er seine Schandtaten verbergen und eine Krone gewinnen könnte, gleichwohl nicht sündigen wollte und die verbrecherische Befleckung für schlimmer halten würde als die qualvollen Strafen hierfür; oder aber ob er die Straflosigkeit, die in Aussicht stünde, zur Begehung eines Verbrechens ausnützen würde. Ein Hinweis auf wahre Begebenheiten aus der Geschichte Davids zeigt: David nämlich hat, als er vor König Saul floh, weil der König mit auserlesenen dreitausend Mann in der Wüste ihm nach dem Leben strebte, nicht bloß seinerseits dem Könige, als er in dessen Lager eindrang und ihn schlafend antraf, nichts zuleide getan, sondern ihn sogar geschützt, dass er von keinem anderen, der zugleich eingedrungen war, ums Leben gebracht würde (1 Kön. 26, 1 ff.). Denn als Abisai zu ihm sprach: „Heute hat der Herr deinen Feind in deine Hände geliefert, und nun will ich ihn töten“, erwiderte er: „Vernichte ihn nicht; denn wer wird an den Gesalbten des Herrn seine Hand legen und rein bleiben?“ Und er fügte bei: „So wahr der Herr lebt, wenn der Herr ihn nicht schlägt, oder wenn seine Stunde nicht gekommen ist, dass er sterbe, oder wenn er nicht in den Kampf geht und mir sich gegenüberstellt, so bewahre mich der Herr, dass ich meine Hand an den Gesalbten des Herrn lege“ (1 Kön. 26, 10 ff.). So ließ er denn nicht zu, dass man ihn tötete, sondern nahm nur die Lanze zu seinen Häupten und das Trinkgefäß hinweg. Während alle schliefen, verließ er das Lager, ging hinüber auf die Spitze eines Berges und begann die Trabanten des Königs und allen voran dessen Kriegsobersten Abner zu beschuldigen, dass er seinem König und Herrn so gar keine treue Wache angedeihen lasse; er möge ferner zeigen, wo die Lanze des Königs und das Trinkgefäß zu dessen Häupten wären. Und er gab sogar auf die Aufforderung des Königs die Lanze zurück. „Und der Herr“, so fügte er hinzu, „vergelte jedem seine Gerechtigkeit und seine Treue, so wie der Herr dich heute in meine Hände gegeben hat, und ich meine Hand nicht an den Gesalbten des Herrn legen wollte“ (1 Kön. 26, 23). Während er dies sprach, musste er doch dessen Nachstellungen fürchten, seinen Wohnsitz mit der Verbannung vertauschen und fliehen. Und dennoch ging ihm sein Wohl nicht über seine Schuldlosigkeit. Er hatte, obschon sich ihm bereits zum zweiten Mal die Möglichkeit bot, den König zu töten, die vorteilhafte Gelegenheit nicht benützen wollen, die ihm, dem Fürchtenden, die Sicherheit des Lebens, dem Verbannten die Königskrone bot. Wo bedurfte Johannes des gygeischen Ringes? Hätte er geschwiegen, wäre er von Herodes nicht getötet worden (Matth. 14, 1 ff.). Sein Schweigen hätte ihm den Vorteil gebracht, am sichtbaren Leben zu bleiben und nicht ermordet zu werden. Weil er aber nicht bloß keine persönliche Sünde zum Schutz seines Lebens zuließ, sondern nicht einmal eine fremde Sünde dulden und ertragen konnte, darum beschwor er selbst die Ursache zu seiner Ermordung herauf. Sie, die von jenem Gyges leugnen, dass er dank jenem Ringe verborgen bleiben konnte, können sicherlich nicht leugnen, dass jener die Möglichkeit hatte, zu schweigen. "Aber entspricht auch der Fabel keine Wirklichkeit, hat sie doch den Sinn, dass der Gerechte, ob er auch verborgen bleiben könnte, dennoch die Sünde meidet, als könnte er nicht verborgen bleiben; und dass er, wenn nicht mit dem Ringe angetan, seine Person, so doch, mit Christus angetan, sein Leben verborgen hält nach des Apostels Wort: „Unser Leben ist mit Christus verborgen in Gott“ (Kol. 3, 3f.). Niemand suche denn im Diesseits zu glänzen! Niemand maße sich etwas an! Niemand poche auf sich! Christus wollte hier keine Anerkennung, wollte nicht, dass sein Name im Evangelium gepriesen werde, solange er auf Erden weilte. Er kam, um vor dieser Welt sich zu verbergen (Matth. 8, 4; 9, 30; 12, 16 ff.; 17, 9. Joh. 6, 15). So lasst denn auch uns nach dem Beispiel Christi unser Leben verborgen halten! Lasst uns Prahlerei fliehen, nicht nach Lob haschen! Besser ist es, hier in Niedrigkeit, dort in Herrlichkeit zu sein. „Wenn Christus erscheint“, so heißt es, „dann werdet auch ihr mit ihm erscheinen in Herrlichkeit“." [114] 
 

Utilitarismus, Spekualtion mit Ackerland und Lebensmitteln; Preistreiberei und Lebensmittelhinterziehung in der Zeit der Teuerung

Der Satz "Nicht soll das Nützliche über das Sittlichgute, sondern das Sittlichgute über das Nützliche den Sieg davontragen. Ich meine unter dem Nützlichen das, was nach der gewöhnlichen Auffassung darunter verstanden wird. Habsucht soll ertötet werden, Begehrlichkeit ersterben." lässt sich in Zeiten des Utilitarismus kaum vorstellen.  Ein Heiliger bekennt, sich deshalb nicht mit Handel befasst zu haben, weil die höheren Preise, die man erstrebt, nicht die Frucht der Ehrlichkeit, sondern der Gerissenheit sind (Ps. 72). Und ein anderer spricht: „Wer nach Getreidepreisen Jagd macht, ist beim Volke verflucht“ (Prov. 11, 26). Der Sinn steht fest. Er lässt für Wortstreit keinen Raum. Eine solche Art Wortgezänk pflegen die Sprüche zu sein, die der eine macht: der Ackerbau gelte doch bei allen für löblich; die Früchte der Erde wüchsen sonder Falsch; je mehr Mühe einer auf die Aussaat verwende, um so mehr Lob verdiene er; der fleißigeren Bewirtschaftung mangle es nicht an reichlicheren Erträgnissen; man pflege doch mehr die Nachlässigkeit und Sorglosigkeit, mit der man ein Land unbebaut lasse, zu tadeln. Ich habe, macht man geltend, mit besonderem Fleiß gepflügt, mit besonderem Eifer angebaut und guten Ertrag geerntet, mit besonderer Sorgfalt ihn in die Scheuer gebracht, treu aufbewahrt, umsichtig behütet. Jetzt zur Zeit der Hungersnot verkaufe ich ihn, komme den Hungernden zu Hilfe; verkaufe nicht fremdes, sondern mein Getreide, nicht teurer als die übrigen, sondern sogar billiger. Wie kann da von Trug die Rede sein, da doch viele in Gefahr kommen könnten, wenn sie nichts zu kaufen hätten? Will man eifriges Wirtschaften zum Verbrechen stempeln? Will man die Rührigkeit tadeln? Will man die Fürsorglichkeit schelten? Vielleicht mag er einwenden: Auch Joseph sammelte Getreide in Fülle, verkaufte es in der Zeit der Teuerung. Will man einen zu noch teuererem Einkauf zwingen? Will man gegen den Käufer Gewalt anwenden? Jedem wird Gelegenheit zum Kaufe geboten, keinem geschieht Unrecht. Gegen diese Ausführungen nun, wie sie jeder nach seiner Art vorbringt, erhebt sich ein anderer und spricht: Ja, gut ist der Ackerbau, der allen seine Früchte darbietet; "der mit redlichem Fleiß die Fruchtbarkeit der Gefilde mehrt, ohne Trügerisches, ohne Falsches darein zu säen. Unstatthaftes irgendwelcher Art würde denn auch mehr Nachteil stiften. Denn nur wer die Saat gut bestellt, wird eine bessere Ernte erzielen; und wenn er lauteres Weizenkorn sät, wird er auch reinere, lautere Frucht einheimsen. Nur ein fruchtbarer Boden gibt vielfältig zurück, was er aufgenommen hat; nur ein tüchtiger Acker pflegt seine Erzeugnisse mit Zinseszins heimzuzahlen." Durch Gentechnik und Pestizide wird heute "die Fruchtbarkeit der Gefilde" vermindert, auf die Felder wird für Bienen, Hummeln und andere Blütenbestäuber, für Tiere, die den Acker als Lebensraum nutzen sowie den Menschen "Trügerisches" ausgesät. [115] 

Auch Spekualtion mit Ackerland und Lebensmitteln, wie es heute vielfach geschieht, hat negative Folgen: "Du darfst nun vom Ertrag der ergiebigen Scholle deiner Mühe Lohn erwarten, von der Fruchtbarkeit des fetten Bodens die gebührenden Einkünfte erhoffen. Warum willst du das rege Schaffen der Natur in Trug kehren? Warum ihre Erzeugnisse, die für alle da sind, neidisch dem menschlichen Gebrauch entziehen? Warum deren Fülle dem Volk verringern? Warum heuchlerisch Mangel vorschützen? Warum bewirken, dass die Armen sich lieber Unfruchtbarkeit wünschten? Denn wenn sie wegen deiner Preistreiberei, wegen deiner Getreidehinterziehung vom Segen der Fruchtbarkeit nichts spüren, wünschen sie sich lieber keine Erzeugnisse als die Geschäfte, die du mit der allgemeinen Teuerung machst. Dir kommt die Getreidenot und der Lebensmittelmangel erwünscht, du bedauerst reichliche Bodenerzeugnisse, klagst über allgemeine Fruchtbarkeit, trauerst über volle Getreideschuppen, hältst dich auf der Lauer, so oft ein dürftigerer Ertrag, ein spärlicheres Wachstum einfällt. Freudig begrüßt du den Fluch, der deinen Wünschen lächelte, dass niemand die geringsten Erzeugnisse erzielte. Da ist deine Ernte gekommen, dir zur Wonne; da raffst du dir aus dem allgemeinen Elend deine Schätze zusammen. Und das heißt du wirtschaften, das nennst du Rührigkeit, was nur geriebene Schlauheit, listige Gaunerei ist! Und das nennst du Hilfeleistung, was nur nichtsnutzige Berechnung ist! Soll ich das Raub oder Wucher nennen? Wie beim Raub werden nur die günstigen Augenblicke erspäht, um als hartherziger, hinterhältiger Mensch in den ureigenen Besitz der Leute einzudringen. Man treibt den Wucherpreis hinauf und gefährdet dadurch in noch höherem Grade das Leben. Dir aber erwächst hundertfacher Ertrag aus der heimlich hinterzogenen Erntefrucht. Du hältst wie ein Wucherer das Getreide zurück und schraubst als Verkäufer dessen Preis in die Höhe. Wozu gegen jedermann die schlimm gemeinte Versicherung, die Hungersnot werde künftig noch größer, weil es angeblich keine Früchte mehr gebe; weil ein noch größeres Mißjahr folge? Dein Gewin geht zu Schaden der Allgemeinheit. Der heilige Joseph öffnete jedermann die Scheune, verschloß sie nicht. Es war ihm auch nicht um wucherische Getreidepreise zu tun, sondern um die Erschließung einer nachhaltigen Hilfsquelle. Für sich erwarb er nichts, sondern traf in fürsorglicher Anordnung Vorkehrung, wie sich auch für künftig die Hungersnot überwinden ließe (Gen. 41, 56 f.; 47, 13 ff). Ihr habt gelesen, wie der Herr Jesus im Evangelium einen solchen Getreidepreiswucherer bloßstellt. Sein Besitz trug ihm reiche Früchte ein, und gleichwohl sprach er, als wäre er in Nöten: „Was soll ich tun? Ich habe keinen Raum mehr, um etwas unterzubringen. Ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen“ (Luk. 12, 17 f.). Und doch konnte er nicht wissen, ob nicht seine Seele schon in der folgenden Nacht von ihm abverlangt würde. Er wusste nicht, was er tun solle; er schwebte in der ungewissen Angst, es möchten ihm die Lebensmittel ausgehen; die Scheunen fassten das Getreide nicht, und er glaubte darben zu müssen. Mit Recht nun urteilt Salomo: „Wer das Getreide zusammenhält, wird es fremden Völkern hinterlassen“, nicht den Erben, weil der Ertrag der Habsucht nicht in den Rechtsbesitz von Nachfolgern übergeht. Was nicht rechtmäßig erworben wird, wird wie vom Winde unter fremde Besitzer zerstreut, die es an sich reißen. Und er fügte bei: „Wer wucherisch das Getreide aufkauft, ist verflucht beim Volke; der Segen desselben aber ruht auf dem Haupte dessen, der es verteilt“ (Prov. 11, 26)" [116] 
 

Nur das Gute ist zugleich nützlich; Was wäre so nützlich, als dass dem Felde der Bebauer erhalten bleibe und das Landvolk nicht aussterbe?

Die Politik muss sich darum kümmern, dass Insbesondere die Landbevölkerung nicht aussterbe, "dem Felde der Bebauer erhalten bleibe." Schon seit Jahrzehnten ist das Gegenteil der Fall. Bauern und Imker werden immer mehr zum Aufgeben ihrer Betriebe gedrängt zugunsten von Agrarfabriken (Factoryfarming), die Land und Umwelt mit Pestiziden und genmanipulierten Pflanzen und Tieren verseuchen. "Die wilden Tiere stoßen ihresgleichen nicht aus: und der Mensch will den Menschen ausstoßen! Tiere und Bestien betrachten die Nahrung, welche die Erde darbietet, als allen gemeinsam; sie sind auch hilfreich gegen ihresgleichen: der Mensch will feindselig sein, dem nichts Menschliches fremd sein sollte! Wieviel richtiger handelte jener Stadtpräfekt! Da er schon bejahrt war und die Bürgerschaft Hungersnot litt und das Volk, wie es unter solchen Umständen zu gehen pflegt, verlangte, es sollten die Fremden aus der Stadt ausgewiesen werden, berief er, da die Stadtverwaltung vor allen anderen gerade seiner Obsorge anvertraut war, die angesehenen und wohlhabenderen Männer zusammen und forderte sie auf, zum allgemeinen Besten Rats zu pflegen. Dabei äusserte er, wie grausam es sei, die Fremden auszuweisen; wie unmenschlich, einem Sterbenden die Nahrung vorzuenthalten. Keinen Hund lassen wir ohne Futter vor unserem Tische, den Menschen stoßen wir hinaus. Wie zwecklos ferner gehen ganze Volksmassen als Opfer der unseligen Hungerpest der Welt verloren! Wie viele gehen der Stadt verloren, die derselben, sei es für die Lebensmittelbeschaffung, sei es für den Handelsmarkt, ihre helfenden Dienste zu leihen pflegten! Niemand ist mit dem Hunger anderer geholfen. Er kann den Tag möglichst lange fristen, der Not nicht steuern. Im Gegenteil, wenn so viele Landbebauer mit Tod abgehen, so viele Ackersleute dahinsterben, werden auch die Getreidemittel für die Zukunft dahinschwinden. Wir weisen daher nur jene aus, die uns den Lebensunterhalt zu beschaffen pflegen. Jene wollen wir in der Stunde der Not nicht nähren, die uns jederzeit mit Nahrung versehen haben? Wieviel wird uns selbst noch in dieser Zeit von ihnen geboten! „Nicht vom Brote allein lebt der Mensch“. Unsere eigenen Leute befinden sich daselbst, so manche sind sogar unsere Verwandten. Vergelten wir ihnen, was wir empfangen haben! Doch wir fürchten hierdurch die Not zu vermehren. Vor allem findet Barmherzigkeit nimmer leere, sondern hilfreiche Hände. Sodann wollen wir die Getreidemittel, die für dieselben aufzuwenden sind, durch eine Sammlung aufbringen, mit Gold erstehen. Oder müssen wir nicht offenbar, wenn jene Landbebauer verschwinden, andere um Geld dingen? Wieviel billiger kommt es, einen Landbebauer zu ernähren als zu dingen! Wo dann Ersatz hernehmen? Wo den neuen Ackersmann auftreiben? Wenn du ihn auftreibst, nimm hinzu, dass du einen des Feldbaues Unkundigen, der eine andere Beschäftigung gewohnt war, wohl der Zahl, nicht der Arbeit nach als Ersatz rechnen kannst. Wozu noch mehr? Man sammelte Gold und brachte Getreide zusammen. So griff er den Vorrat der Stadt nicht an und versorgte die Auswärtigen mit Nahrung. Wie sehr empfahl dies den so heiligmäßigen Greis bei Gott! Wieviel Ruhm trug es ihm bei den Menschen ein! Das war ein in Wahrheit bewährter Großer, der wirklich auf die Bevölkerung der ganzen Provinz zeigen und zum Kaiser sprechen konnte: Diese alle habe ich dir erhalten; sie verdanken ihr Leben deinen Ratsherren; deine Behörde hat sie dem Tode entrissen. Wie unvergleichlich zweckmäßiger war dies gegenüber dem, was jüngst zu Rom geschah! Leute, die bereits den größten Teil ihres Lebens dortselbst zugebracht hatten, jagte man aus der so weitausgedehnten Stadt. Mit Tränen in den Augen zogen sie mit ihren Kindern fort, deren Verbannung man beweinte, weil sie als Bürger nicht davon hätten betroffen werden sollen. Zwischen so vielen wurden die Bande der Verwandtschaft zerschnitten, die Bande der Schwägerschaft zerrissen. Und doch hatte ein fruchtbares Jahr gelächelt. Die Stadt allein nur bedurfte der Getreideeinfuhr. Es hätte geholfen werden können, wenn man von den Bewohnern Italiens, deren Kinder man vertrieb, Getreide angefordert hätte. Eine größere Schmach kann es nicht geben: einen wie einen Landfremden forttreiben und gleichsam den eigenen Bruder hinausstoßen! Wie darfst du ihn fortjagen, der sich vom Seinigen nährt? Wie darfst du ihn fortjagen, der dich ernährt? Den Sklaven behältst du, den Bruder stößt du fort. Das Getreide nimmst du entgegen, Mitgefühl bringst du nicht entgegen. Den Lebensunterhalt erpreßt du, Gnade läßt du nicht ergehen. Wie abscheulich, wie nutzlos ist das! Wie könnte denn auch etwas von Nutzen sein, was sich nicht geziemt? Um wie viele Hilfsmittel ward Rom unlängst betrogen, die ihm von seiten derer zuzufließen pflegten, die ihm einverleibt waren! Es stand ebenso in seiner Macht, dieselben nicht auszuweisen, wie günstige Winde und die erhoffte Schiffszufuhr abzuwarten und so der Hungersnot zu entgehen. Wie gut und nützlich war hingegen das oben erwähnte Vorgehen! Was wäre denn auch so geziemend und gut, als dass den Dürftigen durch die Beiträge der Reichen geholfen, den Hungernden der Lebensbedarf gereicht werde und keinem es an Nahrung fehle? Was wäre so nützlich, als dass dem Felde der Bebauer erhalten bleibe und das Landvolk nicht aussterbe? Das Sittlichgute ist sonach nützlich und das Nützliche sittlichgut; und umgekehrt das Schädliche ungeziemend, das Unziemliche aber zugleich schädlich." [117] 

Manche "gemeinnützigen" Vereine verbergen "unter der Maske der Selbstlosigkeit und der Vornehmheit, doch im Widerspruch mit der christlichen Gesinnung" ihre Habsucht, sammeln das Geld ein um Firmen zu fördern, die genmanipulierte Pflanzen und Tiere patentieren lassen oder die die Gegner des Christentums finanzieren und sich selbst bereichern, wie einige islamische Vereine. Einige islamische Vereine bereichern sich durch öffentliche Zuwendungen, gleich "heuchlerischen Betrügern" und finanzieren den Dschihad gegen das Christentum. "Das Hässlichste ist, wenn man keine Liebe zur Tugendhaftigkeit hat, gleichsam geschäftsmäßig sein Sinnen und Trachten voll Unruhe und Sorge auf niederen Erwerb aus gemeinem Handel richtet, im Herzen von Habsucht entbrennt, Tag und Nacht nach der Schädigung fremden Vermögens lechzt, seinen Geist nicht zum Glanz der Tugendhaftigkeit erhebt, seinen Sinn nicht auf die Schönheit wahren Lobes lenkt. Daher die Erbschleichereien unter der Maske der Selbstlosigkeit und der Vornehmheit, doch im Widerspruch mit der christlichen Gesinnung. Denn alles, was künstlich herausgelockt und trügerisch ergattert wird, mangelt des Verdienstes der Ehrlichkeit." Wer an seinem Lebensende steht, soll selbst die Entscheidung haben und frei nach Gutdünken seine letztwilligen Verfügungen treffen, indem er nachher nichts mehr gut machen kann. Wäre es doch sittlich unstatthaft, anderen die bezüglichen Beträge, die ihnen gebühren oder für sie ausgeworfen sind, zu hintertreiben. Wie tugendhaft, dass David des Königs, seines Feindes, obwohl er ihm schaden konnte, lieber schonte! (1 Kön. 24) Wie vorteilhaft aber auch, weil es dem Nachfolger zugute kam, dass alle ihrem König Treue wahren, nicht anmaßend ihre Hand nach der Herrschaft ausstrecken, sondern sie achten lernten! So ward dem Sittlichguten der Vorrang vor dem Nützlichen, dem Nützlichen der Platz nach dem Sittlichguten eingeräumt. Nicht genug, dass er desselben schonte. Er ging noch weiter und betrauerte und beweinte ihn bitterlich, da er im Kriege gefallen war, und klagte: „Ihr Berge von Gelboe, weder Tau noch Regen falle auf euch! Ihr Todesberge! Denn dort ward weggenommen die Schutzwehr der Helden, die Schutzwehr Sauls. Nicht mit Öl und dem Blute der Verwundeten und aus dem Fett der Kriegführenden wurde er gesalbt. Der Pfeil Jonathas kehrte nicht zurück und das Schwert Sauls nicht leer wieder. Saul und Jonathas, die Lieblichen und Liebsten, die Unzertrennlichen im Leben, wurden auch im Tode nicht getrennt. Leichter wie Adler, stärker wie Löwen waren sie. Töchter Israels, weinet über Saul, der euch zu eurem Schmuck hinzu mit Purpur kleidete; der eure Gewänder mit Gold besetzte! Wie fielen doch die Helden inmitten der Schlacht! Jonathas ward tödlich verwundet. Ich trauere über dich, Bruder Jonathas, ein Bild mir von unvergleichlicher Schönheit! Wie Frauenliebe war deine Liebe mir zuteil. Wie fielen die Helden und sind zunichte die Waffen, die begehrenswerten!“(2 Kön. 1, 21 ff.) Welche Mutter würde ihr einziges Kind so beweinen, wie dieser seinen Feind beweinte? Wer würde einem Gönner so hohes Lob spenden, wie dieser es dem Gegner spendete, der nach seinem Haupte fahndete? "Schändlich ist jeglicher Trug. So ist denn selbst im Kleinen falsches Gewicht und trügerisches Maß verabscheuungswürdig. Wenn man aber den Trug auf dem Verkaufsmarkte, bei Handelsgeschäften mit Strafe belegt, kann er im Tugenddienste als unsträflich erscheinen? Salomo ruft aus: „Zu großes und kleines Gewicht und doppeltes Maß sind unrein vor Gott“ (Prov. 20, 10). Auch im vorausgehenden warnte er: „Falsche Wage ist dem Herrn ein Greuel, das rechte Gewicht aber ist ihm genehm“ (Prov. 11, 1). [118] 

Den heuchlerischen Betrüger vergleicht Christus mit einem Fuchs, David mit einem Schermesser. Die Norm der Gerechtigkeit aber ist bekannt: "Es ziemt dem Guten nicht, von der Wahrheit abzuweichen, jemand ungerechten Schaden zuzufügen, irgendwelche Hinterlist damit zu verbinden oder Trug zu ersinnen." Was ist bekannter als das Verhalten des Ananias? Er behielt vom Erlös seines Ackers, den er selbst veräußert hatte, trügerisch etwas zurück und legte einen Teilbetrag des Erlöses für die volle Summe den Aposteln zu Füßen. Es war ihm doch freigestellt, auch nichts anzubieten, und er hätte dies ohne Trug tun können. Aber weil er solchen unterlaufen ließ, trug er keinen Dank für seine Freigebigkeit davon, sondern erntete vielmehr Strafe für seine Falschheit (Apg. 5, 1 ff.). Auch der Herr wies im Evangelium jene, die in Arglist ihm nahten, mit den Worten ab: „Die Füchse haben Gruben“ (Matth. 8, 20); er befiehlt uns nämlich in Einfalt und Unschuld des Herzens zu leben. Desgleichen rügt David: „Wie ein scharfes Schermesser übtest du Trug“ (Ps. 52, 4). Er beschuldigt den Verräter der Bosheit, insofern dieses Instrument wohl zur Verschönerung des Menschen dient, so manchmal aber auch zur Verwundung. [119] 
 

Falsches Schwören; Schwur des Herodes

Ein unehrenhaftes Versprechen, selbst in Eidesform, bindet nicht. So hatte der Schwur des Herodes, das Gelübde des Jephte keine bindende Kraft. Auch ein falscher Schwur, zum Beispiel auf den Koran, wie es von einigen muslimischen Politikern zur Amtseinführung in Europa und den USA praktiziert wird, hat keine bindende Kraft. "Rein und aufrichtig soll die Gesinnung sein. Schlicht sei darum die Rede, die einer vorbringt; in Heiligkeit trage er sein Gefäß (1 Thess. 4, 4); er täusche nicht mit listigen Worten und mache kein unehrenhaftes Versprechen. Und wenn er eines gemacht hat, wäre es erträglicher, es nicht zu halten, als etwas Schändliches zu tun. Häufig bindet sich gar mancher selbst durch einen Eidschwur." Und obschon er merkt, das Versprechen sollte nicht gegeben worden sein, löst er gleichwohl mit Rücksicht auf den Eid das Gelübde ein. Das zeigt der Schwur des Herodes, welcher der Tänzerin ein schimpfliches Versprechen machte und es grausam einlöste. Schimpflich war es, ein Reich für einen Tanz zu versprechen; grausam, um der Heiligkeit des Eides willen den Tod eines Propheten als Geschenk zu bieten. Wie unvergleichlich erträglicher wäre ein Meineid gewesen als ein solcher Eid, wenn man das überhaupt Meineid hätte nennen können, was ein Trunkener bei Wein beschworen, was ein Entmannter beim Reigen der Tanzenden versprochen hatte. Man bringt auf einer Schüssel das Haupt des Propheten herein: und das hielt man für Eidestreue, was nur Ausfluß von Raserei war. Nimmer auch könnte ich zum Glauben bewogen werden, der Feldherr Jephte habe nicht unvorsichtig sein Gelübde gemacht, Gott zu opfern, was immer ihm bei seiner Rückkehr auf der Schwelle seines Hauses begegnen würde. Bereute er doch selbst sein Gelübde, da ihm seine Tochter begegnet war (Richt. 11, 30 ff). So zerriß er denn seine Kleider und klagte: „Wehe mir, o Tochter, du hast mich verwirrt, zum Stachel des Schmerzes bist du mir geworden“. Obschon er aus religiöser Scheu und Angst das bittere Opfer der schmerzlichen Einlösung des Gelübdes brachte, hinterließ er doch selbst für die Folgezeit die Anordnung einer jährlichen Trauerfeier. Ein hartes Gelübde, noch bitterer dessen Erfüllung. Wie musste jener selbst es bedauern, der es machte! So wurde denn folgende Vorschrift und Anordnung für ewige Zeiten erlassen: „Es ergingen sich“, so lautete sie, „die Töchter des Volkes Israel vier Tage im Jahre in Trauer über die Tochter des Galaditers Jephte“. Ich kann den Mann nicht der Schuld zeihen, der sich zur Erfüllung seines Gelübdes verpflichtet hielt. Bedauerlich aber bleibt eine Pflicht, die mit Kindesmord eingelöst wird. Besser kein Gelöbnis als ein Gelöbnis, dessen Erfüllung derjenige, dem es gemacht wird, nicht wünschen kann. So haben wir denn an Isaak ein Beispiel hierfür, indem der Herr statt seiner das Opfer eines Widders sich ausbedingte (Gen. 22, 11 ff.). Nicht immer darf jedwedes Versprechen eingelöst werden. So ändert auch der Herr selbst häufig sein Urteil, wie die Schrift bezeugt. Auch in jenem Buche, das den Titel Numeri trägt, hatte er sich vorgenommen, über das Volk Tod und Untergang zu verhängen, ließ sich aber nachher auf Bitten des Moses mit seinem Volke wieder versöhnen (Num. 14, 11 ff.). Und wiederum sprach er zu Moses und Aaron: „Sondert euch ab von dieser Gemeine, und ich will sie mitsammen vertilgen“ (Num. 16, 21). Während sie sich von der Rotte entfernten, teilte sich plötzlich die Erde mit tiefem Spalt und verschlang den Dathan und Abiron, die gottlosen (Num. 16, 31 ff.).  [120] 

Herrlicher und älter ist das obige Beispiel von der Tochter Jephtes als das in philosophischen Kreisen gerühmte von den zwei Pythagoreern. Der eine von ihnen nämlich bat, als er vom Tyrannen Dionysius zum Tode verurteilt war, am festgesetzten Todestage um die Erlaubnis, nach Hause gehen zu dürfen, um für die Seinigen noch Sorge zu treffen. Um nun die Glaubwürdigkeit seiner Rückkehr außer Zweifel zu setzen, stellte er einen Todesbürgen mit dem Anerbieten, dass, falls er selbst zum bestimmten Termin nicht da wäre, sein Bürge die Verpflichtung anerkenne, für ihn zu sterben. Der bestellte Bürge lehnte auch die Bürgschaft, wie sie lautete, nicht ab und harrte standhaft des Tages der Hinrichtung. Der eine Freund kannte kein Sichweigern, der andere kehrte auf den Tag zurück. Das war etwas so Wundervolles, dass der Tyrann sie zu Freunden annahm, deren Leben er eben aufs äußerste gefährdete. Diesen Stoff verarbeitete Schiller in seiner Ballade "Die Bürgschaft". [121] 
 

Eine sittliche Forderung war es ja, zu verhindern, dass das Gottesvolk einem unheiligen Kult sich ergab; Judith als eine sieghafte Streiterin für das Sittlichgute und eben darum für das Nützliche

"Sieh, da kommt dir Judith entgegen, die wunderbare, da sie dem Holofernes naht, dem Schrecken der Völker, umgeben von der siegreichen Heerschar der Assyrer. Erst berückte sie ihn mit dem Zauber ihrer Gestalt und der Anmut ihres Gesichtes, sodann bestrickte sie ihn mit der Lieblichkeit ihrer Rede. Ihr erster Triumph bestand darin, dass sie ihre Reinheit unversehrt aus dem Zelte des Feindes zurückbrachte; der zweite darin, dass sie als Weib über einen Mann den Sieg davontrug, durch ihren Entschluß Völker in die Flucht schlug (Jud. c. 10 ff.). Schrecken überkam die Perser ob ihrer Kühnheit. Fürchtete sie doch keine Todesgefahr, was man freilich auch an jenen beiden Pythagoreern bewundert, aber auch keine Gefahr für ihre Reinheit, was edlen Frauen schwerere Sorge macht. Sie kannte keine Angst vor dem Schwertstreich eines einzelnen Schergen, aber auch keine vor den Geschossen eines ganzen Heeres. Eine Frau, stand sie mitten unter Kriegerscharen, unter sieghaften Waffen, dem Tode ruhig ins Auge schauend. Anbetrachts der riesigen Gefahr war ihr Gang ein Todesgang, anbetrachts des Glaubens ein Waffengang. Dem Sittlichguten galt Judiths Schritt, und sie erzielte, da sie ihn ausführte, zugleich das Nützliche. Eine sittliche Forderung war es ja, zu verhindern, dass das Gottesvolk einem unheiligen Kult sich ergab; dass es seine väterlichen Bräuche und heiligen Geheimnisse entweihte; dass es seine heiligen Jungfrauen, ehrwürdigen Witwen, keuschen Frauen der Unreinheit der Barbaren preisgab; dass es seine Belagerung mit der Übergabe beendigte. Eine sittliche Forderung war es, lieber für alle Gefahr zu laufen, um alle aus der Gefahr zu erretten. Wie muss es doch etwas unvergleichlich Erhabenes um das Sittlichgute sein, dass ein Weib über die wichtigsten Dinge zu einem Plane sich entschließt, ohne ihn den Ältesten des Volkes zu unterbreiten! Wie muss es etwas unvergleichlich Erhabenes um das Sittlichgute sein, dass es Gott als Helfer voraussetzen durfte! Wie muß es etwas unvergleichlich Gnadenvolles darum sein, dass es ihn als Helfer fand!" - St. Ambrosius, De off. III, 13
Das Verhalten des Elisäus gegen die gefangenen Syrer, sowie das des Täufers und der Susanna bestätigen, dass das Sittlichgute und Nützliche unzertrennliche Begriffe sind. Was anderem aber als dem Sittlichguten ging Elisäus nach, als er das syrische Heer, das zu seiner Belagerung erschienen war, gefangen nach Samaria führte? (2 Kön. 6, 8 ff.) Er hatte dessen Augen mit Blindheit geschlagen und bat: „Herr, öffne ihnen die Augen, dass sie sehen! Und sie sahen“ (2 Kön. 6, 20). Als nun der König von Israel die eingetretenen Syrer niedermetzeln wollte und vom Propheten die Erlaubnis dazu sich erbat, verbot dieser das Gemetzel, nachdem er ihre Gefangennahme nicht durch Kriegsgewalt und -waffen bewirkt hatte, sondern befahl, sie lieber durch Lebensmittelreichung zu unterstützen. So glaubten denn auch die syrischen Piraten, die reichlich mit Speisen erquickt worden waren, nie mehr neuerdings ins Land Israel einfallen zu sollen“ (2 Kön. 6, 21 ff). Denn auch die heilige Judith machte durch die schickliche Hintansetzung ihres eigenen Wohls der Gefahr der Belagerung ein Ende und verschaffte durch ihre Tugendhaftigkeit der Allgemeinheit Nutzen. Und für Elisäus war es ruhmvoller, dass er Verzeihung angedeihen als ein Blutbad anrichten ließ; und er stiftete dadurch den größeren Nutzen, dass er die gefangenen Feinde am Leben erhielt. Was anders aber hatte Johannes im Auge als das Sittlichehrbare, so dass er selbst beim Könige kein unehrbares Ehebündnis dulden mochte und sprach: „Es ist dir nicht erlaubt, jene zur Gattin zu haben“? (Matth. 14, 4) Er konnte schweigen, hätte es ihm nicht für unziemlich geschienen, aus Furcht vor dem Tode die Wahrheit nicht zu sagen, dem prophetischen Ansehen dem Könige gegenüber etwas zu vergeben und seinem Verhalten den Anschein von Schmeichelei zu geben. Er wusste recht wohl, dass ihm der Widerstand gegen den König das Leben kosten werde, aber er zog die Tugendhaftigkeit dem Leben vor. Und doch, was hätte größeren Nutzen gebracht als ein Verhalten, das dem heiligen Mann den Ruhm des Martyriums eintrug? So auch die heilige Susanna, als sie die schauerliche Kunde von dem falschen Zeugnisse vernommen hatte. Da sie sich einerseits von Gefahr, andrerseits von Schande bedrängt sah, wollte sie lieber durch einen ehrenvollen Tod der Schande entgehen, als aus Sorge um ihr Wohl ein schimpfliches Leben führen und ertragen. Indem sie sich nun der Ehrenhaftigkeit befleißigte, rettete sie zugleich das Leben (Dan. 13, 22 ff.). Hätte sie einem Scheinvorteil für das Leben den Vorzug gegeben, hätte sie keinen so großen Ruhm erlangt. Ja vielleicht wäre ein solches Verhalten, das nicht bloß keinen Vorteil, sondern sogar eine Gefahr in sich barg, der Strafe des Verbrechens nicht entronnen. So sehen wir denn, dass das Schimpfliche nicht nützlich, und umgekehrt das Ehrbare nicht schädlich sein kann; denn das Nützliche hat das Ehrbare und das Ehrbare das Nützliche zum unzertrennlichen Begleiter. [122] 
"Wie? hat nicht die Königin Esther zur Rettung ihres Volkes aus Gefahr sich dem Tode ausgesetzt ohne Furcht vor der Wut des grausamen Königs? (Esth. 4, 11 ff.; 5, 1 ff.) Eine schöne und gute Tat! Selbst auch der grimme und stolze Perserkönig hielt es für schicklich, dem Manne, der die Nachstellungen aufgedeckt hatte, die ihm bereitet wurden, Gnade widerfahren zu lassen, das freie Volk von der Knechtschaft zu entbinden, vom Tode zu erretten und keine Schonung gegen den zu üben, der so Unziemliches geraten hatte. So überantwortete er denn den Würdenträger, der die zweite Stelle nach ihm einnahm und unter allen Freunden den Vortritt hatte, dem Kreuzestod, weil er seine Ehre durch dessen hinterlistige Ratschläge mit Schmach bedeckt sah (Esth. 6 f.)." - St. Ambrosius, De off. III, 21 

Freundschaft

Nichts also darf dem Sittlichguten vorgezogen werden. dass man sogar im Interesse der Freundschaft nicht davon abgehen darf, auch das lehrt die Schrift über die Freundschaft. Von den Philosophen nämlich werden so manche Fragen aufgeworfen: ob einer aus Willfährigkeit gegen den Freund um des Freundes willen Anschläge wider das Vaterland machen dürfe oder nicht? Ob er in der Rücksicht und Absicht, dem Freunde Vorteile zu verschaffen, wortbrüchig werden solle? Wohl sagt die Schrift: „Keule und Schwert und ein eiserner Pfeil, so ist der Mensch, der falsches Zeugnis ablegt wider seinen Freund“ (Prov.. 25, 18). Doch bedenke, was sie sagen will! Nicht die Zeugenaussage gegen den Freund, sondern nur das falsche Zeugnis tadelt sie. Denn wie? wenn jemand um der Sache Gottes willen, wie? wenn er um der Sache des Vaterlandes willen gezwungen wäre, Zeugnis abzulegen? Darf etwa die Freundschaft der Gottesfürchtigkeit, darf sie der Liebe zu den Mitbürgern vorgehen? Doch muss auch in diesen Fällen auf der Forderung der Wahrheit des Zeugnisses bestanden werden, damit nicht der Freund infolge der Treulosigkeit des Freundes gerichtlich belangt werde, statt durch dessen Treue losgesprochen zu werden. So darf denn der Freund einerseits dem schuldigen Freunde nicht zuhalten, andrerseits gegen den schuldlosen nicht hinterhältig sein. Ist man wirklich, wenn man am Freunde einen Fehler gewahrt, als Zeuge hierüber zu sprechen gezwungen, übe man insgeheim Zurechtweisung. Will er nicht hören, weise man ihn offen zurecht. Denn Zurechtweisungen sind gut und so manchmal besser als stumme Freundschaft. Und sollte sich der Freund auch verletzt fühlen: du weis ihn dennoch zurecht! Und wenn das Bittere der Zurechtweisung seinem Herzen wehe tut: du weis ihn dennoch zurecht und fürchte nicht! Denn „erträglicher sind Freundeswunden als Schmeichlerküsse“ (Prov.. 27, 6). Den irrenden Freund weis sonach zurecht, den unschuldigen Freund laß nicht im Stich! Denn die Freundschaft muss fest, in der Liebe beständig sein. Wir dürfen nicht nach Kinderart schwankenden Urteils die Freunde wechseln. Öffne dem Freunde dein Herz, dass er dir treu sei, und du süße Lebenslabe von ihm schöpfest! Denn „ein treuer Freund ist Arznei des Lebens und Unsterblichkeitsgenuß“ (Ekkli. 6, 16). Komm dem Freunde wie deinesgleichen entgegen und schäme dich nicht, dem Freunde mit deinem Dienste zuvorzukommen! Denn die Freundschaft kennt keine Selbstüberhebung. Daher des Weisen Mahnung: „Einen Freund zu grüßen, schäme dich nicht!“(Ekkli. 22, 31) Laß den Freund nicht im Stich und verlaß ihn nicht und versage ihm nicht deine Hilfe! Denn Freundschaft ist des Lebens Stütze. [123] 

Eines ist klar: Nimmer darf dem wahren Glauben um der Freundschaft willen Eintrag geschehen. "Denn niemand kann eines Menschen Freund sein, der Gott die Glaubenstreue bricht." Da die Sarazenen oder Muslime dem wahren Gott die Treue versagen, können sie auch nicht wirkliche Freunde der Christen werden. Eine Hüterin der Liebe ist die Freundschaft und eine Lehrerin der Gleichheit. Der Höhere soll dem Niedereren, der Niederere dem Höheren gegenüber sich gleich fühlen. Denn bei Ungleichheit im Verhalten kann es keine Freundschaft geben; holde Übereinstimmung muss zwischen beiden herrschen. Dem Niedereren soll es, wenn es die Sache fordert, nicht an Ansehen, dem Höheren nicht an Demut fehlen: er höre ihn wie seinesgleichen, wie einen Altersgenossen an! Jener aber mahne, tadle als Freund, nicht in hochmütiger Absicht, sondern in liebevoller Gesinnung! Die Mahnung soll nicht bitter, der Tadel nicht kränkend sein. Denn Freundschaft soll ebensosehr von Anmaßung sich frei halten als Schmeichelei fliehen. Was ist denn auch der Freund anders als ein Genosse der Liebe, an den man sein Herz hängt und schmiegt; mit dem man es so verschmilzt, dass man aus zweien eins machen möchte; dem man sich wie einem zweiten Ich anvertraut; von dem man nichts fürchtet, nichts Unrechtes um des eigenen Vorteils willen verlangt? Keine Geldquelle ist Freundschaft, sondern ein Füllhorn des Schicklichen, ein Füllhorn des Anmutigen. Eine Tugend ist die Freundschaft, keine Erwerbsquelle. Denn nicht um Geld, sondern um Liebe, nicht mit gesteigertem Preisangebot, sondern mit wetteiferndem Wohlwollen wird sie erworben. So sind denn auch meist die Freundschaften zwischen Unbemittelten besser als die zwischen Vermöglichen. Und häufig haben Reiche keine Freunde, während Arme eine übergroße Zahl besitzen Denn es gibt keine Freundschaft, wo falsche Schmeichelei herrscht. Gerade die Reichen haben so gern ihre Liebediener, die ihnen schmeicheln: gegen den Armen spielt niemand den Heuchler. Jedes Entgegenkommen gegen den Armen beruht auf Wahrheit; die Freundschaft mit ihm erregt keinen Neid. Was ist köstlicher denn Freundschaft, deren Band Engel und Menschen gemeinschaftlich verknüpft? Daher die Mahnung des Herrn Jesus: „Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, die euch in die ewigen Wohnungen aufnehmen!“ (Luk. 16, 9) Gott selbst macht uns aus armseligen Dienern zu Freunden, wie er selbst beteuert: „Nunmehr seid ihr meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch gebiete“(Joh. 15, 14). Er gab damit die Norm der Freundschaft, die wir zu befolgen haben: wir sollen dem Freund zu Willen sein; alle unsere Heimlichkeiten, die wir in der Brust tragen, dem Freunde erschließen und auch in seine Geheimnisse nicht uneingeweiht bleiben. Eröffnen wir ihm unser Herz, mag auch er uns das seinige erschließen. Daher „nannte ich euch Freunde“, versichert er, „weil ich alles, was ich von meinem Vater gehört, euch kundgetan habe“ (Joh. 15, 15). Nichts verheimlicht der Freund, wenn er ein wahrer Freund ist. Er schüttet sein Herz aus (Ps. 62, 9), wie der Herr Jesus es mit den Geheimnissen des Vaters machte. Wer also Gottes Gebote beobachtet, der ist sein Freund und verdient diesen Ehrennamen. Wer eines Sinnes mit ihm ist, der ist sein Freund; denn Freunde haben nur einen Sinn. Und niemand ist verächtlicher, als wer die Freundschaft verletzt. Als das schwerste Unrecht am Verräter, dessentwegen er seine Ruchlosigkeit verurteilte, fand der Herr gerade dies, dass er nicht Wohlwollen mit Wohlwollen erwiderte und ins Gastmahl der Freundschaft das Gift des Übelwollens mischte. Daher sein Vorwurf: „Du aber, Mann eines Sinnes mit mir, mein Führer und Vertrauter, der du stets süße Speisen mit mir genossest!“ (Ps. 55, 14 f.) Das heißt: das ist unerträglich, dass du, der eines Sinnes mit mir war, nun gegen den losgehst, der dir nur Wohlwollen geschenkt hatte. „Denn wenn mein Feind mich geschmäht hätte, hätte ich es immerhin ertragen; und vor meinem Hasser würde ich mich verbergen“ (Ps. 55, 13) Dem Feinde lässt sich aus dem Wege gehen, dem Freunde nicht, wenn er einem nachstellen will. Vor jenem, den wir in unsere Absichten nicht einweihen, können wir uns in acht nehmen, vor diesem nicht, den wir eingeweiht haben. Um daher das Gehässige der Judas-Sünde in seiner ganzen Größe zu zeigen, sprach er nicht: du aber, „mein Diener, mein Apostel“, sondern: „eines Sinnes mit mir“, das heißt: nicht mein, sondern zugleich dein Verräter bist du, nachdem du den verraten, der eines Sinnes mit dir war. [124] 
 

Die drei Arten der Philosophie: Natur-, Moral-, Vernunftphilosophie

Die drei Arten der Philosophie: Natur-, Moral-, Vernunftphilosophie kennt und lehrt schon das Alte Testament, ferner das Neue Testament, im besonderen das Lukasevangelium. Welche Art von Weisheit hätte desgleichen den Evangelisten gefehlt? Sie weisen wohl von den verschiedenen Arten derselben reichen Ertrag auf, doch tut jeder wiederum in einer anderen Art sich besonders hervor. So enthält sicherlich die nach Johannes betitelte Evangeliumschrift Naturphilosophie. Denn niemand sonst, wage ich zu behaupten, hat mit so erhabener Weisheit die Majestät Gottes geschaut und in eigenartiger Sprache uns erschlossen. Er schwang sich auf über die Wolken, schwang sich auf über die Kräfte des Himmels, schwang sich auf über die Engel und fand „im Anfang das Wort  und schaute „das Wort bei Gott". Wer aber hätte in höherem Grade die dem Menschen entsprechenden Lebensvorschriften bis ins einzelne unter dem Gesichtspunkt des Sittlichen erforscht und uns schriftlich vorgelegt als der hl. Matthäus? Was wäre wegen ihrer wunderbaren Verbindung vernunftgemäßer als die Verse, die der hl. Markus sogleich an den Anfang stellen zu müssen glaubte: „Sieh, ich sende meinen Engel"  und: „die Stimme des Rufenden in der Wüste"? (Mark. 1, 2. 3) [125] 

Der heilige Lukas hat dagegen eine Art geschichtliche Anordnung eingehalten und uns eine größere Anzahl wunderbarer Begebenheiten aus der Lebensgeschichte des Herrn bekannt gegeben, doch so, dass die Geschichte dieses seines Evangeliums die Vorzüge der ganzen Weisheitslehre in sich schließt. Denn welche erhabenere Wahrheit kennt die Naturphilosophie als die von ihm mitgeteilte Tatsache, es sei der Heilige Geist auch Schöpfer der Menschwerdung des Herrn gewesen? (Luk. 1, 35). In die Naturwahrheiten schlägt sonach seine Lehre von der schöpferischen Wirksamkeit des Heiligen Geistes ein. Darum trägt auch David Naturphilosophie vor, wenn er sagt: „Sende aus Deinen Geist und sie werden erschaffen werden (104, 30). Die Lehre vom Sittlichen vertritt Lukas in der gleichen Schrift, indem er uns in jenen Seligpreisungen (Luk. 6, 20 ff.) sittliche Unterweisungen erteilt, wie man den Feind lieben müsse (Luk. 6, 27. 35), wie man dem tätlichen Angreifer nicht Hieb und Schlag zurückgeben dürfe (Luk. 6, 29), wie man Gutes tun, Darlehen geben müsse ohne Aussicht auf Rückerstattung und mit Aussicht auf die göttliche Lohnvergeltung (Luk. 6, 34 f.); denn leichter fällt einem der Lohn zu, wenn man ihn nicht erwartet. Auch in Vernunftwahrheiten unterwies er uns, wenn wir lesen, dass der, „welcher treu ist im Kleinsten, auch in bezug auf Größeres treu ist" (Luk. 16, 10). Was soll man noch hinsichtlich der Naturwahrheiten an seine Lehre erinnern, die Kräfte der Himmel würden erschüttert (Luk. 21, 26; Mark. 13, 24 f.), der Herr der Sonnen sei Gottes eingeborener Sohn, bei dessen Leiden bei Tag Finsternis entstanden sei, die Erde in Dunkel sich gehüllt, die Sonne sich verborgen habe?(Luk. 23, 24 f.) [126] 

Nach Ambrosius, Cusanus, Thomas von Aquin und anderen kann man sagen, "der ganze Vorrang also, den sich die weltliche Weisheit fälschlich anmaßt, gebührt in Wahrheit der geistlichen Weisheit. Kann doch, um eine etwas kühne Wendung zu gebrauchen, selbst unser Glaube, selbst das Trinitätsgeheimnis nicht ohne die dreifache Weisheitslehre gedacht werden: ohne den Glauben an jenen, der von Natur der Vater ist, der uns den Erlöser erzeugt hat, und an jenes sittliche Ideal, den Sohn, der als Mensch dem Vater bis zum Tode gehorsam (Phil. 2, 8) uns erlöst hat, und an jenen vernünftigen Geist, welcher der Menschenbrust die vernünftige Gottesverehrung und Lebensführung eingesenkt hat. Niemand glaube, wir hätten damit einen Unterschied zwischen ihrer Macht und Kraft gemacht, eine Verdächtigung, mit der er doch ebensogut einen Paulus begeifern könnte! Denn auch dieser machte keinen Unterschied, da er sprach: „Es gibt Unterschiede der Gnadengaben, aber es ist derselbe Geist; und es gibt Unterschiede der Ämter, aber es ist derselbe Herr; und es gibt Unterschiede in den Wirkungen, aber es ist derselbe Gott, der alles in allen wirkt  (1 Kor. 12, 4-6). Alles und in allen wirkt nämlich der Sohn, wie man auch an einer anderen Stelle liest: „Alles und in allen ist Christus (Kol. 3, 11). Es wirkt aber auch der Heilige Geist; denn „alles wirkt ein und derselbe Geist, einem jeden zuteilend, wie er will" (1 Kor. 12, 11). [127] 
 

Wahre und falsche Propheten, Vom Mottenfraß der Häresie, Antichrist

Die Geschichte unserer Zeit weist in ihrer Entwicklung vielfach die gleichen Erscheinungen und Ursachen auf wie die altjüdische, teilt mit ihr analoge Vorgänge, die den gleichen Lauf und Verlauf nehmen, hat Geschehnisse mit ihr gemeinsam, die sich vom Anfang bis zum Ende ähneln. Wie nämlich viele in jenem Volk auf Eingebung des göttlichen Geistes geweissagt haben, andere hingegen nur sich "anheischig machten zu weissagen und ihren Beruf durch Lügenhaftigkeit herabwürdigten, sie waren mehr Pseudopropheten als Propheten", wie Ananias, der Sohn Azots oder Azor  (Jer. 28, 1 ff.) und später Mohammed und seine Sarazenen; das Volk aber besaß die Gabe der Unterscheidung der Geister (Deut. 18, 21 f.), um zu erkennen, welche es zur Zahl der Propheten rechnen, "welche es dagegen gleich einem tüchtigen Münzkontrolleur für unecht erklären solle, nachdem an ihnen mehr die trübe Farbe eines falschen Münzstückes denn das Blinken echten Metallglanzes hervorträte, so haben wir dieselbe Erscheinung auch jetzt noch im Neuen Testament: Viele haben versucht, Evangelien zu schreiben, welche die guten Münzkenner als unecht befunden haben. Nur eines aber, in vier Büchern dargestellt, glaubten sie aus allen als echt auswählen zu müssen." Viele Bücher, die herauskamen stammten von falschen Propheten, wie später der Koran auch. Auch andere Evangeliien sind im Umlauf, zum Beispiel Evangelien nach Basilides, nach Thomas, nach Matthias. "So manche auch haben diejenigen Abschnitte aus den vier Evangelienschriften, die ihrer Meinung nach mit dem Gift ihrer Lehren übereinstimmten, zu einem Ganzen vermengt."  [128] 
"Ja nur versucht  haben sie’s, die nichts zu Ende führen konnten. dass viele daran gegangen, aber nicht zu Ende gekommen sind, bezeugt nun mehr denn hinlänglich auch der heilige Lukas, indem er hervorhebt, gar viele hätten den Versuch gemacht. Wer es nämlich bloß zum Versuch einer geordneten Darstellung brachte, setzte nur sein eigenes Mühen ein und brachte nichts zu Ende; denn die Charismen und die Gnade Gottes belassen es nicht beim bloßen Versuch. Diese pflegt vielmehr den Geist des Schriftstellers im Augenblick, da sie sich in ihn ergießt, zu befruchten, so dass er nicht darbt, sondern reichlich überquillt. Nicht beim Versuche blieb ein Matthäus stehen, nicht beim Versuch ein Markus, nicht beim Versuch ein Johannes, nicht beim Versuch ein Lukas, sondern kraft des göttlichen Geistes, der ihnen die Fülle aller Aussprüche und Taten des Herrn darbot, führten sie das Begonnene ohne alle Anstrengung zu Ende. Darum fügt nun Lukas passend hinzu: „Weil denn viele versucht haben, eine geordnete Darstellung von den Tatsachen zu geben, die in uns erfüllt worden sind , bezw.: „die in uns in Fülle vorhanden sind ." - St. Ambrosius, sup. Luc. I, 3 
Was nämlich in Fülle da ist, dessen mangelt niemand, und was in Erfüllung gegangen, das bezweifelt keiner, weil die Verwirklichung Glaubwürdigkeit begründet, der schließliche Ausgang sie offen dartut. So ist nun das Evangelium eine erfüllte Tatsache und strömt in seiner Überfülle über auf alle Gläubigen auf dem ganzen Erdkreise und befruchtet den Geist und bestärkt den Sinn aller. Mit Recht hebt darum der Evangelist, der „im Felsen Christus" gründend (Luk. 6, 48) die ganze Fülle des Glaubens (Hebr. 10, 22) und die Kraft der Standhaftigkeit in sich aufgenommen, hervor: „die in uns erfüllt worden sind". Denn nicht mit Zeichen und Wundern, sondern durch das Wort scheiden diejenigen das Wahre und Falsche auseinander, welche die Heilsgeschichte des Herrn darstellen, oder welche ihren Sinn auf das Wunderbare an ihm hinlenken. Denn was wäre so vernünftig als der Glaube, dass die Werke übermenschlicher Art, von denen man liest, Wirkungen einer höheren Natur sind, oder aber der Glaube, dass das Sittliche, von dem man liest, das Erlebnis einer wirklich angenommenen Menschheit ist? So gründet denn unser Glaube in Wort und Vernunft, nicht in Wunderzeichen. [129] 

Wie es uns diejenigen überliefert haben, die von Anfang an selbst Augenzeugen und Diener des Wortes gewesen sind (Luk. 1, 2). Dieser Satz will nicht sagen, dass wir mehr Wert auf den Dienst als auf das Anhören des Wortes legen sollen. Es wird vielmehr damit überhaupt nicht das gesprochene Wort, sondern jenes wesenhafte Wort bezeichnet, das „Fleisch geworden ist und unter uns gewohnt hat" (Joh. 1, 14) . Darum wollen wir darunter auch nicht das Wort im gewöhnlichen Sinn, sondern jenes himmlische verstehen, in dessen Dienst die Apostel standen. Es steht indes im Buche Exodus zu lesen: „Das Volk sah die Stimme des Herrn" (Exod. 20, 18). Die Stimme sieht man doch nicht, sondern man hört sie. Denn was ist die Stimme anders als ein Laut, den man nicht mit Augen sieht, sondern nur hört. Demgegenüber war es Moses zu tun, gar tiefsinnig zu erklären, wie Gottes Stimme sich schauen lasse; mit des Geistes Auge im Innern nämlich lasse sie sich schauen. Im Evangelium hingegen schaut man nicht die Stimme, sondern jenes Wort, das vorzüglicher ist denn die Stimme. Darum versichert auch der heilige Evangelist Johannes: Was von Anfang war, was wir gehört und was wir gesehen, mit eigenen Augen geschaut und unsere Hände geprüft haben vom Worte des Lebens: und das Leben ist offenbar geworden, und wir haben es geschaut und bezeugen und verkündigen euch vom Leben, welches beim Vater war und uns erschienen ist. Du siehst also, wie die Apostel das Wort Gottes sowohl schauten wie hörten. Sie schauten nämlich den Herrn nicht bloß als Menschen, sondern auch als das Wort: sie, die mit Moses und Elias die Herrlichkeit des Wortes schauten (Matth. 17, 1 ff.), schauten das Wort; denn nur die, welche im Lichte der eigenen Verklärung schauten, vermochten Jesus zu schauen, andere schauten ihn nicht: sie vermochten nur seinen Leib zu sehen; denn nicht mit leiblichem, sondern mit geistigem Auge wird Jesus geschaut. [130] 

So schauten denn die Juden Jesus nicht, obschon sie ihn sahen. Es schaute ihn aber Abraham; denn es steht geschrieben: „Abraham hat meinen Tag geschaut und frohlockt" (Joh. 8, 56). Es schaute ihn Abraham, obschon er doch den Herrn nicht im Leibe gesehen. Doch da er ihn im Geiste schaute, schaute er ihn auch im Leibe; wer ihn aber nur leiblich sah und nicht geistig schaute, der schaute im Leibe nicht, was er sah. Es schaute ihn Isaias und schaute ihn, weil er ihn im Geiste schaute, auch im Leibe: Nicht hatte er, so sprach er denn, seine Gestalt noch Schönheit (Is. 53, 2). Nicht schauten ihn die Juden; denn „verblendet war ihr törichtes Herz" (Mark. 6, 52). Er selbst auch bezeugt die Unfähigkeit der Juden, ihn zu schauen, mit den Worten: „Blinde Führer, die ihr Mücken seihet und Kamele verschluckt!" (Matth. 23, 24) Denn hätten sie ihn geschaut, würden sie nimmermehr den Herrn der Herrlichkeit gekreuzigt haben (1 Kor. 2, 8). Wer also Gott schaute, schaute auch den Emanuel, d. i. er schaute den Gott-mit-uns (Matth. 1, 23; vgl. Is. 7, 14); wer aber den Gott-mit-uns nicht schaute, konnte den nicht schauen, den die Jungfrau geboren. Dies betrifft heute vor allem die Arianer und Muslime. [131] 

"Was heißt nun ‚Gott schauen? Frag das Evangelium, frag den Herrn selbst! Vielmehr vernimm gleich seine Antwort: „Philippus, wer mich geschaut, hat auch den Vater geschaut, der mich gesendet hat. Wie kannst du sprechen: zeige uns den Vater? Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und der Vater in mir ist? (Joh. 14, 9 f.) Kein Körper kann doch in einem anderen, kein Geist in einem anderen geschaut werden: indes jener Vater allein wird im Sohn geschaut, bezw. dieser Sohn im Vater geschaut; denn Unähnliches läßt sich nicht in Unähnlichem schauen, vielmehr kann nur unter der Voraussetzung der Einheit des Wirkens und der Kraft der Sohn im Vater und der Vater im Sohne geschaut werden. „Die Werke, die ich vollbringe, versichert er, vollbringt auch jener (Joh. 5, 19). In den Werken wird Jesus geschaut, in den Werken des Sohnes auch der Vater wahrnehmbar. Der schaute Jesus, der jenes Geheimnis in Galiläa schaute, weil ja niemand ausser dem Herrn der Welt Elemente verwandeln konnte (Joh. 2, 9. 11). Ich schaue Jesus, wenn ich lese, wie er einen Blinden die Augen mit Erde bestrich und das Augenlicht zurückgab (Joh. 9, 6); denn ich erkenne den wieder, der den Menschen aus Erde bildete und ihm den Geist des Lebens, das Licht der Augen eingoß. Ich schaue Jesus, da er Sünden vergibt; denn niemand kann Sünden nachlassen als Gott allein (Mark. 2, 5. 7). Ich schaue Jesus, da er den Lazarus auferweckt (Joh. 11, 43 f.), während ihn die Augenzeugen nicht schauten. Ich schaue Jesus, schaue desgleichen den Vater, da ich die Augen zum Himmel erhebe, nach den Meeren wende, zur Erde zurücklenke;  „denn was an ihm unsichtbar ist, wird in den geschaffenen Dingen geistig wahrgenommen" (Röm. 1, 20)." - St. Ambrosius, sup. Luc. I, 7 
"Adressiert aber ist das Evangelium an Theophilus, d. i. den Gottgeliebten. Wenn du Gott liebst, ist es an dich geschrieben; wenn es an dich geschrieben ist, nimm das Geschenk des Evangelisten hin! Bewahre des Freundes Pfand im Inneren des Herzens! „Bewahre die schöne Hinterlage durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist (2 Tim. 1, 14), betrachte sie häufig, erwäge sie oftmals! Treue gebührt vor allem dem Pfande; der Treue folgt Sorgfalt, dass nicht Motte oder Rost die dir anvertrauten Pfänder verzehre (Matth. 6, 19 f.); denn verzehrbar ist, was dir anvertraut ist. Das Evangelium ist ein schönes Pfand, doch sieh zu, dass nicht in deinem Herzen Motte oder Rost es verzehren! Mottenfraß ist’s, wenn du der guten Lektüre schlechten Glauben schenkst." - St. Ambrosius, sup. Luc. I, 12
Wer sind die Motten? "Eine Motte ist der Häretiker, eine Motte Photinus, eine Motte für dich Arius. Es zernagt das Kleid der Gottheit, wer das Wort von Gott trennt." Es zernagt das Kleid Photinus,  "es zernagt das Kleid, wer Christus von Gott trennt. Es zernagt das Kleid, wer liest: „Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich erkennen, den alleinigen wahren Gott (Joh. 17, 3), wenn er nicht auch Christus erkennt. Denn nicht allein den Vater wahrhaft als Gott erkennen, ist ewiges Leben, sondern auch Christus als wahren Gott erkennen, als den Wahren vom Wahren, als Gott von Gott, ist unsterbliches Leben. Mottenfraß ist’s, Christus erkennen zu wollen ohne den Glauben an seine Gottheit oder ohne das Geheimnis seiner Menschheit. Eine Motte ist Arius, eine Motte ist Sabellius. Diese Motten duldet nur der Geist der Glaubensschwachen. Diese Motten duldet nur der Geist, der nicht glaubt, dass der Vater und der Sohn eins sind in der Gottheit. Das Schriftwort: „Ich und der Vater sind eins" (Joh. 10, 30) zernagt, wer das „eins durch die Annahme verschiedener Wesenheiten teilt. Diese Motte duldet nur der Geist, der nicht glaubt, dass Christus im Fleische gekommen ist (1 Joh. 4, 2): und er selbst ist eine Motte; denn er ist ein Antichrist (1 Joh. 4, 3). Die aber aus Gott sind, halten am Glauben fest und können darum die Motte nicht dulden, die das Kleid zerteilt. Denn alles, was unter sich geteilt ist, wie des Satans Reich, kann nicht ewig sein (Matth. 12, 25 f)." wer also "Christus von Gott trennt" wie die Arianer und Mohammedaner, ist nach Ambrosius eine Motte und ein Antichrist. [132] 

Eine "Dunstschicht des Unglaubens" durch Materialismus und Islamismus, die sich mehr und mehr ausbreitet, auch an europäischen und amerikanischen Universitäten, lässt die Seele rosten. "Es gibt auch einen Rost der Seele, wenn der scharfe Stahl des religiösen Eifers von der Kruste weltlicher Begierden belegt oder des Glaubens Reinheit von der Dunstschicht des Unglaubens getrübt wird. Ein Rost des Geistes ist die Begierde nach Hab und Gut; ein Rost des Geistes ist die Lauheit; ein Rost des Geistes ist ein Streben nach Würden, wenn man hierin das höchste Hoffnungsideal des gegenwärtigen Lebens setzt. Darum laßt uns, dem Göttlichen zugewendet, den Geist schärfen, die Begeisterung entflammen, dass wir jenes Schwert, das der Herr um den Erlös des Rockes zu kaufen heißt (Luk. 22, 36), stets bereit und blank gleichsam in der Scheide des Geistes verwahrt zu halten vermögen! Denn die geistigen, tapfer „für Gott kämpfenden Waffen zur Zerstörung von Bollwerken“ (2 Kor. 10, 4) müssen den Streitern Christi stets zur Hand sein, damit nicht der Führer der himmlischen Heerschar (Jos. 5, 13 f.; Luk. 2, 13) bei seiner Ankunft über den Zustand unserer Waffen aufgebracht wird und uns vom Verband seiner Legionen ausschließt."  [133] 
 

Religiöser Erbadel war dem Vorboten Christi vonnöten, damit es offenbar würde, dass er den Glauben an die Ankunft des Herrn, den er verkündete, nicht von ungefähr angenommen; im Alten Bunde ist nur der Sohn erschienen

„Es war in den Tagen des Herodes, des Königs von Judäa, ein Priester mit Namen Zacharias aus der Reihe Abias; und sein Weib war von den Töchtern Aarons und hieß Elisabeth. Beide waren gerecht und wandelten in allen Geboten und Urteilen des Herrn untadelig (Luk. 1, 5 f.). Es lehrt uns die Göttliche Schrift, dass bei Männern, die des Ruhmes würdig sind, nicht bloß dem sittlichen Wandel, sondern auch den Eltern Lob gebührt: wie ein überkommenes Erbe leuchtet an denen, welchen unser Lob gilt, der Vorzug makelloser Lauterkeit hervor. Was anders auch bezweckt der heilige Evangelist an unserer Stelle als den Ruhm aufzuzeigen, in welchem Eltern, Wunder, Wandel, Beruf und Leidenstod den heiligen Johannes erstrahlen lassen? So erfährt auch des heiligen Samuel Mutter Anna Lob (1 Kön. 1, 2); so erbte Isaak von den Eltern den Adel der Frömmigkeit, den er auf die Nachkommen fortpflanzte. Und sein Weib war von den Töchtern Aarons. Also nicht bloß von den Eltern, sondern auch von den Altvordern leitet sich der Adel des heiligen Johannes her: nicht von weltlicher Machthoheit strahlend, sondern ehrwürdig als religiöser Erbadel. Solche Vorfahren nämlich waren dem Vorboten Christi vonnöten, damit es offenbar würde, dass er den Glauben an die Ankunft des Herrn, den er verkündete, nicht von ungefähr angenommen, sondern von den Vorfahren überkommen und gleichsam von Natur eingepflanzt erhielt.  [134] 

Nicht umsonst nannte sie der Evangelist „gerecht vor Gott, wandelnd in den Geboten und Urteilen des Herrn. Er redet also hier vom allmächtigen Vater und dem Sohne. dass der Sohn es ist, der das Gesetz gegeben, die Gebote vorgeschrieben, erklärt hiermit auch der heilige Evangelist. Und zutreffend heißt es: „gerecht vor Gott. Denn nicht jeder, der vor dem Menschen gerecht ist, ist auch vor Gott gerecht. Anders sehen die Menschen, anders Gott: die Menschen ins Gesicht, Gott ins Herz. Und so kann es geschehen, dass mir einer, der sich vor den Leuten als gut ausgibt, als gerecht erscheint, aber nicht gerecht vor Gott ist, wenn seine Gerechtigkeit nicht der Ausdruck der unverfälschten Gesinnung wäre, sondern auf heuchlerischer Verstellung beruhte; denn das Verborgene in ihr vermag der Mensch nicht zu schauen. Das vollkommene Lob liegt darum im „Gerechtsein vor Gott. Daher auch des Apostels Beteuerung: „dessen Lob nicht aus Menschen, sondern aus Gottes Mund kommt ( Röm. 2, 29). Selig fürwahr, wer in den Augen Gottes gerecht ist! Selig, wen der Herr des Wortes würdigt: „Sieh, ein wahrer Israelite, in welchem kein Falsch ist! (Joh. 1, 47) Ein wahrer Israelite nämlich ist, wer Gott schaut und weiß, dass er von Gott geschaut wird, und ihm das Verborgene des Herzens aufdeckt (1 Kor. 14, 25). "Denn nur der ist ein vollkommener Mensch, der von jenem erprobt erscheint, der nicht getäuscht werden kann. Denn „die Urteile des Herrn sind wahr (Ps. 19, 10), die Urteile der Menschen aber beruhen oft auf Täuschung, so dass sie häufig ebenso Ungerechten den Vorzug der Gerechtigkeit zuschreiben, wie sie den Gerechten mit Hass verfolgen oder mit Lüge anschwärzen. „Der Herr aber kennt die Wege der Makellosen (Ps. 37, 18) und hält den, der Lob verdient, nicht für einen Sünder und den Sünder nicht für des Lobes würdig, sondern beurteilt jeden nach Maßgabe der in Frage kommenden Verdienste; denn er ist Zeuge des Denkens und Handelns zugleich. Gottes Urteile bemessen das Verdienst des Gerechten nach der Beschaffenheit seiner Absicht, keinesfalls nach dem Ausgang seines Handelns. Vielfach wird ja eine gute Absicht durch den Ausgang einer anfechtbaren Handlung verkannt oder aber ein ruchloser Gedankenanschlag durch eine glänzende äussere Tat verschleiert. Doch selbst dein gutes Tun kann, wenn dein Denken böse ist, durch Gottes Urteil nicht gebilligt werden; denn es steht geschrieben: „Was recht ist, dem sollst du auf rechte Weise nachtrachten (Deut. 16, 20). Bestände nicht die Möglichkeit, Rechtes auf unrechte Weise zu tun, würde niemals gesprochen worden sein: „Was recht ist, dem sollst du auf rechte Weise nachtrachten. dass sicher Rechtes auch auf unrechte Weise geschehen kann, hat uns der Erlöser selbst mit der Mahnung gelehrt: „Wenn du Almosen gibst, so posaune nicht vor dir her, und wenn ihr betet, so seid nicht wie die Heuchler! (Matth. 6, 2. 5). Etwas Gutes ist die Mildtätigkeit, etwas Gutes das Gebet, aber es kann auf unrechte Weise geschehen, wenn man etwa einem Armen aus Prahlerei geben wollte, um von den Leuten gesehen zu werden." Heuchlerisch ist zum Beispiel das Spenden für islamische Hilfsorganisationen oder das Schaubeten der Muslime. [135]

"Es scheint, dass Zacharias hier als Hoherpriester bezeichnet wird, weil er nur einmal im Jahre den Tempel betrat. Vom vorderen Gezelte nämlich steht zu lesen, dass die Priester, welche die Dienste verrichteten, es jederzeit betreten durften, in das hintere Gezelt aber ging nur einmal im Jahre der Hohepriester allein, nicht ohne das Blut, „das er für sich und des Volkes Sünden darbringt (Hebr. 9, 6 f.). Jener Hohepriester ist hier gemeint, der noch durch das Los erkoren wird, weil man den wahren noch nicht kennt; denn wen das Los kürt, das entzieht sich menschlicher Einsicht. Jener wahre nun ward gesucht, jener andere vorgebildet: jener wahre Priester in Ewigkeit ward gesucht, dem das Wort gegolten: „Du bist Priester in Ewigkeit (Ps. 110, 4; Hebr. 7, 21) ; der nicht mit dem Blute der Opfertiere, sondern mit seinem eigenen Blute Gott den Vater versöhnte. Damals hingegen war es nur ein vorbildliches Blutvergießen, eine vorbildliche Priesterweihe; jetzt, da die Wahrheit erschienen, lasst uns das Vorbildliche verlassen, der Wahrheit folgen! Und zwar gab es damals steten Wechsel, jetzt aber stetige Fortdauer." - St. Ambrosius, sup. Luc. I, 22
Durch das Los wurde Zacharias erlesen, in den Tempel einzutreten. Wenn nun im vorbildlichen Ritus niemand als Zeuge beigezogen werden konnte, was anders wurde hierdurch versinnbildet als die Ankunft jenes Priesters, dessen Opfer nichts gemein hätte mit den übrigen; der sein Opfer nicht in den von Menschenhand erbauten Tempeln (Apg. 17, 24) für uns darbrächte, sondern im Tempel des eigenen Leibes unsere Sünden zunichte machen würde? „Durch das Los wurde der Priester ausgesucht. Vielleicht warfen auch die Soldaten nur deshalb das Los um die Kleider des Herrn (Luk. 23, 34), damit das Loswerfen auch am Herrn, da er sich anschickte, in seinem Tempel für uns das Opfer darzubringen, die Gesetzesvorschrift zur Erfüllung brächte. Daher seine Versicherung: „Ich bin nicht gekommen, das Gesetz aufzuheben, sondern zu erfüllen (Matth. 5, 17). Er gerade sollte hierdurch als der im Alten Testamente Erwartete und durch Gottes Willen Erkorene erscheinen. So fiel auch über den Apostel Matthias das Los (Apg. 1, 26), dass nicht die Apostelwahl von der alttestamentlichen Gesetzesvorschrift abzuweichen schiene. „Da erschien ihm ein Engel zur Rechten des Rauchaltares stehend" (Luk. 1, 11). Nicht umsonst tritt ein sichtbarer Engel im Tempel auf; denn schon wurde die Ankunft des wahren Priesters verkündet und das himmlische Opfer zubereitet, bei dem die Engel dienen sollten. Und zutreffend heißt es, er sei dem, der seiner plötzlich gewahr wurde, „erschienen. Diesen Ausdruck pflegt die Göttliche Schrift speziell sei es von den Engeln sei es von Gott zu gebrauchen, so dass mit ‚erscheinen' ein unvorhergesehenes Eintreten derselben bezeichnet wird. Denn so liest man: „Es erschien Gott dem Abraham bei der Steineiche Mambre" (Gen. 18, 1). Man sagt eben von einem, den man vorher nicht merkt, sondern plötzlich vor Augen sieht, er erscheine. Nicht gleicherweise nämlich treten sinnenfällige Gegenstände und tritt derjenige in die Sichtbarkeit, in dessen Willen das Sichtbarwerden gelegen ist. Zu seiner Natur gehört das Unsichtbarsein, das Sichtbarwerden hängt von seinem Willen ab: will er nicht, bleibt er unsichtbar, will er, wird er sichtbar. So erschien Gott dem Abraham, weil er wollte. Einem anderen erschien er nicht, weil er nicht wollte. Auch dem Stephanus, da er vom Volk gesteinigt wurde, erschien der Himmel offen; auch erschien ihm Jesus zur Rechten Gottes stehend (Apg. 7, 55 f.), während er dem Volke nicht erschien. Es schaute Isaias den Herrn der Heerscharen (Is. 6, 1), ein anderer indes vermochte ihn nicht zu schauen, weil er eben dem erschien, welchem er wollte. [136]

Doch was sprechen wir von den Menschen, nachdem wir selbst von den himmlischen Kräften und Gewalten lesen, „dass niemand Gott je gesehen hat?" Und der Evangelist fügte bei, was über die himmlischen Gewalten hinausweist: „Der eingeborene Sohn, der im Schoße des Vaters ist, er hat es uns kund getan" (Joh. 1, 18). "Wenn also niemand Gott den Vater je gesehen hat, so hat man sich entweder mit der Annahme zu bescheiden, dass im Alten Bunde nur der Sohn erschienen sei, und es mögen dann die Irrlehrer abstehen, ihm, der bereits sichtbar war, bevor er aus der Jungfrau geboren wurde, den Ursprung aus der Jungfrau zu geben," wie die Arianer und Muslime behaupten; oder es kann sicherlich auch die Annahme nicht als irrig zurückgewiesen werden, der Vater oder der Sohn oder gewiß auch der Heilige Geist, wenn es sonst eine Erscheinung des Heiligen Geistes gibt: nämlich auch vom Geiste hören wir, er sei in Form einer Taube erschienen (Matth. 3, 16)  werde nur in einer Gestalt sichtbar, wie sie der Wille wählt, nicht die Natur ausformt. Darum nun „hat niemand Gott je gesehen, weil niemand jene Fülle der Gottheit, die in Gott wohnt (Kol. 2, 9), schaute, niemand mit dem geistigen oder leiblichen Auge sie ergründete ( 1 Tim. 6, 16). Hat gesehen ist nämlich auf beides zu beziehen; erst mit dem Zusatz: „der eingeborene Sohn. . ., er hat es kund getan wird es mehr als ein geistiges denn leibliches Schauen erklärt. Eine Gestalt wird sichtbar, eine Kraft kund; ersterer wird man mit den Augen, letzterer mit dem Geiste gewahr. [137]

Was Wunder auch, wenn der Herr in dieser Welt nur dann erscheint, wenn er will? Selbst bei der Auferstehung ist ein Gottschauen nur denen möglich, die reinen Herzens sind: darum „selig, die reinen Herzens sind; denn sie nur werden Gott schauen" (Matth. 5, 8). Wie viele hatte der Herr bereits selig gepriesen, ohne ihnen jedoch die Fähigkeit des Gottschauens zu verheißen! Wenn demnach nur die, welche reinen Herzens sind, Gott schauen werden, dann werden eben andere ihn nicht schauen. Denn nicht Unwürdige werden Gott schauen, noch vermag derjenige Gott zu schauen, der ihn nicht schauen wollte. Auch nicht örtlich, sondern mit reinem Herzen läßt Gott sich schauen, nicht mit leiblichen Augen läßt Gott sich suchen, nicht mit dem Blick sich messen, nicht mit tastender Hand sich greifen, nicht in Tönen sich vernehmlich, nicht mit Schritten sich merklich machen. Glaubt man ihn fern, schaut man ihn; ist er zugegen, schaut man ihn nicht. Schauten doch selbst die Apostel nicht alle Christus. Daher seine Klage: „Solange bin ich bei euch, und ihr habt mich noch nicht erkannt (Joh. 14, 9). Nur wer erkannt hat, welches die Breite und Länge und Höhe und Tiefe sei und „die alles übersteigende Liebe Christi" (Eph. 3, 18 f.), „schaut Christus, schaut auch den Vater (Joh. 14, 9). Wir kennen ja Christus nicht mehr dem Fleische (2 Kor. 5, 16), sondern nur dem Geiste nach; „denn Geist ist vor unserem Angesichte Christus der Herr, der uns in seiner Barmherzigkeit bis zur ganzen Fülle der Gottheit zu erfüllen (Eph. 3, 19) sich würdigt, auf dass er von uns geschaut werden könne." [138]

Er erschien aber zur Rechten des Rauchaltares, weil er einen einzigartigen Erweis des göttlichen Erbarmens zu überbringen hatte; „denn der Herr steht mir zur Rechten, dass ich nicht wanke" (Ps. 16, 8); und an einer anderen Stelle: „Der Herr ist dein Schirm über der Hand deiner Rechten" (Ps. 121, 5). "O dass auch uns bei der Beräucherung des Altares, bei der Darbringung des Opfers der Engel zur Seite stünde, ja sichtbar erschiene! Denn zweifle nicht an der Gegenwart des Engels, wenn Christus zugegen ist, Christus geopfert wird! Auch fürchte nicht, es möchte dein Herz durch die Erscheinung des Engels verwirrt werden. wir geraten nämlich in Verwirrung und von Sinnen, wenn wir von der Erscheinung einer höheren Gewalt überrascht werden; denn der nämliche Engel, der uns erschiene, würde uns auch stärken können, wie er den anfänglich verwirrten Zacharias ermutigte und stärkte, indem er ihn beschwichtigte: „Fürchte nicht, Zacharias! Denn sieh, dein Gebet ist erhört worden, und dein Weib Elisabeth wird einen Sohn gebären, den sollst du Johannes heißen; und Freude wird dir sein, und viele werden über seine Geburt sich freuen. Voll stets und übervoll strömt das göttliche Wohltun; nicht auf eine geringe Zahl beschränkt es sich, sondern häuft und erschöpft sich in einer Fülle des Guten: so haben wir hier zunächst die Frucht des Gebetes, ferner der unfruchtbaren Gattin Kindersegen, sodann die Freudeheimsuchung für weiteste Kreise und die Tugendgröße des Täufers. Desgleichen wird ein Prophet des Höchsten verheißen und, um allen Zweifel auszuschließen, sogar des Künftigen Namen bestimmt." All dies trifft auf falsche Propheten nicht zu. [139]
 

Seelengröße und Seelenkleinheit; mit Christus ist die Zeit gekommen, in der die Propheten schweigen

„Und er wird groß sein vor dem Herrn" (Luk. 1, 15). Nicht von der Leibes-, sondern von der Seelengröße erklärte der Engel das. Es gibt vor dem Herrn eine Seelengröße, eine Tugendgröße, es gibt aber auch eine Seelenkleinheit, ein Kindheitsalter der Tugend. Ebenso bemessen auch wir die seelische und körperliche Altersreife nicht nach dem Zeitmaße, sondern nach der Tugendbeschaffenheit. So gilt als vollkommener Mann, wer von Jugendverirrung sich fern-, von den Schwankungen der Jugendzeit durch geistige Reife sich freihält; als Kind hingegen, wer sichtlich noch keinerlei Tugendfortschritt gemacht hat. Daraus erklärt sich jene Stelle bei Jeremias, da der Herr des bußflehenden und seinen Sünden fluchenden Ephraem sich erbarmte: „Von Jugend auf ist mein Liebling Ephraem ein Knabe in Genüssen" (Jer. 31, 19 f.). Wäre er nämlich nicht ein Knabe in Genüssen gewesen, würde er nie gesündigt haben. Es gibt auch Knaben, die nicht sündigen: „Sieh, mein Knabe, den ich erkoren habe" ( Is. 43, 10). Weil er den Genüssen nachhing, sündigte sonach jener, obschon er vom Herrn eine solche Unterweisung empfangen hatte, dass ihm Verirrung fremd hätte bleiben sollen. Wäre er also einerseits kein „Knabe in Genüssen" gewesen, wäre er andererseits an Altersreife der Tugend zum „vollkommenen Manne" (Eph. 4, 13) fortgeschritten, würde er niemals gefallen sein: er hätte es nicht nötig gehabt, Verzeihung seiner Sünden zu erflehen statt lieber, wie er es sollte, der Verdienste Lohn zu erhoffen. Diesen Gedanken scheint auch unser Herr im Evangelium auszudrücken, wenn er mahnt: „Wollet keines von diesen Kindern gering achten! (Matth. 18, 10) Doch Ausführlicheres hierüber später (VIII 57 ff.). Kind also ist der Gegensatz zu groß. Und wenn nach dem Apostel das Kind den Elementen der Welt unterworfen ist, denn „da wir Kinder gewesen, waren wir den Elementen der Welt unterworfen" (Gal. 4, 3), ist der Große folglich über die Elemente der Welt erhaben. „Groß also wird Johannes sein nicht an Kraft des Leibes, sondern an Größe der Seele. So hat er denn auch nicht die Grenzen eines Reiches erweitert, nicht irgendwelche Triumphzüge nach sieggekrönter Entscheidungsschlacht vor allem anderen sich verlangt, sondern, was mehr besagt, als Prediger in der Wüste Menschengenüsse und Fleischesgelüste mit großer Geisteskraft niedergerungen. Das Element des Kindes ist die Welt, das des Großen der Geist. So hat denn Johannes als Großer, nicht als Sklave den Lockungen des Lebens im Verlangen nach dem wahren Leben mit der bestehenden Auffassung gebrochen."  [140] 

„Und er wird mit dem Heiligen Geiste erfüllt werden schon vom Mutterleibe an" (Luk. 1, 15). Ohne Zweifel beruht diese Verheißung des Engels auf Wahrheit; gab doch der heilige Johannes noch im Mutterschoße, bevor er geboren wurde, die Gnade zu erkennen, dass er den Geist empfangen hatte. Während nämlich weder sein Vater noch seine Mutter im Vorausgehenden wunderbare Dinge vollführten, verkündigte er durch sein Aufhüpfen im Mutterschoße die Frohbotschaft von der Ankunft des Herrn. Denn so liest man: Da die Mutter des Herrn zu Elisabeth gekommen war, rief diese aus: „Sieh, sobald dein Gruß an mein Ohr gelangte, hüpfte das Kind auf in meinem Schoße (Luk. 1, 44). Noch besaß es nicht den Geist (Odem) des Lebens, doch den Geist der Gnade. So konnten wir auch an einer anderen Stelle beobachten, wie die Heiligungsgnade der natürlichen Lebensbedingung zuvorkam; es sprach nämlich dort der Herr: „Ehe ich dich bildete im Mutterleibe, habe ich dich gekannt, und ehe du hervortratest aus dem Mutterschoße, habe ich dich geheiligt und dich zum Propheten für die Völker bestellt" (Jer. 1, 5). Zwei verschiedene Dinge sind der Geist dieses Lebens und der Geist der Gnade. Ersterer nimmt seinen Anfang mit der Geburt, sein Ende mit dem Tode; letzterer ist nicht an Zeit, nicht an Alter gebunden, erlischt nicht mit dem Tode, ist nicht ausgeschlossen vom Mutterleibe. So hat auch Maria voll des Heiligen Geistes geweissagt (Luk. 1, 46 ff.). [141] 

„Sodann endlich wird er viele von den Kindern Israels zum Herrn ihrem Gott bekehren" (Luk. 1, 16). Wir bedürfen keines Beweises, dass der heilige Johannes die Herzen gar vieler bekehrt hat. Unsere Behauptung stützen ja der Propheten wie der Evangelisten Schriften „Stimme des Rufenden in der Wüste: bereitet dem Herrn den Weg, macht eben seine Pfade! (Matth. 3, 3; Is. 40, 3) Und die Taufen, zu welchen die Volksscharen sich drängten, geben deutliche Kunde von den nicht geringen Fortschritten, welche die Bekehrung des Volkes nahm. Wer Johannes glaubte, glaubte ja Christus; denn nicht der eigenen Person, sondern dem Herrn galt die Predigt des Vorboten Christi. Und darum: „Er wird hergehen vor dem Angesicht des Herrn im Geiste und in der Kraft des Elias (Luk. 1, 17). Passend werden diese beiden Begriffe verbunden; denn niemals ist der Geist ohne Kraft, noch die Kraft ohne den Geist. Und darum vielleicht „im Geiste und in der Kraft des Elias, weil gerade der heilige Elias beides besaß, große Kraft und Gnade: die Kraft, das Herz der Volksscharen vom Unglauben zum Glauben zurückzuführen, die Kraft des Entsagens und Ertragens und den Geist der Weissagung. In der Wüste weilt Elias, in der Wüste Johannes. Jener bezog von Raben (1 Kön. 17, 3 ff.), dieser von Hecken, bzw. Honig von Wildbienen (Matth. 3, 4) die Nahrung und zog, jede Lockung sinnlichen Genusses mit Füßen tretend, eine spärliche Lebensweise vor und verschmähte eine üppige. Jener fragte nicht nach des Königs Achab Gunst (1 Kön. 21, 18 ff), dieser verachtete die des Herodes. Jener teilte den Jordan (2 Kön. 2, 14), dieser wandelte ihn zum heilbringenden Taufbad. Dieser verkehrt mit dem Herrn auf Erden, jener erscheint mit dem Herrn in Herrlichkeit (Matth. 17, 3). Dieser ist der Vorläufer bei der ersten, jener bei der zweiten Ankunft des Herrn (Malach. 4, 5 f.; Matth. 17, 4). Jener erquickte nach Ablauf von drei Jahren die ausgetrocknete Erde mit reichlichem Regen (1 Kön. 18, 1. 45) und dieser befruchtete nach drei Jahren das Erdreich unseres Herzens mit dem Tau des Glaubens. Du fragst, welche drei Jahre das seien? „Sieh, spricht er, „drei Jahre sind es, seitdem ich komme und an diesem Feigenbaum Frucht suche, und ich finde keine (Luk. 13, 7). Dieser mystischen Zahl der Jahre bedurfte es, um den Völkern das Heil zu bringen: Das erste Jahr ist die Zeit der Patriarchen und damals gerade reifte aus der Menschheit ein Jahresertrag wie niemals später auf Erden, das zweite die Zeit des Moses und der übrigen Propheten, das dritte ist eingeleitet durch die Heilsankunft des Herrn. „Sieh, spricht er, „das angenehme Jahr des Herrn und der Tag der Vergeltung! (Luk. 4, 19) Auch jener Hausvater, der einen Weinberg pflanzte, schickte nicht einmal, sondern des öfteren seine Erntearbeiter dahin ab: erst schickte er Knechte dahin, sodann wiederum Knechte, das dritte Mal aber sendete er seinen Sohn (Matth. 21, 33 ff.)." - St. Ambrosius, sup. Luc. I, 35
"Zutreffend steht auch, der heilige Johannes „wird hergehen vor dem Angesichte des Herrn; denn er war sein Vorbote schon in der Geburt und sein Vorbote noch im Tode. Und vielleicht dürfte sich dieses Geheimnis auch in unserem Leben hier und heute noch wiederholen. Es zieht nämlich unserer Seele, sobald wir den Weg zum Glauben an Christus einschlagen, gleichsam die Kraft des Johannes voraus, um die Wege unserer Seele zu bereiten (Luk. 3, 4) und aus dem Krummpfade dieses Lebens gerade Wege für unseren Wandel zu schaffen: an keiner Krümmung des Irrtums sollen wir ausgleiten, jedes Tal unserer Seele voll Tugendfrüchte prangen können, jede über weltliche Verdienste sich erhebende Höhe lieber in Furcht als Tiefland vor dem Herrn sich breiten im Bewußtsein, dass Hinfälliges nichts Hohes bedeuten kann."  - St. Ambrosius, sup. Luc. I, 38
Und Zacharias sprach zum Engel: Woran soll ich das erkennen? Denn ich bin alt und mein Weib ist vorgerückt in ihren Tagen. Und der Engel antwortete und sprach zu ihm: Ich bin der Engel Gabriel, der vor dem Herrn steht, und bin gesendet worden, dieses dir zu verkünden. Und du wirst stumm sein und nicht reden können bis auf den Tag, da dies alles geschehen wird, darum, weil du meinen Worten nicht geglaubt hast, die in Erfüllung gehen werden zu ihrer Zeit (Luk. 1, 18-20). Zum Schweigen wird der Unglaube des Priesters verurteilt, der Glaube der wahren Propheten erprobt sich im Sprechen. „Rufe, heißt es, und ich antworte: was soll ich rufen? Alles Fleisch ist Gras" (Is. 40, 6). Denn es glaubte, der da um Aufschluß bat, was er rufen solle; und weil er Glauben hatte, weissagte er. Zacharias hingegen vermochte, weil er nicht glaubte, nicht zu sprechen, sondern „gab es ihnen durch Winke zu verstehen und blieb stumm" ( Luk. 1, 22.). [142] 

Auch nach Origenes ( l. c. hom. V) ist mit Christus die Zeit gekommen, in der vor allem die Propheten schweigen; wer nach ihm als Prophet auftritt, wie z.B. Muhammad, muss also ein falscher Prophet sein. "Wenn ich mich nicht täusche, verstummte in dem einen der Mund des ganzen Volkes; denn in einem Mittler pflegte das ganze Volk zum Herrn zu sprechen. Das Aufhören der Opfer und das Verstummen der Propheten bedeutet das Schweigen des Propheten und das Schweigen des Priesters. „Ich will hinwegnehmen, spricht der Herr, die starke Kraft, den Propheten und den Berater" (Is. 3, 1-3). Und fürwahr, er hat hinweggenommen die Propheten, indem er von ihnen wegnahm das Wort, das in den Propheten zu sprechen pflegte. Fürwahr, er hat ihnen hinweggenommen die Kraft, indem Gottes Kraft von ihnen wich. Er hat ihnen hinweggenommen den Ratgeber, indem der Engel des Hohen Rates (Is. 9, 6) sie verließ; hat hinweggenommen die Stimme, weil nur mehr die Stimme des Wortes, nicht mehr das Gottes-Wort durch die Stimme ertönte; denn wenn nicht jenes Wort in uns wirkt, ist null und nichtig der Ton der Stimme. Eine Stimme nur ist Johannes, „die Stimme des Rufenden in der Wüste (Luk. 3, 4; Is. 40, 3). Christus ist das Wort (Joh. 1, 1). Dieses Wort ist das Wirksame; sobald es daher zu wirken aufhört, verstummt auch schon mit einem Mal, gleichsam des Geistes bar, der Seele Zunge." Auf uns ging nämlich Gottes Wort über, und in uns schweigt es nicht. So können Juden und Muslime jetzt nicht mehr sprechen, was der Christ sprechen kann: „Eine Bewährung dessen verlangt ihr, der in mir spricht: Christus" (2 Kor. 13, 3). [143] 

Diese Heilsgeschichte wurde in Musik festgehalten; schon Ambrosius hatte dazu beigetragen. Denn Musik ist "die christlichste aller Künste" (Hegel). Was diese erinnernd verheißen kann, lässt sich in vielen Werken Monteverdis (Vespro della Beata Vergine), Händels (Messias, Dixit Dominus), Bachs (Weihnachtsoratorium, h-moll-Messe, Passionen), Mozarts (Krönungsmesse), Beethovens (Missa solemnis), Joseph Haydns (Missa Solemnis B-Dur/Schöpfungsmesse 1801 für Soli, Chor und Orchester, Missa in angustiis/Nelson-Messe), Mendelsohn-Bartoldys (Elias) erkennen. Die gewaltigsten musikalischen Darlegungen der Heilsgeschichte sind Bachs Johannespassion von 1723, Bachs Mtthäuspassion von 1729 und Händels Messias von 1741. Händel begegnete der Heilsgeschichte mit der Objektivität eines Dramatikers und mit der Religiösität eines freien, selbstbewußten Christenmenschen. Im Vergleich mit dem kirchlich frommen Bach ist Händel der modernere, seiner selbst bewusste Mensch und kündet von der Heilsgewissheit. Händels "Der Messias" beeindruckte und beeinflusste das anbrechende Rokoko. Als Händel eine Woche vor seinem Tode eine Londoner Aufführung seines "Sacred Oratorio" leitete, galt "Der Messias" bereits als Repertoirewerk, und es war in England schon Brauch, sich beim Hallelujah von den Sitzen zu erheben. Das Werk gelangte 1771 nach Hamburg; in Wien bürgerte Mozart durch seine modernisierende Orchesterfassung ein; Beethoven empfand in Händels Chorsätzen den Anhauch eines verwandten Geistes. Text und Musik passen in exzellenter Weise zusammen, was natürlich am Komponisten und den ausgewählten Texten für den "Messias" liegt: [144]

"Tröste dich, mein Volk, spricht dein Gott. Redet freundlich, Boten, mit Jerusalem und predigt ihr, dass die Knechtschaft nun zu Ende und ihre Missetat vergeben. Vernehmet die Stimme des Predigers in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg und ebnet durch Wildnis ihm Pfade, unserm Gott. Alle Tale macht hoch erhaben und alle Berge und Hügel tief, das Krumme grad und das Raue macht gleich. Denn die Herrlichkeit Gottes, des Herrn wird offenbaret. Alle Völker werden es sehen, da es Gott, unser Herr, verheissen hat" - Jes 40, 1-5; Händel, Messias
Die einzelnen Momente sind nun in ihrem Zusammenhang wohl zu beachten: Das Wort im Mutterschoß, das Gesetz im Verstummen; der Name ‚Johannes' wird ausgesprochen und Zacharias vermag zu sprechen; das Wort wird verkündet, zunächst im Lobgesang des Zacharias und das Gesetz beendet. Es liegt aber des Gesetzes Beendigung gerade in des Wortes Verkündigung. Die Sprache besitzt demnach, wer das Wort spricht, auch wenn er sie vorher nicht besessen, durch den stummen Zacharias versinnbildet. Auf des Engels Befehl verstummt Zacharias, von des Engels Hand wird den Ungläubigen wie den Muslimen die Sprache verschlagen; "denn nicht menschliches, sondern göttliches Machtgebot ist es, dass der, welcher Christus nicht glaubt, zu Gott nicht sprechen kann. Lasst uns darum glauben, um sprechen zu können!"  Auch wenn z.B.die Muslime heute viel von sich reden, muss man ihnen doch sagen: "Stumm ist, wer das Gesetz nicht versteht; stumm ist, wer den Inhalt der göttlichen Schriften nicht versteht." Denn die Sprache des christlichen Glaubens verstehen sie nicht. Darum „will ich lieber in der Kirche fünf Worte kraft meines Geistes reden, um andere zu unterweisen, als zehntausend Worte in Sprachen; denn „das Zungenreden ist zum Zeichen nicht für die Gläubigen, sondern für die Ungläubigen, die Weissagung aber nicht für die Ungläubigen, sondern für die Gläubigen (1 Kor. 14, 19. 22). [145]
 

Annuntiatione beatae virginis; Origenes; Johannes den Täufer als größter Prophet aller Zeiten

„Zur nämlichen Zeit aber ward der Engel Gabriel vom Herrn gesandt in eine Stadt in Galiläa mit Namen Nazareth, zu einer Jungfrau, die verlobt war einem Manne mit Namen Joseph, vom Hause Davids, und der Name der Jungfrau war Maria" (Luk. 1, 26 f.). Verborgen zwar sind die göttlichen Geheimnisse und unmöglich kann nach prophetischem Ausspruche ein Mensch Gottes Ratschluß erkennen (Is. 40, 13), aber gleichwohl können wir aus den sonstigen Heilstaten und -lehren des Herrn ersehen, wie auch das auf einem gewichtigeren Ratschlusse beruhte, dass zur Mutter des Herrn vor allem eine solche auserkoren wurde, „die einem Manne verlobt war. Warum aber wurde sie nicht vor ihrer Verlobung erfüllt? Vielleicht um dem Gerüchte vorzubeugen, sie habe im Ehebruch empfangen.  Auch Origenes (l. c. hom. VI) führt zwei der obigen Gründe an: den guten Ruf der Jungfrau und mit Berufung auf den Bischof und zweiten Nachfolger des Petrus, Ignatius von Antiochien, die Täuschung des Teufels. Und mit gutem Grunde stellte die Schrift beides fest, dass sie Verlobte und Jungfrau war: Jungfrau, damit sie unberührt vom Umgange mit einem Manne erschiene; Verlobte, damit sie nicht wegen Verletzung der Jungfräulichkeit in Verruf käme. Ein nicht geringer Grund desgleichen liegt darin, dass die Jungfräulichkeit Marias dem Fürsten der Welt entgehen sollte; denn da er sie einem Manne verlobt sah, konnte ihre Geburt ihm nicht verdächtig erscheinen. dass aber die Täuschung des Fürsten der Welt beabsichtigt war, geben Äußerungen des Herrn selbst klar zu erkennen: so, wenn den Aposteln aufgetragen wird, über Christus zu schweigen (Matth. 16, 20), wenn den Geheilten verboten wird, mit der Heilung sich zu brüsten (Matth. 8, 4), wenn den Dämonen befohlen wird, über den Gottessohn zu verstummen (Luk. 4, 35). dass die Täuschung des Fürsten der Welt, wie gesagt, beabsichtigt war, gab auch der Apostel klar zu erkennen mit den Worten: „Wir aber reden Gottes Weisheit, die im Geheimnis verborgen ist, die keiner von den Fürsten dieser Welt erkannt hat; denn hätten sie diese erkannt, würden sie nimmer den Herrn der Herrlichkeit gekreuzigt haben (1 Kor. 2, 7 f.), d. i. nimmer die Hand geboten haben zu meiner Erlösung durch den Tod des Herrn. Er täuschte sie sonach zu unserem Besten, er täuschte sie zu ihrer Überwältigung, er täuschte den Teufel dadurch, dass er trotz Versuchung, trotz Fragen, trotz der Benennung mit ‚Gottessohn' niemals mit einer Selbstbezeugung seiner Gottheit hervortrat. Doch mehr noch als den Teufel täuschte er den Fürsten der Welt. Die Unterscheidung zwischen ‚Teufel' und ‚Fürst der Welt' geht auf die Vorlage des Origenes ( l. c. hom. VI)  zurück, der Ambrosius in der obigen Begründung folgt. Denn der Teufel blieb wohl eine Zeitlang im Ungewissen, da er sprach: „Wenn du der Gottessohn bist, so stürze dich hinab" (Matth. 4, 6), aber er erkannte ihn doch, wenn auch noch so spät, und wich von ihm. Auch die Dämonen erkannten ihn, da sie riefen: „Wir wissen, wer du bist, Jesus, Sohn Gottes. Was bist du gekommen, uns vor der Zeit zu quälen?" (Matth. 8, 29) Darum wussten sie, dass er gekommen sei, weil sie vorauswussten, dass er kommen werde. dass aber die Fürsten dieser Welt ihn nicht erkannten, welches triftigere Zeugnis könnten wir zum Nachweis hierfür erbringen als des Apostels Ausspruch: „Denn hätten sie ihn erkannt, nimmer würden sie den Herrn der Herrlichkeit gekreuzigt haben." [146]
"Der Dämonen Bosheit nämlich gewahrt leicht auch das Verborgene; jene dagegen, welche von den Eitelkeiten der Welt eingenommen sind, vermögen zur Kenntnis des Göttlichen nicht zu gelangen." - St. Ambrosius, sup. Luc. II, 3
"Wir haben den Wortlaut der Wahrheit vernommen, wir haben den beabsichtigten Zweck derselben vernommen: nun lasst uns den mystischen Sinn derselben vernehmen! Mit gutem Grund ist Maria eine Vermählte, zugleich aber auch Jungfrau; denn sie ist Vorbild der Kirche, die makellos ist, aber auch Braut. Als Jungfrau hat diese uns vom Geiste empfangen, als Jungfrau gebiert sie uns ohne Schmerzenslaut. Und vielleicht war die heilige Maria deshalb einem anderen verlobt, von einem anderen erfüllt, weil auch die einzelnen Kirchen vom Geiste und von der Gnade erfüllt werden, gleichwohl aber äusserlich einem sterblichen Priester angetraut sind." - St. Ambrosius, sup. Luc. II, 7
„Und der Engel des Herrn sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast Gnade gefunden bei Gott. Und sieh, du wirst empfangen im Schoße und einen Sohn gebären, und du sollst seinen Namen Jesus heißen. Dieser wird groß sein" (Luk. 1, 30-32). Auch von Johannes wurde zwar vom Engel versichert: „Er wird groß sein" (Luk. 1, 15) . Doch dieser war groß als Mensch, jener groß als Gott; denn „groß ist der Herr und lobwürdig überaus, und seiner Größe ist kein Ende" (Ps. 145, 3). Ja fürwahr, auch Johannes war groß; denn „keinen größeren Propheten gibt es unter den von Weibern Geborenen als Johannes den Täufer" (Luk. 7, 28). Doch einen Größeren noch hat er über sich; denn „der Geringste im Reiche Gottes ist größer als er" (Luk. 7, 28). Groß war Johannes. Indes vor dem Herrn trinkt auch der große Johannes nicht Wein und starkes Getränk (Luk. 1, 15), dieser aber isst und trinkt mit den Zöllnern (Mark. 2, 16). Jener sollte sich durch Fasten Verdienst sammeln, weil er von Natur nichts vermochte. Warum aber hätte Christus, dem die Gewalt der Sündenvergebung von Natur eignete, jene Zöllner meiden sollen, die er zu besseren Menschen machen konnte, als selbst Asketen waren? [147]

Zugleich hat das eine mystische Bedeutung, dass der Herr das Gastmahl derer nicht verschmäht, denen er sein Geheimnis darbieten will. Er isst, jener fastet: Vorbilder der beiden Völker! In letzterem fastet das Volk, in ersterem speist es. Doch hat auch Christus gefastet, dass du dem Fasten-Gebote nicht abspenstig würdest; er hat mit Sündern gegessen, dass du seine Huld ersehest, seine Macht erkennest. Groß war auch Johannes. Doch seine Größe hat einen Anfang und hat ein Ende. Der Herr Jesus aber ist zugleich „der Anfang und das Ende, zugleich „der Erste und der Letzte" (Off. 22, 13; vgl. Off. 1, 17; 2, 8). Nichts kommt vor dem Ersten, nichts nach dem Letzten. [148]

„Gebenedeit bist du unter den Weibern, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes! Und woher wird mir dies, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?" ( Luk. 1, 42 f.) Es weiß der Heilige Geist, was er gesprochen, und vergisst es nicht, und die Erfüllung einer Weissagung liegt nicht bloß in wunderbaren Ereignissen, sondern auch in eigentümlichen Wortwendungen. Welches ist nun diese Frucht des Leibes als jene, von der gesprochen ward. Sie ist die Frucht des Leibes, die Blume aus der Wurzel, von der Isaias mit Recht weissagte: „Es wird hervorgehen ein Reis aus der Wurzel Jesse und aufblühen eine Blume aus der Wurzel" ( Is. 11, 1). Die Wurzel ist das Geschlecht der Juden, das Reis Maria, die Blume aus Maria Christus: sie treibt, eines guten Baumes Frucht, je nach unserem Tugendfortschritte bald Blüten, bald Früchte in uns, bald verjüngt sie sich in dem zu neuem Leben auferstehenden Leibe. [149]

„Denn sieh, sobald die Stimme deines Grußes an mein Ohr gelangte, hüpfte das Kind in Freude auf in meinem Schoße. Und selig, die du geglaubt hast!" (Luk. 1, 44 f.) Maria hat nicht gezweifelt, sondern geglaubt und darum auch die Frucht des Glaubens erzielt. Selig, heißt es, „die du geglaubt hast!" Selig aber auch ihr, die ihr gehört und geglaubt habt! Denn jede Seele, die glaubt, empfängt und gebiert das Wort Gottes und wird seiner Werke gewahr. In jeder Seele sei Marias Seele, dass sie „groß mache den Herrn, in jeder sei der Geist Marias, dass er frohlocke in Gott! (Luk. 1, 46. 47) Gibt es auch nur eine leibliche Mutter Christi, so ist doch in der Ordnung des Glaubens Christus die Frucht aller. Einigen  Gläubigen ist die Gottesmutter erschienen, wie in Lourdes (Südfrankreich) und Fátima (Portugal). [150]

„Es blieb aber Maria drei Monate bei ihr und kehrte dann in ihr Haus zurück" (Luk. 1, 56). Mit Recht hebt der Bericht von der heiligen Maria hervor, wie sie einerseits den Liebesdienst geleistet, andererseits hierbei eine mystische Zahl eingehalten habe. Der Grund ihres Verbleibens war auch nach Origigenes (l. c. hom. IX) ja nicht allein Gefälligkeit, sondern auch die Vervollkommnung des großen Propheten. Wenn nämlich schon mit ihrem ersten Eintreten ein solcher Gnadenfortschritt statthatte, dass auf den Gruß Marias das Kind freudig im Schoße aufhüpfte, die Mutter des Kindes aber vom Heiligen Geiste erfüllt ward, welche weitere Förderung, glauben wir, musste nicht im Laufe einer so langen Frist die Anwesenheit der heiligen Maria zur Folge haben? „Es blieb aber Maria drei Monate bei ihr. So wurde der Prophet im Mutterschoße gesalbt und zum guten Kämpfer geschult; denn für einen gar gewaltigen Kampf ward seine Kraft gestählt. ? Solange endlich blieb Maria, bis „für Elisabeth die Zeit sich erfüllte, dass sie gebären sollte. Bei genauem Zusehen wirst du diese Wendung nirgends außer bei der Geburt von Gerechten gebraucht finden. So denn „erfüllten sich die Tage, dass Maria gebären sollte" (Luk. 2, 6), „erfüllte sich die Zeit, dass Elisabeth gebären sollte" (Luk. 1, 57), erfüllte sich die Lebenszeit, da heilige Männer von diesem Lebenslauf scheiden mussten. "Eine Fülle weist nur des Gerechten Leben auf, die Tage der Gottlosen sind leer." [151]

„Es gebar nun Elisabeth einen Sohn, und ihre Nachbarn. . . freuten sich mit ihr (Luk. 1, 57 f.). Die Geburt von Heiligen bedeutet Freude für die Vielheit. Sie ist nämlich ein Gemeingut; denn die Gerechtigkeit ist eine gemeinnützige Tugend. Darum leuchtet zum voraus über der Wiege des Gerechten ein Anzeichen des künftigen Lebens auf und deutet die Freude der Nachbarn vorbildlich schon auf den späteren Tugendglanz.  Wohl am Platze aber ist die genaue Angabe der Zeit, wie lange der Prophet im Mutterschoße lag, um Marias Anwesenheit nicht mit Stillschweigen zu übergehen. Dagegen verlautet über die Zeit seiner Kindheit nichts, weil er, den hemmenden Schwächen der Kindheit enthoben, infolge der Anwesenheit der Mutter des Herrn erstarkte. Wir lesen darum im Evangelium ausser seiner Geburt und der Weissagung über ihn, seinem freudigen Aufhüpfen im Mutterschoße und der Stimme in der Wüste nichts über ihn; er, der über die Natur, über das Kindes-Alter erhaben im Mutterschoße liegend vom vollendeten „Altersmaß der Fülle Christi" (Eph. 4, 13) seinen Anfang nahm, bekam eben vom Kindesalter nichts zu kosten. „Und seine Mutter nahm das Wort und sprach: Nein, sondern Johannes soll er heißen! Und sie erwiderten ihr: Es ist doch niemand in deiner Verwandtschaft, der diesen Namen hat. Sie winkte also seinem Vater, wie er ihn nennen lassen wolle. Und er nahm ein Täfelchen und schrieb die Worte darauf: Johannes ist sein Name! Und sie verwunderten sich alle. Sogleich aber ward seine Zunge gelöst und sein Mund aufgetan und er redete und lobte Gott (Luk. 1, 60-64). Recht bemerkenswert glaubte der heilige Evangelist vorausschicken zu müssen, dass die große Mehrzahl meinte, man solle das Kind nach dem Namen des Vaters benennen. Es soll hieraus ersichtlich werden, dass der Mutter der Name nicht etwa wegen irgendeines unwürdigen Namensträgers missfiel, sondern dass ihr durch den Heiligen Geist der Name eingegeben wurde, der vorher schon vom Engel dem Zacharias kund gegeben ward. Dieser war zwar stumm und konnte der Gattin den Namen des Sohnes nicht angeben; vielmehr erfuhr Elisabeth durch prophetische Eingebung, was sie vom Manne nicht erfahren hatte. „Johannes ist sein Name, d. i. nicht wir legen ihm den Namen bei, nachdem er bereits von Gott den Namen empfangen hat. Er hat bereits seinen Namen, wir brauchen ihn nur anerkennen, nicht auswählen. Dieses Vorzugs erfreuen sich verdiente Heilige, dass sie von Gott den Namen empfangen. So erhält Jakob den Namen Israel (Gen. 32, 28), weil er Gott schaute. So empfing unser Herr schon vor der Geburt den Namen Jesus; und nicht ein Engel, sondern der Vater legte ihm den Namen bei: Mit Recht wird beigefügt, dass niemand in seiner Verwandtschaft diesen Namen trug, zum Beweis, dass er kein Familienname, sondern ein Prophetenname war. Auch den Zacharias fragt man durch Zuwinken. Doch da ihm seine Ungläubigkeit Sprache und Gehör geraubt hatte, brachte er handschriftlich zum Ausdruck, was er in Worten nicht auszudrücken vermochte. „Er schrieb nämlich die Worte darauf: Johannes ist sein Name. Auch hier wird der Name nicht erst gegeben, sondern bestätigt. Und mit Recht ward sogleich seine Zunge gelöst; denn der Glaube löste sie, nachdem der Unglaube sie gebunden hatte. Das "Band des Unglaubens" bindet auch die Muslime, weshalb in ihren Ländern kaum Gerechtigkeit und Vernunft anzutreffen ist; dieses Band kann nur gelöst werden "durch das Wort der Vernunft", der wahren Philosophie, die christlich inspiriert ist. [152]

"Lasst darum auch uns glauben, dass wir reden können! dass unsere Zunge, die das Band des Unglaubens bindet, durch das Wort der Vernunft gelöst werde! Lasst uns im Geiste die Geheimnisse schreiben, wenn wir reden wollen! (1 Kor. 14, 2) Lasst uns den Vorboten Christi „nicht auf steinerne Tafeln, sondern in des Herzens Tafeln auf Fleisch schreiben! (2 Kor. 3, 3) Denn wer ‚Johannes' spricht, weissagt Christus. So lasst uns ‚Johannes', lasst uns ‚Christus' sprechen, dass auch uns der Mund geöffnet werden kann, dem der schwankende Glaube in einem so großen Priester gleich einem unvernünftigen Tiere Zügel anlegte!"  - St. Ambrosius, sup. Luc. II, 32
„Und Zacharias, sein Vater, ward erfüllt mit dem Heiligen Geiste und weissagte und sprach". Sieh, wie gut Gott ist und wie bereit zur Nachlassung der Sünden! Er gibt nicht bloß die verlorenen Gaben zurück, sondern unverhoffte hinzu. Der eben noch Stumme weissagt. "Eine Großtat der Gnade Gottes ist es, wenn die ihn bekennen, welche ihn verleugnet hatten. Niemand verliere denn das Vertrauen, niemand beim Gedanken an die alten Vergehungen die Zuversicht auf die göttlichen Belohnungen! Es weiß Gott sein Urteil zu ändern, wenn du dein Vergehen gutzumachen weißt." [153]
 

Erklärung, den Besitzstand des Glaubens im Herzen betreffend, Zensus der Gerechtigkeit im Gegensatz zum "Geist des Widerchrists"

„Es geschah aber in jenen Tagen, da ging vom Kaiser Augustus ein Befehl aus, dass der ganze Erdkreis die Vermögenserklärung abgebe" (Luk. 2, 1). Im Begriff, von der Geburt des Erlösers zu sprechen, halten wir es nicht für unangebracht, die Frage nach der Zeit der Geburt aufzuwerfen. Was hätte denn auch die Erklärung über weltliche Dinge mit der Geburt des Herrn zu tun, wenn wir nicht auch darin ein göttliches Geheimnis erblicken müssten? "Unter dem äusseren Vorgang der weltlichen Vermögenserklärung vollzog sich nämlich eine Erklärung geistiger Art, die nicht vor dem Herrscher der Erde, sondern des Himmels abzugeben war. Diese Erklärung betrifft den Besitzstand des Glaubens im Herzen. Nach der Aufhebung des alten Besitzstandes der Synagoge wurde nämlich der neue Besitzstand der Kirche geschaffen, der kein Zwangsverfahren kennen, sondern es beseitigen sollte. Unter dem Typus des Volkes trug die Kirche geistig ihre Namen auf Christus ein. Nicht Ländergebiete, sondern das Gebiet des Geistes und Herzens werden hier abgeschätzt, die Grenzen nicht abgesteckt, sondern hinausgerückt und jeglicher ohne Unterschied des Alters eingetragen; denn niemand ist von diesem Zensus befreit, weil jedes Alter Christus tributpflichtig ist. Wimmernde Säuglinge bekennen ihn mit dem Martertod (Matth. 2, 16 ff), Kinder im Mutterschoß bezeugen ihn mit freudigem Aufhüpfen (Luk. 1, 44). Keine Drohung, keine Grausamkeit, kein Leid braucht man bei diesem Zensus besorgen; allein nur der Glaube zeichnet jeden ein. Willst du die Zensoren Christi erfahren? Ohne Rute und Drohung, lautet ihre Anweisung (Matth. 10, 5 ff.; Luk. 9, 3 ff.), sollen sie ihre Forderung erheben, vielmehr freundlich das Volk aufsuchen, das Schwert in die Scheide stecken (Matth. 26, 52), kein Gold in Besitz haben. Durch solche Zensoren ward der Erdkreis gewonnen." Also ganz im Gegensatz zur Ausbreitung der Irrlehre des Islams beispielsweise. [154]
"Sodann erging, um dich zu überzeugen, dass es sich um einen Zensus nicht des Augustus, sondern Christi handelte, an den „ganzen Erdkreis der Auftrag, sich aufschreiben zu lassen. Da Christus geboren wird, hat eine allgemeine Aufschreibung statt; da die Welt in Frage steht, steht aller Heil auf dem Spiel. Wer sonst hätte eine Aufschreibung des ganzen Erdkreises fordern können als jener, der die Herrschaft über den ganzen Erdkreis innehat. Denn nicht des Augustus, sondern „des Herrn ist die Erde und was sie erfüllt, der Erdkreis und alle seine Bewohner" (Ps. 24, 1). Auf die Goten erstreckte sich des Augustus Szepter nicht, nicht auf die Armenier: Christi Szepter unterstanden sie; sie mussten doch, nachdem sie Blutzeugen Christi stellten, Christi Amtsträger aufgenommen haben. Und vielleicht werden sie darum, wie die Gegenwart lehrt, Sieger über uns, weil die Arianer die Herkunft dessen, den jene mit der Hinopferung ihres Blutes bekannten, in Frage stellten." - St. Ambrosius, sup. Luc. II, 37
„Diese Einschreibung war die erste, die erfolgte" (Luk. 2, 2). Nun aber berichten die Annalen der Geschichte von einer oftmaligen Aufschreibung, die in so manchen Gebietsteilen vorgenommen wurde. Jene nun war „die erste, doch auf geistigem Gebiete, zu der sich, weil es keine Ausnahme gibt, alle zu erklären haben, nicht auf eines Herolds, sondern auf des Propheten Ruf, der längst vorher vorausverkündete: „Ihr Völker alle, klatscht in die Hände, jauchzet Gott mit Jubelschall! Denn hocherhaben ist Gott, furchtbar, ein großer König über die ganze Erde (Ps. 47, 2 f). So erschienen denn auch zum Zeichen, dass es sich um den Zensus der Gerechtigkeit handelte, Joseph und Maria hierzu, d. i. der Gerechte (Matth. 1, 19) und die Jungfrau, ersterer zum Schutze des Wortes, letztere zu dessen Geburt. Wo anders sollten der Gerechte und die Jungfrau bekennen als an der Geburtsstätte Christi? Denn „jeder Geist, welcher bekennt, dass Jesus Christus im Fleische gekommen ist, ist von Gott; und ein jeglicher Geist, der Christus nicht bekennt, der ist nicht von Gott. Und das ist der Geist des Widerchrists." (1 Joh. 4, 2f) Da die Muslime Christus nicht bekennen, ist ihr Gott Allah auch kein echter Gott sondern "Geist des Widerchrists". Wo aber ist nach einer höheren Auffassung die Geburtsstätte Christi als in deinem Herzen und in deiner Brust? Denn „nahe ist das Wort, in deinem Munde und in deinem Herzen" (Röm. 10, 8; Deut. 30, 14). [155]

Geziemend aber war die Beifügung des Namens des Statthalters zum Zweck chronologischer Näherbestimmung: „Da Cyrinus Statthalter von Syrien war, erfolgte diese erste Aufzeichnung (Luk. 2, 2). Der Evangelist, wie es scheint, wollte damit zur Besieglung gleichsam den Konsul unserer Schrift beifügen. Denn wenn schon in Kaufverträgen die Konsuln verzeichnet werden, wieviel mehr musste in der Urkunde über den Loskauf aller das Datum verzeichnet werden! Da hat man nun alles, was in Vertragsurkunden zu stehen pflegt: den Namen des höchsten Amtsträgers an Ort und Stelle, Tag, Ort, Betreff. Zeugen desgleichen werden gewöhnlich beigezogen: auch diese zog Christus für seine Geburt und Menschwerdung zur Beglaubigung des Evangeliums bei, da er sprach: „Ihr werdet mir Zeugen sein in Jerusalem" (Apg. 1, 8). [156]
 

Nativitate, beata virgo mater Dei; Augenmerk auf die Geheimnisse lenken; Das Offenbarwerden des neugeborenen Heilandes (manifestatione Christi nati), Epiphanie

"Denn es ist uns ein Kind geboren, uns zum Heil ein Sohn gegeben, und die Herrschaft ist gelegt auf seine Schulter; und sein Name soll heissen: Wunderbar, Herrlicher, der starke Gott, der Ewigkeiten Vater und Friedefürst!" - Jes 9, 5-6; ; Händel, Messias

"Es waren Hirten beisammen auf dem Felde, die hüteten ihre Herden des Nachts. Und siehe, der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn umleuchtete sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Ich bringe euch frohe Kunde von dem Heil, das da wird allen Völkern. Denn euch ist heut in Davids Stadt der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr." - Luk 2, 8-11; Händel, Messias

"Und alsobald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden und allen Menschen Heil!"  - Luk 2, 13-14; Händel, Messias

"Erwach, frohlocke, o Tochter von Zion; auf, du, Tochter Jerusalem! Blick auf, dein König kommt zu dir, er ist der rechte Helfer, und bringet allen Völkern Heil." - Sach 9,9-10; Händel, Messias

"Dann wird das Auge des Blinden sich auftun, und das Ohr des Tauben wird hören; dann springet der Lahme wie ein Hirsch, und die Zunge der Stummen wird singen"  - Jes 35, 5-6; Händel, Messias

"Er weidet seine Herde dem Hirten gleich; und er hegt seine Lämmer so sanft in seinem Arm. Er nimmt sie mit Erbarmen auf in seinen Schoss und leitet sanft, die in Nöten sind." - Jes 40, 11; Händel, Messias

"Sein Joch ist sanft, die Last ist leicht."  - Math 11, 30; Händel, Messias

„Es begab sich aber, als sie daselbst waren, erfüllten sich die Tage, dass sie gebären sollte. Und sie gebar den erstgeborenen Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil kein Platz war in jener Herberge" (Luk. 2, 6 f.). Der heilige Lukas hat nur einen kurzen Bericht darüber gegeben, wie und wann und wo Christus dem Fleische nach geboren wurde. Will man hingegen über seine himmlische Zeugung Auskunft, lese man das Evangelium des heiligen Johannes, der vom Himmlischen ausgehend zum Irdischen niederstieg. Da wird man finden, wann er war und wie er war und was er war, was er gewirkt hatte, was er fort und fort wirkte, und wo er war und wohin er gekommen, wie er gekommen, zu welcher Zeit er gekommen, aus welchem Grund er gekommen ist. „Im Anfang, heißt es, „war das Wort: da hat man, wann er war. „Und das Wort war bei Gott: da hat man, wie er war. Auch was er war, hat man: „und Gott, fährt er fort, „war das Wort; was er gewirkt hatte: „alles ist durch dasselbe gemacht worden; was er fort und fort wirkte: „das war das wahre Licht, welches jeden Menschen erleuchtet, der in diese Welt kommt; und wo er war: „er war in der Welt; wohin er gekommen ist: „er kam in sein Eigentum; wie er gekommen ist: „das Wort ist Fleisch geworden; wann er gekommen ist, darüber gibt Johannes Zeugnis, wenn er von ihm bekennt: „Dieser ist es, von dem ich gesagt habe: der nach mir kommt, ist mir vorgegangen; denn er war eher als ich" (Joh. 1, 30). Über den Grund seiner Ankunft bezeugt eben Johannes: „Sehet, das Lamm Gottes, sehet, welches hinwegnimmt die Sünde der Welt! (Joh. 1, 29) Haben wir nun die zweifache Geburt kennen gelernt und die eine Person in beiden, und haben wir den Grund erfahren, warum er gekommen ist, um nämlich die Sünden der untergehenden Welt auf sich zu nehmen und die Sündenmakel und den Tod aller an sich, dem Unbesieglichen zu tilgen, so ist es nur folgerichtig, dass uns jetzt auch der heilige Evangelist Lukas die Wege lehrt und zeigt, die der Herr, da er seiner Menschheit nach heranwuchs, wandelte. [157]

Doch niemand spanne die ganze Gestalt der Gottheit in den engen Rahmen des Leiblichen! Anders ist die Natur des Fleisches, anders der Gottheit Herrlichkeit. Deinetwegen ist er Schwachheit, in sich Kraft; deinetwegen Dürftigkeit, in sich Reichtum. Urteile nicht nach dem Augenschein, erkenne vielmehr deine Erlösung! dass er in Windeln liegt, siehst du, dass er im Himmel ist, nicht; des Kindes Wimmern hörst du, des Rindes Brüllen nicht, das den Herrn erkennt; denn „es erkennt das Rind seinen Eigentümer und der Esel die Krippe seines Herrn (Is. 1, 3); Ambrosius liegt an einer unterschiedlichen Ausdrucksweise nichts, solange sie keine Sinnverschiedenheit einschließt. Denn wenn schon einer von jenen Rednern, die dem äusseren Redeprunk nachhängen, betonte, die Geschicke Griechenlands hingen nicht davon ab, ob man sich dieser oder jener Redeweise bediene, es sei vielmehr auf die Sache zu sehen, was vor allem Aristoteles betonte im Gegensatz zu dessen Gegenspieler Demosthenes; "wenn selbst Philosophen in Zirkeln, die ganze Tage in Streitreden vergeuden, weniger die im Lateinischen gebräuchlichen Wendungen gebrauchten, um sich lieber der eigenen zu bedienen, wieviel mehr sollten wir vom Wortlaut absehen und das Augenmerk auf die Geheimnisse lenken, für deren Wiedergabe die Zweckdienlichkeit des Ausdruckes entscheidend ist, weil die göttlichen Wunderwerke keineswegs im Glanze schöner Worte, sondern im Lichte ihrer Wahrheit aufstrahlten! So gab auch jener Eselin im übertragenen Sinn die heilige Krippe nicht Scheingenuß, sondern den Reingenuß natürlicher Speise zu kosten." [158]

Das ist der Herr, das die Krippe, durch welche uns das göttliche Geheimnis kund getan ward, dass die Heiden, die nach Brauch unvernünftiger Tiere an Krippen lebten, mit der Fülle heiliger Nahrung gesättigt werden sollten. Es erkannte die Eselin, das Bild und der Typus der Heiden, die Krippe ihres Herrn. Und darum ruft sie aus: „Der Herr ist mein Hirt, und nichts wird mir mangeln (Ps. 23, 1). Oder sind es etwa schwache Anzeichen, die ihn als Gott erweisen? Engel dienen (Luk. 2, 9. 13), Weise beten an (Matth. 2, 1 ff.), Märtyrer bekennen (Matth. 2, 16 ff.). Aus dem Mutterschoße kommt er hervor, doch aus dem Himmel strahlt er; in irdischer Herberge liegt er, doch in himmlischem Lichte glänzt er; eine Vermählte hat ihn geboren, doch eine Jungfrau empfangen; eine Vermählte ihn empfangen, doch eine Jungfrau ihn geboren. Der heilige Matthäus nämlich belehrte uns über dieses nicht geringe Geheimnis, das der heilige Lukas, weil bereits erschöpfend dargelegt, stillschweigend übergehen zu dürfen glaubte; er hielt sich für reich genug bedacht, wenn er von allen Dingen die Krippe des Herrn sein eigen nennen dürfe. [159]

"Die Weisen bringen von ihren Schätzen Gaben dar. Wollt ihr wissen, einer wie schönen Auszeichnung sie gewürdigt wurden? Der Stern ist nur für sie sichtbar, wo Herodes haust, unsichtbar; wo Christus weilt, wird er wiederum sichtbar und weist den Weg. So ist dieser Stern also Weg, der Weg Christus (Joh. 14, 6), weil Christus im Geheimnisse der Menschwerdung der Stern ist; denn „ein Stern wird aufgehen aus Jakob, und ein Mann aufstehen aus Israel" (Num. 24, 17). So ist denn, wo Christus ist, auch der Stern; denn er ist „der helleuchtende Morgenstern" (Off. 22, 16). Mit dem eigenen Lichte weist er sonach auf sich." - St. Ambrosius, sup. Luc. II, 45
Nicht Auserlesenen allein sind diese Belohnungen vorgesetzt, sondern allen, weil „alles und in allen Christus ist" (Kol. 3, 11). "Du siehst nämlich, wie nicht umsonst unter den Chaldäern, die in der Zahlenlehre für besonders bewandert gelten, Abraham Gott glaubte, oder wie die Magier, ob sie auch mit magischen Künsten die Gottheit sich zu versöhnen strebten, an die Geburt des Herrn auf Erden glaubten. Nicht umsonst, sage ich: es sollte vielmehr von den Feindesvölkern ein Zeugnis für die heilige Religion, ein Beispiel der Gottesfurcht gewonnen werden." Einige "Feindesvölker", heute vor allem mehrheitlich muslimische Staaten haben dies "Zeugnis für die heilige Religion" nicht angenommen, sondern hängen weiterhin ihrer Irrlehre an. [160]

Doch wer anders sind diese Weisen als, einer geschichtlichen Überlieferung (Origenes, in Num. hom. XIII 7) zufolge, Abkömmlinge Balaams, von dem geweissagt ward: „Ein Stern wird aufgehen aus Jakob. Sie sind demnach nicht weniger Erben seines Glaubens als seines Blutes. Er schaute den Stern im Geiste, sie schauten ihn mit den Augen und glaubten. Sie hatten einen neuen Stern geschaut, wie er seit der Erschaffung der Welt nicht geschaut war, hatten ein neues Schöpfungswerk geschaut und suchten nicht allein auf Erden, sondern auch im Himmel nach der Gnade des neuen Menschen der Weissagung des Moses gemäß: „Ein Stern wird aufgehen aus Jakob, und ein Mann aufstehen aus Israel." Und sie erkannten, dass dies ein Stern sei, der einen Menschen und Gott zugleich bezeichnet. Sie beteten das Kindlein an. Sie würden es gewiß nicht angebetet haben, hätten sie ein bloßes Kindlein vermutet. "Der Magier sieht das Ende seiner Künste nahen, du nun wolltest das Erscheinen der Gnadengaben für dich nicht einsehen? Jener bekennt Unbekanntes, du wolltest Verheißenes nicht erkennen? Jener glaubt zu seinem Nachteil (insofern der Glaube der Magie, seinem Brotberuf, den Boden entzieht), du wolltest nicht zu deinem Besten dich für den Glauben entscheiden?" [161]

"Sehet den Anfang der neu erstehenden Kirche! Christus wird geboren, und die Hirten beginnen zu wachen, um die Herden der Heiden, die vordem wie Tiere lebten, in die Herde des Herrn zu sammeln, dass sie nicht im dichten Dunkel der Nacht den Überfällen der geistigen Raubtiere (Eph. 6, 12) zum Opfer fielen. Und mit Recht wachen die Hirten, die der „gute Hirte" (Joh. 10, 11) hierzu anleitet. Die Herde bedeutet sonach das Volk, die Nacht die Weltzeit, die Hirten die Priester. Oder vielleicht auch mag jener Hirte gemeint sein, welchem die Mahnung gilt: „Sei wachsam und bestärke!" (Off. 3, 2) Denn nicht allein die Bischöfe hat der Herr zur Hut seiner Herde bestellt, sondern auch die Engel hat er hierzu bestimmt." Wachsam solle man sein und sich nicht von falschen Priestern, zum Beispiel den Imamen in den Moscheen, zur Irrlehre eines falschen Propheten verleiten lassen. Wie die Hirten solle man eilen, "niemand nämlich sucht lässigen Schrittes Christus." [162]

„Und es gesellte sich zum Engel eine Menge der Heerschar der Himmlischen, welche Gott lobten und sprachen: Ehre Gott in der Höhe und auf der Erde Friede den Menschen, die guten Willens sind" (Luk. 2, 13 f.). Zutreffend ist der Name „Heerschar der Engel", weil sie ihrem Heerführer Christus folgten. Wem nun hätten die Engel lobgesungen als ihrem Herrn? Denn so steht geschrieben: „Lobt den Herrn von den Himmeln her, lobt ihn in den Höhen! Lobt ihn, alle seine Engel!" (Ps. 148, 1 f.) Erfüllt nun hat sich die Weissagung. Von den Himmeln her erschallt Gottes Lob, und auf Erden wird er sichtbar. Von ihm versichert Markus: „Er war zusammen mit den Tieren, und die Engel dienten ihm" (Mark. 1, 13). Im einen erkenne einen charakteristischen Zug seines Erbarmens, im anderen einen Beweis seiner göttlichen Macht! In deiner Natur, die er annahm, liegt der Grund für seine Herablassung zu den Tieren, im Seinigen der Grund für seine Lobpreisung durch die Engel."  - St. Ambrosius, sup. Luc. II, 52
"Und sie sprachen: „Lasst uns das Wort sehen, das da geworden ist, wie der Herr es uns kund getan hat! Und sie kamen eilends (Luk. 2, 15 f.). Du siehst die Hirten eilen; niemand nämlich sucht lässigen Schrittes Christus. Du siehst die Hirten dem Engel glauben. Auch du glaube dem Vater, dem Sohn, dem Heiligen Geiste, den Engeln, den Propheten, den Aposteln! Sieh, wie genau die Schrift die Bedeutung der einzelnen Worte abwog! „Sie eilen, sagt sie, „das Wort zu sehen. Denn sieht man den Leib des Herrn, sieht man das Wort, das der Sohn ist. Nicht für ein geringes Glaubensbeispiel solltest du dies halten, nicht für minderwertig die Person der Hirten: In der Tat, je minderwertiger sie in wissenschaftlicher Hinsicht ist, um so höher steht sie in Sachen des Glaubens. Nicht von Gelehrtenkreisen überfüllte Schulen suchte der Herr auf, sondern das einfache Volk, dem Schmuck und Schminke der Rede, die es hört, fremd ist: um die schlichte Wahrheit handelt es sich da, nicht der Schönrederei bedarf es. Glaube auch nicht die Worte der Hirten als minderwertig verachten zu dürfen! Bei den Hirten hält selbst Maria Glaubenslese; von den Hirten nimmt die Ansammlung des Volkes zur Verehrung Gottes ihren Ausgang; denn „sie wunderten sich über die Dinge, die von den Hirten zu ihnen gesprochen wurden" (Luk. 2, 18). - St. Ambrosius, sup. Luc. II, 53
"Wenn wir nur dem Literalsinn folgten: wie wäre denn da jede männliche Person heilig, da es doch bekanntlich viele Schwerverbrecher gegeben hat? Oder war etwa ein Achab heilig? Waren etwa die Falschpropheten heilig, die auf das Gebet des Elias das himmlische Rachefeuer zur Strafe für ihr Unrecht verzehrte? Die Pseudopropheten fielen dem rächenden Schwerte zum Opfer. (1 Kön. 18, 40; 19, 1)"  Nein, jener war heilig, durch welchen die frommen Vorschriften des göttlichen Gesetzes ihre vorbildliche Bedeutung für das künftige Geheimnis empfingen. Und kein Wunder. Denn nur er, der zum Propheten gesprochen hatte: „Ehe ich dich bildete im Mutterleibe, kannte ich dich, und im Mutterschoße heiligte ich dich" (Jer. 1, 5), der sonach den Mutterschoß einer anderen heiligte, dass ein Prophet geboren würde, ist es, der auch den Schoß seiner Mutter öffnete, um makellos daraus hervorzugehen.  [163]
 

Simeon

„Und sieh, es war ein Mann in Jerusalem, und dieser Mann war gerecht und gottesfürchtig, harrend auf den Trost Israels (Luk. 2, 25). Nicht bloß von Engeln und Propheten, von Hirten und Verwandten, sondern auch von Greisen und Gerechten empfängt die Geburt des Herrn ihre Bezeugung. Jedes Alter und beide Geschlechter sowie die wunderbaren Ereignisse begründen den Glauben. Die Jungfrau empfängt, die Unfruchtbare gebiert, der Stumme redet, Elisabeth weissagt, der Magier betet an, der im Mutterleibe Eingeschlossene hüpft freudig auf, die Witwe bekennt, der Gerechte harrt. Und mit gutem Grund „der Gerechte; denn nicht für sich, sondern für das Volk begehrte er die Gnade, voll Verlangen, aus den Banden der leiblichen Gebrechlichkeit erlöst zu werden, doch voll Erwartung, den Verheißenen zu schauen. Er wusste ja: „Selig die Augen, die sehen würden!" (Luk. 10, 23) „Jetzt entlaß deinen Diener!" (Luk. 2, 29) Sieh, wie es den in der Körpermasse wie in einem Kerker eingeschlossenen Gerechten darnach verlangt, aufgelöst zu werden, um anzufangen, bei Christus zu sein; denn „aufgelöst werden und bei Christus sein ist weitaus das Bessere" (Phil. 1, 23). Doch in den Tempel komme, der entlassen zu werden wünscht! Nach Jerusalem komme er, des Gesalbten des Herrn harre er, das Wort Gottes nehme er in die Hände und umfange es gleichsam mit den Armen seines Glaubens! Dann wird er entlassen werden, so dass er den Tod nicht schaut, nachdem er das Leben geschaut hat (Luk. 2, 25 ff). Ein reicher Gnadenstrom ward, wie man sieht, mit der Geburt des Herrn über alle ausgegossen und die Gabe der Weissagung wohl den Ungläubigen, nicht den Gerechten vorenthalten. Sieh, auch Simeon weissagt, „zum Falle und zur Auferstehung gar vieler" sei der Herr Jesus erschienen, um der Gerechten und Ungerechten Verdienste zu scheiden und als wahrhafter und gerechter Richter nach der Beschaffenheit unserer Werke Strafen oder Belohnungen zu verhängen. „Und deine eigene Seele wird ein Schwert durchdringen" (Luk. 2, 35). Weder eine schriftliche noch eine geschichtliche Nachricht berichtet von einem leiblichen Martertode, mit welchem Maria aus diesem Leben geschieden sei; nicht die Seele, sondern nur der Leib kann ja mit einem physischen Schwerte durchbohrt werden. Der Evangelist weist darum auf die Einsicht Marias hin, die über das himmlische Geheimnis nicht im Unwissenden war. „Denn lebendig ist das Wort Gottes und gewaltig und schärfer denn das schärfste Schwert; durchdringend, bis es Seele und Geist, Gelenk und Mark scheidet, erforscht es die Gedanken des Herzens und das Verborgene des Geistes" (Hebr. 4, 12) . Alles nämlich, was der Geist einschließt, liegt bloß und offen vor dem Sohne, dem das Verborgene des Gewissens nicht entgeht.  [164]
 

Das Gesetz und die Propheten reichten bis auf Johannes. Johannes ist der Herold Christi; Heidenvolk, Nachkommen Abrahams dem Fleische nach

„Es kam das Wort Gottes über Johannes, den Sohn des Zacharias, in der Wüste" (Luk. 3, 2). Da der Sohn Gottes darangeht, die Kirche zu gründen, ist er vorerst in seinem Diener wirksam. Darum die zutreffende Bemerkung des heiligen Lukas: „Es kam das Wort Gottes über Johannes, den Sohn des Zacharias, in der Wüste. Nicht von einem Menschen, sondern vom Wort nahm also die Kirche ihren Anfang. Sie ist nämlich das verlassene Land (Wüste): „Denn die Verlassene hat mehr Kinder als die, welche einen Mann hat" (Is. 54, 1). So ergeht auch an sie das Wort: „Freue dich, Unfruchtbare" und „frohlocke, Wüste!" ( Is. 52, 9) Denn noch war sie durch keine Werke des Volkes, das sich sammelte, bebaut. Noch trugen die Bäume, soweit sie Fruchtbäume waren, ihre stolzen Wipfel nicht voll von Verdienstesfrüchten. Noch war keiner da, der sprechen konnte: „Ich aber gleiche einem fruchtbeladenen Ölbaume im Hause des Herrn" (Ps. 52, 10). Noch bot jener himmlische Weinstock (Joh. 15, 1) seinen Rebzweigen keine Früchte aus der Triebkraft seiner Worte. Da nun kam das Wort, dass die vordem wüste Erde uns Frucht erzeugte. „Es kam das Wort, die Stimme des Rufenden folgte; denn erst muss das Wort im Innern wirksam sein, dann folgt der Stimme Dienst. Darum versichert auch David: „Ich habe geglaubt, darum gesprochen" (Ps. 116, 10). Erst glaubte er, um sprechen zu können. Es kam aber das Wort, damit der heilige Täufer Johannes Buße predige. Darum erblickt man zumeist im heiligen Johannes einen Typus des Gesetzes, weil das Gesetz die Sünde wohl aufdecken konnte, nicht vergeben konnte (Röm. 3, 20). Denn das Gesetz rief einen, der den Weg der Heiden einschlug, nur zurück, hielt ihn von Verbrechen ab, mahnte ihn zur Buße, um Gnade finden zu können. „Das Gesetz aber und die Propheten reichten bis auf Johannes" (Luk. 16, 16). "Johannes aber ist der Herold Christi. So ist das Gesetz der Herold der Kirche und der Bußweg zur Gnade. Eine kurze, zutreffende Wendung des heiligen Lukas: mit den Worten es sei gekommen über ihn Gottes Wort erklärt er ihn als Propheten. Anderes fügt er nicht bei. Niemand nämlich, der des Wortes Gottes voll ist, bedarf seinerseits einer Beglaubigung. Mit der Hervorhebung der einen Tatsache erklärt er alles." [165]

Auch die Speise des Täufers deutete prophetisch auf sein Amt und kündete eine höhere Wahrheit an. Was wäre denn auch vom Standpunkt menschlicher Berufsarbeit so müßig gewesen, als Heuschrecken suchen? Ambrosius vergleicht den Zustand des Heidenvolkes, also der heutigen Muslime, mit dem der Heuschrecken, die keinen Nutzen aus ihren Mühen ziehen und das "Wort des Lebens" nicht kennen: "Umso passender lässt sich der Zustand des Heidenvolkes mit ihnen vergleichen, das, ohne Nutzen aus seinem Mühen, ohne Frucht aus seinem Wirken zu ziehen, würde- und sprachlos nur Klagelaute ausstieß, das Wort des Lebens nicht kannte. Dieses Volk nun war die Speise des Propheten; denn je zahlreicher das Volk zusammenströmte, um so reichhaltiger ward die Tätigkeit, die des Propheten Mund in steigendem Maße entfaltete." [166]

"Desgleichen stellt der Waldhonig ein Sinnbild der Kirche dar. Nicht im Bienenhaus des Gesetzes ... ward sie vorgefunden, sondern in Waldgefilden und Laubgezweigen lebte sie in heidnischer Verirrung zerstreut, wie geschrieben steht: „Wir haben sie in den Waldgefilden gefunden." (Ps. 132, 6) - St. Ambrosius, sup. Luc. II, 71

"Und zwar kündigte Johannes mit dem Genuß von Waldhonig die künftige Sättigung des Volkes mit dem Honig des Felsens Christus an, wie geschrieben steht: „Und vom Fels mit Honig hat er sie gesättigt“(Ps. 81, 17) - St. Ambrosius, sup. Luc. II, 72

Es sollte dies ein Sinnbild dafür sein, dass das "vom schaurigen Schmutze seiner Missverdienste starrende Heidenvolk, das ehedem seine Speise in moderndem Aase suchte, jetzt nunmehr den Propheten aus seiner Mitte Nahrung beschaffen und darbieten werde. Die Speise der Propheten besteht nämlich in der Erfüllung des göttlichen Willens, wie es der Herr selbst klar ausgesprochen hat mit den Worten: „Meine Speise ist, dass ich den Willen dessen tue, der mich gesendet hat“ (Joh. 4, 34)." [167]

Darum die Warnung an sie, mehr den Ruhm (verdienstvollen) Wirkens als den Adel der Geburt sich beizulegen, weil die Geburt keinerlei Vorrecht in sich schließt, wenn sich damit nicht das Erbe des Glaubens verbindet, dessen Übergang auf die Heidenvölker nach Gottes Willen Johannes mit dem prophetischen Ausspruche offenbarte: „Gott vermag aus diesen Steinen dem Abraham Kinder zu erwecken. Denn wenn auch Gott die verschiedenen Naturdinge verändern und verwandeln kann, darf ich gleichwohl, weil mir ein Geheimnis mehr denn ein Wunder frommt, beim Vorboten Christi an nichts so sehr denken als an den Aufbau der neuerstehenden Kirche, die nicht aus Felsgestein, sondern aus lebendigen Steinen aufgeführt ward und durch Unmwandlung unserer Herzen zur Wohnung Gottes und zum hochragenden Tempel sich erhob (1 Petr. 2, 5; Eph. 2, 21 f.). "Es traf Gott Anordnung unsere Herzenshärte zu erweichen und aus Steinen des Anstoßes Diener der Religion zu erwecken. Wofür anders auch hätten jene, welche den Steingötzen dienten, gehalten werden sollen als für Steine, denen schlechterdings gleich, die sie machten? (Ps. 115, 8) Der Felsenbrust der Heiden, das sagt also der prophetische Ausspruch, sollte der Glaube eingesenkt werden. Durch den Glauben würden sie, das versichert die Verheißung, Kinder Abrahams, nachdem ihnen durch ihre Herzenshärte ein fühlloses, unvernünftiges Gehaben und Gebahren zur zweiten Natur geworden war. Denn wenn gemäß dem Schriftworte: „Auch ihr werdet als lebendige Steine zum geistigen Tempel gebaut, zu einer heiligen Priesterschaft, um geistige Opfer darzubringen (1 Petr. 2, 5), des Apostels Ausspruch die in der Glaubenskraft gefestigten Männer mit lebendigen Steinen vergleicht, mit viel tieferem Grunde scheinen mir an unserer Stelle durch den Mund des Propheten jene Menschen mit Steinen verglichen zu sein, die so sehr alles menschlich-geistige Empfinden eingebüßt hatten, dass sie, während sie das Einwohnen irgendeiner vernünftigen Gottheit in Steingebilden annahmen, selbst zwar nicht leiblich, wohl aber geistig in Steinnatur verkehrt wurden." [168]

„Fürsten von Sodom" ( Is. 1, 10) und „übertünchte Gräber" (Apg. 23, 3) oder Sadduzäer, die wie die Muslime sagen, es gäbe keine Auferstehung, werden denn auch die "Nachkommen Abrahams dem Fleische nach genannt." So hat also mehr die sittliche Ähnlichkeit mit den Altvordern als die Abstammung von ihnen ein Geburtsvorrecht anzusprechen. Noch mehr! Um über den Vergleich der Menschen mit Steinen keinen Zweifel zu belassen, verglich er die Menschen auch mit Bäumen, indem er beisetzte: „Denn schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gesetzt" ( Luk. 3, 9). Der Wechsel im Bilde aber hat seinen Grund darin, dass mit der Fortführung des Vergleiches bereits ein gelinder Fortschritt im Menschen ersichtlich werden soll. Vorher zu ungeschlacht für eine Nutzung, bar an Schmuck, leer an Frucht, geistig unfähig zu Fortschritt, werden die Menschen nunmehr unter dem Bild der Bäume dargestellt, die infolge ihrer zweckmäßigen natürlichen Ausstattung zur Nutzung einladen, herrlich an Anblick, ergiebig an Frucht mit ihren Wipfeln emporstreben, mit ihren Ästen sich breiten, mit Früchten sich voll bedecken, mit Laub sich kleiden. "O dass auch wir der Fruchtbäume Gehaben nachahmen könnten! dass wir bei wachsenden Verdiensten, in langerprobter Demut festgewurzelt, über dem Boden erhaben, herrlich zu schauen, das gereifte Haupt voll fruchtbarer Werke emporrichteten! dass nicht die Axt des Arbeiters im Evangelium den Wurzelstock des stumpfen Wildlings ausrodete! „Denn wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde! (1 Kor. 9, 16)"  Wehe, wenn ich nicht die Wahrheit sage! Schon liegt die Axt an der Wurzel: es bringe, wer kann, Frucht der Gnade! wer muss, Frucht der Buße! Der Herr ist da, nach der Frucht sich umzusehen, den Fruchtbringenden Leben zu geben, an die Unfruchtbaren Hand anzulegen. "Schon droht er mit dem Befehle, die unfruchtbaren Bäume zu fällen, dass sie nicht weiter die Erde belasten. Möchten indes diejenigen, die bisher keine Frucht trugen, es versuchen, in Zukunft solche zu bringen! Jener gute Gärtner wird für uns Unfruchtbare, für uns Unnütze Fürsprache einlegen, dass noch Zeit gewährt, Langmut geübt werde, ob nicht auch wir vielleicht einige Frucht Gott zu bringen vermöchten" (Luk. 13, 6-9). [169]

"Jedem Stande gab sodann der heilige Täufer auf dessen Frage die für ihn zweckdienliche Antwort" (Luk. 3, 10 ff.), doch eine Antwort allen gemeinsam: so den Zöllnern, dass sie nichts über die festgesetzte Gebühr einforderten; den Kriegsleuten, dass sie nicht Unbill verübten, nicht Freibeuterei trieben, indem er ihnen einschärfte, dass eben deshalb der Kriegssold eingeführt sei, dass nicht bei der Beschaffung des Lebensunterhaltes der Freibeuter herumzöge. Doch diese und andere Standeslehren galten den einzelnen im besonderen, die Barmherzigkeit ist eine gemeinnützige Tugend, darum ein gemeinverbindliches Gebot: alle Stände, jedes Alter bedürfen ihrer; von allen muss sie geübt werden. Nicht der Zöllner, nicht der Krieger ist ausgenommen, nicht der Landmann oder der Städter, der Reiche und der Arme; allen wird gemeinsam die Mahnung eingeschärft dem Nichtbesitzenden mitzuteilen. Denn die Barmherzigkeit ist der Inbegriff der Tugenden. Darum ward allen als das vollendete Tugendideal die Forderung vorgesetzt, selbst ihrer Kleider und ihrer Nahrung nicht zu schonen. Doch hat auch die Barmherzigkeit in der jeweiligen Leistungsfähigkeit und Lage des Menschen ihr Maß, so dass einer nicht des ganzen Besitzes sich berauben, sondern nur seine Habe mit dem Armen teilen soll."  - St. Ambrosius, sup. Luc. II, 77
Gleichwohl aber scheint er deshalb so zu sprechen, weil Johannes vielfach das jüdische Volk repräsentierte. Hierauf bezieht man darum seine Worte: „Er muss wachsen, ich abnehmen" (Joh. 3, 20). Das Judenvolk nämlich musste abnehmen, das christliche Volk in Christus wachsen. So vertrat auch Moses das Volk. Doch auch er trug nicht gleich den Aposteln des Herrn Schuhe, sondern nur die seiner Füße; und auch dieses Volk war beschuht, vielleicht nicht mit den Schuhen an den eigenen Füßen. Jener indes erhält den Befehl, die Schuhe an seinen Füßen zu lösen (Exod. 3, 5), damit Herz und Geist, der Fessel leiblicher Bande ledig, den Schritt auf geistigen Pfad lenkten. Die Apostel aber hatten wohl die physischen Schuhe abgelegt, da sie ausgesendet wurden ohne Schuhe, ohne Stab, ohne Tasche, ohne Gürtel (Matth. 10, 9 f.; Mark. 6, 8; Luk. 10, 4), aber sie trugen nicht ohne weiteres schon des Herrn Schuhe. Vielleicht fingen sie erst nach der Auferstehung an, sie zu tragen; vorher wurden sie ja angewiesen, niemanden die Taten des Herrn zu erzählen (Luk. 8, 56). Erst später erhielten sie den Auftrag: „Gehet hin über den ganzen Erdkreis und prediget das Evangelium!" (Mark. 16, 15) - St. Ambrosius, sup. Luc. II, 81 

„Dieser wird euch im Heiligen Geiste und Feuer taufen. Er hat die Wurfschaufel in der Hand und wird seine Tenne reinigen. Den Weizen wird er in seine Scheune sammeln, die Spreu aber verbrennen mit unauslöschlichem Feuer. Er hat die Wurfschaufel in der Hand. Das Symbol der Wurfschaufel deutet klar an, dass der Herr das Recht hat, über Verdienst und Missverdienst zu entscheiden; denn während der Weizen auf der Tenne geworfelt wird, scheiden sich, wie an der Luft gewogen, die vollen Körner von den leeren, die Frucht von der Spreu. So zeigt uns dieser Vergleich, wie der Herr am Tage des Gerichtes die Verdienste und Früchte echter Tugend von der tauben, leichten Spreu eitler Prahlerei und kümmerlicher Werke aussondert, indem er nur die Menschen mit vollkommenerem Tugendverdienste in die himmlische Wohnung aufnehmen wird. Eine vollkommenere Frucht nämlich ist nur die, welche das Verdienst der Gleichförmigkeit mit jenem aufweist, der wie ein Weizenkorn zur Erde fiel (Joh. 12, 24), um tausendfältige Früchte in uns zu bringen; der, ohne Spreu befunden, kein Freund leeren Verdienstes ist. " - St. Ambrosius, sup. Luc. II, 82
 

Die Taufe Christi, Theophanie

Zweck und Grund der Taufe Christi ist die  Weihe des Taufwassers und die Erfüllung des Gesetzes. „Es geschah aber, als alles Volk getauft war, dass auch Jesus getauft wurde; und, da er betete, öffnete sich der Himmel und der Heilige Geist stieg in leiblicher Gestalt gleich einer Taube auf ihn herab und eine Stimme erscholl vom Himmel: Mein Sohn bist du, an dir habe ich mein Wohlgefallen" (Luk. 3, 21 f.). Die Taufe nun empfing der Herr nicht in der Absicht, sich reinigen zu lassen, sondern das Wasserelement zu reinigen, dass es durch den Leib Christi, „der von keiner Sünde wusste, abgewaschen zum rechtmäßigen Taufwasser würde. Wer darum zu Christi Taufe gelangt, wird frei von Sünde. Mit feinem Takt aber legte sich der heilige Evangelist in dem, was die übrigen bereits berichteten, Beschränkung auf und wollte die Tatsache, dass der Herr von Johannes sich taufen ließ, lieber dem denkenden Geist als dem Buchstaben anvertrauen. Über den Grund seiner Taufe aber spricht sich der Herr selbst klar aus mit den Worten: „Laß es geschehen; denn also geziemt es uns, jegliche Gerechtigkeit zu erfüllen" (Matth. 3, 15). [170]
 

Nisi Dominus, lebendige Seele, lebendigmachender Geist; unter den Toten sind jene zu verstehen, die ohne Christus sind, die am Leben nicht teilhaben; Niemand anderer als der Gottessohn ist Gründer der Kirche

Ohne den Herrn und seinen Segen, so heisst es im Nisi Donimus (Ps 127), ist alle Arbeit und Sorge des Menschen vergeblich. Der Gottessohn allein sollte und konnte die Kirche bauen, nichts lässt sich ohne ihn auch nur beginnen. Wenn nun Gott in seiner göttlichen Huld zum Zweck des Aufbaues seiner Kirche soweit gegangen ist, dass nach den Patriarchen, Propheten und Engeln der eingeborene Gottessohn herniederstieg und zur Taufe kam, muss es uns da nicht einleuchten, dass gerade auf die Kirche der wahre und göttliche Ausspruch sich bezieht: „Baut nicht der Herr sich das Haus, dann mühen sich die Bauleute vergeblich" (Ps. 127, 1) Kein Wunder, wenn der Mensch es nicht bauen kann, nachdem er es nicht einmal behüten kann: „Wenn der Herr die Stadt nicht behütet, dann wachen ihre Hüter umsonst". Jetzt, seit der Ankunft des Herrn, wird der wahre Glaube verlangt, die Zeichen treten zurück. Fürchte den Herrn und baue auf den Herrn! Denn „es wird der Herr Engel niedersenden rings um die, so ihn fürchten, und sie erretten" (Ps. 34, 8). Da sieht man doch fürwahr, wie überall des Herrn Kraft des Menschen Mühen unterstützt, so dass niemand ohne den Herrn bauen, niemand ohne den Herrn behüten, niemand das Geringste ohne den Herrn anfangen kann. Daher die Mahnung des Apostels: „Ihr möget essen oder trinken, tut alles in Kraft der Herrlichkeit Gottes" (1 Kor. 10, 31), „im Namen unseres Herrn Jesus Christus!" (Kol. 3, 17) In den beiden Briefen gebot er dir zu handeln: hier „im Namen unseres Herrn Jesus Christus", dort „in Kraft der Herrlichkeit Gottes"; du sollst daraus erkennen, dass dem Vater und Sohne die gleiche Herrlichkeit, die gleiche Kraft zukommt, und dass Vater und Sohn in nichts hinsichtlich ihrer Gottheit sich voneinander unterscheiden, wie sie auch in ihrer Hilfeleistung gegen uns sich nicht unterscheiden. Zur Musik und Poesie im Dienste des Messias: Claudio Monteverdis "Marienvesper (Vespro della Beata Vergine)", Vivaldis und Georg Friedrich Händels "Dixit Dominus" und "Laudate Pueri Dominum" [171]

Die Kirche hat die Eltern verlassen, indem sie sich auf den prophetischen Ruf: „Vergiß dein Volk und deines Vaters Haus! (Ps. 45, 11) aus den Heidenvölkern sammelte. Um welchen Mannes willen, wenn nicht vielleicht um dessentwillen, von dem Johannes beteuert: „Nach mir kommt ein Mann, der mir voran ist" (Joh. 1, 30)  „Der erste Adam ward eine lebendige Seele, der letzte Adam ein lebendigmachender Geist (1 Kor. 15, 45). Der letzte Adam ist Christus, die Rippe Christi das Leben der Kirche. „Wir sind sonach die Glieder seines Leibes, von seinem Fleisch und seinem Gebein" (Eph. 5, 30). Nicht körperlich, sondern geistig ist die Rippe, der Geist aber ist selbst nicht teilbar. Verstehst du nämlich die Stelle vom „Suchen des Lebendigen bei den Toten" (Luk. 24, 5) recht, so hast du unter den „Toten jene zu verstehen, die ohne Christus sind, die am Leben nicht teilhaben; denn das heißt an Christus nicht teilhaben, weil Christus das Leben ist. Heute sind vor allem die Agnostiker, Kantianer und Muslime diejenigen, die an Christus nicht teilhaben. Die Mutter der Lebendigen ist sonach die Kirche, die Gott aufbaute, „wobei Christus Jesus selbst der Eckstein ist, in welchem der ganze Bau zusammengefügt ist und zum Tempel emporwächst" (Eph. 2, 20 f.). [172]

Niemand anderer als der Gottessohn ist Gründer der Kirche. Zum Aufbau der Kirche werden nun zwar viele gesendet, werden gesendet die Patriarchen, werden gesendet die Propheten, wird gesendet der Erzengel Gabriel, werden unzählige Engel abgeordnet und lobte eine Menge der himmlischen Heerschar Gott (Luk. 1, 13), weil der Bau dieser Stadt herannahte: viele werden zu ihr gesendet, doch Christus allein erbaut sie. Freilich nicht allein ist er, weil auch der Vater dabei ist (Joh. 16, 32). Und wenn er allein baut, so spricht er doch das Verdienst dieses so herrlichen Baues nicht allein an (Joh. 14, 10). Vom Tempel Gottes, den Salomo baute, dem Vorbilde der Kirche, steht geschrieben, dass es siebzigtausend waren, die auf den Schultern trugen, und achtzigtausend Steinhauer. Möchten jene Engel kommen! Möchten Behauer der Steine kommen! Möchte das Überflüssige an unseren Steinen weggehauen, das Rauhe geglättet werden! Möchten auch Schulterträger kommen! Denn es steht geschrieben: „Auf den Schultern werden sie getragen werden" (Is. 49, 22). Warum der Tempelberg inkl. Felsendom, der das Erscheinungsbild Jerusalems prägt, heute den Muslimen gehören soll, ist daher kaum nachvollziehbar. [173]
 

Die trinitarische Theophanie bei der Taufe Christi; die Taube Symbol des Heiligen Geistes, bezw. der Taufgnade; der Heilige Geist, sichtbar im Symbole, und der unsichtbare Vater in und mit dem menschgewordenen Sohne Gründer der Kirche. Der Gottessohn, eins mit dem Vater im Sein und Wirken; Arianer und Sarazenen

Jetzt lasst uns das Geheimnis der Trinität ins Auge fassen! Ein Gott ist, sagen wir. Doch den Vater bekennen wir und den Sohn bekennen wir. Denn ob auch geschrieben steht: „Du sollst den Herrn deinen Gott lieben und ihm, dem Alleinigen, dienen" (Deut. 10, 20; vgl. Matth. 4, 10), versicherte doch der Sohn, er sei nicht allein, indem er bekannte: „Doch ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir" (Joh. 16, 32). Auch im gegenwärtigen Augenblick ist er nicht allein; denn es beteuert der Vater, dass er da ist. Da ist auch der Heilige Geist; denn die Trinität lässt sich nimmer voneinander trennen. Daher denn auch: „Es öffnete sich der Himmel, herab stieg der Heilige Geist in leiblicher Gestalt gleich einer Taube. Wie also können die Häretiker behaupten, er sei allein im Himmel, nachdem er nicht allein auf Erden ist? Beachten wir genau das Geheimnis! Warum „gleich einer Taube? Einfalt fordert die Taufgnade: „einfältig sollen wir sein wie die Taube" (Matth. 10, 16). Friede fordert die Taufgnade: ihn brachte einstens im Alten Bunde die Taube im Sinnbilde des Ölzweiges zurück zur Arche, die allein von der Sintflut verschont blieb. Er, der jetzt in Gestalt der Taube herabzusteigen sich würdigte, lehrte mich, wessen Vorbild jene Taube war; er lehrte mich, dass jener Zweig, jene Arche ein Vorbild des Friedens und der Kirche darstellte, insofern selbst inmitten der die Welt heimsuchenden Sintflut der Heilige Geist seiner Kirche die Segensfülle des Friedens entgegenbringt. Auch David lehrte es, der mit prophetischem Geiste das Geheimnis der Taufe schaute und ausrief: „Wer wird mir Flügel geben gleich der Taube?" (Ps. 55, 7) [174]

Es kam herab der Heilige Geist. Beachte jedoch das Geheimnis! Er kam herab auf Christus; denn „alles ist durch ihn geschaffen worden und hat in ihm seinen Bestand" (Kol. 1, 16 f.). Doch sieh den gütigen Herrn! Er allein unterzog sich den Leiden, er allein verlangte nicht Gnade und Erbarmen. Und wo hat der Heilige Geist die Kirche gebaut? „Ich werde, heißt es, den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Tröster geben, damit er bei euch bleibe in Ewigkeit, den Geist der Wahrheit, welchen diese Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und ihn nicht kennt" (Joh. 14, 16 f.). Mit Recht denn zeigte er sich in körperlicher Gestalt, da er in der göttlichen Wesenheit unsichtbar ist. [175]

"Wir haben den Geist geschaut, doch nur in körperlicher Gestalt: so lasst uns auch den Vater schauen! Doch da wir ihn nicht schauen können, so lasst uns ihn hören! Denn der gütige Gott ist da, er wird seinen Tempel nicht verlassen. Er will jede Seele ausbauen, will sie zum Heile unterweisen, will lebendige Steine von der Erde zum Himmel hinaufnehmen. Er liebt seinen Tempel: so lasst auch uns ihn lieben! Lasst uns, wenn wir ihn lieben, seine Gebote halten! (Joh. 14, 15) Lasst uns, wenn wir ihn lieben, ihn erkennen! Denn „wer sagt, er kenne ihn, und seine Gebote nicht hält, ist ein Lügner" (1 Joh. 2, 4). Wie könnte auch einer Gott lieben, der die Wahrheit nicht liebt, da doch Gott die Wahrheit ist? (1 Joh. 5, 6) Lasst uns also den Vater hören! Denn er ist unsichtbar (Kol. 1, 15; 1 Tim. 1, 17). Aber auch der Sohn ist seiner Gottheit nach unsichtbar; denn „Gott hat niemand gesehen" (Joh. 1, 18). Da nun der Sohn Gott ist, ist er eben darum als Gott unsichtbar. Doch er wollte sich im Leibe zeigen. Und weil der Vater keinen Leib trug, darum wollte der Vater uns beweisen, dass er im Sohne zugegen ist, indem er beteuerte: „Mein Sohn bist du, an dir habe ich mein Wohlgefallen." Willst du es vernehmen, dass der Sohn immerdar beim Vater ist, so lies, was des Sohnes Stimme spricht: „Steige ich zum Himmel hinauf, so bist Du da; steige ich zur Unterwelt hinab, bist Du da." (Ps. 139, 8). Verlangst du ein Zeugnis vom Vater, so hast du es von Johannes vernommen. Vertraue ihm, dem Christus zur Taufe sich anvertraute; dem der Vater mit der Stimme vom Himmel den Sohn empfahl mit den Worten: „Dies ist mein Sohn, der geliebte, an welchem ich mein Wohlgefallen habe" (Matth. 3, 17). - St. Ambrosius, sup. Luc. II, 94
Wo sind die Arianer oder Sarazenen, die heutigen Muslime, die kein Gefallen finden am Sohn, an dem der Vater sein Wohlgefallen hat? "Letzteres sage nicht ich und hat nicht irgendein Mensch ausgesprochen; denn nicht durch einen Menschen oder Engel oder Erzengel besiegelte das Gott, sondern die vom Vater selbst aus dem Himmel gesendete Stimme tat es. Dazu wiederholt der Vater die nämlichen Worte an einer anderen Stelle, indem er beteuert: „Dieser ist mein Sohn, der geliebte, an welchem ich mein Wohlgefallen habe; ihn sollt ihr hören!" Ja ihn, der da spricht: „Ich und der Vater sind eins" (Joh. 10, 30), sollt ihr hören! Wer also dem Sohne nicht glaubt, glaubt auch dem Vater nicht. Er ist der Zeuge vom Sohne. An dem Sohne zweifeln heißt dem Zeugnisse des Vaters nicht glauben." Deshalb ist auch der Glaube der Muslime sinnlos, da sie nicht den Vatergott verehren, sondern nur einen  en Götzen. Das hindert natürlich nicht den Papst, in arabische Länder zu reisen und dort das Christentum zu verkünden. Spätestens seit der Marokko-Reise von Johannes Paul II. 1985, als dieser in Casablanca vor 80000 muslimischen Jugendlichen zum gemeinsamen Einsatz für eine friedlichere und gerechtere Welt aufrief, ist der Dialog mit der Irrlehre des Islam fester Bestandteil der päpstlichen Agenda. Auch im Pontifikat von Benedikt XVI. gab es auf diesem Gebiet trotz vorübergehender Rückschläge, vor allem nach seiner Regensburger Rede im September 2006, die wegen eines berechtigten Zitats über das Verhältnis des Islams zur Gewalt heftige Proteste in der islamischen Welt auslöste, durchaus Fortschritte. Dennoch ist unverkennbar, dass Franziskus eine neue Dynamik in den christlich-islamischen Dialog gebracht hat. Das zeigt schon allein seine rege Reisetätigkeit: Die Vereinigten Arabischen Emirate sind nach Jordanien, der Türkei, Aserbaidschan, Ägypten und Bangladesch das sechste islamische Land, das dieser Papst seit seinem Amtsantritt vor knapp sechs Jahren besucht, hinzu kamen noch Reisen nach Bosnien-Hercegovina und Albanien, wo Muslime jeweils rund die Hälfte der Bevölkerung stellen. Für März 2019 ist  zudem ein Besuch in Marokko geplant. Benedikt XVI. besuchte während seines acht Jahre währenden Pontifikats nur drei islamisch geprägte Staaten. Im Kontakt mit der islamischen Welt kommt Franziskus zugute, dass er ein Papst der unorthodoxen Gesten ist, der Königsdisziplin im Dialog des Christentums mit der Irrlehre des Islams. Solche Gesten sind verständlich, wenn man die Heidenvölker, also islamische Länder, dem Christentum näher bringen will. "Zwei Wochen nach seinem Amtsantritt 2013 wusch er einer serbischen Muslimin in der Kapelle eines römischen Jugendgefängnisses im Gründonnerstags-Gottesdienst die Füße – nach damals geltendem Kirchenrecht hätten weder Frauen noch Muslime an dem Ritual teilnehmen dürfen. Im November 2014 betete Franziskus dann als erster Papst offiziell in einer Moschee. Er verharrte in der Blauen Moschee in Istanbul an der Seite von Großmufti Rahmi Yaran mit gefalteten Händen vor der nach Mekka ausgerichteten Gebetsnische – vor den Kameras des türkischen Fernsehens, das live übertrug. Der Sprecher des Vatikans druckste damals zunächst noch herum und sprach von „stiller Anbetung“. Doch Franziskus selbst hatte keine Schwierigkeiten damit, sein Tun beim Namen zu nennen: „Ich habe gebetet, tatsächlich“, sagte er auf Nachfrage. Die Muslime in der Türkei waren angetan, katholische Traditionalisten waren empört." Als Christ kann man natürlich überall beten, schließlich wird auch gebetet, um Dämonen auszutreiben; als Papst in der Moschee beten heisst nicht, dass der abstrakte Götze des Islams, Allah, identisch ist mit dem christlichen Gott, sondern nur, dass hier zur Austreibung der Dämonen gebetet wird. Jenseits solcher Gesten lässt Franziskus angesichts islamistisch motivierter Terroranschläge keine Gelegenheit aus, um den Missbrauch der Religion zur Rechtfertigung von Gewalt zu verurteilen. Eine direkte Verbindung zwischen solchen Gewalttaten und dem Islam oder dem Islamismus ist nicht zu leugnen. Dennoch gibt es auch katholiken, die Gewalt anwenden. „Es gefällt mir nicht, von islamischer Gewalt zu sprechen, denn jeden Tag, wenn ich die Zeitungen durchblättere, sehe ich Gewalt, hier in Italien: Der eine bringt seine Verlobte um, ein anderer bringt die Schwiegermutter um ... Und das sind gewalttätige getaufte Katholiken!“ Verständlicherweise sah sich Franziskus mit dem Vorwurf konfrontiert, er sei blauäugig, wenn es um den Islam gehe. Auch seine Schriften ernten Kritik. In dem Apostolischen Schreiben, „Evangelii Gaudium“, einer Art Regierungsprogramm, lobt er seltsamerweise das Schaubeten der Muslime und zitiert einen islamischen Mystiker. "Damit geht er deutlich über die bisherigen kirchlichen Verlautbarungen hinaus, die sich im Wesentlichen darauf beschränkten, zu einer respektvollen Haltung gegenüber Muslimen aufrufen." Doch Franziskus ist sich auch darüber im Klaren, dass die Situation der christlichen Minderheiten in vielen islamischen Ländern kaum dazu angetan ist, um über religionsübergreifende Initiativen zur Rettung des Planeten
nachzudenken. Wie schon seine beiden Vorgänger mahnt er gegenüber den islamischen Staaten immer wieder volle Religionsfreiheit für die christlichen Minderheiten an. So fordert er in „Evangelii Gaudium“, die Freiheit, die wahre Religion zu wählen, und den wahren Glauben öffentlich zu bekunden. Am historischen Charakter des ersten Besuchs eines Papstes auf dem arabischen Mutterboden der Stätten des Islams, also des abstrakten Götzendienstes, gibt es nichts zu rütteln. Anlass der Visite ist die Teilnahme von Franziskus an der „Globalen Konferenz der menschlichen Brüderlichkeit“, ausgerichtet von dem in Abu Dhabi ansässigen Muslimischen Ältestenrat. Dem 2014 gegründeten Rat gehören gemäßigte sunnitische Imame aus allen erdenklichen islamischen Staaten und muslimisch geprägten Ländern an. Vorsitzender des Ältestenrats ist der Großscheich der Al-Azhar-Universität in Kairo, Ahmad Muhammad al Tayyeb. Mit Tayyeb ist Franziskus schon mehrfach zusammengekommen. Im Mai 2016 hatte der Papst ihn im Vatikan empfangen, Ende April 2017 stattete er dem Großscheich bei seiner Ägypten-Reise den Gegenbesuch ab. An das Thema des Gesprächs des Papstes mit dem Großscheich in Kairo – der Kampf gegen Fanatismus, Extremismus und Gewalt im Namen Allahs – schlossen sich die Redebeiträge und Debatten der zweitägigen Konferenz in Abu Dhabi zur „menschlichen Brüderlichkeit“ nahtlos an. Franziskus und Tayyeb waren gemeinsam Schirmherren und Hauptredner der Konferenz. Zu den 700 Teilnehmern gehörten neben ungezählten Irrlehrern, den Imamen, Scheichs und Muftis aus dem Nahen und Fernen Osten, aus Europa, Afrika und Amerika auch Repräsentanten der anderen Weltreligionen: Pastoren und Bischöfe aller erdenklichen christlichen Konfessionen und Denominationen, dazu der Generalsekretär des Weltkirchenrats, Olav Fykse Tveit, außerdem Buddhisten und Hindus, schließlich ein halbes Dutzend Rabbiner, unter ihnen Julian Haim Susan aus Frankfurt. Die Vereinigten Arabischen Emirate präsentieren sich beim Besuch des Papstes als "Hort der Toleranz", wo die Menschen entgegen dem „Image von Extremismus und Terrorismus“ seit Jahrhunderten „in Harmonie und Frieden“ leben, wie Kronprinz Muhammad bin Zayed Al Nahyan schon bei der Begrüßung des Papstes am Flughafen mitteilen ließ. "Das sonst bei Papstbesuchen übliche jubelnde und Fähnchen schwenkende Menschenspalier entlang der Route des Papstes fehlte jedoch. Auch ein Papamobil gab es nicht." Die Brüderlichkeitskonferenz im monumentalen Emirates Palace Hotel, gleich neben dem noch monumentaleren und kitschigeren Präsidentenpalast mit seinen 70 Kuppeln gelegen, lieferte gleichsam den ideologischen Überbau. Die Konferenz ist einer der Höhepunkte des Jahres 2019, das in den Emiraten offiziell zum „Jahr der Toleranz“ ausgerufen wurde. "Tatsächlich können die knapp eine Million Christen in den Emiraten ihren Glauben frei praktizieren. Wie die erste Kirche von 1963 wurden auch die weiteren Kirchen in den Emiraten auf Grundstücken errichtet, die den Christengemeinden von der Herrscherfamilie geschenkt oder zur kostenlosen Nutzung übergeben wurden. Erst an diesem Dienstag wird der Papst zu einem privaten Besuch in die St.-Josephs-Kathedrale kommen, und nur bei diesem Anlass wird er die ihm so wichtige Begegnung mit den Gläubigen pflegen, Hände schütteln und die Menschen segnen können. Die Kathedrale ist ein bescheidener Zweckbau vom Charme einer Turnhalle, ohne Kreuz auf dem Dach und ohne Glockenturm." Der erste Besuch gebührte allerdings dem Gebetshaus des Widerchrists, der monumentalen Scheich-Zayed-Moschee – wie so vieles in Abu Dhabi benannt nach dem Gründervater der Emirate. "Das private Gespräch im Innenhof der Moschee verlief unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Details wurden nicht mitgeteilt." Thema sei die Stärkung des Friedens gewesen. Doch die Falschheit des Islams wird auch hier deutlich; es geht nicht um Toleranz und Gerechtigkeit, was im Namen des Islams auch unmöglich ist, sondern um Machtgerangel: "In seiner Ansprache bekräftigte der Papst seinen Appell zu Frieden und Dialog über die Religionsgrenzen hinweg, verurteilte jede Form der religiös begründeten Gewalt und des Terrorismus. Auch diese Rede vor ausgewählten Gästen war eine Abweichung vom herkömmlichen Programm eines Papstbesuches: Gewöhnlich wendet sich der Pontifex in öffentlichen Ansprachen an Diplomaten, Vertreter der Zivilgesellschaft und oft genug auch an die Jugend... Überhaupt stößt der interreligiöse Dialog, den Großscheich Tayyeb gemeinsam mit den Emiraten vorantreibt und den der Papst mit seinem Besuch gleichsam adelte, schon in der innerislamischen „Ökumene“ sowie vor allem im Machtgerangel in der Region an enge Grenzen. Dafür steht schon der Muslimische Ältestenrat selbst, der als eine Art Gegenbewegung zu den Muslimbrüdern gegründet worden war. Unter maßgeblicher Mithilfe der Emirate hatte sich in Ägypten 2013 das Militär unter dem damaligen General und heutigen Präsidenten Abd al Fattah al Sisi gegen die Regierung der Muslimbrüder durchsetzen können, und mit dem Muslimischen Ältestenrat wurde – unter der Schirmherrschaft der Emirate – auch das religiöse Gegengewicht zu den Islamisten geschaffen. Die andere Seite der Medaille dieses gemäßigten sunnitischen Islams ist die Bekräftigung autoritärer Herrschaftsformen – in den Emiraten, in Ägypten und in Saudi-Arabien. Auch der innerislamische Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten, der tiefe Feindesgraben zwischen Saudi-Arabien und Iran, zeichnet die Region bis heute weit mehr als der Dialog, den Franziskus, Tayyeb und die Herrscher der Emirate in Abu Dhabi gemeinsam beschworen." Papst Franziskus ist in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, und damit in einer Region, von der aus sich einst der Islam gewaltsam über die Welt ausbreitete – allein dieser Umstand und seine Einmaligkeit verleihen dem Besuch eine besondere, historische Bedeutung. "Das Oberhaupt der Katholiken wird von der Glitzerwelt des Emirats gewiss nicht so beeindruckt gewesen sein, dass es darüber die Lage der meist aus Asien stammenden Arbeitsmigranten vergessen hätte. Auf der anderen Seite wird er anerkannt haben, dass die Christen ihre Religion, in Grenzen, praktizieren dürfen, wie in Oman und in Qatar auch, nicht aber in Saudi-Arabien." Der Kronprinz der Vereinigten Arabischen Emirate ist der De-facto-Herrscher des Landes. "Muhammad bin Zayed ist ein Mann des Militärs. Im Alter von 18 Jahren ging er auf die britische Militärakademie in Sandhurst. Bevor er 1993 zum Generalstabschef ernannt wurde, diente er unter anderem als Hubschrauberpilot und als Luftwaffenchef. Der Kronprinz gibt nicht nur viele Milliarden von Dollar für Waffen aus – er benutzt sie auch. Im Jemen-Krieg spielen die Emirate eine führende Rolle. So muss der Kronprinz als Oberkommandierender der Streitkräfte auch Kondolenzbesuche bei Familien machen, deren Männer gefallen sind. Als der 57 Jahre alte Muhammad Bin Zayed in der Oasenstadt Al Ain geboren wurde, gab es die Vereinigten Arabischen Emirate noch gar nicht. Die Skyline war geprägt von geduckten Lehmbauten. Muhammad bin Zayed, Vater von neun Kindern, erlebte in jungen Jahren, wie sein Vater „Scheich Zayed“ den Staat gründete und die vom Öl-Geld finanzierte rasend schnelle Entwicklung. Nun will er das Land in eine Zukunft führen, die es unabhängig vom Öl machen soll. Der Kronprinz, der in seiner Freizeit unter anderem der Falknerei nachgeht, hat eine Schwäche für die Natur. Er propagiert Nachhaltigkeit und Umweltschutz." Ob er das Land christianisieren kann, ist allerdings fraglich. Das Land, dass erst vor gut 47 Jahren von sieben von Stammesfehden geprägten Emiraten gegründet wurde – in einer islamischen Region, "in der das Verhältnis der Menschen zum Staat von Spannungen, Gewalt und Misstrauen geprägt ist. In Ländern wie dem Jemen oder Libyen zerfällt der Staat. In dysfunktionalen Diktaturen wie in Ägypten sorgt der Repressionsapparat für Grabesruhe. Im Irak oder im Libanon herrscht vergleichsweise große Freiheit, aber der Staat ist geprägt von Konfessionalismus und in den Händen einer korrupten Politikerkaste, die nicht einmal eine belastbare Stromversorgung sicherstellen kann. Die Emirate reihen sich einerseits in die Achse des Autoritären ein. Die Führung bietet den Bürgern aber Wohlstand und einen effizienten Staat. „Human Rights Watch“ spricht von „Intoleranz gegenüber Kritik“ und prangert willkürliche Festnahmen ebenso an wie Folter. Die Gastarbeiter werden auch nach Jahren der Arbeit ausgewiesen, sollten sie ihren Job und den „Bürgen“ für ihren Aufenthaltstitel verlieren. Sie sind nach wie vor leichte Opfer für Ausbeutung und Misshandlungen. Das Gesetz schützt Ehemänner, die ihre Frauen schlagen oder vergewaltigen. Der Herrscher von Dubai, Muhammad Bin Raschid Al Maktoum zog Spott auf sich, als er vor einigen Tagen Auszeichnungen für Errungenschaften in der Gleichberechtigung der Geschlechter vergab – alle an Männer. Dennoch hat das Oberhaupt der katholischen Kirche zum Abschluss seines dreitägigen Besuchs als erster Papst auf der Arabischen Halbinsel die Messe gefeiert. Vor Zehntausenden Gläubigen sprach er den Christen in der Region Mut zu: Gott lasse die Seinen nicht im Stich. Ihre Gemeinschaften, sagte Franziskus weiter, sollten „Oasen des Friedens sein“. Der Papst ist als Friedensstifter unterwegs. "An dem Gottesdienst im Zayed-Sports-City-Stadion von Abu Dhabi nahmen nach offiziellen Angaben 135000 Gläubige aus mehr als hundert Ländern teil, unter ihnen auch 4000 Muslime. Es war der größte christliche Gottesdienst und zudem die erste Papstmesse auf der Arabischen Halbinsel", wo vor fast anderthalb Jahrtausenden die Irrlehre des Islam entsprang und heute in allen Ländern der Region als erheuchelte Religion, "simulata religione" (Thomas von Aquin), Staatsreligion ist. Die ca. Eine Million Katholiken in den Emiraten sind Gastarbeiter mit befristeter Aufenthaltserlaubnis, sie kommen überwiegend von den Philippinen, aus Indien und Pakistan. In seiner Predigt hob der Papst die Seligpreisungen hervor, in welchen Jesus von den Christen „nichts Übermenschliches“ fordere, sondern die „Nachfolge im täglichen Leben“. Selig sei nicht, wer angreife und überwältige, sondern wer sanftmütig sei auch im Angesicht seiner Ankläger. Selig seien jene, die Frieden stifteten – angefangen bei den Gemeinschaften, in denen sie lebten. Franziskus sprach den vielerorts im Nahen Osten bedrängten Christen Mut zu: „Der Herr ist treu und lässt die Seinen nicht im Stich.“  „Es gibt keine Gewalt, die religiös gerechtfertigt werden kann.“ Die Brüderlichkeit aller Menschen verlange von den Vertretern der Religionen, dass sie jegliche Form der Billigung des Wortes Krieg zurückwiesen. Die katastrophalen Folgen des Krieges lägen gerade in der Region vor aller Augen. „Ich denke dabei insbesondere an den Jemen, Syrien, den Irak und Libyen“, sagte der Papst. Aus der Überzeugung, dass zwar nicht Allah, aber der wahre Gott „der Ursprung der einen Menschheitsfamilie“ sei, müsse neben der Friedfertigkeit aber auch die Einsicht erwachsen, dass „wir alle die gleiche Würde haben und dass niemand der Herr oder der Sklave anderer sein kann“. [176]
 

Der Stammbaum Christi; Verheißungen gehen nicht auf Salomo, sondern auf Christus; Des Matthäus Stammbaum durch die königliche, des Lukas Stammbaum durch die priesterliche Geschlechtslinie fortgeführt; Alle Völker sollen durch das Evangelium zur Gottesverehrung berufen werden; der Freien freie Kinder

David und Abraham sind nicht bloß die leiblichen, sondern noch mehr die geistigen Stammväter Christi. Im besonderen Abraham nach der Verheißung der Stammvater Christi im mystischen Sinn, d. i. der Kirche. Desgleichen wird David mit Recht als Stammvater erklärt, weil ihm unter einem Schwur die Offenbarung wurde, dass aus ihm Christus dem Fleische nach hervorgehen werde. Denn so steht geschrieben: „Geschworen hat der Herr dem David die Wahrheit und nicht wird es ihn gereuen. Von der Frucht deines Leibes will ich setzen auf meinen Thron" (Ps. 132, 11) . Und an einer anderen Stelle: „Einmal habe ich geschworen in meiner Heiligkeit, wahrlich dem David lüge ich nicht: sein Same soll währen in Ewigkeit und sein Thron wie die Sonne vor mir" (Ps. 89, 36-38).  Auch durch Jesaias offenbarte der nämliche Herr und Gott die Abstammung des Herrn, indem er sprach: „Hervorgehen wird ein Reis von der Wurzel Jesse und eine Blume erstehen aus der Wurzel, und ruhen wird darauf der Geist Gottes, der Geist der Weisheit und des Verstandes" (Is. 11, 1 f.). Und weiter unten: „Und die Wurzel Jesse wird es sein, und der erstehen wird, den Heiden zu gebieten, auf diesen werden die Heiden ihre Hoffnung setzen" (Is. 11, 10). Und an einer anderen Stelle: „Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt, dessen Herrschaft auf seinen Schultern ruht, und sein Name wird genannt werden Engel des Hohen Rates; denn heraufführen will ich Frieden über die Fürsten und Heil ihm. Groß ist seine Macht und seines Friedens ist kein Ende auf dem Throne Davids und in dessen Reich" ( Is. 9, 6). Auch nach Aquilas, einem Übersetzer der hebr. Bibel ins Griechische zur Zeit des Kaisers Hadrian, Übersetzung liegt hierin, wie wir sehen, nicht eine Verheißung über einen Menschen vor, sondern über einen, der mehr ist denn Mensch. Er übersetzte nämlich ebenfalls: Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt, und sein Maß ist gelegt auf seine Schulter, und sein Name wird genannt werden: der Wunderbare, der Ratgeber, mein Ratgeber, der Starke, der Mächtige, der Vater der Weltzeit, der Fürst des Friedens. [177]

dass alles auf Christus zutrifft, bestätigen die klaren Aussprüche. Und es lässt sich die Segensfülle der göttlichen Macht nicht auf Salomos Glanzperiode beziehen, der Davids Sohn war, dessen Ende aber zweifellos feststeht; denn des Reiches Salomos und des Friedens war ein Ende, wie die Lesung der Königsbücher beweist. Einzig nur Christus ist es, dessen Reich kein Ende hat (Luk. 1, 33). Sodann herrschte Salomo über keine Heidenvölker, Christus aber sammelte die Kirche aus der Heidenwelt. Endlich wurde Salomo noch zu Lebzeiten Davids geboren und dessen Nachfolger in der Herrschaft; von dem Verheißenen aber heisst es nachweislich, dass er erst nach dem Tode Davids aufstehen werde. Denn so liest man: „Wenn deine Tage vollendet sein werden und du schlafen wirst bei deinen Vätern, werde ich von deinem Samen den erwecken, der aus deinem Leibe hervorgehen wird, und bereiten sein Reich. Er wird mir das Haus bauen und ich werde aufrichten seinen Thron in Ewigkeit" (1 Paralip./ Chronik 17, 11 f.). Hat etwa Salomo „in Ewigkeit regiert, nachdem er nur vierzig Jahre regiert hat? „Ich werde ihm sein, heisst es weiter, zum Vater und er mir zum Sohne" (1 Paralip./ Chronik 17, 13). Wer wäre jener eigentliche Sohn Gottes als der, zu welchem gesprochen ward: „Mein Sohn bist du, ich habe dich heute gezeugt"? (Ps. 2, 7) „Und mein Erbarmen werde ich nicht hinwegnehmen von ihm und ihn gläubig erhalten in meinem Hause und in seinem Reiche in Ewigkeit" (1 Paralip./ Chronik 17, 13 f.). Vielleicht hat im Gegensatz hierzu Salomo, wie wir aus dem Texte der göttlichen Lesungen erfahren, gerade deshalb so schwer geirrt, dass nicht auch die Menschen irrten und die Ansicht sich verbreite, es habe die Verheißung auf ihn sich bezogen. Er erbaute nämlich einem Weibe zuliebe der Göttin Astarte einen Tempel, „und der Herr ward erzürnt gegen Salomo" (1 Kön. 11, 4 ff.). Wenn dieser sonach noch zu Lebzeiten Davids zu herrschen anfing, so nämlich liest man: Als dem David gemeldet worden, dass Salomo herrsche, da „betete der König an in seinem Bette und sprach: Gepriesen sei der Herr, Gott Israels, der mir heute aus meinem Samen den Herrscher gab, dass er auf meinem Throne sitze, und meine Augen sehen es" (3 Kön. 1, 47 f.) Wenn er irrte, wenn er sündigte, so ist ersichtlich, dass der Inhalt der Verheißung Christus verhieß. [178]

"Darum nun hob der Evangelist diese beiden Stammväter eigens heraus: den einen, weil er die Verheißung von der Sammlung der Heidenvölker empfing, den anderen, weil er die Offenbarung über die Abstammung Christi erhielt. Und deshalb wird der letztere, wiewohl er in der Geschlechtsreihe später folgt, dennoch im Stammbaum des Herrn vor Abraham aufgeführt, weil eine Verheißung über Christus eine solche über die Kirche an Bedeutung aufwiegt; verdankt doch die Kirche selbst ihr Sein Christus. Der eine ist sonach Stammvater im leiblichen, der andere Stammvater im geistigen Sinn; der eine im Hinblick auf die Zeugung, deren er gewürdigt ward, der andere in Hinblick auf den Glauben der Völker. Höher als der Erlöste steht der Erlöser. Darum wird er Sohn Davids genannt: Buch der Abstammung Jesu Christi, des Sohnes Davids. Denn an erster Stelle sollte er als Sohn dessen bezeichnet werden, dem er als Sohn verheißen ward, mag immerhin der Apostel von Christus hervorheben, dass es auch dem Abraham verheißen wurde. „Dem Abraham nämlich sind die Verheißungen zugesagt worden und seinem Nachkommen. Es heißt nicht ‚und den Nachkommen in der Mehrzahl, sondern in der Einzahl "und deinem Nachkommen", das ist Christus (Gal. 3, 16). Dem einen wird sonach die Zeugung im eigentlichen Sinn zugeschrieben, dem anderen die Stammvaterschaft; jenem ward zuteil, dass Jesus sein Sohn genannt wurde, diesem bleibt als Stammvater seines Geschlechtes und der Heidenwelt der Vorzug gewahrt, dass der Ursprung der Abstammung des Herrn von Abraham sich herleiten sollte: ihn, den Ahnherrn des Glaubens, sollte die Schrift auch als den Ahnherrn der göttlichen Abstammung dartun." - St. Ambrosius, sup. Luc. III, 10
"Wenn aber Matthäus den Stammbaum über Salomo, Lukas dagegen über Nathan herabführen zu müssen glaubte, scheinen sie damit teils die königliche, teils die priesterliche Geschlechtslinie aufzuzeigen. Dies dürfen wir jedoch nicht dahin verstehen, dass dem einen mehr Wahrheit als dem anderen zukomme, sondern beide stimmen in gleicher Glaubwürdigkeit und Wahrheit überein. Denn Christus war in der Tat seiner Menschheit nach sowohl königlichen als auch priesterlichen Geschlechtes: ein König von Königen, ein Priester von Priestern, mag auch der Ausspruch, wonach er einerseits „als König Gottes Macht sich erfreut" (Ps. 21, 2), indem ihm vom Vater und König das Gericht übertragen wird (Joh. 5, 22), andererseits als Priester auf ewig erklärt wird nach dem Schriftworte: „Du bist Priester auf ewig nach der Ordnung des Melchisedech" (Ps. 110, 4), nicht auf seine menschliche, sondern himmlische Zuständlichkeit sich beziehen. Beide Evangelisten haben sonach wahrheitsgetreu berichtet: Matthäus, wenn er nachwies, dass seine Abstammung durch die Königslinie führte; Lukas, wenn er die Geschlechtsreihe von Gott durch die Priesterlinie bis auf Christus herabführte und so dessen Ursprung selbst noch heiliger erscheinen ließ." - St. Ambrosius, sup. Luc. III, 13
Zuerst trat die Wirksamkeit der Gnade hervor, die in Job, Melchisedech, Abraham, Isaak, Jakob sich äusserte, die durch den Glauben ohne das Gesetz lebten; denn „Abraham glaubte Gott, und es ward ihm angerechnet zur Gerechtigkeit" (Gen. 15, 6). Auch des heiligen Melchisedech Gnade zeigte das vorausgehende sinnbildliche Opfer (Gen. 14, 18 ff.) an. Denn vor dem Gesetze lebend, der Fessel seiner Vorschriften ledig, strahlten die heiligen Patriarchen gleich uns im Lichte der freien Gnade des Evangeliums. [179]

Der Herr Jesus nun, der nachmals als Mensch in die Sichtbarkeit eintrat, stellte jenen alten Schutzzaun wieder her und gab uns wiederum dem Wandel der Altväter, der alten Glaubenseinfalt zurück. Auf ihn bezieht sich darum des Propheten Wort: „Erbauer der Umfriedung wirst du genannt werden" (Is. 58, 12). Denn er beseitigte den Riegel, der sich trennend zwischen die Gemeinschaft des Geistes und Leibes und einen reinen Lebenswandel geschoben hatte, und „er ist unser Friede geworden, der aus zweien eins gemacht hat, die Zwischenwand der Umfriedung aufhebend" (Eph. 2, 14 ff.). Die Wand ist nach der Auslegung des Apostels die Feindschaft im Fleische. Diese Feindschaft nun beseitigte der Herr, stellte den Frieden wieder her und „hob das Gesetz der Gebote in Satzungen auf, um die Zwei in einem neuen Menschen zu begründen . Damit aber bezeichnet der Apostel nicht allein den äusseren und inneren Menschen, sondern auch den Juden und den Griechen , auf dass Christus „alles und in allen sei" (1 Kor. 15, 28). Der Herr nämlich beseitigte den Aberglauben in der Sabbatfeier, die buchstäbliche Sabbatübung (Matth. 12, 1 ff.) und hob gleichsam die Zwischenwand des Gesetzes auf, die uns ob ihrer schwer erfüllbaren Vorschriften an der wahren Gottesverehrung gehindert hätte. "Denn den Heiden würde es nicht tunlich und möglich gewesen sein, nach dem mosaischen Gesetze den Gotteskampf zu führen, da der eitle Aberglaube der Juden das natürliche Empfinden der Heiden von der Annahme der Gesetzesbeobachtung abgeschreckt hätte. Wie also? Ist das Gesetz unnütz? Das sei fern! Nein, nützlich war es den Glaubenslosen, notwendig den Schwachen; denn es legte den Schwankenden und Irrenden den strengen Zügel heilsamer Vorschrift, die Fessel gewissenhafter Beobachtungen an. Gut aber ist das Gesetz, weil geistlich (Röm. 7, 14). Nur für den also ist es nicht gut, der es nicht für geistlich hält; der kleinlichen und niedrigen Geistes jene Hoheit, die über dem Gesetze steht, die Hoheit Christi, nicht zu schauen vermochte. Wohl aber erblickte sie gleichsam über die Scheidewand hinweg der geistig hochstehende Isaias und schaute die Herrlichkeit Gottes (Is. 6, 1), die nur auf Bergeshöhen, nicht auf Hügeln zu schauen ist (1 Kön. 20, 28)." Es belehrte uns nun die Kirche im Hohen Liede, wie diese Wand für unseren Herrn Jesus Christus und für den Nachfolger Christi kein Hindernis sein konnte. „Die Stimme meines Bruders , ruft sie aus. „Sieh, er kommt, springend über die Berge, die Hügel überspringend. Dem Rehe ist mein Bruder gleich oder dem Jungen der Hirsche auf den Bergen Bethels. Sieh, da zurück steht er, hinter unserer Wand, blickt durch die Fenster herein, durch die Gitter herein. Da erwiderte mein Bruder und sprach zu mir: Mach dich auf, komm, meine Schwester, meine Schöne, meine Taube! Denn sieh, der Winter ist vorbei, der Regen vorüber, er verzog sich. Die Blumen sind sichtbar geworden im Lande, die Zeit des Reben- Schnittes ist da, die Stimme der Turtel wird vernommen" (Cant. 2, 8-12). Die Blumen sind die Apostel, die Erntezeit die Frucht Christi, die Stimme der Turtel die Stimme der Kirche. Mit Recht denn hat der Gottessohn, nachdem er die Menschen irdisch gesinnt, nicht zum Höheren fortschreitend und in den Banden des Körperlichen eingeengt sah, „denn keiner war, der Gutes tat, auch nicht einer war" (Ps. 14, 3), sich gewürdigt selbst herabzusteigen, um jene Wand des Gesetzes d. i. den Wust und Wahn seiner buchstäblichen Auffassung, die wie Last und Nacht das Herz des Volkes bedrückten, aufzuheben. Besser eine Mauer denn eine Wand. So war denn die „übertünchte Wand  keine gute und ward nicht zu Unrecht als Bezeichnung für den Hohenpriester gebraucht" (Apg. 23, 3); denn dieser suchte die hemmende Zwischenwand des Gesetzes noch aufrecht zu erhalten, die der Herr als zu harten Lebenskampf aufhob, um so einer reineren Religionsübung Eingang zu verschaffen. Und zwar sollte nicht einzig nur das im Buchstaben der Gesetzesvorschrift schmachtende Judengeschlecht, sondern alle Völker durch das Evangelium zur Gottesverehrung berufen werden. [180]

"Zu diesem Jerusalem nun, das keine Zwischenwand zu zerreißen und zu zerteilen vermochte, lasst uns erhabenen Geistes trachten! Denn aufgehoben ist jene Scheidewand des Alten Testamentes nach dem Literalsinn, verstoßen ist die Magd, zurück- und beibehalten wird nur die Freie. Der Freien freie Kinder sind wir; denn frei ist die Kirche, verstoßen ist die Synagoge" und heute vor allem die Moschee. Beseitigt ist der Knechtschaft Joch (Apg. 15, 10), das gleichsam auf unserer Seele Nacken drückend lastete: nicht länger mehr sollten wir auf die Wand des früheren Lebens blicken können. Unser Teil ist ein süßes und leichtes Joch, das uns mit den Zügeln des Friedens und der Gnade Banden schirrt und mehr aufrichtet denn niederdrückt. Das ist der Herr, der ehedem vorbildlich schon in Zara hervortrat; denn aus dem Stamme und der Nachkommenschaft des Zara ward der Herr Jesus dem Fleische nach erzeugt: nicht bloß vom Weibe, sondern auch unter dem Gesetze, um jene, die unter dem Gesetze standen, mit dem Preise seines Blutes zu erlösen (Gal. 4, 4 f.). Vorbildlich für ihn aber war insofern die Hand jener Zara, als sie verheißungsvoll auf die Ankunft dessen hinweisen sollte, der den ursprünglichen Lebenswandel wiederherstellte und die Freiheit, die er jenem ersten Adam verliehen hatte, im letzten Adam erneute (1 Kor. 15, 45), so dass nunmehr das Menschengeschlecht der Knechtschaft ledig ist (Röm. 8, 15), wie es in vielen christlichen Ländern heute der Fall ist, auch wenn in muslimischen Länder dieser Weg noch in ferner Zukunft liegt und sie noch immer auf eine Christianisierung warten. [181]

Dass diese Ehe vorbildliche Bedeutung hatte, bezeugt das Segensgebet der Ältesten, die da flehten: „Gebe der Herr, dass die Frau, die in dein Haus eintreten möge wie Rachel und Lia, welche das Haus Israel erbaut haben, auch kraftvoll wirke in Ephrata und ihr Name genannt sei in Bethlehem! Und dein Haus werde wie das Haus des Phares, welchen Thamar dem Judas gebar! Von deinem Samen gebe dir der Herr Nachkommenschaft aus diesem Mädchen! Und es nahm Booz die Ruth und sie ward ihm verbunden zur Ehe" (Ruth 4, 11-13). Und sie gebar Obed, den Vater Jesses, den Großvater Davids (Ruth 4, 13. 21 f.). Mit Recht erinnert also der heilige Matthäus, da er durch sein Evangelium die Heiden zur Kirche einladen wollte, an die Tatsache, dass der Stifter und Herr der Heidenkirche selbst Nichtjüdinnen Aufnahme in seinen menschlichen Stammbaum gewährte. Es sollte schon damals angedeutet werden, dass jener Stammbaum denjenigen hervorbringen werde, welcher die Heiden berufen würde. Ihm sollen wir alle, die wir aus nichtjüdischen Völkern uns sammelten, folgen, indem wir der Väter Erbe verlassen und zu einem, der uns "zur Religion des Herrn" ruft, z. B. zu Paulus oder zu jedwedem Bischofe. So denn ist Ruth wie Lia und Rachel, des Volkes und des Hauses ihres Vaters vergessend (Ps. 45, 11), die Fessel des Gesetzes sprengend, in die Kirche eingetreten. Folgerichtig bereist der Papst vor allem muslimische Länder, um die Heiden oder Muslime dort "zur Religion des Herrn" zu führen. [182]

"Wie sehr aber Ruths Gedenken in der Geschlechtsliste des Herrn am Platze war, macht das höhere Geheimnis erklärlich, auf das nachdrücklich hingewiesen wird. Darnach wurde nämlich geweissagt, dass aus ihrem Geschlechte in Ephrata Christus geboren werden sollte, indem es heisst: „Es verleihe dir der Herr kraftvoll zu wirken in Ephrata, und genannt sei dein Name in Bethlehem!  Welche Kraft wäre denn gemeint als jene, welche durch Christus die Heidenvölker sammelte? Was aber bedeutete der Name als das Ruhmvolle, dass Bethlehem die Vaterstadt des menschgewordenen Herrn wurde? Daher des Propheten Ausruf: „Und du, Bethlehem in Juda, bist nicht die geringste unter den Fürstenstädten Judas; denn aus dir wird der Fürst hervorgehen, der mein Volk Israel regiert " (Mich. 5, 2; Matth. 2, 6) So sehen wir also, dass in geschichtlicher, sittlicher und mystischer Beziehung die Erwähnung der Frauen im Stammbaum Christi wohl am Platze war." - St. Ambrosius, sup. Luc. III, 35
Oder aber gewann nicht der heilige David, an dem freilich vieles vorbildlich auf Höheres deutet, dadurch an Vorzüglichkeit, dass er einsah, ein schwacher Mensch zu sein, und die Sünde, die er mit der gewaltsamen Hinwegnahme der Frau des Urias beging (2 Kön. 11, 2 ff), mit Reuetränen abwaschen zu müssen glaubte, um uns zu zeigen, wie niemand auf eigene Tugend bauen dürfe? Denn wir haben einen gewaltigen Widersacher, dessen Überwindung uns ohne Gottes gnädiges Zutun nicht möglich ist. Und gar oft wird man bei berühmten und seligen Männern auf schwere Sünden stoßen. Man soll daraus ersehen, wie sie als Menschen der Versuchung zugänglich waren, um sie nicht ob ihrer hervorragenden Tugenden für Übermenschen zu halten. Denn wenn einem David, da er im Tugendstolz hochfahrend gesprochen hatte: „Wenn ich denen, die mir wohlgetan, Böses vergolten habe" (Ps. 7, 5), und an einer anderen Stelle: „Ich aber sprach in meinem Wohlergehen: nicht wanken werde ich in Ewigkeit" (Ps. 30, 7), alsbald die Strafe für solche Selbstüberhebung auf dem Fuß folgte, wie er selbst dessen mit den Worten gedachte: „Du wandtest ab von mir Dein Angesicht und ich ward verstört" (Ps. 30, 8); wenn selbst der Stammvater des Herrn infolge der Selbstüberhebung in Ungnade fiel, wieviel mehr müssen wir andere, die kein Vorrecht an Verdiensten empfiehlt, vor den Klippen der Selbstüberhebung, an denen selbst Gute Schiffbruch leiden können, uns fürchten, zumal ein so großer Mann uns hierin in Wort und Beispiel Lehrer ist? Dieser glaubte zur Versöhnung des Herrn im späteren Leben gleichsam Widerruf leisten zu müssen, indem er beteuerte: „Herr, nicht hochfahrend ist mein Herz und nicht hochblickend meine Augen" (Ps. 131, 1); ferner: „Der Herr ist mir zur Rechten, dass ich nicht wanke" (Ps. 16, 8). Wenn sonach David die Selbstüberhebung verurteilt, in Demut sich hüllt, wird mit Recht in der Geschichte der Frau des Urias diese Lehre von der Demut, deren man sich befleißigen soll, angezogen. Und doch, wenn aus ihr Salomo, der Friedreiche (1 Paral./Chronik 22, 9), geboren ward, sehen wir zu, ob nicht vielleicht ein Geheimnis vorliegt: die Vermählung der Kirche mit einem anderen Mann, dem wahren David, nach dem Hingange jenes, der vordem mit seiner Ehe am Heidenvolke Rache nahm! David ward ja Bezeichnung für Christus, den berufenen Namensträger seines Ahnherrn gemäß dem Schriftwort: „Gefunden habe ich David, meinen Knecht" (Ps. 89, 21). Ihm vermählte sich die Kirche, die vom Samen des Wortes und vom Geiste Gottes erfüllt, den Leib Christi, d. i. das christliche Volk gebar. Sie also ist die Frau, die, „solange der Mann lebte, an das Gesetz gebunden war" (Röm. 7, 2). Und mit Recht hat David mit Rücksicht auf diesen Vorfall den mystischen fünfzigsten Psalm [hebr. 51. Ps.] geschrieben, worin er wegen seiner Verbindung mit Bethsabee fleht: „Fort und fort wasche mich von meiner Ungerechtigkeit und von meiner Sünde reinige mich!" (Ps. 51, 4) . Wenn also David die Begebenheit mit Bethsabee in seinen Psalmen nicht verschwieg, um uns sei es in ein Geheimnis, sei es in die Übung vollkommener Buße einzuführen, sehen wir dieselbe mit Recht auch in der Genealogie des Herrn nicht übergangen, indem ja auch David, der sich dieselbe zur Frau nahm, als Vorfahre im menschlichen Stammbaume des Herrn aufgeführt wird. "Seine besondere Auszeichnung, wie gesagt, bestand darin, dass er in dieser geheimnisvollen Verbindung die Entstehung der Kirche schaute und die Offenbarung empfing, dass aus seinem Geschlechte Christus geboren würde. Der eine Ausspruch nämlich bezieht sich auf die Kirche, wenn er spricht: „Sieh, wir hörten von ihr in Ephrata, wir fanden sie im Waldgefilde" (Ps. 132, 6); der andere im besonderen auf die Verheißung der leiblichen Abstammung des Herrn, die mit ganz klaren Worten geoffenbart wurde, indem es heißt: „Von der Frucht deines Leibes will ich setzen auf meinen Thron" (Ps. 132, 11). Sei doch so großer Verheißung nicht uneingedenk! Denn nicht unbedingt wurde sie gegeben; sondern „wenn du den Bund des Herrn halten und seine Zeugnisse wahren wirst" (Ps. 132, 12), die er im Evangelium kund zu geben verspricht, wird auch dir der Weg zum ewigen Throne offen stehen." [183]

Doch sehen wir zu, dass es nicht uns möglicherweise Eintrag tue in dem Bekenntnisse, dass Christus wirklich königlichen Geschlechtes ist und des Herrn Geschlecht durch wirkliche Könige edlen Geblütes fortgeführt wurde. Als freilich eine Sippe unedlen Blutes die begehrliche Hand nach der Königskrone ausgestreckt hatte, bedingte nicht mehr die Abfolge der Macht, sondern der Zeugung die Fortpflanzung seines Edelstammes. Gleichwohl halten wir Christus selbst nicht für einen König im Sinn weltlicher Hoheit. Wie kann es also heißen: „Von der Frucht deines Leibes will ich setzen auf meinen Thron" (Ps. 132, 11) Wie kann der Engel von ihm sagen: „Gott der Herr wird ihm geben den Thron seines Vaters David, und er wird herrschen über das Haus Israel" (Luk. 1, 32) Wie sollte sein Königtum nur in der Verheißung beruhen und nicht in die Erscheinung treten? Oder wie konnte durch den Propheten gesprochen werden, es werde aus der Nachkommenschaft des Jechonias niemand zur Königswürde gelangen? Denn war Christus König, ging Christus aber aus der Nachkommenschaft des Jechonias hervor, dann war der Prophet ein Lügenprophet und Lügensprüche auch seine Worte. Indes wird hier nicht eine künftige Nachkommenschaft aus dem Geschlechte des Jechonias überhaupt in Abrede gestellt. Darum ist Christus aus seinem Geschlechte und sein Königtum nicht im Widerspruch mit der Weissagung. Denn nicht ein König von weltlicher Hoheit war er und nicht auf des Jechonias Thron saß er, sondern auf dem Throne Davids herrschte er. Doch wenn eben Jechonias Davids Thron einnahm, wie erklärt sich dann der Ausspruch, es würden des Jechonias Nachkommen Davids Thron nicht einnehmen, nachdem doch beide sichtlich ein und denselben Thron innehatten? Also können doch auch wir nicht leugnen, dass es Davids Thron gewesen. Dennoch hat Christus nicht den gleichen davidischen Königsthron eingenommen wie Jechonias, ja konnte überhaupt kein anderer aus Davids Geschlecht dessen Thron einnehmen als Christus; denn in keinem anderen ist seine Nachkommenschaft ewig, sondern nur in Christus, wie Gott selbst es mit den Worten kundgetan hat: „Einmal habe ich geschworen in meiner Heiligkeit, fürwahr dem David lüge ich nicht: Seine Nachkommenschaft soll auf ewig bestehen und sein Thron gleich der Sonne vor meinem Angesicht " (Ps. 89, 36 f.). Wen nun meint er hier? Gewiß nicht Salomo, nicht Roboam, nicht Nathan, sondern jenen, von dem er allein sprechen konnte: „Ich werde legen auf das Meer seine Hand und auf die Flüsse seine Rechte. Er wird mich anrufen: Mein Vater bist Du" (Ps. 89, 26 f); ferner: „Ich werde setzen auf immer und ewig seine Nachkommenschaft und seinen Thron wie die Tage des Himmels" (Ps. 27, 30). Nicht fürwahr Salomo hat diesen Thron eingenommen, nicht Roboam, nicht Jechonias. Willst du’s wissen, wer ihn einnahm? Der ist’s, von dem der Engel zu Maria spricht: „Sieh, du wirst empfangen im Schoße und einen Sohn gebären, und du sollst seinen Namen Jesus heißen. Dieser wird groß sein und Sohn des Allerhöchsten genannt werden. Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben und er wird herrschen über das Haus Jakob in Ewigkeit und seines Reiches wird kein Ende sein" (Luk. 1, 31-33). Wenn du dem Engel nicht glaubst, wirst du doch wenigstens dem Herrn selbst glauben, wenn er beteuert: „Du sagst es: ich bin ein König" (Joh. 18, 37).  [184]

"Lasst die Schrift uns fragen! Da finden wir nun, dass das Reich des Herrn nicht von dieser Welt ist. Er selbst nämlich beteuerte: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt " (Joh. 18, 36). Damit dass er sagte, sein Reich sei nicht von dieser Welt, gab er deutlich zu verstehen, dass es ein überweltliches ist. So gab es ein Reich von ihm, und gab es keines: es gab keines auf der Welt, es gab eines über der Welt. Es war also ein Reich anderer Art, des wahren David, das allein Christus erbte; und es war eine Nachkommenschaft Davids anderer Art, die ewig währt, aus der allein Christus erzeugt wurde, der allein der wahre Sohn Davids ist, auf den allein auch dessen Name überging, wie geschrieben steht: „Gefunden habe ich David, meinen Knecht, mit meinem heiligen Öle habe ich ihn gesalbt" (Ps. 89, 21). dass diese Worte sicherlich nicht auf den Propheten David sich beziehen, sondern auf den Herrn, zeigt klar das Vorausgehende: „Ich habe Hilfe gelegt auf den Mächtigen und erhöht den Erkorenen aus meinem Volke" (Ps 89, 20). Nur Christus ist der Mächtige, nur er der Erkorene. Der Heiligen Geschlecht wurzelt nämlich mehr im Glauben als im Blut. Darum des Apostels Wort: „So nämlich welche aus dem Glauben sind, die sind Kinder Abrahams" (Gal. 3, 7)."  - St. Ambrosius, sup. Luc. III, 44

Ulixes (Odysseus)

Mehr denn Sirenensang und Lotosfrucht fesselt Christi Wort und Tat den wahren Gläubigen. Der Sirenensang ist ein Bild der verführerischen Lüste der Welt. Vielfach mag vielleicht die bloße Anmut der Gegenden den Vorüberziehenden einladen. Denn wenn den Ulixes, wie die Sage erzählt, übrigens auch der Prophet versicherte: „Hausen werden darin die Töchter der Sirenen" ( Is. 13, 21); und hätte es der Prophet nicht ausgesprochen, würde doch niemand mit Recht sich daran stoßen, da die Schrift auch Riesen und ein Titanental kennt (2 Kön. 5, 22; 23, 13) wenn also den Ulixes, der schon zehn Jahre seit den Kämpfen bei Ilion in der Fremde weilte und zehn Jahre heimatsuchend herumirrte, die Lotophagen mit der Süssigkeit ihrer Frucht zu bannen vermochten (Homer, Odyss. IX 84 ff.), wenn die Gärten des Alkinous ihn zurückhielten (Hom. Odyss. VII 112 ff.), wenn endlich die Sirenen mit ihrer Stimme Sang ihn bestrickt und beinahe in den berüchtigten Schiffbruch der Lust hineingelockt hätten, würde er nicht den Genossen gegen des verführerischen Sanges Töne mit Wachs die Ohren verstopft haben (Hom. Odyss. XII 166 ff.): wieviel mehr müssen nicht religiös gesinnte Männer billigerweise von der Bewunderung der himmlischen Begebenheiten bezaubert werden! Und da gibt es nicht bloß süßer Beeren Saft zu kosten, sondern jenes „Brot, das vom Himmel gekommen ist" (Joh. 6, 50 f.); nicht bloß des Alkinous Gemüsebeete zu schauen, sondern Christi Geheimnisse. Nicht schließen, sondern öffnen soll man die Ohren um Christi Stimme zu hören; denn wer sie vernimmt, braucht nicht Schiffbruch fürchten. Dichterische Einbildung nämlich malte den Mythus aus, wonach Mädchen an klippenreichem Meeresgestade gehaust haben sollen: verführten sie mit süßer Stimme Seefahrer um des lieblichen Ohrenschmauses wegen zur Abänderung des Kurses, gaben sie die in die verborgenen Untiefen (Verg. Aen. I 536) geratenen, durch die falsche Landungsstelle (Verg. I. c. II 23) getäuschten Opfer dem Schicksal unseligen Schiffbruches preis. Das ist Dichtung, auf Schein beruhend. Welches Meer aber öffnet abgrundtiefer seinen Schlund als die Welt: so tückisch, so unbeständig, so tief, so stürmisch ob des Dräuens der unreinen Geister? Was sinnbilden die Mädchen anders als den Reiz weichlicher Lust, welche die Kraft des betörten Geistes entnervt? Was aber bedeuten jene Untiefen als die Klippen unseres Heiles? Denn nichts dräut so sehr im Verborgenen als die Gefahr weltlicher Lust, die, während sie dem Sinn schmeichelt, über das Lebensschifflein hereinschlägt und des Geistes Kraft gleichsam an den Klippen des Fleisches zerschellt. [185]
 

Versuchung Christi (tentatione Christi)

Mit Recht nun gab unser Herr Jesus durch sein Fasten und seinen Wüstenaufenthalt eine Unterweisung wider die Lockungen der Genusssucht und ließ unser aller Herr sich vom Teufel versuchen, damit wir alle in ihm siegen lernten. Achten wir denn auf die drei Mittel, die der Herr nicht umsonst nach dem Berichte des Evangeliums in erster Linie anordnete. Drei Mittel sind es nämlich, die der Förderung des menschlichen Heiles dienen: Sakrament (Die Taufe), Einsamkeit, Fasten. Denn „niemand wird ja gekrönt, der nicht ordnungsgemäß kämpft" (2 Tim. 2, 5), niemand aber zum Tugendkampfe zugelassen, wenn er nicht zuvor von allen Sündenmakeln abgewaschen mit der himmlischen Gnadengabe hierzu eingeweiht wird. [186]
"Es kam nun der Herr zur Taufe (Luk. 3, 21), damit wir uns mit Aug’ und Ohr von der Gnade des Sakramentes überzeugten. Und weil das Gesetz vor Himmel und Erde als Zeugen verkündet wurde (Deut. 30, 11 ff.), ruft der Herr, damit du es glaubest, dass das Geheimnis der Gottheit, das von Ewigkeit in Gott verborgen war (Kol. 1, 26), etwas Höheres ist als das Gesetz, nicht bloß den Himmel zur Zeugenschaft auf, sondern bediente sich einer förmlichen Zeugenaussage, indem Gottes Stimme vom Himmel erscholl. Damit du zugleich das Sakrament des Glaubens nicht mit innerlichem Zweifel entweihtest, sollte das Unsichtbare in sichtbaren Wirkungen vor dir zutage treten (Hebr. 11, 3)." - St. Ambrosius, sup. Luc. IV, 5
Für jene, welche unter dem Gesetze waren , nahm er, als stünde er unter dem Gesetze, da er doch nicht unter demselben stand, die Beschneidung auf sich, um die zu gewinnen, die unter dem Gesetze waren. Zu jenen, die nicht unter dem Gesetze waren , gesellte er sich zu gemeinsamem Zusammenleben, um die zu gewinnen, die ohne das Gesetz lebten (1 Kor. 9, 20 ff.). Den Schwachen ist er ein Schwacher geworden durch sein körperliches Leiden, um sie zu gewinnen; kurz: „Allen ist er alles geworden", ein Armer den Armen (2 Kor. 8, 9), ein Reicher den Reichen, ein Weinender den Weinenden (Röm. 12, 15), ein Hungernder den Hungrigen, ein Durstender den Durstigen, ein Wohlhabender den Besitzenden. Im Kerker schmachtet er mit dem Armen, mit Maria weint er (Joh. 11, 33. 35), mit den Aposteln speist er (Matth. 26, 18 ff.), mit der Samariterin durstet er (Joh. 4, 7), in der Wüste hungert er (Luk. 4, 2; Matth. 4, 2), damit der Bissen des ersten Menschen, nach welchem er wider das Gebot die Hand ausgestreckt hatte, durch das Fasten des Herrn gut gemacht würde. Auf unsere Gefahr hin hat Adam seinen Hunger nach der Erkenntnis des Guten und Bösen getilgt, zu unserem Frommen der Herr Hunger gelitten. [187]

„Da ward Jesus vom Geiste in die Wüste geführt, um vom Teufel versucht zu werden" (Luk. 4, 1 f.). Man erinnere sich füglich daran, wie der erste Adam aus dem Paradiese in die Wüste verstoßen wurde, um zu beachten, wie der zweite Adam aus der Wüste zum Paradiese zurückkehrte. Sehet, wie das einstige Verdammungsurteil an seinen eigenen Knoten gelöst wird, und das göttliche Gnadenwirken bei seiner Erneuerung die eigenen Wege wiedergeht! Der jungfräulichen Erde entstammte Adam, einer Jungfrau Christus; jener war Nachbild Gottes (Gen. 1, 27), dieser das Bild Gottes (2 Kor. 4, 4); jener über alle unvernünftigen Tiere (Gen. 1, 18), dieser über alle lebenden Wesen erhaben. In der Wüste weilte Adam, in der Wüste Christus; denn er wusste, wo er den Verstoßenen auffinden könne, um ihn aus der Irre ins Paradies zurückzuführen. Weil indes im Gewande des Weltlichen eine Rückkehr desselben unmöglich war und nur ein Schuldentblößter Paradiesbewohner sein kann, zog er den alten Menschen aus und einen neuen an (Kol. 3, 9 f.), so dass bei der Unabänderlichkeit der göttlichen Ratschlüsse näherhin die Person, nicht das Strafurteil über dieselbe sich änderte.  [188]

Welchen Führer nun hätte Gott uns wider die so zahlreichen Lockungen der Welt, wider die so zahlreichen Ränke des Teufels an die Seite geben sollen, nachdem er wusste, wie wir erstlich wider Fleisch und Blut zu kämpfen haben , sodann „wider die Mächte, wider die Weltbeherrscher dieser Finsternis, wider die Geister der Bosheit, die im Luft-Himmel sind? (Eph. 6, 11 f) Hätte er einen Engel geben sollen? Auch er ist gefallen. Legionen von Engeln hätten dem einzelnen kaum genützt. Hätte er einen Seraph abordnen sollen? Auch er stieg wohl zur Erde nieder, mitten hinein ins Volk mit unreinen Lippen, aber nur des Propheten Lippen vermochte er mit der Kohle zu reinigen, mit der er sie berührte (Is. 6, 5 ff.). Sollte etwa Mohammed und sein Götze Allah der "Führer der Menschheit zum Paradies" sein? Nein, Christus allein ist der Führer der Menschheit zum Paradies. "Eines anderen Führers bedurfte es, dem wir alle folgten. Wer nun wäre der große Führer gewesen, der allen frommte, als jener, „der über allen ist"? (Joh. 3, 31) Wer hätte mich über die Welt erheben können als der, welcher größer ist als die Welt? Wer wäre der große Führer gewesen, der dem Mann und dem Weibe, „dem Juden und Griechen, dem Barbaren und Skythen, dem Unfreien und Freien" (Kol. 3, 11) mit der einen Führerhand den Weg hätte weisen können als allein der, welcher „alles und in allen ist: Christus".  [189] 

Die tausend Fallstricke des Teufels: Fallstricke im Fleische, Fallstricke im Gesetze, Fallstricke auf Tempelzinnen (Luk. 4, 9), auf Mauerschanzen, die der Teufel legt, Fallstricke bei den Philosophen, Fallstricke in den Lüsten, ein Fallstrick im Gelde, ein Fallstrick in der Frömmigkeit, ein Fallstrick im Streben nach der Keuschheit. Denn aus geringfügigen Anlässen gerät der menschliche Geist ins Wanken und lässt am Gängelband des listigen Verführers häufig dahin und dorthin sich ziehen. Es sieht der Teufel einen frommen Menschen, der Gott seine Verehrung erweist, was heilig ist, hochhält, eines Unrechts nimmer fähig ist. Da legt er ihm gerade in religiöser Beziehung eine Falle: er verleitet ihn, nicht zu glauben, dass der Gottessohn in Wahrheit dieses unser Fleisch, diesen unseren Leib, diese unsere schwachen Glieder angenommen hat, nachdem doch nur der Leib leidensfähig sein konnte, die Gottheit von Misshandlung ausgeschlossen blieb. So entsteht denn in religiöser Beziehung Schuld; denn jeder, der nicht bekennt, dass Jesus Christus im Fleische erschienen ist, ist nicht aus Gott (1 Joh. 4, 2 f.). Ein anderer, zum Beispiel ein frommer Muslim hat vernommen, „es gibt einen Gott, aus dem alles ist (1 Kor. 8, 6), er zollt ihm Anbetung und Verehrung; da stellt ihm der Teufel nach, schließt ihm die Ohren, dass er nicht hört, dass es auch „einen Herrn gibt, durch den alles ist" (1 Kor. 8, 6). So verleitet er ihn bei seinem Übereifer in der Gottesverehrung zur Gottlosigkeit. Während er den Vater vom Sohne trennt, konfundiert er Vater und Sohn und hält sie für eine Person, nicht bloß Wesenheit. So verfällt er denn in seiner Unwissenheit über die Glaubensregel beklagenswerter Glaubenslosigkeit." [190] 

"Wie nun werden wir diesen Fallstricken entgehen, um auch sprechen zu können:„Unsere Seele ist entronnen wie ein Sperling aus der Jäger Strick; der Strick ist zerrissen und wir sind befreit" (Ps. 124, 7) Es heisst nicht: Ich habe den Strick zerrissen; nicht so wagte David zu sprechen, sondern: „Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn" (Ps. 124, 8). Damit wollte er zeigen, von welcher Seite der Strick gelöst wurde; wollte voraussagen, dass einer in dieses Leben treten werde, der den Strick, den der Teufel gelegt hat, zerreißen wird (1 Joh. 3, 8)." - St. Ambrosius, sup. Luc. IV, 11
Doch nicht besser hätte der Strick zerrissen werden können als damit, dass er dem Teufel einen Köder vor Augen hielt, damit er sich beim Losstürzen darauf in die eigenen Schlingen verstrickte. So kann ich denn sprechen: „Schlingen haben sie gelegt meinen Füßen und sie gerieten selbst in sie hinein" (Ps. 57, 7). Welcher Köder konnte es sein als der Leib? Diese Falle nun musste dem Teufel gestellt werden, dass der Herr Jesus einen Leib annahm, und zwar einen hinfälligen Leib, einen schwachen Leib, um aus Schwachheit den Kreuzestod erleiden zu können. Denn hätte er einen geistigen Leib gehabt, würde er nicht gesprochen haben: „Der Geist ist willig, das Fleisch aber schwach" (Matth. 26, 41). So vernimm denn beide Stimmen, die des schwachen Fleisches sowohl wie des willigen Geistes! „Vater, wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorüber": das ist des Fleisches Stimme; „doch nicht, was ich will, sondern was Du willst" (Matth. 26, 39): da hast du die Ergebenheit und Stärke des Geistes. Wie dürftest du das herablassende Erbarmen des Herrn von dir stoßen? Herablassung ist’s, dass er meinen Leib angenommen, Herablassung, dass er meine Leiden auf sich genommen, meine Schwächen auf sich genommen hat, deren Gottes Natur fürwahr unfähig war, während des Menschen Natur sie ihrerseits verachten oder doch ertragen und erdulden lernte. So lasst uns also Christus folgen, wie geschrieben steht: „Hinter dem Herrn deinem Gott sollst du hergehen und ihm anhangen!" (Deut. 13, 4) Wem ausser Christus soll ich anhangen? Denn so sprach Paulus: „Wer dem Herrn anhangt, ist ein Geist mit ihm" (1 Kor. 6, 17). Seinen Schritten also lasst uns folgen, um aus der Wüste ins Paradies zurückgelangen zu können! [191] 

Das ist der fortschreitende Weg, den Christus die Jünger von der Erdenwüste zum Paradiese führte. Eben weilt Christus in der Wüste, führt den Menschen, lehrt, unterweist, schult, salbt ihn mit geistlichem Öle. Da er ihn erstarken sieht, führte er ihn durch Saaten und Fruchtgefilde, so damals als die Juden sich beklagten, dass seine Jünger am Sabbate vom Erntefeld Ähren rauften (Matth. 12, 1 ff.), schon nämlich hatte er seine Apostel zur Arbeit auf bebautem und fruchtreichem Felde bestellt. In der Leidenszeit sodann versetzte er ihn ins Paradies; denn so heisst es: „Als Jesus dies gesagt hatte, begab er sich mit seinen Jüngern über den Zedronbach, woselbst ein Garten war; in diesen trat er mit seinen Jüngern ein" (Joh. 18, 1.). dass nämlich ein Garten etwas Vorzüglicheres ist als ein Fruchtfeld, bezeugt der Prophet im Hohen Lied mit den Worten: „Ein verschlossener Garten ist meine Schwester-Braut, ein verschlossener Garten, eine versiegelte Quelle; was aus dir hervorsprosst, ein Paradies" (Cant. 4, 12 f.). Gemeint ist nämlich darunter die jungfräulich reine und makellose Seele, die durch keine Strafdrohungen, durch keine Lockungen der Weltlust, durch keine Anhänglichkeit ans Leben im Glauben sich beirren lässt. dass der Mensch der Kraft des Herrn seine Rückberufung ins Paradies verdankt, bezeugt endlich vor allen anderen unser Evangelist, der allein den Herrn zum Schächer sprechen läßt: „Wahrlich ich sage dir, noch heute wirst du bei mir im Paradiese sein" (Luk. 23, 43). Voll des Heiligen Geistes ward nun Jesus in die Wüste geführt in der Absicht, den Teufel zu reizen, hätte nämlich letzterer nicht in den Kampf sich eingelassen, würde ersterer nicht zu meinem Besten gesiegt haben, zur mystischen Sinnbildung der Befreiung jenes Adam aus der Verbannung, zum Vorbilde, um uns den Neid des Teufels gegen jene, die nach dem Höheren streben, sowie die Notwendigkeit zu zeigen, dann erst recht auf der Hut zu sein, um nicht schwaches Geistes die Taufgnade preiszugeben. [192] 

Was aber bezweckte der Evangelist mit der Bemerkung, „es habe den Herrn gehungert " (Luk. 4, 2) Finden wir doch über des Moses und des Elias Fasten nichts Derartiges verzeichnet. Oder ist etwa der Mensch im Ertragen stärker als Gott? Indes gab er damit, dass er während vierzig Tage nicht von Hunger übermannt werden konnte, deutlich zu verstehen, dass ihn nicht nach einer leiblichen Speise, sondern nach dem Heile hungerte. "Zugleich wollte er mit der Schwäche, die ihn auf das vierzigtägige Fasten überkommen hatte, den bereits stutzig gewordenen Widersacher zum Angriff reizen. Darum war der Hunger des Herrn nur eine fromme List. Es sollte ihn der Teufel, der in ihm bereits Höheres zu vermuten und sich in acht zu nehmen anfing, durch den Scheinhunger getäuscht, angreifen, als wäre er ein gewöhnlicher Mensch, damit sein Triumph nicht vereitelt würde. Zugleich beachte das Geheimnis, dass dieses Gottesgericht, wonach Christus dem Teufel sich zur Versuchung darbot, ein Werk des Heiligen Geistes war!" [193] 

Die drei Hauptwaffen des Teufels: Gaumenlust, Prahlsucht, Ehrsucht. „Es sprach aber der Teufel zu ihm: Wenn du der Sohn Gottes bist, so sprich zu diesem Steine, dass er Brot werde" (Luk. 4, 3). Drei Waffen, wie wir belehrt werden, sind es hauptsächlich, mit welchen der Teufel zur Verwundung des Menschengeistes sich rüstet: erstens die der Gaumenlust, zweitens die der Prahlsucht, drittens die der Ehrsucht. Den Ausgangspunkt aber nimmt er dort, wo er schon einmal als Sieger hervorgegangen ist. Darum nimmt auch mein Obsiegen in Christus dort seinen Ausgang, wo ich in Adam unterlegen bin, wenn sonst Christus, das Bild des Vaters, mir Vorbild der Tugend ist. Lernen wir also vor der Gaumenlust, vor der Völlerei uns in acht nehmen! Sie ist eine Waffe des Teufels. Ein Fallstrick wird gelegt, so oft der Tisch sich deckt zu königlichem Mahle, das oft die Standhaftigkeit des Geistes zu Fall bringt. Denn nicht allein dann, wenn wir die Sprache des Teufels hören, sondern auch dann, wenn wir dessen Reichtümer sehen, gilt es, einen Fallstrick zu meiden. Du kennst also des Teufels Waffen: greif nach dem Schild des Glaubens, nach dem Panzer der Enthaltsamkeit! (Eph. 6, 14. 16) [194] 

Du siehst, welcher Waffengattung der Herr sich bedient, um damit den Menschen wider die Lockungen der Gaumenlust zu schirmen und zu schützen und so gegen den Überfall der Geister der Bosheit (Eph. 6, 12) zu wappnen. Nicht der Gewalt bedient er sich als Gott, sondern er greift als Mensch nach einem allgemeinen Hilfsmittel. In den Genuß der göttlichen Schriftlesung versenkt, vergisst er darüber den leiblichen Hunger, verschafft sich die Speise des himmlischen Wortes. Darin versenkt, fühlte auch Moses kein Verlangen nach Brot (Exod. 24, 18), darin versenkt, Elias keinen Hunger trotz dem langen Fasten (3 Kön. 19, 4. 8). Wer nämlich dem Worte folgt, den kann es nicht nach irdischem Brote verlangen, nachdem er himmlische Brotsubstanz empfängt; denn köstlicher als das Menschliche mundet das Göttliche, köstlicher als das Leibliche das Geistige. Wer also das wahre Leben ersehnt, verlangt nach jenem Brote, das mit seiner unsichtbaren Wesenheit „das Herz des Menschen stärkt" (Ps. 104, 15). Zugleich zeigt der Herr mit den Worten: nicht vom Brote allein lebt der Mensch , dass nur seine Menschheit, d. i. unsere Natur, die er annahm, nicht seine Gottheit versucht wurde. [195] 

Es geht um den freien Willen des Menschen und das Prinzip der Moralität. Der Teufel als Engel des Lichtes ist der Vater der Häresie und damit auch der Muslime und der dazugehörigen Islamwissenschaftler und Religionspädagogen . "Beachte auch hier, wie Satan sich in einen Engel des Lichtes wandelt (2 Kor. 11, 14) und selbst aus der Göttlichen Schrift den Gläubigen oft einen Strick dreht! So macht er Häretiker, so beraubt er den Glauben seines Inhaltes, so kämpft er an wider Recht und Gesetz der Frömmigkeit. Nicht bestricke dich ein Irrlehrer, weil er einige Belege aus der Schrift vorzubringen vermag, und nicht darf er anmaßend den Gelehrten spielen können. Auch der Teufel bedient sich der Schriftzeugnisse, aber nicht zur Belehrung, sondern zu Trug und Täuschung. Er merkt von einem, dass er voll Eifer für die Religion ist, im Rufe der Tugendhaftigkeit steht, an wunderbaren Werken sich hervortut: da legt er den Fallstrick der Selbstüberhebung, um diesen Menschen aufgeblasen zu machen. Die Folge ist: er wirft sich nicht der Frömmigkeit, sondern wirft sich der Selbstüberhebung in die Arme und gibt nicht Gott die Ehre, sondern maßt sich dieselbe an. Daher denn geboten die Apostel nicht in ihrem, sondern in Christi Namen den Dämonen (Luk. 10, 17). Sie wollten nicht den Anschein erwecken, sich selbst etwas hierbei anzumaßen. So heilt Petrus den Lahmen mit den Worten:„Im Namen Jesu des Nazareners steh auf und wandle!" (Apg. 3, 6) Auch von Paulus lerne Selbstüberhebung meiden: „Ich kenne" , versichert er, „einen Menschen, der, ob im Leibe, ob ausser dem Leibe, ich weiß es nicht, Gott weiß es, entrückt wurde in das Paradies und unaussprechliche Worte hörte, die ein Mensch nicht sprechen kann. Von einem solchen will ich rühmend sprechen, von mir aber will ich nichts rühmen ausser meine Schwachheiten" (2 Kor. 12, 2-5). [196] 

Doch wie kann an unserer Stelle der Teufel eine Gewalt erteilen, während an einer anderen zu lesen steht, „alle Gewalt ist von Gott" (Röm. 13, 1) Kann einer zwei Herren dienen oder von zweien die Gewalt übertragen erhalten? Liegt also ein Widerspruch vor? Durchaus nicht. Sieh vielmehr, wie alles von Gott stammt! Denn ohne Gott keine Welt, weil auch „die Welt durch ihn gemacht worden ist" (Joh. 1, 10). Doch wenn sie auch von Gott gemacht ist, ihre Werke sind gleichwohl böse; denn „die Welt liegt im Argen" (1 Joh. 5, 19). Auch die Ordnung in der Welt stammt von Gott, die Werke der Welt vom Bösen. So stammt auch die Anordnung von Amtsgewalten von Gott, das Streben nach Gewalt vom Bösen. „Es gibt keine Gewalt" , heisst es denn auch, „ausser von Gott; die aber, welche bestehen, sind von Gott angeordnet. Und wer der Gewalt sich widersetzt", heisst es weiter, „der widersetzt sich der Anordnung Gottes" (Röm. 13, 1 f.). Auch an unserer Stelle stellt der Teufel, wiewohl er von einem ‚Geben der Macht' redet (Luk. 4, 6), doch nicht in Abrede, dass ihm das alles nur eine Zeitlang eingeräumt ward. Der, welcher es einräumte, hat es also angeordnet; und nicht die Gewalt ist schlecht, sondern der, welcher die Gewalt missbraucht. Darum heisst es denn auch: „Willst du die Gewalt nicht fürchten? Tu das Gute, und du wirst von ihr Lob erhalten (Röm. 13, 3 f.). Nicht also die Gewalt ist schlecht, sondern das Streben danach. Geht doch die Anordnung der Gewalt so sehr auf Gott zurück, dass der, welcher die Gewalt gut gebraucht, Gottes Diener ist: „Er ist Gottes Diener" , heisst es, „dir zum Besten". Nicht also das Amt trifft irgendwelche Schuld, sondern den Amtsträger; nicht Gottes Anordnung kann missfallen, sondern die Handlungsweise ihres Vollstreckers. So verleiht, um uns vom Himmlischen auf ein irdisches Beispiel zu berufen, der Staat ein Ehrenamt und erntet Lob. Wenn nun einer das Ehrenamt missbraucht, so trifft nicht den Staat, sondern den Beamten die Schuld. Die Verbrechen finden ihren Schuldigen, nicht weil die Amtsgewalt, sondern weil die eigene Amtsführung einen in Schuld verstrickt. Ggf. trifft die Schuld nicht das Amtsgericht oder das Finanzamt, sondern einzelne Beamte, die nicht genügend qualifiziert sind, nicht zwischen wichtig und unwichtig unterscheiden können oder ähnlich wie Heliodor versuchen sich zu bereichern. [197] 

"Gut ist es nämlich, wenn man im Streben nach der Gotteserkenntnis durch keine Geschäfte gehindert wird; denn mag auch vieles gut sein, so gibt es doch nur ein ewiges Leben. „Das aber ist das ewige Leben, dass sie dich, den alleinigen wahren Gott, erkennen und den du gesandt hast, Jesus Christus" (Joh. 17, 3). Darum auch ist die Frucht des ewigen Lebens die kostbarste, und der alleinige Gott der Spender des ewigen Lebens. Den alleinigen Gott und unsern Herrn lasst uns anbeten und ihm allein dienen (Deut. 6, 13; Matth. 4, 10), dass er allein uns mit dieser reichlichsten Frucht beglücke!" - St. Ambrosius, sup. Luc. IV, 30
Nicht also vom Teufel stammt die Gewalt, aber sie ist doch den Nachstellungen des Teufels ausgesetzt. Doch ist die Anordnung der Gewalten deshalb nicht schlecht, weil die Gewalten dem Bösen ausgesetzt sind. Gut ist ja auch das Forschen nach Gott, aber es führt das Forschen selbst unvermerkt gleichsam an den Ab- und Irrweg. Denn wendet sich der Forscher infolge verkehrter Schrift-Auslegung einer gotteslästerlichen Lehre zu, wie der Irrlehre des Islams, so nimmt des Forschenden Verstoß damit eine Wendung, die schlimmer ist, als wenn er gar nicht geforscht hätte. Man denke auch an Genforscher, die am Erbgut des Menschen herummanipulieren. "Indes nicht die Forschung, sondern den Forscher trifft die Schuld; nicht die Forschung, sondern die Gesinnung des Forschenden ist dem Bösen ausgesetzt. Wenn aber schon einer, der Gott sucht, infolge der Schwäche des Fleisches und der Beschränktheit des Geistes oft in Versuchung kommt, wieviel mehr fällt ihr zum Opfer, wer die Welt sucht? Und noch verhängnisvoller wird das Strebertum gerade dadurch, weil es verführerisch Würden einzutragen verspricht. Und oft macht Menschen, die keine Laster ergötzen, die keine Ausschweifung beirren, keine Habsucht verkehren konnte, das Strebertum zu Verbrechern. Vor der Öffentlichkeit spielt einer den Liebenswürdigen, zu Hause den Gefährlichen; erst den Wohldiener, um dann den Herrn über andere spielen zu können. Er duckt sich in Dienstbeflissenheit, um mit einer Ehrenstelle bedacht zu werden, und zeigt sich, während er hoch hinaus will, tief herablassend, da er doch, sobald er im Besitz der Macht ist, etwas Höheres über sich nicht kennt: Herr über die Gesetze, ist er sein eigener Sklave." [198] 
"Wenn sich nun der Herr keinen eigenen Besitz verlangte, warum wolltest du nach fremdem trachten? Wenn der Schöpfer des Alls durch die Tugend der Armut, die sein Los sein sollte, die Herrlichkeit der Welt verachtete, warum wolltest du dich grämen über das Los deiner Geburt; begehren, was dir nicht gebührt? Warum im Verlangen nach Dingen, die dir keinen dauernden Genuß verschaffen können? Hüte dich vor Nachstellungen! Hüte dich vor Trug! Gerade weil der Teufel zum Verderben des Menschen mit hinterlistigem Trug über die ganze Welt herfällt, mit so vielen irdischen Lockungen kämpft, hast du dich umsomehr vor seinem Blendwerk in acht zu nehmen." - St. Ambrosius, sup. Luc. IV, 34
„Und als der Teufel alle Versuchungen erschöpft hatte, wich er von ihm auf eine Zeit" (Luk. 4, 13). Die Quelle fast aller Verbrechen bilden, wie sich klar daraus ergibt, jene obigen drei Arten von Lastern. Denn es würde die Schrift nicht die Wendung „alle Versuchung erschöpfen" gebraucht haben, wenn nicht in jenen dreien der Grundstoff aller Sünden läge, deren Keim schon im Entstehen erstickt werden muss. "Das Aufhören der Versuchungen fällt demnach mit dem Aufhören der Begierden zusammen, weil auch die Ursachen der Versuchungen mit den Ursachen der Begierden sich decken; die Ursachen der Begierden aber sind Fleischeslust, Ruhmesglanz und Machtgelüste. Eine wie religiöse Tat scheint es zu sein, wenn man das Zusammenwohnen mit einer christlichen Frau nicht ablehnt!" Seit dem 2. Jahrh. wohnten nicht selten christliche Jungfrauen oder Witwen mit Klerikern und Mönchen zur gegenseitigen aszetischen Förderung (Lehre vom Streben nach christlicher Vollkommenheit) und zum Schutze des schwachen Geschlechtes zusammen. Später kämpften Kirchenväter, schon Cyprian und Konzilien dagegen an. Die Meidung jener drei Laster machte auch Paulus zur Vorschrift, indem er drei Arten von Sünden bezeichnet, von denen man sich frei halten soll, um so der Krone der Gerechtigkeit zu harren (2 Tim. 4, 8): „Denn" , spricht er, „weder haben wir uns eines schmeichlerischen Wortes bedient, noch einen Vorwand zur Habsucht gebraucht, Gott ist Zeuge, noch suchten wir Ehre von seiten der Menschen" (1 Thess. 2, 5 f.). Darum auch hat er den Teufel besiegt, nach der Krone ausgelangt. [199] 
 

Mit des Geistes Kraft gegen Marcioniten und Ebioniten; wer kam die Gefangenschaft des Geistes zu beseitigen, die Blindheit des Herzens aufzuhellen?

"Nach der Lehre der Göttlichen Schrift hast du also nicht allein wider Fleisch und Blut, sondern auch wider die geistigen Anfechtungen den Kampf zu führen. Du siehst, was es Großes um den Christen ist, der mit den Weltbeherrschern  ringt und, wiewohl auf Erden weilend, wider die Geister der Bosheit, die im Luft-Himmel sind , mit des Geistes Kraft den Entscheidungskampf führt." Wir kämpfen ja nicht um Irdisches den Erdenkampf, sondern uns winkt ein geistiger Siegeslohn: der Preis ist das Reich Gottes und Christi Erbe. Die Überwindung der geistigen Hindernisse ist darum das Erstnotwendige. Die Siegeskrone winkt, sie erfordert Kampf. Ohne Sieg keine Krone, ohne Kampf kein Sieg (2 Tim. 2, 5). Die Siegeskrone selbst wirft die größte Frucht da ab, wo die Kampfesmühe am größten ist; denn „eng und schmal ist der Weg, der zum Leben führt, weit und breit hingegen jener, welcher zum Tode führt" (Matth. 7, 13 f.). So soll uns denn vor Versuchung keineswegs bangen: sie ist die Ursache des Sieges, die Voraussetzung zu Triumphen. [200] 

Auch wir wollen sonach die Versuchungen nicht fürchten, sondern lieber uns der Versuchungen rühmen, indem wir sprechen: „Wenn wir schwach sind, dann sind wir stark" (2 Kor. 12, 10), dann nämlich flicht sich für uns „die Krone der Gerechtigkeit" (2 Tim. 4, 8). Auf der Welt bildet ein Lorbeer den Siegeskranz, ein Schild die Krone. Doch dir ist vorgesetzt die Krone der Freuden; denn „mit der Krone der Freuden wird er dich bedecken" (Prov. 4, 9). Und an einer anderen Stelle: „Mit dem Schilde seiner Huld wird er dich umgeben" (Ps. 5, 13). Auch mit Ruhm und Ehre krönt der Herr den, welchen er liebt (Ps. 8, 6). Er, der dich krönen will, lässt also unvermerkt Versuchungen an dich herantreten; und wenn dann und wann wirklich Versuchungen über dich kommen, so merke, dass die Krone winkt. [201] 

„Und Jesus kam in der Kraft des Geistes nach Galiläa zurück" (Luk. 4, 14). Diese Stelle enthält die Erfüllung der Weissagung des Propheten Isaias: „Die Landschaft Zabulon und das Land Nephtali und die übrigen alle, die den Landstrich am Meere bewohnen und die Meeresküste entlang und über den Jordan hinaus das Galiläa der Heiden, das Volk, das im Schatten des Todes saß, haben ein großes Licht gesehen" (Is. 9, 1 f.; Matth. 4, 15 f.). Denn wer ist das große Licht ausser Christus, „der jeden Menschen erleuchtet, der in diese Welt kommt"? (Joh. 1, 9)  „Er nahm hierauf das Buch in Empfang" (Luk. 4, 17). Damit wollte er zeigen, dass er selbst es ist, der in den Propheten gesprochen hat; wollte die Lästerungen der Gottlosen abweisen, welche einen anderen Gott für den Alten Bund, einen anderen für den Neuen annehmen, wie die Marcioniten, oder welche behaupten, Christus habe seinen Anfang aus der Jungfrau, wie die Ebioniten und heutigen Muslime. Denn wie konnte er den Anfang aus der Jungfrau nehmen, nachdem er bereits vor der Jungfrau sprach: „Der Geist des Herrn ist über mir" (Is. 61, 1; Luk. 4, 18)? Da siehst du die gleichewige und vollkommene Trinität. Jesus selbst, den Gottmenschen, den in beiden Naturen Vollkommenen, nennt die Schrift: sie nennt auch den Vater und den Heiligen Geist. Der Heilige Geist als der Mitwirkende ward offenbar, da er „in leiblicher Gestalt gleich einer Taube auf Christus herabkam , als der Gottessohn im Flusse getauft wurde, des Vaters Stimme aus dem Himmel scholl" (Luk. 3, 22 f). Welches größere Zeugnis wollten wir verlangen, als das Selbstzeugnis aus Christi eigenem Munde, er sei es gewesen, der in den Propheten gesprochen habe? Mit geistlichem Öle und himmlischer Kraft wird er gesalbt, um die Dürftigkeit der menschlichen Natur mit dem ewigen Reichtum der Auferstehung zu befruchten, die Gefangenschaft des  Geistes zu beseitigen, die Blindheit des Herzens aufzuhellen; wir hingegen waren die Gottlosen, die, den Blick auf das Leibliche gerichtet, den Glauben an seine Gottheit verweigerten, der aus den Wundern seiner Werke zu erschließen war. [202] 

„Wahrlich ich sage euch, kein Prophet ist genehm in seiner Vaterstadt" (Luk. 4, 24). Kein geringes Maß von Mißgunst verrät sich hier, die der Liebe gegen den Mitbürger vergessend das vielbegründete Wohlwollen in bitteren Haß kehrt. Zugleich geht ebenso aus dem Verhalten wie aus dem Ausspruch Christi klar hervor, dass man umsonst der Hilfe des himmlischen Erbarmens harrt, wenn man anderen die Früchte der Tugend mißgönnt; denn ein Hasser der Neider ist der Herr und entzieht denen, die dem göttlichen Wohltun an anderen widerstreben, die Wunder seiner Macht. Das leibliche Verhalten des Herrn spiegelt ja nur das seiner Gottheit wieder, und das für uns „Unsichtbare in ihm wird durch das, was sichtbar ist, offenbar" (Röm. 1, 20)." - St. Ambrosius, sup. Luc. IV, 46

Heilung und Befreiung von der Krankheit; Wille; Freuds Prinzip von Lust und Unlust hilft nicht weiter 

„Und viele Aussätzige gab es zu den Zeiten des Elisäus, aber keiner von ihnen wurde gereinigt außer Naaman der Syrer" (Luk. 4, 27). Offenbar liegt in diesen Heilsworten des Herrn für uns eine Belehrung und eine Mahnung zum Eifer in der Gottesverehrung," indem gezeigt wird, wie nur der Heilung und Befreiung von der Krankheit seines verunreinigten Leibes fand, dem in frommem Mühen an seiner Gesundheit gelegen war. Denn nicht dem Faulen werden die göttlichen Gnadenerweisungen zuteil, sondern dem Eifrigen. Und trefflich wird mit einem passenden analogen Beispiele der anmaßenden Zumutung der gehässigen Mitbürger die Spitze gebrochen und das Handeln des Herrn im Einklang mit der  alttestamentlichen Schrift aufgezeigt; denn auch in den Büchern der Könige lesen wir, wie der Heide Naaman durch des Propheten Wort von der Unreinigkeit des Aussatzes befreit wurde (2 Kön. 5, 14), während der Aussatz die Juden in großer Zahl an Leib und Seele auszehrte. Litten doch auch jene vier Männer an Aussatz, die, wie die Geschichte berichtet (2 Kön. 7, 3 ff. ), von Hunger getrieben ins Lager des Großkönigs von Syrien sich begaben. Warum also heilte der Prophet seine Brüder nicht, seine Mitbürger nicht, seine Volksgenossen nicht, während er Fremde heilte, solche heilte, welche die Gesetzesbeobachtung und Religionsgemeinschaft nicht teilten? Doch nur deshalb, weil der Wille, nicht die Nationalität die Heilung bedingt und Gottes Gabe mit heißem Verlangen erwählt werden muss, nicht infolge eines natürlichen Rechtsanspruches gewährt wird. Lerne erflehen, was du zu erlangen wünschest! Leuten voll Unlust fließt der Segen der himmlischen Gaben nicht nach." Das Prinzip von Lust und Unlust, wie es Sigmund Freud aufgestellt hat, seine Psychoanalyse, hilft nicht weiter. [203] 

Doch so sehr die einfache Auslegung das Verlangen nach sittlicher Unterweisung befriedigt, kann doch auch das gnadenvolle Geheimnis nicht verborgen bleiben. Wenn nämlich spätere Schrift-Wahrheiten aus früheren sich ableiten lassen, dann lassen erst recht frühere aus späteren sich erhärten. Ambrosius hatte in seiner Schrift „Über die Witwen"  (c. 3) betont, dass jene Witwe, zu der Elias gesendet wurde, ein Vorbild der Kirche war. Das Volk, so geziemt es sich, soll zur Kirche kommen. Jenes Volk, aus fremden Völkern gesammelt, jenes Volk, ehedem voll Aussatz, jenes Volk, ehedem, bevor es in der geheimnisvollen Flut getauft ward, voll Makel, jenes nämliche Volk fing, nach Empfang des Taufsakramentes von den Makeln des Leibes und des Geistes reingewaschen, an, nicht aussätzig, sondern eine makellose Jungfrau ohne Runzel zu sein (Eph. 5, 25-27). Mit Recht wird darum Naaman als groß bezeichnet vor seinem Herrn und von wunderbarem Aussehen (2 Kön. 5, 1); denn in ihm wurde vorbildlich den Heiden das künftige Heil klar vor Augen geführt. Dem Rat einer Jungfrau, die, als die Wehrkraft der Bürger gebrochen war, als Gefangene in Feindes Gewalt geraten war, und ihrer Mahnung zufolge, sein Heil vom Propheten zu erhoffen, fand er Heilung, nicht kraft des Machtbefehles seines irdischen Gebieters, sondern auf Grund der Freigebigkeit der göttlichen Barmherzigkeit (2 Kön. 5, 2 ff.). [204] 

Warum wird dem Naaman eine mystische Zahl von Waschungen anbefohlen - nicht zu verwechseln mit den rituellen Waschungen der Irrgläubigen, wie der Muslime? "Warum der Jordanfluß hierzu ausersehen? „Sind denn" , fragt er, „Abana und Pharphar, die Flüsse von Damaskus nicht besser als der Jordan?"(2 Kön. 5, 10 ff.) Doch nur von Unwillen übermannt, gab er ihnen den Vorzug, nach ruhiger Überlegung wählte er den Jordan; denn der Zorn ist blind gegen die höhere Wahrheit, der Glaube nur schaut sie. Erkenne die Gnade der Heilstaufe: als Aussätziger war er untergetaucht, als Gläubiger tauchte er empor! Erkenne, dass hier geistige Geheimnisse versinnbildet werden: leibliche Heilung wird verlangt, geistige erlangt; das Fleisch wird abgewaschen, die Seele reingewaschen! Denn nicht sowohl des Leibes als des Geistes Aussatz sehe ich gereinigt, wenn Naaman nach dem Bade, vom alten Sündenschmutze frei, nicht fremden Göttern die Opfer weihen zu wollen erklärt, sondern dem Herrn sie gelobt (2 Kön. 5, 17)." [205] 
 

Nicht um Gewinn handelt es sich bei der Verwaltung der Geheimnisse; „Kinder der Verheißung"; Kleingläubigkeit

Habsüchtige und abstrakte Götzendiener wie die Muslime erreichen nichts. "Erprobten Glauben bewies der Prophet, der Lohn ausschlug. Erkenne aus der Lehre, die beide Männer in Wort und Tat gaben, was du zu befolgen hast! Du hast des Herrn Gebot (Matth. 10, 8), des Propheten Beispiel: umsonst nimm, umsonst gib! Verkaufe nicht deinen Dienst, sondern biete ihn an! Denn nicht mit Geldeswert läßt Gottes Gnade sich einschätzen, und nicht um Gewinn handelt es sich bei der Verwaltung der Geheimnisse, sondern um den Dienst des Priesters." Doch da selbst jene, die durch die Sünde des Götzendienstes wider Gott (hierzu zählt auch der abstrakte Götzendienst der Muslime) sich verfehlten, augenscheinlich nur bis zum vierten Geschlechte gestraft wurden, scheint fürwahr die Strafsentenz, durch welche Giezis Nachkommenschaft zur Sühne für dessen Habsucht kraft des Ausspruches des Propheten verurteilt ward, zu hart, als dass man nicht lieber an eine "Nachkommenschaft in der Lasterhaftigkeit denn in der Geschlechtsfolge denken möchte, zumal unser Herr Jesus Christus durch die Wiedergeburt der Taufe allen Nachlaß der Sünden verliehen hat. Wie man nämlich die „Kinder der Verheißung" (Röm. 9, 8; Gal. 4, 28) für die gute Nachkommenschaft ansehen kann, so die Kinder der Sünde für die schlechte Nachkommenschaft. Denn auch die Juden haben „den Teufel zum Vater" (Joh. 8, 44), doch sicherlich nicht infolge einer leiblichen Abstammung, sondern der Sünde. Alle Habsüchtigen, alle Geizigen besitzen sonach mit ihren Reichtümern den Aussatz des Giezi und rafften mit ihrem unrecht erworbenen Gewinste nicht sowohl ein Vermögen an Geld als vielmehr einen Reichtum an Missetaten zusammen, der ewige Strafe und kurzen Genuß bringt. Während nämlich der Reichtum vergänglich ist, währt die Strafe ewiglich; denn „weder ein Habsüchtiger noch ein Trunkenbold noch ein Götzendiener wird das Reich Gottes besitzen" (1 Kor. 6, 9 f.) [206] 
„Da wurden alle in der Synagoge voll Zorn, als sie dies hörten, und sie standen auf und stießen ihn zur Stadt hinaus" (Luk. 4, 28 f.). Das gottfrevle Handeln der Juden, das der Herr längst vorher durch den Propheten vorausverkündet und von dem er im Psalmverse: „Sie haben mir Böses für Gutes vergolten" (Ps. 35, 12) erklärt hatte, dass er es im Leibesleben erleiden würde, ging nun, wie er dartut, im Evangelium in Erfüllung. Denn während er überall im Volke Wohltaten spendete, überhäuften jene ihn mit Unbilden. Kein Wunder, wenn sie das Heil verloren, nachdem sie den Heiland aus ihrem Gebiete hinausstießen (Matth. 8, 34). Denn der Herr hält sich an die sittliche Norm: der durch das eigene Beispiel seine Apostel allen alles werden lehrte (1 Kor. 9, 22), weist die Willigen nicht ab, zwingt keinen gegen seinen Willen, leistet denen keinen Widerstand, die ihn hinausstoßen, mangelt denen nicht, die ihn bitten. So ließ er auch an einer anderen Stelle die Gerasener als undankbare Schwächlinge zurück, da sie seine Machttaten nicht ertragen konnten (Luk. 8, 37)."  - St. Ambrosius, sup. Luc. IV, 55
Richte den Blick auf das Übrige und vernimm die Geheimnisse des Lesestückes aus dem Evangelium und erkenne in der Heilung der beiden das Geheimnis von der Allgemeinheit des Heils. „Gleichwie nämlich in Adam alle sterben, so empfangen in Christus alle das Leben" (1 Kor. 15, 22). "Wer anders ist der vom dämonischen Geiste Besessene in der Synagoge als das Judenvolk, das gleichsam von Schlangenwindungen umschnürt und in des Teufels Schlingen verstrickt, die heuchlerisch zur Schau getragene leibliche Reinheit mit geistigem Unflat verunreinigte? Und trefflich: „es war in der Synagoge ein Mensch, der einen unreinen Geist hatte; es hatte ja den Heiligen Geist verloren. Da nämlich, wo Christus fortgezogen, war der Teufel eingedrungen. Zugleich zeigt sich, dass die Natur des Teufels nicht schlecht ist, dass nur seine Werke böse sind; denn im Werke verleugnet er den Herrn, den er kraft seiner höheren Natur als solchen bekennt. Auch darin offenbart sich seine Bosheit und der Juden Ruchlosigkeit, dass er dem Volke den betörten Geist so sehr verblendete, dass es den verleugnete, welchen die Dämonen bekannten. O diese Erbjünger, schlechter denn der Meister! Dieser versucht ihn im Wort, sie in der Tat; dieser spricht: „stürze dich hinab , sie legen Hand an, ihn hinabzustürzen" (Luk. 4, 9. 29)." Heute gilt allerdings das Wort des Ambrosius "Da nämlich, wo Christus fortgezogen, war der Teufel eingedrungen" hauptsachlich für Muslime, die ursprünglich christliche Orte wie Felsendom in Jerusalem und Hagia Sophia in Konstantinopel erobert und in Moscheen verwandelt hatten, die "in des Teufels Schlingen verstrickt, die heuchlerisch zur Schau getragene leibliche Reinheit mit geistigem Unflat" verunreinigten. Heute ist die Mitgliederzahl rückläufig, weil "Kleingläubigkeit" in der Kirche weit verbreitet ist, Bischöfe nehmen ihr Kreuz ab, wenn sie den Felsendom betreten! [207] 
"Hüten wir uns darum vor einem Gottlosen, hüten wir uns vor einem Verräter, dass wir nicht, viele an Zahl, durch einen einzigen in Gefahr geraten! Nicht also schwankt jenes Schiff, worauf die Einsicht das Steuer führt, dem der Unglaube fern ist, der Glaube das Segel schwellt; denn wie hätte es schwanken können unter der Führerhand dessen, in welchem die Grundfeste der Kirche ruht? (Matth. 16, 18) Dort also, wo Kleingläubigkeit (Matth. 8, 26), gibt es Schwanken; hier, wo vollkommene Liebe, nur Sicherheit." - St. Ambrosius, sup. Luc. IV, 70
So ergeht denn, ob auch der Auftrag, die Netze auszuwerfen, allen gilt, doch nur an Petrus das Wort: „Fahr hinaus zur tiefen See" (Luk. 5, 4), d. i. zur Tiefe der Lehre! Was wäre denn auch so tiefgründig als der Blick in „die Tiefe des Reichtums" (Röm. 11, 33), die Erkenntnis des Sohnes Gottes (1 Kor. 2, 2) und das Bekenntnis seiner göttlichen Zeugung? Vermag auch der menschliche Geist diese nicht in ihrem vollen Wesensgrund zu erfassen, so umfängt doch des Glaubens Fülle sie. Denn darf ich auch nicht das Wie seiner Zeugung wissen, so darf ich doch nicht über das dass seiner Zeugung in Unwissenheit sein. Den Vorgang der Zeugung kenne ich nicht, doch die Beglaubigung der Zeugung anerkenne ich. Wir sind nicht Zeugen gewesen, da der Gottessohn aus dem Vater erzeugt ward, aber Zeugen, da er vom Vater als Gottessohn erklärt wurde (Luk. 3, 22). Wenn wir Gott nicht glauben, wem wollten wir dann glauben? Alles, was wir glauben, glauben wir nämlich entweder auf Sehen oder auf Hören hin. Das Gesicht täuscht sich oft, das Gehör bleibt verlässig. Oder ist die Person (des Vaters), welche die Versicherung abgab, anfechtbar? Hätten tugendhafte Männer es ausgesprochen, würden wir’s für unrecht halten, es nicht zu glauben: Gott nun versichert es, der Sohn bestätigt es (Matth. 26, 63 f.; Luk. 23, 46), die verschwindende Sonne bekennt es, die bebende Erde bezeugt es (Matth. 27, 45. 51; Luk. 23, 44 f.). Zu dieser Tiefe der Lehre also wird der Kirche Schiff von Petrus geführt, um hier den Gottessohn auftauchen, dort den Heiligen Geist hervorströmen zu sehen. [208] 
 
 

Christi Wunder; apologetische und ethische Bedeutung des Wundervorganges; Gotteserkenntnis

„Und es geschah, als er in einer der Städte war, sieh, da war ein Mann voll Aussatz, und er fiel nieder auf sein Angesicht, bat ihn und sprach: Herr, wenn Du willst, so kannst Du mich gesund machen. Da streckte er die Hand aus, berührte ihn und sprach: Ich will, sei rein!" (Luk. 5, 12 f.) Mit gutem Grund wird ein bestimmter Ort, wo der Aussätzige gereinigt wird, nicht genannt um anzuzeigen, dass nicht allein die Bevölkerung einer bestimmten Stadt, sondern die Bevölkerung sämtlicher Städte Heilung fand. Matthäus führt diesen Kranken als ersten ein, der nach den Seligpreisungen vom Herrn geheilt wurde. Nachdem nämlich der Herr gesprochen: „Ich bin nicht gekommen, das Gesetz aufzuheben, sondern zu erfüllen" (Matth. 5, 17), sollte er, der vom Gesetze ausgeschlossen wurde (Lev. 14, 1 ff.), die Hoffnung auf Heilung auf die Macht des Herrn setzen und überzeugt sein, dass die Gnade, welche eines Aussätzigen Unreinheit abzuwaschen imstande ist, nicht aus dem Gesetze stammt, sondern über das Gesetz erhaben ist. Nach Markus endlich „erbarmte sich der Herr seiner" ( Mark. 1, 41). "Ein schöner Zug. Und noch manche solche Züge streuten die Evangelisten ein. Sie wollten uns nämlich zweifach festigen: durch die Beschreibung seiner Wunderzeichen im Glauben, durch die Darstellung seiner Tugendwerke in der Nachahmung. Daher seine Berührung ohne Sträuben, sein Befehl ohne Schwanken. Darin nämlich bekundet sich seine Macht, dass er es, obschon im Besitze seiner Heilsgewalt und der Befehlsautorität, nicht verschmäht, sein Wirken auch zu bezeugen.  „Ich will"  spricht er des Photinus wegen; er gebietet des Arius, er berührt des Manichäus wegen." Nach Photinus, Vertreter eines dynamischen Monarchianismus, spricht nicht Christus, sondern der Logos (= Gott Vater) das „Ich will". Manichäus warnt im Interesse der Erlösung des Menschen aus dem Finsternisreiche (dem ewigen Weltstoff) vor der Berührung mit allem, was demselben entstamme. [209] 

Nicht einen nur, sondern alle heilt er und versichert sie: „Schon seid ihr rein ob des Wortes, das ich zu euch gesprochen habe" (Joh. 15, 3). Wenn nun die Arznei wider den Aussatz das Wort ist, so bedeutet zum Beispiel der muslimische Unglaube nach Ambrosius also "die Verachtung des Wortes den Aussatz des Geistes." Damit jedoch der Aussatz nicht den Arzt anstecken könne, meide jeder, der vorbildlichen Demut des Herrn folgend, eitle Prahlerei. Wozu denn sonst dessen Auftrag „es niemand zu sagen" (Luk. 5, 14), als zur Belehrung für uns, Wohltun nicht auszuposaunen, sondern geheimzuhalten, so dass wir nicht bloß auf Geldgewinn, sondern selbst auf Dank verzichten? Oder vielleicht war der Grund des Schweigegbotes auch der, dass ihm solche, die lieber aus freier Glaubensüberzeugung als wegen erhoffter Vorteile gläubig würden, besser dünkten. Der Geheilte empfängt den Auftrag „sich dem Priester zu zeigen und für seine Reinigung zu opfern" ( Luk. 5, 14). Dadurch nämlich, dass er sich dem Priester stellte, sollte sich dieser überzeugen, dass derselbe nicht nach der Gesetzesordnung, sondern kraft der Gnade Gottes unabhängig vom Gesetze geheilt wurde. Wenn ferner der Herr das Opfer „nach der Vorschrift des Moses" (Luk. 5, 14) anbefahl, so wollte er zeigen, dass er „das Gesetz nicht auflöste, sondern erfüllte" (Matth. 5, 17). Man sollte sehen, wie er an der Hand des Gesetzes vorgehend über das Gesetz hinaus Kranke heilte, denen die Heilsverordnungen des Gesetzes keine Heilung verschafft hatten. Und zutreffend setzte er das hinzu: wie Moses angeordnet hat ; „denn das Gesetz ist geistiger Art" (Röm. 7, 14). Ein Opfer im geistigen Sinn scheint er sonach aufgetragen zu haben.  Zum Schluß fügte er noch bei: „auf dass euch dies zum Zeugnisse sei" (Luk. 5, 14), d. i.: Falls ihr Gott glaubt, falls der Aussatz der Gottlosigkeit von euch weicht, falls der Priester Mitwisser um das Verborgene, falls er Zeuge der reinen Gesinnung ist: wann ließe sich derselbe deutlicher als den Priester schauen, vor dem es nichts Verborgenes gibt; zu dem gesprochen ward: „Du bist Priester in Ewigkeit nach der Ordnung des Melchisedech" (Ps. 110, 4)? [210] 

Was heisst den ganzen Menschen heilen? Heilung eines Gelähmten; Bedeutung des Fürbittgebetes; das Bett des Gelähmten Sinnbild des menschlichen Leibes. Der Unglaube der schlimmste, unheilbare Aussatz

„Und sieh, Männer brachten auf einem Bette einen Menschen, der gelähmt war, und suchten ihn hineinzubringen und vor ihn hinzusetzen; und da sie wegen der Menge des Volkes nicht fanden, von welcher Seite sie ihn hineinbrächten, stiegen sie auf das Dach und ließen ihn im Bett durch die Ziegel hinab, mitten vor Jesus hin." (Luk. 5, 18 f.). Vor allem anderen hat jeder Kranke, wie wir vorausgehend bemerkten, zur Erflehung des Heils Fürbitter beizuziehen, durch deren Vermittlung unser zerrütteter Lebensorganismus, unser gelähmter Handel und Wandel kraft des himmlischen Heilswortes wiederhergestellt werden soll. Es soll daher etwelche "Mahner für den Geist" geben, um den Sinn des Menschen, ob dieser auch äußerlich infolge körperlichen Siechtums gelähmt ist, zum Höheren emporzurichten. Mit ihrer Beihilfe hinwiederum soll es ihm möglich werden, sich empor- und niederzulassen und vor Jesus hingestellt zu werden, würdig des Anblickes des Herrn; denn der Herr blickt die Niedrigkeit an: „Er hat angeblickt die Niedrigkeit seiner Magd" (Luk. 1, 48). „Als er nun ihren Glauben sah" (Luk. 5, 20), heißt es. Groß ist der Herr. "Um des Verdienstes der einen willen verzeiht er anderen und lässt, indem er die einen prüft, anderen die Verirrungen nach. Warum soll bei dir, o Mensch, Deinesgleichen nichts vermögen, nachdem beim Herrn selbst der Diener das Verdienst der Fürbitte und das Anrecht auf Erhörung hat? Lerne, wenn du richtest, verzeihen; lerne, wenn du krank bist, beten! Wenn du dir keine Hoffnung auf Nachlaß der schweren Sünden machen kannst, sieh dich um Fürsprecher, sieh dich um die Kirche um, die für dich flehen soll; anbetrachts derer der Herr dir Verzeihung gewährt, die er dir sonst verweigern könnte!" [211] 

Wiewohl wir die Geschichtlichkeit des Vorganges nicht preisgeben dürfen, so dass wir an der wirklichen leiblichen Heilung dieses Gichtbrüchigen festhalten, "so erblicke doch hierin die Heilung des inneren Menschen, dem die Sünden nachgelassen werden! Wenn nun die Juden behaupten, letzteres könne nur vom Herrn gewährt werden, so bekennen sie doch damit die Gottheit Christi und verraten mit dem eigenen Urteile ihren Unglauben. Seine Tat bezeugen sie, seine Person leugnen sie. So empfing wohl der Gottessohn von ihnen die Beglaubigung seiner Tat, auf eine Zustimmung in Worten dringt er nicht; denn der Unglaube kann wohl bekennen, glauben kann er nicht. Nicht seiner Gottheit fehlte die Bezeugung, ihrem Heile fehlte der Glaube. Für die Glaubenssache ist es so vorteilhafter, dass sie wider Willen bekennen; für die Schuld verhängnisvoller, dass sie leugnen, obwohl ihre eigenen Worte sie Lügen strafen. Groß war sonach die Verblendung des ungläubigen Volkes. Trotz des Bekenntnisses, dass Gott allein die Sündenvergebung zukomme, glaubte es Gott nicht, da er die Sünden nachließ. Weil aber der Herr die Sünder retten wollte (1 Tim. 1, 15), zeigte er sowohl durch sein Wissen um das Verborgene wie durch das Bewunderungswürdige seines Tuns, dass er Gott ist, und fügte darum bei: „Was ist leichter zu sagen: Vergeben sind dir deine Sünden, oder zu sagen: Steh auf und wandle?" (Luk. 5, 23) Mit dieser Stelle entrollt der Herr ein vollständiges Bild der Auferstehung: er heilt die geistigen und leiblichen Wunden, lässt die Sünden im Herzen nach, beseitigt das körperliche Siechtum. Erst das heisst nämlich den ganzen Menschen heilen." [212] 

Das Bett, das „aufzuheben" (Luk. 5, 24) befohlen ward, was anders bedeutet es als den menschlichen Leib, der auf Gottes Befehl sich erheben soll? Das ist das Bett, das allnächtlich von David mit Tränen benetzt wurde (Ps. 6, 7), das Schmerzensbett, worauf unsere Seele an schwerer Gewissensqual krank darnieder lag. Doch wer nach Christi Gebote wandelt, für den ist es nicht mehr Schmerzensbett. Er hat uns den Todesschlaf in seligen Genuß gewandelt. Nicht bloß das Bett aufzuheben, sondern auch „in sein Haus zurückzugehen" (Luk. 5, 24), d. i. ins Paradies zurückzukehren wird dem Geheilten aufgetragen. Das ist ja die wahre Behausung, die erste, die den Menschen aufnahm; deren er verlustig ging. Mit Recht also erfolgt nun deren Rückgabe mit der Ankunft dessen, der die Schlinge des Truges lösen, das Recht wiederherstellen sollte. Die Heilung erleidet auch nicht den geringsten Aufschub. Worte und Heilungen fallen zeitlich zusammen. Die Ungläubigen sehen den Kranken aufstehen, verwundert fortgehen und bringen dennoch den  Wundern des göttlichen Wirkens lieber Furcht als Glauben entgegen. Hätten sie geglaubt, würde doch nicht Furcht, sondern Liebe sie angewandelt haben; denn die vollkommene Liebe schliesst die Furcht aus (1 Joh. 4, 18). Und darum, weil sie keine Liebe hatten, ergingen sie sich in Verdächtigungen. An die Verdächtigenden aber richtet der Herr die Frage: „Was denkt ihr Böses in eurem Herzen?  Wer spricht das? Der Hohepriester." Er sah den "Aussatz im Herzen"; er zeigt ihnen, dass sie noch schlimmer daran seien als der Aussätzige. Der Unglaube bzw. Irrglaube der Muslime und Agnostiker ist heute der schlimmste, unheilbare Aussatz, weshalb darauf achtgegeben werden muss, "dass nicht ihr Aussatz auch noch andere anstecke." [213] 
 

Die Berufung des Zöllners; dessen mystisches Christusmahl; die Ungläubigen die ewig Hungernden, die Gläubigen die geistig Speisenden; die nichtberufenen Gerechten, die Gesetzes- bezw. Selbstgerechten, Fasten

"Nun folgt die geheimnisvolle Berufung des Zöllners (Luk. 5, 27 ff.), dem der Herr befiehlt ihm nachzufolgen, nicht mit leiblichen Schritten, sondern in der geistigen Gesinnung. Derselbe hat zuvor habsüchtig Abgaben vom Verdienste der Schiffer, drückende Abgaben aus ihren Mühen und Gefahren eingehoben. Auf den Ruf des Wortes nun verlässt er, der fremde Habe erpresste, die eigene, verzichtet auf jenen verächtlichen Zollstuhl und folgt in seinem ganzen geistigen Wandel dem Herrn nach. Auch ein Gastmahl großen Stils gibt er. Wer nämlich Christus in die Wohnung seines Inneren aufnimmt, erfreut sich der köstlichsten Labe überreicher Genüsse. Gern tritt der Herr ein und ruht im Herzen dessen, der den Glauben annimmt." - St. Ambrosius, sup. Luc. V, 16
Doch von neuem entfacht sich die "Gehässigkeit der Ungläubigen". Während die Gläubigen am Mahle sich labend in jenem Himmelreiche zu Tische liegen, wird der Unglaube durch Hungerfasten gequält werden, wie es heute die Muslime in der Zeit des Ramadan praktizieren. Zugleich tritt der gewaltige Unterschied zwischen den Gesetzeseiferern und den Gnadebeflissenen zutage: Die Anhänger des Gesetzes erleiden in ihrem ungestillten Geiste ewig Hunger; jene hingegen, welche das Wort im Inneren der Seele aufgenommen, sind, von der Fülle der himmlischen Speise und des himmlischen Trankes gesättigt, ausserstande zu hungern und zu dursten. Und so murrten denn die geistig Hungernden und sprachen: „Warum isst und trinkt er mit den Zöllnern und Sündern?" (Luk. 5, 30)  Aus der Tischgemeinschaft des Herrn mit Sündern folgt, dass er uns sogar die Teilnahme am Gastmahle von Heiden nicht verwehrt, was aber nicht heisst, das man am Fasten oder Fastenbrechen der Irrgläubigen Muslime teilnehmen soll, um diese Praktiken womöglich weiterzuempfehlen. „Nicht die Gesunden, spricht er, bedürfen des Arztes, sondern die Kranken" (Luk. 5, 31). [214] 

Ein neues Heilmittel brachte der neue Meister mit. Es sprosste nicht auf der Erde, die ganze Schöpfung verstand sich nicht auf dessen Hervorbringung. "Dieses Mittel verordnet nicht Diät, sondern bietet der Seele Speise; denn „der Menschensohn ist gekommen und isst und trinkt , „und sie sagen, er hat einen Teufel" (Luk. 7, 34. 33). Unser Geist leidet darum nicht Hunger. Die nur hungern, denen Christus fern ist, und mangeln der Fülle guter Verdienste." Wer sich hingegen die Tugend mit ihrem Genusse genügen lässt; wer Christus in sein Haus aufnimmt, der „bereitet ein großes Mahl" (Luk. 5, 29), d. i. das geistige Mahl der guten Werke. Die Diät der Muslime hilft nicht weiter. [215] 

"Soviel nämlich ist gewiß: wenn er uns verlässt, können wir das Heil nicht erlangen. Niemand kann dir Christus nehmen, ausser du entfernst dich selbst davon. Nicht entferne dich dein Dünkel! Nicht entferne dich deine Selbsteingenommenheit! Und versprich dir auch vom Gesetze nichts! Denn „nicht die Gerechten zu berufen ist er gekommen, sondern die Sünder" (Matth. 9, 13; Luk. 5, 32) - St. Ambrosius, sup. Luc. V, 20
Wie nun „liebte der Herr die Gerechtigkeit" (Ps. 11, 7), und sah David „einen Gerechten nicht verlassen" (Ps. 37, 25) Oder was ist das für eine Gerechtigkeit, wenn der Gerechte verlassen, der Sünder berufen wird? Das ist eben so zu verstehen, dass er mit „Gerechten jene bezeichnet, die sich auf das Gesetz steifen und um die Gnade des Evangeliums nicht kümmern. Indes niemand findet aus dem Gesetze Rechtfertigung, sondern aus der Gnade Erlösung" (Röm. 3, 21 ff.). Es trägt wohl das Gesetz Gerechtigkeit in sich, aber es vermittelt nicht die Gerechtigkeit (Gal. 2, 21). Denn auch Paulus, „Hebräer von Hebräern, dem Gesetze nach ein Pharisäer, der Gerechtigkeit nach, die im Gesetze ruht, untadeligen Wandels" (Phil. 3, 5 f.), ob des Gesetzes sich rühmend (Röm. 2, 23), bekennt: „Was mir Gewinn war, das habe ich um Christus willen für Schaden erachtet (Phil. 3, 7), d. i. er gab die Gesetzesgerechtigkeit und das Sichrühmen damit auf; denn die Gesetzesgerechtigkeit ohne Christus ist ein leerer Begriff, weil die Fülle des Gesetzes Christus ist (Röm. 10, 4). Und darum mag wohl das Gesetz Gerechtigkeit in sich bergen, doch es vermittelt die Gerechtigkeit nicht. „Denn wenn durch das Gesetz die Gerechtigkeit kommt, ist folglich Christus umsonst gestorben (Gal. 2, 21); denn Christus ist gestorben, „das Gesetz zu erfüllen" (Matth. 3, 15). So gab er denn auch auf das Wort des Johannes: „Ich habe nötig von dir getauft zu werden, und du kommst zu mir"  die Antwort: „Lass es geschehen; denn also geziemt es sich uns jegliche Gerechtigkeit zu erfüllen" (Matth. 3, 14 f.). Nicht umsonst nun ist Christus gestorben, sondern für uns ist er gestorben, auf dass „die Gerechten leuchten wie die Sonne im Reiche ihres Vaters" (Matth. 13, 43). Doch nicht die Juden sind die Gerechten, zu denen gesprochen ward: „Wenn ihr die Gerechten ins Himmelreich werdet eintreten sehen" (Luk. 13, 28; Matth. 7, 21.). Das sind die Gerechten, die dem Schlagenden den Schlag nicht zurückversetzen (Matth. 5, 39; 1 Petr. 2, 23), die den Feind lieben (Matth. 5, 44; Luk. 6, 27. 29). Wollten wir’s nicht so verstehen, so ergäbe sich der Widerspruch: „Ich bin nicht gekommen die Gerechten zu berufen" (Luk. 5, 32). Jene beruft er nicht, die sich selbst gerecht nennen. „Indem sie nämlich Gott verkennen und ihre Gerechtigkeit geltend zu machen suchen, sind sie der Gerechtigkeit Gottes nicht unterworfen" (Röm. 10, 3). Die Selbstgerechten werden demnach nicht zur Gnade berufen. Denn ist die Gnade eine Frucht der Buße, so verzichtet, wer die Buße verschmäht, auf die Gnade. Diese Selbstheiligen werden wundkrank bleiben; "für uns kann es kein Fasten geben, weil wir Christus haben" [216] 

Richtiges Fasten wird natürlich nicht verboten. "Wie hätte denn auch der Herr den Jüngern das Fasten verbieten können, da er selbst fastete; da er ferner versicherte, dass die allerschlimmsten Geister gewöhnlich nur durch Fasten und Gebet überwältigt würden? (Matth. 17, 21)" Desgleichen endlich bezeichnete er das Fasten als altes Kleid, das nach dem Urteile des Apostels ausgezogen werden muss, indem er mahnt: „Ziehet aus den alten Menschen mit seinen Handlungen um „den neuen anzuziehen, der durch die Heiligung in der Taufe erneut wird!" (Kol. 3, 9 f.) Auf das gleiche zielt eine Reihe von Vorschriften ab: Wir sollten nicht das Tun des alten und neuen Menschen vermengen, nachdem der leibliche, äussere Mensch die Werke des Fleisches vollführt, dieser innere Mensch (Röm. 7, 22), der wiedergeboren wird, nicht im bunten Gewande des alten und neuen Handelns schillern, sondern einer Farbe mit Christus in geistigem Ringen dem nachahmen soll, dem er in der Taufe wiedergeboren ward (Luk. 5, 36; Kol. 3, 9 f.). "Weg also mit den missfarbenen Schleiern des Geistes, die dem Bräutigam mißfallen! Sein Missfallen erregt nämlich, wer kein hochzeitliches Kleid trägt (Matth. 22, 12). Was aber könnte dem Bräutigam sonst gefallen als der Friede der Seele, die Reinheit des Herzens, die Liebe des Geistes?" Vollverschleierung der Muslime und weiße Kleidung, wie sie gern von Islamisten getragen wird, sind allerdings nicht gemeint. [217] 
 

Sabbatkonflikte; allegorische Deutung des Ährenpflückens der Apostel: Der Acker die Welt, die reife Saat die Heiligen, die strotzenden Ähren die Tugendverdienste, der Hunger das Heilsverlangen der Apostel; Abimelechs Gastfreundschaft und ihre mystische Bedeutung; Die weltlichen, nicht die guten Werke haben am Sabbat zu ruhen 

„Es geschah aber an einem zweitersten Sabbate, dass er durch die Saatfelder ging, und seine Jünger rauften die Ähren aus, zerrieben sie mit ihren Händen und aßen sie" (Luk. 6, 1). Nicht allein in der Theorie, sondern auch im praktischen äusseren Verhalten fängt der Herr Jesus an, dem Menschen das Kleid der alttestamentlichen Gesetzesbeobachtung abzustreifen und das Gewand der Gnade anzuziehen. Daher führt er ihn jetzt bereits am Sabbate durch die Saaten, d. i. reicher Frucht entgegen. Welche Bewandtnis es mit dem Sabbate hat, welche es mit der Saat, welche es mit den Ähren hat, ist kein geringes Geheimnis. Der Acker nämlich bedeutet diese ganze Welt, des Ackers Erntefrucht die große Schar der Heiligen, die unter der Saat des Menschengeschlechtes heranreift, die Ähren auf dem Ackerfelde die Früchte der Kirche, welche die Apostel in ihrem Wirken ausrieben, an denen sie sich erquickten. Nicht ohne mystische Bedeutung, bediente sich der Evangelist der obigen Ausdrucksweise, während nach Matthäus und Markus einfach „Sabbat"  gesetzt ist (Matth. 12, 1; Mark. 2, 23). Entweder nun sollen wir schon in dieser Welt nach Aufhebung und Aufhören der religiösen Bräuche der Juden, oder aber in der zukünftigen in unvergänglicher Feier Ruhetag halten und an den "Gütern des Landes", gemeint ist das Gelobte Land, das Paradies (Matth. 5, 4), uns laben  gemäß dem Schriftworte: „Jene werden essen, ihr aber hungern" (Is. 65, 13). [218] 
"Wozu aber aß jener Gesetzesbeobachter und -verteidiger die Brote „und gab auch denen, die bei ihm waren, während deren Genuß nur den Priestern erlaubt war? (Luk. 6, 4; vgl. Lev. 24, 9) Doch nur, um durch jenen vorbildlichen Vorgang zu zeigen, wie die priesterliche Speise in den allgemeinen Genuß des Volkes übergehen werde, sei es weil wir alle einem priesterlichen Lebenswandel nacheifern sollen, sei es weil alle Kinder der Kirche Priester sind; denn zu einem „heiligen Priestertum  werden wir gesalbt um uns selbst Gott als geistliche Opfer darzubringen" (1 Petr. 2, 5)." - St. Ambrosius, sup. Luc. V, 33

"Doch dies der moralische Sinn, den der Vorgang birgt. In seiner mystischen Bedeutung enthält er einen prophetischen Hinweis auf die Pflicht frommer Priester, selbst wenn sie das künftige Todeslos riskierten, jenen wahren David (Christus) nicht aus dem gastlichen Heiligtume ihres Geistes auszuschließen. Doch nicht allein das lehrt der typische Vorgang, dass Christus im Hause eines jeden Gottesmannes gastliche Aufnahme finden solle, sondern auch, dass er den Geistern der Bosheit Beute und Rüstung abnehmen werde; denn wer Christus gastlich aufnimmt, beraubt den Goliath im übertragenen Sinn seiner Waffen." - St. Ambrosius, sup. Luc. V, 36 

„Ihr zürnt über mich, weil ich den ganzen Menschen am Sabbate gesund gemacht habe?" (Joh. 7, 23) Hierbei schalt Christus die Juden; denn diese verletzten infolge verkehrter Auslegungen die Gesetzesvorschriften, indem sie glaubten, man müsse am Sabbate auch von den guten Werken ausruhen, während das Gesetz in seiner dermaligen Form nur die Gestaltung des Zukünftigen vorbildete, das doch bloß ein Ausruhen vom Bösen, nicht vom Guten in sich schloß. Denn wenn auch die weltlichen Arbeiten insgesamt ruhen sollen, bedeutet doch das Ausruhen im Lobe Gottes kein Feiern im Gutestun. [219] 
 

Apostelwahl; Bergpredigt; "sündhaftes Gebet"; das Wort Gottes der Schlüssel zu den Schätzen der göttlichen Weisheit; Seligpreisungen; Missbrauch des Reichtums; Häretiker, agnostische Weltweisen; Nicht Wiedervergeltung des Bösen, sondern Wiedervergeltung des Guten 

„Es geschah aber in jenen Tagen, da ging Jesus hinaus auf dem Berge zu beten und brachte die Nacht im Gebete mit Gott zu" (Luk. 6, 12). Nicht jeder, der betet, erklimmt den Berg, es gibt auch ein "sündhaftes Gebet" (Ps. 109, 7), wie das der Muslime, die zum abstrakten Götzen beten, sondern wer gut betet, erklimmt vom Irdischen zum Höheren fortschreitend den Gipfel erhabenen Mühens. Doch nicht der steigt zur Bergeshöhe auf, der viel auf weltlichen Reichtum und Ehre bedacht ist; nicht steigt zur Bergeshöhe auf, der begehrlich das Besitzrecht auf fremden Grund und Boden anstrebt, wie die Osmanen zum Beispiel christliche Gebiete in Besitz genommen haben. Der steigt empor, der Gott sucht; der steigt empor, der des Herrn Hilfe für seinen Lebenslauf sich erfleht. Alle Großen, alle Hochgesinnten steigen zum Berge auf; denn nicht jedem gilt des Propheten Wort: „Steig hinan auf hohen Berg, der du Frohbotschaft kündest Sion, erheb mit Macht deine Stimme, der du Frohbotschaft kündest Jerusalem" (Is. 40, 9). Nicht mit leiblichen Schritten, sondern mit erhabenen Taten steig diesen Berg hinan! Folge Christus, um selbst Berg sein zu können; denn „Berge sind rings um ihn" (Ps. 125, 2). Sieh dich im Evangelium um! Da wirst du finden, dass nur die Apostel mit dem Herrn den Berg hinaufgestiegen sind. Auch sonst, trifft man Christus niemals gemeinsam mit den Aposteln im Gebete; "überall betet er allein. Denn der Mensch mit seinen Wünschen kennt Gottes Absicht nicht und keiner aus dem Vertrautenkreise kann hierin Genosse Christi sein. Willst du dich überzeugen, wie sein Gebet mir, nicht ihm gegolten hat." [220] 
„Er berief, heißt es, seine Jünger und erwählte zwölf aus ihnen " (Luk. 6, 13), um sie zur Verbreitung der menschlichen Heilshilfe auf dem ganzen Erdkreise, zu Pflanzern der Glaubenssaat zu bestimmen. Beachte zugleich den himmlischen Ratschluß! Nicht irgendwelche Weise, nicht Reiche, nicht Vornehme, sondern Fischer und Zöllner erwählte er zur Aussendung. Es sollte nicht den Anschein erwecken, als hätten sie diesen und jenen durch ihre Wissenschaft herübergezogen; als hätten sie ihn mit Geld erkauft; als hätten sie ihn durch das Ansehen ihrer Macht und ihres Adels zu ihren Gunsten eingenommen. Überzeugende Wahrheit, nicht blendende Rede sollte den Ausschlag geben."  - St. Ambrosius, sup. Luc. V, 44

"Der heilige Matthäus endlich bemerkt: „Er öffnete seinen Mund" (Matth. 5, 2), die Schätze der Weisheit nämlich und der Erkenntnis Gottes (Röm. 11, 33; Kol. 2, 3). Das Allerheiligste seines Tempels erschließend entsiegelte er seinen Mund. So öffne denn auch du deinen Mund! Doch bitte zuvor, dass er geöffnet werde! Denn wenn ein Paulus zur Öffnung seines Mundes Hilfe erfleht, geziemt dir noch vielmehr darum zu flehen. Der Prophet zeigte dir auch den Schlüssel der Erkenntnis, womit du deinen Mund öffnen sollst, wenn er mahnt: „Öffne deinen Mund kraft des Wortes Gottes!" (Prov. 24, 75) Das Wort Gottes ist der Schlüssel deines Mundes. Der Schlüssel der Erkenntnis ist deines Mundes Schlüssel, mit welchem sich die Ketten des Schweigens lösen, der Riegel der Unwissenheit aufsperren lässt." - St. Ambrosius, sup. Luc. V, 48

Diese erste Seligpreisung nahmen beide Evangelisten auf. Sie ist in der Reihenfolge die erste und gleichsam die Mutter und Erzeugerin der Tugenden; denn wer das Zeitliche verachtet, der nur wird das Ewige verdienen; "und niemand kann die Verdienstkrone des Himmelreiches erlangen, der von der Weltlust eingenommen nicht die Kraft hat, sich zur Höhe zu schwingen." Die zweite Seligpreisung lautet: „Selig die Sanftmütigen" ; die dritte: „Selig die Trauernden" ; die vierte: „Selig die Hungernden" ; die fünfte: „Selig die Barmherzigen" ; die sechste: „Selig die reinen Herzens sind" ; die siebte: „Selig die Friedfertigen" , und mit Recht die siebte; denn an diesem Tage ruhte Gott aus von allen Werken der Welt: es ist der Tag der Ruhe und des Friedens; die achte: „Selig, die Verfolgung leiden um der Gerechtigkeit willen". [221] 

„Selig die Armen!  Nicht alle Armen sind selig. Denn Armut ist ein unbestimmter Begriff. Es können Arme gut und schlecht sein. Es müsste denn etwa unter dem „seligen Armen  jener verstanden sein, den der Prophet mit den Worten bezeichnete: „Besser ein gerechter Armer denn ein lügenhafter Reicher" (Prov. 19, 22). Selig „der Arme, der rief, und der Herr erhörte ihn" (Ps. 34, 7), der Arme sonder Sünde, der Arme sonder Laster, der Arme, an dem der Fürst der Welt nichts findet (Joh. 14, 30), der Arme, der jenes Armen Nachahmer ist, „der, da er reich war, unsertwegen arm geworden ist!" (2 Kor. 8, 9) Den vollen Sinn erschloß darum Matthäus mit dem Ausspruch: „Selig die Armen im Geiste!  Denn der Arme im Geiste bläht sich nicht auf, überhebt sich nicht in fleischlicher Gesinnung, sondern zeigt Interesse am Geist. Diese erste Seligpreisung tritt sonach ein, wenn ich alle Sünde ablege und alle Bosheit ausziehe und in Einfalt mich bescheide, arm an bösen Werken. Dazu erübrigt, dass ich meinen Charakter zähme. Denn was frommte mir der Verzicht auf das Zeitliche, wenn ich nicht sanft und mild wäre? Wer dem rechten Weg folgen will, muss doch dem folgen, der da spricht: „Lernet von mir, weil ich sanft bin und demütig von Herzen!" (Matth. 11, 29) So lege denn ab, was unrecht ist! Darbe an Lastern, wie es die rechte Armut verlangt! Dämpfe die Leidenschaft, dass du nicht zürnest oder doch im Zorne nicht sündigest, wie geschrieben steht: „Ihr zürnet; doch sündiget nicht!" (Ps. 4, 5), was auch Aristoteles unterschreiben könnte.  Denn eine herrliche Tat ist es, die innere Regung bewusst zu bezähmen; doch für nicht weniger tugendhaft gilt es, den Jähzorn zu bezwingen und den Unwillen niederzuringen, als einer Zornesregung überhaupt nicht stattzugeben: Ersteres, glaubt man, erfordert meist größere Bedachtsamkeit, letzteres größere Energie. [222] 

Mit gutem Grund gilt die dritte Seligpreisung dem, der seine Sünden beweint; denn der dreieinige Gott ist es, der die Sünden nachlässt. Wenn du selbst über dich weinst, braucht kein anderer über dich weinen. Hätte Saul seine Sünden beweint, hätte Samuel nicht über ihn weinen müssen (1 Kön. 15, 35). Jeder hat seine Toten, die er beweint. Tot sind wir, wenn wir sündigen; wenn wir voll von Totengebein starren. Tot ist die schlimme Rede, die aus dem Munde kommt; denn sie kommt aus einem schlimmen Grabe: „Ein offenes Grab ist ja ihre Kehle" (Ps. 5, 10). Darum des Apostels Mahnung: „Seid meine Nachfolger!" (1 Kor. 4, 16) Er will, dass wir unserer Sünden eingedenk seien. Paulus hatte nichts zu beklagen, seitdem er christusgläubig ward, und dennoch beweint er seinen früheren Wandel, indem er bekennt: „Ich bin nicht wert, ein Apostel zu heißen, weil ich die Kirche Gottes verfolgt habe" (1 Kor. 15, 9). Er war ein Sünder vor der Annahme des Glaubens, wir hingegen sündigen noch fort nach dessen Annahme. Wer aber ein Sünder ist, weine über sich und klage sich an um gerecht zu werden! Denn „der Gerechte ist sein eigener Ankläger" (Prov. 18, 17). Heutige Therapeuten raten aber davon ab, sich selbst anzuklagen; sogenannte "Mind-Body-Medizin-Gesundheitstherapeutinnen" bieten stattdessen Seminare an in achtsamkeitsbasierter Stressreduktion ("MBSR - Mindfulness-Based Stress Reduction"), eine auf säkulare Bedürfnisse abgestimmte Meditationspraxis zum Führungskräftetraining. Durch MBSR kann diese amerikanische Art der Wissenschaft weiter optimiert werden, denn die Kernformel lautet: "es ist wie es ist". Dadurch sei man grenzenlos für den Arbeitgeber verfügbar und stelle keine dummen Fragen. [223] 

„Selig die Barmherzigen , heißt es im Anschluß an die vorgenannten Gerechten. Auf die Gerechtigkeit kommt nämlich die Barmherzigkeit. Daher das Wort: „Er teilt aus, gibt den Armen, seine Gerechtigkeit währt ewiglich" (Ps. 112, 9). Doch auch wer Barmherzigkeit erweist, geht des Lohnes verlustig, wenn er sie nicht reinen Herzens übt. "Sucht er nur Selbstlob, reift keine Frucht. So läutere denn das Innere deines Geistes! Und hast du das Verborgene deines Herzens sorgsam  geläutert, so hab Mitleid mit den Bedrängten und bedenke, wie viele Menschen, wie viele deiner Brüder nach deiner Hilfe begehren! Machst du jedoch nicht selbst zuvor dein Inneres frei von aller Sündenmakel, dass nicht Zank und Streit aus deinem Herzen hervorgehen, vermagst du auch anderen keine Arznei dagegen zu reichen. Bei dir also beginn das Friedenswerk, um auch anderen, nachdem du selbst friedfertig geworden bist, den Frieden zu bringen. Wie könntest du denn die Herzen anderer läutern, wenn du nicht zuvor dein eigenes läutertest?" [224]

Thomas von Aquin dazu: Notwendig ist einmal das, wovon jemand für sich selbst und die angehörigen die äussersten Lebensbedürfnisse bestreitet, ohne was er also schlechthin nicht bestehen kann; und davon Almosen geben wäre dasselbe wie sich und den Seinigen das Nötige, um zu leben, entziehen. Das also ist nicht erlaubt; es müsste sich denn um eine für den Staat oder die Kirche sehr notwendige Person handeln, da in solchem Falle, für die Befreiung einer solchen Person, lobenswerterweise jemand sein Leben der Todesgefahr aussetzt um des Gemeinbesten willen. Dann wird etwas als notwendig bezeichnet mit Rücksicht auf das zwar nicht schlechthin zum Leben, aber dem Stande und den Umständen entsprechend Notwendige, sei es dass es sich um die eigene Person handle sei es dass um die angehörigen. Die Grenzen dieses Notwendigen sind nicht mit Zuverlässigkeit zu bestimmen. Man kann da viel hinzufügen und doch noch nicht sagen, es überschreite die gehörigen Grenzen; man kann umgekehrt viel abziehen und es bleibt doch noch genug, um standesgemäß zu leben. "Von solch Notwendigem also geben, ist nicht geboten; aber geraten. Nur möchte es ungeregelt sein, so viel zu geben, dass man nicht mehr standesgemäß leben könnte; denn dazu ist jeder verpflichtet." Mit der Aufnahme von zu vielen muslimischen Flüchtlingen zum Beispiel kommt Italien an seine Genzen, die Italiener können dann "nicht mehr standesgemäß leben." Augustinus schreibt diesbezüglich: „Dies verstehen manche falsch; sie rauben ungerechtes Gut und geben dann davon Almosen. Damit meinen sie dem Gebote des Herrn genügt zu haben. Das ist eine durchaus falsche Auffassung.“ „Ungerechter Mammon“ wird „der Reichtum genannt, wenn man darauf sein ganzes Vertrauen setzt.“ (Aug. 2. de Qu. evangelicis 34.) Oder es wird nach Ambrosius als „Reichtum der Ungerechtigkeit“ bezeichnet. Ekkll. 12. heisst es: „Gib dem armseligen und nimm nicht den Sünder auf … tue Gutes dem demütigen und nicht dem gottlosen.“ Man soll Almosen geben um des himmlischen Lohnes willen, nach Matth. 6.: „Und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir vergelten.“ Da muss man aber an erster Stelle den Heiligen geben, nach Augustinus zu Luk. 16, 9. Facite vobis amicos: „Wer wird haben die ewigen Wohnungen? Doch nur die Heiligen Gottes. Und wer sind jene, die von ihnen aufgenommen werden sollen in die ewigen Hütten? Doch nur jene, welche ihren Bedürfnissen dienen.“ Auf der anderen Seite sagt der Apostel (1. Tim. 5.): „Wenn jemand für die Seinigen und vorzugsweise für die Glieder seiner Familie keine Sorge trägt, der hat den Glauben verleugnet und ist schlimmer wie ein Ungläubiger.“ Nach Augustinus (1. de doctr. christ. 28.) „sollen wir den nahestehenden, mit denen uns gewissermaßen nach Gottes Vorsehung das gleiche Los verknüpft, auch die meiste Sorge angedeihen lassen.“ Unter Sündern sind natürlich auch die gemeint, die gegen den heiligen Geist lästern wie die Muslime: "Dem Sünder soll man nicht helfen, um ihn in seiner Sünde zu stärken." [225]

Nach Ambrosius solle man die Reihenfolge beachten. Arm im Geiste müsse man werden; denn die Demut des Geistes bedeute den Reichtum der Tugenden. "Bist du nicht arm, kannst du auch nicht sanftmütig sein. Nur der Sanftmütige hinwiederum kann über seinen gegenwärtigen Zustand trauern. Wer über das Niedrige trauert, kann nach dem Besseren verlangen; wer nach dem Höheren strebt, meidet das Niedrige, um auch seinerseits Hilfe von oben zu finden. Wer Erbarmen übt, läutert sein Herz. Was heißt denn ,seinen Geist läutern? als des Todes Fäulnis beseitigen? Denn „das Almosen befreit vom Tode. Das Leiden hingegen bedeutet die Vollendung der Liebe. Wer aber im letzten Streite stehend Verfolgung leidet, wird durch Widerwärtigkeiten geprüft, um gekrönt zu werden, nachdem er rechtmäßig gekämpft hat (2 Tim. 2, 5)." Einige wollen hierin die Tugendgrade erblicken, durch welche wir von den untersten Stufen womöglich zu den höheren aufsteigen. Wir wissen, dass es vier Kardinaltugenden gibt: Mäßigkeit, Gerechtigkeit, Klugheit, Starkmut. Der Arme im Geiste nun ist nicht habsüchtig; der Weinende nicht hochmütig, sondern sanft und friedfertig; der Trauernde demütigt sich; der Gerechte vorenthält nicht, was allen, wie er weiß, gemeinsam zur Nutznießung verliehen ward; der Barmherzige teilt von dem Seinigen mit; wer das Seinige gibt, trachtet nicht nach fremdem Gut und schmiedet keine Ränke gegen den Nächsten. [226]

„Selig, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen!"  Da hast du die Klugheit, der es eigen ist, das Hinfällige zu beweinen, nach dem Ewigen zu trachten, über das Weltliche, das im Widerstreite mit sich selbst liegt, zu trauern, den Gott des Friedens (Röm. 15, 33) zu suchen, der „das Törichte vor der Welt auserkoren hat um die Weisen zu beschämen , und der das, was nicht ist, zunichte macht, um das, was ist, gewinnen zu können" (1 Kor. 1, 27 f.). [227]

"Sache des Starkmutes ist es, auch den Zorn zu überwinden und den Unwillen zu bezähmen. Auf diese Weise stählt der Starkmut die Seele ebenso wie den Leib und lässt sie nicht einschüchtern durch irgendwelche Furcht oder Qual, den schlimmen Beratern, die uns so häufig aus der Fassung bringen." - St. Ambrosius, sup. Luc. V, 67

"So hat also die Mäßigkeit die Reinheit des Herzens und der Gesinnung im Gefolge, die Gerechtigkeit das Erbarmen, die Klugheit die Friedfertigkeit, der Starkmut die Sanftmut." - St. Ambrosius, sup. Luc. V, 68

„Wehe euch, ihr Reichen, denn ihr habt eueren Trost!" (Luk. 6, 24) Geld birgt auch so manchen Ansporn zur Tugend. "Wohl gehört zur Tugend nicht notwendig materielles Wohltun und empfiehlt sich das Trostwort eines Armen mehr als die freigebige Gabe eines Reichen, gleichwohl verurteilt der Herr kraft himmlischen Ausspruches nicht jene, welche Reichtum besitzen, sondern jene, welche ihn nicht zu gebrauchen  verstehen. Denn wie jener Arme umso lobenswerter ist, der rasch und gern gibt, ohne sich wegen der drohenden Dürftigkeit hiervon abschrecken und abhalten zu lassen, und sich nicht für notleidend hält, solange er das zu seinem physischen Fortkommen Ausreichende besitzt, so ist der Reiche um so sündhafter, der für das, was er empfangen, hätte Gott danken, das Geld, das zum allgemeinen Gebrauch da ist, nicht nutzlos zurücklegen und die Schätze nicht in die Erde vergraben und sich darauflegen sollen. Nicht also das Geld, sondern die Gesinnung ist sündhaft. Wohl bringt der habsüchtige Geist sein ganzes Leben mit einer Wachsamkeit zum Erbarmen in angstgequälter Ruhelosigkeit hin, so dass es keine schwerere Strafe geben könnte: gleichwohl gehen sie, die insofern den Trost des gegenwärtigen Lebens hatten, als das Sinnen und Trachten der Habsucht an der eitlen Gier des Zusammenraffens sich ergötzte, auch noch des Lohnes des ewigen Lebens verlustig." [228]

Ambrosius meint, man könne unter dem Reichen auch die Häretiker wie die Muslime oder auch die agnostischen Weltweisen verstehen, "die am reichen Wortschwall und sozusagen am Erbe überschwenglicher Redefertigkeit sich ergötzen, über die schlichte Lehre des wahren Glaubens sich hinwegsetzen und so unnütze Schätze bergen. Dünkt dir nicht der nächstbeste Häretiker, wenn du ihn nach weltlichem Brauch über den Ursprung des Herrn disputieren hörst, reich an Worten, arm an Kräften? Er wähnt im Diesseits reiche Wissens-Schätze zu besitzen; doch in der Zukunft wird er die Armut seines Glaubens inne werden und vom ewigem Glaubenshunger gequält einsehen, dass die Speise des Unglaubens, die er im diesseitigen Leben zum Erbrechen genossen, der Grund seiner schauerlichen Qual ist. Und es wird die Zeit kommen, da sie, die jetzt unsere Worte verlachen, ihr Lachen beweinen werden. Mit Recht gilt ihnen das Wort: „Wehe, wenn alle Welt euch lobpreist!" (Luk. 6, 26) Scheint dir das nicht zu jenen gesprochen zu sein, die unlängst auf dem Konzil von Rimini die Anstifter glaubensverräterischer Pflichtverletzung wurden und, während sie um des Kaisers Gnade buhlten, Gottes Gnade verscherzten? Die, während sie den Gewalthabern zu gefallen trachteten, der ewigen Verdammnis sich überantworteten?" Das Konzil von Rimini wurde 359 von Kaiser Konstantius berufen. Die Abgesandten der 300 zumeist orthodoxen Bischöfe, die bereits für das Nikänum votiert hatten, ließen sich auf dem Wege zum Kaiser von der Minderheit für ein arianisierendes Bekenntnis umstimmen, dem schließlich auch die Mehrheit der hierzu gedrängten Synodalen in Rimini beipflichteten, so wie heutige Theologen kaum noch Unterschiede zwischen Christentum und Islam sehen und zu einem arianisierenden Bekenntnis neigen. [229]

"Geordnet wird die Liebe mit den Worten: „Liebet euere Feinde!" (Luk. 6, 27) Damit sollte an der Kirche sich erfüllen, was schon ehedem ausgesprochen ward: „Ordnet auf mich hin die Liebe!" (Cant. 2, 4) Geordnet wird die Liebe nämlich mit der Aufstellung von Vorschriften über die Liebe. Sieh, wie der Herr bereits mit höheren Forderungen hervortritt und das Gesetz hinter die Seligpreisungen des Evangeliums zurückstellt! Das Gesetz befiehlt Gleiches mit Gleichem zu vergelten, das Evangelium stellt der Feindschaft Liebe, dem Hasse Wohlwollen, den Schmähungen Gebet, den Verfolgern Wohltun, den Hungernden Ertragen und seligen Lohn entgegen. Wie ist doch ein Streiter umso vollkommener, wenn er der Wunde nicht achtet!" - St. Ambrosius, sup. Luc. V, 73
Um nicht den Anschein zu erwecken, als hebe er das Gesetz auf, hält der Herr im Wohltun die Vergeltung aufrecht, die er im Übeltun verpönt. Nur noch in höherem Grade tritt sie vielmehr in Kraft, wenn nach dem Ausspruche: „Wie ihr wollt, dass euch die Menschen tun, tut auch ihr ihnen desgleichen" (Luk. 6, 31), ihre Betätigung nach Wunsch erfolgt. Die Tugend kennt nämlich kein Maß in der Erkenntlichkeit und nicht zufrieden mit der Wiedererstattung des Empfangenen, möchte sie mit Zinseszins heimbezahlen, was sie hingenommen, um an Wohltun sich nicht übertreffen zu lassen, ob auch der Pflicht Genüge geschah. Denn nicht allein die Menge, sondern auch die Reihenfolge und das Zeitmoment fällt beim Wohltun in die Wagschale: bei gleichem Wohltun hat der etwas voraus, der als erster den Anfang macht. Ein Wohltäter ist, wer mit der Gefälligkeit den Anfang macht, ein Schuldner, wer nur Wiedererstattung leistet. So bedeutet denn das Anfangmachen im Wohltun ein neues Wohltun. Wenn nämlich einer nur das Geld zurückbezahlt, leistet er keine Gefälligkeit, sondern bleibt Schuldner für eine Gefälligkeit, auch wenn er kein Geld mehr schuldet. Wie dürften wir uns mit der Erwiderung einer Gefälligkeit frei (von Verbindlichkeit) halten, nachdem doch dieselbe mehr von der empfangenen als von der eingelösten Gefälligkeit Zeugnis gibt? Mit einem trefflichen Vergleiche wird sonach der Christ angeleitet, nicht zufrieden mit der natürlichen Pflichterfüllung, auch des natürlichen Wohlwollens sich zu befleißigen. Ist Gegenliebe allen, auch den Sündern gemeinsam, so soll dem, der einem höheren Beruf lebt, auch ein vollkommeneres Tugendstreben eigen sein, so dass er selbst Lieblosen seine Liebe zuwendet. Macht einer auch keiner Liebe sich wert, mag dies den Freundschaftsverkehr ausschließen, die Tugendübung darf es gleichwohl nicht ausschließen. Wie es eine Schande wäre an einem, der dir Liebe erweist, das Wohlwollen nicht zu erwidern, und wie dir mit der Liebe des Wohlwollens, das du zu erwidern hast, die Liebe zu dem ins Herz wächst, den du vorher nicht liebtest, so sollst du auch dem gegenüber, der dir keine Liebe erweist, erst die Tugend lieben, um mit der Tugend, die du liebst, auch den zu lieben, den du nicht liebtest. Der Liebe Vergeltung ist wohl selten und vergänglich, die der Tugend ewig.  Prallt daran nicht jedes Zornentbrannten Angriff ab, wird sein Zorn nicht besänftigt? Erreicht man nicht durch Geduld, dass man dem Schlagenden in Form des eigenen Reueschmerzes die Schläge doppelt zurückgibt? Und die Folge: man wird seinem Unrecht wehren und ihn günstig sich stimmen. Ja oft erstehen daraus, dass man Übermut mit Geduld, Unrecht mit Freundlichkeit erwidert, Hauptmotive der Liebe. Noch klingt mir das Wort in der Erinnerung: Deshalb allein schon glauben wir den Gipfel der Philosophie erklommen zu haben, weil sie auf den Gedanken kam, die Gerechtigkeit dreifach einzuteilen: in die Gerechtigkeit erstens gegen Gott, Pietät genannt, zweitens gegen die Eltern, bezw. das übrige Menschengeschlecht, drittens gegen die Verstorbenen, um ihnen die gebührenden letzten Ehren zu erweisen (Diog. Laer. III 83). Indes der Herr Jesus ging noch über das geoffenbarte Gesetz und den Gipfelpunkt der Philosophie hinaus, um auch denen Pietät zu erweisen, die sie verletzten. Wenn ein Feind, der in Kampf und Waffen mit dir gerungen, nach Streckung der Waffen Schonung seines Lebens erlangt, und meist schon anbetrachts des Naturrechtes oder kraft des Kriegsrechtes selbst Unterjochten das Leben geschenkt wird, wieviel mehr muss auf das bessere religiöse Motiv hin Gnade geübt werden? Und sollte den Krieger im Feld das Flehen um Schonung nicht bewegen, wie muss es beim Streiter des Friedens der Fall sein? [230]
 

Gottes Regen über die Ungerechten; allegorische Deutungen des Feigenbaumes (Auferstehung), der Dornen (Welt), der Hecken (Leib), der Traube (Christus), des Fundamentes 

Weit erstreckt sich die Güte Gottes. Über Undankbare lässt sie regnen; Bösen enthält die fruchtbare Erde ihre Erzeugnisse nicht vor (Luk. 6, 35); dieselbe Sonne in der Welt bescheint gleicherweise die Gottlosen und die Frommen (Matth. 5, 45). "Oder um den mystischen Sinn ins Auge zu fassen: Mit dem Regen der prophetischen Aussprüche befruchtete der Herr das Volk der Juden und mit den Strahlen der ewigen Sonne schien er ihnen, obschon sie es nicht verdienten. Doch weil sie unter den Niederschlägen der Welt moderten, wird die Kirche Gottes zum himmlischen Licht gerufen, doch so, dass auch ihnen, falls sie glauben, das Vorrecht auf Barmherzigkeit gewahrt bleibt." [231]

Eine wichtige Tugendlehre lautet auch, man solle an unfruchtbaren Bäumen keine Frucht suchen und von unbebauten Feldern keinen Ernteertrag erwarten (Luk. 6, 43 f.). Denn nur das selbstbestellte Feld trägt einem Früchte. Im Dorngestrüpp dieser Welt läßt sich jener Feigenbaum nicht finden, in welchem man mit Recht, weil er infolge seiner reichen Frucht besserer Art ist, ein Bild der Auferstehung erblickt, sei es weil „die Feigenbäume, wie du gelesen, ihre Knospen angesetzt haben" (Cant. 2, 13), vorausging nämlich ehedem die "unreife, nichtsnutzige und abfallende Frucht der Synagoge", der später die "nichtsnutzige" und ebenfalls unreife Frucht der Moschee folgte, sei es weil unser Leben im Leibe nicht zur Reife, zur Reife erst in der Ewigkeit kommt. So müssen wir denn die weltlichen Sorgen, welche die Seele anfressen und den Geist dorren machen, weit von uns weisen, um in sorgfältiger Pflege reife Früchte erzielen zu können, die wir auf dem unbebauten Boden dieser Welt unmöglich antreffen; „von den Dornen sammelt man ja keine Feigen und von den Hecken liest man keine Trauben" (Luk. 6, 44). Das eine bezieht sich auf die Welt und die Auferstehung, das andere auf den Leib und die Seele, sei es "weil niemand mit Sünden eine Frucht für seine Seele erzielt, die einer Traube gleich am Boden kriechend abstirbt", wie alle nicht wahre Philosophie, "sei es weil niemand der leiblichen Verdammnis entgehen kann, wenn nicht Christus ihn erlöst, der gleich einer Traube am Kreuze gehangen. Losgelöst also von jenem Fleische, das dem strafverurteilten Menschen Dornen hervorzubringen geheißen wurde, lasst uns die Augen des Geistes zur Höhe richten, die Hände ausstrecken, um Christus wie eine Traube lesen zu können!"  Als die Grundlage aller Tugenden aber bezeichnet der Herr den unbeirrbaren christlichen Glauben, "kraft dessen unser Haus nicht erschüttert werden kann: nicht durch die hervorbrechende Flut der Lüste, nicht durch den Ansturm der Geister der Bosheit, nicht durch den Niederschlag der Welt, nicht durch den Dunst und Nebel der Streitreden" der Häretiker (Luk. 6, 47 ff.), der Agnostiker und Muslime. [232]
 

Heilung des Knechtes des Hauptmanns von Kapharnaum: Der Knecht des Hauptmanns Typus der Heidenwelt; Glaubenswilligkeit der christusfernen Heiden

Sinnig beleuchtet der Herr alsbald nach der Beendigung seiner Lehrunterweisungen die praktische Ausführung ihrer Normen. Denn sogleich überbringt man ihm den Knecht eines heidnischen Hauptmanns, dass er geheilt würde (Luk. 7, 1 ff.): ein Repräsentant des Heidenvolkes, das in den Banden der Knechtschaft der Welt schmachtete und todkrank darniederliegend durch das Wohltun des Herrn Heilung finden sollte. Wenn aber der Evangelist den Ausdruck „im Sterben liegend" gebraucht, so hat er damit keinen Fehlgriff getan; denn er würde auch tatsächlich gestorben sein, wäre er nicht von Christus geheilt worden. "So erfüllte also dieser mit himmlischer Liebe sein Gebot, indem er seinen Feinden eine solche Liebe erwies, dass er sie vom Tode errettete und zur Hoffnung des ewigen Heils berief." [233]
"Welch glänzender Beweis der göttlichen Demut, dass der Herr des Himmels es keineswegs unter seiner Würde fand, einen niedrigen Sklaven des Hauptmanns heimzusuchen. Der Glaube strahlt auf in den Werken, doch die Menschenfreundlichkeit regt sich wirksamer in der Liebe. Fürwahr doch, nicht aus Unvermögen, eine Fernheilung zu vollziehen, hielt er es also, sondern um dir ein Bild der Demut zur Nachahmung vor Augen zu stellen, durch welches er die gleiche Pflicht der Dienstbeflissenheit gegen Hoch und Nieder einschärfen wollte. So spricht er auch an einer anderen Stelle zum königlichen Beamten: „Geh! dein Sohn lebt" (Joh. 4, 50). Du solltest hierin ebenso die Macht seiner Gottheit wie das Anziehende seiner Demut erkennen. Dort wollte er sich nicht auf den Weg machen, um nicht den Anschein zu erwecken, als sei er im Sohne des königlichen Beamten nur dem Reichtum entgegengekommen; an unserer Stelle machte er sich in eigener Person auf den Weg, um nicht den Eindruck zu machen, als habe er im Diener des Hauptmanns den Sklavenstand verachtet. Denn wir alle, der Sklave und der Freie, sind eins in Christus (Gal. 3, 28; Kol. 3, 11)". - St. Ambrosius, sup. Luc. V, 84
In mystischer Beziehung aber wünscht das Heidenvolk, es möchte der, welchen das Judenvolk kreuzigte, von Unrecht verschont bleiben, und nahm, was den Glauben anlangt, sein Wort gläubig auf, d. i. sagte sich folgerichtig, "dass die Menschen nicht durch Menschen-, sondern durch Gottesmacht von Christus geheilt würden." Was aber den mystischen Sinn betrifft, so merkte es, dass Christus noch nicht in die Herzen der Heiden eindringen konnte, und fühlte die Herablassung des Herrn, der die Sündenmakel ihres Sinnens und Trachtens in der Vergangenheit noch nicht abgewaschen hatte, mehr als Last denn als Wohltat. So hielt auch jene Witwe von Sarepta der Gastfreundschaft des Propheten sich für unwürdig (1 Kön. 17, 18). So gibt denn der Herr in diesem einen (Hauptmann) dem Glauben der Heidenwelt den Vorzug. [234]
 

Auferweckung des Jünglings von Naim; die Witwe-Mutter ein Bild der Kirche; die Holzbahre Sinnbild des Kreuzes, die Trägheit, erschlaffte Seele unsere Leichenträger, der schlechte Sittenwandel unser Grab. Der Auferweckungsruf Christi 

„Als er aber nahe an das Stadttor kam, sieh, da trug man einen Toten heraus, den einzigen Sohn seiner Mutter, und die war Witwe, und viel Volk ging mit ihr. Da nun der Herr sie sah, sprach er von Mitleid ergriffen zu ihr: Weine nicht! Und er trat hinzu und berührte die Bahre" (Luk. 7, 12-14). Auch diese Stelle strömt reichliches Licht aus über eine zweifache Gnadensache: einmal, so glauben wir, lässt sich die göttliche Barmherzigkeit durch das Wehklagen einer Witwe-Mutter schnell erweichen, insbesondere einer, die infolge der Erkrankung oder des Todes ihres einzigen Sohnes wohl gebrochen ist, der jedoch eine große Trauerschar das Verdienst einer ehrwürdigen Witwe verbürgt; sodann scheint diese von Volksscharen umringte Witwe mehr darzustellen als die Frau, die mit ihren Tränen die Wiedererstehung ihres einzigen jugendlichen Sohnes zu erlangen verdiente: die heilige Kirche erbittet anbetrachts ihrer Tränen die Heidenkirche im Unterschied von der älteren Judenkirche vom Leichenzug und Grabesrand zum Leben zurück, und es wird ihr verwehrt es zu beweinen, nachdem ihm die Auferstehung gebührte. Dieser Tote wurde zwar auf einer aus den vier physischen Elementen bestehenden Bahre zu Grabe getragen, doch mit der Hoffnung auf Wiedererstehung, weil er auf Holz getragen wurde. Hat uns auch dieses vordem nichts genützt, so fing es doch, seitdem Jesus es berührte, an, uns zum Leben zu frommen. Es sinnbildet, dass das Heil dem Volke vom Kreuzesstamme zufließen sollte. Sobald sie nun Gottes Wort vernommen, hielten die herben Leichenträger inne, die bereits den menschlichen Leib der Auflösung im Tode, der die materielle Natur verfällt, anheimzugeben drohten. Was anders ist es denn als gleichsam ein entseeltes Liegen auf der Bahre, d. i. dem Gerüste für das schließliche Totenbegängnis, wenn das Feuer ungezügelter Begierde auflodert oder kalte Nässe überhand nimmt oder des Leibes träges Verhalten die Kraft der Seele erschlaffen macht oder unser Geist, des reinen Lichtes ermangelnd, mit schmutzstarrender Finsternis (nach Verg. Aen. VI 746) den Sinn speist? Das sind unsere Leichenträger. [235]
 
 

Die Täuferfrage an Christus keine Zweifelsfrage, sondern allegorisch zu verstehen: Johannes Typus des Gesetzes; das Gesetz, Christi Herold, ein unklarer Verkündiger seiner Auferstehung. Die beiden Johannesjünger vielleicht Repräsentanten der Juden- und Heidenkirche. Ein vollbeglaubigtes Selbstzeugnis durch den Kreuzestod und die Auferstehung besiegelt.

„Da berief Johannes zwei von seinen Jüngern und sandte sie zu ihm und ließ ihm sagen: Bist du es, der da kommen soll, oder haben wir einen anderen zu erwarten? (Luk. 7, 19) Nicht einen einfachen Sinn birgt der einfache Wortlaut, sonst stünde das Vorausgehende mit dem Vorliegenden in Widerspruch. Wie sollte denn Johannes den, welchen er im Vorausgehenden auf das Zeugnis Gottes des Vaters hin erkannt hat, hier nicht kennen? Wie sollte er dort den ihm vorher Unbekannten erkannt haben, hier den ihm bereits Bekannten nicht erkennen? „Ich kannte ihn nicht, bekennt er, doch der mich gesendet hat zu taufen, der sprach zu mir: Über welchen du den Heiligen Geist herabsteigen siehst vom Himmel. Und er glaubte dem Worte und erkannte den Bezeugten und betete an den Getauften und zeigte prophetisch hin auf den Nahenden. „Ich selbst habe es gesehen und Zeugnis abgelegt, dass dieser der Erwählte Gottes ist" (Joh. 1, 34). Wie nun? "Wäre es möglich gewesen, dass ein so großer Prophet irrte? dass er den, von welchem er versichert hat: „Sehet, der hinwegnimmt die Sünden der Welt!" (Joh. 1, 29) noch nicht für den Gottessohn hielt? Es verrät entweder Frivolität, einem, den man nicht kennt, göttliche Eigenschaften beizulegen, oder Gottlosigkeit, am Gottessohn irre geworden zu sein. Nein, auf einen solchen Propheten fällt nicht der Verdacht so großen Irrtums." Nur die Gottlosigkeit eines Mohammed kann einen so großen Irrtum begehen. [236]

Der geistig-figürliche Sinn ergibt wie oben (II 68) bereits bemerkt, dass in Johannes ein Typus des Gesetzes vorliegt, das ein Herold Christi war. Und es ist richtig, dass das Gesetz, welches im Herzen der Gottlosen wie in Kerkergrüften, die des ewigen Lichtes beraubt sind, fleischlich eingeschlossen gehalten wurde, welches ein "strafschwangerer Schoß" (nach Verg. Aen. VI 598) sowie Tür und Tor des Unverstandes verrammelten, ohne Zutun des Evangeliums kein vollgültiges, auf die Heilsökonomie des Herrn hinauszielendes Zeugnis zu erbringen vermochte. Wohl enthielt das Gesetz im Buche Exodus in der Wolke und dem Meere eine Weissagung über die Taufgnade, im Lamme (Exod. 12, 3 ff.) die Vorherverkündigung der geistlichen Speise (Eucharistie), im Felsen (Exod. 17, 6) den deutlichen Hinweis auf den immerwährenden Heils-Quell; es gab im Levitikus eine Offenbarung über den Sündennachlaß (Lev. 25, 10), in den Psalmen eine Ankündigung des Himmelreiches (Ps. 22, 26 ff.), in Jesu Nave (Jos. 9, 24; Jesus Nave = Josua Nun) klaren Aufschluss über das Land der Verheißung, nach Ambrosius das Paradies im Unterschied vom Himmelreich. Dies alles nun stimmt auch mit des Johannes Zeugnis überein. Indes ward es, (im Buchstaben) eingeschlossen, durch die tyrannischen Gewalten dieser Welt verhindert, das Licht der Auferstehung des Herrn auszustrahlen. So sendet denn Johannes seine Jünger zur Vervollständigung ihrer Erkenntnis zu Christus, weil „Christus die Fülle des Gesetzes ist" (Röm. 10, 4). Da nämlich Worte ohne Taten zumeist auf schwankenden Boden fallen und eine Bekräftigung mit Handlungen volleren Glauben findet als die Versicherung mit Worten, so sollte der Glaube, der damals im Herzen der Juden gleichsam hinter der Verrammlung des Gesetzes noch schwankte, gerade durch das Schauen des Kreuzes Christi und das vollgültige Zeugnis seiner Auferstehung zur offenen Entfaltung gelangen. [237]

Vielleicht nun bedeuten diese (Johannes-) Jünger das zweifache Volk, das den Glauben annahm, das eine aus den Juden, das andere aus den Heiden hervorgehend. Dieses nahm ihn auf das Hören hin an. Jene wollten mit Augen sehen nach dem Ausspruche: „Selig aber euere Augen, weil sie sehen, und euere Ohren, weil sie hören!" (Matth. 13, 16) Aber auch wir (Heiden) haben in Johannes gesehen, mit unseren Augen in den Aposteln geschaut, mit unseren Händen mit des Thomas Fingern prüfend getastet; denn „was von Anfang war, was wir gehört und was wir gesehen, mit unseren Augen geschaut und unseren Händen prüfend getastet haben vom Worte des Lebens: das Leben ward offenbar" (1 Joh. 1, 1 f.). So glauben auch heute noch jene, welche das Alte Testament nachdenklich lesen, bevor sie das Evangelium kennen lernen und gleichsam in die Fußstapfen des menschgewordenen Herrn treten, er werde erst kommen. Sie fragen, ob nicht wohl er der Christus, der Gottessohn sei, der in die Welt kommen werde. Und wenn sie die Stellen lesen, da er mit Abraham gesprochen, oder da er sich als den Führer der himmlischen Heerschar geoffenbart hat (Jos. 5, 14), da fürwahr sprechen sie noch: „Bist Du es, der da kommen soll, oder haben wir einen anderen zu erwarten? Kommen sie aber zum Evangelium und gewahren sie, wie Blinde das Augenlicht empfangen, Lahme gehen, Taube hören, Aussätzige gereinigt wurden, Tote auferstanden, dann sprechen sie:„Wir haben ihn gesehen und mit unseren Augen geschaut?" und in die Wundmale seiner Nägel unsere Finger gelegt. [238]

"Durch wenige hat ja der Glaube den Weg zu den vielen genommen. So kündet also das Gesetz die Ankunft Christi als bevorstehend an; das Evangelium bestätigt dessen wirkliche Ankunft."  - St. Ambrosius, sup. Luc. V, 96

"Da endlich der Herr wusste, dass niemand ohne das Evangelium zum vollen Glauben gelangen könne, weil der Glaube wie im Alten Testamente seine Anfänge so im Neuen Testamente seine Vollendung hat, so gab er nicht irgendwie in Worten, sondern durch seine Taten klar zu verstehen, dass er es sei. „Gehet hin, sprach er, verkündiget dem Johannes, was ihr gesehen und gehört habt! Blinde sehen, Lahme gehen, Taube hören, Aussätzige werden gereinigt, Tote stehen auf, Armen wird das Evangelium verkündet" (Luk. 7, 22). - St. Ambrosius, sup. Luc. V, 99

Fürwahr ein vollgültiges Zeugnis, durch das der Prophet den Herrn erkennen musste! Auf ihn, auf keinen anderen bezog sich ja die Weissagung: „Der Herr gibt Speise den Hungrigen, der Herr richtet auf die Gebeugten, der Herr löst los die Gefangenen, der Herr gibt das Augenlicht den Blinden, der Herr liebt die Gerechten, der Herr beschirmt die Fremden, des Waisen und der Witwe wird er sich annehmen und den Weg der Sünder vernichten" (Ps. 146, 7-9). Der dies tun wird, „der Herr", so heisst es weiter, „wird herrschen in Ewigkeit" (Ps. 146, 10). Die volle Beglaubigung bildet das Kreuz des Herrn, sein Tod, seine Auferstehung. Darum fügte er, als er jene obigen Worte gesprochen hatte, bei: „Selig, wer sich an mir nicht ärgert!" (Luk. 7, 23). Das Kreuz nämlich hätte selbst Auserwählten Ärgernis verursachen können. Indes kein triftigeres Zeugnis als dieses gibt es für seine göttliche Person, nichts gibt es, was übermenschlicher erschiene als einzig für die ganze Welt sich hinopfern; dies allein schon erweist ihn voll und ganz als den Herrn. Also ward er denn auch von Johannes gekennzeichnet: „Sehet, das Lamm Gottes, sehet, das hinwegnimmt die Sünden der Welt!" (Joh. 1, 29) Wahrlich nicht jenen beiden Jüngern, den Johannesjüngern, sondern uns allen gilt der Bescheid: so sollten wir zum Glauben an Christus gelangen, wenn die Taten übereinstimmten. Denn es kann auch einer auftreten, der sich diesen Namen nur anmaßt (Matth. 24, 5). Lässt er sich nun auch dem Namen nach nicht wegkennen, mag man ihn doch angesichts seiner Taten unterscheiden. [239]
 

Christi Zeugnis über den Täufer; die Wüste Bild der Welt, das Schilfrohr Sinnbild des Weltkindes, bzw. der Rohrstift in der Hand des Christen; die weichlichen Kleider Symbol unserer Leiber, unserer Weichlichkeit;  Johannes Christi Vorläufer auch im Leiden, der größte Prophet, doch nicht vergleichbar dem "Propheten" Christus 

„Was seid ihr hinausgegangen in die Wüste zu sehen, ein Rohr im Winde sich bewegen?" (Luk. 7, 24) Sobald der Herr die Johannesjünger zuvor zum Glauben an sein Kreuz gemahnt hatte, wandte er sich, während sie eben zurückkehrten, zu den Volksscharen und fing an, die Armen zur Tugend aufzumuntern, dass sie nicht in Hochmut des Herzens, in Unbeständigkeit des Sinnes, in Schwachheit des Willens das Vergängliche dem Ewigen vorzögen, sondern in Demut des Geistes lieber das Kreuz trügen als die Herrlichkeiten dieser Welt priesen und als „selige Arme" (Matth. 6, 3), die in der Welt nichts zu verlieren hätten, gerne das leibliche Leben mit der ewigen Glorie vertauschten. Nicht umsonst also steht hier das Lob auf die Person des Johannes, der die Anhänglichkeit an das Leben hintansetzte und selbst angesichts des dräuenden Todes die Norm der Gerechtigkeit nicht änderte. [240]

Die Wüste scheint hier als Bild der Welt gefasst zu sein, der noch unbebauten, noch öden, noch unfruchtbaren. Der Herr mahnt uns nun von dem Hinausgehen in dieselbe ab: wir sollten nicht Leute gleichsam als Muster und Vorbild nachahmen zu müssen glauben, die "vollgebläht von fleischlicher Gesinnung und leer an innerer Tugend" sind, dabei sich auf eine vergängliche hohe Ehrenstellung in der Welt etwas zugute tun; die, den Stürmen dieser Welt preisgegeben, das unruhig wogende Leben hin und herwirft, so recht dem Schilfrohr vergleichbar; "die keinerlei Frucht ausgereifter Gerechtigkeit an sich tragen" wie man in islamischen Ländern heute beobachten kann; die vor der Öffentlichkeit "mit Flitter im Haar, mit künstlichem Schwulste bedeckt, mit eitlem Rauschen des Gewandes sich vernehmlich machend nicht im geringsten zu ihrem Frommen, häufig zu ihrem Schaden Dingen nachhängen, die innerlich wertlos sind, nur äusserlich blenden. Schilfrohre sind wir ohne kräftigere Wurzel, worauf wir fußen. Und schwellt ein leichtes Lüftchen für günstigere Fahrt die Segel, stoßen wir, unstet treibend, auf den Nächsten, ohnmächtig ihm zu helfen, fähig nur ihn zu gefährden. Schilfrohre wachsen gern an Flüssen: auch uns ergötzt die flüchtig gleitende Flut der Welt." [241]

Zieht jedoch einer dieses Rohr aus dem Pflanzboden der Erde, streift er das Unnütze daran ab, „den alten Menschen mit seinem Tun ausziehend" (Kol. 3, 9), und führt er es mit der Hand des guten Schreibers, so fängt er an, nicht Rohr, sondern Rohrstift zu sein, der die Lehren der Himmlischen Schrift in das Innere des Geistes eingräbt, in die Tafeln des Herzens einschreibt. Von diesem Stifte findet man gesprochen: „Meine Zunge gleicht dem Stifte eines guten Schreibers" (Ps. 45, 2) Andere nun wollen dies auf Christus beziehen. An der einen Stelle liest man darnach vom Worte, vom Stifte und vom Schreiber: vom Worte, insofern es aus dem verborgenen Schoße des Vaters hervorgegangen ist  „ausgeströmt hat mein Herz das Wort, das gute" (Ps. 45, 2) vom Stifte, insofern die Menschheit Christi den Willen des Vaters seinem Inhalt nach kund machte und die Aufträge aus himmlischem Mund mit der Vergießung ihres heiligen Blutes vollzog; vom Schreiber, insofern Christus mit seinem Stifte (= Menschheit) unter Wahrung des Unterschiedes zwischen dem Neuen und Alten Testamente, bezw. zwischen der Gottheit und Menschheit uns die Geheimnisse des Ratschlusses des Vaters offenbarte.  [242]

"Was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Einen Menschen mit weichlichen Kleidern angetan? (Luk. 7, 24 f) Nicht von wirklichen Kleidern spricht hier des Herrn Wort, obschon gar manche die Beschaffung allzu weichlicher Kleidung entnervt. Als ob sie des Linnens Last nicht zu tragen vermöchten, schleifen sie Seidenkleider verhüllten Fußes über den Boden nach und bewirken so tatsächlich, dass ihnen das Gewand zur Last wird. Gleichwohl indes scheint der Herr andere Kleider hier zu bezeichnen, und zwar, wenn ich nicht irre, die menschlichen Leiber, die das Kleid unserer Seele bilden." - St. Ambrosius, sup. Luc. V, 107
Schließlich fügte er noch bei: „Sehet, die kostbare Kleidung tragen, sind am Hofe der Könige" (Luk. 7, 25). Ein weichliches Kleid ist auch ein den Lüsten frönender Handel und Wandel. "Die, welche durch weichliche Körperpflege, Völlerei und ausschweifende Lust entnervt seien, nehme des Himmels Palast nimmer auf. Zu diesem führt der Weg über die beschwerlichen Stufen mühevoller Tugend empor. Solche aber, denen die in Genüssen schwelgenden Glieder erschlaffen, siechen, vom himmlischen Reiche ausgeschlossen, innerhalb dieser Welt, in der sie hausen, altersschwach dahin, indem die Herrscher dieser Welt und der Finsternis (Eph. 6, 12,) sie sind Herrscher, die sozusagen mit ‚weltlicher Macht' regieren, sie zu Nachäffern ihrer Werke gewonnen haben." [243]
„Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Einen Propheten? Ja ich sage euch, noch mehr denn ein Prophet ist dieser (Luk. 7, 26). Wie nun konnten sie den Johannes in der Wüste zu sehen verlangen, nachdem er im Kerker eingeschlossen war? Doch den stellte der Herr uns zur Nachahmung vor Augen, der nicht bloß seiner menschlichen Geburt nach und durch seine Glaubensbotschaft dem Herrn den Weg bereitete, sondern auch als Vorläufer seines glorreichen Leidens: der grösste fürwahr unter den Propheten, der das Schlußglied in der Prophetenreihe darstellt; der größte unter den Propheten, da viele den zu schauen begehrten (Matth. 13, 1), welchen er verkündete, den er schaute, den er taufte." - St. Ambrosius, sup. Luc. V, 107
Doch ist er auch größer als jener, von dem Moses gesprochen hat: „Einen Propheten wird euch erwecken der Herr unser Gott" (Deut. 18, 15) Von dem er gesprochen hat: „Es wird aber geschehen: Jene Seele, welche diesen Propheten nicht hört, wird aus dem Volke getilgt werden" (Apg. 3, 23; Deut. 18, 19) Wenn nun Christus dieser Prophet ist, wie kann Johannes größer denn alle sein? "Dürfen wir etwa Christus als den Propheten leugnen? Nein, ich bekenne vielmehr einerseits Christus als den Propheten, ich nenne andererseits jenen größer denn alle aber unter den vom Weibe, nicht von der Jungfrau Geborenen. Er war größer denn jene, welchen er nach dem Geburtslose überhaupt gleich sein konnte." Anderer Art ist die Natur des Herrn, menschlich Erzeugtem nicht vergleichbar. Zwischen Mensch und Gott kann es keinen Vergleich geben; denn nur Seinesgleichen kann einer vorgezogen werden. So sehr war denn auch zwischen Johannes und dem Gottessohn ein Vergleich ausgeschlossen, dass jener sogar nach des Herrn Urteil unter den Engeln steht. „Denn der Geringste im Reiche Gottes ist größer als er" (Luk. 7, 28). Nachdem ihn der Herr einen Engel genannt hatte (Luk 7, 27), ward damit mit Recht sein Vorrang vor den Menschen ausgesprochen. Und weil er ihn als den Vorzüglichsten unter den von Weibern Geborenen erklärt hatte, darum fügte er bei: „Denn der Geringste im Himmelreiche ist größer als er?. Er sollte wissen, dass er den Engeln nachsteht. Mit Recht aber verdient Johannes den Vorzug vor Seinesgleichen. [244]

Nach Ambrosius könne man in der Annahme des Christentum ruhig energisch vorgehen. "Du hast vernommen, wie man das Himmelreich an sich reißt. So lasst denn auch uns Gewalt gebrauchen, es an uns zu reißen! Nur eilenden Schrittes wird das Osterlamm genossen (Exod. 12, 11). Doch wer ist es, der das Reich an sich reißt? Nicht Unrecht, nicht Ausschweifung, nicht Genusssucht, sondern die Frau, von der es heißt: „Dein Glaube ist groß, es geschehe dir, wie du willst!" (Matth. 15, 28) Sieh, die riss es an sich, die, was sie wollte, auch durchsetzte; was sie erbat, erzwang. Auch jene Witwe riss es an sich, die es mit ihren vielen Bitten erzwang, dass sie, wenn nicht anbetrachts ihrer Unschuld, so doch anbetrachts ihres ungestümen Benehmens erhört wurde. (Luk. 18, 1 ff.) So entriss die Kirche der Synagoge das Reich. Mein Reich ist Christus. Den Juden entreiße ich ihn, der unter dem Gesetze gesendet, innerhalb des Gesetzes geboren, nach dem Gesetze auferzogen ward um mich, der ohne das Gesetz war, zu retten." Heute muss die Kirche vor allem deutlich machen, dass ihr Reich Christus ist, und dass die Feinde der christlichen Kirche bei Mohammed, seinen Moscheen und dem Götzen Allah zu suchen sind. Ambrosius macht deutlich, dass Christus "nicht auf dem Weg der Erbschaft erkannt, sondern durch Adoption erworben wird."  [245]
 

Näherbestimmungen der Matthäusstelle: „Und gerechtfertigt ward die Weisheit von ihren Kindern“ durch den Lukastext. "Darin also besteht Gottes Rechtfertigung, dass man ihn seine Gaben nicht an Unwürdige und Schuldige hinübergeben sieht"; sakrale Musik und Tanz

„Und alles Volk, das zuhörte, auch die Zöllner rechtfertigten Gott, indem sie sich taufen ließen mit der Taufe des Johannes; die Pharisäer aber und die Gesetzeskundigen verachteten den Ratschluss Gottes gegen sich und ließen sich nicht taufen" (Luk. 7, 29 f.). Der heilige Lukas enthüllte durch besondere Zusätze, was der heilige Matthäus gleichsam mit allgemeinen Wendungen etwas dunkel gelassen hatte; dieser nämlich bemerkte nur: „Und gerechtfertigt ward die Weisheit von ihren Kindern" (Matth. 11, 19). "Zunächst sehen wir an unserer Stelle ausdrücklich hervorgehoben, wer diese Weisheit ist; denn es heisst: „Sie rechtfertigten Gott". Gott ist also die Weisheit; denn die Weisheit ist der Gottessohn (1 Kor. 1, 30), die wesenhafte Weisheit, nicht eine erworbene. Eine andere ist die Weisheit als Kraft Gottes des Vaters, eine andere die Weisheit als Seelenkraft: erstere beruht auf Zeugung, letztere auf Schöpfung. Eine andere ist die Weisheit als schöpferische Urheberin der Werke, eine andere als Werk; denn ein Werk des Geistes ist weises Denken, lebhaftes Empfinden. Es sind das bloße Gaben der Natur; ihr Spender jedoch ist nicht Geschöpf, sondern der Schöpfer, d. i. nicht eine Gabe der Natur, sondern der Geber der Natur." Gottes Rechtfertigung selbst nun geht vor sich in der Taufe, Hand in Hand mit der eigenen Rechtfertigung des Menschen durch das Bekenntnis seiner Sünden; denn so steht geschrieben: „Du sag an deine Missetaten, auf dass du gerechtfertigt werdest" (Is. 43, 26). Und zwar gelangt man dadurch zur Rechtfertigung, dass man Gottes Gabe nicht trotzig zurückweist, sondern nach Recht und Gerechtigkeit anerkennt; denn „gerecht ist der Herr und Gerechtigkeit liebt er" (Ps. 11, 7). „Gerechtfertigt ist die Weisheit von allen ihren Kindern" ( Luk. 7, 35). Mit Recht „von allen"; denn aller harrt Gerechtigkeit: den Gläubigen soll Aufnahme, den Ungläubigen Verwerfung zuteil werden. Darum haben auch gar manche griechische Handschriften die Lesart: „Gerechtfertigt ist die Weisheit von allen ihren Werken"; denn es ist das Werk der Gerechtigkeit, dass dem Verdienste eines jeden das gebührende Vergeltungs-Maß aufbewahrt wird. [246]
"Darin also besteht Gottes Rechtfertigung, dass man ihn seine Gaben nicht an Unwürdige und Schuldige hinübergeben sieht, sondern an Unschuldige und Gerechte, die es auf Grund der Abwaschung geworden sind. So lasst uns denn den Herrn rechtfertigen, um vom Herrn Rechtfertigung zu erlangen!" - St. Ambrosius, sup. Luc. VI, 2
"Verachten wir also Gottes Ratschluß nicht gleich den Pharisäern!. Ein Ratschluß Gottes liegt schon in der Taufe des Johannes: wer nun wollte Gottes Ratschluß bezweifeln in Christi Taufbad? Das ist der Ratschluss, den „der Engel des Hohen Rates" (Is. 9, 6) ersann, den niemand erkannte; denn „wer hat den Sinn des Herrn erkannt" (Röm. 11, 34) Schon menschlichen Rat verachtet niemand: wer dürfte Gottes Ratschluß abweisen?" - St. Ambrosius, sup. Luc. VI, 4 
„Wir haben euch gesungen und ihr habt nicht getanzt, wir haben Klagelieder angestimmt und ihr habt nicht geweint" (Luk. 7, 32). Wohl mag das dem Naturell der Kinder nicht unangemessen erscheinen, die auf reiferen Ernst sich noch nicht verstehen und darum leichte Körperbewegung machen; gleichwohl doch kann es, wie ich vermute, auf einen höheren Sinn bezogen werden. Augenscheinlich nämlich haben die Juden weder zuvor den Psalmen noch nachher den Klageliedern Glauben geschenkt: durch die Psalmen zu Belohnungen angeeifert, durch die Klagelieder von Verwirrung abgehalten. David hat gesungen, auf dass wir unsere eigenen Harfen an die Weiden hingen (Ps. 137, 2). Und auch er hat nicht aus Leichtfertigkeit, sondern aus religiöser Begeisterung gesungen und vor der Lade des Herrn getanzt (2 Kön. 6, 14 f.). "Nicht ein Tanzen, bei welchem der Leib nach Gauklerart sich dreht und windet, ist gemeint, sondern die vom Eifer beschwingte Beweglichkeit des Geistes und die vom Frommsinn beflügelte des Leibes." Gesungen hat Moses (Exod. 15, 1 ff.:), als im Roten Meere zum Durchzug der Juden die Flut sich staute, die Woge rings stillstand, und wieder sich ergießend Roß und Reiter der Ägypter verschlang. "Gesungen hat Jesaias ein Lied auf seinen geliebten Weinberg ( Is. 5, 1 ff.); er bezeichnete damit das Volk, das bei seinem frevlen Tun verwildern musste, nachdem es früher voll reicher Tugendfrüchte gehangen. Gesungen haben die Hebräer (Dan. 3, 24 ff), da ihr Fuß auf die Berührung mit der tauträufelnden Flamme hin von Feuchtigkeit troff und, während innen und außen alles Feuer fing, sie allein das Feuer, das unschädliche, leckte ohne sie zu versengen. Auch Habakuk (Hab. 3, 1 ff.) verstand mit seinem Sang die allgemeine Trauer zu mildern und weissagte, wie süß des Herrn Leiden für die Gläubigen sein werde. Gesungen also haben die Propheten, um ihre Aussprüche vom allgemeinen Heil in geistlichen Sangesweisen erschallen zu lassen; Klagen haben die Propheten angestimmt, um die verstockten Herzen der Juden mit Klageliedern zu rühren." [247] 

Es lehrte uns die Schrift ernste Lieder, geistliche Psalmen singen: sie lehrte uns auch weise tanzen, indem der Herr zu Ezechiel sprach: „Klatsche mit der Hand und strample mit dem Fuß!" (Ezech. 6, 11) Es gibt freilich auch eine Art Beifallklatschen, das dem guten Tun und Wirken eignet, dessen Rauschen in die Welt hinausdringen (Ps. 19, 5) und im Lob auf das gute Handeln widerhallen soll. "Es gibt auch einen ehrenhaften Tanz, bei dem die Seele sich rhythmisch bewegt und der Leib durch gute Werke sich aufschwingt." Der Auftrag nun „mit der Hand zu klatschen und mit dem Fuß zu strampeln?, der Auftrag in den Psalter zu greifen, ergeht an den Propheten, weil er bereits des Bräutigams Vermählung schaute, bei der die Kirche die Braut, Christus der Geliebte ist. Fürwahr eine glückliche Vermählung, wenn die Seele dem Worte, das Fleisch dem Geiste sich vermählt! Bei dieser Vermählung wünschte der Prophet David uns bei frohem Spiel zu sehen; zu ihr erging seine Einladung, indem er ja seine eigene Nachkommenschaft antraute. Darum freudiger gestimmt als die übrigen, gleichsam mitten im Trauungsakte begriffen, muntert er uns zur festlichen Begehung der Feier auf mit den Worten: „Jauchzet Gott, unserm Helfer, jubelt dem Gotte Jakobs! Stimmt an den Psalm und lasset die Pauken ertönen, den lieblichen Psalter samt der Zither!" (Ps. 81, 2 f.) Siehst du den Propheten nicht wie im Reigen sich bewegen? So denn auch an einer anderen Stelle: „Spielen will ich dir auf der Zither, Heiliger Israels. Freuen sollen sich meine Lippen, wenn ich dir singe, und meine Seele, die du erlöst hast" (Ps. 71, 22 f.). Händels Messias oder Claudio Monteverdis "Marienvesper (Vespro della Beata Vergine)" sind ein gutes Beispiel. "Greif auch du zur Zither, dass die Saiten deines Inneren von des Geistes Griffel angeschlagen guten Werkes Laute tönen! Greif zum Psalter, dass die Harmonie deiner Worte und Taten erklinge! Greif zur Pauke, dass der Geist im Inneren das Instrument deines Leibes melodisch ertönen lasse und der süße Wohllaut deines sittlichen Wandels im tätigen Handeln sich vernehmlich mache! So griff der Prophet in die Saiten, da er sang: „Komm her vom Libanon, Braut! Komm her vom Libanon!" (Cant. 4, 8) [248] 

Diesen Sang stimmten die Kinder an und sie fanden kein Gehör. Welche Kinder? Von denen der Prophet spricht: „Sieh, ich und die Kinder, die du mir gegeben!" (Is. 8, 18) "Doch nicht auf dem Marktplatze, nicht auf den Straßen wurde dieses Lied gesungen, sondern in Jerusalem. Das ist das Forum des Herrn, woselbst festgesetzt wird, was nach den himmlischen Vorschriften Rechtens ist." In Jerusalem müsen Händels Messias oder Claudio Monteverdis "Marienvesper (Vespro della Beata Vergine)" erklingen und nicht das stümperhafte Gestotter der Muezzine. Auch islamische Rapper und Theatergruppen wie die Hildesheimer Theatergruppe Markus & Markus versuchen "nach Gauklerart" die Irrlehre des Islams zu verbreiten. Diese Theatergruppe tritt zwar meistens in Moscheen auf, durfte aber auch im Frankfurter Künstlerhaus Mousonturm auftreten: Auf einer großen Leinwand wird übertragen, wie die Irrgläubigen, "meist in hell leuchtenden Gewändern, entgegen dem Uhrzeigersinn um die Kaaba kreisen" Die Performer Markus Schäfer und Markus Wenzel versuchen in kitschiger Art und Weise, nur mit islamischer Weltanschauung ausgestattet, also mit irrigen Vorstellungen oder "ohne fertige Weltanschauung" die Besucher zu verführen. "Auf einer Bühne, die mit Palmen, Teppichen, einem batteriebetriebenen Kamel und anderen den Orient zitierenden Versatzstücken ausgestattet ist", feiern sie ihre Konvertierung zum Islam: "Von Katarina Eckold mit der Kamera begleitet, reisen Markus & Markus nach Sarajewo und Jordanien, besuchen aber auch Moscheen in Deutschland. Zuletzt die Moschee in Penzberg, wo sie bei Imam Benjamin Idriz zum Islam konvertieren." Die Wahrheit über den Islam wird natürlich verheimlicht: "Was wahr ist und was fiktiv, ist in dem performativen Stück der Hildesheimer Theatergruppe, zu der als Vierte im Bunde Lara-Joy Hamann gehört, nicht immer nachzuvollziehen."  [249] 
 
 

Die Salbung Jesu durch die Sünderin; die Parabel von den beiden Schuldnern; wenn du von der Weisheit erfährst; die salbende Frau Typus der Kirche, das Haus des Pharisäers Typus des Gesetzes, die beiden Schuldner Typus des Judenvolkes und der Heidenkirche; die mystische Bedeutung der Salbung Jesu: der Glaube die notwendige Voraussetzung verdienstlichen Wirkens

„Und sieh, ein Weib, das in der Stadt eine Sünderin war" (Luk. 7, 37). An dieser Stelle nehmen gar manche, wie es scheint, Anstoß und knüpfen daran die Frage, ob denn nicht zusehends zwei Evangelisten in einer Glaubenssache verschiedener Meinung waren, oder doch in dem einen oder anderen Punkte mit dem abweichenden Wortlaute eine abweichende Auffassung über ein Geheimnis zum Vortrag bringen wollten. Im Matthäusevangelium nämlich liest man: „Als Jesus nach Bethanien in das Haus Simons des Aussätzigen gekommen, trat zu ihm ein Weib, das ein Alabastergefäß mit kostbarem Salböl hatte und goß es, während er zu Tische lag, über sein Haupt" (Matth. 26, 6 f.). Darauf nun spricht der Pharisäer bei sich selbst: „Wenn dieser ein Prophet wäre, würde er die Sünderin kennen und müsste deren Salböl abweisen" (Luk. 7, 39), dort aber erheben die Jünger wegen der Ausgießung des Salböls Beschwerde. Die beiden Lesarten bedürfen sonach der Erklärung. Zuvor doch soll, was nach der Anordnung des Schrifttextes an erster Stelle steht, auch in der Auslegung in erster Linie an die Reihe kommen. Es kam der Herr Jesus in das Haus Simons des Aussätzigen. "Der Fürst dieser Welt aber ist gleichsam der aussätzige Simon. Daher kam der Herr Jesus Christus aus jenen höheren Regionen in diese Welt und stieg zur Erde nieder. Er gehörte nicht dieser Welt an, sondern wurde in kindlichem Gehorsam in diese Welt gesendet. Er selbst versichert: „Gleichwie er mich gesendet hat" (Joh. 6, 57) in diese Welt. Da hörte nun jenes Weib, dass Christus gekommen sei; es trat in das Haus des Simon. Nimmer hätte es ja Heilung finden können, würde Christus nicht zur Erde gekommen sein. Vielleicht trat es deshalb auch ihrerseits ins Haus des Simon, weil es etwas Höheres sinnbildete, nämlich die Seele, oder aber die Kirche, die zur Erde kam, um mit ihrem Wohlgeruche ein Volk sich anzusammeln." [250] 

Dieses Weib nun lässt Matthäus das Salböl über das Haupt Christi ausgießen. Und vielleicht wollte er sie eben darum nicht als Sünderin bezeichnen; denn die Sünderin goß nach Lukas die Salbe über die Füße Christi aus. Es kann also nicht die gleiche Person sein. Es würden sonst die Evangelisten den Anschein erwecken, widersprechende Aussagen gemacht zu haben. Auch damit lässt sich die Frage lösen, dass man in bezug auf Verdienst und Zeit unterscheidet: in letzterem Fall ist sie noch Sünderin, im ersteren bereits zu größerer Vollkommenheit fortgeschritten; denn wenn auch die Kirche, bezw. die Seele sich nicht persönlich ändert, so doch hinsichtlich des Fortschrittes. Ambrosius. lässt also die Streitfrage, ob es sich um zwei verschiedene Persönlichkeiten handelt, offen, während nach ihm Augustinus, Gregor d. Gr. usw. sich für deren Identität aussprachen und in diesem Sinne die abendländische Tradition und Liturgie (gegen die morgenländische Auffassung) festlegten. "Wenn du darum deine Seele mit festem Entschluss gläubig Gott nahen, nicht schändlichen und schmählichen Sünden, sondern frommen Sinnes Gottes Wort dienen, sowie Vertrauen auf ihre makellose Keuschheit haben lässt, dann merkst du, wie sie sich zum Haupte Christi erhebt „das Haupt Christi aber ist Gott" (1 Kor. 11, 3) und den Wohlgeruch ihrer Verdienste ausgießt; denn „Christi Wohlgeruch sind wir für Gott" (2 Kor. 2, 15). Gottes Ehre dient ja das Leben der Gerechten mit dem Wohlgeruch, den es ausströmt. Wenn du das bedenkst, wirst du einsehen, dass dieses Weib wahrhaft für selig gilt, „wo immer dieses Evangelium wird verkündet werden, und dass ihr Gedächtnis nimmer schwindet" (Matth. 26, 13), weil sie über das Haupt Christi den wohlriechenden Balsam guten Wandels und das Salböl gerechten Handelns ausgegossen hat. Wer zum Haupte Christi herantritt, kennt keine Selbstüberhebung wie jener, der „grundlos aufgeblasen ist in seinem fleischlichen Sinn und sich nicht an das Haupt hält" (Kol. 2, 18 f). Wer aber nicht das Haupt Christi festhält, soll doch wenigstens seine Füße festhalten, weil „der eine verbundene und zusammengehaltene Leib zum Wachstum in Gott herangedeiht (Kol. 2, 19)." [251] 

Doch auch die Sünderin hat Salböl bei sich. "Wo immer du von der Ankunft des Gerechten, sei es im Hause eines Unwürdigen, sei es im Hause eines Pharisäers hörst, eile hin, entreiß dem Gaste zuvorkommend die Gnade, entreiß ihm zuvorkommend das Himmelreich! Denn „von den Tagen Johannes des Täufers an erfordert das Himmelreich Zwang, und wer Zwang anwendet, reißt es an sich" (2 Kor. 3, 2 f.). Wo immer du Christi Namen hörst, lauf hin! Von wessen Haus immer du vernimmst, es sei Jesus in dessen Inneres eingetreten, beschleunige auch du deine Schritte dahin! Wenn du von der Weisheit erfährst, wenn du von der Gerechtigkeit erfährst, sie liege in den Gemächern eines Menschen zu Tische, lauf hin zu deren Füßen, d. i. trachte wenigstens nach einem letzten Anteil an der Weisheit! Lass dich’s zu den Füßen nicht verdrießen! Den Kleidessaum nur berührte jene Frau und ward geheilt (Luk. 8, 44)." Man beachte die Heilsordnung! Im Hause des Pharisäers erntet die Sünderin Lob. Im Hause des Gesetzes und der Propheten findet nicht der Pharisäer, sondern die Kirche Rechtfertigung. Denn der Pharisäer glaubte nicht, diese glaubte. So sprach er denn auch: „Wenn er ein Prophet wäre, würde er doch wissen, wer und wie das Weib ist, das ihn berührt" (Luk. 7, 39). Judäa aber ist das Haus des Gesetzes, das nicht in Stein, sondern in den Tafeln des Herzens geschrieben steht. In diesem findet die bereits über das Gesetz erhabene Kirche Rechtfertigung; denn das Gesetz kennt keinen Sündennachlaß; das Gesetz besitzt kein Sakrament, durch welches die geheime Schuld abgewaschen wird; das Unvollkommene im Gesetze findet im Evangelium seine Vollendung. „Ein Gläubiger hatte zwei Schuldner. Der eine war ihm fünfhundert Denare schuldig, der andere fünfzig" (Luk. 7, 41). Wer sind diese zwei Schuldner, wenn nicht das zweifache Volk der Kirche, das eine aus den Juden, das andere aus den Heiden, schuldverfallen dem Darleiher des himmlischen Schatzes? „Der eine war ihm fünfhundert Denare schuldig, der andere fünfzig". Nicht geringwertig ist ein solcher Denar mit des Herrschers Bild im Felde, mit des Kaisers Trophäe im Gepräge. "Nicht wirkliches Geld schulden wir diesem Gläubiger, sondern Pfunde von Verdiensten, Münzen von Tugenden, deren Wert nach dem Gewichte des sittlichen Gehaltes, nach dem Glanze der Gerechtigkeit, nach dem Klange des Bekenntnisses bemessen wird. Wehe mir, wenn ich nicht haben sollte, was ich empfangen! Oder weil es schwerlich jemand gibt, der diesem Gläubiger die ganze Schuld heimbezahlen könnte: wehe mir, wenn ich nicht flehen wollte: lass mir die Schuld nach! Denn der Herr würde uns nicht die Bitte um Vergebung unserer Schulden beten gelehrt haben3, wenn er nicht gewusst hätte, dass es schwerlich irgendwelche zahlungsfähige Schuldner geben wird." [252] 

Es liegt also nicht ein einfacher Wortsinn vor. Darum auch die Erwiderung des Wortes Gottes an jene: „Was behelligt ihr das Weib? Die Armen habt ihr immer bei euch, mich aber nicht immer" (Matth. 26, 10 f.). Immer also hast du den Armen bei dir, darum tu Gutes! Nimmer darfst du den Armen auf später vertrösten, da er immer bei dir ist. Mahnt dich doch der Prophet: „Sprich nicht zum Armen: morgen will ich geben" (Prov. 3, 28). "Der Prophet redete nur von der Barmherzigkeit, der Herr aber stellte den Glauben über die Barmherzigkeit, die nur dann verdienstlich ist, wenn ihrer Betätigung der Glaube vorausgeht " Nicht an der Salbe also, sondern an der Liebe hatte der Herr seine Freude, den Glauben nahm er entgegen, die Demut billigte er. "Auch du mehre, wenn du Gnade wünschest, die Liebe! Gieß aus über den Leib Jesu den Glauben an die Auferstehung, den Wohlgeruch der Kirche, das Salböl der allgemeinen Liebe! So tritt hervor und gib den Armen! Mehr wird dir die Geldspende frommen, wenn du sie nicht sowohl im Überfluss gibst, sondern auf künftigen Gewinst in Christi Namen darreichst; wenn du sie so dem Armen darbietest, dass du sie Christus anbietest. Versteh also das Salböl, das über dessen Haupt ausgegossen wurde, nicht bloß buchstäblich „denn der Buchstabe tötet" sondern im geistigen Sinn! Denn nur „der Geist ist Leben" (2 Kor. 3, 6). Der Satz des Ambrosius: "der Herr aber stellte den Glauben über die Barmherzigkeit, die nur dann verdienstlich ist, wenn ihrer Betätigung der Glaube vorausgeht" wird weder von den Muslimen noch von Agnostikern z.B. in Deutschland verstanden, die zwar Geld spenden, sich aber nicht um den Geist bzw. den Glauben kümmern. So haben auch die Almosen der Muslime keinen Wert, da sie ohne Geist, d.h. ohne den Glauben gegeben werden. Auch Spenden an islamische Hilfsorganisationen oder islamische Familien taugt nichts, wenn damit der Irrglaube unterstützt wird. [253] 

"Überzeuge dich, wie der Leib des Sohnes von Salböl duftet! Jener Leib ist es, der wohl abgelegt wurde, der aber nicht verloren ging. Sein Leib sind die überlieferten Schriften, sein Leib ist die Kirche (Eph. 1, 23). Seines Leibes Wohlgeruch sind wir (2 Kor. 2, 15). Darum geziemt es sich, dass wir seinen Todesleib zubereiten, obschon er unserer Zubereitungen nicht bedarf, vielmehr die Armen deren bedürfen. Ich werde seinen Leib zubereiten, wenn ich ein Verkündiger seiner Lehren werde und den Heiden das Geheimnis des Kreuzes zu erschließen vermag. Es bereitete ihn jener zu, der beteuerte: „Wir verkünden Christus, den Gekreuzigten, den Juden ein Ärgernis, den Heiden eine Torheit, den Berufenen selbst hingegen, Juden wie Griechen, Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit " (1 Kor. 1, 23 f.). Eine Zubereitung des Kreuzes ist es, wenn, was in Unwissenheit für Torheit gilt, auf die Frohbotschaft hin für höhere Weisheit gehalten wird, so dass wir zeigen können, wie widerstrebende Kraft durch das Kreuz des Herrn niedergeworfen wird."  - St. Ambrosius, sup. Luc. VI, 33
So gehe denn ein jeder daran, mit seinem Tugendmühen und -ringen ein Alabastergefäß mit Salböl zu kaufen, nicht die nächstbeste billige und gewöhnliche Salbe, sondern die kostbare Alabastersalbe! "Denn wenn einer des Glaubens Blumen zum Strauße pflückt und Jesus Christus den Gekreuzigten verkündet, gießt er über die ganze Kirche, die Christi Leib ist, der Welt abgestorben und für Gott ruhend, seines Glaubens Salböl aus. Zu duften fängt an das ganze Haus von des Herrn Leiden, zu duften fängt es an von seinem Tod, zu duften fängt es an von seiner Auferstehung, so dass ein jeder aus dieser Zahl des heiligen Volkes ausrufen kann: „Mir aber sei es ferne mich zu rühmen, ausser im Kreuze unseres Herrn Jesus Christus! (Gal. 6, 14) Wohlgeruch strömt aus, Salböl duftet am Leib, wenn einer zuversichtlich sprechen kann, o dass auch ich es könnte! : „Mir aber ist die Welt gekreuzigt 6. Nicht dem, der Reichtum liebt; nicht dem, der weltliche Ehren liebt; nicht dem, der das Seinige liebt, sondern was Jesus Christus eigen ist; nicht dem, der das Sichtbare liebt, sondern das Unsichtbare (2 Kor. 4, 18); nicht dem, der am Leben hängt, sondern dem, der „aufgelöst zu werden und mit Christus zu sein trachtet, ist die Welt gekreuzigt. Denn darin besteht das Kreuztragen und die Nachfolge Christi (Luk. 9, 23), dass auch wir mit ihm mitsterben und mitbegraben werden, um das Salböl, welches jenes Weib zu seinem Begräbnisse ausgegossen hat, ausduften zu können. Nichts Geringes ist dieses Salböl, durch welches Christi Namen weit und breit ausgegossen wird. Darum auch das prophetische Wort: „Eine ausgegossene Salbe ist Dein Name" (Cant. 1, 3), ausgegossen deshalb, damit der Glaube größeren Wohlgeruch dufte." [254] 
 

Die Verwandten Jesu

„Meine Mutter und Brüder sind die, welche das Wort Gottes hören und tun" (Luk. 8, 21). Ein Sittenlehrer, der mit dem eigenen Beispiele anderen voranleuchtet, zugleich Lehrer und zugleich Jünger, der die eigenen Lehren befolgt! Im Begriffe nämlich, den anderen gebieterisch einzuschärfen, dass, wer Vater und Mutter nicht verlässt, des Sohnes Gottes nicht wert ist (Matth. 10, 37; Luk. 14, 26), unterwirft er sich selbst als erster diesem Grundsatze, nicht um sich damit über die Kindespflichten gegen die Mutter hinwegzusetzen, sondern weil er weiß, dass er sich den geheimnisvollen Ratschlüssen des Vaters mehr schuldet als den Herzenswünschen der Mutter. Doch nicht eine beleidigende Abfuhr erfahren die Verwandten, sondern nur eine Belehrung darüber, dass vom religiösen Standpunkt die geistige Verwandschaft der leiblichen vorgeht. [255] 

Auch erblicke niemand da eine Verletzung der Kindespflicht, wo es sich um die Erfüllung einer Gesetzesverordnung handelt! Denn wenn „der Mensch Vater und Mutter verlassen und seinem Weibe anhangen soll und zwei in einem Fleische sein werden , so findet dieses Geheimnis mit Recht in Christus und in der Kirche seine Beobachtung (Eph. 5, 31 f. ;Gen. 2, 24). Eben darum durften die Verwandten nicht dem eigenen Leibe (der Kirche) vorgezogen werden. Unsere Stelle besagt also nicht, wie gewisse Häretiker wollen, welche die Schlingen zum Fange ausbreiten, eine Verleugnung der Mutter, die selbst noch vom Kreuze herab anerkannt wird (Joh. 19, 26), sondern nur den Vorrang, welcher der Norm der himmlischen Vorschriften vor der leiblichen Verwandtschaft zukommt. Auch der Gedanke klingt nicht befremdlich, dass Christus den Juden, „von denen er dem Fleische nach abstammt" (Röm. 9, 5), sinnbildlich an seinen Verwandten zeigen will, dass der Kirche, welche den Glauben angenommen, der Vorrang gebührt. [256] 
 
 
 
 

Anmerkungen

[1] Vgl. Kurs Nr. 564 St. Augustinus, Akademie der Kunst und Philosophie
[2] „So kam es, dass ich, bevor ich lernte, anfing zu lehren. Lernen und lehren zugleich musste ich sonach, da mir zu einem vorausgängigen Lernen keine Zeit erübrigte.“ (Ambrosius, De off. I 1, 4);.zu den Arianern vgl. Kurs Nr. 570 Hilarius von Poitiers, Ib.
[3] Vgl. Kurs Nr. 564 St. Augustinus, So trug er kein Bedenken, zum Loskaufe von Gefangenen einmal die heiligen Gefäße der Kirche zu verkaufen, was freilich einigen Unwillen in Mailand erregte. (De off. II 28, 136)
[4] Ib.
[5] zu: "Diese Pflicht als Christen zu agieren, fehlt den heutigen Politikern und auch einigen Kirchenvertretern, die das Heidentum in Form des Islams, durch islamischen Religionsunterricht, das Ersetzen der Byzantinistik durch Islamwissenschaften an Universitäten, in Europa wieder etablieren wollen" vgl. auch Kurse Nr. 544 Staats- und Rechtslehre, Nr. 512 Novalis, Nr. 570 Hilarius von Poitiers, Nr. 501 St.Thomas Aquinas II: Summa Theol., Nr. 502 St.Thomas Aquinas III, Nr. 582 St.Thomas Aquinas IV, Nr. 583 St.Thomas Aquinas V, Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher I. Ib. 
[6] Ib.
[7] Ib.
[8] Ib.
[9] Zu: "Von einer Niederlage des Arianismus und des Islams im Abendlande ist man heute leider noch weit entfernt" vgl. Anm. 5
[10] zu einer Ästhetik und Philosophie der Kunst und zur Kirchenmusik zum Beispiel von Händel, Bach, Vivaldi, Monteverdi, Mozart, Beethoven und Wagner vgl. auch Abschnitt und Anm. 13, 171, 246 ff. sowie Kurse Nr. 551 G.W.F. Hegel - Philosophie der Wissenschaft, Kunst und Religion - Philosophy of Science, Art and Religion, Nr. 512 Novalis, Nr. 505 Schopenhauer, Nr. 559 - Wolfram von Eschenbach, Nr. 533 Aristoteles. Ib.; zu "An den Wänden der Kirche, oder vielmehr an der Standhaftigkeit des Bischofs und des Volkes prallte der letzte und hartnäckigste Vorstoß des Arianismus ab" Heute gibt es Bischöfe, die vor den Muslimen, also den Ungläubigen ihr Kreuz abnehmen und zusammen mit Politikern, die an Altersschwachsinn leiden, diese sogar darin bestärken ihren Unglauben auf Kosten des Christentums zu verbreiten." vgl. Kurse Nr. 582 St.Thomas Aquinas IV, Nr. 583 St.Thomas Aquinas V, Nr. 570 Hilarius von Poitiers, Ib.
[11] Vgl. Kurs Nr. 564 St. Augustinus, Ib.
[12] zu: Schriften gegen die Arianer und andere Häretiker vgl. Kurs Nr. 570 Hilarius von Poitiers, Ib.
[13] zur Kirchenmusik vgl. Anm. 10
[14] Zu: "Sowohl eine falsch verstandene Wissenschaft /Philosophie wie die materialistische Gentechnik, die am Erbgut herummanipuliert als auch eine Pseudoreligion wie die der Arianer oder der heutigen Muslime sei abzulehnen" vgl. Abschnitt und Anm. 5, 10 und 62 sowie Kurse Nr. 564 St. Ambrosius, Nr. 567 Gottfried Wilhelm Leibniz, Nr. 533 Aristoteles, Nr. 564 St. Augustinus, Nr. 501 St.Thomas Aquinas II: Summa Theol., Nr. 502 St.Thomas Aquinas III . Ib. sowie Zentrum für wesensgemaesse Bienenhaltung / Zentrum für natürliche Bienentherapie 2018: Gefährliche Suessigkeiten. Pressemitteilung;  Ders. 2018: Mechanistische Sichtweise in der Schulmedizin und unvorhersehbare Folgen der personalisierten Medizin. Ib
[15] Ib.
[16] Ib.
[17] Ib.
[18] Vgl. Kurse Nr. 500 Thomas von Aquin I: Summa contra Gentiles, Nr. 562 Dante , Ib.
[19] Ib.
[20] Ib.
[21] Ib.
[22] zu Antichristen vgl. Kurse Nr. 578 Pierre Abaelard, Nr. 570 Hilarius von Poitiers, Ib.
[23] Ib.
[24] Ambrosius von Mailand, De excessu I
[25] Ib.
[26] Ib.
[27] II 
[28] Ib.; vgl. Kurs Nr. 564 St. Augustinus, Ib.
[29] Ib.
[30] Ib.; zu Einstein vgl. Kurs Nr. 533 Aristoteles, Ib.
[31] Ib.; zu: Arianer oder Muslime und ihre "schwere Gotteslästerung" vgl. Kurse Nr. 582 St.Thomas Aquinas IV, Nr. 583 St.Thomas Aquinas V, Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher I, Nr. 578 Pierre Abaelard, Nr. 570 Hilarius von Poitiers, Ib.
[32] Ib
[33] Ib
[34] Ambrosius von Mailand, De virginitae
[35] Ib.; zu: rituellen Waschungen der Irrgläubigen, vgl. Anm. 205
[36] Ib.
[37] Ib.; Plato nimmt eine Dreizahl von Seelen im Menschen an oder teilt die Seele in drei von einander verschiedenen Sphären. Die Begierdeseele, to epithymetikon, und die ihr übergeordnete Mutseele, thymoeides, irascibile, bedingen das sinnliche Leben, während die Vernunftseele, logistikon, das Göttliche im Menschen ausmacht. Die vierte Sphäre, to dioratikon, wie Ambrosius sie nennt, stammt von Aristoteles, empfindende Seele (Ästhetikon) und als denkendes Vermögen eine geistige Seele (Dianoetikon).  In der Uebertragung auf die Ethik gehört dann die Weisheit (sophia - prudentia) der vernünftigen Seele; der Starkmut (andria - fortitudo) ist die Tugend des thymos und betätigt sich in dem mutigen Anstreben des Guten; die Mäßigkeit (sophrosyne - temperantia) fällt der begehrlichen Seele, der epithymia zu und äussert sich dadurch, dass sie die Begierden zügelt; die Gerechtigkeit (dikaiosyne - iustitia) gehört den drei Teilen der Seele zugleich an; sie ist das Band und die Einheit der übrigen drei Tugenden, die eigentliche Ordnerin der Seele. Vgl. Kurse Nr. 531 Plato, Nr. 533 Aristoteles, Ib. 
[38] Ib.
[39] Ambrosius von Mailand - Trauerrede auf Kaiser Theodosius d. Gr. (De obitu Theodosii oratio); Schon seit Beginn seiner Regierung (379) trat Theodosius entschieden, noch entschiedener in seiner Alleinherrschaft (394) wider das Heidentum auf. So wurde, um von anderen Religionsedikten zu schweigen, 394 jede Art von Götzendienst unter Strafe der Majestätsbeleidigung verboten. Unter ihm wurde das Christentum Staatsreligion; das Heidentum blieb fortan ohne Heiligtum und Kult.; zum abstrakten Götzedienst des Islams vgl. Anm. 5,  31, 42 und 206; zu Theodosius vgl. Kurse Nr. 564 St. Ambrosius, Nr. 350 Byzantinische Kunst und Architektur. Ib.
[40] Ib.
[41] Ib.; Plato, De legg. IX 7 und Aristoteles, Eth VII 6; vgl. Anm. 37 
[42] Ib.
[43] Ib.; Flacilla ist die erste Gemahlin des Kaisers, gest. 385. Von ihr hatte er die beiden Söhne Honorius und Arkadius und die Tochter Pulcheria. Den Sohn Gratian schenkte ihm seine zweite Gemahlin Galla
[44] Ib
[45] Ib
[46] Ib
[47] Ib
[48] Ib; unter "Irrwahn der Philosophie" ist eine Philosophie gemeint, die den Weg der wahren Philosophie verlassen hat, vgl. Anm. 14 und 30
[49] Ib.; Kaiser Valentinian I. ließ ihn aus Argwohn, da er sich als kaiserlicher Heerführer besonders hervorgetan hatte, im Jahre 376 aus dem Wege räumen. Sein Sohn Theodosius zog sich, da er ebenfalls seines Lebens nicht mehr sicher war, nach Spanien zurück; zu: "da er die Reichsregierung zu einer Zeit übernahm, als die Barbaren das römische Reich überschwemmt hatten. Er trug das schwere Joch, um dem römischen Reich die Tyrannen vom Halse zu schaffen. Heute wird Europa mit muslimischen Barbaren überschwemmt, viele Politiker wie Merkel und die Grünen setzen auf unkontrollierte Zuwanderung der Muslime" vgl. Anm. 5.
[50] Ib; zu: "Lange war Konstantinopel das Zentrum der christlichen Welt" vgl. Anm. 39
[51] Ambrosius von Mailand, De Officiis I, 4
[52] I, 9-10
[53] Ib.
[54] I, 12-16; vgl. Kurse Nr. 531 Plato, Nr. 564 St. Augustinus, Ib.
[55] Ib.
[56] Ib.; zu: Es werden heute nicht nur arabisch-kurdische Clan-Mitglieder als "Salbenduftende Weichlinge" bezeichnet, also "Leute nun, die ihr Sinnen und Trachten auf Genuß, auf Völlerei, Erpressung, Erwerb und Ehren richten", sondern alle, die "mehr Zuschauer denn Streiter" sind und Christus verleugnen vgl. Kurse Nr. 544 Staats- und Rechtslehre, Nr. 582 St.Thomas Aquinas IV, Nr. 570 Hilarius von Poitiers, Ib. 
[57] I, 18-19; zu Gesang und Musik vgl. Anm. 10; zu: Öffentliches Schaubeten der Muslime hat mit Sittsamkeit nichts zu tun und wird auch nicht als Gebet anerkannt. Daher sagt Ambrosius: "Auch bei unserem Gebete zieht die Eingezogenheit viel Wohlgefallen nach sich und erwirbt uns viel Gnade bei unserem Gott. So lasst uns denn, wie Petrus mahnt, „in der Unversehrtheit eines stillen und bescheidenen Geistes beten, der vor Gott reich ist!“ Auch Paulus gebot, das Gebet in Eingezogenheit und Nüchternheit zu verrichten. Diese Eingezogenheit wünscht er an erster Stelle und gleichsam als die Vorläuferin des nachfolgenden Gebetes, dass es nicht eines Sünders ruhmrediges Gebet werde." vgl. Kurse Nr. 544 Staats- und Rechtslehre, Nr. 564 St. Ambrosius, Nr. 582 St.Thomas Aquinas IV, Ib.
[58] Ib.
[59] Ib.
[60] I, 21
[61] Ib.
[62] I, 24f; vgl. Anm. 14
[63] Ib.
[64] Ib.
[65] Ib.
[66] Ib.; zu Wie wäre denn der ein Weiser, der nicht nach seinem Schöpfer fragt; der zum Steine spricht: „Mein Vater bist du“ (Jer. 2, 27), wie der Mohammedanismus oder Islamismus, der in Mekka einen Stein anbetet, vgl. Kurse Nr. 502 St.Thomas Aquinas III, Nr. 582 St.Thomas Aquinas IV, Ib.; zu: Die Klugheit beruhe in der Erkenntnis des Wahren, ein Ausspruch, der nach Cicero auf Plato zurückgeht, der dieses Axiom in der Philosophie heimisch machte, vgl. Kurs Nr. 531 Plato, Ib.
[67] Ib.; vgl. Anm. 62
[68] Ib.
[69] Ib; zu: "Darum stellte auch Paulus Christus als das Fundament hin (1 Kor. 3, 11), damit wir auf ihn die Werke der Gerechtigkeit stellen; denn der Glaube ist das Fundament, in den Werken aber liegt entweder, falls sie bös sind, Ungerechtigkeit, oder aber, falls sie gut sind, Gerechtigkeit." Dieser Glaube und damit Gerechtigkeit fehlte damals den Sarazenen, Mohammedanern und Türken, wie er heute noch den muslimischen Machthabern fehlt, vgl. Kurse  Nr. 578 Pierre Abaelard, Nr. 570 Hilarius von PoitiersNr. 564 St. Ambrosius, Nr. 510 Schelling - Philosophie der Offenbarung, Nr. 320 Romanische Kunst und Architektur, Nr. 325 Kunst und Architektur der Gothik, Nr. 326 Kunst und Architektur der Renaissance, Nr. 350 Byzantinische Kunst und Architektur. Ib.
[70] Ib.; zu: "Das heisst nämlich dem Nächsten schaden, nicht nützen, wolltest du einem geben, der damit Anschläge wider das Vaterland macht; der auf deine Kosten eine liederliche Gesellschaft um sich zu sammeln wünscht; der die Kirche bekämpft." So ist es, wenn heute europäische Politiker den Islamismus fördern, indem sie den Bau von Moscheen, islamischen Schulen und Vereinen unterstützen, Sozialhilfe zum Beispiel an einen islamischen Terroristen oder Terrorhelfer zahlt, "der damit Anschläge wider das Vaterland macht" vgl. Kurse Nr. 544 Staats- und Rechtslehre, Nr. 545 Sittenlehre, Nr. 564 St. Ambrosius, Nr. 512 Novalis, Nr. 582 St.Thomas Aquinas IV, Ib.
[71] Ib.; zu: Freigebigkeit taugt nur etwas, wenn es auf dem christlichen Glauben gegründet ist. "So soll denn deine Freigebigkeit auf einem festen Fundamente ruhen. Die erste Forderung lautet: Aufrichtigkeit beim Geben, kein Trug beim Spenden. Man verspreche nicht, mehr geben zu wollen, und gebe nicht weniger. Wozu braucht es denn der Worte? Es wäre ein trügerisches Versprechen. Du hast es in der Gewalt zu geben, was du willst. Der Trug untergräbt das Fundament, und das Werk stürzt ein." So können muslimische Vereine, die oft auch als Hilfsorganisationen getarnt sind, nicht als gemeinnützig anerkannt werden, vgl. Anm. 70
[72] Ib.; zu: "Zunächst soll man sich um seine Glaubensgenossen bemühen. Eine große Schuld wäre es, wenn ein Gläubiger darben würde und du wüsstest davon; du wüsstest: er ist ohne Lebensunterhalt, hungert, leidet Not, zumal wenn er ein verschämter Armer wäre; wenn er, sei es wegen der Gefangensetzung von Angehörigen, sei es wegen Verleumdung in einen Prozeß geriete, und du griffest nicht helfend ein; wenn ein Gerechter im Kerker schmachtete und wegen einer Schuldforderung Strafen und Qualen erlitte, obschon man nämlich jedermann Mitleid schuldet, so doch am meisten dem Gerechten; wenn er in der Stunde der Not nichts von dir erlangte"; Länder wie Deutschland geben zwar viel für muslimische Flüchtlinge aus, vernachlässigen aber die Unterstützung der eigenen christlichen Bevölkerung oder schröpfen sie noch zusätzlich, damit sie die Förderung der "Ungläubigen" und damit des Islamismus finanzieren können, vgl. Anm. 70
[73] Ib.
[74] Ib.; zur wahren Philosophie vgl. Anm. 125ff und Kurse Nr. 551 G.W.F. Hegel - Philosophie der Wissenschaft, Kunst und Religion, Nr. 511 Fichte - Philosophie der Erziehung, Nr. 510 Schelling - Philosophie der Offenbarung, Nr. 020 Goethe: Wissenschaft, Kunst und Religion, Nr. 567 Gottfried Wilhelm Leibniz. Ib.
[75] I, 35f.; zu: Heute bewährt sich der Starkmut weniger im Kriege als im geistigen Glaubenskampf gegen die Irrlehren des Arianismus, Islamismus und Materialismus, vgl. Nr. 570 Hilarius von Poitiers, Ib. 
[76] Ib.
[77] Ib.; zu: Nach der Eroberung Konstantinopels durch die ungläubigen Türken, sind viele Intellektuelle und Künstler nach Italien geflohen und haben die Renaissance mitbegründet, vgl. Kurse Nr. 326 Kunst und Architektur der Renaissance, Nr. 350 Byzantinische Kunst und Architektur. Ib. 
[78] Ib.
[79] I, 45f 
[80] Ib.
[81] Ib.
[82] Ib.
[83] Ib.; zu: Unter dem Irdischen versteht Ambrosius den vorläufig zur Erde herabgeschleuderten Satan, der das Christentum bekämpft, wie der Islamismus. Herrschern sarazenischer oder islamischer Länder zum Beispiel ruft Ambrosius zu: "Trägt einer das Bild des Tyrannen an sich, setzt er sich nicht der Verurteilung aus? Du willst das Bild des ewigen Herrschers ablegen und wünschst an dir das Bild des Todes? Hinweg vielmehr aus der Stadt deiner Seele mit dem Bilde des Teufels! Richte auf das Bild Christi! Das soll in dir leuchten, in deiner Stadt, d. i. in deiner Seele erstrahlen"; Dann nämlich, wenn der Herr jenes Jerusalem nach seinem Bilde zeichnet, wird jedes Bild der Widersacher vernichtet." Davon ist man in Jerusalem noch weit entfernt, denn der ursprünglich christliche, heute islamische Felsendom auf dem Tempelberg dominiert als "Bild der Widersacher" die Stadt. Auch in anderen islamischen Ländern dominiert das "Bild der Widersachers" in Form von Moscheen; man versucht die Moscheen nach christlichen Vorbildern zu bauen, erreicht aber nie die Schönheit der christlichen Kathedralen. Neuerdings versucht man aus Gründen der PR, den Moscheen christliche Namen zu geben: Der Kronprinz der Arabischen Emirate, "nach dem das Gebetshaus benannt gewesen war, hatte es im Juni 2017 im Namen der interreligiösen Verständigung umbenennen lassen: Jetzt heißt die Moschee „Maria Mutter von Jesus Moschee“., vgl. Science Review Letters 2019, 18, Nr. 987 und FAZ 2019, Nr. 28 und Anm. 69, 152 ff., 173, 207
[84] Ib.; über die Bedeutung des Namens Levi und Levite vgl. auch Ambrosius, Expos. in Ps. 118 serm. 8, 4 und De Cain et Abel II 3, 11
[85] Ib.
[86] Ib.
[87] II, 1f; zu: Und damit steht die Auffassung des Hl. Ambrosius im Gegensatz zu der der Sarazenen oder Muslime, die großes Aufsehen veranstalten wegen ihres Fastens (Ramadan), das ohnehin kein Fasten ist, denn nachts statt tagsüber etwas essen, wie es im Ramadan üblich ist, bedeutet nicht nur kein Fasten sondern im Gegenteil Völlerei, vgl. Kurs Nr. 502 St.Thomas Aquinas III, Nr. 582 St.Thomas Aquinas IV, Ib. 
[88] Ib.; zu: "Die göttliche Schrift dagegen verlegte das ewige Leben in die Erkenntnis Gottes und die Frucht des guten Wirkens. Für beide Behauptungen spricht denn auch das Zeugnis des Evangeliums. Was einerseits die Erkenntnis anlangt, so äusserte sich der Herr Jesus folgendermaßen: „Das ist aber das ewige Leben, dass sie Dich, den alleinigen wahren Gott, erkennen, und den Du gesandt hast, Jesus Christus“ (Joh. 17, 3), weshalb die Sarazenen oder Muslime vom seligen Leben ausgeschlossen sind, da sie weder den wahren Gott kennen noch den, den er gesandt hat", vgl. Anm. 166-169 und Kurse Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher I, Nr. 501 St.Thomas Aquinas II: Summa Theol., Nr. 578 Pierre Abaelard, Nr. 570 Hilarius von PoitiersNr. 564 St. Ambrosius, Nr. 510 Schelling - Philosophie der Offenbarung, Ib.
[89] Ib.; zu: "Aber auch umgekehrt. Im Handeln gewissenhaft, in der Gesinnung schwankend sein, hieße über schlechter Grundlage schöne Giebelbauten aufführen wollen. Je mehr man aufbaut, umso mehr stürzt ein. Ohne die feste Stütze des Glaubens können die guten Werke nicht bestehen. Eine unzuverlässige Reede im Hafen macht das Schiff zerschellen; und ein sandiger Boden entweicht rasch und vermag die Last des aufgeführten Baues nicht zu tragen. Dort also winkt der volle Lohn, wo vollendete Tugend herrscht und vernünftiges Handeln mit vernünftigem Reden gleichsam gleichen Schritt hält." Darin zeigt sich die Sinnlosigkeit muslimischer Hilfsorganisationen, die ohne die feste Stütze des wahren Glaubens nicht bestehen können, vgl. Anm. 71 und 88
[90] Ib.
[91] Ib.
[92] Ib.
[93] Ib.
[94] Ib.; zu gerechter Rat: Es steht sonach fest, dass es auch nach der göttlichen Schrift, keine Weisheit ohne die Gerechtigkeit geben kann; denn wo nur eine dieser Tugenden ist, da sind beide. Oft spiegelt sich das Fehlen von Weisheit und Gerechtigkeit in der Politik in manchen heutigen Amtsgerichten und Finanzämtern wieder, wo dann ebenfalls sowohl Weisheit als auch Gerechtigkeit fehlen, wenn z.B. Meinungsfreiheit beschnitten wird und lächerliche Klagen zugelassen werden, nur weil z.B. ein Finanzbeamter oder Politiker sein Fehlverhalten durch "die Lügenhaftigkeit der falschen Anschuldigung" vertuschen will und Meinungsfreiheit nicht ertragen kann, Amtsgerichte sich an unwichtigen Fällen festbeißen, statt sich um die wirklich relevanten Fälle zu kümmern, für die dann kaum noch Zeit verbleibt, so dass die eigentlich Kriminellen wieder auf freien Fuß gesetzt werden müssen, vgl. Anm. 110, 197 und Kurse Nr. 502 St.Thomas Aquinas III, Nr. 582 St.Thomas Aquinas IV, Nr. 544 Staats- und Rechtslehre, Ib.
[95] Ib.
[96] Ib.; zur heutigen Pokitikberatung vgl. Anm. 94ff
[97] Ib.
[98] Ib.; zur Freigebigkeit, "die weder gegen unverschämte Arme verschwenderisch", zum Beispiel Sozialhilfe für Terroristen und ihre Familien, wie es in Deutschland praktiziert wurde, noch gegen wahrhaft Dürftige knauserig ist, was in Deutschland ebenfalls praktiziert wird, vgl. Anm. 70ff
[99] Ib.
[100] Ib.; zu: " in der Fürsorge ebenso umsichtig, wie in der Besteuerung milde." Davon sind die Politiker und ihre Finanzämter in Deutschland meilenweit entfernt. Auf eine milde Besteuerung warten die Bürger in Deutschland seit Jahrzehnten, vgl. Anm. 94 und 102 
[101] Ib.
[102] Ib.
[103] Ib.
[104] Ib.
[105] Ib. 
[106] Ib.; zu: "glaube nicht einem Unwürdigen das Heilige anvertrauen zu sollen!" Wie kann man also einem Sarazenen zum Beispiel den Religionsunterricht anvertrauen, wie es in Deutschland heute vielfach geschieht? Vgl. Anm. 5
[107] Ib.; zu:  "In einer Sache Gottes aber, wo das allgemeine Wohl auf dem Spiel steht, wäre schon bloßes Schweigen aus Verstellung keine geringe Sünde." Hier haben zwei wichtige Würdenträger des Christentums in Deutschland versagt, als sie öffentlichkeitswirksam vor den Sarazenen in Jerusalem ihr Kreuz abnahmen! Vgl. Anm. 10
[108] Ib.
[109] Ib.; zu: Laurentius gibt den Armen, nicht jedoch den Antichristen, den Sarazenen, die sich Christus entgegenstellen:"Das sind die Schätze der Kirche. Und fürwahr Schätze, die Christus in sich bergen, die Christi Glauben in sich bergen!" Es geht nicht darum Sarazenen oder Muslime auf muslimischen Friedhöfen zu begraben, sondern: "Niemand kann darüber ungehalten sein, dass man zur Bestattung der leiblichen Überreste der Gläubigen geräumige Plätze schuf. Niemand kann es leid tun, dass die Toten ihre Ruhe in den Grabstätten der Christen finden." Vgl. Anm. 70f 
[110] Ib.; zu: Heute gibt es vielleicht keine Gesandten des Königs, die wie "Heliodor trotzdem an deren Raub gehen und sie dem königlichen Fiskus zu eigen machen wollte" aber es gibt insbesondere Beamte in deutschen Finanzämtern, die mit Hilfe fadenscheiniger Gründe christlichen Organisationen, Kirchen und Unternehmen ihr dringend benötigtes Kapital rauben, obwohl man hofft, dass sie "endlich zur Not Vernunft" annehmen, vgl. Anm. 94 und 197
[111] III, 1f
[112] Ib.
[113] Ib.
[114] Ib.
[115] Ib.; Durch Gentechnik und Pestizide wird heute "die Fruchtbarkeit der Gefilde" vermindert, auf die Felder wird für Bienen, Hummeln und andere Blütenbestäuber, für Tiere, die den Acker als Lebensraum nutzen sowie den Menschen "Trügerisches" ausgesät; zu vergifteten und krankmachenden Lebensmitteln und wie man Bienen und Hummeln schützen, selbst Bienen halten oder eine "Heilung und Befreiung von der Krankheit" erreichen kann bzw. zu: "erst das heisst nämlich den ganzen Menschen heilen." vgl. Anm. 203 ff. und 211 ff. sowie Kurse Nr. 48 wesensgemäße Bienenhaltung, Nr. 567 Gottfried Wilhelm Leibniz, Nr. 533 Aristoteles, Nr. 564 St. Augustinus, Nr. 501 St.Thomas Aquinas II: Summa Theol., Nr. 502 St.Thomas Aquinas III . Ib. sowie Zentrum für wesensgemaesse Bienenhaltung / Zentrum für natürliche Bienentherapie 2019: Gefährliche Suessigkeiten. Pressemitteilung; Ders. 2018: Mechanistische Sichtweise in der Schulmedizin. Ib.; Ders.  2019: Natürliche Bienentherapie. Ib.; Ders. 2019: Bluthochdruck. Ib.; Ders. 2019: Rheuma, Gicht. Ib; Ders. 2019: Arthritis. Ib; Ders. 2019 Depression, Psychose und Bienentherapie.Ib. Neben Kurs Nr. 48 können die Bienen insbesondere durch eine Bienenpatenschaft und eine offizielle Mitgliedschaft bei Save the Bees, Bumblebees and Beecolonies (https://www.facebook.com/SaveBeecolonies) gefördert werden. 
[116] Ib.
[117] Ib.; vgl. Anm. 115 
[118] Ib.
[119] Ib.
[120] Ib.; zum falschen Schwören vgl. auch Kurse Nr. 582 St.Thomas Aquinas IV, Nr. 544 Staats- und Rechtslehre, Ib. 
[121] Ib.; zur Bürgschaft vgl. Kurs Nr. 553 Friedrich Schiller. Ib.
[122] Ib.
[123] Ib.
[124] Ib.; zu: "Denn niemand kann eines Menschen Freund sein, der Gott die Glaubenstreue bricht." Da die Sarazenen oder Muslime dem wahren Gott die Treue versagen, können sie auch nicht wirkliche Freunde der Christen werden, vgl. Anm. 88-89
[125] Ambrosius von Mailand, sup. Luc.
[126] Ib. 
[127] Ib.; zu: Nach Ambrosius, Cusanus, Thomas von Aquin und anderen Philosophen kann man sagen, "der ganze Vorrang also, den sich die weltliche Weisheit fälschlich anmaßt, gebührt in Wahrheit der geistlichen Weisheit, vgl. Anm. 74 und Kurse Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher I, Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher II, Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher III, Nr. 564 St. Ambrosius, Nr. 564 St. Augustinus, Nr. 500 Thomas von Aquin I: Summa contra Gentiles, Nr. 501 St.Thomas Aquinas II: Summa Theol., Nr. 502 St.Thomas Aquinas III, Nr. 582 St.Thomas Aquinas IV, Nr. 583 St.Thomas Aquinas V, Nr. 510 Schelling - Philosophie der Offenbarung, Ib.
[128] I, 1-14
[129] Ib. 
[130] Ib. 
[131] Ib. 
[132] Ib.; zu: wer also "Christus von Gott trennt" wie die Arianer und Mohammedaner, ist nach Ambrosius eine Motte und ein Antichrist, vgl. Anm. 155 und Kurse Nr. 578 Pierre Abaelard, Nr. 545 Sittenlehre, Nr. 505 Schopenhauer, Nr. 510 Schelling - Philosophie der Offenbarung, Nr. 512 Novalis, Nr. 570 Hilarius von Poitiers, Nr. 564 St. Ambrosius, Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher I, Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher II, Nr. 500 Thomas von Aquin I: Summa contra Gentiles, Nr. 582 St.Thomas Aquinas IV, Nr. 501 St.Thomas Aquinas II: Summa Theol. Ib. 
[133] Ib.; zu: Eine "Dunstschicht des Unglaubens" durch Materialismus und Islamismus, die sich mehr und mehr ausbreitet, auch an europäischen und amerikanischen Universitäten, lässt die Seele rosten, vgl. Anm. 132 
[134] I, 15 ff 
[135] Ib.; zu: "Etwas Gutes ist die Mildtätigkeit, etwas Gutes das Gebet, aber es kann auf unrechte Weise geschehen, wenn man etwa einem Armen aus Prahlerei geben wollte, um von den Leuten gesehen zu werden." Heuchlerisch ist zum Beispiel das Spenden für islamische Hilfsorganisationen oder das Schaubeten der Muslime, vgl. Anm. 70 f. und 253
[136] Ib.
[137] Ib.; zu:  "Wenn also niemand Gott den Vater je gesehen hat, so hat man sich entweder mit der Annahme zu bescheiden, dass im Alten Bunde nur der Sohn erschienen sei, und es mögen dann die Irrlehrer abstehen, ihm, der bereits sichtbar war, bevor er aus der Jungfrau geboren wurde, den Ursprung aus der Jungfrau zu geben," wie die Arianer und Muslime behaupten, vgl. Anm. 132
[138] Ib.
[139] Ib.
[140]  I, 31 ff 
[141] Ib. 
[142] Ib.; vgl. Anm. 106 f 
[143] Ib.; vgl. Anm. 128 ff. 
[144] Ib.; zur Musik vgl. auch Anm. 10 
[145] Ib.; zu: "Stumm ist, wer das Gesetz nicht versteht; stumm ist, wer den Inhalt der göttlichen Schriften nicht versteht." vgl. Anm. 132 ff. und 166-169
[146] II, 1 ff 
[147] Ib.
[148] Ib.
[149] Ib.
[150] Ib.; Einigen Gläubigen ist die Gottesmutter erschienen, wie in Lourdes (Südfrankreich) und Fátima (Portugal). Aus Portugal ist im Januar 2019 zum Weltjugendtag in Panama "Nossa Senhora de Fátima eingetroffen. Und zwar gewissermaßen persönlich, nicht in Gestalt einer der 13 offiziellen Kopien, die es von der Statue gibt. Das etwa 1,10 Meter große Original aus Zedernholz hat 1920 der portugiesische Künstler José Ferreira Thedim geschnitzt. Angeleitet wurde er bei seiner Arbeit direkt von dem damals zwölf Jahre alten Hirtenmädchen Lúcia dos Santos. Ihr sowie ihren beiden jüngeren Cousins Francisco Marto und Jacinta Marto war von Mai bis Oktober 1917, immer am 13. des Monats, auf der kargen Hochebene Cova de Iria nahe Fátima die Jungfrau Maria erschienen. Immer ganz in strahlendem Weiß, so erzählten es die Kinder, und so hat Thedim auch seine eher kleine Statue der Nossa Senhora de Fátima gestaltet. Längst ist der Entstehungsort der Madonna, Fátima nördlich von Lissabon, zu einer der bedeutendsten Stätten der Marienwallfahrt geworden. Zur Hundertjahrfeier der Marienerscheinungen der drei Hirtenkinder kamen mehr als neun Millionen Pilger nach Fátima. Auch Franziskus gehörte am 13. Mai 2017 zu ihnen. Bei der Gelegenheit sprach der Papst Francisco und Jacinta Marto heilig. Eine ganz besondere Beziehung zur Jungfrau von Fátima hatte Johannes Paul II. Er besuchte den Wallfahrtsort während seines Pontifikats gleich dreimal. Am 13. Mai 1982 setzte Johannes Paul II. eine der Kugeln, die der Attentäter Mehmet Ali Agca genau ein Jahr zuvor – also am 64. Jahrestag der ersten Marienerscheinung – auf dem Petersplatz auf ihn abgefeuert hatte, in die Krone der Marienstatue ein. Dort ist die Kugel, die der Papst hat vergolden lassen, noch heute. Johannes Paul II. war überzeugt, dass er sein Überleben bei dem Attentat der Muttergottes selbst zu verdanken hatte. Und er war überzeugt, dass der Mordanschlag auf ihn im berüchtigten Dritten Geheimnis, das Maria den Kindern von Fátima offenbarte, prophezeit worden war. Ein letztes Mal war Johannes Paul II. am 13. Mai 2000 in Fátima, wo er auch mit der greisen Lúcia dos Santos zusammentraf, der 1917 die Maria erschienen sein soll. Bei seinem am Mittwoch begonnenen Besuch in Panama-Stadt bis Sonntag aus Anlass des Weltjugendtages hat nun auch Papst Franziskus Gelegenheit zur Wiederbegegnung mit der Madonna von Fátima. Und zwar gewissermaßen persönlich, in Gestalt der Originalstatue. Das ist für den Papst und die 150000 Pilger, die in der mittelamerikanischen Metropole erwartet werden, etwas Besonderes. Denn die Wächter über das Heiligtum von Fátima wollten nach insgesamt 64 Auslandsreisen, die Nossa Senhora de Fátima über die Jahrzehnte absolviert hat, der Originalstatuette eigentlich keine weiteren Ausflüge mehr zumuten. Letztmals war Thedims Schnitzwerk im Jahr 2000 aus der Vitrine in Fátima entfernt worden. Auf Reisen waren seither nur die 13 Kopien der Statue. Als jedoch die Bitte der Erzdiözese Panama-Stadt den portugiesischen Wallfahrtsort erreichte, die Nuestra Señora de Fátima, wie sie in Panama genannt wird, im Original zum Weltjugendtag reisen zu lassen, machten die Hüter des Heiligtums eine Ausnahme. Zum ersten Mal seit 19 Jahren nahmen sie die Statue aus der Vitrine in Fátima und schickten sie ins ferne Panama. Und sie trugen Nossa Senhora de Fátima sogleich in die Liste der Pilger zum Weltjugendtag ein: als Nummer zwei, gleich nach dem Papst, der bei Weltjugendtagen traditionell auf dem ersten Platz der Pilgerliste steht. Dafür traf die Pilgerin aus Fátima knapp zwei Tage vor dem Pilger aus Rom in Panama ein. Nach der Ankunft am Flughafen von Panama-Stadt wurde Unsere Liebe Frau von Fátima zunächst in die Kirche Nuestra Señora de Lourdes im Stadtteil Carrasquilla gebracht, wo eine Willkommens- und Inthronisierungsmesse gefeiert wurde." Europäische Veranstaltungsorte der Weltjugendtage, die alle zwei bis drei Jahre stattfinden, waren bisher Rom, Santiago de Compostela in Spanien, Tschenstochau in Polen, Paris, Köln, Madrid und zuletzt Krakau. Portugal, ja womöglich Fátima wäre also an der Reihe. (Science Review Letters 2019, 18, Nr. 987 und FAZ 2019, Nr. 20)
[151] Ib. 
[152] Ib.; zu: Das "Band des Unglaubens" bindet auch die Muslime, weshalb in ihren Ländern kaum Gerechtigkeit und Vernunft anzutreffen ist; dieses Band kann nur gelöst werden "durch das Wort der Vernunft", der wahren Philosophie, die christlich inspiriert ist, vgl. Anm. 145 und in Bezug auf Kunst und Architektur vgl. Kurse Nr. 545 Sittenlehre, Nr. 350 Byzantinische Kunst und Architektur. Ib. 
[153] Ib.
[154] Ib.
[155] Ib.; zu: Denn „jeder Geist, welcher bekennt, dass Jesus Christus im Fleische gekommen ist, ist von Gott; und ein jeglicher Geist, der Christus nicht bekennt, der ist nicht von Gott. Und das ist der Geist des Widerchrists." (1 Joh. 4, 2f) Da die Muslime Christus nicht bekennen, ist ihr Gott Allah auch kein echter Gott sondern "Geist des Widerchrists", vgl. Anm. 88 f, 132  f., 176
[156] Ib.
[157] Ib.
[158] Ib.; zu Aristoteles und Demosthenes vgl. Cicero (Orat. 27) und Kurs Nr. 533 Aristoteles. Ib. 
[159] Ib.
[160] Ib.; zu: Einige "Feindesvölker", heute vor allem mehrheitlich muslimische Staaten haben dies "Zeugnis für die heilige Religion" nicht angenommen, sondern hängen weiterhin ihrer Irrlehre an, vgl. Anm. 155
[161] Ib.; zur Epiphanie vgl. auch Kurs Nr. 583 St.Thomas Aquinas V. Ib. 
[162] Ib.; zu: Wachsam solle man sein und sich nicht von falschen Priestern, zum Beispiel den Imamen in den Moscheen, zur Irrlehre verleiten lassen. Wie die Hirten solle man eilen, "niemand nämlich sucht lässigen Schrittes Christus.", vgl. Anm. 160 und 163
[163] Ib.
[164] Ib.
[165] Ib.
[166] Ib.; zu: Ambrosius vergleicht den Zustand des Heidenvolkes, also der heutigen Muslime, mit dem der Heuschrecken, die keinen Nutzen aus ihren Mühen ziehen und das "Wort des Lebens" nicht kennen: "Umso passender lässt sich der Zustand des Heidenvolkes mit ihnen vergleichen, das, ohne Nutzen aus seinem Mühen, ohne Frucht aus seinem Wirken zu ziehen, würde- und sprachlos nur Klagelaute ausstieß, das Wort des Lebens nicht kannte", vgl. Anm. 160 ff.
[167] Ib.; zu: das "vom schaurigen Schmutze seiner Mißverdienste starrende Heidenvolk" vgl. Anm. 152 und 166 
[168] Ib.; vgl. Origenes (l. c. hom. XXII)
[169] Ib.; zu: „Fürsten von Sodom" ( Is. 1, 10) und „übertünchte Gräber" (Apg. 23, 3) oder Sadduzäer, die wie die Muslime sagen, es gäbe keine Auferstehung, werden denn auch die "Nachkommen Abrahams dem Fleische nach genannt" vgl. Anm. 83-88
[170] Ib.
[171] Ib.; zur Musik und Poesie im Dienste des Messias: Claudio Monteverdis "Marienvesper (Vespro della Beata Vergine)", Vivaldis und Georg Friedrich Händels "Dixit Dominus" und "Laudate Pueri Dominum" vgl. Anm. 10 und 246 ff
[172] Ib.; zu: Verstehst du nämlich die Stelle vom „Suchen des Lebendigen bei den Toten" (Luk. 24, 5) recht, so hast du unter den „Toten jene zu verstehen, die ohne Christus sind, die am Leben nicht teilhaben; denn das heißt an Christus nicht teilhaben, weil Christus das Leben ist. Heute sind vor allem die Agnostiker, Kantianer und Muslime diejenigen, die an Christus nicht teilhaben, vgl. Anm. 166 ff.
[173] Ib.; zum Tempelberg und Felsendom vgl. Anm. 207 und Kurse Nr. 582 St.Thomas Aquinas IV, Nr. 512 Novalis, Ib.
[174] Ib.
[175] Ib.
[176] Ib.; zu: "An dem Sohne zweifeln heißt dem Zeugnisse des Vaters nicht glauben." Deshalb ist auch der Glaube der Muslime sinnlos, da sie nicht den Vatergott verehren, sondern nur einen abstrakten Götzen; als Christ kann man natürlich überall beten, schließlich wird auch gebetet, um Dämonen auszutreiben; als Papst in der Moschee beten heisst nicht, dass der abstrakte Götze des Islams, Allah, identisch ist mit dem christlichen Gott, sondern nur, dass hier zur Austreibung der Dämonen gebetet wird, vgl. Science Review Letters 2019, 18, Nr. 987 und FAZ 2019, Nr. 29; Nr. 30; Nr. 31 sowie Anm. 83 und 155. 
[177] III, 8 ff; zu Friedefürst vgl. Anm. 157 ff. 
[178] Ib.
[179] Ib.
[180] Ib.
[181] Ib.; zu: so dass nunmehr das Menschengeschlecht der Knechtschaft ledig ist, wie es in vielen christlichen Ländern heute der Fall ist, auch wenn in muslimischen Länder dieser Weg noch in ferner Zukunft liegt und sie noch immer auf eine Christianisierung warten, vgl. Anm. 176 ff.
[182] Ib.; zu: Es sollte schon damals angedeutet werden, dass jener Stammbaum denjenigen hervorbringen werde, welcher die Heiden berufen würde. Ihm sollen wir alle, die wir aus nichtjüdischen Völkern uns sammelten, folgen, indem wir der Väter Erbe verlassen und zu einem, der uns "zur Religion des Herrn" ruft, z. B. zu Paulus oder zu jedwedem Bischofe. So denn ist Ruth wie Lia und Rachel, des Volkes und des Hauses ihres Vaters vergessend (Ps. 45, 11), die Fessel des Gesetzes sprengend, in die Kirche eingetreten. Folgerichtig bereist der Papst vor allem muslimische Länder, um die Heiden oder Muslime dort "zur Religion des Herrn" zu führen, vgl. Anm. 176 ff.
[183] Ib.
[184] Ib.
[185] IV, 2 ff
[186] Ib.
[187] Ib.; zum Fasten vgl. Anm. 87
[188] Ib
[189] Ib; zu: Sollte etwa Mohammed und sein Götze Allah der "Führer der Menschheit zum Paradies" sein? Nein, Christus allein ist der Führer der Menschheit zum Paradies. "Eines anderen Führers bedurfte es, dem wir alle folgten. Wer nun wäre der große Führer gewesen, der allen frommte, als jener, „der über allen ist"? (Joh. 3, 31) Wer hätte mich über die Welt erheben können als der, welcher größer ist als die Welt? Wer wäre der große Führer gewesen, der dem Mann und dem Weibe, „dem Juden und Griechen, dem Barbaren und Skythen, dem Unfreien und Freien" (Kol. 3, 11) mit der einen Führerhand den Weg hätte weisen können als allein der, welcher „alles und in allen ist: Christus", vgl. Anm. 160 und 191
[190] Ib; zu: Ein anderer, zum Beispiel ein frommer Muslim hat vernommen, „es gibt einen Gott, aus dem alles ist (1 Kor. 8, 6), er zollt ihm Anbetung und Verehrung; da stellt ihm der Teufel nach, schließt ihm die Ohren, dass er nicht hört, dass es auch „einen Herrn gibt, durch den alles ist" (1 Kor. 8, 6). So verleitet er ihn bei seinem Übereifer in der Gottesverehrung zur Gottlosigkeit. Während er den Vater vom Sohne trennt, konfundiert er Vater und Sohn und hält sie für eine Person, nicht bloß Wesenheit. So verfällt er denn in seiner Unwissenheit über die Glaubensregel beklagenswerter Glaubenslosigkeit" vgl. Anm. 176
[191] Ib.; vgl. Anm. 189 
[192] Ib. 
[193] Ib.
[194] Ib.
[195] Ib.
[196] Ib.; zu: Der Teufel als Engel des Lichtes ist der Vater der Häresie und damit auch der Muslime und der dazugehörigen Islamwissenschaftler und Religionspädagogen. "Beachte auch hier, wie Satan sich in einen Engel des Lichtes wandelt (2 Kor. 11, 14) und selbst aus der Göttlichen Schrift den Gläubigen oft einen Strick dreht! So macht er Häretiker, so beraubt er den Glauben seines Inhaltes, so kämpft er an wider Recht und Gesetz der Frömmigkeit. Nicht bestricke dich ein Irrlehrer, weil er einige Belege aus der Schrift vorzubringen vermag, und nicht darf er anmaßend den Gelehrten spielen können. Auch der Teufel bedient sich der Schriftzeugnisse, aber nicht zur Belehrung, sondern zu Trug und Täuschung", vgl. Anm. 190
[197] Ib; zu: So verleiht, um uns vom Himmlischen auf ein irdisches Beispiel zu berufen, der Staat ein Ehrenamt und erntet Lob. Wenn nun einer das Ehrenamt missbraucht, so trifft nicht den Staat, sondern den Beamten die Schuld. Die Verbrechen finden ihren Schuldigen, nicht weil die Amtsgewalt, sondern weil die eigene Amtsführung einen in Schuld verstrickt. Ggf. trifft die Schuld nicht das Amtsgericht oder das Finanzamt, sondern einzelne Beamte, die nicht genügend qualifiziert sind, nicht zwischen wichtig und unwichtig unterscheiden können oder ähnlich wie Heliodor versuchen sich zu bereichern, vgl. Anm. 94 und 110
[198] Ib; zu: Man denke auch an Genforscher, die am Erbgut des Menschen herummanipulieren. "Indes nicht die Forschung, sondern den Forscher trifft die Schuld; nicht die Forschung, sondern die Gesinnung des Forschenden ist dem Bösen ausgesetzt. Wenn aber schon einer, der Gott sucht, infolge der Schwäche des Fleisches und der Beschränktheit des Geistes oft in Versuchung kommt, wieviel mehr fällt ihr zum Opfer, wer die Welt sucht?" vgl. Anm. 115 
[199] Ib. 
[200] Ib. 
[201] Ib.
[202] Ib.; zu: Damit wollte er zeigen, dass er selbst es ist, der in den Propheten gesprochen hat; wollte die Lästerungen der Gottlosen abweisen, welche einen anderen Gott für den Alten Bund, einen anderen für den Neuen annehmen, wie die Marcioniten, oder welche behaupten, Christus habe seinen Anfang aus der Jungfrau, wie die Ebioniten und heutigen Muslime, vgl. Anm. 132 und Kurs Nr. 570 Hilarius von Poitiers, Ib. 
[203] Ib.; zu: "Heilung und Befreiung von der Krankheit" vgl. Anm. 115
[204] Ib.; vgl. Anm. 203 ff.
[205] Ib.; zu den rituellen Waschungen der Irrgläubigen im Gegensatz zur Taufe vgl. Anm. 35 und 170-176 
[206] Ib.; zum abstrakten Götzendienst vgl. Anm. 39 und 176
[207] Ib.; zu: Heute gilt allerdings das Wort des Ambrosius "Da nämlich, wo Christus fortgezogen, war der Teufel eingedrungen" hauptsachlich für Muslime, die ursprünglich christliche Orte wie Felsendom in Jerusalem und Hagia Sophia in Konstantinopel erobert und in Moscheen verwandelt hatten, die "in des Teufels Schlingen verstrickt, die heuchlerisch zur Schau getragene leibliche Reinheit mit geistigem Unflat" verunreinigten. Heute ist die Mitgliederzahl rückläufig, weil "Kleingläubigkeit" in der Kirche weit verbreitet ist, Bischöfe nehmen ihr Kreuz ab, wenn sie den Felsendom betreten! vgl. Anm. 77, 83 und 173
[208] Ib. 
[209] V, 4 ff; zu Photius, Arius und Manichäus vgl. Kurse Nr. 564 St. Augustinus, Nr. 570 Hilarius von Poitiers, Ib. 
[210] Ib. 
[211] Ib.
[212] Ib.; zu: "Erst das heisst nämlich den ganzen Menschen heilen" vgl. Anm. 115 und 203 f.
[213] Ib.; zu: Der Unglaube bzw. Irrglaube der Muslime und Agnostiker ist heute der schlimmste, unheilbare Aussatz, weshalb darauf achtgegeben werden muss, "dass nicht ihr Aussatz auch noch andere anstecke" vgl. Anm. 196 und 236
[214] Ib.; zum Fasten und Ramadan vgl. Anm. 87, 215 ff. 
[215] Ib.
[216] Ib.
[217] Ib.
[218] Ib.
[219] Ib.
[220] Ib.; zu: es gibt auch ein "sündhaftes Gebet" (Ps. 109, 7), wie das der Muslime, die zum abstrakten Götzen beten, sondern wer gut betet, erklimmt vom Irdischen zum Höheren fortschreitend den Gipfel erhabenen Mühens. Doch nicht der steigt zur Bergeshöhe auf, der viel auf weltlichen Reichtum und Ehre bedacht ist; nicht steigt zur Bergeshöhe auf, der begehrlich das Besitzrecht auf fremden Grund und Boden anstrebt, wie die Osmanen zum Beispiel christliche Gebiete in Besitz genommen haben, vgl. Anm. 39, 77, 189 ff., 206
[221] Ib.
[222] Ib.; zu:  „Ihr zürnet; doch sündiget nicht!" (Ps. 4, 5), was auch Aristoteles unterschreiben könnte, vgl. Anm. 41 und Kurse Nr. 531 Plato, Nr. 533 Aristoteles. Ib. 
[223] Ib.; zu: „der Gerechte ist sein eigener Ankläger". Heutige Therapeuten raten aber davon ab, sich selbst anzuklagen; sogenannte "Mind-Body-Medizin-Gesundheitstherapeutinnen" bieten stattdessen Seminare an in achtsamkeitsbasierter Stressreduktion ("MBSR - Mindfulness-Based Stress Reduction"), eine auf säkulare Bedürfnisse abgestimmte Meditationspraxis zum Führungskräftetraining. Durch MBSR kann diese amerikanische Art der Wissenschaft weiter optimiert werden, denn die Kernformel lautet: "es ist wie es ist". Dadurch sei man grenzenlos für den Arbeitgeber verfügbar und stelle keine dummen Fragen, vgl. Science Review Letters 2015, 14, Nr. 645 und Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 2015, Nr. 44, p.21; zu richtig verstandener Achtsamkeit vgl. Abschnitt und Anm. 51 ff. sowie Kurs Nr. 567 Gottfried Wilhelm Leibniz.  Ib
[224] Ib.
[225] Ib.; zu: Unter Sündern sind natürlich auch die gemeint, die gegen den heiligen Geist lästern wie die Muslime: "Dem Sünder soll man nicht helfen, um ihn in seiner Sünde zu stärken," vgl. Anm. 253 f. und Thomas von Aquin s.th. II-II und Kurs Nr. 582 St.Thomas Aquinas IV, Ib.
[226] Ib.
[227] Ib.
[228] Ib.
[229] Ib.; zu: Ambrosius meint, man könne unter dem Reichen auch die Häretiker wie die Muslime oder auch die agnostischen Weltweisen verstehen, "die am reichen Wortschwall und sozusagen am Erbe überschwenglicher Redefertigkeit sich ergötzen, über die schlichte Lehre des wahren Glaubens sich hinwegsetzen und so unnütze Schätze bergen. Dünkt dir nicht der nächstbeste Häretiker, wenn du ihn nach weltlichem Brauch über den Ursprung des Herrn disputieren hörst, reich an Worten, arm an Kräften?" vgl. Anm. 48 und 160
[230] Ib.
[231] Ib.
[232] Ib.; zu: "nichtsnutzige" und ebenfalls unreife Frucht der Moschee vgl. Abschnitt und Anm. 7, 38 f., 70, 83, 162, 176, 207; zur wahren Philosophieim Gegensatz zu der der Agnostiker und Muslime  vgl. Anm. 74 und 213
[233] Ib.
[234] Ib.
[235] Ib.
[236] Ib.; zu: "Es verrät entweder Frivolität, einem, den man nicht kennt, göttliche Eigenschaften beizulegen, oder Gottlosigkeit, am Gottessohn irre geworden zu sein. Nein, auf einen solchen Propheten fällt nicht der Verdacht so großen Irrtums." Nur die Gottlosigkeit eines Mohammed kann einen so großen Irrtum begehen, vgl. Anm. 213
[237] Ib.
[238] Ib.
[239] Ib.
[240] Ib.
[241] Ib.; zu: "die keinerlei Frucht ausgereifter Gerechtigkeit an sich tragen" wie man in islamischen Ländern heute beobachten kann, vgl. Anm. 68 ff., 152
[242] Ib
[243] Ib
[244] Ib
[245] Ib; zu: "So entriss die Kirche der Synagoge das Reich. Mein Reich ist Christus. Den Juden entreiße ich ihn, der unter dem Gesetze gesendet, innerhalb des Gesetzes geboren, nach dem Gesetze auferzogen ward um mich, der ohne das Gesetz war, zu retten." Heute muss die Kirche deutlich machen, dass ihr Reich Christus ist, und dass die Feinde der christlichen Kirche vor allem bei Mohammed, seinen Moscheen und dem Götzen Allah zu suchen sind. Ambrosius macht deutlich, dass Christus "nicht auf dem Weg der Erbschaft erkannt, sondern durch Adoption erworben wird," vgl. Anm. 155, 206 f.
[246] VI, 1 ff;
[246] Ib.; zur sakralen Musik vgl. Anm. 10, 171 und 246 ff
[247] Ib.
[248] Ib.
[249] Ib.; zu: Auch islamische Rapper und Theatergruppen wie die Hildesheimer Theatergruppe Markus & Markus versuchen "nach Gauklerart" die Irrlehre des Islams zu verbreiten, vgl. FAZ 2019, Nr. 65
[250] Ib. 
[251] Ib.
[252] Ib.
[253] Ib.; zu: Der Satz des Ambrosius: "der Herr aber stellte den Glauben über die Barmherzigkeit, die nur dann verdienstlich ist, wenn ihrer Betätigung der Glaube vorausgeht" wird weder von den Muslimen noch von Agnostikern z.B. in Deutschland verstanden, die zwar Geld spenden, sich aber nicht um den Geist bzw. den Glauben kümmern. So haben auch die Almosen der Muslime keinen Wert, da sie ohne Geist, d.h. ohne den Glauben gegeben werden. Auch Spenden an islamische Hilfsorganisationen oder islamische Familien taugt nichts, wenn damit der Irrglaube unterstützt wird, vgl. Anm. 135 und 225 
[254] Ib. 
[255] Ib.
[256] Ib.
 
 
 
 
 
 
 

Zur Philosophie und Kultugeschichte des Mittelalters, der Schule von Chartres und der Renaissance vgl. Kurse: Nr. 581 Bernhard von Chartres, Nr. 580 Wilhelm von Conches, Nr. 579 Albertus Magnus, Nr. 578 Pierre Abaelard, Nr. 574 Johannes von Salisbury, Nr. 577 Petrus Lombardus, Nr. 576 Gilbert de la Porrée / Gilbert von Poitiers, Nr. 565 Johannes Scotus Eriugena, Nr. 575 Thierry de ChartresNr. 571 Alanus ab Insulis, Nr. 572 Anselm von Canterbury, Nr. 570 Hilarius von Poitiers, Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher I, Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher II, Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher III, Nr. 564 St. Ambrosius, Nr. 564 St. Augustinus, Nr. 500 Thomas von Aquin I: Summa contra Gentiles, Nr. 501 St.Thomas Aquinas II: Summa Theol., Nr. 502 St.Thomas Aquinas III, Nr. 582 St.Thomas Aquinas IV, Nr. 583 St.Thomas Aquinas V, Nr. 566 Meister Eckhart , Nr. 562 Dante, Nr. 320 Romanische Kunst und Architektur , Nr. 325 Kunst und Architektur der Gothik, Nr. 326 Kunst und Architektur der Renaissance, Nr. 350 Byzantinische Kunst und Architektur. Akademie der Kunst und Philosophie
 
 


In this 15th-century fresco by Piero della Francesca, Helena (left) supervises the unearthing of the True Cross from the place of its secret burial


Piero della Francesca, Storie della Vera croce, Battaglia di Eraclito e Cosroè, Arezzo
 


Raffaello Sanzio, Vertreibung des Heliodor, 1511, Rom, Vatikan, Stanza di Eliodoro


La Madonna D’Alba Di Raffaello Sanzio di Urbino 1511, National Gallery of Art ,Washington USA
 


Hagia Sophia zur Zeit des Byzantinischen Reiches

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Letzte Bearbeitung:21.03.2019