Akademie der Kunst und Philosophie
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Kurs Nr. 563

Miguel de Cervantes Saavedra - Philosopher, Poet, Dramatist and Novellist


"Auch dieser ist ein Ritter, einer von Christi Heerscharen, er heisst Don Santiago der Maurentöter, einer der streitbarsten Heiligen und Ritter, welche die Welt besessen hat und der Himmel jetzt besitzt.... Bedenke, diesen mächtigen Ritter vom roten Kreuze hat Gott unserem Spanien als Schutzheiligen gegeben, zumal in den harten Kampfesnöten, die die Spanier mit den Mauren bestanden; und darum rufen sie ihn an und schreien zu ihm als ihrem Verteidiger in allen Schlachten, die sie schlagen, in denen man ihn oft mit Augen gesehen, wie er die Heerhaufen der Araber niederwarf, zu Boden trat, vernichtete und in den Tod schickte." - Miguel de Cervantes
Miguel de Cervantes Saavedra 

 

 
 
 
 
 

 

Aus dem Inhalt:
 

Miguel de Cervantes Saavedra wurde am 29.09.1547 in Alcalá de Henares geboren, gestorben ist er am 23.04.1616 in Madrid. Miguel de Cervantes Saavedra wird 1547 in Alcalá de Henares als viertes von sieben Kindern einer verarmten Adelsfamilie (Hidalgo) geboren. Sein Vater war vermutlich Arzt und lebte mit seiner Familie in verschiedenen Städten (Valladolid, Córdoba, Sevilla, Madrid). Cervantes studiert in Salamanca und Madrid Theologie und fällt schon in seiner Jugend durch seine außerordentliche literarische Begabung auf. 1569 geht er als Kammerdiener mit dem Kardinal Giulio Acquaviva nach Rom, vermutlich nicht zuletzt, weil gegen ihn wegen der Verletzung eines Gegners im Duell ein königlicher Haftbefehl erlassen wird. Im Alter von 22 Jahren verpflichtet er sich als Soldat im spanischen Heer und nimmt an der Seeschlacht von Lepanto (1571) teil, in der Juan de Austria gegen die Türken unter Selim II. kämpfte. Er trägt eine schwere Verwundung an der linken Hand davon, die ihm den Namen »el manco« einbringt. Zusammen mit seinem Bruder Rodrigo wird er 1575 auf der Rückreise nach Spanien von Piraten gefangen genommen und nach Algerien verschleppt. Wiederholt versucht er trotz Ketten, Misshandlungen und schweren Strafen zu flüchten. Er muss fünf Jahre in Gefangenschaft leben; das Lösegeld, das für ihn gefordert wird, war sehr hoch angesetzt und die Familie konnte das Geld nicht aufbringen. Durch Zahlung einer hohen Summe unter Vermittlung des Trinitarierordens kommt er schließlich frei und kehrt nach Spanien zurück. Er bekommt bei seiner Rückkehr kein Entgelt für seine Dienste und Opfer. Sein Wunsch, vom Schreiben von Theaterstücken leben zu können, erfüllt sich nicht und so verdingt er sich von 1580 bis 1583 wieder als Soldat, unter anderem bei dem König von Portugal. Im Jahre 1584 erscheint sein erster Roman in Prosa, »La primera parte de la Galatea«, ein Schäferroman, der dem damaligen Zeitgeschmack entspricht. Mit 37 Jahren heiratet er, aber seine Ehe wird nicht glücklich. Er wird Agent, Kaufmann und gewinnt schließlich in Sevilla einen Beamtenposten als Aufkäufer und Lieferant für die spanische Kriegsflotte, die Armada. Nach misslungenen Geschäften landet er 1597/98 und 1602 in Schuldhaft, während der er an seinem großen Roman Don Quijote zu schreiben beginnt. 1604 geht er nach Valladolid, wo er sich schuldlos in einen Mordprozess verwickelt sieht. Nach dem Beweis seiner Unschuld kehrt er nach Madrid zurück und veröffentlicht 1605 den ersten Band des Don Quijote. Cervantes erreicht schnell öffentliche Berühmtheit, aber der Gewinn aus seinem Werk bleibt in den Händen des Verlegers und der Nachdrucker. In Einsamkeit und Armut entwickelt er eine große literarische Aktivität und veröffentlicht 1615 den zweiten Band des Don Quijote. [1]
 

"Manco de Lepanto"

In den Ländern, die die Osmanen bzw. Mauren erfolgreich zurückgedrängt haben wie Italien und Spanien sind die Schriftsteller noch lange stolz darauf, dass sie mitgekämpft hatten. Cervantes hatte eine Wunde in der Seeschlacht von Lepanto erhalten, die er fortan als "Manco de Lepanto" bezeichnete. Letztlich hatten die Christen, wie in der Seeschlacht von Lepanto vor über 400 Jahren, die Osmanen (Türken) immer wieder erfolgreich zurückgedrängt. Lepanto, griechisch Nafpaktos, hieß die Festung, die den nördlichen Zugang zum Golf von Patras bewacht. Sie gab der berühmten Schlacht den Namen, bei der am 7. Oktober 1571 die Heilige Liga, bestehend aus Spanien, den Maltesern, dem Heiligen Stuhl und den italienischen Seemächten, die türkische Flotte unter Großadmiral Ali Pascha vernichtend geschlagen hatte. Befehlshaber der christlichen Streitkräfte war Don Juan de Austria, ein Sohn Karls V. aus dessen Verbindung mit einer Regensburger Bürgerstochter. Der Sieg wurde in ganz Europa mit Glockengeläut gefeiert, im Dogenpalast von Venedig wird die Schlacht auf einem riesigen Gemälde (Untergang des Morgenlandes von Vassilachi) festgehalten. Die christlichen Streitkräfte erwiesen sich als disziplinierter und stärker. Die Türken verloren fast alle 300 Schiffe, die Liga nur zwölf. Und sie befreite bis zu 20.000 Christen, die als Galeerensklaven für die Türken hatten rudern müssen. Die Charakterisierung der muslimischen Osmanen und Mauren fällt natürlich entsprechend negativ aus, hat aber von ihrer Aktualität bis heute nichts verloren; ihre Denkweise schlug sich in den Sprichwörtern der damaligen Zeit nieder [2]: 
"Es kommt mir vor, Anselmo, du zeigest jetzt dieselbe Denkweise wie stets die Mauren, denen man den Irrweg ihrer Sekte weder mit Stellen aus der Heiligen Schrift begreiflich machen kann noch mit Gründen, die auf Vernunftschlüssen beruhen oder sich auf Glaubensartikel stützen; vielmehr muß man ihnen handgreifliche, verständliche, bündige, unzweifelhafte Beispiele beibringen nebst mathematischen Beweisen, die nicht zu leugnen sind, wie wenn man den Satz aufstellt: ›Wenn wir von zwei gleichen Größen gleiche Größen abziehen, so sind die übriggebliebenen ebenfalls gleich.‹ Und wenn sie dies in Worten nicht verstehen – und sie verstehen es wirklich nicht –, muß man sie es mit den Händen greifen lassen und es ihnen vor Augen stellen; und mit all diesem kann dennoch niemand sie von den Wahrheiten unsres heiligen Glaubens überzeugen. Dieselbe Art und Weise werde ich bei dir anwenden müssen; denn das Verlangen, das in dir entstanden, ist eine solche Verirrung und liegt so abseits von allem, was nur eine Spur vom Vernünftigen an sich hat, daß es meiner Meinung nach Zeitverschwendung wäre, dir deine Einfalt – denn ich will ihr für jetzt keinen andern Namen geben – begreiflich zu machen." - Miguel de Cervantes, Don Quijote I, 33
Wer von islamischen Seeräubern bzw. Türken versklavt wurde, hatte nichts zu lachen. Cervantes erzählt, was passieren kann: "Ich schiffte mich in Alicante ein, gelangte auf glücklicher Fahrt nach Genua, reiste von da nach Mailand, wo ich mir Waffen besorgte, so auch etlichen Staat, wie ein Soldat ihn brauchen kann. Von dort wollte ich nach Piemont, um mich anwerben zu lassen, und als ich schon auf dem Wege nach Alessandria de la Palla war, kam mir die Nachricht, der große Herzog von Alba sei eben unterwegs nach Flandern. Ich änderte meinen Vorsatz, wandte mich zu ihm und diente unter ihm in den Schlachten, die er schlug. Ich war zugegen bei der Hinrichtung der Grafen Egmont und Hoorn und brachte es zum Fähnrich bei einem berühmten Hauptmann aus Guadalajara namens Diego de Urbina. Einige Zeit nach meiner Ankunft in Flandern erhielt man Nachricht von dem Bündnis, welches seine Heiligkeit der Papst Pius der Fünfte seligen Gedächtnisses mit Venedig und Spanien gegen den gemeinschaftlichen Feind, die Türken, geschlossen hatte, der zur nämlichen Zeit mit seiner Kriegsflotte die unter der Herrschaft der Venezianer stehende berühmte Insel Zypern erobert hatte, ein beklagenswerter und schmerzlicher Verlust! Man erfuhr mit Gewissheit, dass dieser Bund den erlauchten Don Juan de Austria, den natürlichen Bruder unseres trefflichen Königs Don Felipe, zum Oberfeldherrn hatte, und allgemein verbreitete sich die Kunde von den gewaltigen Kriegsrüstungen. All dieses erregte und entzündete in mir die Tatenlust und den Wunsch, den erwarteten Feldzug mitzumachen, und obschon ich Aussichten, ja beinahe feste Zusagen hatte, bei der ersten Gelegenheit zum Hauptmann befördert zu werden, drängte es mich, alles im Stiche zu lassen und nach Italien zu gehen, was ich auch wirklich tat. Mein Glück wollte, dass Señor Don Juan de Austria eben in Genua angekommen war, auf der Reise nach Neapel begriffen, um seine Kriegsflotte mit der venezianischen zu vereinigen, wie er dies denn auch späterhin bei Messina tat. Kurz, ich nahm teil an jenem ruhmvollen Feldzug, nachdem ich schon Hauptmann beim Fußvolk geworden, zu welchem Ehrenposten mehr mein Glück als mein Verdienst mich erhob. Und an jenem Tage, der für die Christenheit ein so glücklicher war, weil an ihm die Welt und alle Nationen aus dem irrigen Glauben gerissen wurden, die Türken seien zur See unbesiegbar, an jenem Tage, sag ich, wo der ottomanische Stolz und Hochmut gebrochen wurde, da war unter all den Glücklichen dort – denn glücklich waren auch die Christen, die dort fielen, ja noch glücklicher, als die den Sieg und das Leben davontrugen – ich der einzige Unglückliche; denn statt eine Schiffskrone zu empfangen, die mir gewiss zuteil geworden wäre, hätte ich zur Zeit der Römer gelebt, sah ich mich in der Nacht, die auf einen so ruhmreichen Tag folgte, mit Ketten an den Füßen und mit Handschellen gefesselt. Und dies trug sich folgendermaßen zu: Uludsch-Alí, König von Algier, ein verwegener und glücklicher Seeräuber, hatte die Admiralsgaleere von Malta angegriffen und überwältigt, und es waren in derselben nur drei Ritter am Leben geblieben, alle drei schwer verwundet. Da kam ihr Juan Andreas Admiralsschiff zu Hilfe, auf dem ich mich mit meinem Fähnlein befand. Ich tat, was in solchem Falle meine Pflicht war, und sprang an Bord der feindlichen Galeere; aber diese kam von dem angreifenden Schiffe los und hinderte so meine Soldaten, mir zu folgen. So fand ich mich allein unter meinen Feinden, gegen die ich nichts vermochte, da ihrer zu viele waren. Sie überwältigten mich, und mit Wunden bedeckt blieb ich als Gefangener in der Gewalt von Uludsch-Alí, der ja, wie ihr wohl wisst, mit seinem ganzen Geschwader entkam. So war ich der einzige Traurige unter soviel Fröhlichen und der einzige Gefangene unter soviel Befreiten; denn es waren fünfzehntausend Christen, die an diesem Tage die ersehnte Freiheit erlangten; alle waren auf den Ruderbänken der türkischen Flotte Sklaven gewesen. Ich wurde nach Konstantinopel gebracht, wo der Großtürke Selim meinen Herrn zum Admiral ernannte, weil er seine Schuldigkeit in der Schlacht getan und als Denkzeichen seiner Tapferkeit die Standarte des Malteserordens mitgebracht hatte. Im folgenden Jahre, 1572, befand ich mich vor Navarino, wo ich an Bord der »Drei Laternen«, des Admiralsschiffes, rudern musste. Ich sah und merkte mir, wie man damals die Gelegenheit versäumte, die ganze türkische Kriegsflotte im Hafen wegzunehmen, da alle Seesoldaten und Janitscharen, die an Bord waren, es für gewiß hielten, dass man sie im Hafen selbst angreifen werde, und ihr Gepäck und ihre Pasamakis, das heißt ihre Schuhe, schon bereit hielten, um sofort zu Lande zu entfliehen, ohne sich in einen Kampf einzulassen: so groß war ihre Furcht vor unserer Flotte. Allein der Himmel fügte es anders, nicht aus Verschulden oder Lässigkeit unseres Feldherrn, sondern um der Sünden der Christenheit willen, und weil Gott will und zulässt, dass wir stets Peiniger haben, uns zu züchtigen. So kam es, dass Uludsch-Alí sich nach Modón zurückziehen konnte, einer Seestadt nahe bei Navarino; er setzte seine Leute ans Land, befestigte den Eingang zum Hafen und hielt sich ruhig, bis Don Juan wieder absegelte. Bei dieser Fahrt ward eine Galeere erobert, welche den Namen »Die Prise« bekam und deren Schiffshauptmann ein Enkel jenes berühmten Korsaren Barbarossa war. Die »Wölfin« nahm sie weg, das neapolitanische Admiralsschiff, welches jener Donnerstrahl des Krieges befehligte, jener Vater der Soldaten, der glückliche und nie besiegte Feldherr Don Alvaro de Bazán, Marquis de Santa Cruz. Und ich will hier nicht zu erzählen unterlassen, was dabei vorging, als die »Prise« zur Prise gemacht wurde. Der Enkel Barbarossas war so grausam und misshandelte seine Gefangenen so arg, dass die Ruderknechte, sobald sie sahen, dass die »Wölfin« auf das Schiff lossteuerte und es schon erreichte, alle gleichzeitig die Ruder fallen ließen, ihren Schiffshauptmann ergriffen, der auf der Kommandobrücke stand und ihnen zurief, sie sollten schneller rudern; sie warfen ihn von Bank zu Bank, vom Heck des Schiffs bis zum Bug und versetzten ihm solche Bisse, dass seine Seele zur Hölle fuhr, kaum dass er am Hauptmast vorüber war. So groß war, wie ich schon gesagt, die Grausamkeit, mit der er sie behandelt hatte, und ihr Hass gegen ihn. Wir segelten nach Konstantinopel zurück, und dort erfuhr man im folgenden Jahre, dass Don Juan Tunis erobert, das Königreich den Türken entrissen und dort Mulei Hamet eingesetzt hatte, wodurch er dem Mulei Hamida, dem grausamsten und tapfersten Mauren, den die Welt je gesehen, die Hoffnung abschnitt, wieder auf den Thron dieses Landes zurückzukehren. Dieser Verlust ging dem Großtürken sehr nahe, und mit jener Schlauheit, die allen Gliedern seiner Familie angeboren ist, schloß er jetzt Frieden mit den Venezianern, welche ihn noch weit mehr wünschten als er selbst, und griff im folgenden Jahre vierundsiebenzig Goleta an und die große Feste, die Don Juan bei Tunis mitten im Bau unvollendet gelassen hatte. All diese Fährlichkeiten machte ich auf der Ruderbank mit, ohne Hoffnung auf eine mögliche Befreiung; wenigstens konnte ich nicht hoffen, diese durch Loskauf zu erlangen, da ich entschlossen war, meinem Vater nichts von meinem Missgeschick zu schreiben. Endlich ging Goleta verloren, die neue Feste ging verloren, gegen welche Plätze fünfundsiebenzigtausend Mann türkischer Soldtruppen im Feld standen, nebst mehr als viermalhunderttausend Mauren und Arabern aus ganz Afrika, welche große Anzahl Volks mit so viel Kriegsvorrat und Geschütz versehen war und so viel Schanzarbeiter zählte, dass sie schon mit den Händen allein genug Erdklumpen hätten werfen können, um Goleta und die neue Feste völlig zu überschütten. Zuerst fiel Goleta, das bis dahin für unbezwinglich gegolten, und es fiel nicht durch Schuld seiner Verteidiger, die alles zur Verteidigung taten, was ihre Schuldigkeit und in ihrer Macht war, sondern weil die Erfahrung zeigte, wie leicht Laufgräben in diesem wüsten Sandboden anzulegen waren; denn während die Unsern glaubten, man stoße schon zwei Fuß tief auf Wasser, so fanden die Türken in einer Tiefe von zwei Ellen noch keins, und so errichteten sie mit Sandsäcken längs der Laufgräben so hohe Schanzwerke, dass sie die Festungsmauern überragten, und da sie diese von oben herab beschossen, so konnten die Verteidiger auf die Dauer nicht standhalten." [3]

Man wusste früher, dass man muslimischen Arabern bzw. Türken nicht trauen konnte, wer ihnen dennoch vertraute, musste mit Zwischenfällen rechnen: "Die Araber schnitten ihm den Kopf ab und brachten ihn zum Befehlshaber der türkischen Flotte"; auch im heutigen Europa wurden schon Firmenchefs, die ihren muslimischen Angestellten vertrauten, geköpft: Dazu Cervantes: "Auch die neue Feste fiel, aber die Türken konnten sie nur Schritt für Schritt erobern; denn die Soldaten, die sie verteidigten, kämpften so tapfer und heldenmütig, dass sie in zweiundzwanzig Hauptstürmen, die man gegen sie unternahm, mehr als fünfundzwanzigtausend Feinde erschlugen. Von den dreihundert der Unsrigen, die am Leben blieben, fiel keiner unverwundet in ihre Hände, ein untrüglicher Beweis, wie mutig und mannhaft sie sich gehalten und wie gut sie die ihnen anvertrauten Plätze verteidigt und behauptet hatten. Dann ergab sich ein kleines Festungswerk, ein Turm, der mitten im See lag und unter dem Befehl des Don Juan Zanoguera stand, eines Edelmanns und berühmten Kriegshelden aus Valencia. Die Türken nahmen Don Juan Puertocarrero gefangen, den Befehlshaber von Goleta, der alles mögliche getan hatte, um seine Festung zu verteidigen, und dem ihr Verlust so zu Herzen ging, dass er aus Kummer auf dem Wege nach Konstantinopel starb, wohin man ihn gefangen führte. Auch der Befehlshaber der neuen Feste fiel in ihre Hand, namens Gabrio Serbelloni, ein Mailänder Edelmann, ein ausgezeichneter Ingenieur und überaus tapferer Kriegsmann. In beiden Festungen verloren viele Männer von Bedeutung das Leben, unter ihnen Pagán Doria, Ritter des Johanniterordens, von hochherziger Gesinnung, wie es die großartige Freigebigkeit bewies, die er gegen seinen Bruder übte, den berühmten Juan Andrea Doria; und was seinen Tod besonders beklagenswert machte, war, dass er durch ein paar Araber umgebracht wurde, denen er sein Vertrauen geschenkt hatte, als er die Feste schon verloren sah. Sie hatten sich erboten, ihn in maurischer Tracht nach Tabarca zu bringen, einem kleinen Hafen oder einer Niederlassung, welche die Genuesen zur Betreibung der Korallenfischerei an jenen Gestaden besitzen. Die Araber schnitten ihm den Kopf ab und brachten ihn zum Befehlshaber der türkischen Flotte; dieser aber machte an ihnen unser kastilianisches Sprichwort wahr, dass man den Verrat liebt und den Verräter haßt, und demgemäß, so wird erzählt, ließ der Befehlshaber die Leute aufknüpfen, die ihm das Geschenk brachten, weil sie ihm den Mann nicht lebend gebracht hätten. Unter den Christen, die in der Feste in Gefangenschaft gerieten, war einer namens Pedro de Aguilar, gebürtig aus, ich weiß nicht welchem Ort in Andalusien, welcher Unterbefehlshaber in der Feste gewesen, ein Kriegsmann von großer Bedeutung und seltenem Geiste; namentlich leistete er Vorzügliches in jener Kunst des Schreibens, die die poetische genannt wird. Ich hebe dies hervor, weil sein Schicksal ihn auf meine Galeere und auf meine Ruderbank führte und in den Sklavendienst unter demselben Herrn. Noch ehe wir aus jenem Hafen absegelten, dichtete dieser Edelmann zwei Sonette in der Art eines Nachrufs, das eine auf Goleta und das andre auf die neue Feste; und ich muss sie euch wirklich vortragen, denn ich weiß sie auswendig und glaube, sie werden euch eher Vergnügen als Langeweile verursachen.« Im Augenblick, wo der Maurensklave Don Pedro de Aguilars Namen aussprach, blickte Don Fernando seine Begleiter an, und alle drei lächelten; und als er an die Erwähnung der Sonette kam, sagte der eine: »Bevor Ihr fortfahrt, bitte Ich Euch, mir zu sagen, was aus dem Don Pedro de Aguilar, den Ihr genannt habt, geworden ist.« »Was ich weiß«, sagte der Sklave, »ist nur, dass er nach Verfluss von zwei Jahren, die er in Konstantinopel zubrachte, in der Tracht eines Arnauten mit einem griechischen Spion entfloh; ich habe nicht in Erfahrung gebracht, ob er seine Freiheit erlangt hat, wiewohl ich es allerdings glaube; denn ein Jahr später sah ich den Griechen in Konstantinopel, konnte ihn aber nicht nach dem Ausgang ihres Unternehmens fragen.« [4]

Grausamkeiten der Türken gegen Christen, wie sie vor allem später von Schriftstellern beschrieben wurden wie Voltaire, Lord Byron, Goethe, Schiller, Hölderlin, Ludwig Tieck, Victor Hugo, Percy Bysshe Shelly, Johann Ludwig Wilhelm Müller, Franz Werfel, waren auch Cervantes bekannt. Er spricht von "Grausamkeiten", die der Moslem gegen die Christen verübte: "Er ließ jeden Tag seinen Mann aufknüpfen, ließ einen pfählen, dem anderen die Ohren abschneiden, und dies aus so geringfügigen Gründen oder so gänzlich ohne Grund, dass sogar die Türken einsahen, er tue es nur um des Tötens willen und weil er von Natur darauf angelegt war, der Schlächter des ganzen Menschengeschlechts zu sein." [5]
 

Lela Marién

"Dass man Wahrheit von den Mauren nicht erwarten könne, da sie sämtlich Betrüger, Fälscher und Schwindler sind... Verlass dich auf keinen Mauren, denn sie sind alle Schurken." - Miguel de Cervantes, Don Quijote I, 40
"O Mahomet, Verräter, treuloser betrügerischer Hund, was hast du mich, da du meine Hoffnungen begünstigen solltest, hintergangen! Sag', du Hund, du falscher Prophet, hatte ich dir nicht versprochen, ein Bild von dir ganz aus Gold fertigen zu lassen, wenn du mir an einem Tage, wie diesem, den Sieg verliehest, und Weihrauch in Menge auf deinen Altären zu verbrennen? Warum hast du mich treulos im Stiche gelassen? Aber bei dem lebendigen Gotte, du Lügenprophet, dir zur Schande will ich Christ werden; denn der Christen Gesetz ist besser als dein schlechter Irrglaube! Und das will ich halten als ein Ritter und deinem Namen fluchen, wo immer ich ihn höre!" - Ginés Pérez de Hita, Historia de las guerras civiles de Granada 10

"Und da ich sah, dass das Glück ihn so nach seinem Begehren begünstigte, und bedachte, wie sehr es mir bei einer solchen Gelegenheit zuwider war, verfiel ich in tiefe Traurigkeit und Verzweiflung, solcher Art, dass ich niedergeschlagen einige Tage lang im Bette blieb und tausendmal meinem Lose und der Falschheit Mahomets fluchte, weil er mir an einem solchen Tage so entgegen gewesen war. Und müsst wissen, mein Glück, dass ich als Ritter gelobt habe, Christ zu werden, und will es halten oder sterben. Denn gewisslich halte ich den Christenglauben für besser als die Albernheit unserer Gebräuche und die Lehre Mahomets. Und wenn Ihr, mein Glück, mich so sehr liebt, wie Ihr sagt, müsst Ihr desgleichen Christin werden; und werdet nichts dabei verlieren, sondern vieles gewinnen, denn Gott wird uns beistehen. Und ich weiß, dass der König Don Fernando uns großen Dank dafür erzeigen wird. – Damit schwieg Sarrazino und wartete, was die schöne Galiana ihm auf seine Worte entgegnen möchte, welche ohne viel Bedenken sagte: Gebieter, in nichts kann ich mich von Eurem Willen entfernen, sondern ich will ihm folgen in allem und zu allem. Ihr seid mein Herr und Gatte, und weniger kann ich nicht tun, als Euren Schritten folgen; und solches um so mehr, als ich wohl weiß, dass der Christenglaube besser ist als der Alkoran: so verspreche ich Euch denn Christin zu werden." -  Ginés Pérez de Hita, Historia de las guerras civiles de Granada, 10


Es gab durchaus Mauren, die Christen werden wollten, wie schon Ginés Pérez de Hita berichtete (s.o.). In seinem Don Quijote zitiert Cervantes aus dem Brief einer Maurin: "Als ich noch ein Kind war, hatte mein Vater eine Sklavin, welche mich das christliche Gebet in meiner Muttersprache lehrte und mir vieles von Lela Marién sagte. Die Christin ist gestorben und ist nicht ins Ewige Feuer gekommen" wie die Moslems, sondern zum richtigen Gott. "Sie ist mir seitdem zweimal erschienen, und sie sagte mir, ich möchte in ein Christenland gehen, um Lela Mariéns Anblick zu genießen... Ich weiß nicht, wie ich hinkommen soll. Ich habe aus diesem Fenster viele Christen gesehen, aber keiner schien mir ein Edelmann als du allein. Ich bin sehr schön und jung und habe vieles Geld zum Mitnehmen. Sieh zu, ob du ein Mittel findest, wie wir fort können, und dorten sollst du mein Ehemann werden, wenn du willst; willst du aber nicht, so macht es mir nichts aus; denn Lela Marién wird mir schon einen Gemahl verschaffen. Ich habe dies geschrieben, erwäge sorgsam, wem du es zu lesen gibst. Verlass dich auf keinen Mauren, denn sie sind alle Schurken. Darob habe ich große Bekümmernis, weil ich wünschte, du möchtest dich keinem entdecken; denn wenn mein Vater es erfährt, wird er mich gleich in einen Brunnen werfen und mich mit Steinen verschütten. An den Rohrstab werde ich einen Faden knüpfen, daran binde deine Antwort; und wenn du keinen hast, der sie dir auf arabisch niederschreibt, so sage mir alles durch Zeichen; Lela Marién wird schaffen, dass ich dich verstehe." [6]

Was der Maurin, die im Gegensatz zum heutigen Papst den Unterschied zwischen dem muslimischen Allah und dem christlichen "Allah" kannte, zur Antwort wurde, war das Folgende: "Der wahre Allah behüte dich und jene gebenedeite Lela Marién, welche die wahre Mutter Gottes und die nämliche ist, die es dir ins Herz gelegt, nach christlichen Landen zu ziehen, weil sie dich innig liebt. Bitte du sie, sie wolle dir gnädigst eingeben, wie du ins Werk setzen mögest, was sie dir gebeut; sie ist so voller Güte, dass sie es gewiss tun wird. Meinerseits, wie von seiten all der Christen, die sich mit mir hier befinden, biete ich dir an, alles, was in unsern Kräften steht, für dich zu tun, und sollte es uns das Leben kosten. Unterlass nicht, zu schreiben und mir Nachricht zu geben, was du zu tun gedenkst. Ich werde dir stets antworten; denn der große Allah hat uns einen Christensklaven zur Seite gegeben, der deine Sprache so gut spricht und schreibt, wie du aus diesem Briefe ersehen wirst. So kannst du uns denn ohne Besorgnis von allem, was du willst, Kunde geben. Auf deine Äußerung: wenn du in Christenlande gelangtest, wollest du mein Weib werden – das verspreche ich dir als ein guter Christ, und wisse, dass die Christen ihre Versprechungen besser halten als die Mauren." [7]

Als dieser Brief geschrieben und verschlossen war, "wartete ich zwei Tage, bis das Bagno menschenleer war wie so häufig, und dann begab ich mich sogleich zum gewohnten Gang auf die Böschung, um zu sehen, ob der Stab zum Vorschein komme; und wirklich zögerte er nicht lange, sich zu zeigen. Sobald ich ihn erblickte, obschon ich nicht sehen konnte, wer ihn heraushielt, zeigte ich den Brief, womit ich zu verstehen geben wollte, man solle den Faden daran befestigen; aber er hing bereits am Stabe herab, und ich band den Brief an den Faden. Bald darauf erschien aufs neue unser Stern mit dem weißen Friedensbanner des Bündelchens. Man ließ es herunterfallen, ich hob es auf und fand in dem Tuche mehr als fünfzig Taler an silberner und goldener Münze von aller Art, welche mehr als fünfzigmal unsre Freude verdoppelten und unsre Freiheitshoffnung kräftigten. Am nämlichen Abend kam der Renegat wieder und sagte uns, er habe erfahren, dass in diesem Haus der nämliche Maure wohne, von dem man uns schon gesagt hatte, dass er Hadschí Murad heiße, ein außerordentlich reicher Mann; dieser besitze eine einzige Tochter, die Erbin seines ganzen Vermögens, und sie gelte in der ganzen Stadt als das schönste Weib in der ganzen Berberei; viele von den hieherkommenden Unterkönigen hätten sie zur Ehefrau begehrt, sie hätte sich aber niemals verheiraten wollen. Auch habe er gehört, dass sie eine Christensklavin gehabt, diese sei jedoch schon gestorben. Dies alles stimmte mit dem Inhalt des Briefes überein. Wir traten sogleich mit dem Renegaten in Beratung darüber, welches Verfahren einzuschlagen sei, damit wir die Maurin entführen und selber alle auf christliches Gebiet entkommen könnten, und endlich einigten wir uns für jetzt dahin, eine zweite Nachricht von Zoraida abzuwarten, so nämlich hieß sie, die sich jetzt Maria nennen will. Denn wir sahen ein, dass sie allein und niemand sonst imstande sei, uns die Besiegung all dieser Schwierigkeiten zu ermöglichen. Nachdem wir alle so übereingekommen, sagte der Renegat, wir möchten unbesorgt sein, er wolle sein Leben daransetzen, uns die Freiheit zu verschaffen. Vier Tage hindurch war das Bagno voller Leute, was der Grund war, dass vier Tage lang der Stab sich nicht sehen ließ. Nach Verfluss derselben kam er während der gewohnten Einsamkeit des Bagnos wieder zum Vorschein mit einem Bündel, das so schwangeren Leibes war, dass es uns eine höchst glückliche Geburt verhieß. Wie früher neigten sich der Stab und das Bündel zu mir hernieder; ich fand darin wieder einen Brief und hundert Goldtaler ohne irgendeine andre Münze. Der Renegat war in der Nähe, wir begaben uns in unser Gefängnis, da ließen wir ihn den Brief lesen, und nach Angaben des Renegaten lautete er folgendermaßen: Ich weiß nicht, mein Gebieter, wie ich es anfangen soll, dass wir nach Spanien gelangen; auch hat Lela Marién mir es nicht gesagt, obschon ich sie darum befragt habe. Ich kann Euch nur aus diesem Fenster möglichst viel Goldstücke zuwerfen, damit könnt Ihr Euch und Eure Freunde loskaufen; und einer soll nach einem Christenlande gehen und dort eine Barke kaufen und zurückkehren, um die andern abzuholen. Mich wird man im Garten meines Vaters finden, der vor dem Tore Babazón nahe an der See liegt, wo ich diesen ganzen Sommer mit meinem Vater und meinen Dienern zubringen werde; von dort könnt Ihr mich nachts ohne Gefahr entführen und nach der Barke bringen. Und vergiss nicht, dass du mein Gemahl werden sollst, wo nicht, werde ich Marién bitten, dass sie dich bestraft. Wenn du zu keinem das Vertrauen hast, dass er den Ankauf der Barke besorge, so kaufe dich los und besorge es selbst; denn ich weiß, du wirst sicherer als jeder andre zurückkehren, da du ein Edelmann und Christ bist. Sorge dafür, dass du den Garten erfährst, und sobald du wieder hier auf und ab wandelst, werde ich daraus ersehen, dass das Bagno leer ist, und werde dir viel Geld geben.... Dieses stand im zweiten Briefe, dieses war sein Inhalt, und kaum hatten alle es vernommen, als ein jeder sich zum Loskauf drängte und versprach, hinzuziehen und mit aller Pünktlichkeit wiederzukehren. Auch ich erbot mich dazu. Allein der Renegat widersetzte sich allen derartigen Vorschlägen, indem er bemerkte, unter keiner Bedingung würde er dareinwilligen, dass einer frei werde, bis alle zusammen von dannen ziehen könnten; denn die Erfahrung habe ihn belehrt, wie schlecht die Freigewordenen ihr in der Gefangenschaft gegebenes Wort hielten. Oft hätten vornehme Personen unter den Gefangenen dieses Mittel angewendet, indem sie einen loskauften, damit er nach Valencia oder Mallorca gehe, mit hinreichendem Gelde versehen, um eine Barke auszurüsten und seine Befreier abzuholen; und nie seien sie zurückgekehrt, denn die erlangte Freiheit und die Furcht, sie wieder zu verlieren, löschten ihnen jede dankbare Verpflichtung aus dem Gedächtnis. Und zur Bekräftigung seiner Behauptung erzählte er uns in aller Kürze einen Fall, der sich gerade um diese Zeit mit christlichen Edelleuten zugetragen, den seltsamsten Fall, der je in diesen Landen vorgekommen, wo doch jeden Augenblick die staunenswertesten und wundersamsten Dinge sich ereignen. Endlich rückte er mit dem Rate heraus: was man tun könne, sei, ihm das Geld, das zum Loskauf eines Christen nötig sei, zu geben, um hier in Algier eine Barke anzuschaffen unter dem Vorwand, dass er Kaufmann werden und zu Tetuan und an der ganzen Küste Handel treiben wolle, und wenn er einmal Eigentümer der Barke sei, so falle es leicht, einen Plan zu entwerfen, wie man sie aus dem Bagno entführen und alle zu Schiff bringen könne, zumal wenn die Maurin, wie sie sage, Geld gebe, um sie alle loszukaufen. Denn sobald sie frei seien, würde es das leichteste Ding von der Welt sein, sich sogar mitten am Tage einzuschiffen. Die größte Schwierigkeit indessen bestehe darin, dass die Mauren einem Renegaten nicht gestatten, ein Schiff zu kaufen oder zu besitzen, außer einem großen Kaperkreuzer. Denn sie fürchten, dass, wer eine Barke kauft, besonders wenn es ein Spanier ist, sie nur zu dem Zweck haben will, um auf christliches Gebiet zu entkommen. Er aber werde diesem Übelstand dadurch abhelfen, dass er zusammen mit einem tagarinischen Mauren eine Barke kaufe und ihn am Gewinn des Handels beteilige, und unter diesem Deckmantel würde er doch zuletzt allein der Herr des Schiffes sein, womit sich alles übrige von selbst ausführen lasse. Obwohl es nun mir und meinen Gefährten besser schien, jemanden nach Mallorca zu senden, um dort, wie es die Maurin gewünscht; eine Barke zu holen, so wagten wir ihm doch nicht zu widersprechen, da wir fürchteten, wenn wir seinen Vorschlag ablehnten, könne er unser Geheimnis verraten und uns gar in Lebensgefahr bringen, falls er den Verkehr mit Zoraida offenbarte, für deren Leben wir alle das unsre gegeben hätten. So beschlossen wir denn, uns der Hand Gottes und des Renegaten anheimzugeben, und im nämlichen Augenblick antworteten wir auch Zoraida, wir würden alles tun, was sie anrate, denn sie habe so gute Vorschläge gemacht, als hätte Lela Marién es ihr eingegeben, und von ihr allein hänge es jetzt ab, die Sache zu verschieben oder sie sogleich ins Werk zu setzen. Ich erbot mich aufs neue, ihr Gemahl zu werden, und hierauf gab sie uns am folgenden Tage, wo das Bagno zufällig menschenleer war, in verschiedenen Sendungen mit Hilfe des Stabes und des Tüchleins zweitausend Goldtaler und dabei einen Brief, in dem sie sagte, am nächsten Dschuma, das heißt Freitag, werde sie in den Garten ihres Vaters hinausziehen, und bevor sie dahin gehe, werde sie uns noch mehr Geld geben. Wenn das nicht hinreichend sei, so möchten wir es ihr mitteilen, und sie würde uns geben, soviel wir von ihr verlangten; ihr Vater sei so reich, dass er es nicht vermissen werde, um so mehr, da sie die Schlüssel zu allem habe. Wir gaben dem Renegaten sogleich fünfhundert Goldtaler, um die Barke zu kaufen; mit achthundert verschaffte ich mir selbst meine Freiheit, indem ich das Geld einem valencianischen Kaufmanne gab, der sich um diese Zeit in Algier befand und mich vom Könige loskaufte. Er sagte gut für mich und setzte sein Wort zum Pfande, dass er bei der Ankunft des nächsten Schiffes aus Valencia mein Lösegeld bezahlen werde. Denn hätte er das Geld auf der Stelle gegeben, so hätte dies beim Könige den Verdacht erweckt, dass mein Lösegeld sich schon seit langer Zeit in Algier befinde und der Kaufmann es geheimgehalten habe, um Geschäfte zu machen. Kurz, mein Herr war so voller Ränke und Kniffe, dass ich unter keiner Bedingung es wagen mochte, ihn das Geld sofort einstecken zu lassen. Am Donnerstag, ehe die schöne Zoraida den Garten beziehen sollte, gab sie uns wiederum tausend Goldtaler, benachrichtigte uns von ihrer Übersiedlung und bat mich, sobald ich mich loskaufe, solle ich den Garten ihres Vaters erkunden und jedenfalls Gelegenheit suchen, hinzukommen und sie zu sprechen. Ich antwortete ihr mit wenigen Worten, ich würde es tun, und sie möchte nicht unterlassen, uns mit all jenen Gebeten, welche die Sklavin sie gelehrt, in Lela Mariéns Schutz zu befehlen. Hierauf wurde Anstalt getroffen, dass meine drei Gefährten sich ebenfalls loskauften, sowohl um ihnen das Verlassen des Bagnos zu ermöglichen als auch um zu verhüten, dass, wenn sie mich frei sähen und sich selber nicht, obwohl Geld dazu vorhanden war, sie nicht etwa in Aufregung geraten und der Teufel sie verleiten möchte, etwas zu Zoraidas Nachteil zu tun. Denn obschon der Umstand, dass sie Leute von gutem Hause waren, mich vor dieser Besorgnis sicherzustellen schien, so wollte ich trotzdem die ganze Sache nicht aufs Ungefähr hin wagen, und so ließ ich sie auf die nämliche Weise loskaufen wie mich selbst, indem ich das ganze Geld dem Kaufmann übergab, damit er mit um so größerer Sicherheit und Beruhigung die Bürgschaft übernehmen könne; jedoch vertrauten wir ihm wegen der damit verbundenen Gefahr nie unser Einverständnis und Geheimnis an. [8]
 

Auf der Flucht über das Meer, an den Korsaren vorbei bis zum Ziel: "christlicher Boden"

Wer irgendwo in Europa am Strand Muslime sichtete, schlug sofort Alarm: "Mauren, Mauren sind im Land! Mauren, Mauren! Zu den Waffen, zu den Waffen!". Überall an der Küste Spaniens gab es sogenannte Strandreiter, eine Art Küstenpolizei, die daraufhin herbeieilte und die Mauren festnahm. Dieser Ausruf ist heute wieder aktuell. Nur wenige Tage vor dem Attentat von Sousse war der spanischen Küstenwache ein mit Drogen beladenes Schiff entkommen. Es landete, aus Marokko kommend, am hellichten Tag an der Playa de la Atunera. Die Badenden waren davon nicht einmal sonderlich überrascht. Es war nicht das erste Boot, das dort landete. Denn Moslems aus den afrikanischen "Terrorgürteln", die unter anderem Andalusien 'zurückerobern' wollen, "müsste man auf alles gefasst sein, auch auf infiltrierte Terroristen in Schlauchbooten von Migranten. ... Noch vor dem jüngsten Zwischenfall nahe Sizilien, wo Muslime Christen über Bord warfen, konnte man beobachten, wie die Küstenwache nigerianische Schlepper festnahm, die nach Aussage von Überlebenden während eines Sturmes, als ihre christlichen somalischen Passagiere zu beten begannen, mehr als ein Duzend ins Wasser stiessen und ertrinken liessen." Auch heute noch gelten muslimische Einwanderer aus Nahost und dem Maghreb im Gegensatz zu den Lateinamerikanern als schwer zu integrieren. Von muslimischen Theologen sei keine Hilfe zu erwarten, ganz im Gegenteil. Kaum ein heute mehrheitlich muslimisches Land kommt ohne religiöse Diskriminierung aus. "Diese Probleme offen auszusprechen sei nicht islamfeindlich, es wäre dagegen christenfeindlich, es nicht zu tun. ... Vielmehr stelle die 'Christophobie' als Stimmung in der islamischen Welt die 'Islamophobie' weit in den Schatten."  [9]

Doch zurück zu Cervantes und wie der Sklave seine Geschichte fortsetzt: Keine vierzehn Tage waren vorübergegangen, als bereits unser Renegat eine recht gute Barke gekauft hatte, die mehr als dreißig Personen fassen konnte. Und um die Ausführung seines Unternehmens zu sichern und es zu tarnen, beschloß er eine Fahrt und führte sie auch aus, indem er nach einem Orte namens Sargel segelte, der dreißig Stunden von Algier in der Richtung gegen Orán liegt, wo viel Handel mit trockenen Feigen betrieben wird. Zwei- oder dreimal machte er diese Fahrt in Gesellschaft mit dem erwähnten Tagarinen. Tagarinos nennt man in der Berberei die Mauren aus Aragon, die aus Granada nennt man Mudéjares, und im Königreich Fez tragen die Mudéjares den Namen Elches; sie sind die Leute, deren sich vorzugsweise der König jenes Landes im Kriege bedient. Jedesmal, wenn nun der Renegat mit seiner Barke eine Fahrt machte, warf er den Anker in einer kleinen Bucht aus, die nicht zwei Bogenschuss weit von dem Garten war, wo Zoraida meiner wartete; und dort pflegte er absichtlich mit den maurischen Burschen, die am Ruder saßen, entweder das Salá, das Gebet nach muselmännischem Brauch, zu verrichten oder auch sich wie zum Scherze in dem zu versuchen, was er bald im Ernste tun wollte. Deshalb ging er öfters nach dem Garten Zoraidas, um Obst von ihr zu erbitten, und ihr Vater gab es ihm, ohne ihn zu kennen. Dabei hatte er die Absicht, Zoraida zu sprechen, wie er mir nachher erzählte, und ihr zu sagen, er sei es, der sie auf mein Geheiß in Christenlande führen solle, so dass sie vergnügt und sicher sein könne; allein es war ihm niemals möglich, weil die Maurinnen sich vor keinem Mauren oder Türken sehen lassen, wenn nicht ihr Gemahl oder ihr Vater es ihnen ausdrücklich befiehlt. Von Christensklaven lassen sie sich Verkehr und Umgang gefallen, manchmal sogar mehr, als sich geziemt. Mir wäre es leid gewesen, wenn er mit ihr gesprochen hätte; denn vielleicht hätte es sie aufgeregt und beunruhigt, wenn sie gesehen hätte, dass ihre Angelegenheit im Munde von Renegaten umging. Allein Gott, der es anders fügte, gewährte der guten Absicht unsres Renegaten keine Erfüllung. Als dieser nun sah, wie sicher er von und nach Sargel fuhr, und dass er, wann und wie und wo er wollte, die Anker auswarf und dass sein Genosse, der Tagarine, keinen andern Willen hatte als den seinen und ich bereits losgekauft war und nichts weiter mehr zu tun blieb, als etliche Christen zu finden, die das Ruder führten, sagte er mir, ich möchte mir überlegen, welche Leute ich außer den losgekauften noch mitnehmen wollte. Ich solle mich mit ihnen auf den nächsten Freitag verabreden, auf welchen Tag er unsre Abfahrt bestimmt habe. Daraufhin besprach ich mich mit zwölf Spaniern, alles tüchtige Ruderer, und zwar solchen, denen es am leichtesten fiel, unbemerkt aus der Stadt zu kommen. Es war nicht einfach, unter den obwaltenden Verhältnissen so viele zu finden; denn es waren zwanzig Schiffe zum Kreuzen ausgelaufen und hatten alle Ruderknechte mit fortgenommen; und auch diese zwölf hätten sich nicht gefunden, wenn nicht zufällig ihr Herr diesen Sommer zu Hause geblieben wäre, ohne eine Raubfahrt zu unternehmen, weil er einen Zweimaster, den er auf der Werft hatte, erst ausbauen wollte. Diesen Leuten sagte ich nichts weiter, als dass sie nächsten Freitag nachmittags einer nach dem andern sich im stillen aus der Stadt schleichen, die Richtung nach Hadschí Murads Garten einschlagen und dort warten sollten, bis ich käme. Diesen Auftrag erteilte ich jedem für sich allein mit dem Befehle, falls sie etwa noch andre Christen dort sähen, ihnen nichts weiter zu sagen, als dass ich sie dort hinbestellt habe. Nachdem ich diese Vorkehrung getroffen, blieb mir noch eine andre übrig, und zwar die wichtigste, nämlich Zoraida zu benachrichtigen, auf welchem Punkte die Angelegenheiten stünden, damit sie vorbereitet und auf der Hut sei, um nicht zu erschrecken, wenn wir sie vor der Zeit, wo sie die Rückkehr des Christenschiffes erwarten konnte, unversehens überfielen. Daher beschloß ich, nach dem Garten zu gehen und zu versuchen, ob ich sie sprechen könnte. Unter dem Vorwand, verschiedene Kräuter zu pflücken, ging ich einen Tag vor meiner Abreise hin, und die erste Person, die mir begegnete, war ihr Vater, der mich in der Sprache fragte, die in der ganzen Berberei, ja bis nach Konstantinopel zwischen Sklaven und Mauren gesprochen wird und die weder Maurisch noch Kastilianisch noch sonst eine Nationalsprache ist, sondern eine Mischung aus allen Sprachen, in der wir uns alle verständigen; ich sage also, in dieser Art von Sprache fragte er mich, was ich in diesem seinem Garten suche und wessen Sklave ich sei. Ich antwortete ihm, ich gehörte dem Arnauten Mamí, und zwar sagte ich das deshalb, weil ich bestimmt wußte, dass dieser ein vertrauter Freund von ihm war; ich fügte bei, ich suchte überall nach allerhand Kräutern für Salat. Er fragte mich, ob ich den Loskauf erwartete und wieviel mein Herr für mich verlange. Mitten in all diesen Fragen und Antworten trat die schöne Zoraida, die mich schon längst bemerkt hatte, aus dem Gartenhause, und da die Maurinnen durchaus nicht spröde sind, sich vor Christen sehen zu lassen, und, wie ich schon gesagt, keineswegs vor ihnen Scheu haben, so trug sie kein Bedenken, sich ihrem Vater und mir zu nähern. Ja, als ihr Vater sah, dass sie mit langsamen Schritten herbeikam, rief er ihr zu und gebot ihr näher zu treten. Es würde mich zu weit führen, wollte ich hier die große Schönheit, die Anmut, den herrlichen und reichen Schmuck schildern, womit meine geliebte Zoraida vor meinen Augen erschien; ich kann nur sagen, dass an ihrem wunderschönen Hals, ihren Ohren und Haaren mehr Perlen hingen, als sie Haare auf dem Haupte hatte. An ihren Fußknöcheln, die sie nach dortigem Brauch unverhüllt zeigte, trug sie Carcaches – so nennt man auf maurisch die Spangen oder Ringe an den Füßen – von feinstem Gold mit so viel eingelegten Diamanten, dass ihr Vater, wie sie mir später sagte, sie auf zehntausend Dublonen schätzte, und die Armbänder, die sie am Handgelenk trug, waren ebensoviel wert. Die Perlen waren sehr zahlreich und äußerst kostbar, denn bei den Maurinnen ist der größte Prunk und Stolz, sich mit reichen Perlen und Perlsamen zu schmücken, und daher gibt es mehr Perlen und Perlsamen bei den Mauren als bei allen übrigen Völkern. Und Zoraidas Vater stand im Rufe, deren sehr viele zu besitzen, und zwar die teuersten, die es in Algier gab, und außerdem noch mehr als zweimalhunderttausend spanische Taler; und von alledem war sie die Herrin, die jetzt meine Herrin ist. Ob sie mit all diesem Schmucke damals reizend erschien oder ob nicht – aus den Resten, die ihr unter so vieler Mühsal geblieben sind, läßt es sich abnehmen. Wie musste erst in glücklicheren Verhältnissen ihre Erscheinung sein! Denn man weiß ja, dass bei manchen Frauen die Schönheit ihre Tage und Zeiten hat und dass es äußerer Umstände bedarf, um sie zu mindern oder zu mehren, und es ist natürlich, dass Gemütsbewegungen sie erhöhen oder herabdrücken, ja sie sogar in den meisten Fällen ganz zerstören. Doch kurz gesagt, damals trat sie herzu, über alle Maßen geschmückt, schön über alle Maßen, oder mindestens schien sie mir die Reichstgeschmückte und Schönste, die ich bis dahin gesehen; und da ich dazu noch empfand, wie innig sie mich ihr verpflichtet hatte, so meinte ich eine Gottheit vom Himmel vor mir zu sehen, die zur Erde herabgestiegen zu meiner Wonne und zu meiner Rettung. Als sie näher kam, sagte ihr Vater zu ihr in der Landessprache, ich sei ein Sklave seines Freundes, des Arnauten Mamí, und komme hierher, um Salat zu holen. Sie nahm nun zuerst das Wort und fragte mich in jenem Sprachengemisch, das ich erwähnt habe, ob ich ein Edelmann sei und aus welchem Grunde ich mich nicht loskaufte. Ich antwortete ihr, ich sei schon losgekauft, und am Kaufpreis könne sie sehen, wie hoch mein Herr mich schätze, da man für mich fünfzehnhundert Soltanís gegeben habe. Sie entgegnete darauf: »In Wahrheit, wenn du meinem Vater gehörtest, ich hätte ihn veranlasst, dich nicht für zweimal soviel Soltanís herzugeben; denn ihr Christen lügt immer in allen euren Angaben und stellt euch arm, um die Mauren zu hintergehen.« »Das könnte wohl sein, Fräulein«, antwortete ich ihr, »aber in Wahrheit, meinem Herrn gegenüber bin ich bei der Wahrheit geblieben und bleibe stets bei ihr und werde bei ihr bleiben gegenüber jedermann auf Erden.« [10]

Während sie nun bei diesen und sonst allerhand Gesprächen waren, kam ein Maure in vollem Lauf herbei und schrie laut, es seien über die Ummaurung oder Mauer des Gartens vier Türken herübergestiegen und pflückten das Obst ab, obschon es noch nicht reif sei. "Der Alte erschrak heftig und ebenso Zoraida; denn die Furcht der Mauren vor den Türken ist allgemein und beinahe angeboren, besonders vor den Soldaten, die so unverschämt sind und über die Mauren, die ihnen Untertan sind, so große Gewalt haben, dass sie sie schlechter behandeln, als wenn es ihre Sklaven wären. Sogleich sprach nun Zoraidas Vater zu ihr: »Tochter, ziehe dich ins Haus zurück und schließe dich ein, während ich hingehe, mit diesen Hunden zu reden; und du, Christ, suche deine Kräuter und geh in Frieden, und Allah bringe dich glücklich zu deinem Lande heim.« Ich verneigte mich, und er ging hin, die Türken zu verjagen, und ließ mich mit Zoraida allein, welche zuerst tat, als wollte sie ins Haus, wie ihr Vater befohlen hatte; allein kaum war er hinter den Bäumen des Gartens verschwunden, als sie sich zu mir wendete und mit tränenvollen Augen zu mir sagte: »Tamechí, Christ, tamechí?« was bedeutet: »Gehst du, Christ, gehst du?« Ich antwortete ihr: »Allerdings, Fräulein, aber unter keiner Bedingung ohne dich; am nächsten Freitag erwartest du mich, und erschrick nicht, wenn du uns erblickst; denn ganz sicher reisen wir nach dem Christenlande.« Ich sagte ihr dies auf eine solche Art, dass sie mich nach all den Briefen, die zwischen uns gewechselt worden, sehr gut verstehen musste; sie legte ihren Arm um meinen Hals und begann mit wankenden Schritten nach dem Hause zu gehen. Der Zufall aber – der ein sehr schlimmer hätte werden können, wenn der Himmel es nicht anders beschlossen hätte – fügte es, als wir auf die Art und in der Stellung dahingingen, wie ich euch berichtet, ihren Arm um meinen Hals geschlungen, dass da ihr Vater, der die Türken fortgewiesen hatte, zurückkam und uns auf solche Art und Weise zusammen gehen sah; wie wir denn auch bemerkten, dass er uns gesehen hatte. Zoraida, klug und besonnen, wollte ihren Arm nicht von meinem Halse wegziehen, schmiegte sich vielmehr dichter an mich und legte ihren Kopf an meine Brust, wobei sie die Knie ein wenig einsinken ließ und deutlich zu erkennen gab, dass eine Ohnmacht sie anwandle; und so ließ auch ich merken, dass ich sie wider Willen stützte. Ihr Vater lief eilends zu uns her, und als er seine Tochter in solchem Zustand sah, fragte er, was ihr fehle; aber da sie ihm nicht antwortete, sprach er: »Ganz gewiss ist sie vor Schrecken über das Eindringen dieser Hunde ohnmächtig geworden.« Er riß sie von meiner Brust weg und drückte sie an die seinige, und sie, einen Seufzer ausstoßend, die Augen noch nicht trocken von Tränen, sprach wiederum: »Amechí, Christ, amechí! Gehe, Christ, geh.« Darauf sagte ihr Vater: »Der Christ braucht ja nicht zu gehen, er hat dir nichts zuleide getan, und die Türken sind bereits fort. Es ist kein Grund, bange zu sein, es ist kein Grund, dich zu betrüben; denn, wie gesagt, die Türken sind auf meine Bitte desselben Weges zurückgekehrt, den sie hereingekommen waren.« »Die Türken, Señor«, sprach ich hier zu ihm, »haben sie erschreckt, wie Ihr gesagt habt; aber da sie sagt, ich soll gehen, will ich ihr nicht lästig fallen. Bleibet in Frieden, und mit Eurer Erlaubnis werde ich, wenn es nötig ist, wieder nach Kräutern in diesen Garten gehen; denn wie mein Herr sagt, gibt es in keinem bessere für Salat als in diesem.« »Sooft du willst, kannst du wiederkehren«, antwortete Hadschí Murad, »denn meine Tochter hat dies nicht gesagt, weil du oder ein andrer von den Christen ihr unangenehm gewesen. Vielmehr hat sie, während sie eigentlich sagen wollte, die Türken sollten gehen, nur irrtümlich gesagt, du solltest gehen, oder auch weil es bereits Zeit für dich war, deine Kräuter zu suchen.« Hiermit verabschiedete ich mich sogleich von beiden, und sie entfernte sich mit einem Gesichtsausdruck, als ob sie sich das Herz aus dem Leibe reißen wollte, mit ihrem Vater. Ich durchstreifte indessen unter dem Vorwand, Kräuter zu suchen, den ganzen Garten weit und breit, soviel ich nur Lust hatte; ich beobachtete, wo die Ein- und Ausgänge waren, wie das Haus verwahrt sei und welche Gelegenheiten sich darböten, um unser Vorhaben am besten auszuführen. Darauf ging ich von dannen und berichtete alles, was geschehen, dem Renegaten und meinen Gefährten und konnte kaum die Stunde erwarten, wo ich angstbefreit das Glück genießen würde, welches das Schicksal mir in der schönen reizenden Zoraida darbot. Endlich verging die Zeit, der Tag brach an, und der bestimmte Zeitpunkt näherte sich, den wir alle so heiß ersehnten, und da die Befehle und Anweisungen, die wir mit kluger Erwägung und langer Beratung zu öftern Malen erteilt hatten, von allen genau befolgt wurden, so gelang uns denn auch alles nach Wunsch. Denn am Freitag nach dem Tage, wo ich mit Zoraida im Garten gesprochen, ging der Renegat bei Anbruch der Nacht mit der Barke an einer Stelle vor Anker, wo fast gegenüber die reizende Zoraida weilte. Bereits waren die Christen, die die Ruderbank besetzen sollten, in Bereitschaft und an verschiedenen Stellen der Umgegend versteckt. Alle waren in Spannung und freudiger Aufregung und erwarteten mich voll Begier, sich des vor ihnen liegenden Schiffes alsbald zu bemächtigen; denn sie wußten nichts von der Verabredung mit dem Renegaten, sondern sie glaubten, sie sollten mit Gewalt ihre Freiheit gewinnen und zu diesem Zwecke den Mauren in der Barke das Leben rauben. Sobald ich mich nun nebst meinen Gefährten erblicken ließ, kamen all die andern versteckten Helfer auf uns zu. Das geschah zu der Zeit, wo bereits die Stadttore verschlossen waren, und es war in dem ganzen Gefilde umher niemand zu sehen. Als wir uns zusammengefunden, waren wir ungewiß, ob es besser sei, erst Zoraida zu holen oder zuerst die maurischen Bagarinos, die die Ruderbänke in der Barke besetzt hielten, zu überwältigen; und während wir noch in diesem Zweifel befangen waren, traf unser Renegat bei uns ein und fragte uns, womit wir uns noch aufhielten; es sei jetzt die Stunde, alle seine Mauren säßen sorglos da und die meisten in tiefem Schlummer. Wir sagten ihm unsere Bedenken, und er entgegnete, das Wichtigste sei, sich zuerst des Schiffes zu bemächtigen, was sich mit größter Leichtigkeit und ohne Gefahr tun lasse, und dann könnten wir gleich Zoraida abholen. Uns allen schien seine Ansicht die richtige, und ohne länger zu zögern, begaben wir uns unter seiner Führung zu dem Schiff; er sprang zuerst hinein, zog seinen Krummsäbel und rief auf maurisch: »Keiner von euch rühre sich von der Stelle, oder ihr seid des Todes.« Bereits waren fast alle Christen an Bord gestiegen. Als die Mauren, die ohnehin nicht sehr beherzt waren, ihren Schiffsherrn so reden hörten, schraken sie zusammen, und ohne dass einer von ihnen allen zu den Waffen griff – deren sie ohnehin wenige oder fast gar keine hatten –, ließen sie sich ohne die geringste Widerrede von den Christen die Hände binden. Diese taten das mit größter Geschwindigkeit, wobei sie den Mauren drohten, wenn sie irgendeinen Laut von sich gäben, so würde man sie auf der Stelle über die Klinge springen lassen. Als dieses vollbracht war, blieb die Hälfte der Unsern zur Bewachung der Ruderer zurück, und wir übrigen gingen, wiederum unter Führung des Renegaten, nach dem Garten Hadschí Murads, und das günstige Geschick fügte es, dass, als wir das Tor öffnen wollten, es mit solcher Leichtigkeit aufging, als wäre es gar nicht verschlossen gewesen; und so gelangten wir in großer Ruhe und Stille zu dem Hause, ohne dass jemand uns bemerkte. Schon stand die reizende Zoraida uns erwartend am Fenster, und sobald sie Laute hörte, fragte sie mit leiser Stimme, ob wir Nisaranís wären, das heißt soviel: ob wir Christen wären. Ich antwortete ihr mit Ja und bat sie herunterzukommen. Als sie mich erkannte, zögerte sie keinen Augenblick, eilte, ohne mir ein Wort zu erwidern, unverzüglich herunter, öffnete die Tür und zeigte sich aller Augen so schön und in so reicher Tracht, dass ich nicht imstande bin, es genügend zu preisen. Sobald ich sie erblickte, ergriff ich ihre Hand und küsste sie, und dasselbe tat auch der Renegat nebst meinen beiden Gefährten, und die andern, die von der Sache nichts wussten, taten, was sie uns tun sahen, und es schien nicht anders, als wollten wir ihr unsern ehrerbietigen Dank bezeigen und sie als unsre Herrin und Geberin unsrer Freiheit anerkennen. Der Renegat fragte sie auf maurisch, ob ihr Vater im Garten sei; sie antwortete, ja, er schlafe jedoch. »Dann wird es nötig sein, ihn aufzuwecken«, erwiderte der Renegat, »und ihn mit uns zu nehmen, sowie alles, was er in diesem schönen Garten Wertvolles hat.« »Nein«, entgegnete sie, »an meinen Vater dürft ihr unter keiner Bedingung rühren; auch befindet sich in diesem Hause nichts, als was ich mitnehme, und dies ist so viel, dass es hinreichen wird, um euch alle reich und zufrieden zu machen. Wartet nur einen Augenblick, und ihr werdet schon sehen.« Mit diesen Worten ging sie ins Haus zurück und sagte, sie werde gleich wiederkommen; wir möchten nur ruhig sein und kein Geräusch machen. Ich fragte den Renegaten, was er mit ihr verhandelt habe; er erzählte es mir, und ich erklärte ihm, es dürfe in keiner Beziehung irgend etwas andres geschehen, als was Zoraida wolle. Bereits erschien diese wieder, beladen mit einem Kästchen voller Goldtaler, so schwer, dass sie es kaum tragen konnte. Inzwischen wollte das Missgeschick, dass ihr Vater aufwachte und das Geräusch vernahm, das sich hin und wieder im Garten bemerken ließ." [11] 

Kurzum, die, welche hinaufgeeilt waren, besorgten ihre Angelegenheit so schleunig, dass sie in einem Augenblick mit Hadschí Murad wieder herabkamen; sie brachten ihn mit gebundenen Händen, im Munde einen Knebel, der ihm kein Wort zu reden erlaubte; sie drohten ihm, wenn er zu sprechen versuche, würde es ihn das Leben kosten. "Als seine Tochter ihn erblickte, verhüllte sie sich die Augen, um ihn nicht zu sehen, und ihr Vater stand voll Entsetzens, da er nicht wusste, wie sehr freiwillig sie sich in unsre Hände gegeben hatte. Da aber jetzt die Füße nötiger als alles andere waren, so begaben wir uns eiligst und ohne weiteres Überlegen zu der Barke, wo die Zurückgebliebenen uns bereits in Besorgnis erwarteten, es möchte uns etwas Übles zugestoßen sein. Es mochten kaum die zwei ersten Stunden der Nacht vorüber sein, als wir uns schon sämtlich in der Barke befanden, und hier nahm man dem Vater Zoraidas die Bande von den Händen und den Knebel aus dem Munde; allein der Renegat wiederholte seine Warnung, kein Wort zu sprechen, sonst würde man ihm das Leben rauben. Er aber, als er seine Tochter im Schiffe sah, begann schmerzlich zu seufzen, zumal da er bemerkte, dass ich sie innig umarmt hielt und dass sie, ohne abzuwehren oder zu klagen oder sich zu sträuben, ruhig dasaß; aber trotzdem schwieg er aus Furcht, der Renegat möchte seine Drohungen wahrmachen. Als nun Zoraida sah, dass sie sich an Bord befand und dass wir die Ruder hoben, um in See zu stechen, und dass ihr Vater dort saß nebst den andern gefesselten Mauren, sagte sie zu dem Renegaten, er möge mich um die Gunst für sie bitten, die Mauren von den Banden zu lösen und ihrem Vater die Freiheit zu geben; denn sie würde sich lieber ins Meer stürzen, als dass sie vor ihren Augen und um ihretwillen einen Vater, der sie so sehr geliebt, gefangen fortgeschleppt sähe. Der Renegat sagte es mir, und ich erwiderte, ich sei damit ganz einverstanden. Er aber entgegnete, es sei nicht tunlich, weil sie, wenn man sie hier am Ufer zurücklasse, sogleich das ganze Land zusammenschreien und die Stadt in Aufruhr bringen und Anstalten treffen würden, uns mit ein paar leichten Fregatten zu verfolgen und uns den Weg zu Lande und zur See zu verlegen, so dass wir nicht zu entkommen vermöchten. Was sich tun lasse, sei, an der ersten christlichen Küste, wo man anlegen werde, sie in Freiheit zu setzen. Dieser Meinung stimmten wir alle bei, und Zoraida, der man dieses nebst den Gründen mitteilte, die uns bewegen, ihrem Wunsche nicht sogleich zu entsprechen, gab sich ebenfalls zufrieden; und mit freudigem Stillschweigen und heiterem Bemühen erfasste ein jeder von unsern kräftigen Rudersleuten seine Ruderstange, und uns von ganzem Herzen Gott befehlend, begannen wir, die Richtung auf die Balearen zu nehmen, welche das nächstgelegene Christenland sind. Allein da der Wind sachte von Norden zu wehen begann und die See ziemlich hoch ging, war es nicht möglich, den Kurs auf Mallorca einzuhalten, und wir sahen uns genötigt, uns am Ufer hin in der Richtung nach Orán treiben zu lassen, nicht ohne große Besorgnis, dass wir von Sargel aus entdeckt werden möchten, welcher Ort an dieser Küste etwa sechzig Meilen von Algier entfernt liegt. Auch fürchteten wir, in diesem Strich einem der Zweimaster zu begegnen, die gewöhnlich mit Handelsfracht von Tetuán kommen. Allerdings waren wir alle der Meinung, wenn uns ein Kauffahrteischiff begegnete, das nicht gerade zur Kaperei ausgerüstet wäre, würden wir nicht nur nicht ins Verderben geraten, sondern sogar ein Fahrzeug erbeuten, auf dem wir unsre Fahrt mit größerer Sicherheit vollenden könnten. Während wir so weiterruderten, hielt Zoraida ihren Kopf in meine Hände gedrückt, um ihren Vater nicht zu sehen, und ich hörte, wie sie beständig Lela Marién anrief, uns zu helfen. Wir mochten an die dreißig Meilen weit gerudert sein, als der Morgen uns zu leuchten begann und wir uns etwa drei Büchsenschüsse weit von der Küste fanden, die wir ganz menschenleer sahen, ohne jemand, der uns bemerken konnte. Aber dessenungeachtet suchten wir mit Aufgebot aller Kräfte einigermaßen die hohe See zu gewinnen, die jetzt etwas ruhiger war, und nachdem wir etwa zwei Meilen weit hinausgeschifft waren, wurde Befehl erteilt, abteilungsweise zu rudern, während wir etwas frühstücken wollten; denn die Barke war mit Mundvorrat wohlversehen. Allein die Ruderleute sagten, es sei jetzt keine Zeit, irgendwie der Ruhe zu pflegen; man möge denen, die nicht das Ruder führten, zu essen geben, sie aber würden unter keiner Bedingung die Ruder aus den Händen lassen. Es geschah also, aber währenddessen erhob sich ein kräftiger Wind, der uns zwang, die Segel beizusetzen und die Ruder einzuziehen und den Kurs nach Orán einzuhalten, weil eine andre Fahrt nicht möglich war. Alles wurde mit größter Schnelligkeit ausgeführt, und so fuhren wir unter Segel mehr als acht Seemeilen in der Stunde, ohne eine andre Besorgnis, als einem Schiff zu begegnen, das auf Kaperei ausgerüstet wäre. Wir gaben den maurischen Bagarinos zu essen, und der Renegat sprach ihnen Trost zu und sagte ihnen, sie seien hier nicht als Gefangene, man werde sie bei erster Gelegenheit in Freiheit setzen. Das nämliche sagte er dem Vater Zoraidas; der aber entgegnete: »Von eurer Großmut und Freundlichkeit könnte ich eher alles andre erwarten und glauben, ihr Christen; aber haltet mich nicht für so einfältig, dass ich glaube, ihr werdet mich in Freiheit setzen. Denn wahrlich, ihr habt euch ja nicht in die Gefahr begeben, mir die Freiheit zu rauben, um sie mir dann so freigebig wieder zu schenken, namentlich da ihr wisst, wes Standes ich bin und welcher Vorteil euch daraus entstehen kann, dass ihr mir sie wiedergebt. Und wollt ihr mir den Preis dafür angeben, so biete ich euch auf der Stelle alles an, was ihr für mich und für diese meine unglückliche Tochter verlangen wollt, oder aber für sie allein, die ja der größte und beste Teil meines Herzens ist.« Bei diesen Worten begann er so bitterlich zu weinen, dass er uns alle zum Mitleid bewegte und Zoraida nötigte, ihre Blicke auf ihn zu richten; und als sie ihn weinen sah, ward sie so gerührt, dass sie sich von ihrem Sitze zu meinen Füßen erhob und hineilte, ihren Vater zu umarmen. Sie preßte ihr Gesicht an das seinige, und beide brachen in so schmerzliches Jammern aus, dass viele von uns mit ihnen weinen mussten. Aber als ihr Vater sie in festlichem Schmucke und mit soviel Kostbarkeiten prangend sah, sagte er in seiner Sprache zu ihr: »Was ist das, Tochter? Gestern abend, ehe uns das schreckliche Unglück traf, in dem wir uns jetzt befinden, sah ich dich in deiner gewöhnlichen Haustracht:, und jetzt, ohne dass du Zeit hattest, dich umzukleiden, und ohne dass ich dir eine freudige Nachricht mitgeteilt hätte, die geeignet wäre, mit Schmuck und Kleidertracht gefeiert zu werden, sehe ich dich mit den herrlichsten Gewändern bekleidet, die ich dir, als uns das Glück am günstigsten war, zu geben imstande war? Gib mir Antwort hierauf, denn dies setzt mich in größeres Staunen und größere Verwunderung als all das Missgeschick selbst, in dem ich mich befinde.« Alles, was der Maure seiner Tochter sagte, übersetzte uns der Renegat, und sie erwiderte ihm nicht ein Wort. Aber als er seitwärts in der Barke das Kästchen erblickte, worin sie gewöhnlich ihre Kostbarkeiten hatte und das er, wie er sich wohl erinnerte, in Algier gelassen und nicht in das Gartenhaus mitgenommen hatte, geriet er in noch größere Bestürzung und fragte, wie dies Kästchen in unsre Hände gelangt sei und was sich darin befinde. Darauf sagte der Renegat, ohne abzuwarten, dass ihm Zoraida eine Antwort erteilte: »Gebt Euch, Señor, nicht die Mühe, so viele Fragen an Zoraida zu richten; denn durch Beantwortung einer einzigen werde ich Euch über alles aufklären. So will ich Euch denn wissen lassen, dass sie Christin ist; sie allein war die Feile unsrer Ketten und die Befreiung aus unsrer Sklaverei. Sie befindet sich hier aus eignem, freiem Willen und ist, wie ich glaube, so froh darüber wie einer, der aus der Finsternis in das Licht heraustritt, aus dem Tode ins Leben, aus der Höllenpein in die Glorie des Himmels.« »Ist es Wahrheit, was der sagt, meine Tochter?« sprach der Maure. »Es ist so«, antwortete Zoraida. »Wie! Du bist wirklich«, erwiderte der Alte, »eine Christin? Du bist es, die ihren Vater in die Hände seiner Feinde überliefert hat?« Darauf antwortete Zoraida: »Eine Christin, das bin ich; ich bin es aber nicht, die dich in diese Lage versetzt hat; denn nie ging mein Wunsch dahin, dich im Leid zu verlassen oder dir ein Leid zuzufügen, nein, mir vielmehr Glück zu erwerben.« »Und welch ein Glück hast du dir erworben, meine Tochter?« »Das«, antwortete sie, »frage du Lela Marién, sie wird es dir besser sagen können als ich.« Kaum hatte der Maure dies gehört, als er mit unglaublicher Behendigkeit sich kopfüber ins Meer stürzte, wo er ohne Zweifel ertrunken wäre, wenn sein langes, faltiges Gewand ihn nicht eine kurze Zeit über Wasser gehalten hätte. Zoraida schrie, man möge ihn aus den Fluten retten; wir eilten ihm alle zu Hilfe, fassten ihn am Oberkleid und zogen ihn halb erstickt und besinnungslos heraus. Zoraida war so von Schmerz überwältigt, dass sie, als wenn er schon tot wäre, jammernd und schmerzvoll Klage über ihn erhob. Wir legten ihn mit dem Gesichte nach unten, er gab viel Wasser von sich, und nach zwei Stunden kam er wieder zu sich. Inzwischen war der Wind umgeschlagen; wir mussten wieder landwärts drehen und alle Kraft der Ruder aufbieten, um nicht an der Küste aufzufahren." [12] 

Auf Zoraidas Bitte wurde Anstalt getroffen, ihren Vater und die andern Mauren, die gebunden im Schiff lagen, ans Land zu setzen; denn sie hatte nicht das Herz, und ihr weiches Gemüt konnte es nicht ertragen, vor ihren Augen ihren Vater gefesselt und ihre Landsleute gefangen zu sehen. "Wir versprachen ihr, es bei unserer Abfahrt zu tun, da keine Gefahr davon drohte, sie in dieser wüsten Gegend zurückzulassen. Unsere Gebete waren nicht so vergeblich, dass der Himmel sie nicht gehört hätte; er ließ alsbald den Wind zu unseren Gunsten umschlagen und die See ruhig werden und lud uns ein, die begonnene Fahrt jetzt wieder fröhlich fortzusetzen. Als wir das gewahrten, banden wir die Mauren los und setzten sie einen nach dem andern an Land, worüber sie sich höchlich wunderten. Als wir aber im Begriff waren, Zoraidas Vater, der wieder bei voller Besinnung war, auszuschiffen, sagte er: »Warum, glaubt ihr Christen, freut sich dies böse Weib, dass ihr mir die Freiheit schenkt? Glaubt ihr, es geschehe etwa aus Mitleid mit mir? Wahrlich nein, sie tut es nur, weil meine Anwesenheit sie stören würde, wenn sie ihre bösen Gelüste befriedigen will; auch dürft ihr nicht denken, dass sie zur Änderung ihres Glaubens deshalb bewogen worden, weil sie meint, dem eurigen gebühre der Vorzug vor dem unsrigen, sondern vielmehr, weil sie weiß, dass man in eurem Lande sich der Sittenlosigkeit freier hingeben kann als in dem unseren.« Hierauf wendete er sich zu Zoraida, wobei ich und ein anderer Christ ihn mit beiden Armen umfaßt hielten, damit er sich nicht zu etwas Wahnwitzigem hinreißen ließe, und sprach zu ihr: »O du schändliches Mädchen, du übelberatenes Kind! Wo willst du hin, blind und unsinnig, in der Gewalt dieser Hunde, unserer gebornen Feinde? Verflucht sei die Stunde, in der ich dich erzeugte, verflucht sei das Wohlleben und die Üppigkeit, worin ich dich auf erzog!« Da ich indessen gewahrte, dass er in einer Verfassung war, um nicht so bald zu Ende zu kommen, so beeilte ich mich, ihn ans Land zu setzen, aber auch von da aus fuhr er mit wilden Schreien fort in seinen Verwünschungen und Jammerklagen und rief Mohammed an, er möge Allah bitten, uns zu vernichten, zu verderben und auszutilgen. Und als wir, da wir unter Segel gegangen, seine Worte nicht mehr hören konnten, sahen wir noch sein leidenschaftliches Gebaren, wie er sich den Bart ausriß, die Haare raufte und sich auf den Boden niederwarf. Einmal aber erhob er seine Stimme so gewaltig, dass wir vernahmen, wie er rief: »Kehre zurück, geliebte Tochter, kehre ans Land zurück, ich verzeihe dir alles; überlass diesen Leuten all das Geld dort, es gehört ja schon ihnen, kehre zurück, um deinem kummervollen Vater Trost zu spenden! Er wird in dieser Sandwüste das Leben lassen, wenn du ihn verlassest.« [13] 

Die Gefahr der islamischen Korsaren war allgegenwärtig. Viele von ihnen meinten, "wir sollten aufs Land zusteuern, selbst wenn wir auf Felsen und fern von bewohnten Gegenden landen sollten, denn nur so könnten wir der Gefahr entgehen, die wir mit Recht fürchteten, dass dortherum Korsarenschiffe aus Tetuán streifen möchten, welche bei Anbruch der Nacht noch in der Berberei und beim Frührot schon an den spanischen Küsten sind, hier gewöhnlich Beute machen und dann heimkehren, um nachts wieder zu Hause zu schlafen. Endlich einigten wir uns dahin, dass wir uns allmählich dem Lande nähern und, wenn die ruhige See es gestatte, uns ausschiffen sollten, wo es eben möglich wäre. So geschah es denn auch, und es mochte kurz vor Mitternacht sein, als wir an den Fuß eines hohen, unförmigen Berges gelangten, der jedoch nicht so schroff aus der See aufstieg, dass er uns nicht ein wenig Raum zur bequemen Landung verstattet hätte. Wir stießen an das sandige Ufer, sprangen alle ans Land, küssten den Boden und dankten mit innigsten Freudentränen Gott unserm Herrn für die unvergleichliche Wohltat, die er uns erwiesen. Wir nahmen aus dem Boote die darin befindlichen Vorräte, zogen es an Land und stiegen eine große Strecke den Berg hinauf. Denn waren wir nun auch angelangt, so konnten wir doch unser Gemüt noch nicht beruhigen und nicht völlig glauben, dass es christlicher Boden sei, der unsere Füße trage. Der Morgen schien mir später anzubrechen, als wir gewünscht hätten; wir stiegen den ganzen Berg vollends hinauf, um zu sehen, ob sich von da aus ein bewohnter Ort entdecken lasse oder wenigstens ein paar Schäferhüttchen; aber so weit wir auch die Blicke aussandten, sahen wir weder einen Wohnort noch einen Menschen, weder Weg noch Steg. Trotzdem beschlossen wir, weiter ins Land hineinzugehn, da es doch nicht anders sein konnte, als dass wir bald jemanden auffinden würden, der uns Nachricht über das Land gäbe. Was mich indessen am meisten quälte, war, dass ich sehen musste, wie Zoraida zu Fuß diese unwegsame Gegend durchwanderte. Denn wiewohl ich sie manchmal auf meinen Armen trug, so ermüdete meine Ermüdung sie weit mehr, als das Ausruhen ihr zur Ruhe ward, und daher wollte sie mir diese Mühe durchaus nicht nochmals zumuten. Ich führte sie daher immer an der Hand, wobei sie große Geduld bewies und stets den Schein der Heiterkeit bewahrte, und so mochten wir weniger als eine Viertelmeile gegangen sein, als plötzlich der Klang einer Schelle an unsere Ohren drang, ein deutliches Zeichen, dass dort in der Nähe sich eine Herde befinden müßte, und als wir alle aufmerksam umherspähten, ob eine solche sich sehen lasse, bemerkten wir am Fuß einer Korkeiche einen jungen Schäfer, der ruhig und sorglos sich mit seinem Messer einen Stab schnitzte. Wir riefen ihm laut zu, er hob den Kopf und sprang in die Höhe, und die ersten, die ihm vors Auge kamen, waren, wie wir nachher erfuhren, der Renegat und Zoraida. Und da er sie in Maurentracht sah, meinte er gleich, alle Mauren aus der ganzen Berberei seien ihm schon auf dem Hals; er lief mit wunderbarer Geschwindigkeit in den Wald und weiter und schrie aus vollem Hals: »Mauren, Mauren sind im Land! Mauren, Mauren! Zu den Waffen, zu den Waffen!« Bei diesem Geschrei gerieten wir alle in Bestürzung und wussten nicht, was wir anfangen sollten. Da wir indessen bedachten, das Geschrei des Schäfers müsse das Land in Aufruhr bringen und die Strandreiter würden bald herbeieilen, um zu sehen, was vorgehe, so beschlossen wir, der Renegat solle seine Türkenkleider ausziehen und ein maurisches Gileco, das heißt eine Sklavenjacke anlegen, welche einer von uns ihm auf der Stelle gab, obschon er deshalb im bloßen Hemde einhergehen musste. Und so befahlen wir uns Gott dem Herrn und zogen desselben Weges, den wir den Schäfer hatten einschlagen sehen, stets den Augenblick erwartend, wo die Strandreiter über uns herfallen würden. Und unsere Vermutung trog uns nicht; denn es mochten noch nicht zwei Stunden vergangen sein, als wir, aus dem Dickicht bereits auf ebenes Land herausgekommen, gegen sechzig Reiter erblickten, die in rasender Eile mit verhängten Zügeln auf uns zukamen; sobald wir ihrer ansichtig wurden, standen wir still und erwarteten sie. Als sie nun in die Nähe kamen und statt der Mauren, die sie suchten, so viele arme Christen erblickten, wußten sie sich gar nicht dareinzufinden. Einer von ihnen aber fragte uns, ob wir vielleicht der Anlaß gewesen seien, dass ein Schäfer Lärm geschlagen und zu den Waffen gerufen habe. Ja, sagte ich; und als ich gerade anfangen wollte, ihm meine Erlebnisse zu erzählen, und woher wir kämen und woher wir seien, erkannte einer der Christen, die unsre Rudersleute gewesen, den Reiter, der die Frage an uns gerichtet, und sprach, ohne mich ein Wort reden zu lassen: »Preis und Dank sei Gott, ihr Herren, der uns zu so gutem Ziel geführt hat; denn wenn ich mich nicht irre, ist der Boden, den wir betreten, die Gemarkung von Vélez Málaga; und falls nicht etwa nach den langen Jahren der Sklaverei mein Gedächtnis mich täuscht, seid Ihr, Señor, der Ihr uns fragt, wer wir seien, Pedro de Bustamante, mein Oheim.« Kaum hatte der Christensklave das gesagt, als der Reiter vom Pferde herabsprang, auf den Jüngling zustürzte und ihn in die Arme schloss mit den Worten: »Du mein Herzensneffe, mein geliebter Neffe, wohl erkenne ich dich, und längst haben wir dich als tot beweint, ich und meine Schwester, deine Mutter, und alle die Deinigen, die noch am Leben sind, und Gott war so gnädig, ihr Leben zu verlängern, damit sie das Vergnügen genießen, dich wiederzusehen. Wir hatten gehört, dass du dich in Algier befandest, und nach deiner Kleidung und dem Aufzug deiner ganzen Gesellschaft zu schließen, muss es bei eurer Befreiung wunderbar zugegangen sein.« »So ist's«, antwortete der Jüngling, »und wir werden Zeit finden, Euch alles zu berichten.« Sobald die Reiter wahrnahmen, dass wir befreite Christensklaven waren, stiegen sie von ihren Pferden, und jeder bot uns das seinige an, um uns nach der Stadt Vélez Málaga zu bringen, die anderthalb Meilen von da entfernt lag. Einige von ihnen gingen zurück, um das Boot nach der Stadt zu bringen, da wir ihnen sagten, wo wir es gelassen; die andern nahmen uns hinter sich auf ihre Pferde, und Zoraida ritt auf dem Pferde des Oheims des erwähnten Sklaven. Das ganze Volk kam uns aus der Stadt entgegen, da man von einem, der vorausgelaufen war, schon die Nachricht von unsrer Ankunft erfahren hatte. Sie wunderten sich nicht darüber, befreite Christensklaven oder in Sklaverei geratene Mauren zu erblicken; denn alle Leute an dieser Küste sind jene wie diese zu sehen gewohnt. Was sie bewunderten, war Zoraidas Schönheit, die zu dieser Zeit und in diesem Augenblicke auf ihrem Höhepunkt stand, infolge der Bewegung beim Reiten sowohl als auch der Freude, sich endlich auf christlichem Boden zu befinden. Das frohe Gefühl der überstandenen Gefahr hatte ihre Wangen mit so lieblicher Röte überzogen; dass ich wagen möchte zu behaupten, wenn nicht die Neigung mich damals täuschte: es hat nie ein schöneres Geschöpf auf Erden gegeben, wenigstens habe ich keines je gesehen. Wir begaben uns geradeswegs in die Kirche, um Gott für die gewährte Gnade Dank zu sagen, und sowie Zoraida hineintrat, sagte sie gleich, es seien hier Gesichter, die demjenigen Lela Mariéns ähnlich sähen. Wir sagten ihr, es seien Bildnisse von ihr, und der Renegat erklärte ihr, so gut er konnte, was die Bilder bedeuteten, damit sie dieselben verehre, als ob deren jedes in Wirklichkeit die nämliche Lela Maria wäre, die mit ihr gesprochen habe. Da sie einen guten Verstand und eine leichte Fassungskraft besitzt, begriff sie sofort alles, was man ihr über die Bilder sagte. Von der Kirche aus führte und verteilte man uns in verschiedene Häuser des Ortes; allein den Renegaten, Zoraida und mich führte jener Christ, der mit uns hierhergekommen, in das Haus seiner Eltern, die mit den Gaben des Glücks mäßig bedacht waren und uns mit soviel Liebe aufnahmen und pflegten wie ihren eignen Sohn. Sechs Tage blieben wir zu Vélez, und hierauf ging der Renegat, nachdem er sich zunächst der kirchlichen Untersuchung unterworfen hatte, nach der Stadt Granada, um durch Vermittlung der heiligen Inquisition wieder in den Schoß der Allerheiligsten Kirche aufgenommen zu werden. Die übrigen befreiten Christen wendeten sich ein jeder dahin, wohin es ihn am besten bedünkte. Zoraida und ich blieben allein zurück...  Die Geduld, mit der Zoraida die Beschwerden erträgt, welche die Armut mit sich bringt, und ihre Sehnsucht, bald Christin zu sein, ist so groß und von solcher Art, dass sie mir Bewunderung abnötigt und mich dazu verpflichtet, ihr alle Zeit meines Lebens meine Dienste zu weihen; wiewohl die Wonne, der Ihrige zu sein und sie die Meine zu nennen, mir dadurch getrübt und zerstört wird, dass ich nicht weiß, ob ich in meinem Vaterland einen Winkel finden werde, um ihr ein Heim zu bereiten, und ob nicht die Zeit und der Tod eine solche Änderung in den Verhältnissen und der Lebensweise meines Vaters und meiner Brüder bewirkt haben, dass ich, wenn sie nicht mehr da sind, kaum jemanden finden würde, der mich kennen wollte." [14] 
 

Anmerkungen

[1] Science Review Letters 2020, 19, Nr. 1107 und Kurse Nr. 563 Miguel de Cervantes, Nr. 631 Adelbert von Chamisso, Nr. 623 Johann Ludwig Wilhelm Müller, Nr. 554 Friedrich Hölderlin II, Nr. 622 Victor Hugo, Nr. 621 Lord Byron, Nr. 020 Goethe, Akademie der Kunst und Philosophie
[2] Miguel de Cervantes, Don Quichote I, 33
[3] I, 39
[4] Ib.; zu: Man wusste früher, dass man muslimischen Arabern bzw. Türken nicht trauen konnte, wer ihnen dennoch vertraute, musste mit Zwischenfällen rechnen: "Die Araber schnitten ihm den Kopf ab und brachten ihn zum Befehlshaber der türkischen Flotte"; auch im heutigen Europa wurden schon Firmenchefs, die ihren muslimischen Angestellten vertrauten, geköpft. Vgl. Kurse Nr. 630 Johann Ludwig Tieck, Nr. 629 Voltaire, Nr. 544 Staats- und Rechtslehre III, Nr. 545 Sittenlehre. Ib.
[5] I, 40; zu: Grausamkeiten der Türken gegen Christen, wie sie vor allem später von Schriftstellern beschrieben wurden wie Voltaire, Lord Byron, Goethe, Schiller, Hölderlin, Ludwig Tieck, Victor Hugo, Percy Bysshe Shelly, Johann Ludwig Wilhelm Müller, Franz Werfel, waren auch Cervantes bekannt. Er spricht von "Grausamkeiten", die der Moslem gegen die Christen verübte: "Er ließ jeden Tag seinen Mann aufknüpfen, ließ einen pfählen, dem anderen die Ohren abschneiden, und dies aus so geringfügigen Gründen oder so gänzlich ohne Grund, dass sogar die Türken einsahen, er tue es nur um des Tötens willen und weil er von Natur darauf angelegt war, der Schlächter des ganzen Menschengeschlechts zu sein." Vgl. Anm. 5 ff. und Kurse Nr. 623 Johann Ludwig Wilhelm Müller, Nr. 554 Friedrich Hölderlin II, Nr. 622 Victor Hugo, Nr. 621 Lord Byron, Nr. 020 Goethe, Nr. 630 Johann Ludwig Tieck, Nr. 629 Voltaire, Ib.
[6] Ib.; zu: Es gab durchaus Mauren, die Christen werden wollten, wie schon Ginés Pérez de Hita berichtete. In seinem Don Quijote zitiert Cervantes aus dem Brief einer Maurin: "Als ich noch ein Kind war, hatte mein Vater eine Sklavin, welche mich das christliche Gebet in meiner Muttersprache lehrte und mir vieles von Lela Marién sagte. Die Christin ist gestorben und ist nicht ins Ewige Feuer gekommen" wie die Moslems, sondern zum richtigen Gott. "Sie ist mir seitdem zweimal erschienen, und sie sagte mir, ich möchte in ein Christenland gehen, um Lela Mariéns Anblick zu genießen, vgl. Kurse Nr. 558 Calderon de la Barca, Nr. 632 Ginés Pérez de Hita, Nr. 633 Luis Vaz de Camões, Ib.
[7] Ib.
[8] Ib.
[9] I, 41; zu: Wer irgendwo in Europa am Strand Muslime sichtete, schlug sofort Alarm: "Mauren, Mauren sind im Land! Mauren, Mauren! Zu den Waffen, zu den Waffen!". Überall an der Küste Spaniens gab es sogenannte Strandreiter, eine Art Küstenpolizei, die daraufhin herbeieilte und die Mauren festnahm. Dieser Ausruf ist heute wieder aktuell. Nur wenige Tage vor dem Attentat von Sousse war der spanischen Küstenwache ein mit Drogen beladenes Schiff entkommen. Es landete, aus Marokko kommend, am hellichten Tag an der Playa de la Atunera. Die Badenden waren davon nicht einmal sonderlich überrascht. Es war nicht das erste Boot, das dort landete. Denn Moslems aus den afrikanischen "Terrorgürteln", die unter anderem Andalusien 'zurückerobern' wollen, "müsste man auf alles gefasst sein, auch auf infiltrierte Terroristen in Schlauchbooten von Migranten. ... Noch vor dem jüngsten Zwischenfall nahe Sizilien, wo Muslime Christen über Bord warfen, konnte man beobachten, wie die Küstenwache nigerianische Schlepper festnahm, die nach Aussage von Überlebenden während eines Sturmes, als ihre christlichen somalischen Passagiere zu beten begannen, mehr als ein Duzend ins Wasser stiessen und ertrinken liessen." Auch heute noch gelten muslimische Einwanderer aus Nahost und dem Maghreb im Gegensatz zu den Lateinamerikanern als schwer zu integrieren. Von muslimischen Theologen sei keine Hilfe zu erwarten, ganz im Gegenteil. Kaum ein heute mehrheitlich muslimisches Land kommt ohne religiöse Diskriminierung aus. "Diese Probleme offen auszusprechen sei nicht islamfeindlich, es wäre dagegen christenfeindlich, es nicht zu tun. ... Vielmehr stelle die 'Christophobie' als Stimmung in der islamischen Welt die 'Islamophobie' weit in den Schatten." Vgl. Science Review Letters 2015, 14, Nr. 614 und FAZ 2015, Nr. 152, p. 5; Nr. 158, p. 10 und Kurse Nr. 631 Adelbert von Chamisso, Nr. 545 Sittenlehre. Ib.
[10] Ib.
[11] Ib. 
[12] Ib.
[13] Ib.
[14] Ib. 
 
 





Tizian, Felipe II ofreciendo al cielo al infante don Fernando, de Tiziano 
El 7 de octubre de 1571 la Liga Santa vencía al Imperio Otomano en la Batalla de Lepanto. Esta victoria fue representada por Tiziano en este lienzo, encargo de la corte española, junto a otro evento de gran importancia para Felipe II, el nacimiento del infante Fernando, que tuvo lugar solo dos meses más tarde
 
 


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Letzte Bearbeitung:22.05.2020