Akademie der Kunst und Philosophie
Akademie der Wissenschaften | Académie des sciences
 

 

Kurs Nr. 350 

Byzantinische Kunst und Architektur


Konstantinopel erhielt in der 537 begonnenen, 563 eingeweihten kühnen Kuppelkirche der "Heiligen Weisheit" (Hagia Sophia), "einen der größten Wunderwerke der Baukunst, das monumentalste christliche Gotteshaus bis zu den Tagen der Renaissance, von dem das Stadtbild des 'zweiten Rom' nunmehr beherrscht wurde."

Diesen beiden Großkathedralen (Hagia Sophia und Grabeskirche) entsprachen zahllose kirchliche Bauwerke in Ostrom wie im neugewonnenen Westreich. "Es genügt, an das Katharinenkloster auf der Sinaihalbinsel oder an die Justinianischen Bauten von Ravenna zu erinnern, von denen namentlich S. Vitale mit seinem Einfluss auf das Münster Karls des Großen als eine Hagia Sophia des Westens gelten kann." Was Konstantin der Große begonnen hat, das führte Justinian mit besonderem Elan fort. Er hat über die Welt ein Netz von Kirchen geworfen. Die Bautätigkeit beschränkte sich aber nicht nur Kirchen und Klöster. Die östliche Mittelmeerwelt wurde damals an der Donau, am Euphrat und Tigris und in Nordafrika durch gewaltige militärische Anlagen und strategische Straßensysteme nach aussen abgesichert.

Byzanz als "unüberhörbares Leitmotiv in der weltgeschichtlichen Symphonie des globalen Zeitalters."

S. Vitale, Ravenna, Italy

 

 
 
 
 
 

 

(Genauere Infos für Mitglieder und eingeschriebene Studenten. Auch als Einleitung für Nr. 323, Nr. 324, Nr. 328, Nr. 329; Nr. 334, 335)

Das Christentum breitete sich zuerst im nahen Osten aus. Mittelpunkt des syrischen Christentums wurde Edessa, dessen christlicher Herrscher Abgar IX. um 200 das Christentum zur staatlich priviligierten Religion machte. Auch in Kleinasien schritt trotz vieler lokaler Verfolgungen die Ausbreitung rasch voran. Neben Ephesos, Smirna und Pergamon wurde Kappadokien im 3. Jahrhundert durch die Origenesschüler Gregor und Firmilian gewonnen, um dieselbe Zeit auch Armenien, wo nach edessenischem Vorbild eine Staatskirche zugleich Stütze der nationalen Widerstandskraft gegen die Perser entstand. In Griechenland und Makedonien entstanden führende Gemeinden. Im 3. Jahrhundert verbreitete sich durch die Grenzarmeen das Christentum rasch im gesamten Donauraum; in der Steiermark gab es schon in der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts Gemeinden mit dem Zentrum Pettau. Im Westen hat die römische Gemeinde nebst den mit ihr verbundenen Gemeinden in Puteoli, Ostia und einigen anderen Orten ständig neuen Zuzug aus dem Osten erhalten. Archäologische Arbeiten haben für die vorkonstantinische Zeit achtzehn Kirchenbauten in der Hauptstadt nachweisen können. Von Rom aus über Ostia kam im frühen 2. Jahrhundert das Christentum nach Afrika. Um 250 war Tunesien stärker christianisiert als jede andere westliche Provinz. Weder von Rom noch von Afrika, sondern aus dem Osten sind die ältesten griechisch sprechenden Christen über Marseille ins Rhonetal gekommen. Die Gemeinden Lyon und Vienne schrieben im Jahre 177 an ihre Heimatgemeinde Pergamon, und im folgenden Jahr holte sich Lyon aus Kleinasien den Bischof Irenaeus. Von den Rhonetalgemeinden aus sind die ersten germanischen Gemeinden im oberen Rheintal missioniert worden. Die erste abendländische Gesamtsynode kam erst auf Druck Konstantins im Jahre 314 im gallisch-römischen Arles zustande. In Rom waren alle Bischöfe bis zu Victor I (169-198) Orientalen. Auch wenn einige Platoniker wie Plotin keinen Zugang zum Christentum fanden, entwickelte sich eine eine Philosophie im Einklang mit dem Christentum. Geistig wird die ganze vorkonstantinische Philosophie von Alexandria beherrscht. Der größte Gelehrte des antiken Christentums , von dem alle späteren zehrten, war Origenes, der Nachfolger des Clemens. Noch zu Lebzeiten ist Origenes wegen seiner neuplatonischen Grundlage verdammt worden, "insbesondere wegen seiner Betonung der Notwendigkeit des Erkennens gegenüber dem bloßen Glauben." Von weittragenden Folgen war die Entwicklung im Mönchtum Ägyptens und Palästinas. Während ein gebildetes, griechisches Mönchtum unbeirrt an Origenes und der griechischen Bildung festhielt, entstand "im Gegensatz dazu - nicht ohne starken Einfluss der Kopten - ein bewusst bildungsfeindliches, antigriechisches und damit antiorigenistisches Mönchtum, das mit jeder gegen den Origenismus gerichteten Strömung sich zu verbinden bereit war." Doch der Origenismus hatte seine Verteidiger, vor allem in den gelehrten Mönchen der Nitrischen Wüste, in dem Bischof Johannes von Jerusalem, in dem so mythischen wie philosophischen Didymos dem Blinden und vor allem in dessen Schüler Rufin von Aquileia. Trotz Verbannung lebte Origenes weiter und viele gebildete Mönche Palästinas pflegten den gesamten Origenismus ohne Scheu weiter; einige flüchteten nach Konstantinopel, wo sie der von griechischer Bildung lebende Bischof Johannes Chrysostomos freundlich aufnahm und ihre Klagen anhörte. Ambrosius von Mailand (339-397) und seinem Schüler Augustinus ist das Schicksal des Origenes erspart geblieben. Das Römische Reich konvertierte 380 zum Christentum, als Theodosius I. mit dem Erlass "Cunctos Populos" alle heidnischen und häretischen Religionen verbot: "die übrigen, die wir für wahrhaft toll und wahnsinnig erklären, haben die Schande ketzerische Lehre zu tragen ... und werden von unserer Strafgerechtigkeit ereilt." Das war keine Konversion, sondern ein Befehl, dem rund 60 "Ausführungsbestimmungen" folgten. [1]

Den mächtigen Vorzügen des Christentums gegenüber finden wir das "Heidentum in voller Auflösung begriffen, ja in einem solchen Zustande, dass es auch ohne den Zutritt des Christentums kaum noch lange fortlebend zu denken ist. Nehmen wir zum Beispiel an, Mohammed hätte in der Folge seinen fanatischen Monotheismus ohne alle Einwirkung von christlicher Seite her zustande bringen können, so hätte das Heidentum am Mittelmeer dem ersten Angriff desselben so gewiss erliegen müssen als die Heidentümer Vorderasiens. Es war schon allzu tödlich geschwächt durch innere Zersetzung und neue willkürliche Mischung.... Das Christentum musste auf die Länge siegen, weil es alle diese Fragen, um deren Lösung sich jene gärende Zeit so sehr bemühte, ohne allen Vergleich einfacher und in einem grossartigen, einleuchtenden Zusammenhange beantwortete." Konstantins Siege beendeten die Christenverfolgung: "Blitzschnell rückte er wieder aus Syrien durch Kleinasien nach Europa und nahm in dem Gebiete seines Gegners das feste Byzanz sowie Heraklea weg. Zwischen dieser Stadt und Adrianopel kam es zu einer Schlacht mit dem überraschten Gegner. Wider Willen der beiden handelte es sich hier ganz offenbar um Christentum oder Heidentum.... Die während der Verfolgung konfiszierten Versammlungsplätze und andere Grundstücke der christlichen Gemeinden wurden zurückgegeben, die Christen offenbar begünstigt und ihr Proselytismus tätig unterstützt." [2]

"Das Jahrhundert war ausgegangen, sich eine neue Heimat für seine Gedanken und Gefühle zu suchen. Für die eifrigen Christen war dieses irdisch-himmlische Vaterland gegeben: es hiess Palästina... Vielleicht die erste weite Wallfahrt war die des kappadocischen Bischofs Alexander, welcher unter Caracalla Jerusalem – das damalige Aelia Capitolina – besuchte, »um des Gebetes und der Geschichte der Orte willen«. Auch Origenes kam, »um die Fußstapfen Christi, der Jünger und der Propheten aufzusuchen« ... "Eine merkwürdige Fügung hat es gewollt, dass Constantin auch in dem, was er für Palästina tat, weltgeschichtlich auf viele Jahrhunderte hinaus wirken sollte. Ohne den Glanz, welchen er über Jerusalem und die Umgegend verbreitete, hätte sich die Andacht der römischen Welt und folgerichtig die des Mittelalters nicht mit solcher Glut an diese Stätten geheftet und sie nicht nach einem halben Jahrtausend der Knechtschaft unter dem Islam wieder entrissen." [3] - Jacob Burckardt
Konstantinopel erhielt in der 537 begonnenen, 563 eingeweihten kühnen Kuppelkirche der "Heiligen Weisheit" (Hagia Sophia), "einen der größten Wunderwerke der Baukunst, das monumentalste christliche Gotteshaus bis zu den Tagen der Renaissance, von dem das Stadtbild des 'zweiten Rom' nunmehr beherrscht wurde." (Richter)

Ostrom wurde zum Bollwerk gegen die Perser und später den Islam. Der Perserkönig Chosrau II. der "Siegreiche" sah seine Stunde gekommen, um den alten Rivalen endgültig zu besiegen und die Weltherrschaft zu erringen. seine Truppen streiften bereits bis nach Chalcedon gegenüber von Konstantinopel. Heraklius, Sohn des oströmischen Statthalters von Karthago, erreichte 610 in der Stunde größter Not mit seiner Flotte die Hauptstadt. Aber gleichzeitig eroberten die persischen Heere alle orientalischen Provinzen des Reiches. 614 fiel sogar Jerusalem mit der besonders verehrten Reliquie des Heiligen Kreuzes in ihre Hände. 619 geriet die Kornkammer Ägypten in persischen Besitz. Aber Heraklius arbeitete zielbewußt an einer Reorganisation des Heerwesens. In "leidenschaftlicher Kreuzzugsstimmung" gegen die Perser stellte sich die griechische Kirche dem Kaiser zur Seite, der nun, nachdem er 619 die Awaren durch Tributzahlungen aus dem Ringe der Gegner entfernt hatte, angesichts der Größe der Gefahr 622 persönlich ins Feld zog. In Armenien erzielte er seinen ersten Erfolg. [4]

Der Krieg strebte dem Höhepunkt zu , als 626 Perser und Awaren mit ihren Hilfsvölkern zugleich von Asien und Europa her vor Konstantinopel erschienen. Die Awaren wurden von den tapferen Verteidigern mit solchen Verlusten zurückgeworfen, dass sie abzogen und eine Erhebung der Sklaven ihre Machtstellung auf der Balkanhalbinsel zusammenbrechen ließ. Heraklius erneuerte nun seine Gegenoffensive gegen das Perserreich. In der Entscheidungsschlacht bei Ninive unweit Mossul Anfang Dezember 627 wurde Chosrau II. völlig geschlagen. Im Friedensschluss musste Persien das Heilige Kreuz zurückgeben, das Heraklius im März 630 persönlich "mit großem Gepränge wieder in Jerusalem aufrichtete. Ostrom hatte das Übergewicht gewonnen; der Glanz des Sassanidenreiches erlosch jäh." [5]

Mohammed, mit seiner neuen, fatalistisch gestimmten Weltreligion des Islam "hatte sich zum Bruche mit Christentum und Judentum entschlossen." Wenige Monate vor der Kreuzaufrichtung durch Kaiser Heraklius in Jerusalem, im Januar 630, zog der Prophet Allahs siegreich in Mekka ein. Jetzt zeigte sich, wie furchtbar der lange Krieg zwischen Chosrau II. und Heraklius an den Lebenskräften der Großmächte Persien und Ostrom gezehrt hatte. Schon vorher hatte die arabische Offensive gegen das Perserreich begonnen. Jetzt fand im Juni 637 bei Kadesia westlich vom unteren Euphrat der persische Reichsfeldherr Rustem mitsamt seinem Heere den Untergang. 641 fiel Mossul, Ägypten wurde erobert, 711 Spanien und 732 wurde die Loire erreicht. Zweimal 674-678 und dann 715-717 lagerten arabische Belagerungsheere vor Konstantinopel und erschienen weitere "Muslime" (Islambekenner) siegreich in Innerasien, am Indus, in Turkestan und in den Landschaften südlich des Aralsees. Das Sassanidenreich sank endgültig dahin. "Nur der heroische Widerstand Konstantinopels bewahrte das christliche Abendland vor der Überflutung durch den Islam. Dazu kam der 732 über ein islamisches Heer im fernen Westen, bei Tours, der Stadt des fränkischen Nationalheiligen St. Martin, errungene Sieg des Frankenherrschers Karl Martell. Aber das Mittelmeer, ehedem das Herzstück des Imperium Romanum, wurde nun die südliche, von sarazenischen Seeräubern gefährdete Grenzscheide Europas gegen die weite arabisch-islamische Welt." [6]

Das oströmische Imperium änderte seit Heraklius sein Gesicht. Griechisch, die Sprache der Kirche und des Volkes, wurde anstelle des Lateinischen zur Staatssprache; der Kaiser führte seitdem den altgriechischen Königstitel (Basileus). Nach dem griechischen Namen Konstantinopels, Byzanz, pflegt man das gewandelte Staatswesen "Byzantinisches Reich" zu nennen. Auch der Einfluss des Orients machte sich bemerkbar, zum Beispiel durch den über hundertjährigen Streit um die Zulässigkeit der christlichen Bilderverehrung (730-843), der offensichtlich ein Abglanz der islamischen Bilderfeindlichkeit war, und aus der Stellung des Kaisers, der nicht nur weltliches, sondern weithin auch geistliches Oberhaupt war und blieb (Caesaropapismus). "Obwohl es im Gefolge dieser Entwicklung im Jahre 800 zur Herausbildung eines eigenen abendländischen Kaisertums und 867 zur Trennung der römischen Kirche von der griechischen kam, blieb Byzanz Bollwerk der Christenheit gegen den Osten und wichtigste Pflegestätte der Reste althellenischen Geistes, die erst in der Renaissancezeit dem europäischen Westen wieder zugute kommen sollten. Als nach wechselvollen Schicksalen 1453 jenes Bollwerk den osmanischen Türken erlag und der mohammedanische Halbmond das byzantinische Kreuz von der Kuppel der Hagia Sophia verdrängte, erschütterte der Fall Konstantinopels die ganze abendländische Christenheit, mochte diese auch inzwischen politisch zu neuer Stärke herangewachsen sein." [7]
 

"Wie kömmt es, daß ihr Christi Lehensleute
Ermordet und ihr Lehen an euch reißt
Und nicht Jerusalem von jener Meute
Befreit habt und die Räuberbrut zerschmeißt,
Und daß Constantinopel und den besten
Theil dieser Welt der Türke darf verpesten?" - Ariosto [8]


Ja, warum ist die christliche Welt Konstantinopel nicht zu Hilfe geeilt? Konstantinopel war durch die Perserkriege und die Auseinandersetzungen mit Westrom geschwächt. Hinzu kommt, dass der zum Papst am 8. Januar 1198 gekrönte Innozenz III. den 4. Kreuzzug ausruft, der völlig außer Kontrolle gerät. Von den Venezianern wird der Kreuzzug ins Byzantinische Reich umgeleitet. Die Kreuzfahrer erobern und plündern das christliche Konstantinopel im Jahre 1204. Als Ergebnis des 4. Kreuzzugs ist das Byzantinische Reich als Bollwerk gegen den Islam geschwächt und der Konflikt zwischen katholischer und orthodoxer Kirche neu ausgebrochen. [9]

Eigentlich hatte das erneute Vordringen des Islams, die Not und der Untergang des byzantinischen und griechischen Reiches "im ganzen wieder die frühere Stimmung der Abendländer (wenn auch nicht ihren Eifer) erneuert. Hiervon macht Italien eine durchgängige Ausnahme; so groß der Schrecken vor den Türken und die wirkliche Gefahr sein mochte, so ist doch kaum eine bedeutendere Regierung, welche nicht irgend einmal frevelhaft mit Mohammed II. und seinen Nachfolgern einverstanden gewesen wäre gegen andere italienische Staaten." Man begegnete dem Mohammedanismus schon damals mit einer falsch verstandenen Toleranz und Indifferenz. Päpste veruntreuten die aus der ganzen Christenheit gesammelten "Türkengelder" anstatt es zu nutzen um die Türken zurückzudrängen. J. Burckardt meint sogar: "Angesichts der damals schon begonnenen Unterjochung Italiens durch die Spanier ist es ein leidiger, aber doch gar nicht grundloser Trost, dass nunmehr das Land wenigstens vor der Barbarisierung durch die Türkenherrschaft geschützt war. Sich selbst hätte es bei der Entzweiung seiner Herrschaft schwerlich vor diesem Schicksal bewahrt." [10]
 

Das heutige türkische Staatsgebiet bildete vor der Islamisierung für knapp zwei Jahrtausende ein zutiefst christlich geprägtes Land

"Das heutige türkische Staatsgebiet bildete für knapp zwei Jahrtausende ein zutiefst christlich geprägtes Land." Zahlreiche Schauplätze von Ereignissen des Neuen und Alten Testaments lassen sich noch immer in Augenschein nehmen lassen - auch nach der Eroberung der byzantinischen Hauptstadt Konstantinopel durch die Osmanen (1453). "Dass wir trotz Apostelgeschichte, trotz der bedeutenden Kirchenväter, Märtyrer und Heiligen Kleinasiens , Basileios der Große etwa, Grigorios von Nazianz, Grigorios von Nyssa oder Nikolaos von Myra , die Türkei nicht mehr als uraltes christliches Kulturland begreifen, liegt an der Radikalität, mit der türkische Nationalisten im Verlauf eines knappen Jahrhunderts das Christentum in Kleinasien und Nordmesopotamien entwurzelten und die Erinnerung an seine Träger zu tilgen versuchten." Armenier und Griechen bildeten mit 2,5 bzw. 2,7 bis 3 Millionen vor dem Ersten Weltkrieg die größten autochthonen ethno-religiösen Minderheiten im Osmanischen Reich. In der letzten Dekade osmanisch-türkischer Herrschaft fielen sie, ebenso wie die aramäischsprachigen Christen (Aramäer, Assyrer, Chaldäer) "staatlich geplanten und gelenkten Massakern sowie Deportationen zum Opfer, die die Genozidforschung als Völkermord entsprechend den Kriterien der UN-Genozidkonvention (1948) wertet. Namentlich der Völkermord an 1,5 Millionen Armeniern osmanischer Staatszugehörigkeit bildet, zusammen mit den Massakern an Assyrern im Irak 1933 einen Prototypus des Genozids, der den Autor der UN-Genozid-Konvention, Raphael Lemkin, veranlasste, als Justitiar des Völkerbundes schon 1933 einen Entwurf für ein entsprechendes internationales Vertragswerk in den Völkerbund einzubringen; er scheiterte damals allerdings am Widerstand der Delegation aus Nazideutschland. Während die armenische Bevölkerung des Osmanischen Reiches in nur zwei Jahren (Frühjahr 1915 bis Februar 1917) genozidal um drei Fünftel verringert wurde, erstreckte sich die Vernichtung der griechisch-orthodoxen Bevölkerung auf ein Jahrzehnt, mit wechselnden Schauplätzen. Sie wird daher auch als kumulativer Völkermord bezeichnet. Der asymmetrische „Bevölkerungsaustausch“ ethno-religiöser Minderheiten zwischen der Türkei und Griechenland besiegelte 1923 nachträglich die schon weitgehend vollzogene Vertreibung und Vernichtung der kleinasiatischen Griechen. Die Republik Türkei verhinderte mit gesetzlichen Restriktionen (September 1923; Gesetz vom 23.05.1927) eine Rückkehr der überlebenden, ins Ausland geflüchteten osmanischen Christen. Im August 1926 verkündete die türkische Regierung die Zurückhaltung sämtlichen vor dem 6. August 1924 beschlagnahmten Eigentums. Mit Billigung der Behörden wurden christliche Rückkehrer in zahlreichen Fällen ermordet. Im weiteren Verlauf des 20. Jahrhunderts sank die Zahl von Armeniern und Griechen durch ein Bündel restriktiver Maßnahmen und infolge erneuter staatlich inszenierter Ausschreitungen gegen Nichtmuslime, vor allem Griechen." [11]

Im Jahr 1097 schlug das christliche Ritterheer unter Gottfried von Bouillon bei Dorylaion das Heer des Seldschukensultans Kilic Arslan und schaffte damit eine der entscheidenden Voraussetzungen für das Gelingen des ersten Kreuzzugs. Ayazin, das byzantinische Metropolis war in byzantinischer Zeit das weltliche und religiöse Zentrum der Region mit einer großen Kirchenanlage - der bedeutendste sakrale Bau in Metropolis. In einer weiteren Kirchenanlage haben Moslems einen islamischen Friedhof errichtet.  In römisch-byzantinischer Zeit war Apameia (Dinar) der größte Handelsplatz nach Ephesus an der Westküste Kleinasiens und Bischofssitz, bis die Seldschuken 1070 die Stadt eroberten. Antiochia wurde im Jahr 25 v. Chr. im Zuge der umfassenden Provinzreform des Augustus zur Colonia Caesarea erhoeb. Sie war zunächst Teil der Provinz Galatia, später dann Hauptstadt des nördlichen Pisidien. Antiochia entwickelte sich zu einer der am stärksten romanisierten Städte im Inneren Kleinasiens. Die Stadt soll zu ihrer Blüte zwischen 7000 und 10 000 Einwohner gehabt haben. Im ersten nachchristlichen Jahrhundert besuchte der Apostel Paulus auf seiner sersten Missionsreise die Stadt und gründete eine Gemeinde. Im Jahr 46 n. Chr. erreichte Paulus die Stadt Antiochia ad Pisidiam. Sie waren im syrischen Antiochia aufgebrochen und kamen über Zypern an die kleinasiatische Küste bei Perge. Von dort aus zogen sie über Taurus ins hoch gelegene Pisidien. Paulus suchte auf seinen Missionsreisen stets die jüdische Synagoge auf, um seine neue Botschaft zu verkünden. Als jüdischer Theologe und Rechtsgelehrter hatte er jederzeit das Recht zu predigen, nachdem der Vorsteher der Gemeinde die Liturgie und die Lesungen gehalten hatte, was ihm auch zunächst nie verweigert wurde. In der Synagoge machte Paulus den entscheidenden Unterschied zwischen neuer Lehre und altem Glauben deutlich. Die Erlösung des Menschen könne nicht durch das strikte Einhalten des mosaischen Gesetzes erreicht werden, sondern nur durch Jesus Christus. Einen zukunftsweisenden Schritt bei der Verbreitung des frühen Christentums ging Paulus, als er bagann, auch die Heiden zu missionieren. Was im syrischen Antiochia unter den aus Jerusalem geflohenen Aposteln heftig diskutiert wurde, nämlich ob man auch Heiden und nicht nur den Judenchristen das Evangekium bringen dürfe, hat Paulus in Antiochia ad Pisidiam mit dem Beginn der Heidenmission beantwortet. Auch in Iconium (Konya) hielt das Christentum schon früh Einzug. Paulus hatte hier um das Jahr 50 seine missionarische Tätigkeit aufgenommen, und schon bald bildete sich eine christliche Gemeinde. Am Ende des dritten Jahrhunderts wurde Iconium Bischofssitz, was es bis 1922 blieb. Durch die Einfäller der Araber und nach der Schlacht von Manzikert im Jahr 1071, in der das byzantinische Heer vernichtend geschlagen wurde, war Kleinasien dem türkischen Zugriff wehrlos ausgeliefert; die Seldschuken nahmen Iconium ein." 1466 fiel Konya an die Osmanen, teilte von nun an das Schicksal der anderen zentralanatolischen Städte und wurde provinziell. In der Nähe des byzantinischen Iconium liegt Sille, das in byzantinischer Zeit gegründet wurde und bis 1922 eine große griechisch-orthodoxe Gemeinde hatte. Dort liegt auch die 327 gegründete Kirche St. Helena, die älteste byzantinische Kirche Kleinasiens. Städte wie Laranda (Karaman) waren in byzantinischer Zeit eine Garnison gegen die Araber und Teil der vordersten Verteidigungslinie im Kampf gegen den expandierenden Islam. 1165 wurde die Stadt von den Seldschuken eingenommen, 1190 von den Kreuzrittern befreit und von Leon II., des christlichen Herrschers von Kleinarmenien, regiert, 1211 fiel die Stadt wieder an die Seldschuken. 1256 dann wurde Laranda die Residenz der Karaminiden, eines Turkstammes unter der Führung des Moslems Kerimüddin Karaman. Mit der Eroberung durch die Osmanen 1466 verlor die Stadt an Bedeutung und fiel auf das Niveau einer wenig prosperierenden anatolischen Kleinstadt zurück. Viele Kirchen wurden in Moscheen umgewandelt, wie die griechische Kreuzkuppelkirche von Fisandon. Der Grundriss der Kirche in der Form eines griechischen Kreuzes repräsentiert das bauliche System der christlich-orthodoxen Architektur des byzantinischen Ostens. Wegen seines Reichtums an frühbyzantinischen Klöstern und Kirchen hat das Gebiet nördlich von Laranda heute den Namen Binbir Kilise, "1001 Kirche". Ruinen byzantinischer Kloster- und Kirchenanlagen liegen bei den Dörfern Barata (Madensehir) und Dêgile (Ückuyu). Barata war bis in das 10. Jahrhundert eine bedeutende byzantinische Siedlung mit eigenem Bischofssitz. Seldschuken und turmenische Nomaden zerstörten die Anlagen, im 19./20. Jahrhundert wurden aus dem vorhandenen Baumaterial Steinhäuser für Moslems errichtet. Man zählt noch etwa fünfzig Kirchenruinen in unterschiedlichem Erhaltungszustand. In Kappadokien entstanden schon im 2. Jahrhundert zahlreiche Christengemeinden, die sich um zwei Bischofssitze gruppierten: um Caesarea (Kayseri) und um Melitene (Malatya). Unter dem Einfluß der Bischöfe Basilius von Caesarea (ca. 330-379), seinem jüngeren Bruder Gregor von Nyssa (ca. 335-394) und Gregor von Nazianz (ca. 330-390), die heute noch in der Ostkirche als Heilige verehrt werden, entwickelte sich dieses Gebiet zu einem religiösen Zentrum. Basilius, einer der gebildetsten Männer seiner Zeit, wurde in Caesarea als Kind einer vornehmen Familie geboren. Seine Ausbildung genoss er an den Akademien von Caesarea, Konstantinopel und Athen, wo er mit Gregor von Nazianz und dem späteren Kaiser Julian Apostata (361-363), zwei einander gegensätzlichen, für seinen späteren Lebensweg wichtigen Persönlichkeiten, zusammentraf. Als Bischof von Caesarea nahm Basilius den Kampf gegen Christenverfolgung und Ketzerei auf, der sich zunächst gegen Julian Apostata richtete, der heidnische Religionen und Kulte wieder zu beleben versuchte. Im vierten Jahrhundert wurde das Christentum Staatsreligion. Der Streit zwischen Arius von Alexandria und Athanasius von Konstantinopel spaltete die junge Christenheit in Monophysiten, die in Christus nur das göttliche Wesen verehrten, und Orthodoxe, die in Christus die menschliche und die göttliche Natur erkannten (Zwei-Naturen-Lehre). Dieser Streit wurde auch in Kappadokien ausgetragen. Im Jahr 371 teilte der arianische Kaiser Valens Kappadokien in einen arianischen Teil mit einem Bischof in Tyana (Kemerhisar) und einem orthodoxen Teil mit der Metropole Caesarea, deren Bischof Basilius blieb. Diese Teilung war der Beginn einer tiefgreifenden Distanzierung der monophysitischen Kirchen - Nestorianer, Armenier, Kopten u.a. - von den orthodoxen und katholischen Kirchen des Westens; die Teilung von römisch-katholischer und orthodoxer Kirche wurde erst 1054 vollzogen.Basilius reformierte das Mönchswesen, weg von dem asketischen Leben in Einsamkeit, hin zu Klostergemeinschaften. Diese sozial ausgerichteten Ordensgemeinschaften waren Anknüpfungspunkte für die Ordensregeln der Benediktiner. Bis heute hat die "Liturgie des Basilius" in der griechisch-orthodoxen Kirche Gültigkeit. Der Einfluss der Orthodoxie verstärkte sich 451, als das Bistum von Caesarea dem Patriarchat von Konstantinopel unterstellt wurde. Nach dem Ikonoklasmus (Bilderstreit) 726-843 und nachdem die Kaiserin Theodora die Bilderverehrung im Jahr 843 wieder zugelassen hatte, wurden neue Kirchen gebaut und mit Mosaiken, Wandmalereien und Ikonen geschmückt. In Kappadokien erlebte das Mönchtum einen explosionsartigen Zulauf. Ein Jahrhundert später hatte die Entwicklung solche Ausmaße angenommen, dass der Kaiser Nikephoros Phokas im Jahr 964 ein Verbot von Klosterneugründungen erließ. Konnten die kirchlichen und mönchischen Gemeinden sich in seldschukischer Zeit noch frei entfalten, "so blieb die christliche Bevölkerung unter den Osmanen ohne Entwicklungsmöglichkeiten." [12]

Alle Elemente der byzantinischen Kunst waren religiösen und formalen Konventionen verpflichtet, die der künstlerischen Freiheit Grenzen setzten, aber dennoch Spielräume ließen, um innerhalb dieser Grenzen eine lebendige Entwicklung der Formen und Stile zu ermöglichen. Ähnlich wie bei der mittelalterlichen Malerei in den Kirchen der Romanik, entnahm man die Motive aus der heiligen Schrift. Die Aufgabe bestand darin, Prediger in der Auslegung der Evangelien zu unterstützen und die Mönche bei der Meditation zu leiten. Immer wieder stößt man auf die zentralen Themen der Evangelien: die Kindheit Mariens, die Verkündigung, die Geburt Christi, die heiligen drei Könige, die Darstellung im Tempel, die Taufe Jesu durch Johannes, die Wunder Jesu, der Verrat des Judas, die Verleugnung des Petrus, das Abendmahl, Passion und Kreuzigung, die Grablegung und Auferstehung, die Verklärung und das Pfingsfest. In der Apsis thront im Allgemeinen Christus als Pantokrator, als König der Welt, zum Teil umrahmt von apokalyptischen Symbolen. In den Seitenapsidien wird Maria mit dem Kind dargestellt. Der Ausdruck der Figuren, die die Kuppeln, Gewölbe, Zwickel, Laibungen und die Wände der Kirchen bedecken, verleiht der Kunst in Kappadokien den Charakter einer intensiven Spiritualität. Die Klosteranlage mit der "Direkli Kilise" beispielsweise wurde wie die "Bahattin Samanligi Kilise" im 11. Jahrhundert erbaut. Als Grundriss wurde das griechische Kreuz gewählt, vier Pfeiler stützen die Scheinkuppel. Die Wände sind mit Heiligenfiguren geschmückt, auf dem Bogen der Mittelapsis ist Christus, eingerahmt von den Erzengeln Michael und Gabriel, als Patokrator in der Mandorla abgebildet. Auf der Säule, die der Eingangstür gegenüberliegt, ist die thronende Maria mit dem aufrecht sitzenden Jesuskind dargestellt. Wie wenig sich in der Türkei um die Restaurierung der historisch wertvollen Kirchen gekümmert wird zeigt sich manchmal schon am Namen der Kirche: "Bahattin Samanligi Kilise" heißt "Kirche in der Scheune des Bahattin". Diese Bezeichnung stammt von dem "Kirchenbesitzer Bahattin, der das Gebäude als Scheune benutzt hatte." (!) Die Fresken sind stark verrußt. In anderen Kirchen wurden die byzantinischen Fresken nach 1922 übertüncht, wie bei der Kreuzkuppelkirche Hagios Gregorius im byzantinischen Karbala (Güzelyurt), die heute als Moschee missbraucht wird. Gregor von Nazianz gehörte neben Gregor von Nyssa und Basilius von Caesarea zu den bedeutendsten Kirchegelehrten des vierten Jahrhunderts. Er wurde 328 in Nazianz, dem heutigen Dorf Nenezi in der Nähe von Güzelyurt, geboren. Seinen Beinamen "Gregorius Theologos" verdankt er seiner unermüdlichen Tätigkeit, in Wort und Schrift für die orthodoxe Theologie einzutreten. Dies machte ihn zu einem Hauptgegner der in Anatolien weit verbreiteten arianischen Gemeinden.  Viele Hauptstädte in der Türkei waren früher byzantinische Städte, wie zum Beispiel das oben erwähnte Caesarea (Kayseri), die sich in römischer und byzantinischer Zeit zu einer bedeutenden Stadt entwickelte, die zeitweise bis zu 400 000 Einwohner hatte. Das Christentum fand durch die Missionstätigkeit des Apostels Paulus schon früh Eingang in diese Region. Besondere Bedeutung gewann Caesarea im 4. Jahrhundert durch das Wirken der Bischöfe und Kirchenväter, vor allem des heiligen Basilius; er schuf ein soziales Netz zur Versorgung der Alten. Bis 1922 war Caesarea Sitz eines Metropoliten, dessen Residenz das Johannes-Prodomos-Kloster war, das südöstlich von Caesarea lag. Heute ist hier militärisches Sperrgebiet. Außerhalb der Stadt ließ Basilius eine Siedlung errichten, die seinen Namen trug: Basileias. Im 7. Jahrhundert wurde die Stadt zur Grenzfestung gegen die Sassaniden ausgebaut, die erstmals 611 n.Chr. die Stadt belagerten und Tausende von Einwohnern verschleppten. Wenig später folgten Einfälle der Araber; von hier aus erfolgten auch die erfolgreichen Rückeroberungen der Byzantiner. Später (1077) fiel die Stadt "in die Hände türkischer Invasoren". Heute wirbt die Türkei in ganzseitigen Anzeigen in deutschen Tageszeitungen, wie sehr sie sich um die historischen Denkmäler kümmere. Die Wirklichkeit sieht anders aus: Überall wo türkische Invasoren eingedrungen sind, verfallen die christlichen Baudenkmäler, so auch in Gezi, einer ehemals griechischen Siedlung östlich von Caesarea, die heute von "türkischen Neusiedlern" bewohnt wird. In der Nähe steht auch eine ehemalige armenische Klosteranlage, von der noch die mächtige Kirche erhalten ist. Daneben steht "eine griechische Kreuzkuppelkirche mit einem separaten Glockenturm. Da der Kirchenraum leider als Stall benutzt wird, ist eine Besichtigung nicht möglich" (!) Im 10./11. Jahrhundert erlebte die byzantinische Stadt als Bischofssitz mit dem Namen Hagios Prokopios (Ürgüp) ihre Blütezeit. "Bauliche Überreste aus dieser Phase gibt es nicht mehr." (!) Wie ist es dem alten Sinassos (Mustafapasaköy) ergangen, das bis 1923 ausschließlich von Griechen bewohnt war? "Von ihnen stammen die Kirchenbauten im Ort, die heute andere Funktionen haben." (!) Viele alte Häuser erinnern mit ihren kunstvoll gearbeiteten Simsen, Fenster- und Türrahmungen und den Balkonen aus Tuffstein noch an den Wohlstand der alten Zeit. "Nach der Ausweisung der Griechen zogen türkische Familien aus Saloniki, der Heimatstadt von Kemal Mustafa Pasa (Atatürk), hierher und benannten den Ort nach ihm um." Nur die in Stein gehauenen byzantinischen Kirchen- und Klosteranlagen sind noch zu sehen: Agios Vasilios, das Archangelos-Kloster, die Timios Stavros Kirche. In den byzantinischen Städten Damsa (Takinpasaköy, Sobesos (Sahinefendi) und Mavcucan (Güzelöz) sind die byzantischen Kirchen zweckentfremdet  wie eine "aus Steinquadern errichtete Kirche aus dem 8./9. Jahrhundert, die dem heiligen Eusthatios geweiht war und heute als Depot genutzt wird."  [13]

Trapezunt wurde im 8. Jahrhundert vor Christus von griechischen Seefahrern gegründet. Unter der Herrschaft von Griechen, Römern und Byzantinern hatte sich die Stadt schnell zu einer vielsprachigen Handelsmetropole an der südlichen Seidenstraße entwickelt. Heute ist Trapezunt (Trabzon) von Türken besetzt. "Relikte aus alter Zeit finden sich kaum. Gut erhalten ist nur die Hagia-Sophia-Kirche aus dem 13. Jahrhundert, die hoch über dem Meer auf einem Felsen thront. Die Kirche ist heute eine Moschee." Wie fast alle ehemaligen byzantinischen und griechischen Kirchen wurde sie mit Minaretten verschandelt. Alte griechische und byzantinische Häuser läßt man verfallen, wie zum Beispiel in dem ehemaligen griechischen Viertel in Ordu. Die griechische Basilika ist äußerlich zwar unversehrt, innen jedoch verschandelt und das Kreuz auf der Kuppel fehlt. In seiner Ordu-Chronik erzält der griechische Autor Ioakim Saltsis, dass im Herbst 1917 etwa 3500 Griechen aus Ordu über das pontische Gebirge in ein zweihundert Kilometer entferntes Lager im Hinterland marschieren mussten. "Nur etwa zwei Drittel von ihnen erreichten das Ziel. Die übrigen starben unterwegs an Krankheiten und Erschöpfung. Es war der Auftakt dessen, was von vielen Historikern mittlerweile als Genozid an den Pontos-Griechen bezeichnet wird. Immer mehr Griechen wurden aus den Küstenstädten auf Todesmärschen ins Hinterland deportiert, irreguläre Einheiten überfielen griechische Dörfer und ermordeten deren Bewohner. Am 19. Oktober 1917 titelte di amerikanische Zeitung 'Lincoln Daily Star': 'Turks Slaughter Christian Greeks.' Die türkische Regierung leugnet bis heute die systematische Vernichtung von Armeniern, Griechen und anderen Christen." Nachdem das Osmanische Reich 1919 kapitulierte, sollte die Türkei unter dem griechischen Staatschef Venizelos wieder griechisch werde. Die Westmächte unterstützten Griechenland aber nur halbherzig, weshalb die Türkei heute mehrheitlich muslimisch und nicht mehr christlich ist. [14]

Wie trostlos die Türkei heute aussieht, zeigen zum Beispiel Aufnahmen von Norman Behrendt. In der Türkei werden überall Trabantensiedlungen gebaut wie in Dubei. Es sieht aus wie "Disneyland oder wie eine anatolische Version von Plattenbausiedlungen."  Zwischen den Wohntürmen ragen steil die Minarette auf, an denen die Lautsprecher der Muezzine angebracht sind. Fünf Mal am Tag terrorisieren sie die Nachbarschaft mit ihrem Geplärre. Hatte schon das Osmanische Reich keine wirklich großen Architekten hervorgebracht (selbst Mimar Sinan kopierte für sein Moscheen immer nur die Konstruktion der Hagia Sophia), sind die neuen Moscheen nur noch Varianten der Moscheen Sinans, nur dass sie sich immer weiter von der ästhetischen Schönheit des Vorbilds der Hagia Sophia entfernten. "Bis sie in den vergangenen Jahrzehnten immer billiger und Einfallsloser wurden" Kein Wunder bei dem inflationären Bau von muslimischen Betanstalten. Manche Moscheen entstehen inmitten dichter "Ansammlungen gesichtsloser Wohnsilos", andere inmitten einer Ödnis, wo sie zum Zentrum einer vorerst nur auf dem Reißbrett existierenden Trabantenstadt werden sollen.  Auf dem höchsten Hügel über dem Bosporus, Camlica, lässt Erdogan die größte Moschee der Türkei bauen. Von weit her sind ihre hässlichen Umrisse sichtbar, umfasst von sechs Minaretten neben den größten türkischen Nationalflaggen. Noch größer und hässlicher sind nur noch die Bauten in Mekka. Erdogan liebt das Monströse und Hässliche, was nicht nur sein Präsidialpalast in Ankara zeigt, sondern auch die "tausend Moscheen verdeutlichen, die jedes Jahr in der Türkei errichtet werden. Ein Wunsch nach Innovation und großartiger Ästhetik lässt sich dabei allerdings nicht erkennen." Seit der osmanischen Muslimisierung der Turkei galt die Türkei immer als unattraktiv für Führungskräfte. Der Türkei-Konflikt und die prekäre Sicherheitslage dort führen dazu, dass die Türkei fast gänzlich von Führungskräften gemieden wird. Das schlägt sich in der Karriereplanung europäischer Führungskräfte nieder. "Geschäftsführer, Manager und leitende Angestellte nennen die Türkei als unantraktivstes Land für eine Auslandsentsendung." Von Ratingagenturen wird die Türkei auf "Ramschniveau" herabgestuft. Dass sich die Gefahreneinschätzung für die Türkei weiter eintrübt, ergibt sich auch aus der Neueinstufung durch die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Im Juni 2018 erhöhte sie die sogenannte Länderkategorie von Rang 4 auf 5 (von 7). Damit steht die Türkei jetzt auf einer Stufe mit anderen islamischen Ländern wie Bangladesch, Jordanien und Senegal. Zudem zählt die Türkei nun zu den schlechtesten Zahlern weltweit. Dem türkischen Präsident Recep Tayyip Erdogan fiel dazu nur ein:  „Sie mögen ihre Dollars haben, doch wir haben unser Volk, unser Recht und unseren Gott.“ - was soviel bedeutet wie, dass in der Türkei heute fast nur noch Muslimbrüder und andere Islamisten leben, keine Gerechtigkeit herrscht und völliger Unglaube, bzw. Glaube an den falschen Gott des Islams. "Diese Ankündigungen und Aussagen beschleunigten die Abwertung der Lira. Die Einmischung Erdogans in die Geldpolitik, die trotz der hohen Inflation von knapp 16 Prozent die Leitzinsen zuletzt stabil gehalten hat, halten Fachleute für eine wichtige Ursache des Vertrauensverlusts in das türkische Wirtschaftsmodell." Die Finanzkrise in der Türkei hat sich im August 2018 dramatisch verschärft und Befürchtungen vor weitreichenden Konsequenzen geschürt: „Der Zusammenbruch der türkischen Wirtschaft ist sehr wahrscheinlich“. Der Professor für Internationale Wirtschaftsbeziehungen an der HTWG-Hochschule Konstanz rechnet mit einer „unkontrollierten Finanzkrise“, deren Ausmaße in der derzeitigen weltwirtschaftlichen Gemengelage niemand absehen könne. „Das Ausmaß der Unsicherheit ist beträchtlich“. Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), sagte auf Anfrage: „Ich erwarte eine weitere Vertiefung der Wirtschaftskrise in der Türkei, die zu politischen Konflikten und ultimativ zum Fall Recep Tayyip Erdogans führen könnte.“ Hintergrund dieser drastischen Warnungen sind der weitere Verfall der türkischen Lira. Die Lira war schlagartig um zeitweise 23 Prozent eingebrochen, ein Dollar kostete am Nachmittag fast 7 Lira – so viel wie noch nie. "Seit Beginn des Jahres hat die Währung beinah die Hälfte ihres Wertes verloren. Grund dafür ist nach Ansicht von Fachleuten ein Cocktail wirtschaftspolitischer Missstände, die das Vertrauen ausländischer Investoren tief erschüttert haben." Auch will niemand mehr Immobilien in der Türkei kaufen - ausser Muslimbrüder, also private Käufer aus dem nahen Osten. Ganz vorn rangieren die Iraker, die seit Jahresbeginn 2000 Häuser gekauft haben. Dahinter folgen Saudi-Arabien, Iran, Afghanistan und Kuweit. "Auch im Immobilienmarkt driftet die Türkei also immer weiter von Europa weg." Um all das zu ändern müsste die Türkei rechristianisiert werden. Zur Zeit findet allerdings das Gegenteil statt: Eine weitere Islamisierung. Ein Islamist, der es bis zum türkischen Parlamentssprecher gebracht hat, Ismail Kahraman sagt im Februar 2018: "Es wird keinen Fortschritt geben, solange es keinen Dschihad gibt." Auch die türkische Religionsbehörde Diyanet, die den islamischen Terror unterstützt und auch in Deutschland und Österreich durch die islamistischen Organisationen Ditib und Atib agiert, widmete im Februar 2018 dem türkischen Einmarsch in Syrien eine Predigt: "Es sei die höchste Stufe des Dschihad, wenn man in einem bewaffneten Kampf für den Glauben" eintrete; gemeint ist allerdings der Unglaube der Muslime. Wie trostlos ein islamistischer Präsident die Türkei gemacht hat, zeigt sich an der schlechten Architektur, an der türkischen Immobilienbranche, der gerade die Luft ausgeht. "Tief in der türkischen Provinz tut sich am Rande einer Landstraße ein Anblick auf, der wie ein Trugbild erscheint: Sauber aufgereiht stehen nebeneinander Hunderte identische Häuser mit grauen Dächern und spitzen Türmen – in ihrer Form irgendwo zwischen französischem Chateau und Märchenschloss aus Disneyland. Doch die Geschichte des bizarren Bauprojekts bei Bolu ist alles andere als ein Märchen. Denn das Unternehmen dahinter ist insolvent – ein weiterer Hinweis auf die wachsende Krise im türkischen Immobiliensektor." Das starke Wachstum der Vergangenheit beruhte auf Konjunkturprogrammen und viel billigem Geld. Das rächt sich jetzt. Die Baubranche, über Jahre eine tragende Säule des türkischen Wirtschaftswunders, ist schon im dritten Quartal 2018 um gut 5 Prozent geschrumpft. Ökonomen warnen schon lange vor einer Immobilienblase, da das Angebot die Nachfrage übersteige. Nun, da die Wirtschaft am Rande der Rezession steht, droht Bauunternehmen, Investoren und Maklern nach Jahren des traumhaften Wachstums ein besonders herbes Erwachen. "Das Unternehmen hinter dem Villenprojekt bei Bolu hat jedenfalls schon Gläubigerschutz anmelden müssen. Die Sarot Group sah sich zu dem Schritt gezwungen, nachdem einige ihrer Käufer aus den Golfstaaten den Kaufpreis nicht bezahlen konnten, wie der stellvertretende Geschäftsführer Mezher Yerdelen erklärt. Bisher seien 351 der 732 Villen verkauft, doch hätten einige der Verkäufe annulliert werden müssen. Nun liegt das 2014 begonnene 175-Millionen-Euro-Projekt vorerst auf Eis. Wie der Sarot Group geht es Hunderten von Unternehmen in der Türkei. Im ganzen Land finden sich halbfertige Bauprojekte, denen das Geld ausgegangen ist oder die nicht mehr lohnend scheinen. Lange war die Baubranche eine treibende Kraft des rasanten Wachstums, das die Türkei unter der Regierung von Recep Tayyip Erdogan seit 2003 erlebte. Im dritten Quartal 2018 brach die Branche jedoch um 5,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein. „Drei von vier Firmen, die Gläubigerschutz beantragen, sind heute Baufirmen“, sagt der Wirtschaftsprofessor Alper Duman von der Universität Izmir. „Ob wir es eine Baublase oder eine Wohnungsblase nennen – es gibt auf jeden Fall eine Blase in der Türkei.“ Viele Projekte wurden mit Krediten in Euro oder Dollar finanziert, die zu günstigen Konditionen vergeben wurden. Doch seit dem Verfall der türkischen Lira sind diese Kredite schwierig zu bedienen. Laut Handelsministerin Ruhsar Pekcan beantragten bis Mitte Dezember 846 Unternehmen Gläubigerschutz, die Oppositionszeitung „Sözcü“ ging im Oktober sogar von mehr als 3000 aus. "In diesem Tal sieht es aus, wie es klingt, wenn eine Platte einen Sprung hat: 732 identische Villen im Neogotik-Spätrenaissance-Kompositstil walzen sich durch ein Gebirgstal in der türkischen Provinz Bolu, 175 Millionen Euro hat das Bauunternehmen hier investiert, um eine Retortenstadt zu bauen, in der es nur einen relativ exzentrischen Häusertyp gibt, eine Art Mini-Renaissanceschloss. Alle zusammen sehen aus, als wollten sie den Beweis antreten dafür, dass die Regel „Nicht jeder kann König sein“ ab sofort nicht mehr gilt. Das hier ist Neuschwanstein für alle, es sieht aus, als habe jemand beim Märchenschlossschnellbauwettbewerb den Abschaltknopf seines 3D-Druckers nicht mehr gefunden." Die Sarot-Siedlung ist alles, was das Bauhaus nicht wollte: "industriell massengefertigte Schnörkel und Deko-Elemente, die vorgaukeln, dass hier Steinmetze am Werk waren, Kitsch, Dysfunktionalität"  Sarot baut kitschige Märchenschlösser für den gehobenen Mittelstand; "der höchste Turm von Saudi-Arabien, das über 600 Meter hohe Mecca Royal Clock Tower Hotel, ist nicht etwa eine futuristische Glasnadel von Sir Norman Herzog de Nouvel, sondern ein gigantisch aufgeblähter Big Ben." Zu den Großprojekten, mit denen Präsident Recep Tayyip Erdogan die Türkei "beglückt hat", zählt seit März 2019 auch die Camlica-Moschee, die auf dem gleichnamigen Hügel auf der asiatischen Seite Istanbuls gebaut wurde. Sie ist nicht nur die größte die größte Moschee des Landes oder "Massenabfertigungsanlage für Irrgläubige", wie sie auch genannt wird, sondern auch die mit den höchsten Minaretten der Welt. 107,1 Meter messen sie, in Erinnerung an die Schlacht bei Manzikert im Jahr 1071, in der die Seldschuken die Byzantiner besiegten. Bis zu 63000 Menschen können auf dem Gelände Schaubeten veranstalten. [15]

"Johannes zeugt von ihm, ruft und spricht: Dieser war es, von dem ich gesagt habe: Nach mir wird kommen, der vor mir gewesen ist; denn er war eher als ich. Und von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. Denn das Gesetz ist durch Moses gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesum Christum geworden. (Joh 1, 15-17)

"Nachdem Muhammad gesehen hatte, dass es ihm an Wahrheit mangelte und dass die Lügen, die er über das Alte Testament und das Evangelium verbreitete, dem ungebildeten und unwissenden Volk nicht lange verborgen bleiben konnten, da Christen und Juden sie für unwahr erklärten - denn weder in den beiden genannten Büchern noch in einem von beiden wird Muhammad erwähnt oder namentlich genannt - , da nahm er seine Zuflucht zu den Waffen und sprach zum Volk: 'Gott hat mit befohlen, die Völker mit dem Schwert zu erobern, bis sie bezeugen: Es gibt keinen Gott ausser Gott und ich bin sein Gesandter; wenn sie das tun', werden sie auf der Stelle 'ihr Blut und ihren Besitz' retten. Vom Schreck getroffen, gehorchten viele dem Befehl, wurden so vor Blutvergießen und Plünderung bewahrt und daher Gerettete oder Muselmanen genannt." - Nicolaus Cusanus
 

Die byzantinische Kultur hat die Erinnerung an die kulturellen Leistungen der Antike ins Mittelalter herübergerettet, die ohne Byzanz nie nach Europa gelangt wäre - Zeit des Schweigens, die Türkenherrschaft - Befreiungskampf der Griechen

Bemerkenswert ist, wie wenig türkische Worte in den griechischen Wortschatz übernommen wurden. Für die Griechen waren die Türken "Barbari". Auch im Altertum verstanden die Griechen unter "Barbari" die Herrschaftsmechanismen des Pharaonenreiches und des persischen Großkönigtums. "Grieche", "Byzantiner" waren kulturelle Ehrentitel. "Dann kamen die Türken und löschten den Rest des griechischen Byzanz aus. Die Türken waren für Europa eine schlimme Bedrohung. Mehrmals versuchte man gegen sie 'Kreuzzüge' zu organisieren, aber die Idee war nicht mehr modern, und so überließ man es den bedrohten Staaten, sich selbst zu schützen: die 'Christenheit' war an der Sache nicht interessiert. Frankreich, 'die älteste Tochter der Kirche', lag weit vom Schuß und paktierte als erster europäischer Staat mit den Türken. Dann folgten England und im 18. Jahrhundert schließlich Österreich, nachdem es seine Gebiete von den Türken zurückgeholt hatte. Nur die Russen, die Konstantinopel und die Meerengen haben wollten, lebten mit der Türkei nach wie vor in Feindschaft." Später galt die Türkei als "Europas kranker Mann" und die Griechen wurden wie Schachfiguren herumgeschoben. "Da brach aber die Revolution Kemal Atatürks aus, der 'kranke Mann' war gar nicht so mehr krank, und plötzlich sahen England und die Amerikaner ihre Interessen am irakischen Erdöl und am einzigen Verbindungsweg dazu, an der Bagdad-Bahn, durch Griechenlandfreundlichkeit ernstlich gefährdet. Die Griechen wurden fallen gelassen. Das Ergebnis: Anderthalb Millionen Menschen wurden aus kleinasiatischen Gebieten vertrieben, die dreitausend Jahre lang griechisch gewesen waren." [16]

Die Eroberung Griechenlands durch die Türken war Ende des 17. Jahrhunderts mit dem Verschwinden der letzten Venezianischen Enklaven abgeschlossen. Die Türken gewährten zwar eine weitgehende Autonomie der griechischen Städte und Gemeinden, allerdings unter der Oberhoheit und Kontrolle der örtlichen türkischen Behörden; auch der gesamte Grundbesitz ging mit der Eroberung in das direkte Eigentum des Sultans über. Der kirchliche Besitz unterstand zwar den gleichen Bestimmungen, blieb aber fast ausnahmslos unangetastet. Der Patriarch von Konstantinopel behielt seine Privilegien. In gewisser Weise war damit "der Fortbestand des byzantinischen Status quo, und damit die Oberhoheit der Griechen über die anderen orthodoxen Völker der Türkei" gegeben. Einen Sonderfall bildeten zwei Gebiete, die Halbinsel Mani der südlichen Peloponnes und die Agrafa-Dörfer im Epirus. "Die Maniaten bildeten eine Art Klan, dessen Chef von den Türken den Titel eines Bey erhielt. Den Türken war es nicht gelungen, die fesige Halbinsel zu erobern, und sie begnügten sich mit einem symbolischen Tribut. Der Bey hob von seinen Stammesgenossen keine Steuer ein; sein persönliches Einkommen waren die Zolleinkünfte von Kalamata. Die Agrafa-Dörfer waren ebenfalls frei von türkischer Besatzung, und die Einwohner hatten die Erlaubnis des freien Waffentragens." Als die Rechtsunsicherheit wegen der zunehmenden Willkür örtlicher türkischer Amtsträger immer größer wurde, nahm die Aktivität der sogenannten "Klephten" antitürkischen Charakter an. Der Wunsch der Griechen, sich der türkischen Oberhoheit zu entledigen, wurde im Laufe des 18. Jahrhunderts immer stärker. Die zunehmende Willkür türkischer Beamter und der wachsende Steuerdruck trugen dazu bei, dass dieser Wunsch immer bewußter und drängender wurde. Diesen Umstand wollte die antitürkische Politik Russlands ausnutzen. Während des russisch-türkischen Krieges kamen russische Agenten auf die Peloponnes und forderten die Griechen zum Aufstand auf. "1770 erhoben sie sich auch, auf die versprochene Hilfe der russischen Flotte hoffend. Tatsächlich erschienen russische Kriegsschiffe unter Orloff, doch konnten sie nicht helfen. Die Aufständischen wurden von albanischen Horden niedergemacht, die die Pforte zu Hilfe gerufen hatte. Die Albaner verwüsteten die ganze Halbinsel, und ein großer Teil der Bevölkerung floh auf die Inseln der Ägäis und nach Kleinasien. Die Katastrophe war so groß, dass sich die Pforte schließlich gezwungen sah, die Albaner mit Militärgewalt zu vertreiben und eine allgemeine Amnestie zu gewähren." Nach diesem Beginn beruhigten sich die Griechen nicht mehr. Dichter besangen die Freiheit Griechenlands, zum Teil übernational, d.h. sämtliche "Völkerschaften des Türkischen Reiches, auch die unterdrückten Türken selbst." 1814 wurde der Geheimbund Philiki Hetairia gegründet. Ab 1820 stieg die Zahl der Mitglieder der Philiki Hetairia auf zehntausende. Alexandros Ypsilantis, Führer der Philiki Hetairia, der den Plan eines allgemeinen Aufstandes entworfen hatte, stellte in Russland ein Korps von freiwilligen Griechen auf, die "Heilige Schar". "Diese sollten am 25. Februar 1821 in der Moldau eindringen, dort mit Hilfe der Rumänen die Türken schlagen, in die inzwischen durch Agenten zum Aufstand aufgerufenen Balkanländer dringen und sich schließlich mit den griechischen Kräften vereinigen, die sich inzwischen ebenfalls erhoben haben sollten. Von diesem Plan wurden die griechischen Führer informiert." Der Freiheitskämpfer Theodoros Kolokotronis war schon nach Mani gekommen. Alles war bereit. Im letzten Jahr wurden große Waffen- und Munitionslager errichtet. "Die Türken, die immer wieder beunruhigende Nachrichten bekamen, waren alamiert, sie glaubten aber, dass es sich bloß um Machenschaften Ali Paschas handle." Dann ging es auch schon los: am 21. März wurde Kalavryta befreit, am 23. Vostitza und Kalamata, Ende März die ganze Halbinsel. Ähnlich sah es in Zentralgriechenland aus: 24. März Amfissa (Salona), 26. Galaxidi, 27. Livadia, 3. April Thiva (Theben), 25. April Athen, 20. Mai Messolongi, 4. Juni Karpenissi. [17]

Leider fehlte zu dieser Zeit ein Prinz Eugen von Savoyen. Stattdessen gab es nur Metternich und seine Polizei. Die Aufständischen in Griechenland wußten nämlich noch nichts von der Niederlage Alexandros Ypsilantis'. Die Rumänen hatten sich ihnen nicht angeschlossen, weil sie in den Griechen nur Statthalter der Türken sahen. "Die türkische Armee vernichtete die Heilige Schar, Ypsilantis flüchtete nach Ungarn, auf österreichischen Boden, wo die Polizei Metternichs schon auf ihn wartete. Er wurde sofort in die Festung Munkacs gesperrt." [18]

Die Frage ist ja nicht, ob die lebenden Griechen Nachfahren der antiken Griechen sind, oder ob der Islam die Leistungen Antike ins Mittelalter herübergerettet hat, wie nicht nur von Islamwissenschaftlern oft behauptet wird, sondern "welche Kontinuität besteht zwischen dem byzantinischen Griechentum des Mittelalters und jenem, das aus der nahezu vierhundertjährigen Türkenherrschaft hervorgekommen ist; und sie könnte höchstens durch den Zusatz ausgedehnt werden: welche Kontinuität besteht zwischen dem antiken und dem byzantinischen Griechentum?" Fast alle großen Philosophen / Theologen der ersten fünf Jahrhunderte waren Griechen, darunter solche, die noch die Athener Akademie besucht hatten. So ist das Christentum im griechischen Raum in einem hohen Maß griechisch geworden, und es hat in der Verwirklichung des christlichgriechischen Byzantinischen Reiches wesentlich dazu beigetragen, dass das Griechentum seine Kontinuität bewahren konnte. "Es entfaltete in diesem Rahmen sogar eine neue kulturelle Phase, die jener der Antike eigentlich in nichts nachsteht. Darüber hinaus hat gerade diese byzantinische Kultur die Erinnerung an die kulturellen Leistungen der Antike ins Mittelalter herübergerettet, die ohne Byzanz nie nach Europa gelangt wäre. Dieses byzantinische Griechentum war es, was seine Identität über die Jahrhunderte der otomanischen Herrschaft bewahrt hat." [19]

Als die vereinigten Flotten der Großmächte bei Navarino die ägyptisch-türkische Flotte vernichteten, war damit der griechische Freiheitskrieg entschieden. "Diese Tatsache hatte aber einen folgenschweren Aspekt: es waren nicht die Griechen, die ihre Revolution siegreich beendet haben, sondern die Großmächte, die 1821 von einem freien Griechenland nicht einmal hören wollten, und erst allmählich, unter dem Druck der öffentlichen Meinung, teils im Dienste ihrer eigenen Interessen, denen jetzt ein voll kontrollierbares, kleines Griecheland zustatten kam, ihren Standpunkt geändert hatten. Die Seeschlacht selbst fand eigentlich gegen ihren Willen statt, sie war gleichsam von selbst ausgebrochen und wurde von den Regierungen als Katastrophe angesehen." Das Eingreifen der Mächte war notwendig geworden, weil die Streitkräfte Ibrahim Paschas tatsächlich im Begriffe waren, einen Völkermord zu begehen. [20]

1814 wurde in Odessa die "Gesellschaft der Freunde (Philiki Hetairia)", Geheimbund der Griechen zur Vorbereitung der Befreiung Griechenlands, von griechischen Geschäftsleuten gegründet; sie dehnte sich rasch aus. Entscheidend wurde der Beitritt einer Reihe von Kapetanen, Freiheitskämpfern und Bischöfen in Griechenland. In seinen Memoiren berichtet der große Freiheitskämpfer und General Jannis Makryjannis von dieser Zeit. Durch erste Siege und große Verluste der Türken wurden die Griechen ermuntert und einmütig belagerten sie in allen Gegenden die einheimischen Türken und die Festungen in Vonitsa, Messolongi und in allen Gegenden Westgriechenlands. "Denn die Griechen hatten damals geschworen, dem Vaterland und der Religion zu dienen, und es griff sie weder Blei noch Säbel an... Weder Griechen noch Türken ließen an Mannhaftigkeit etwas zu wünschen ; wie Löwen kämpften beide Seiten. Doch das Unrecht, was immer die Mannhaftigkeit tun mag, wird besiegt; denn die Türken waren vom Weg Gottes abgewichen." Die Türken waren von der eigentlichen Religion, dem Christentum, abgewichen; sie hatten den Weg Gottes verlassen und sich dem Islam mit seinem Scheingott Allah zugewendet. Am 21. Juni 1821 wurden die Türken in Lalas bei Pyrgos und Olympia geschlagen. Manche Freiheitskämpfer erhalten den Beinahmen "Türkenfresser" und in einigen Orten wie "Arachova und Distomo bauten sie Türme aus Türkenschädeln." Man versuchte die "Türken auf den Pässen zu halten, damit sie nicht durchkommen und das Land vernichten." Andere Freiheitskämpfer "fallen über die Türken her und verabreichen ihnen ein verteufeltes Verderben... Alle diese tapferen Männer, die Retter des Vaterlandes, vernichteten diese Menge von Türken völlig, die meisten töteten sie, auch zwei Paschas, und nahmen alle ihre Wagen und Kamele und Kanonen, die sie alle dort gelassen hatten. Und soviele Türken am Leben geblieben waren, zerstreuten sich, jeder ging allein für sich in seine Heimat." Noch heute könne man die Graber der Türken bei Gravia sehen und die "Leute wurden gerettet, da die meisten von ihnen versklavt worden wären, und das ganze Vaterland wäre in Gefahr gewesen." Durch die Türkenherrschaft war Griechenland verloren und "ausgelöscht aus dem Verzeichnis der Nationen." Die meisten Griechen haben sich dem Befreiungskampf angeschlossen, man war allerdings auch nicht zimperlich, wenn ein Priester mit den Türken kollaborierte: "Ein Priester aus den Dörfern von Theben war ein Freund der Türken, sie liebten ihn sehr. Er spielte bei den Romäern den Heiligen und er ging in alle Lager und Städte und auf alle Inseln und sah und erfuhr alle Geheimnisse der Griechen, und er ging und verriet sie den Türken. Und wegen seines Verrates wurden viele Griechen von den Türken umgebracht. Die Griechen erfuhren das später, Christen verrieten ihn, die bei den Türken lebten, und sie fingen ihn und brachten ihn nach Athen, zum Dysseas, und er ließ ihn lebend einmauern." Der Widerstand ging zuerst von den Inseln aus (Hydra, Psara, Samos). Naturgemäß schlief Makryjannis in dieser Zeit nicht ohne Sorgen und träumte oft schlecht: "Ich sehe in meinem Traum einen kommen, der sagt zu mir: 'Steh auf!' Ich wachte auf, schlief wieder ein. Ich sehe ihn wieder, und er sagt zu mir: 'Steh auf!' Ich war besorgt und schlief nicht wieder ein. Da stehe ich auf, schaue zum Fenster hinaus, und der ganze Ort ist voller Türken.  Und wir - keiner ist wach ...da begann ich zu schreien: 'Türken! Türken!'"  Nach und nach wurde das Joch abgeschüttelt: "In der Tausendschaft waren lauter Rumelioten, die meisten aus Lidoriki und Kravari und aus diesen Gegenden. Sie besprachen sich alle, als sie ihre Heimat und ihre Häuser voller Türken sahen; sie sagen zu Tzavellas: 'Wir greifen die Türken an.' Gezwungen begann darauf Tzvellas, weil er allein geblieben und auch in Gefahr geraten wäre (denn alle Einwohner von Lidoriki und Kravari hatten sich versammelt) bei Lidoriki den Angriff, die Tausendschaft und die Einwohner, und sie schlugen die Türken und verjagten sie. Auch in Kravari waren Türken. Die Einheimischen und die anderen besetzten die Pässe, sie töteten die Türken und nahmen auch den Prevista und andere lebend gefangen. Da schickte auch der gute und gütige Patriot Ypsilantis den Stratos mit seiner Tausendschaft, und alle trafen mit Tzavellas zusammen und mit den Einwohnern, und sie bekämpften überall die Türken; und in Karpenissi vertrieben sie sie auch von dort. Und gleichzeitig zog auch Ypsilantis aus und bekämpfte überall die Türken, mit allen Tausendschaften. Und sie vernichteten die Türken und befreiten Ostgriechenland." [21] 

1844 ging er nach Tinos, machte eine Wallfahrt und schrieb an seinen Memoiren. Einem Freiheitskämpfer riet er, in seine Heimat zu gehen, "um Leute unter seine Führung zu bekommen und zu sehen, wann die geeignete Zeit kommt, damit alle Griechen geheim danach trachten, auch die anderen Gebiete der Türkei zu befreien, die unter der Tyrannei des Sultans sind, und wir den Schwur der Hetairia verwirklichen." Später hat Kolettis in einer Rede bei der Nationalversammlung 1843 diese Idee aufgegriffen. Unter "Megali Idea", die "Große Idee", verstand Kolettis die Befreiung der noch von den Türken geknechteten Volksgenossen, nicht unbedingt im Sinne eines "Groß-Griechenlands" oder der Wiedererweckung des Byzantinischen Reiches, sondern eher der "hohen Idee" der Befreiung der noch unfreien Griechen, wie Gyömörey es formuliert; was aber eine Art Re-Christianisierung der Türkei bedeuten würde. Dies wurde allerdings durch die Engländer verhindert: "Die Türken wurden durch den Beistand der Engländer stark." 1842 wollten die Türken sogar wieder "gegen uns losmarschieren, mit großen Vorbereitungen." Dennoch "danken wir jetzt, da wir leben, alle ehrlichen Griechen, den Philhelenen für die Mühe, die sie aufgewendet haben, um auch aus uns eine Nation zu formen, die wir so viele Jahrhunderte zwischen den Krallen eines Löwen ware." Heute werden die Freiheitskämpfer umgebracht und eingesperrt. "Immer jene, die ihre Religion so viele Jahrhunderte bewahrt haben unter den Türken - und sie haben ihnen so viele Martern zugefügt, und sie bewahrten und befreiten auch ihr Vaterland mit ihrer Religion, wo die Zahl der Türken fünfhundert war auf einen von ihnen, und sie selbst ohne das Kriegsnotwendige, die meisten auch ohne Kenntniss." Er meint, ohne Tugend und christliche Religion werde keine Gemeinschaft der Gesellschaft gebildet. Der Türke hätte die Griechen zwar äußerlich erobert, "verbrannte sie in Feueröfen, er schnitt Zungen heraus, pfählte sie, damit sie ihre Religion ändern, und konnte nichts ausrichten." Nun habe Gott diese kleine Nation wieder auferstehen lassen - dank der Philhelenen und der großen Freiheitskämpfer wie Jannis Makryjannis, Theodoros Kolototronis, Nikitas Stamatelopoulos (Nikitaras), Georgios Karaiskakis, Kitsos Tzavellas, Ioannis Kolettis, Ioannis Graf Kapodistrias, Ioannis Gouras, Odysseas Androutsos, Alexandros Mavrokordatos, Andreas Metaxas, Yennaios Kolokotronis. [22] 
 

Byzantinische Kunst und Kultur im Zeitalter Justinians

Mit der Gründung von Konstantinopel und der Erhebung des Christentums zur Staatsreligion hat Kaiser Konstantin das globale Geschehen beinflusst. Beide Ereignisse bezeugen den Triumpf des Ostens. Schon Caesar hatte mit dem Gedanken gespielt, die Hauptstadt nach Osten zu verlegen. Der Zustrom von Arbeitskräften und Siedlern aus aller Welt nach Byzanz hatte schon vor Jahrzehnten eingesetzt. Konstantins Entscheidung war eine "Tat von historischem Rang, die politische und militärische Konsequenz aus der Verlagerung der Schwerpunkte in der römischen Mittelmeerwelt. Mit der feierlichen Einweihung am 11. Mai 330 ging ein Akt über die politische Bühne, der in einem höheren Sinne das Oströmische Reich gründete." Mit Kaiser Marcianus (451-457) begann die eindrucksvolle Krönung der byzantinischen Kaiser durch den Patriarchen. In dieser Zeit verdankte der Osten seine Ungestörtheit einer gewissen Vernachlässigung der gesamtrömischen Verpflichtung, indem er dem Westen gegen Attila und die Vandalen nur mit Worten zu Hilfe kam. Das wichtigste Ereignis der Epoche war das Konzil von Calkedon (451), dessen triumphale Erfolge für den Katholizismus westlicher Prägung mit einem ungeahnten und auf die Dauer die Einheit der Mittelmeerwelt sprengenden Wachstum der häretischen Bewegungen des Ostens bezahlt werden mussten. "Denn nicht nur das Monophysitentum, auch der Islam und selbst die jüdischen Reaktionen lassen sich als christliche Häresie verstehen." Der neue Kaiser Iustinus (518-527) stammte wie Marcianus von der Balkanhalbinsel. Noch keine Woche alt, ging das neue Regime gegen Häretiker vor. Der Monophysitenpatriarch Severus von Antiochaia erhielt damit eine unmissverständliche Warnung, später musste er fliehen. Im Jahre 529 lag der Codex Justinianuns vor. Dank seiner Gesetzessammlungen hatte Justinian mehr für die Theorie des Rechts getan als jeder Kaiser vor ihm. "Das Überleben des römischen Rechtsgedankens in Byzanz und im Abendland ist seiner Initiative zu verdanken." [23] 

Darüber hinaus gilt er als einer der größten Bauherrn der Geschichte. Aus dem Trümmerschutt von 532 steigt die Hagia Sophia, das künstleriche Sinnbild der Zeit. "Diese Kirche rundete sich mit der kühnsten Kuppel der Welt zum Symbol ihrer Zeit. Das Genie zweier Männer, Anthemius von Tralles und Isidor von Milet, hat unter tätigster Mitwirkung des Bauherrn Justinian ein Werk geschaffen, in dem griechische Mathematik, römische Architektur und der Wille des Ostens zum Zentralbau zu einer wohl exemplarischen und weithin nachgeahmten, aber doch einmaligen, nie wieder in vergleichbarer Form erreichten Einheit zusammengeflossen sind." Ihren Baumeistern standen nicht nur alle Erkenntnisse der Mathematik des Altertums zur Verfügung, sie haben sich auch maßgeblich in der Schaffung des mittelalterlichen Stils der christlichen Welt des Ostens eingeschaltet. Die Arbeiten begannen schon vierzig Tage nach der Einäscherung der alten Sophienkirche Konstantins im Nikaaufstand (532) und endeten im Dezember 537. Länger zogen sich die Arbeiten an der Apostelkirche hin (536-550). Mit ihren fünf Kuppeln war sie leichter nachzuahmen als die Sophienkirche, ein Vorzug, dem wir es zu verdanken haben, dass trotz der "Zerstörung dieser Grabeskirche der Kaiser und Patriarchen durch die Türken" und ebenso ihrer Nachahmung, der Johanneskirche in Ephesos, immerhin die Markuskirche von Venedig eine Ahnung von ihrem alten Glanz vermittelt. Diesen beiden Großkathedralen entsprachen zahllose kirchliche Bauwerke in Ostrom wie im neugewonnenen Westreich. "Es genügt, an das Katharinenkloster auf der Sinaihalbinsel oder an die Justinianischen Bauten von Ravenna zu erinnern, von denen namentlich S. Vitale mit seinem Einfluss auf das Münster Karls des Großen als eine Hagia Sophia des Westens gelten kann." Was Konstantin der Große begonnen hat, das führte Justinian mit besonderem Elan fort. Er hat über die Welt ein Netz von Kirchen geworfen; auch das berühmte Sinaikloster stammt von ihm. Die Bautätigkeit beschränkte sich aber nicht nur auf Kirchen und Klöster. Die östliche Mittelmeerwelt wurde damals an der Donau, am Euphrat und Tigris und in Nordafrika durch gewaltige militärische Anlagen und strategische Straßensysteme nach aussen abgesichert. Das byzantinische Goldstück kann als der Dollar des Mittelalters gelten. Auf diesem Goldstück prangte der Kaiser mit dem Reichsapfel als Globus, und diesen Globus krönte das christliche Kreuz. So warb man für den Staatsgedanken, für das Christentum und nicht zuletzt für den internationalen Handel der Byzantiner. Schon Theoderich kam als offizieller General der Byzantiner. Er herrschte gleichzeitig als Volkskönig der Goten und als Statthalter der Kaiser von Ostrom. Für das Christentum war die Spätantike, also der Übergang von der Antike zum Mittelalter, die Zeit, in der es aus einem breiten Strom von Sekten nach vielen Konzilien zu verbindlichen Lehrmeinungen gefunden hat. Die Christen des Römischen Reichs wussten seit Kaiser Konstantin dem Großen, der die Hauptstadt nach Konstantinopel verlegt und das Christentum zur Staatsreligion erhoben hatte, dass der Glaube an Christus weltliche Macht zur Folge hat. Die Siege und Erfolge von Kaiser Konstantin seien nur so zu erklären, schrieben dessen Biographen, etwa der Historiker und Theologe Eusebius von Caesarea. Von dieser Größe zeugte auch seine prachtvolle Hauptstadt Konstantinopel. Kaiser Justinian, der von 527 bis 565 herrschte, ging einen Schritt weiter als Konstantin. Er sah seinen Auftrag darin, das Chaos auf Erden zu beenden und eine Ordnung nach dem Vorbild des himmlischen Königreichs zu schaffen; er kämpfte im Namen der Wahrheit und der Weisheit, die in dem Gotteshaus der Hagia Sophia, die er erbauen ließ, ihre vollkommene irdische Entsprechung fanden. Er hatte im Namen der Kirche jedoch auch Häretiker und Heiden verfolgen lassen und erhob von denen, die nicht dem wahren Glauben folgten, eine Tributzahlung von der Art, die später die Muslime in blasphemischer Weise kopierten und als „Dschizya“ gegenüber den Nichtmuslimen praktizieren sollten. Auch heute könnte die Tributzahlung eine Möglichkeit sein, die Ausbreitung der Muslime in Europa und anderswo zu verhindern. Kaiser Herakleios machte im Jahr 629, drei Jahre vor Mohammeds Tod, „Basileus“ zu seinem offiziellen Titel. Nun war er der „Gesalbte Herrscher“ und der „Herrscher in Gottes Auftrag“. Mehr als seine Vorgänger verstand er sich als Krieger Christi. 628 hatte er, nach einem Vierteljahrhundert Krieg, die persischen Sassaniden besiegt. Er hat gesiegt, weil er den Himmel auf seiner Seite hatte. Das Reich der Sassaniden war da bereits untergegangen. Auch sie hatten Spuren hinterlassen. "Denn ihr Schahinschah, ihr König der Könige, hatte sich als der Beschützer der Religion Zarathustras verstanden, und die hatte im Gegenzug den Thron zu schützen. Wie die römischen Kaiser gingen auch die Schahs von Persien gegen jene vor, die die Religion des Staats nicht praktizierten. Bestandteil der von Zarathustra gestifteten Religion war, dass die Gläubigen fünfmal am Tag beten sollten – was der Islam aufgriff. Um von der Levante aus die persischen Sassaniden zu bekämpfen, bedienten sich die römischen Kaiser des christianisierten arabischen Stamms der Ghassaniden. Ihr Fürst Arethas (529 bis 569) pries seine Krieger, die im Kampf gegen die ungläubigen Perser gefallen waren, als Märtyrer für die Sache Christi." Als Häretiker bekämpfen die Muslime heute sich selbst  "Noch immer gibt es Leute, die behaupten, Terror im Namen des Islams habe mit dem Islam selbst nichts zu tun." Der Islam, der das Christentum nie verstanden und es immer bekämpft hatte, wird nie in der Lage sein, ein Land gerecht zu regieren, weshalb islamische Länder in der Regel nichts anderes sind als "Räuberbanden" (Augustinus), wie sich an der heutigen Türkei oder Iran erkennen lässt. Dabei muss man auch folgende Tatsache berücksichtigen: "Die Bibel erzählt wesentlich und in erster Linie eine Geschichte Gottes mit den Menschen, während der Koran schon aufgrund seiner seltsamen Anordnung der Kapitel nach ihrer Länge und nicht nach inhaltlichem Zusammenhang sich geschichtslos präsentiert. Die von ihm übernommenen verstreuten Erzählelemente aus der Bibel lassen kein inneres Verständnis dieser Inhalte erkennen, sondern wirken wie dahingeworfene Brocken, die als Zitate nach Legitimierung des Autors heischen, aber dabei oft willkürlich sinnentstellt werden. Der Koran kennt auch nicht die Begriffe der Liebe (die liebende Zuwendung Gottes zu den Menschen als Vater sowie Nächstenliebe bis hin zur Feindesliebe), der Sündenvergebung als Urgrund einer Erlösung und des Versprechens eines Gottesreiches als anzustrebende ideale Gesellschaft. Jesus sandte Jünger aus und nicht Krieger... Im Christentum war es eben immer wieder möglich, auf die Quellen des Alten Testaments und des Evangeliums und der Briefe aus der Urgemeinde zurück zu verweisen, wie es in vielen Reformbewegungen geschah, sei es bei Franz von Assisi, sei es bei Martin Luther und anderen Reformatoren." Diese geistige Basis fehlt dem Islam völlig, und so ist die Erwartung einer Entwicklung des Islams zu einem aufgeklärten Weltverständnis aus sich heraus völlig illusorisch. [24] 
 

Byzantinische Reconquista 

Zur Zeit Justinians war Byzanz so stark, dass es nicht nur den Osten sicherte, sondern auch den Westen zurückeroberte, insbesondere Afrika und Italien. Zuerst wurden die Vandalen geschlagen; sie gefährdeten die Seeherrschaft der Byzantiner, zudem waren es Arianer. Nach Vernichtung der Vandalen besaß Ostrom wieder die alleinige Seeherrschaft im Mittelmeer. Italien und Dalmatien wurden zurückerobert. Es wird aber schon deutlich, dass Byzanz sich besser auf den Osten konzentriert hätte. "Gleichzeitig mit dem Triumpf von Ravenna und dem Debakel eines vorweggenommenen Arabersturms im Osten erlebte Südosteuropa einen Barbareneinfall, der Justinian und seine Heeresleitung hätte nachdenklich stimmen müssen." Der Kampf um die Wiedervereinigung der Mittelmeerwelt hatte mehr als zwanzig Jahre gedauert. Dem Osten erschien das als Triumpf der Zähigkeit, aber die ausgesogene Bevölkerung Italiens genoß für wenige Jahre einen Friedhofsfrieden. Die alte Herrenschicht, der Senatorenstand der Romani di Roma, war vernichtet. Die führenden Kreise von Italien, die um den Papst gescharrten konservativen Adelsgeschlechter, waren in der Mühle der Geschichte zermahlen worden. Theoderich der Große hatte alles getan, um sie zu gewinnen. Das war vor allem daran gescheitert, dass die Goten Arianer, sie aber Katholiken waren. Iustinus und Justinian haben zumindest im Einverständnis mit diesen Kreisen, wenn nicht aus Rücksicht auf sie, ihre Schwenkung zur gut katholischen Lesart der christologischen Frage vollzogen. Den Römern des Ostens und den Römern von Rom stand die gotische Nationalpartei gegenüber. Theoderich war ein Makler zwischen beiden Welten, halb germanischer Recke, halb byzantinischer Diplomat. [25] 

Im Osten sank mit Großkönig Chusro 579 der "Gegenspieler Justinians ins Grab, Opfer seines Versuchs, das Gleichgewicht der Kräfte zweier sich ausschließender Weltherrschaftsansprüche zu behaupten oder zugunsten des Orients, der unter Dareios über Kleinasien, Syrien und Ägypten geherrscht hatte, umzustoßen." Die damit zusammenhängenden Ereignisse bedeuteten einen Triumpf der orthodoxen Religionspolitik über die monophysitischen Araber.  Der bisherige Generalissimus und jetzige byzantinische Herrscher Maurikios (582-602) trieb eine vermittelnde Religionspolitik, doch schreckte er nicht vor einer gewaltsamen Einführung des Katholizismus in Armenien zurück. Der Arianismus, die einstmals griechische, jetzt germanische Sonderform des Christentums, befand sich in vollem Rückzug. In Persien folgt auf Chusro I. Chusro II. Die Schlüsselstellung Dara fiel 605, danach drangen die Perser über Caesarea bis Chalkedon unweit Konstantinopels vor. "Obermesepotamien mit Edessa, dem ältesten Vorposten des Christentums" wurde unterworfen. Von den Juden und Häretikern wurden die Perser mit Jubel als Befreier begrüßt. Über Ostrom hing das Damoklesschwert eines erneuten Perserreiches. 611 ging Antiocheia, 614 Jerusalem verloren. 615 standen die Perser erneut vor Chalkedon, um 620 besetzten sie Ägypten mit Alexandreia. Das war die Stunde des jungen Kaisers Herakleios (610-641), dessen Familie aus Armenien stammte. Herakleios reorganisierte die oströmische Armee. Es ergriff die Menschen wie eine Vorahnung der Kreuzzüge, spürbar schon in den Tagen Justinians. Wie damals um Edessa, ging es jetzt um die kostbarste Reliquie. Es galt, das wahre Kreuz Christi, in Jerusalem 614 in persische Hände gefallen, den "verhassten Feueranbetern" und späteren Moslems wieder zu entreißen. Im März 630 krönte Herakleios seine Triumpfe durch die Rückführung des wahren Kreuzes Christi nach Jerusalem. Szenen aus dieser Episode wurde von vielen Renaissancekünstlern wie Piero della Francesca aufgegriffen und in berühmte Fresken verwandelt. "Byzanz, Armenien und die christlichen Kaukasusvölker hatten ihren Kreuzzug gegen die Feueranbeter und den unzuverlässigen Südosten des Reiches gewonnen." [26] 

Ab jetzt haben es die Byzantiner mit Mohammed zu tun und seinen Verbündeten, die Juden und Häretiker. Der religiöse Fanatiker "verbündete sich mit dem sozialen Resentiment der Wüste und dem geistigen Widerstand der Juden und Häretiker zum Generalangriff auf die Herrschaft Europas über den Vorderen Orient." Man kann natürlich fragen, mit welchen Taten und Unterlassungen hat Europa, hat Byzanz seine "Jahrtausendkatastrophe im Osten" heraufbeschworen? Tatsache ist, dass die muslimisierten Araber in ihrem Verhältnis zu den Juden das Visier nicht sofort lüfteten. So konnten sie nicht nur in Syrien, Palästina und Ägypten, sondern auch bei der Eroberung Irans das Judentum, das sie begeistert als Befreier begrüßte, für ihre Zwecke ausnützen. [27] 
 

Sieg der Reconquista im Westen als Gegenmodell der Spätgeschichte des Byzantinischen Reiches

Die Wiedergewinnung ehemals christlicher Territorien war nur eine Seite der Reconquista. Darüber hinaus galt es, die Länder politisch und religiös zu stabilisieren. "Dazu holte sich zum Beispiel Alfons I. von Porugal nicht nur die Tempelritter ins Land, sondern auch die Zisterzienser, die gleichermaßen für eine blühende geistliche wie wirtschaftliche Entwicklung standen und bei Alcobaca ein mächtiges Kloster errichteten, das zum religiösen Zentrum wurde." Die Zisterzienser verstanden es auch, die Verteidigung des Landes zu organisieren. So wurde die 1147 von König Alfons VII. eroberte kastilische Stadt und Burg Calatrava, die eine wichtige strategische Bedeutung für Toledo hatte, von dem später als Heiligen verehrten Zisterzienserabt Raimund von Fitero verteidigt, der dazu ein mächtiges Heer aus Ordensangehörigen und Laien organisiert hatte. Aus diesem reinen Verteidigungsverband wurde unter Führung von Zisterziensermönchen ein Ritterorden. "Dieser gewann höchste Bedeutung für die Reconquista, nachdem der Templerorden zerschlagen worden war, dessen Güter auf spanischem Boden auf den neuen Orden übergingen." Der Orden von Calatrava, nach dessen Vorbild weitere militärisch-geistliche Orden gegründet wurden wie etwa der Orden von Montesa oder der Alcantára-Orden, hatte wesentlichen Anteil am Sieg in der Schlacht von Las Navas de Tolosa (16. 7. 1212), als ein gemeinsames Heer von Aragón, Kastilien und Navarra den Almohaden eine so verheerende Niederlage beibrachte, dass ihre Macht auf Dauer gebrochen war. Noch im 13. Jahrhundert vielen Cordoba (1236) und Sevilla (1248) in die Hände der Christen. So ist die Geschichte Spaniens und Portugasl eine Gegenmodell zur "Spät- und Untergangsgeschichte des Byzantinischen Reiches" - eine Erfolgsgeschichte, die ohne das Band der kirchlichen Einheit mit Rom nicht möglich gewesen wäre. [28]

Wie überall auf der Welt wurden auch in den von den Muslimen eroberten Gebieten im Westen die Christen mächtig eingeschränkt vom Islam: Jede öffentliche Religionsausübung (Glockengeläut, Prozessionen) war verboten. Ebenso wenig durfte über den Islam diskutiert, an ihm Kritik geübt und christlich missioniert werden. Wo gegen diese Einschränkungen Widerstand geleistet wurde, griffen die Gewaltmaßnahmen: militärische Niederschlagung, Zerstörung der Kirchen, Hinrichtung der christlichen Männer, Versklavung der Frauen und Kinder. Landbesitz war nur Muslimen erlaubt, zudem mussten Nicht-Muslime eine hohe Kopfsteuer entrichten; wenn sie dazu nicht in der Lage waren, wurden sie in die Sklaverei verkauft. Insgesamt war der Einfluss der Muslime auf Europa eher ungünstig. Eine Vermittlerrolle, "die für die weitere Entwicklung des Abendlandes entscheidend wurde, war nicht so sehr genuine Leistung der arabischen Muslime; vielmehr hatte der arabische Eroberungszug nach Persien und in das byzantinische Reich die Hinterlassenschaften griechischer wie römischer Kultur und Wissenschaft nach Spanien transportiert und dort zu einer neuen Blüte gebracht." Die griechischen Ideen waren verfügbar, "weil sie von den Christen und von vielen nur nominell muslimischen Schreibern oder Beamten kultiviert wurden." Die islamischen Wissenschaften übten damals einen "fast totalitären Druck auf die geistige Einstellung der Muslime aus, und zwar nicht durch offizielle Dekrete, gestützt auf Polizeimaßnahmen, sondern durch die einfache Methode, alles Nichtmuslimische unbeachtet zu lassen." Dem gewöhnlichen Muslim wurde eingeredet, die Heilige Schrift sei durch Christen und Juden verfälscht worden und "was der Koran über die Christen sagte, genüge vollauf.... Die muslimischen Autoren dagegen verfassten apologetische und polemische Schriften gegen andere Religionen und betrieben im übrigen eine Politik des Totschweigens."  [29] 

Bis heute wartet die islamische Welt auf eine freiheitliche Grundordnung wie sie im christlichen Abendland etabliert ist. Diese ist aber ohne Christentum nicht möglich. "Bis auf den heutigen Tag haben sich die Gesellschaftskritiker und Politiker der islamischen Welt vergeblich bemüht, ein geschlossenes, konkretes System der ökonomischen und sozialen Organisation aus der koranischen Offenbarung herauszuarbeiten." In einen der adligen Klans von Mekka hineingeboren, früh verwaist und bis zu seiner Heirat wirtschaftlich ungünstig gestellt, lebte Mohammed (Muhammad ibn Abdallah), Koraischit aus der Sippe Häschim, als Karawanenhändler; er sei sogar mit Karawanen bis Syrien gekommen. "Doch kann mit Sicherheit behauptet werden, er habe keinen engen Kontakt mit den dortigen Christen gehabt, auch keinem christlichen Gottesdienst mit vollem Verständnis beigewohnt, sonst wären die sachlichen Irrtümer über die christlichen Lehren und Bräche" kaum zu erklären. Im Jahre 610, im Alter von etwa vierzig Jahren, erlebt Muhammad nach der Überlieferung seine Berufung. "Es ist sonderbar, dass die frühen Quellen in diesem Kernstück der islamischen Geschichte nicht übereinstimmen. Aus den Berichten wie aus dem Text des Korans geht hervor, dass Muhammad nur zu Anfang seiner Prophetenlaufbahn, und auch da nur selten, eigentliche Visionen hatte, dass also im ganzen der Verkehr mit dem Übersinnlichen sich auf akustische Erfahrungen beschränkte", wie auch bei Personen auftreten, die an Schizophrenie leiden. Im Gegensatz zu wahren Propheten hatte man ihn als "Dämonenbesessenen (madschnun)" bezeichnet. Was er benötigte war ein von Kamelen ausgesuchter Wohn- und Betplatz, woraus sich später die Moschee (masdschid) entwickelte mit einem Vorbeter (Imam). Obwohl Muhammad schon 632 eine Infektionskranheit dahinraffte, verbreiteten seine Nachfolger - nicht weniger fanatisch - den Islam ("Unterwerfung") an den Küsten des Mittelmeers. "Aus dem vorislamischen Raubzug wurde der Dschihad, der "Heilige Krieg. Das bedeutete jedoch nicht, dass die daran Beteiligten unbedingt religiöse Fanatiker waren. Es war eher eine Frage der Stoßrichtung, die muslimischen Raubzüge hatten sich auf Andersgläubige zu beschränken." Die Expansion vollzog sich stets nach dem gleichen Schema. Auf ihren Raubzügen drangen die Muslime immer tiefer in nichtmuslimisches Gebiet ein. "Die Richtung des Vorstoßes scheint weitgehend von den Beutechancen bestimmt gewesen zu sein, und der Vormarsch kam sehr schnell zum Stehen, sobald die erstrebte Beute den Aufwand nicht mehr lohnte, sei es weil örtlicher Widerstand zu überwinden war oder sei es, dass irgendwelche Härten, etwa als Folge klimatischer Unbilden, erschwerend einwirkten. Es war ein Raubzug dieser Art, der von Karl Martell 732 bei Tours und Poitiers besiegt wurde; seitdem sind die Muslime nie wieder so weit nach Westeuropa vorgedrungen.... Die Expansion des islamischen Staates beruhte also auf der Verbindung von religiösem Eifer und dem höchst irdischen Streben nach Beute." Es gab verschiedene Sekten oder Arten von islamischen Räuberbanden, zum Beispiel die Charidschiten und die Schiiten. Auch heute noch breitet sich der Islam auf die gleiche Weise aus: "In den Randgebieten Ost- und Westafrikas, Malaisia und Indonesien sickerte der Islam nur allmählich ein, bis er von kleinen Lokalherrschern angenommen und in ihren Gebieten zur offiziellen Religion erhoben wurde. Diese Infiltration ist noch im Gange, und die Gebiete, in denen der Islam dominiert, erweitern sich ständig." Die Schwäche der europäischen Staaten, denen die Verteidigung der Mittelmeerküste oblag, dazu die Unfähigkeit von Byzanz, die Überlegenheit der Araber zur See auszugleichen, ermöglichte es den Muslimen, fast dreihundert Jahre lang beinahe nach Belieben sich auf den Inseln des westlichen Mittelmeers festzusetzen und die Küstenstriche der Provence und Süditaliens, ja selbst der adriatischen Küste bis über Ancona hinaus zu plündern und zum Teil von Stützpunkten aus zu beherrschen. "Kulturell trug freilich die Anwesenheit der Muslime zur Entwicklung der betroffenen Gebiete wenig bei." Bari bildete bis zu seiner Übergabe an Byzanz 871 das Zentrum für die Angriffe in der Adria, aber auch im Inland. Die politische Eigensucht und Eifersucht der süditalienischen Dynasten auf der einen, die wirtschaftliche Zwangslage der Seestädte auf der anderen Seite sicherten den Muslimen immer wieder christliche Bundesgenossen. "So schlossen sich beispielsweise 876/877 Neapel, Salerno und Amalfi dem in Neapel organisierten sarazenischen Raubzug an die Küste von Rom an. Erst 915 vertrieb Papst Johannes X. die Araber von ihrem Stützpunkt am Garigliano, von dem aus sie fast 30 Jahre lang das römische Stadtgebiet unsicher gemacht hatten. 888 hatten die Muslime sich die Zwingburg von Fraxinetum (La Garde-Freinet) in der Provence gesichert, von der aus sie 972 sogar den Abt von Cluny auf dem Großen Sankt Bernhard gefangennahmen. Erst 983 vermochte der Graf von Provence mit seinen oberitalienischen Verbündeten die Araber niederzuzwingen. 1015/1016 gelang die Rückeroberung Sardiniens, und 1034 waren die italienischen Seestädte, zumal Pisa und Genua, stark genug, den Krieg nach Nordafrika zu tragen." [30]

Damaskus war an die Muslime verloren, Jerusalem ging 638 durch Vertrag in die Hand der Araber. Im Jahre 646 ging mit Alexandeia die wichtigste Metropole des Hellenismus für immer verloren. Während der Stern Karls des Großen langsam aus dem Dunstkreis des westlichen Horizonts aufstieg, setzte Konstantins Sohn und Nachfolger Leon IV. (775-780) die eines Karl Martell nicht unwürdige Serien von Arabersiegen fort. Um diese Zeit hatte Pippins Nachfolger Karl durch die Zerstörung des Langobardenreiches das Erbe Justinians angetreten, eine Tatsache, die die Kaiserkrönung des Jahres 800 nur noch bestätigte. Der lange Vernichtungskrieg gegen die Awaren wirkte wie eine verspätete Entlastungsoffensive zugunsten Ostroms. Die Gründung der Ostmark stempelte die Donau zum zweiten Schicksalstrom Mitteleuropas und zu einer Brücke zwischen Byzanz und dem Abendland. Bulgarien wurde mit Hilfe Ostroms in einen christlichen Staat verwndelt, dessen slawische Mehrheit die "turkvölkische Vergangenheit ohne fremde Hilfe liquidierte." Aus Boris von Bulgarien wurde der Täufling Michael. Eine neue Situation ergab sich unter Leon VI. durch die Wiederaufnahme der Aktivität zur See. Die Korsaren setzten von Kreta und den syrischen Häfen aus zu Angriffen an, die zwar nicht mehr Konstantinopel erreichten, aber mit der Eroberung Thessalonikes (904) die Normannenkatastrophe von 1185 und das Schicksal der Hauptstadt 1204 und 1453 vorwegnahmen. Die Erhebung des Generals Romanuns Lakapenos zum Mitkaiser (920-944) brachte eine gewisse Wendung. Der Feldherr Johannes Kurkuas erreichte 941 nach einem Triumpfzug durch Armenien und Mesopotamien zwar nicht die Eroberung von Edessa, wohl aber die Herausgabe des berühmten Christusbildes, dem "nicht von Menschenhand gemachten, Acheiropoiton. Ebenso wie das wahre Kreuz Christi gehörte die Reliquie zu den heiligsten Unterpfänden der östlichen Christenheit. Im Verein mit dem urchristlichen Ruhm des Namens Edessa steigerten sich die Leidenschaften bei Einzug des heiligen Zeichens in Konstantinopel zu einer Vorahnung der Kreuzzüge." Romanos II. (959-963) stiftete die Beute von Kreta und wurde so zum Begründer der tausendjährigen Mönchsrepublik des Berges Athos (963). Das größte Ereignis der Epoche war die vorher schon vorbereitete und jetzt sich vollendende Bekehrung Russlands zum Christentum. Was Konstantin und Methodios aus Thessalonike, Bruder des Kyrillos und Apostel der Slawen, im Balkanraum gesät hatten, erntete man jetzt in den Riesenräumen Osteuropas. "Die Verluste des Griechentums an den Islam fanden ihre ostchristliche Kompensation. Die Erzählung von den vergangenen Jahren (Nestorchronik) berichtet in legendenhafter Form vom Kampf der Weltreligionen um die Seele der Slawen." Ein Jahrhundert der angespanntesten Übersetzertätigkeit hatte unter Aufsicht der Apostelschüler vom Range eines Kliment und eines Naum den Lehrstoff für die christliche Mission im slawischen Osteuropa vorbereitet. "Kunst und Literatur wetteiferten, um im Kiewer Höhlenkloster (Petscherskaja Lavra) ein neues Rom des Ostens zu schaffen. Nowgorod und der Norden hielten sich noch zurück." In Armenien und Georgien warf die Türkengefahr ihre Schatten voraus. Schon 1064 plünderten die Türken Ani, und 1071 besiegelte die Niederlage von Manzikert das Ende der byzantinischen Herrschaft in Armenien. Ungarn und oghuzische Türken bedrohten die Sicherheit der Donaugrenze. Vor allem ging in Unteritalien die Saat der Kirchentrennung auf. Dort stürzten sich die Normannen Robert Guiskards auf die Reste der oströmischen Herrschaft, ohne den Einspruch der Päpste fürchten zu müssen. Robert Guiskard zog 1072 in Palermo ein. Damit begann das rasche Aufblühen Siziliens unter normannischer Herrschaft. Um diese Zeit waren im Osten schon die Würfel über das Schicksal Kleinasiens gefallen. Kaiser Romanos IV. Diogenes (1068-1071) erlag trotz persönlicher Tapferkeit dem Seldschuken Alp Arslan in der Schlacht bei Manzikert (1071). "Wie zuvor aus Syrien und Ägypten wich der Hellenismus im Zeitalter der nun folgenden Bürgerkriege aus Kleinasien zurück, das dem Gesetz der Steppe verfiel." Dafür übertraf die Ausstrahlung der byzantinischen Kultur alles bisher Dagewesene. Vor allem im Balkan und in Russland gewannen byzantinische Kunstprovinzen ein nationales Gepräge. Davon Zeugen Kirchen wie die Staro Nagoricino in Makedonien aus dem 11. Jahrhundert oder die Demetriuskirche in Wladimir bei Moskau (1194-1197). [31]

Inzwischen hatte sich Kaiser Barbarossa mit Philipp von Frankreich und Richard Löwenherz zum Dritten Kreuzzug entschlossen (1189-1193). Kaiser Isaak II. Angelos (1185-1195) sicherte Barbarossa freien Durchzug auf dem Landwege zu, "schloss aber fast gleichzeitig ein Bündnis mit Sultan Salah ad-Din (Saladin), dem Eroberer Jerusalems. Einen deutlicheren Ausdruck konnte die Spaltung der Christenheit nicht mehr finden. Dem entsprach die propagandistische Rückwirkung einer solchen Taktik auf das Abendland, die politische und militärische Auswirkung auf die Kreuzfahrtheere." Der Tod des Kaisers im reißenden Saleph nahm dem Kreuzzug die gesamteuropäische Konzeption. "Friedrich von Schwaben, der das deutsche Kreuzheer gegen Akka weiterführte, erwog schon damals in seinen Briefen die Einnahme Konstantinopels." In Papst Innozenz III. erstand Byzanz dann ein gnadenloser Gegner. Er initiierte den vierten Kreuzzug, dessen Führung dem Papst zwar entglitt, doch wurde er von dem Ghibellinen Bonifatius von Monferrat geleitet, den das "antibyzantinische Resentiment der Reichspolitik beseelte". Von vornherein plante man den Seeweg, spielte also Venedig einen Trumpf in die Hand. Der erste Fehltritt des Kreuzfahrerheeres war die Eroberung des christlichen Zara, für die der Papst Absolution erteilte. Der zweite Fehltritt war die Eroberung Konstantinopels. "Der wahre Drahtzieher des Kreuzzugs hiess Enrico Dandolo, der für Venedig nicht nur den Löwenanteil an der Beute, sondern das Erbe des oströmischen Handels witterte." Die Plünderung dauerte drei Tage und vernichtete unersetzliche Werte. Einen Teil der Beute birgt Venedig noch heute. Später breiteten sich die Osmanen immer weiter aus. "Im Krieg zwischen Genuesen und Venezianern spielte Byzanz nur noch die Rolle der Beute."  [32]
 

Die Entstehung Russlands als das neue Byzanz, Union zwischen lateinischer und griechischer Kirche

Das Christentum eröffnet auch für Russland den Anschluss an die "Weltgeschichte als Heilsgeschichte". Erst die Christianisierung hatte die Voraussetzung für die Aufnahme Russlands in die europäische Staatenwelt und zugleich eine tiefe Übereinstimmung mit ihr geschaffen. Schon im Zehnten Jahrhundert gab es Christen in Russland. 957 hatte sich sogar die Grossfürstin Olga anlässlich eines Staatsbesuchs in Konstantinopel taufen lassen. Unter Swjatoslaw herrschte zwar noch das Heidentum , aber unter Wladimir dem Heiligen wurde dann das Christentum offiziell eingeführt. Von 1039 bis 1441 waren Griechen als Metropoliten Oberhaupt der russischen Kirche. Im 11. Jahrhundert war ein vor allem von Ostslaven getragener Grossflächenstaat entstanden, der als machtvolles christliches Reich Anerkennung und Ruhm in Europa gefunden hatte. "Die russische Tradition erhob vor allem die Herrschaft Wladimirs II. Monomach (1113-1125) zum Inbegriff der sagenhaften Grösse Kiews: dieser Monarch hatte noch einmal das ganze russische Reich von Kiew aus zusammengehalten und das von ihm angestrebte Leben eines christlichen Fürsten in einer autobiographischen Belehrung mit schlichter Frömmigkeit und weiser Einsicht vorbildlich beschrieben." Byzanz selbst verlor immer mehr seine ausgezeichnete Stellung unter dem sich verschärfenden Druck der Türken einerseits und der Normannen und Kreuzfahrer andererseits. Im 11. Jahrhundert stieg die Zahl der Städte beträchtlich. Erwachsen waren sie aus den vom Fürsten angelegten Festungen (detínez), um die sich meist von einer Holzmauer geschützte Handwerker- und Händlersiedlungen (posád) ausbreiteten. Stadt (górod) bezeichnete sowohl die Burg- und Grenzfestung als auch eine grosse wirtschaftliche Burgsiedlung. Zu einer grossen Stadt wie Kiew, Nowgorod, Tschernigow, Smolensk, Rostow, gehörte ein oft weites Territorium (semljá). Während des Bestehens des Kiewer Reiches gab es ein "Russisches Recht (Práwda rússkaja)", eine Art fürstliche Rechtsprechung; byzantinisches Recht hatte im Kiewer Russland des 11. Jahrhunderts in der Übersetzung des Nomokanons aus dem Bulgarischen als "Steuermannsbuch (kórmtschaja kniga)" Eingang gefunden. "Von nachhaltig prägender Bedeutung für die Geschichte Russlands war die Übernahme des Christentums aus Byzanz." Es sollte bis zum Ende des 16. Jahrhunderts die einzige geistige Macht in Russland bleiben. Die Entwicklung in Westrom war sehr andersartig verlaufen; die Kirche musste sich sehr früh um politische Dinge kümmern. Der neue Weg der weströmischen Welt wird in Augustins Werk De civitate Dei deutlich, in dem neben den Neuplatonismus eine erste Geschichtsphilosophie tritt. Die Geschichtsbezogenheit, im römischen Selbstverständnis schon vorgebildet, sollte zum Wesensmerkmal des von der lateinischen Kirche bestimmten Westeuropas werden. Als die spirituelle griechische Kirche nach Russland übertragen wurde, entstand keine andere geistige Kraft neben der Kirche, weder aus eigener noch aus antiker Wurzel. "Die Antike, in deren Bereich die Russen nie gelebt hatten, wurde ihnen weder durch die Kirche noch durch einen anderen Vermittler erschlossen. Auch die Renaissancen und die Scholastik des westeuropäischen Mittelalters befruchteten Russland nicht, da es die Trennung von der Mutterkirche in Rom eifrig nachvollzogen hatte." In Altrussland lebte allein der tradierte Geist der Ostkirche. Eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber Theorie und Geschichte bewahrte die spirituelle Reinheit der Kirche, ihre Freiheit von weltlichen Zielsetzungen und machtpolitischen Verstrickungen. [33]

Von den Tataren wurde in der Mongolei die Unterwerfung Russlands und Europas vorbereitet.  Im Herbst 1237 unterwarfen die Tataren, den Ural im Süden umgehend, das bulgarische Chanat an der Wolga; im Dezember leitete der Fall von Rjasan die Eroberung Russlands ein, die im Dezember 1240 mit der Zerstörung Kiews abgeschlossen war. Der Angriff stieß über Südpolen, Schlesien und Mähren bis nach Ungarn vor. Weder der russische noch der westliche Widerstand vermochte die Tataren aufzuhalten. Erst Thronstreitigkeiten in der Mongolei veranlassten die Tataren, die westlichen Gebiete zu räumen. Russland selbst blieb im tatarischen Herrschaftsgebiet. "Es hatte während der Invasion furchtbare Verluste an Menschen durch Tod und Verschleppung in die Sklaverei, aber auch an materiellen Gütern erlitten, insbesondere durch die systematische Zerstörung der den Nomaden feindlichen Städte, ein angesichts ihrer geringen Dichte unermesslicher kultureller Schaden. Eine Asiatisierung Russlands erfolgte jedoch nicht: weder brachten die Tataren unter ihrer mongolischen Führungsschicht eine ausgeformte, überlegene Kultur ins Land, noch kam es zu einer breiten verschmelzung, da die Nomaden in der Wolganiederung und der südrussischen Steppe lebten, ohne in den Waldgebieten der Ostslaven zu siedeln. Wohl aber verband die tatarische Herrschaft die Wald- und Steppenzone erstmalig zu einem Staat, dem der 'goldenen Horde'. Die russischen Fürsten verloren ihre Souveränität; ihre Herrschaft hing von der jeweils teuer zu erkaufenden Gnade der Chane ab, die in Saraj an der unteren Wolga residierten." Als es im Jahr 1375 zu moskauischen Tributverweigerungen kam, eröffnete der bedeutendste der sich befehdenden tatarischen Emire, Mamaj, zusammen mit Litauen einen gemeinsamen Feldzug gegen Moskau. Dimitrij (1338-1389) vermochte die Kontingente der kleinen russischen Fürstentümer unter seiner Führung zu einen. Auf dem Wachtelfeld (Kúlikowo póle) im Steppengebiet am oberen Don wurden die Tataren 1380 zum erstenmal von den Russen in einer großen offenen Feldschlacht geschlagen. "Der lähmende Bann war gebrochen, der fast eineinhalb Jahrhunderte hindurch einen Kampf gegen die 'Geißel Gottes' hatte als Hybris erscheinen lassen." Der Sieg Dimitrijs Donskoj, des "Siegers am Don", war so bedeutungsvoll für das russische Volksbewusstsein, dass auch die Einnahme und Verwüstung Moskaus 1382 durch Mamajs Erben und Nachfolger Tochtamysch den Ruhm Moskaus als Schutzmacht Russlands nicht zerstören konnte. Mamajs war nur ein Schützling des mächtigen Chans Timur Leng, der aber auch eigene Interessen verfolgte. Zur Strafe verwüstete 1390 ein Feldzug Timors das Gebiet der goldenen Horde bis in die Gegend von Rjasan. In den Thronkämpfen nach Timurs Abzug hatte der Emir Edigü die Macht an sich gerissen und kämpfte gegen das "gewaltige litauische Heer, dessen Vormarsch von Bonifatius IX. zum Kreuzzug erklärt worden war. Im August 1399 wurde in einer entscheidenden Schlacht an der Worskla, einem südlichen Nebenfluss des Dnjepr, die litauische Hoffnung auf eine Oberhoheit über die goldene Horde und damit über Russland vernichtet. Moskau hatte sich aus diesem Kampf der osteuropäischen Großmächte herausgehalten und blieb weiterhin sowohl von den Tataren wie von Litauen bedroht: 1403 gingen Wjasma, 1404 Smolensk an Litauen verloren." 1408 standen die Tataren vor Moskau und nahmen 1410 Wladimir ein. Dennoch war die "tatarische Vorherrschaft über Russland trotz aller politischen Gefährdung Moskaus erschüttert."  [34] 

Ursprünglich sollte Konstantinopel gerettet werden. Was lief schief? "Die Ernennung des gebildeten, kirchenpolitisch erfahrenen Griechen Isidor durch den Patriarchen (1437) diente dem großen Ziel, eine Union zwischen der lateinischen und griechischen Kirche zu schließen und damit die militärische Hilfe des Westens für Konstantinopel gegen die Türken zu mobilisieren. Isidor, der bereits auf dem Baseler Konzil für die Union gearbeitet hatte, sollte als Hirt der bedeutenden und allein noch unabhängigen Kirchenprovinz Konstantinopels den griechischen Wünschen Gewicht verschaffen. Daher reiste Isidor 1437 mit großem russischem Gefolge von Moskau nach Florenz zum Unionskonzil, der ersten von Moskau beschickten europäischen Versammlung. Als er bei seiner Rückkehr 1441 die vollzogene Union in Moskau feierlich verkündete, ließ ihn Wasilij II. als Abtrünnigen vom rechten Glauben festnehmen, dann aber - um einen Kirchenprozess zu vermeiden - aus der Haft entkommen." In Russland wird das eigenmächtige Vorgehen des Großfürsten so gerechtfertigt: mit dem Abfall der Griechen vom rechten Glauben auf dem Florentiner Konzil, mit der im Falle Konstantinopels sichtbaren Strafe Gottes und mit der Sorge des Großfürsten für die Reinheit des Glaubens. "Der Großfürst erhielt auf diese Weise den Nimbus eines Hüters der Orthodoxie." Angesichts des Niedergangs von Konstantinopel passierte folgendes in dem einzigen unabhängigen russischen Fürstentum, das damals neben Moskau Bedeutung hatte, nämlich in Twer. Die vor den Türken aus dem Balkan geflüchteten orthodoxen Geistlichen in Russland verglichen den Fürsten Boris von Twer mit dem byzantinischen Kaiser; er wurde als gleich mächtig, gleich fromm und als Abbild eines byzantinischen Kaisers gepriesen. "Twer und sein Fürst sollten an die Stelle von Byzanz mit seinem Kaiser gesehen werden. Diese politische Tendenz sollte Wasilijs II. Nachfolger aufgreifen und mit seinem Selbstverständnis als Hüter der reinen Orthodoxie zu der machtvollen Vorstellung von einem Moskauer Zarentum verbinden." Noch heute beruft man sich auf Byzanz und wirft der EU Unchristlichkeit und Islam-Freundlichkeit vor. So wird zum beispiel gesagt, dass die EU "von Pädophilen, Homosexuellen, Muslimen und Muslimverstehern dominiert wird, die Serbien ausplündern und die traditionellen orthodoxen Werte des serbischen Volkes untergraben wollen." [35] 

In seinen Anfängen durch einen Kranz von älteren Fürstentümern an der oberen Wolga und der Oka geschützt, war Moskau auch nach dem Einfall der Tataren niemals in dem Maße ihren ständigen verwüstenden Raubzügen ausgeliefert wie etwa die Fürstentümer Rjasan, Nishnij Nowgorod oder Serpuchow. Iwan III. (1462-1505) brachte daher die durch Generationen vorbereitete Einigung Nordrusslands unter Moskaus Führung zum Abschluss und bahnte die Umwandlung der Großfürstenwürde in die eines Autokrators an. "Der Prozess vollzog sich, ohne dass ihn die russlandfeindlichen Nachbarmächte, die Tataren und die Litauer, hätten aufhalten können." Nur das Chanat Kasan sollte noch lange die Wolgastraße wie eine Sperrfestung für Moskau verschließen. Die Krimtataren lehnten sich allmählich an die in das Schwarzmeergebiet vorstoßende türkische Politik an. Bereits Iwan III. hatte sich im diplomatischen Verkehr gelegentlich den Titel Zar zugelegt, der bis dahin in Russland nur für die biblischen Könige und die Kaiser von Byzanz gebraucht worden war. "Die vom Vatikan vermittelte Ehe Iwans III. mit der in Italien aufgewachsenen Nichte des letzten Palaiologenkaisers, Sophia, verwirklichte zwar nicht die auf katholischer Seite gehegten Unionshoffnungen, zeigte aber Iwans Anspruch, dem christlichen Weltkaiser ebenbürtig, ja dessen Nachfolger zu sein. Neben der Übernahme des Kaisertitels, des Doppeladlers und eines strengen Hofzeremoniells versuchte um 1500 eine umfangreiche religiös-historische Traktatliteratur zu erweisen, dass Gott seine Gnade sichtbar von Byzanz nach Russland übertragen habe." Es gehe um den letzten christlichen Staat, der nicht von Muslimen unterwandert sei (heute leben in Russland allerdings mehr Muslime als in jedem anderen christlichen Land). Moskau wurde eine ökumenische Verantwortung zugeschrieben. Seit Iwan III. förderten die Reformen die Auflösung des alten, religiös begründeten Rechtsherkommens (stariná) zugunsten einer aus der Herrschergewalt (grósnost) stammenden, gesetzlichen Rechtsordnung, die vereinheitlichend und zentralisierend dem Nutzen der Autokratie dienen sollte. Die staatliche Reorganisationen brachten sofortige Erfolge: 1552 wurde endlich Kasan eingenommen. Das war ein, auch religiös, bedeutsamer Sieg, dem der Fall Astrachans 1556 folgte. Damit war nicht nur der Wolgaweg gewonnen. Moskaus Weg nach dem Osten und Südosten war frei. Sofort setzte eine Besiedlung des Wolgagebietes ein, die der Staat förderte und durch Garnisonen sicherte. In Wahrnehmung staatlicher Aufgaben hatten die Stroganows, wirtschaftliche Großunternehmer, zur Sicherung der russischen Besitzungen am Ural Kosaken aus dem Dongebiet angeworben, Angehörige einer militärisch lose und selbstständig organisierten Bevölkerungsgruppe, wie sie sich überall an Russlands Südgrenze in ständigem Kampf gegen die Tataren herausgebildet hatte. Diese Kosaken hatten nach vereinzelten Vorstößen über den Ural 1582 das Tatarenchanat Sibir, das letzte, Moskau nach Osten vorgelagerte politische Gebilde, zerstört und die eroberten Länder sofort dem Zaren als Reichsprovinz unterstellt. Mit dieser Expansion eines ins Unermessliche erweiterten Staatsgebietes, wurde das gewaltige russisch-byzantinische Imperium errichtet. [36] 

Die Auseinandersetzungen zwischen Vertretern der beiden Arten von Frömmigkeit, wie sie Nil und Josif zuerst formuliert und gelebt hatten, währte bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts und rief eine Fülle von Schriften hervor. Die Von Nil und seinen Starzen vertretene Frömmigkeit führte den Menschen aus der Welt hinaus, diese wurde sich selbst überlassen. Demgegenüber verfocht Josif Sanin mit aller Härte die Notwendigkeit einer festen Führung des Menschen in der Welt durch eine machtvolle Kirche und ihre autoritative Hierarchie. Der Zar trägt nicht nur für den weltlichen (telesnoje), sondern auch für den geistlichen Bereich (duchownoje) die Verantwortung vor Gott. Er hat darum, wie einst Konstantin der Große, die Kirche vor der Häresie (heute vor allem Islam) zu schützen; als Zar aus Gerechtigkeit, kraft göttlichen Rechts also, Hohepriester und Herrscher in einer Person, war die Ostkirche zum Inbegriff des Herrschertums geworden. [37] 
 

Byzantinistik heute

Die Unkenntnis über die orientalischen Christen ist weit verbreitet. Dass der Orient "vor dem Islam fast vollständig christianisiert" war, ist vielen nicht bewusst.  "Erst die muslimischen Eroberungszüge und Reichsgründungen drängten das Christentum in die Position einer Religion zweiten Ranges", deren Gläubige politisch bevormundet und gesellschaftlich benachteiligt wurden.  Sich mit dem christlichen Orient auszukennen muss Teil der Allgemeinbildung werden. Davon ist Deutschland aber weit entfernt. Von den ehemals vier Universitäten, an denen Byzantinistik gelehrt wurde, ist nur noch der Standort Halle übrig geblieben. Die Lehrstühle in Bonn, Tübingen und München wurden nicht wiederbesetzt. Hier spiegelt sich die Ignoranz der "Islam-Versteher-Politiker" wieder, die die Verbreitung des Islams in Europa aktiv fördern. So sind die Islamwissenschaften an deutschen Universitäten überproportional stark vertreten: sie werden "von 34 Professoren an 20 Universitäten gelehrt." Heute geht es in Merkel-Deutschland sogar darum, dass manche Landesregierung überlegt, "der katholischen oder evangelischen Theologie offensiv die Tür zu weisen", während an immer mehr Universitäten "islamisch-theologische Institute eingerichtet werden."  [38] 

"Die Malerei der romanischen Epoche bringt auch im Westen fast byzantinische Kirchenräume hervor." Gleichzeitig steht man politisch und religiös Rücken an Rücken. Man nimmt sich entweder nicht zur Kenntnis oder schnellt zu heftiger Auseinandersetzung, wenn nicht zum tödlichen Duell gegeneinander. Die Versuche zur Wiedervereinigung der getrennten Brüder kamen zu spät und zeitigten nur vorübergehende, keine dauernden Erfolge. "Wenn das Mittelalter nur zu gern vergaß, dass auch Ostchristen Christen sind, vergisst die Gegenwart, dass auch Osteuropäer Europäer sind. Man schreibt Russland und den Balkan ab, man übersieht geflissentlich, dass Rassen europäischen Typs bereits in der Steinzeit bis zum Baikalsee tonangebend waren." Die westliche Forschung muss einspringen, wenn es um die Erkenntnis der Rolle von Byzanz in der Weltgeschichte geht. War Russland bis vor einigen Jahrzehnten noch durch die marxistischen Scheuklappen daran gehindert, seine Mutterkultur unvoreingenommen zu würdigen, gibt es heute eine Welle der Rückbesinnung auf die griechischen Ursprünge und damit auf Byzanz. Im Gegensatz zur Türkei gibt es in Russland inzwischen eine ausgeprägte byzantinische Forschung. Schließlich sind die Bande, die Russland und Südosteuropa mit Byzanz verknüpfen, noch enger als das geistige Band zwischen Byzanz und dem westlichen Abendland. Auch sind weder der heutige griechische Staat noch seine Kirche ohne die Nabelschnur zu denken, "die sie über die Türkenzeit hinweg mit Byzanz verbindet." Mönchschöre auf Athos und Sinai singen wie in Griechenlands Kathedralen. Die gewaltsame Umwandlung Kleinasiens von einem christlichen in einen muslimischen Staat durch die Türken, gehört noch der Zeitgeschichte an. "Ohne die Slawen wäre Byzanz wie sein Kaiserreich Trapezunt eine Schrulle der Geschichte, nicht aber ein unüberhörbares Leitmotiv in der weltgeschichtlichen Symphonie des globalen Zeitalters." Beim Umbruch des Jahres 1917 verschwand die russische Byzantinistik als vermeintliches Zubehör des Zarismus in der Rumpelkammer. Wie oben erwähnt nahm das Sendungsbewusstsein des Zarismus und seiner Kirche "byzantinische Züge an, die politisch im Traum von der Wiedererrichtung des Kreuzes über der Sophienkirche von Konstantinopel gipfelten." Die Fachzeitschrift Vizantijskij Vremennik, ein Organ der Zarenzeit, durfte nach langer Unterbrechung wieder erscheinen. Trotz des marxistischen Klotzes am Bein konnte die sowjetische Byzantinistik mit voller Kraft arbeiten. [39]

Für die Wissenschaft von Byzanz sind auch die Entwicklungen im Westen wichtig. Hier war es vor allem die Renaissance, die von Byzanz ausgelöst wurde. Die Emigranten aus dem Ostreich stellten schon vor der Eroberung Konstantinopels nicht nur kirchliche Würdenträger, sondern Lehrer der Wissenschaften wie Emmanuel Chrysolras, der als kaiserlicher Gesandter im Westen blieb und durch seine Vorlesungen in Venedig mehr als jeder andere dazu beitrug, die in Italien seit sieben Jahrhunderten verstummte griechische Literatur und Wissenschaft dort wieder heimisch zu machen. "Die Namen der byzantinischen Flüchtlinge nach dem Sieg der Türken sind Legion. Sie belebten nicht nur die Kenntnis des Griechischen und die Sehnsucht nach dem klassischen Ideal." Schon die griechische Handschriftenkunde verwandelte die Humanisten unfreiwillig in Byzanzforscher, da die klassischen Autoren ausschließlich in byzantinischen Handschriften überliefert waren. Im 19. Jahrhundert leisteten fast alle führenden Nationen ihren Beitrag, doch blieb das im Rahmen von Einzelbemühungen, bis in den achtziger und neunziger Jahren zunächst in Deutschland, aber fast gleichzeitig auch in Russland, Frankreich, Griechenland und anderen christlichen Nationen die Byzantinistik als selbstständiger Wissenschaftszweig und Universitätsfach ins Leben trat. Vor allem Charles Diehl legte die Grundlagen der byzantinischen Kunstgeschichte (Manuel d'art byzantin). Auch in der übrigen Staatenwelt Südosteuropas kümmerte man sich zugleich mit der Nationalgeschichte um ihre byzantinischen Grundlagen. Was Jirecek für Serbien leistete, vollbrachte Zlatarski für Bulgarien und Jorga für Rumänien. Überflüssig zu bemerken, dass im gesamten Südostraum einschließlich Tschechien und der Slowakei die Byzantinistik heute mit größtem Eifer betrieben wird.  [40] 
 

Basilika San Nicola in Bari

Die Basilika San Nicola in Bari wurde im 11. Jahrhundert zu Ehren des Bischofs Nikolaus von Myra errichtet. Sie gilt bei Katholiken wie Orthodoxen als hochgeschätzte Pligerstätte. Die Wallfahrtskirche wird heute von Dominikanern betreut und beherbergt auch das "Ökumenische Zentrum", einer der wichtigsten Orte Italiens für theologische Arbeit im Hinblick auf die Einheit der Christen. Franziskus I hatte zwanzig hochrangige Kirchenführer eingeladen. Darunter der Ökumenische Patriarch Bartolomaios I., der griechische orthodoxe Patriarch von Alexandrien, Theodoros II., der koptische Patriarch Tawadros II., der maronitische Patriarch Kardinal Bechara Rai, der chaldäische Patriarch Louis Raphael I. Sako, der russische Metropolit Hilarion (Alfejew), Chef des Aussenamtes im Moskauer Patriarchat, und der lutherische Bischof von Jerusalem, Sani Ibrahim Azar. Mit der Zusammenkunft wollen die Versammelten ein Zeichen setzen, die Solidarität mit den verfolgten Christen des Nahen Ostens zum Ausdruck bringen. [41] 
 

Die heutige Türkei mit ihrer erheuchelten Religion ("simulata religione") als denkbar schlechtester Verwalter des ehemaligen Byzantinischen Reiches und ihrer Kunstschätze

Auch die Nato und die Vereinten Nationen spielten eine eher unrühmliche Rolle. Der erste griechisch-türkische Konflikt über Zypern (1955-1959) setzte ein, bevor beide Staaten vollständig in die militärische Integration der Nato eingebunden werden konnten. Während die griechischstämmige Mehrheitsbevölkerung der britischen Kronkolonie unter Führung von Erzbischof Makarios einen Anschluss ("Enosis") an Griechenland anstrebte, favorisierte die türkische Minderheit einen unabhängigen Staat mit weitgehenden Rechten für die eigene Volksgruppe. "Neben den Vereinten Nationen bildete die Nato das zentrale Forum für die Austragung des Konflikts. Dort setzte sich schnell die Position durch, die Entstehung eines unabhängigen Staates zu unterstützen." Also wurden vom Westen unsinnigerweise vor allem die türkischen Interessen unterstützt.  "Athen, das zeitweise sogar seine Offiziere aus Nato-Stäben abgezogen hatte, stimmte dieser Lösung nur widerwillig zu und bezichtigte das Bündnis öffentlich, sich auf die Seite der Türkei gestellt zu haben. Tatsächlich hatte für die Nato der Schutz ihrer Südostflanke durch die Verpflichtung des Allianzmitglieds Türkei eindeutig Vorrang vor den Wünschen Griechenlands. Der neue Status Zyperns führte nicht zu einer Befriedung, sondern zu neuen Auseinandersetzungen." (!963-1965) Auch nach der militärischen Besetzung des nördlichen Landesteils durch die Türkei (1974) hat die Nato es nicht geschafft, die Region zu befrieden. Die Nato wollte die Türkei als Bollwerk gegen den Ostblock. Doch "auch 2018, knapp dreißig Jahre nach dem Ende des Ost-West-Konflikts, bestehen die Konflikte zwischen der Türkei und Griechenland fort. Eine Lösung des damit verknüpften Zypern-Konflikts ist ebenso wenig in Sicht." Der Westen hatte immer auf ein durch die erheuchelten Religion des Islams heruntergekommenes Land gesetzt statt nur christliche Länder in das Bündnis aufzunehmen. [42] 

Die Folgen einer verfehlten Nato-Politik, die die Islamisierung der Türkei förderte, statt das christliche Griechenland zu unterstützen, kann man nun an der Entwicklung der Türkei erkennen. Das kontinuierliche Abdriften der Türkei in den Islamismus ist auch an den gegenwärtigen Kampagnen ablesbar, die dort für das islamische Ost-Jerusalem veranstaltet werden. Als Ali Erbas seinen Amtsvorgänger Mehmet Görmez an der Spitze des staatlichen Präsidiums für religiöse Angelegenheiten (Diyanet), die in Europa die islamistischen Organisationen Ditib und Atib betreibt, ablöste, ließ er keinen Zweifel daran, dass er dessen Haltung in Sachen Muslimisierung Jerusalems teilt. Görmez hatte im Sommer 2015 eine Flammende Rede in der Jerusalemer Al-Aqsa-Moschee gehalten. Erbas sagte in einer Freitagspredigt: "Unsere offene Wunde: Jerusalem" und kritisierte Trumps Jerusalem-Erklärung in aller Schärfe: "In der Stadt der Propheten schweigen die Waffen nicht." Auch der Moscheeverband Ditib in Deutschland, der mit kleinen Kinder Kriegsspiele einübt, sprach von einem zerstörten "Vertrauensklima in der Region und unserer Welt", also einer Welt der erheuchelten Religion. Auf das Informationsangebot und die Hasspredigten des Diyanet, "das in der Türkei einen eigenen Fersehsender mit Internetportal betreibt, kann man auch in Deutschland über verschiedene elektronische Kanäle zugreifen." Die Organisationen Diyanet, Ditib und Atib stehen auch wie andere islamische Organisationen für Geschichtsklitterei. "Dass Jerusalem auch etwas mit jüdischer Geschichte zu tun hat, sucht man in seinen Stellungnahmen wie auch im gesamten Sprktrum der islamiistschen Szene in der Türkei vergebens. So auch auf der internationalen Tagung 'Al-Aqsa-Kanzel für Moscheeprediger und Rechtsgelehrte', die in Istanbul Ende Juli zum zweiten Mal stattfand. Ihre erste Edition vor einem Jahr war von der Al-Quds-Kommission der islamistischen 'Internationalen Union Mulimischer Gelehrter' organisiert worden. Ebenfalls beteiligt waren damals die ähnlich gesinnte 'Gesellschaft palästinensischer Gelehrter in der Diaspora" sowie der international ausgerichtete Jugendverein 'Irade' - dieser schürt im Land wie in arabischen Ländern vor allem bei Frauen und Kindern den Kampfgeist für Al Aqsa. Es wird offen zur 'Befreiung' Ostjerusalems aufgerufen, und einer der beliebtesten Slogans von 'Irade' glorifiziert die Stadt als 'Unsere Al-Aqsa, nicht ihr Tempel' und leugnet damit den jüdischen Anspruch auf Jerusalem. Auf manchem Al-Quds-Workshop von 'Irade' wird auch offen für die palästinensische Hamas geworben." [43] 

Der Konferenz 2018 ging ein Treffen der beiden genannten Gelehrten-Organisationen mit türkischen Vertretern der erheuchelten Religion voraus, das "von der Gemeinde Esenler - ein europäischer Stadtteil von Istanbul - mitgetragen wurde. Bei diesem Anlass wurde das 'Forum türkischer Religionsgelehrter für Jerusalem und Palästina' ins Leben gerufen. Die Eröffnungsrede hielt kein anderer als der Hamas-Ideologe Nawaf al Takruri, Vorsitzender der palästinensischen Diaspora-Gelehrten und bekannt für sein 1997 veröffentlichtes Pamphlet 'Die Märtyrertod-Operationen aus Sicht des Religionsgesetzes', das Selbstmordattentate gegen israelische Zivilisten rechtfertigt." Vermutlich weil die beiden genannten Gelehrten-Organisationen, die internationale und die palästinensische, 2017 auf die Terrorliste gesetzt worden waren, firmierte in diesem Jahr als Veranstalterin der Istanbuler Al-Aqsa-Konferenz die bislang unbekannte "Internationale Gesellschaft der Al-Aqsa-Kanzel". Ansprachen hielten dort aber vertraute Personen "aus dem Umfeld der islamistischen Al-Quds-Kampagne, darunter der in Katar ansässige Ali al Qaradaghi, Vorsitzender der Gelehrten-Union, oder auch der frühere Diyanet-Chef Mehmet Görmez. Den türkischen Staat vertrat auf der Konferenz, an der rund vierhundert Personen teilnahmen, der Mufti von Istanbul, Hassan Kamil Yilmaz, der, bevor er dieses Amt 2017 antrat, Görmez' Stellvertreter gewesen war. Noch bevor Yilmaz das Wort ergriff, wurde von mehreren Vorrednern zur Befreiung des muslimischen Jerusalem aufgerufen." Statt der jüdisch-christlichen Religion solle der Islam, also die erheuchelten Religion ("simulata religione") herrschen. "Die Befreiung von Al-Aqsa, schloss sich Yilmaz dem allgemeinen Tenor auf der Tagung an, müsse gemeinsames Ziel aller Muslime werden. Ein neuer Saladin solle dort bald wieder herrschen."  [44] 

Die zunehmende Verzahnung des türkischen Establishments mit einheimischen und arabischen Islamisten bei der Solidaritätskampagne für Jerusalem hat nun auch das türkische Hochschulsystem erreicht. So wurde an der Universität für Sozialwissenschaften in Ankara ein neues Geschichtsklitterungszentrum, das "Forschungszentrum für Jerusalem-Studien" eröffnet. Dort soll Christus als "islamischer Prophet" umgemünzt werden. Daher soll neben Jerusalem auch Bethlehem Studiengegenstand sein. Jerusalem soll mit dem arabischen Begriff "Bayt al Maqdis" (Türkisch: Beytülmakdis) bezeichnet werden. "Leiter des neuen Zentrums ist der palästinensische Historiker Abd al Fattah al Awaisi, der in islamisten-Kreisen für sein einschlägiges Engagement hohes Ansehen genießt. Al Awaisi, der 1966 im englischen Exeter über das Verhältnis der ägyptischen Mulimbrüder zur Palästina-Frage promoviert hat, unterrichtete später an der Universität Hebron" - bis ihn die israelischen Behörden als militantes Hamas-Mitglied einstuften und in den Libanon abschoben. [45] 

Schon damals gab es kaum noch Lehrstühle für Byzantinistik in Europa, überall breiteten sich die elenden Islamwissenschaften aus. So konnte auch al Awaisi sich 1994 in Schottland niederlassen und "mit Hilfe des arabischen Golfemirats Dubei an der Universität Abertay Dundee ein Institut für eine von ihm eigens geschaffene 'Disziplin' 'Islamische Jerusalem-Studien (islamic Jerusalem Studies)' gründen. Wie an allen rein islamischen Universitäten oder islamwissenschaftlichen Instituten wurde auch Geschichtsklitterung in seiner reinsten Form betrieben. Als Sprachrohr diente seine Zeitschrift "Journal of Islamic Jerusalem Studies.". Al Awaisis Institut in Schottland wurde 2011 "infolge des geänderten Kurses Dubais gegenüber der Islamisten-Szene aufgelöst.Der palästinensische Agitator wurde dann eine Zeitlang von der Utara Universität in Malaysia, wo ein ähnlich genanntes Studienzentrum entstand, unterstützt. Vor einigen Jahren entschied er sich dann, in die Türkei zu gehen, wo für ihn die Stiftung 'Isra-Vakfi' gegründet wurde - benannt nach Mohammeds im Koran überlieferter nächtlicher Reise (Isra) von Mekka nach Jerusalem." Nun veröffentlichte er vor allem türkischsprachige Artikel, die dem "Neo-Osmanismus der AKP frönen und ihrem immer lauter artikulierten Anspruch auf Jerusalem verpflichtet sind." Und das obwohl der Islam ein Auslaufmodell ist und die Türkei ökonomisch ein Übernahmekandidat. [46] 

Aber nicht nur türkische Organisationen fördern die weitere Muslimisierung Jeruslems, auch Organisationen wie die Arbeiterwohlfahrt (AWO) oder die Partei "Die Linke". Leitende Mitglieder unterstützen Terrororganisationen wie die "Hamas" oder "Hizbullah". Das von der Arbeiterwohlfahrt (AWO) getragene Berliner Theaterprojekt "Refugee Club Impulse" (RCI) gastierte mit seinen Stücken bereits auf Festivals und in der Berliner Schaubühne. Eine Auszeichnung des Projektes wurde wieder zurückgenommen, weil leitende Mitarbeiter des Vereins regelmässig an Veranstaltungen der islamistischen Miliz Hizbullah teilnehmen und Spenden sammeln. "Die von den RCI-Leiterinnen offenbar geschätzte Hizbullah und ihre Unterstützer organisieren in Berlin jedes Jahr die Demonstration zum sogenannten Al Quds-Tag (Jerusalem-Tag, den Ajatollah Chomeini 1979 zum Kampftag für die endgültige Eroberung Jerusalems ausrief.), die unüberhörbar den Hass gegen Israel und Juden schürt. Dabei werden nicht nur Hizbullah-Fahnen und Chomeini-Plakate geschwenkt, sondern auch immer wieder antiisraelische und antisemitische Schmähungen und Hassparolen skandiert - für einen nahen Osten ohne Juden" und Christen. "Wegen einiger Polizeiauflagen wurde 2017 in Berlin nicht mehr 'Tod, Tod, Israel' skandiert, sondern lediglich auf Plakaten behauptet, Israel hätte den IS erfunden" usw.  Der aggressiv aufgeladene Strom von "deutschen und arabisch-muslimischen Demonstranten wogte, gut beschützt von der Bereitschaftspolizei, wieder über den Kurfürstendamm." Am Tag davor hatten Aktivisten der muslimischen Kauft-nicht-beim-Juden-Bewegung in der Humboldt-Universität die israelische Schoa-Überlebende Dvora Weinstein und Jugendliche der Partei "Yesh Atid" ("Es gibt eine Zukunft") mit wüsten Israel-Beschimpfungen überzogen. Gegendemonstranten wurden von der Polizei aufgefordert, sich hinter weit entfernte Sperrgitter zurückzuziehen, andernfalls bestehe Gefahr, "die Quds-Demonstranten könnten sich provoziert fühlen. Bürgersteig also für den Hass reserviert." Moslem-Kritiker, die sich dem nicht fügen, werden von der Berliner Polizei abgeführt. Der muslimische Israel-Hass fängt bereits bei den Schulbüchern in Palestina an. Eine Studie hat Fünfzehn Schulbücher für die Fächer Geschichte, Geographie, nationale Erziehung usw. im Auftrag von Bundestagsabgeordneten untersucht. Die Studie ist zu dem Schluss gekommen, dass der "Märtyrertod" von Palestinensischen Terroristen verherrlicht werde, zudem enthalten sie Verschwörungstheorien und antisemitische Karikaturen.  Diese Schulbücher gehören zum palestinensischen Kerncurriculum. "Mit ihnen werden Kinder in Gaza und im Westjordanland in staatlichen Schulen und den etwa 340 Schulen des UN-Hilfswerkes für palestinensische Flüchtlinge (UNRWA) unterrichtet. Die UNRWA hatte jetzt endlich verlangt, diese diskriminierenden Inhalte zu ändern. Das Bildungsministerium lehnt das aber ab, die Hamas sprach von einem "politischen Verbrechen". Allein Deutschland unterstützt die Autonomiebehörden mit 150 Millionen Euro im Jahr, ohne zu wissen, wofür das Geld überhaupt verwendet wird. Friedenserziehung, die immer wieder angeführt wird, sehe anders aus - so die Studie - "diese Bücher trügen stattdessen zu einer Eskalation des Konfliktes bei." Die Amerikaner haben daher diese Hilfe eingestellt, Merkel-Deutschland will sie nun erhöhen. In der Türkei und Deutschland wird das Steuergeld an der falschen Stelle ausgegeben und verschwendet, zum Beispiel für unsinnige islamische Bauten oder dem Aufbau krimineller islamischer Hilfsorganisationen wie der Hamas, gegen die es, neben dem Vorwurf des Terrorismus, auch  Foltervorwürfe gibt. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hat der islamistischen Hamas sowie der Palästinenserregierung von Mahmud Abbas vorgeworfen, ihre Kritiker routinemäßig festzunehmen und zu foltern. In mehr als zwei Dutzend Fällen seien Menschen ohne eindeutigen Grund festgenommen worden. Sie hätten lediglich einen kritischen Text geschrieben oder einer missliebigen Organisation angehört, berichtete Human Rights Watch Ende Oktober 2018. Die Organisation forderte unter anderem die EU und die Vereinigten Staaten auf, ihre Unterstützung für die entsprechenden Behörden einzustellen, bis diese die Praktiken beendeten. „Forderungen palästinensischer Vertreter, die Rechte der Palästinenser zu schützen, klingen hohl, während sie selbst Kritik im Keim ersticken“, hieß es. [47] 

Die Türkei hat den größten Dschihadisten-Flughafen der Welt gebaut, hauptsächlich um Islamisten nach Mekka zu transportieren und Billigflüglinien eine Plattform zu bieten. "Da steht es nun, das „Monument des Sieges“. Das Symbol, mit dem die Türkei in die Weltelite aufsteigen will. Ihr Präsident Recep Tayyip Erdogan hat sein liebstes Prestigeprojekt einst so genannt. Jetzt ist es fertig und dominiert die hügelige Landschaft 35 Kilometer nördlich von Istanbuls Zentrum, an der Küste des Schwarzen Meeres." Wo einst Kohle abgebaut wurde, was eine Kraterlandschaft hinterlassen hat, ist Europas größter Flughafen, der vor allem von Islamisten genutzt wird, entstanden, größer als die Flughäfen London-Heathrow, Paris und Frankfurt. In ein paar Jahren, nach zusätzlichen Erweiterungen und der weiteren Ausbreitung des Islams, soll er sogar der größte der Welt sein. "Es ist ein gewaltiges Projekt. Mehr als sieben Milliarden Euro hat es bisher gekostet, so viel wie kein anderes einzelnes Vorhaben des Landes. Es wird dominiert von einem gigantischen Terminal, an dem 114 Flugzeuge gleichzeitig abgefertigt werden können, dreimal so viel wie am alten Istanbuler Flughafen Atatürk. Innen ist es hell und weiträumig, gesäumt von weißen Säulen und Kuppeldecken, die ein bisschen orientalische Atmosphäre versprühen. Davor entsteht gerade eine Moschee. Zwischen den beiden Landebahnen ragt der neue Kontrollturm heraus, in Form einer Tulpe, die an die guten Zeiten des Osmanischen Reichs erinnern soll." Der Flughafen wurde vor allem für islamische Fluggesellschaften gegründet, die in Europäischen Flughäfen aus Sicherheitsgründen nicht mehr landen dürfen. Moderne Sklaven haben ihn gebaut. "Vor kurzem streikten und rebellierten die Arbeiter wegen der schlechten Arbeits- und Unterkunftsbedingungen. Die Polizei beendete den Aufstand gewaltsam, es gab Festnahmen. Offiziell sind bisher 30 Arbeiter während der Bauzeit durch Unfälle gestorben, eine Gewerkschaft spricht von bis zu 400. Die Proteste werfen zusammen mit dem Vorwurf mangelhaften Umweltschutzes einen Schatten auf Erdogans Prestigeobjekt. Hinzu kommen Baurisiken durch den hohen Zeitdruck und den labilen Untergrund, auf dem das Terminal steht" - nicht zu vergessen die hohe Erdbebengefahr in Istanbul. Wenn kein Erdbeben kommt, wird die maximal verfügbare Kapazität auf 90 Millionen Passagiere steigen, vor allem Muslime, mehr als irgendwo anders in Europa. „2019 werden wir schon etwa 77 Millionen Fluggäste abfertigen“, sagt Flughafen-Chef Kadri Samsunlu. Spätestens 2020 hätte Istanbul dann Heathrow nicht nur bei der Kapazität, sondern auch den tatsächlichen Passagierzahlen als größten Flughafen Europas abgelöst. Ein Jahr später könnte der neue Flughafen sogar schon seine Kapazitätsgrenze erreichen. Am Ausbau wird aber bereits gearbeitet, Anfang 2020 soll eine dritte Landebahn fertig werden, dann könnte theoretisch alle 30 Sekunden ein Flugzeug starten. „Wir sehen die europäischen Drehkreuze, aber auch Dubai als unsere wichtigsten Konkurrenten an, von denen wir Passagiere anlocken wollen“, sagt Kadri Samsunlu. Im Klartext: Er will Passagiere gewinnen, die zum Beispiel von Hamburg, Berlin oder Stuttgart nach Asien, Afrika oder in den Nahen Osten reisen wollen. Sie wechseln mangels Direktflügen bisher häufig in Frankfurt in eine Lufthansa-Maschine, könnten aber auch in Istanbul umsteigen, zumindest wenn es Muslimbrüder und AKP-Türken sind, allen Anderen droht beim Umsteigen eine vorläufige Festnahme, die sich auch einmal ein paar Jahr hinziehen kann. Viele muslimische Fluglinien wie Emirates oder Etihad dürfen deutsche Flughäfen aus Sicherheitsgründen kaum anfliegen. Auch Turkish Airlines soll zunehmend die Landung auf Europäischen Flughäfen verwehrt werden. Ähnliches gilt für Qatar Airways, das auf seinen Flügen Salafisten auf Mekka vorbereitet: "Mekka wird für gläubige Muslime selbstverständlich den gesamten Flug über angezeigt." Ausserdem gibt es schöne Grüße von deren "Chef His Excellency Mr. Akbar Al Baker" Nicht nur in der Türkei auch andere Mega-Flughäfen im Nahen Osten wie in Doha, Abu Dhabi und Dubai sind einige der größten und hässlichsten Flughäfen der Welt in Rekordzeit gebaut worden, auch auf Istanbuls europäischer Seite wurde soeben ein Mega-Flughafen eingeweiht. Der umstrittene türkische Präsident Erdogan hat mit prestigeträchtigen  Infrastruktur- Projekten wie Brücken und Tunneln die wirtschaftliche Krise seines Landes befeuert. Ab sofort ist der Flughafen Istanbul der Airport, von dem aus die weltweit meisten Destinationen angeflogen werden. Die wichtigste Fluggesellschaft vor Ort hat sich vom ehemaligen Gastarbeiter-Shuttle zu einer angesehenen Dschihadisten-Airline gemausert. Auf dem Flughafengelände gibt es genug Platz für "Sicherheitskräfte", die bei Zwischenlandung den ein oder anderen Regimekritiker aus dem Flugzeug holen kann. "Der Architekt des Mega-Baus in Istanbul ist Nicholas Grimshaw, in Deutschland bekannt als Architekt von IHK und Börse in Berlin und der Messehalle 3 in Frankfurt. Mit dem Terminal 3 in Heathrow, den Flughäfen Zürich und Sankt Petersburg hat der Brite bewiesen, dass er den Flughafenbau technisch und ästhetisch souverän beherrscht." Warum der sein neuestes Werk, der größte Flughafen der Welt, so hässlich geworden ist, liegt wahrscheinlich am Standort. "Mehr als 6000 Hektar Wald im Staatsbesitz wurden dafür gerodet und 600 000 Bäume gefällt. Die Architekten wollten dem Flughafen am Schwarzen Meer einen Hauch der „Kultur von Istanbul“ geben, was heute vor allem islamisch-kurdischer Terror bedeutet. Die Erinnerung an den Terror-Anschlag auf den Vorgängerbau steckt noch in den Knochen. Wie stark sich der Architekt geschmacklich verirt hat, macht seine Reaktion auf die Frage deutlich, was ihn bei seinem Entwurf inspiriert habe. Nicolas Grimshaw sagt: "Es sei der Lichteinfall der Süleymaniye-Moschee". Also ein Flughafen wie ein Tempel für die Pseudo-Religion "globaler Verkehrs- und Handelsbewegungen". [48] 
 

Versäumte Reconquista?

Schon früh hatten die Griechen begonnen, sich gegen die Osmanen zu wehren (s.o.). Aber auch im Griechisch-Türkischen Krieg, den Auseinandersetzungen zwischen dem Königreich Griechenland und dem anatolischen Teil des im Ersten Weltkrieg zerschlagenen Osmanischen Reiches in den Jahren 1919–1922, in dem Griechen und Armenier gegen die Türken kämpfen, hat Europa versäumt, eine Reconquista für Konstantinopel und die Levante durchzuführen. Dieser Krieg schloss sich unmittelbar an den Ersten Weltkrieg an, in dem Griechenland seit dem Regierungswechsel 1917 auf Seiten der Entente gegen das Osmanische Reich gekämpft hatte. Als sich im Winter 1918/19 der endgültige Zerfall des Osmanischen Reiches abzeichnete, schien für die griechische Regierung der Zeitpunkt gekommen, die „Megali Idea"  in die Tat umzusetzen: Es sollten Teile Kleinasiens , in denen auch Griechen lebten, und auch die teilweise griechisch bewohnten europäischen Restgebiete der Türkei inklusive der Hauptstadt Istanbul mit militärischen Mitteln für Griechenland erobert werden. Ihren Anfang nahmen die Kampfhandlungen nach der Unterzeichnung des Vertrages von Sèvres vom 10. August 1920. In Sèvres hatten die Siegermächte des Ersten Weltkriegs Anatolien bis auf eine kleine Fläche um Ankara unter christlichen Ländern aufgeteilt. In diesem Vertrag sollte - wenn er nicht 1923 durch den Friedensvertrag von Lausanne aufgelöst worden wäre -  nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, eine umfassende Regelung des Nachkriegszustandes auf dem Gebiet der osmanischen Türkei getroffen werden. Nach diesem Vertrag erhielt Griechenland das Recht, die im Vertrag genannten Gebiete unter Verwaltung zu nehmen und nach einer Übergangszeit von fünf Jahren dort einen Volksentscheid durchzuführen, bei dem die Bevölkerung dieser Gebiete frei entscheiden konnte, in welchem Staat sie zukünftig leben wollte. Am 15. Mai 1919 erfolgte die Übernahme der Verwaltung in den genannten Gebieten; auch durch Ankunft griechischer Truppen in Smyrna-Izmir. Nachdem der Vertrag von Mustafa Kemal nicht anerkannt wurde, entwickelte sich eine rege Partisanentätigkeit, die immer wieder Überfälle und andere kriegsähnliche Handlungen gegen griechische Truppen umfasste. Dabei wurden vielfach auch Zivilisten und andere Unbeteiligte auf beiden Seiten umgebracht. Als Reaktion auf diese Überfälle, die teilweise auch mit sowjetischen Waffenlieferungen möglich wurden, unternahm die griechische Armee Strafexpeditionen, um diese Partisanenüberfälle zu unterbinden. Ab dem Sommer 1920 wurden diese dann zu umfassenden Militäroperationen erweitert, mit dem Ziel, Angriffe von mittlerweile regulären Truppen unter Mustafa Kemal endgültig zu unterbinden und die der griechischen Verwaltung unterstellten Gebiete zu sichern. Da jedoch in diesen Gebieten nach einer Volkszählung von 1914, durchgeführt durch türkische Stellen, ca. 1,8 Millionen Menschen mit griechisch-orthodoxem Hintergrund lebten, stand zu befürchten, dass nach der Übergangszeit von fünf Jahren der Volksentscheid zugunsten Griechenlands fallen würde. Dies wussten auch die Militärs um Mustafa Kemal. Leidtragende des Krieges waren auch Zivilisten auf beiden Seiten. Die Rolle, die die Regierungen der Entente, insbesondere die britische und französische, während dieses Konflikts einnahmen, erscheint äußerlich inkonsequent. In ihr spiegelt sich zum einen die Kriegsmüdigkeit der Alliierten nach dem verlustreichen Ersten Weltkrieg wider, die durch den energischen und erfolgreichen türkischen Widerstand (auch durch Waffenlieferungen der Bolschewisten aus Russland) überrascht waren, zum andern auch die unterschiedlichen, zum Teil unvereinbaren Interessen der Verbündeten. Während die Briten nach Unterzeichnung der Verträge von Sèvres die griechische Regierung stärkten, unternahm der Bündnispartner Italien, der seine Interessen durch den Vertrag nicht genügend berücksichtigt fand, viel, um diese Verträge zu torpedieren, indem er sowohl offiziell als auch inoffiziell Waffen und Kriegsmaterial an die Jungtürken und Mustafa Kemal lieferte. Nach dem Sturz des ententefreundlichen Ministerpräsidenten Eleftherios Venizelos im Verlauf des Krieges und der Rückkehr des als deutschfreundlich geltenden Königs Konstantin auf den griechischen Thron erkaltete zunehmend auch die Parteinahme der Westmächte für Griechenland. Die griechischen Truppen rückten in Anatolien zunächst schnell vor. Vor der Offensive der Griechen im Juli 1921 zogen sich die türkischen Truppen dann nach den Schlachten bis hinter den Sakarya (Fluss) zurück. Wegen der kritischen Lage übernahm Mustafa Kemal, damals schon Präsident der Nationalversammlung in Ankara, den Oberbefehl über die türkischen Truppen. Am 23. August 1921 begann mit einem griechischen Angriff die Schlacht am Sakarya etwa 70 km von Ankara entfernt. Die Griechen rückten zunächst bis auf eine Entfernung von 50 km auf Ankara vor, so dass dort bereits der Geschützdonner zu hören war, doch gelang es den Türken in vielen kleineren Gefechten, den griechischen Vormarsch nach drei Wochen zum Stehen zu bringen und dann mit einer Gegenoffensive die Griechen auf ihre Ausgangspositionen zurückzuwerfen. Hier hatten die Europäer und Russen versäumt, den Griechen effektiv zu helfen wie in der Zeit von 1453 bis 1830. Nachdem die Jungtürken fast zwei Millionen Armenier und andere Christen im ersten Weltkrieg vernichteten, vertrieben sie unter Mustafa Kemal Atatürk (1881-1938) weitere Millionen Christen, vor allem Angehörige der orthodoxen Kirche, ohne dass Russland oder andere europäische Staaten eingegriffen hätten. Der Historiker Stefan Ihrig zeigt in seiner 2014 erschienenen Monographie "Atatürk in the Nazi Imagination", wie sich Hitler in den 1920er Jahren von Atatürks Machenschaften hat inspirieren lassen. So habe Hitler etwa 1939 gesagt: "Die Türkei ist unser Modell." Wiederholt sprach er von Atatürk als dem "Stern in der Dunkelheit". 1936 hatte ein Rundschreiben des Büros der NSDAP für Rassenpolitik die Türken sogar zu "Ariern" und zu Europäern geadelt. Ihrig arbeitet heraus, wie sehr die Nationalsozialisten in Atatürks "Republik" das vorweggenommene Führerprinzip, "wie sie den modernen türkischen Staat bewunderten, seine völkische gute Praxis (...) und besonders die Art, wie dieser mit Minderheitenfragen umging. (...) Die gleichgeschaltete Nazipresse feierte die Auslöschung der Armenier (1915) rückblickend als den Beginn des Aufstiegs der 'Neuen Türkei', als eines wahrhaft türkisch-nationalen Staats." Die heutige radikal-islamische Regierung in der Türkei und ihre Niederlassungen in Deutschland (Zekeiya Altug, Ditib-Vorstandsmitglied, sagte nach der Armenier-Resolution im Bundestag, die Mitglieder seines Verbandes fühlten sich nach der Abstimmung nicht mehr von den türkischstämmigen Abgeordneten vertreten) verbreiten heute noch Nazi-Parolen.  [49] 

Die osmanische Expansion vollzog sich damals in drei Phasen. In einer ersten Phase werden die Sultane, von christlichen Herrschern um Unterstützung gebeten, in deren Händel einbezogen. Die Sultane scheinen damit zu Interessenwahrern christlicher Regenten zu werden, treten aber zugleich in ein politisches Spiel ein, das zunehmend ihr eigenes Spiel wird. In der zweiten Phase ist die militärische Überlegenheit der Osmanen so stark, dass sich die christlichen Herrscher unversehens als Tributzahler wiederfinden. Mit dieser Abhängigkeit sind weitere Verpflichtungen verbunden, etwa militärische Hilfe für den Sultan. Aus eigenständig politisch Handelnden werden Objekte, denen der Sultan einen sehr engen Handlungsspielraum vorgibt. "Um diese Abhängigkeit zu zementieren, verlangen die Sultane hochrangige Geiseln: Fürstenkinder, die am Hof des Sultans - verbunden mit einer Konversion zum Islam - erzogen werden, oder als Ehefrauen für den Harem des Sultans besimmt sind." Erst in der dritten Phase kommt es zur formellen Eroberung und islamisierung. Auch für die Osmanen gilt: Der Islam kennt nur die "völlige Unterwerfung des Menschen unter den wilkürlichen Willen Gottes, womit die Freiheit des Menschen geleugnet und die Gewalt um des Glaubens willen als legitimes Mittel angesehen wird. Dies schliesst eine pragmatische Politik nicht aus; im Gegenteil, das Verbergen der wahren Ziele, die Verstellung ('Taqia') ist ebenso erlaubt wie ungerechtes Handeln, wenn es der Sache des Islams dient." [50]

Bei vielen Historikern und Politikern gibt es eine "Tendenz zur Verharmlosung" in der Frage nach dem Umgang der Osmanen mit den besiegten Christen; sie meinen, im Osmanischen Reich sei niemand wegen seines Glaubens verfolgt worden. Die Christen seinen nur von der Sondersteuer belastet gewesen. Die Wirklichkeit sieht anders. aus. Zum Beispiel wurde 1480 ein Massaker an Christen verübt nach der Eroberung der italienischen Stadt Otranto. "Die Einwohner Otrantos wussten, was es bedeutete, fortan unter dem Turban zu leben, denn mit Sicherheit waren zu ihnen die Nachrichten von den Gräueln der Osmanen bei der Eroberung Konstantinopels gelangt. Und auch in Otranto ereignete sich das, was in Konstantinopel und vielen anderen von den Muslimen eroberten Orten geschah: die selbst für die damalige Zeit beispiellose Massenversklavung von Frauen und Kindern." Es war Sultan Mehmed I. (1413-1421), der gegenüber den Christen eine der grauenvollsten Praktiken einführte, die sich über mehrere Jahrhunderte halten sollte: die Knabenlese. Ab einem Alter von etwa sechs bis zwanzig Jahren wurden besonders kräftige Knaben ihren christlichen Eltern geraubt und vornehmen Osmanen oder dem Sultan übergeben. "Als Erzieher fungierten Eunuchen und Derwische, die ihnen einen fanatischen Islam und absolute Ergebenheit gegenüber dem Herrscher einimpften. So bezog die Elitetruppe der Janitscharen zum großen Teil ihren Nachwuchs aus diesen Knaben, die, auch wenn sie Karriere gemacht hatten, keine Chance hatten, je ihre Familie wiederzusehen. Die Zahl der geraubten Knaben war gerade in den Jahrhunderten der größten osmanischen Expansion sehr hoch (Schätzungen gehen auf ca. 1/5 aller Knaben); sie richtete sich in der Regel nach dem Bedarf, der an gut ausgebildeten zivilen und militärischen Personal bestand. Doch wurden oft genug auch viel mehr Knaben ihren Eltern weggenommen als benötigt. Man verkaufte sie dann als Sklaven oder - trotz des strengen Verbots im Islam - als Lustknaben; oder aber man bot den verzweifelten Eltern die Möglichkeit an, ihre Kinder zurückzukaufen - ein florierender Menschenhandel also." Davon zeugt noch ein altes Wiegenlied "Heidschi Bumbeidschi", das eigentlich ein Klagelied ist. Der Heidschi Bumbeidschi, der in diesem Lied das Büblein mitnimmt, und nicht mehr bringt, ist niemand anders als der Hadschi (früherer Mekka-Pilger) Om-Baschi (Hauptmann oder türkischer Dorfbefehlshaber). Auch christliche Mädchen und junge Frauen waren in besonderer Weise Opfer der osmanischen Eroberungen: Sie fanden sich wieder in den Harems der Reichen oder wurden zur Beute der Soldaten. "Gefangenentötung, Kinderraub, Versklavung und Menschenhandel, verbunden mit unsäglichen Zerstörungen oder Schändungen christlicher Kirchen und Heiligtümer - all dies geschah nicht nur als Kollateralschaden der Kriege, als Folgen einer ohnehin gewalttätigen Zeit; diese Gräuel waren, wie auch die von den Christen zu entrichtende Sondersteuer, ganz bewusst eingesetzt Demütigungen.... Zu diesen Demütigungen gehörte auch die den Christen wie den Juden auferlegte Pflicht, sich durch ein besonderes Anzeichen an der Kleidung kenntlich zu machen. Auch war der Besitz von Waffen und Pferden den Nichtmuslimen verboten." Von Toleranz konnte unter diesen Umständen keine Rede mehr sein, zumal die Christen ihren Glauben nicht in der Öffentlichkeit ausüben und bekennen durften. Gewalt gegen die Christen und die Einwanderung türkischstämmiger Bevölkerung brachte die Christen in vielen Regionen in eine Minderheitenposition.  [51]

1204 hatte eine perfide venezianische Politik, die nur ihren eigenen Handelsinteressen folgte, das Heer des vierten Kreuzzugs statt nach Ägypten nach Konstantinopel geführt, das von Thronstreitigkeiten geschwächt war. "Zu spät erkannten die Führer der Kreuzfahrer, dass sie hier die Saat für einen Jahrhunderte währenden Hass gelegt hatten.... Was sich 1204 in Konstantinopel ereignete, war daher kein bloßer historischer Unglücksfall, sondern die Urkatastrophe des hohen Mittelalters, die die Christenheit des Ostens in eine tiefe Finsternis werfen sollte." Die Nutznießer von Misstrauen und Hass zwischen den Christen waren die Osmanen. Eine byzantinische Stadt nach der anderen wurde von ihnen erobert. 1430 fiel Thessaloniki nach zweimonatiger Belagerung in die Hände Murads II. "Bürger jeden Alters und jeden Geschlechts wurden hingerichtet, viele auch versklavt und deportiert; die Söhne wurden den Eltern durch die Knabenlese genommen, die Kirchen entweder, wie viele Paläste und Häuser, zerstört oder in Moscheen umgewandelt, wobei die prachtvollen Mosaike mit den Darstellungen Jesu, Maria oder der Heiligen und Engel übertüncht wurden. Die ganze Stadt wurde der Plünderung preisgegeben. Murad verfügte, dass die nunmehr nahzu entvölkerte Metropole durch türkische Siedler wieder aufgefüllt werde. So war aus der altehrwürdigen byzantinischen Metropole eine osmanische Geworden, in der sich als Grieche nur der noch zu behaupten vermochte, der zum Islam konvertierte." [52]

Widerstandskämpfer und christliche Bündnisse gegen die Osmanen versuchten den Vormarsch aufzuhalten. So war die Rolle Polens und Ungarns als des Schutzschildes Europas vor der türkischen Bedrohung in Europa bekannt. Die Biografie eines Georg Kastriota (1405-1468), bekannt und bis auf den heutigen Tag in Albanien tief verehrt unter dem Namen "Skanderbeg", zeigt auf weite Strecken viel von dem charakteristischen Schicksal Adeliger in den osmanischen Expansionsgebieten: Sein Vater, der seinen Stammsitz im mittelalbanischen Kruja hatte, versuchte sich seit Beginn des 15. Jahrhunderts der osmanischen Übermacht zu erwehren, musste aber schließlich kapitulieren und seinen Sohn Georg nach einer Knabenlese als Geisel in die Hände des Sultans geben; er musste zum Islam konvertieren, wurde in die Elitetruppe der Janitscharen aufgenommen und machte Karriere als Offizier. Später hat er als Gouverneur ("beg") die Macht in seiner Heimatstadt übernommen und dem Sultan seinen Gehorsam aufgekündigt. "Diese Unabhängigkeitserklärung war verbunden mit einer Rückkehr zum Katholizismus. Sein militärisches Talent brachte ihm so manchen Sieg über die osmanischen Besatzungstruppen Albaniens, doch seine größte politische Leistung war ein 1444 geschlossenes Bündnis (Liga von Lezha/Alessio) des albanischen und montenegrinischen Adels unter seiner Führung, dem auch Venedig beitrat. Dieses Bündnis beendete die osmanische Herrschaft über den größten Teil Albaniens und zwang Sultan Mehmed II. 1461 und 1464 nach langen Kämpfen zu kuzzeitigen Waffenstillstandsvereinbarungen. In dieser Zeit versuchte Skanderbeg persönlich von Neapel, das formell Lehensherr war, Unterstützung zu erlangen. Er brachte aber nur päpstliche Ehrungen, Geldgeschenke und die Übereignung von Landgütern in Süditalien nach Hause. Bis zum Tode Skanderbegs 1468 blieben dennoch alle Versuche der Osmanen, Albanien wieder unter ihre Gewalt zu bringen, erfolglos. Erst zehn Jahre nach Skanderbegs Tod konnten die Albaner dem Druck der Türken nicht mehr standhalten, und Skanderbegs Familie emigrierte, nachdem sie einen erheblichen Blutzoll entrichten musste, nach Süditalien." [53]

Die wohl schwersten Stunden seines Pontifikates erlebte der Papst, als ihm die Nachricht vom Fall Konstantinopels überbracht wurde. Noch man 11. Oktober 1451 hatte er einen Brief an Kaiser Konstantin XI. geschickt und darin die Griechen zur Anerkennung der Union von Florenz aufgefordert. Er stellte dem Kaiser lebhaft vor Augen, dass "jedes Schisma das Werk Satans sei und in der ganzen Geschichte stets strenger bestraft wurde als jedes andere Vergehen. So sei das einst so herrliche Byzantinische Reich in die Hand der Feinde des Kreuzes geraten, mit der Folge eines unvorstellbaren Niedergangs an Glaube und Kultur. Der Kaiser möge das Schicksal Israels bedenken, das dem göttlichen Strafgericht verfallen sei." Tatsächlich war in Konstantinopel die in Florenz vereinbarte Union so aufgenommen worden, als hätte sie nie stattgefunden, und schon längst hatten die Unionsgegner dort die Oberhand. "Der Brief des Papstes zeigte bei dem gutwilligen Konstantin dennoch Wirkung, denn am 12. Dezember 1452 verkündete er in der Hagia Sophia in Anwesenheit des päpstlichen Legaten, Kardinal Isidor von Kiew, die Union - doch er stieß damit auf keinerlei Resonanz in Klerus und Volk. Im Gegenteil, ein hoher griechischer Würdenträger gab wieder, was die meisten dachten: 'Lieber wollen wir die Macht des türkischen Turbans als diejenige der lateinischen Tiara in der Stadt sehen.' Gründe für diese Blindheit und Halsstarrigkeit waren die Erinnerung an die Eroberung Konstantinopels durch die Kreuzfahrer sowie die über Jahrhunderte verlaufene unterschiedliche theologische und geistliche Entwicklung beider Kirchen, die durch theologische Konsenspapiere nicht so einfach aus der Welt zu schaffen war." Mehmed II. kannte keine Gnade. Auf die Leiden der christlichen Soldaten folgten noch größere der Zivilbevölkerung: "Eine vielzahl von Frauen wurde vergewaltigt, die jungen Mädchen den osmanischen Kriegern zur Beute gegeben; es wurde auf bestialische Weise gemordet, geplündert und gebrandschatzt; Tausende, gleich welchen Alters oder Geschlechts, wurden in die Sklaverei geführt (man schätzt ihre Zahl auf 40000-50000), so dass in den etwa drei Tage dauernden Schrecknissen manche der Überlebenden die Toten beneideten und Mehmed II., als die Nachricht von den Gräueltaten in den Westen gelangt war, für den Antichristen selbst gehalten wurde." Die Hagia Sophia und viele andere Kirchen wurden entweiht und in Moscheen verwandelt. Der Papst mahnt die christlichen Machthaber zu Frieden untereinander, um gemeinsam gegen den "Antichristen Mehmed" vorgehen zu können. "Die allerhärtesten Strafen aber sollten jene treffen, die die christliche Sache verrieten und mit den Türken gemeinsame Sache machten." Unzählige "Türkenreden" der Humanisten folgten.  1455 erwuchs die "große italienische Liga", ein Schutz- und Trutzbündnis der beteiligten Staaten. Dieses mochte zwar den großen Feind im Osten von der allgemein befürchteten Expansion nach Italien abgehalten haben, doch eine Offensivkraft im Sinne einer Reconquista des Balkans oder gar des Vorderen Orients entwickelte das Bündnis nicht.  [54]

Auch Ungarn rüstete sich gegen die Osmanen. Der päpstliche Gesandte Kardinal Juan Carvajal trug wesentlich dazu bei, den ungarischen König ganz auf die Aufgabe der "Verteidigung der abendländischen Christenheit zu konzentrieren und den mutlos gewordenen ungarischen Edlen wieder Hoffnung auf die Hilfe des Westens einzuflößen." Während Capestrano ein vom Papst geweihtes Bildnis des Gekreuzigten über das militärische Unternehmen hielt, durchbrach Hunyadi mit wenigen Schiffen den Belagerungsring auf der Donau, lockte die inzwischen in die Festung eingedrungenen Janitscharen in einen Hinterhalt und trieb schließlich das osmanische Hauptheer in panische Flucht, nachdem der Anführer gefallen und der Sultan verletzt worden war. "Nikolaus von Kues hatte von einem Sieg des Kreuzes Christi über die Feinde des Kreuzes gesprochen." Prozessionen und eigens verfasste Gebete "zur Abwehr der Türkengefahr" sollten im ganzen Abendland abgehalten werden. Schließlich wurde auch ein tägliches Glockenläuten zu Mittag befohlen - es hat sich im Zuge der späteren Türkenexpansion so eingebürgert, dass es sich bis auf den heutigen Tag erhalten hat. Eine Rede des Papstes, die mehr war als nur ein Ausdruck von Gelehrsamkeit und des historischen Wissens, lenkte seine Zuhörer implizit auf die "Tatsache, dass das Vordringen der Muslime geschichtstheologisch nichts anderes sei als der Versuch der widergöttlichen Mächte, die Sichtbarkeit Christi in der Welt auszulöschen. Darum gipfelt seine Schilderung der von den Türken bei der Eroberung Konstantinopels ausgeübten Schreckenstaten auch nicht in der Ermordung unzähliger Christen oder in deren Versklavung, sondern in der Schändung und Verspottung des Kreuzes. Der Kampf gegen die Muslime ist damit zu einem Existenzkampf der Christenheit geworden, weil der Islam sich gegen die Menschwerdung Gottes selbst richtet; er ist keineswegs ein bloß politisches Ringen, das nur religiös verbrämt wäre. Schon in seiner Einleitungsbulle hatte Pius Mohammed einen 'falschen Propheten" genannt und seine Anhänger 'blutdürstige Scharen des giftigen Drachen', die das Christentum auszulöschen versuchten." Jeder Sieg Mehmeds, so der Papst, werde für ihn nur die Stufe zu einem zweiten sein, "bis er nach Bezwingung aller Könige des Abendlandes das Evangelium Christi gestürzt und aller Welt das Gesetz seines falschen Propheten auferlegt haben wird." Pius' II. Türkenpolitik wartet noch mit einer Überraschung auf, die Vorbild sein könnte für alle muslimischen Krisenherde dieser Welt. 1461 entschloss sich Pius zu einem Schreiben an Sultan Mehmed. Darin fordert er diesen auf, "sich der Wahrheit zu öffnen und sich zu Christus zu bekehren." Der Papst greift auf die Geschichte zurück, indem er historische Vorbilder nennt: Konstantin den Großen, den Frankenkönig Chlodwig, Stephan von Ungarn oder auch den Westgoten Rekkared. Ebenfalls in diesem Brief schreibt der Papst, "dass der Koran die christliche Kultur nicht überwinden werde". Eine Ermutigung zum Kampf ebenso wie zu einer intellektuellen Offensive des Christentums mochten das geistliche Rom und darüber hinaus viele Pilger aus allen Ländern Europas erfahren haben, als am 12. April 1462 das Haupt des Apostels Andreas in einer feierlichen Prozession von Amalfi nach St. Peter in Rom gebracht wurde. Der Heilige Andreas, der Schutzpatron Griechenlands, Konstantinopels, Russlands und Rumäniens, "wurde um Hilfe gegen die Türken angefleht und seine Ehrung im Zentrum der Christenheit als ein Unterpfand für den kommenden Sieg des Christentums verstanden."  [55]

In seinem Werk "Kritik des Alchoran (De cribratione Alchorani)" zeigt Nikolaus von Kues ein vertieftes Verständnis des Islam; er benennt darin klar die "Irrtümer des Koran und widerspricht auch der muslimischen These einer Offenbarung Gottes im Koran". [56]

"Und wenn der Koran auch viele Stellen zum Lob der Thora und des Evangeliums sowie der Propheten Abraham, Moses und vor allem Jesus Christus, des Sohns der Jungfrau Maria, zu enthalten scheint, so wird man dennoch davon ausgehen können, dass diese Lobhudeleien vielmehr ein Täuschungsmanöver sind, widerspricht er doch all dem, was dem wahren Heil dient."  - Nicolaus Cusanus

"Dieser Gott oder 'Fürst dieser Welt', der ein Lügner ist von Anbeginn, hat durch einen seiner Engel, der die Gestalt des Lichtes und vielleicht den Namen Gabriel annahm, den verlogenen Koran zusammengestellt; dabei bediente er sich vor allem Muhammads und seiner Nachfolger."  - Nicolaus Cusanus

Unter Bayezid II. erhöhte sich der osmanische Druck auf Venedig. "Es begann mit einem Akt der Verstellung, wie ihn der Koran erlaubt, wenn es darum geht, Glaubensfeinde zu bekämpfen. Die Venezianer wurden in Sicherheit gewiegt, und die Türken signalisierten eine Fortführung der Politik wechselseitigen Einvernehmens. Doch dann verhaftet man ohne jede Kriegserklärung die in Konstantinopel befindlichen venezianischen Gesandten und Kaufleute. Die Venezianer entsandten auf diese Provokation hin eine Flotte, die im August 1499 zuerst bei Sapienza, dann bei Navarino von den Türken geschlagen wurde. Noch im selben Monat fielen Lepanto, dessen Name noch eine große Bedeutung erlangen, unter osmanischer Herrschaft aber der wohl größte Umschlagplatz für osmanische Sklaven werden sollte, und die auf dem südlichen Peloponnes gelegene Festung Modon (Methoni). Um 1500 musste die ebenfalls messenische Festung Korone von den Venezianern aufgegeben werden." Der Kaiser dachte an ein Bündnis aller christlichen Mächte gegen die Osmanen. Frankreichs "allerchristlichster König" stellte sich jedoch in perfider Weise sogar auf die Seite der Türken und konspirierte mit ihnen. Dennoch wurden die türkischen Weltmachtsträume 1536 erschüttert, als der Kaiser die Pläne für eine gegen Tunis gerichtete gemeinsame Operation von Flotte (psanische und portugiesische Schiffe) und Heer entwarf. Damit wollte er eine der Hauptbasen Haireddins treffen und somit dem Korsarenunwesen einen Riegel vorschieben. Hairedin konnte Barbarossa zwar entkommen, doch wurden 70000 christliche Sklaven befreit. "Bedenklich stimmen musste den Kaiser, dass viele der eroberten Geschütze aus französischer Produktion stammten und noch das Lilienwappen trugen. Von einer Geschlossenheit des Abendlandes wie bei den Kreuzzügen des Hochmittelalters konnte also keine Rede mehr sein." Die Türken hatten dennoch genügend vor allem christliche Sklaven als Ruderer zur Verfügung. Karl konnte sich noch immer auf Andrea Doria verlassen, war jedoch selbst durch den Krieg gegen Frankreich stark in Beschlag genommen. "Und dieses Frankreich steuerte einen Kurs, der geradezu auf ein Bündnis mit den Türken hinauslief." Venedig gab seine Appeasement-Politik auf und gesellte sich den Verteidigern Europas bei.  [57]

Im März 1565 verließ eine Flotte von etwa 130 türkischen Kriegsschiffen mit einer Invasionsarmee von mehr als 40000 Mann an Bord Istanbul in Richtung Malta. Die Kommandogewalt über dieses Unternehmen lief bei dem früheren Korsaren Dragut zusammen, der die Strategie Haireddins weiterverfolgte. Die Befehlsgewalt vor Ort lag bei Mustafa Pascha. Die Johanniter auf Malta verfügten nur über etwa 600 Mann Ritter und Kriegsleute, dazu kamen weniger als 5000 Söldner aus Spanien, Italien und von den maltesischen Inseln selbst. Der Großmeister der Malteser hatte sie eingeschworen "auf einen Kampf um das Überleben des Christentums und des Evangeliums. Dass dies keineswegs nur Propaganda war, führten ihnen die Geschehnisse fast täglich vor Augen: Wer in türkische Hand geriet, wurde auf bestialische Weise zum Tode gefoltert." Das felsige Malta widerstand dem Beschuss der Osmanen. Der Zeitplan der türkischen Eroberung geriet völlig durcheinander. Als die Angreifer dann noch die Kunde vom Anrücken eines 8000 Mann starken spanischen Heeres vernahmen, das Spaniens König Philipp II. zum Entsatz schickte, da brachen sie die Belagerung ab. Es gab jedoch noch ein Nachgefecht. Ein christlicher Überläufer, ein zum Christentum gezwungener Moriske, hatte Mustafa Pascha berichtet, das spanische Entsatzheer sei kleiner als gemeldet und überdies ermattet durch die lange Seereise. Mustafa Pascha, der den Zorn seines Herrn wegen des verschenkten Sieges fürchtete, wollte noch einen letzten Triumpf heimholen und griff mit seiner Infanterie die anlandenden Spanier an. "Sie mochten sich an die Vielzahl der verschleppten, gemarterten und gemeuchelten Glaubensbrüder erinnert haben, die gerade an Spaniens Küsten zu beklagen waren, an die gekaperten Handelsschiffe und Fischerboote, die nie wieder in ihre Häfen zurückfanden, an die Schändungen der Kirchen und Klöster, an alle Demütigungen, die die Christen Europas durch die Türken erfahren hatten - die Spanier rangen sich die letzten Kräfte ab und trieben die Türken schliesslich in panische Flucht." 1570 überfielen die Türken mit etwa 50000 Mann Zypern. Dass die Eroberung gelang, lag nicht nur an der zahlenmäßigen Überlegenheit der Angreifer. Die Zyprioten waren der venezianischen Herrschaft überdrüssig; sie halfen daher nicht bei der Verteidigung der Insel; zudem hatten die Türken ihnen faire Behandlung und Steuerermäßigung versprochen. "Manche spionierten sogar für den Angreifer oder leisteten Unterstützerdienste. Die Türken honorierten dies keineswegs, sondern töteten oder versklavten nach sechswöchigen Belagerung Nikosias (9.11.1570) unzählige Zivilisten - meist Frauen und Kinder, die Männer wurden liquidiert -, zerstörten die Stadt und machten die Kathedrale zur Moschee." Famagusta wehrte sich lange gegen den Ansturm der Türken, weil ein tiefes Einvernehmen mit den Katholiken darüber bestand, dass eine türkische Herrschaft für alle ein Übel sei. Aber Famagusta war nicht Malta; die Türken unterminierten die Festung, so dass die Venezianer schließlich kapitulierten. "Der Türke brach schließlich alle Zusagen, ließ die militärische Elite der Venezianer köpfen, Bragadino aber nach mehreren Scheinhinrichtungen grausam foltern und schließlich unter schlimmen Demütigungen und abstoßenden Quälereinen ermorden. Bragadino aber, der während dieser grauenvollen Prozedur immer wieder zur Konversion zum Islam aufgefordert wurde, erwiderte, dass er als Christ leben und sterben wolle. Als die Berichte über diese Gräuel Venedig erreichten, da bewirkten sie eine grundsätzliche Änderung der venezianischen Politik: Venedig und Spanien fanden sich in einer Neuauflage der Heiligen Liga gegen die Osmanen zusammen."  [58]

Das große Ziel hat auch Pius V. (1566-1572) verfehlt: eine Allianz aller europäischen Mächte, einschließlich Englands, Frankreichs, des Heiligen Römischen Reichs und sogar Polens und Russlands. Das protestantisch gewordene England hatte kein Interesse. Frankreich trat nicht der Liga bei, sondern versuchte deren Zustandekommen bis zum letzten Augenblick zu hintertreiben. So konzentriete sich die Gründung der Heiligen Liga auf Spanien, Venedig und den Heiligen Stuhl selbst. "Am 19. Mai 1571 war es endlich so weit: Die Liga wurde auch formell beschlossen, nachdem man sich noch einmal ihres offensiven wie defensiven Charakters versichert und das Banner des Oberbefehlshabers an König Philipps Halbbruder Juan d'Austria übergeben hatte. Weitgespannte Erwartungen begleiteten das Bündnis, so etwa die Vorstellung, auch die vom Sultan abhängigen muslimischen Staaten zu bekämpfen und damit den Islam auf breiter Front zurückzudrängen." Don Juans Männer hatten verstanden, dass sie nicht allein für Sold und Beute, "sondern für die Freiheit Europas, des Abendlandes, für den christlichen Glauben und die Kirche fochten." Sie selbst waren Träger eines Freiheitskampfes geworden. Und Don Juan setzte dafür ein eindrucksvolles Zeichen: "Er befahl, die Rudersklaven auf den Galeeren loszuketten - das konnte ihnen im Falle des Unterganges des Schiffes das Leben retten - und ihnen nach der Schlacht die Freiheit zu geben." Die Flotte der Liga, der auch Genua, die Städte der Toskana, Savoyen und die Johanniter auf Malta beitraten, war trotz ihrer beachtlichen Größe der osmanischen Flotte, die von Ali Pascha geführt wurde, vor allem an Zahl der Kampftruppen weit unterlegen. Noch Unheilverheißender waren die Streitigkeiten zwischen den Flottenadmiralen, deren fortwährende Uneinigkeit durch türkische Spione dem Gegner gemeldet wurde. In der Aufstellung der christlichen Flotte bewährten sich das strategische und taktische Genie Don Juans. Er verstand es, schnelle und wendige Galeeren mit den schweren Galeeren und den gewaltigen, damit auch trägen Galeassen so klug zu verbinden, dass sich die Schiffe nicht gegenseitig behinderten. Zugleich ordnete er die Schiffe in einer sechs Kilometer langen Reihe so an, dass jedes Schiff den Nachbarschiffen nahe genug war, um Hilfe zu leisten, zugleich aber der Abstand auch groß genug war, damit sich die Schiffe nicht gegenseitig behinderten. Die christlichen Schiffe waren mit mehr Kanonen bestückt, hatten also eine weitaus größere Feuerkraft. Vor allem besaß die christliche Flotte in ihrem Zentrum mehrere schwere Galeassen, die ihre Kanonen nicht nur, wie bei Galeeren üblich, an dem schmalen Bug postiert hatten, sondern an den Schiffsseiten und darüber hinaus im Vergleich zu den dünnwandigen Galeeren über eine viel stärkere Panzerung verfügten. Die christliche Marine war damit technisch innovativer als die osmanische. Der Plan Don Juans ging auf: Das Kanonenfeuer richtete schwerste Verwüstungen unter der osmanischen Flotte an. Der größte Teil der osmanischen Flotte wurde - bei relativ geringen Schiffsverlusten der Christen - versenkt oder schwer beschädigt, mehr als 12000 christliche Rudersklaven konnten befreit werden. Der Papst führte für den 7. Oktober das Fest "Maria vom Siege" ein, das Papst Gregor XIII. zum "Rosenkranzfest" umbenannte. Nach Pius' V. Tod, brach die Liga jedoch wieder auseinander. Der Konflikt mit Frankreich und der Abfall der Niederlande banden Spaniens Kräfte. An eine Politik der Eindämmung oder gar Wiedereroberung der von den Osmanen besetzten christlichen Gebiete war nicht zu denken. Erst Ende des 17. Jahrhunderts sollte eine Wiedergeburt der Liga die Türkengefahr für immer bannen. [59]
 

Mosaiktradition - Blütezeit im Byzantinischen Reich, in dem das Christentum von Beginn an Staatsreligion war

Die georgische Kunsthistorikerin Nini Palavandishvili schreibt über einen wichtigen Teil der Kunst des Ostblocks. Tausende riesiger Wandmosaiken wurden von den sechziger bis in die achtziger Jahre in der atheistischen Sowjetunion geschaffen. Dabei ließen sich die sowjetischen Künstler von einer reichen christlichen Tradition inspirieren. In der Sowjetunion waren Mosaiken von Mitte der sechziger bis Anfang der achtziger Jahre am stärksten verbreitet. "Die Sowjetunion
war ein atheistischer Staat. Die marxistisch-leninistische Ideologie ersetzte die Religion. Aber eine reiche christliche Tradition bildete die Grundlage des Mosaikenbooms im Arbeiter-und-Bauern-Staat." Diese christliche Inspirationsquelle lässt sich nach Ansicht der Kunsthistorikerin Nini Palavandishvili in den Motiven, der Technologie, dem Material und der Funktion nachweisen. „Die Künstler haben vor rund viertausend Jahren die ersten Mosaiken der Welt gelegt. Aber die Kunstform erlebte eine Blütezeit im Byzantinischen Reich, in dem das Christentum von Beginn an Staatsreligion war. Vom sechsten bis zum fünfzehnten Jahrhundert bildeten Mosaiken mit christlichen Motiven einen wesentlichen Bestandteil der byzantinischen Kultur“ Georgien nahm das Christentum als Staatsreligion bereits im vierten Jahrhundert an. Als das Land im zwölften Jahrhundert eine Glanzzeit unter König David und Königin Tamar erlebte, wurden enorme Ressourcen – mit Inspiration durch das benachbarte Byzanz – investiert, um Klöster und Kirchen mit Mosaiken zu verzieren. Sowjetische Künstler verwendeten zwar christliche Ikonographie, aber anstatt Engel, Heilige, Gott oder Jesus zu feiern, idealisierten sie stattdessen die Errungenschaften der Sowjetunion und die Fähigkeiten des Proletariats: „Das Motiv der Weltraumheldin hier ist eine moderne Darstellung einer berühmten Abbildung von Königin Tamar, die sich im Kloster Wardsia im südlichen Georgien befindet. Statt eines Heiligenscheines um den Kopf trägt die Kosmonautin allerdings einen Weltraumhelm. Aber ikonographisch gesehen, sind die beiden Frauen fast gleich.“ Georgien war keineswegs die einzige Sowjetrepublik, die vom Mosaikenboom erfasst wurde. Der ukrainische Fotograf Yevgen Nikiforov hat kürzlich ihre große Verbreitung in seinem Heimatland dokumentiert. Die sowjetisch-ukrainischen Mosaikenhersteller führten eine besondere ukrainisch-orthodoxe Tradition fort. Für sie mag besonderes ein berühmtes Mosaik aus dem elften Jahrhundert in der Sophienkathedrale von Kiew als Vorbild gegolten haben. In zentraler Lage des Gebäudes zeigt es mit Tausenden goldener Miniaturkacheln die Jungfrau Maria in der Orantenhaltung. Auch in anderen Ländern des Warschauer Pakts, wie zum Beispiel der DDR und der Tschechoslowakei, waren Mosaiken beliebt. In ihrer Studie Hunderter sowjetischer Mosaiken in Georgien, von denen viele wie epische Kompositionen anmuten, entdeckte Palavandishvili ein weiteres interessantes Detail: „Zu meiner Überraschung stieß ich in mehreren Arbeiten auf Abbildungen von Kirchen. Klein oder groß, vielleicht irgendwo in der Ecke versteckt, sieht man sie oft – trotz der Tatsache, dass die Sowjetunion Gotteshäuser abriss und Religion verbot. Aber in den frühen achtziger Jahren zeigte das System Schwächen, und der
Nationalismus spross in vielen Unionsrepubliken. Zu dieser Zeit tauchten Kirchen in vielen Mosaiken auf.“ [60]

Manuel II., der vorvorletzte byzantinische Kaiser

In der Biblioteca Marciana in Venedig ist gegenwärtig das Freisinger Lukasbild zu sehen, eine byzantinische Ikone, die sich seit 1440 im Domschatz befindet. Das mehrfach überformte, im Kern aber tausendjährige Kultbild war bereits 2016 Gegenstand einer Tagung, auf deren Erträgen die Ausstellung aufbaut. In ihr trifft die metallbeschlagene Tafel, für die 1629 in Bayern ein barockes Prunkretabel geschaffen wurde, auf hochrangige Leihgaben aus ganz Europa. Die Provenienz des Stückes könnte besser nicht sein. Manuel II., der vorvorletzte byzantinische Kaiser, brachte die Ikone persönlich nach Italien. Es ist jener Manuel, der 1391 im osmanischen Winterlager in Ankara die Dialoge mit einem Muslim geführt hatte, aus denen Benedikt XVI. 2006 in seiner Regensburger Rede zitierte. Ab 1394 belagerte Sultan Bayezid I. Byzanz. Mit Hilfe des französischen Marschalls Boucicaut entkam Manuel 1399 aus der Stadt und brach zu einer Reise über Venedig und Mailand bis nach Paris und London auf, um militärische Hilfe zu organisieren. In dieser Zeit erhielt die Ikone ihren sprechenden Namen: Hoffnung der Hoffnungslosen. Die fürbittende Figur der Maria trifft in der Ausstellung auf spektakuläre Herrscherporträts der Zeit. Eine byzantinische Handschrift aus Paris zeigt Manuel im vollen Purpurornat als „Kaiser und Alleinherrscher der Römer“. Mit ihr konkurriert eine Darstellung der kaiserlichen Familie unter dem Schutz der Muttergottes. Sie ziert einen Codex mit Texten des Dionysios Areopagita. [61]

Manuels Appell an die Großmächte verhallte weitgehend folgenlos, Europa war zu schwach, weil es noch nicht geeint war und daher nicht in der Lage war nach dem christlichen Motto "In hoc signo vinces" zu siegen, was sich auch angesichts der nur wenige Jahre zurückliegenden Niederlagen auf dem Amselfeld und bei Nikopolis zeigt. Was von seiner Reise blieb, sind diplomatische Geschenke, insbesondere Reliquien. So erhielt der Gegenpapst Benedikt XIII. in Avignon ein Stück der Tunika Christi, deren Berührung die „blutflüssige Frau“ geheilt haben soll. Die Rettung kam von unerwarteter Seite und grenzte an ein Wunder: Der Mongolenfürst Timur schlug die Osmanen 1402 bei Ankara und nahm Bayezid gefangen. Manuel kehrte nach Byzanz zurück und konsolidierte die ihm verbliebenen Territorien. Erst 1453 fiel die Stadt endgültig an die Türken. Der Gelehrte Bessarion wurde in jenen Jahren zum entscheidenden Mittler zwischen Byzanz und Rom. Am Ende der Schau steht das Manuskript seiner Grabrede auf den 1425 verstorbenen Kaiser. Auch heute ist das Schicksal Manuels und seiner Ikone kein schlechter Anlass, um über die grundlegende Krise Europas nachzudenken. [62]
 

Hagia Sophia und Halki; auch heute ist es Ziel der Türkei Europa und andere Gebiete zu erobern

Nach seinen offiziellen Gesprächen im Februar 2019 in Ankara besuchte Griechenlands Staatschef in Konstantinopel/Istanbul die Hagia Sophia, die bis zur Eroberung der Stadt durch die Osmanen das geistliche Zentrum der orthodoxen Christenheit war, und das Priesterseminar der Kirche auf Heybeliada (griechisch: Halki), das die türkische Regierung 1971 geschlossen hatte. "Türkische Fernsehsender zeigten, wie Ibrahim Kalin, ein ehemaliger Professor für Philosophiegeschichte und heute Sprecher Erdogans, Tsipras die Hagia Sophia erklärte, die dazu vorübergehend für Touristen verschlossen blieb. Atatürk hatte sie 1935 in ein Museum umwandeln lassen. Seit 2007 verlangen rechtsnationale und islamische Kreise immer wieder die Rückumwandlung in eine Moschee. Vereinzelt wurden in den vergangenen Jahren in Seitenschiffen islamische Gebete verrichtet." Noch größeren Symbolcharakter hatte, dass Tsipras anschließend mit einem Boot nach Heybeliada fuhr, einer der fünf Istanbul vorgelagerten Prinzeninseln. Erstmals überhaupt besuchte ein amtierender griechischer Regierungschef das Priesterseminar Halki, das bis 1971 ein Kloster und die wichtigste theologische Ausbildungsstätte der griechisch-orthodoxen Kirche gewesen war. Die türkische Regierung schloss das 1844 gegründete Seminar im Rahmen des Verbots aller privaten Bildungseinrichtungen. Sie verwarf das Argument der Kirche, dass das Seminar unter den Artikel 40 des Lausanner Vertrags von 1923 falle, das den Schutz der Einrichtungen der orthodoxen Kirche auf dem Boden der Türkei garantiere. Der große Bau auf einem Hügel der Insel wurde seit 1971 so gut in Schuss gehalten, dass die theologische Ausbildung zu jeder Zeit wiederaufgenommen werden kann. Der Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios, bescheinigte Tsipras’ Besuch einen „hohen Symbolwert“. Tsipras, der an der Seite des Patriarchen einem von griechischen Fernsehsendern übertragenen Gottesdienst in der Klosterkirche der heiligen Dreifaltigkeit beiwohnte, sagte, eine Entscheidung zur Wiedereröffnung des Seminars wäre der „Beweis für Freundschaft, gegenseitiges Verständnis und Brüderlichkeit“. Das hatten in den vergangenen Jahren viele gefordert, etwa 1999 der damalige amerikanische Präsident Bill Clinton, als er das Seminar besuchte, oder 2009 der damalige amerikanische Präsident Barack Obama in einer Rede im türkischen Parlament. Der jüngst zum Abt des Klosters und Priesterseminars Halki ernannte Metropolit Elpidophoros Lambriniadis sagte, es gebe keine rechtlichen Hürden für eine Wiedereröffnung, sondern nur politische Gründe. Aus der Trostlosigkeit der heutigen Türkei fliehen immer mehr Menschen. Auf manche geflohenen Offiziere hat das türkische Innenministerium ein Kopfgeld von 5,6 Millionen Euro ausgesetzt und damit indirekt dazu aufgerufen, sie zu entführen. "Allein 2018 haben 6949 türkische Staatsbürger in Griechenland Asyl beantragt, fast viermal so viele wie im Jahr davor." [63]

Auch heute ist es Ziel der Türkei Europa zu erobern: „Europa wird islamisch, so Allah will“. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erfogan feiert offiziell, inzwischen schon seit einigen Jahren, den 29. Mai 1453, den Tag, an dem Mehmed II. Konstantinopel eroberte. Und er feiert auch den 26. August 1071, als die Seldschuken unter Alp Arslan bei Manzikert das byzantinische Heer besiegten und den ersten türkischen Staat in Anatolien errichteten. Die Europäische Union sollte eigentlich die Schlacht von Lepanto von 1571 oder die Befreiung Wiens von den Türken von 1683 feiern, was aber kaum möglich ist, denn "die Massenmedien der ganzen Welt, kontrolliert von den „starken Mächten“, die in der Weltpolitik den Ton angeben, würden mit ihrer ganzen Kraft gegen das protestieren, was sie eine islamophobe Provokation nennen würden. Die Europäische Union würde aber nie eine solche Initiative ergreifen, weil sie in ihrem konstitutiven Akt, dem Vertrag von Lissabon vom 13. Dezember 2007, definitiv auf jeden Bezug auf die eigenen historischen Wurzeln verzichtet hat. Während Erdogan stolz eine osmanische Identität herausstreicht, die sich gegen das christliche Europa herausgebildet hat, ersetzt die Europäische Union jeden Verweis auf die christlichen Wurzeln mit der Ideologie des Multikulturalismus und der Flüchtlingsaufnahme." (Roberto de Mattei) [64]

Die Offensive des Islams gegen Europa, wie sie durch die Jahrhunderte stattfand, entfaltete sich in zwei Stoßrichtungen und wurde von zwei verschiedenen Völkern getragen: den Arabern von Südwesten und den Türken von Südosten. Die Araber wurden, nachdem sie das christliche Nordafrika erobert hatten und in Spanien eingefallen waren und die Pyrenäen überschritten hatten, 732 von Karl Martell in Poitiers gestoppt. Seither befanden sie sich schrittweise auf dem Rückzug, bis sie 1492 endgültig wieder aus der iberischen Halbinsel hinausgedrängt werden konnten. Die Türken, nachdem sie das Byzantinische Reich vernichtet und das Königreich Ungarn überrannt hatten, wurden von den Habsburgern und Johann Sobieski 1683 vor Wien aufgehalten und dann in Belgrad 1717 von Prinz Eugen von Savoyen besiegt. "Heute folgt der islamische Vormarsch denselben Stoßrichtungen. Im Südwesten Europas wird er von Saudi-Arabien und Katar gefördert. Die beiden arabischen Staaten finanzieren die Muslimbrüder und den Bau eines dichten Netzes von Moscheen in Europa. Im Südosten fordert die Türkei in die Europäische Union aufgenommen zu werden. Sollte dem nicht so geschehen, so Erdogans Drohung, werde er unseren Kontinent mit Millionen von Einwanderern überschwemmen.Das gefährlichere Projekt ist das von Erdogan, dessen Ambitionen darauf abzielen, der „Sultan“ eines neuen Osmanischen Reiches zu werden, dessen Macht vom Nahen Osten bis nach Zentralasien reicht. Das türkische Reich umfasste von 1299 bis 1923 ein ausgedehntes Gebiet von den Küsten Nordafrikas bis zum Kaukasus und bis vor die Tore Spaniens, Italiens, Österreichs und Polens. Das Ziel Erdogans ist es, die Türkei zur Führungsmacht eines noch ausgedehnteren Gebiets zu machen, das im Osten über das Kaspische Meer hinausreicht. Dort sind nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion fünf Republiken entstanden – Aserbaidschan, Turkmenistan, Usbekistan, Kasachstan und Kirgisien –, deren Völker islamisch sind und eine Turksprache sprechen. Seit den 90er Jahren werben die Türken in den turksprachigen Staaten des Ostens unter „200 Millionen von Landsleuten“ für die Notwendigkeit, „eine Staatengemeinschaft von der Adria bis zur Chinesischen Mauer“ zu bilden. Die Parole dafür gab der damalige türkische Staatspräsident Halil Turgut Özal (1927–1993) aus, der es liebte, vom Kommen eines „türkischen Jahrhunderts“ zu sprechen. Erdogan griff diese Idee auf, die im vergangenen Jahrzehnt von seinem Außenminister Davutoglu bis zu dessen Entlassung 2016 weiterentwickelt wurde. Der Gründer der modernen, laizistischen und säkularisierten Türkei, Mustafa Kemal Atatürk, sah im Islam einen destabilisierenden Faktor. Seine Nachfolger, von Özal bis Erdogan, sehen im Islam im Gegenteil einen Aggregationsfaktor nach aussen und einen Integrationsfaktor nach innen. Das Bildungswesen ist ein Pfeiler in Erdogans Projekt, sei es, um die Scharia auszubreiten – auch über die Grenzen der Türkei hinaus mittels dem Diyanet, dem Ministerium für religiöse Angelegenheiten –, sei es, um über das Unterrichtsministerium die sprachlich-kulturelle Identität durchzusetzen, die von der kemalistischen Revolution beseitigt worden war. Die Reislamisierung dieser Gebiete durch den Bau von Moscheen und die Finanzierung und Einsetzung von Imamen geht Hand in Hand mit den Investitionen im Kulturbereich, damit an den Schulen und Universitäten wieder die osmanische Kultur gelehrt und studiert wird. Bezüglich der Zeit des Osmanischen Reiches sagte Erdogan: „Wer denkt, dass wir die Länder vergessen haben, aus denen wir uns unter Tränen vor hundert Jahren zurückziehen mussten, der irrt sich. Wir sagen bei jeder sich bietenden Gelegenheit, dass Syrien, der Irak und andere Orte auf der geographischen Landkarte unserer Herzen nicht anders sind als unser Vaterland. Wir kämpfen dafür, dass keine fremde Fahne an irgendeinem Platz weht, an dem ein Adhan [der islamische Gebetsruf] erklingt. Was wir bisher getan haben, ist nichts im Vergleich zu den noch weit größeren Angriffen, die wir für die nächsten Tage planen. Inschallah [So Allah will].“ Das erste, erklärte Ziel Erdogans ist die Rückeroberung der griechischen Inseln in der Ägäis. Der türkische Führer sagte, dass 1923 die Türkei die griechischen Inseln, die „unser waren“ und wo „noch unsere Moscheen stehen“, „ausverkauft“ habe. Erdogan nannte als Stichtag das Jahr 2023, den 100. Jahrestag der türkischen Republik und des Vertrages von Lausanne, der die Staatsgrenzen festlegte, die er nun einer Revision unterziehen möchte. Das sind nicht nur Worte. 1974 besetzte die Türkei militärisch den nördlichen Teil von Zypern, und heute eroberte die unter dem Vorwand der „Terrorbekämpfung“ einen breiten syrischen Landstreifen entlang der Grenze zwischen beiden Staaten. Die größte Bedrohung gilt jedoch der Zukunft Europas, das Erdogan seinem Reich unterwerfen will.  „Europa wird islamisch, so Allah will“. Dies kündigte der Parlamentsabgeordnete Alparslan Kavaklioglu von Erdogans Partei AKP an, indem er wiederholte, was Erdogan selbst bereits offen erklärt hatte: „Die Muslime sind die Zukunft Europas“. Und weiter:„Das Glück und der Reichtum der Welt verlagern sich vom Westen in den Osten. Europa erlebt eine Periode, die man als aussergewöhnlich bezeichnen kann: Seine Bevölkerung nimmt ab und überaltert. Es hat eine sehr alte Bevölkerung. Daher kommen Menschen aus dem Ausland, um dort Arbeit zu finden. Europa hat aber das Problem, dass alle Ankömmlinge Muslime sind. Sie kommen aus Marokko, aus Tunesien, aus Algerien, aus Afghanistan, aus Pakistan, aus dem Irak, aus dem Iran, aus Syrien und aus der Türkei. Jene, die aus diesen Ländern und weiteren kommen, sind Muslime. Wir sind soweit, dass der Name Mohammed der häufigste Vorname in Brüssel, in Belgien ist. Der zweithäufigste Name ist Melih und an dritter Stelle folgt Aisha.“ Erdogan weiß, dass in Brüssel, der Hauptstadt der Europäischen Union, bereits heute der Islam die stärkste Religion ist. Einer von drei Einwohnern ist Muslim. Seine Waffe, wie auch die der Muslimbrüder, ist die demographische Eroberung Europas in den kommenden Jahrzehnten. Bereits heute wäre die Türkei, würde sie in die Europäische Union aufgenommen werden, das bevölkerungsreichste Land der EU. Bereits heute stellen die Türken die zweitgrößte Volksgruppe in der Bundesrepublik Deutschland, in den Niederlanden, in Österreich, in Dänemark und Bulgarien, und Erdogan fordert sie auf, sich nicht zu assimilieren und nicht ihre Identität abzulegen. „Die Türken im Ausland sollten Türken bleiben unabhängig von ihrer Staatsbürgerschaft.“ Die Assimilierung bezeichnete der „Sultan“ als „Verbrechen gegen die Menschheit“. Auf die Arroganz Erdogans reagiert die EU nicht, vielmehr schweigt sie. Sie schweigt zu den Menschenrechtsverletzungen in der Türkei. Sie schweigt zum Einmarsch ins syrische Kurdistan. Sie schweigt zur Seeblockade, die gegen die ENI-Plattform auf Zypern verhängt wurde. Sie schweigt zu den Drohungen gegen die griechischen Inseln. Vor allem schweigt die Europäische Union zur Ankündigung, unseren Kontinent zu islamisieren. Dazu schweigt nicht nur die Europäische Union, sondern auch die Kirche. Die Stärke Erdogans ist dieses schuldhafte Schweigen." [64]

Weil die Türkei Europa erobern will, ist es sinnvoll sich auf die traditionelle Kritik am Islam zu besinnen: St. Johannes Damascenus († 753), Theodor Abu Qurra († 820), Theophanes Confessor († 818), Niketas von Byzanz († 867), St. Petrus Venerabilis († 1156) und Nikolaus von Kues († 1464) sind als Kritiker der mohammedanischen Lehre und als Verteidiger der wahren Offenbarung gegen den Islam bekannt. "Islamkritik ist nicht Selbstzweck, sie dient der Befreiung der in dem geistigen und politischen Zwangssystem Gefangenen." Dann muss man sich auch nicht früh auf den Weg machen zur neu eröffneten Großen Camlica-Moschee. Das kann man sich getrost sparen. "Diesen Ort hatte sich Recep Tayyip Erdogan 2012, damals noch als Ministerpräsident, für die Demonstration seiner Macht ausgesucht. Weithin sichtbar sollte die Moschee sein", in der 43000 Irrgläubige Schaubeten veranstalten können und die von sechs Minaretten eingefasst wird. "Zahlreiche Rolltreppen führen hinauf zur Moschee" und können so Massen an Irrgläubigen abfertigen. Der türkische Architekt Bahar Mizrak hat diese kitschigste aller Moscheen gebaut. Architekten kritisieren, "die neue Moschee sei über eine – nicht einmal gelungene – Kopie der Moschee Süleymans nicht hinausgekommen." Hinzu kommt der schrille Lärm der Muezzine. An einem gewöhnlichen Freitag kommen oft von weither Tausende Irrgläubige zum Freitagsgebet. "Der Muezzin ruft zum Gebet – schrill, mit starkem türkischen Akzent". Als Islamist ruft er indirekt zum Dschhad auf: "Am Ende der Zeit werde aber das Paradies sein, insbesondere für die Märtyrer, die für ihren Staat einstehen, so wie beim Sieg in Canakkale 1915." Nach dem Schaubeten strömen alle "wieder die Rolltreppen hinab. Unten erwarten sie „mobile Buffets“ der Stadtverwaltung in roten Kleinbussen. An alle Teilnehmer des Freitagsgebets werden Süßigkeiten verteilt – schließlich sind am Sonntag Wahlen." [65]

Der Streit zwischen dem EU-Mitglied Zypern und der Türkei um die in der Region vermuteten sowie zum Teil schon nachgewiesenen Erdgasvorkommen schwelt seit Jahren. Er hat sich jedoch zugespitzt, seit Ankara zwei Spezialschiffe zu Erkundungsbohrungen in die umstrittenen Gewässer entsandt hat. Zyperns Regierung bezeichnet das türkische Vorgehen als Verstoß gegen internationales Recht und wird von der EU darin unterstützt. "Die Türkei, so die Sichtweise in Nikosia, operiere völkerrechtswidrig in Gewässern der ausschließlich Zypern vorbehaltenen Wirtschaftszone. Ankara erkennt die zyprische Regierung jedoch nicht an und spricht ihr das Recht ab, die türkische Volksgruppe auf der seit 1974 geteilten Insel zu vertreten. Die im zyprischen Norden als Folge der türkischen Invasion von 1974 bestehende „Türkische Republik Nordzypern“ wiederum wird nur von einem Staat anerkannt – der Türkei, die das quasistaatliche Gebilde auch finanziert. Ankara ist in dem Streit auch sonst isoliert. Denn nicht nur die EU verhängte in seltener Einmütigkeit ein Reihe von Sanktionen. Auch die Vereinigten Staaten und nicht zuletzt Russland, das mit dem griechischen Teil Zyperns traditionell gute Beziehungen unterhält, stellten sich auf die Seite der Regierung in Nikosia. Die EU will der Türkei nun unter anderem Vorbeitrittshilfen kürzen, welche dem Land trotz der längst ins Irreale abgeglittenen Beitrittsperspektive noch gezahlt werden. Auch Verhandlungen über ein Luftverkehrsabkommen sollen eingestellt werden."  Auch Unternehmen oder Personen, die auf türkischer Seite an den Erkundungsbohrungen beteiligt sind, sollen mit Sanktionen belegt werden. Nikos Dendias, der neue Außenminister Griechenlands, des engsten Partners Zyperns in der EU, zeigte sich von der Geschlossenheit der EU „positiv überrascht“. Der frisch gewählte Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis hat angekündigt, mehr Migranten von den griechischen Inseln in der Ägäis zurück in die Türkei schicken zu wollen, wie es der europäisch-türkische Migrationspakt vom März 2016 eigentlich vorsieht. Die zyprische Regierung um Staatspräsident Nikos Anastasiadis, der auch das Kabinett führt, lehnte unsinnige Vorschläge der Türkei erwartungsgemäß ab. Auch an einer Vereinigung der Insel – die auch eine Teilung der politischen und wirtschaftlichen Macht bedeuten würde – sind die Zyprer in Wirklichkeit nicht interessiert, zumindest solange die Türkei weiter auf Muslimisierungskurs ist. "Tatsächlich hatten die griechischen Zyprer bei einem unter UN-Aufsicht abgehaltenen Referendum im April 2004 mit deutlicher Mehrheit gegen eine Aufhebung der Teilung gestimmt." So wie es der muslimisierten Türkei schon immer an guten Architekten gefehlt hat, so "fehlt es der Türkei an Expertise. Ihre Erkundungsschiffe sind zum Teil mit ausländischen Fachkräften bemannt. Das forsche türkische Auftreten im östlichen Mittelmeer wird daher auch als levantinisches Imponiergehabe gesehen." Abgesehen von einigen Lebensmittelproduzenten wie Ferrero (Nutella), Rapunzel und Textilfirmen wie Maas, die massenweise, bzw. teilmeise (Brax), Produkte aus der Türkei beziehen, interessiert sich eigentlich niemand mehr für die Türkei, auch im regionalen Gaspoker zeigt sich, "dass ohne Ankara einiges geht. Während in der Türkei seit Jahren davon phantasiert wird, zu einer Drehscheibe für Gas aus dem östlichen Mittelmeer zu werden, betreibt Ägypten eine umsichtige Politik, um diese Rolle tatsächlich einnehmen zu können. Die Entdeckung des riesigen Zohr-Felds in ägyptischen Gewässern mit den größten bisher gesicherten Gasvorkommen spielte dabei eine Rolle. Ebenso wichtig war aber das Schmieden energiepolitischer Allianzen. Mitte Januar wurde in Kairo das „Ostmediterrane Gasforum“ zur gemeinsamen Vermarktung regionaler Vorkommen gegründet. Anwesend waren die Energieminister Ägyptens, Zyperns, Griechenlands, Italiens, Jordaniens sowie ein palästinensischer Vertreter. Die Türkei war nicht dabei." Die EU, die Vereinigten Staaten und auch Moskau stellen sich gegen die Türkei. Ankara hält an dem umstrittenen Vorgehen aber fest. Denn zum einen laufen der Regierungspartei AKP, also den Islamisten, die Wähler davon, da sie zunehmend zu einem Machterhaltungsapparat verkommt. Konflikte um Zypern aber mobilisieren und einen seit jeher viele Türken, Regierung und Opposition. Zum anderen will Ankara das Werben der Griechischzyprer um die Türkischzyprer stoppen. Denn die großen Gasvorkommen vor Zypern werden der Insel Wohlstand bescheren, und der könnte für viele Türkischzyprer ein willkommenes Motiv sein, sich aus der Bevormundung durch Ankara, die bisher nur Armut gebracht hat, zu lösen. Daher macht die Türkei ihre Ansprüche als Garantiemacht für Zypern und auf die Gasvorkommen geltend. Die Türkei fällt immer weiter in die Isolation zurück. Nach den Rückschlägen für die Regierungspartei AKP von Präsident Recep Tayyip Erdogan in den Kommunalwahlen steht die Türkei vor einer Grundsatzentscheidung: Sklaverei und Islam oder Freiheit und Christentum. "Ökonomen halten die Strafaktionen deshalb für bedeutsam, weil sie zu einer Zeit kommen, in der auch Sanktionen aus Amerika drohen: zum einen, weil das Nato-Land Türkei derzeit russische Luftabwehrraketen vom Typ S-400 aufstellen lässt, zum anderen, weil es weiterhin Öl und Gas aus Iran kauft. „Das Land ist auf Energieträger aus Iran angewiesen. Ankara hat feste Lieferverträge zu günstigen Konditionen abgeschlossen, die sind jetzt gefährdet“ Die Türkei steht also auf dreifache Weise unter Druck: wegen Zypern, wegen der S-400 und wegen Iran. Hinzu komme als vierte Belastung die Unsicherheit an den Finanzmärkten. Kürzlich hatte Erdogan den Notenbankchef Murat Cetinkaya entlassen, weil dieser sich dem Wunsch der Regierung nach sinkenden Zinsen widersetzt hatte. Auch nicht-christliche Gebiete wie Nordsyrien will die Türkei erobern und arbeitet mit Terrororganisationen zusammen: "Der türkische Staatspräsident Tayyip Erdogan droht wieder mit einem Einmarsch in Nordsyrien... Nur noch auf dem Papier besteht damit das Abkommen, das Russland und die Türkei, die eine neue Flüchtlingswelle vermeiden will, am 17. September 2018 in Sotschi zu Idlib unterzeichnet hatten. In dem hatte sich Russland unter der Bedingung zu einer Waffenruhe verpflichtet, dass die Türkei in Idlib die 30000 Mitglieder der mit Al Qaida verbündeten Terrorgruppe Haiat Tahrir al Sham neutralisiert. Das Gegenteil trat ein: Die Terrorgruppe kontrolliert und tyrannisiert heute die Provinz. Das erleichtert dem Regime Assad die Rechtfertigung der laufenden militärischen Offensive, die das Ziel hat, die abtrünnige Provinz Syrien wieder seinem Herrschaftsgebiet einzuverleiben. Da die Kämpfer von Haiat Tahrir al Sham keine weitere Fluchtmöglichkeit mehr haben, wird der Abnutzungskrieg immer blutiger." [66]
 

Byzantinische Kunst auf dem Athos

In griechischen Klöstern wird man als Pilger oder Tourist immer freundlich empfangen. "Wunderbar weltentrückt und gleichzeitig weltzugewandt ist dieses Fleckchen Erde auf der Halbinsel Athos. Ganz allein sitzen wir unter einer Pergola auf unserem Ausguck zweihundertfünfzig Meter über dem Golf von Sigitikos, umgeben von penibel gepflegten Weingärten, die sich in leicht abfallenden Talmulden ausbreiten und an Steilhängen emporklettern. Walnuss- und Feigenbäume, Olivenhaine, Ginster und mediterranes Buschwerk lockern die strenge Symmetrie der Rebzeilen auf. Dahinter geht der Blick weit über das Mittelmeer, auf mehrere Inseln und die Berge der gegenüberliegenden Halbinsel Sithonia. Auf einem rustikalen Tisch vor uns steht der traditionelle klösterliche Willkommensgruß für die Pilger, die seit mehr als einem Jahrtausend zum Athos unterwegs sind, dem heiligen Berg der orthodoxen Christen: eine Tasse Kaffee zum Wachwerden, ein Gläschen Tsipouro-Tresterbrand zum Schweißstillen und ein süßer Loukoumi-Würfel zur Rückgewinnung der Energie." Für den Atos benötigt man das „Diamonitirion“, eine Art klösterliches Visum. Dann kann man exakt zum vorgegebenen Zeitpunkt im „Grenzdorf“ Ouranoupoli eintreffen, um im Pilgerbüro vorzusprechen. Besucher müssen in der Regel von Ouranoupoli aus die Fähre nehmen, die sie dann an den verschiedenen Anlegestellen auf der Halbinsel an Land setzt. Ausnahmen von der Regel unterliegen strengen Beschränkungen. Die Geschichte dieser gründlichen Abschirmung von Athos währt schon mehr als ein Jahrtausend. Vermutlich im sechsten Jahrhundert trafen hier die ersten christlichen Einsiedler ein, im Jahr 843 wurden „heilige Männer“ erstmals urkundlich erwähnt, und kurz darauf befreite der byzantinische Kaiser Basilios die Mönche von der Steuerpflicht. Auch vom Prinzip „Abaton“, der Unbetretbarkeit für Frauen, wurde schon im neunten Jahrhundert berichtet. Es verdankt sich dem extravaganten Marienkult der Mönche. Athos gilt als Garten der Gottesmutter und ist deshalb Maria, der obersten Heiligen der orthodoxen Kirche, vorbehalten. „Die Athoniten“, so erklärt ein Pater den spitzfindigen theologischen Gedankengang, „verwehren den Frauen den Zutritt zum heiligen Berg, weil sie die Frauen wahrhaft lieben. Alle Frauen sind auf dem Athos zwar abwesend, und doch wieder, durch die Gottesmutter Maria, sind alle anwesend.“ Das Zugangsverbot für Frauen gilt bis heute, bestätigt 1922 im Vertrag von Lausanne, der die Unabhängigkeit einer Mönchsrepublik auf dem nordöstlichen Finger der Halbinsel Chalkidiki im Rahmen des griechischen Staatsgebiets festlegt – ein Status, der dem des Vatikans innerhalb Italiens ähnelt. Die eigenständige Mönchsgemeinschaft besteht derzeit aus zwanzig Hauptklöstern, zwölf Mönchsdörfern und siebenhundert kleinen Gemeinschaften und Einsiedeleien. Etwa zweitausend Mönche leben noch hier, eine verschwindend kleine Zahl, verglichen mit Zehntausenden in früheren Zeiten. [67]

Die Domäne Metochi Chromitsa, ist ein Zweig des russisch-orthodoxen Klosters Agios Panteleimon; sie versorgt seit jeher die Mönche des Hauptklosters mit Wein, Oliven und Gemüse. Wein war immer mit Athos verbunden und die Pflege der Rebstöcke eine der wichtigsten Aufgaben der Mönche. Die meisten Klöster besitzen auch in der Gegenwart einige Hektar Weinberge für den Eigenbedarf. Die Blütezeit von Metochi Chromitsa war Ende des neunzehnten Jahrhunderts, als der Garten mit fünfzig Hektar Weinbergen und fünfundzwanzigtausend Olivenbäumen bepflanzt war. Mit der Verringerung der Mönchsbevölkerung allerdings verwahrloste das Landgut zunehmend. Als der griechische Winzer Evangelos Tsantalis 1971 auf Pilgertour über die Halbinsel wanderte, war er entsetzt über den Zustand der Domäne, erkannte aber auch das Potential der Weinberge. Damit war nicht nur die Zukunft der Weinberge gesichert, sie wurden im Laufe der Zeit auch zum wichtigsten Aushängeschild der Mönchsrepublik in der Außenwelt. Zwar verkaufen die Mönche in ihren Klosterläden Kleinigkeiten wie Honig, getrocknete Kräuter oder Ikonen, und auch in die Geschäfte der Region Chalkidiki gelangen einige Produkte aus Athos. Aber das alles hält sich in engen Grenzen. Die Qualität der Weine aus den Gärten von Metochi Chromitsa jedoch erwies sich als so hervorragend, dass sie inzwischen in viele Länder exportiert werden und zahlreiche Preise errungen haben. Auf hundert Hektar werden mehr als neun Millionen Liter produziert. Gemäß der Doktrin der Mönche ist der Anbau biologisch, was auf den sandigen Böden im trockenen mediterranen Klima und in der beständigen Meeresbrise bestens funktioniert. So konnten nicht nur autochthone Rebsorten wie Athiri, Asyrtiko, Roditis, Limnio und Xinomavro wiederbelebt werden, man vermählt sie auch mit internationalen Sorten wie Sauvignon Blanc, Chardonnay, Merlot, Syrah und Cabernet Sauvignon zu außergewöhnlichen Cuvées. Kormilitsa Gold, der Wein aus einer kleinen Parzelle, ist seit einigen Jahren sogar der offizielle Wein des Moskauer Kremls. [68] 

Frei verfügbar und Frauen nicht vorenthalten ist auch das größte Spektakel von Athos: ein Ausflug mit dem Touristendampfer, der von Ouranoupoli aus vier Stunden lang an der Südküste der Halbinsel entlangfährt und dabei die Schauseite der klösterlichen Historie von Athos präsentiert. Immer im vorgeschriebenen Abstand von mindestens fünfhundert Metern, der sowohl für Ausflugsboote als auch für die Fischerei gilt, schippern wir vorbei an kahlen Felsen, wilden Berghängen mit Gestrüpp und abgelegenen Stränden zwischen steilen Klippen. Ein schwieriger zugängliches Gelände hätten sich die frommen Männer an der griechischen Küste kaum aussuchen können. Und doch haben sie im Laufe der Jahrhunderte eine erstaunliche Zahl spiritueller Bauwerke mit byzantinischer Wandmalerei in diese Wildnis hineingesetzt. Kleine Kirchen stehen malerisch direkt am Strand, ausufernde Gebäudekomplexe für mehrere hundert Menschen mit Mönchszellen, Kirchen und einem kleinen Hafen beherrschen die eine oder andere Bucht. Dann wieder sitzt auf einem Felsvorsprung eine Einsiedelei, oder weit oben am Berg steht eine verlorene Kapelle. Bescheidene Hütten sind eingeklemmt in enge Felsrinnen, kleine Häuser mit roten Ziegeldächern sehen aus wie Ferienvillen, und immer wieder verliert sich eine Ruine in der Landschaft. Das imposanteste Bauwerk ist das Kloster Simonos Petras, das auf halber Höhe zwischen Strand und Berggipfel aus der felsigen Steilwand herauswächst. Mit seinen sieben Stockwerken erinnert es an tibetische Klöster. Es ist umgeben von einigen Nebengebäuden und Terrassen, auf denen die Mönche in schwindelnder Höhe Gemüse und Obst anbauen. Am Ende der Halbinsel ragt der heilige Berg höchstpersönlich zweitausend Meter hoch aus dem Meer – wenn er sich nicht in einer Wolkenhülle versteckt. Doch ganz gleich, ob man den Gipfel sieht oder nicht: Es ist eine phantastische Seefahrt vor einer Kulisse, in der sich wilde Natur mit klösterlicher Architektur und Historie zu einer einzigartigen Symbiose zusammenfindet. Die Jungfrau Maria muss von diesem exklusiv für sie reservierten Territorium aus schließlich auch ein Einsehen mit den aus Athos verbannten Frauen gehabt haben. Denn fünfzig Kilometer entfernt, so die orthodoxe Legende, soll sie an einem wunderschönen Platz im Gebirge eine Kapelle gestiftet haben: Sankt Nikolaus vom Berge. Oberhalb des Städtchens Olympiada steht auf einer natürlichen Terrasse dieses Geschenk der Jungfrau an die Außenwelt, eine von mehr als zweihundert Kapellen im Hinterland der Halbinsel Chalkidiki. Dort dürfen auch Frauen in Kontakt mit Athos treten, denn auf dem Berg residiert als Abgesandter der orthodoxen Gemeinschaft seit einigen Jahren der junge Mönch Theophilos und kümmert sich um diesen geweihten Ort. Von der Terrasse vor dem Kirchlein schaut man übers Meer auf den heiligen Berg in der Ferne, und wenn Theophilos dort seinen Begrüßungskaffee serviert, brauchen auch weibliche Seelen keine Sehnsucht mehr nach dem verbotenen Terrain auf der Halbinsel zu haben. [69]
 

"Annemarie-Schimmel-Islam-Netzwerke" in der Türkei; Geschichtsklitterung in den Schulen

Die Kulturakademie am nördlichen Ufer des Bosporus ist ein Vorzeigeprojekt der deutschen auswärtigen Kulturpolitik. Gegründet wurde sie auf Initiative des Bundestags, um den künstlerischen Austausch zwischen der Türkei und Deutschland zu fördern. Die Leitung liegt beim Auswärtigen Amt. Derzeit beherbergt sie jedes Jahr bis zu zwanzig Künstlerinnen und Künstler, die ihren Arbeits- und Lebensmittelpunkt in Deutschland haben. Untergebracht ist die Kulturakademie in der historischen Sommerresidenz des deutschen Botschafters in der Türkei. Sie geht auf eine Schenkung des osmanischen Sultans Abdülhamid II. an das Deutsche Reich im Jahr 1880 zurück. Die fundamentalistische Nahda-Bewegung um den "Islamwissenschaftler" der FAZ Rainer Hermann berichtet gern, wie der Islam, nachdem Wien von den Osmanen nicht erobert werden konnte, schleichend nach Europa transportiert werden kann. Hermann schreibt mit seiner Annemarie Schimmel Begeisterung für den Islam zum Beispiel: "Von seinem Schreibtisch sieht der Schriftsteller Christoph Peters die großen Schiffe vorüberziehen. Ein Blick, der ihn mit der ganzen Welt verbindet. Jeden Morgen arbeitet er an seinem neuen Roman, am Nachmittag taucht er dann für Recherchen zu seinem nächsten Roman in das islamische Istanbul ein. Mal fährt er mit dem Schiff eine Stunde den Bosporus hinab in das Zentrum von Istanbul, ein andermal setzt er sich in die U-Bahn. In Istanbul beschäftigt sich Peters, der sich lange in Ägypten, der Türkei und Pakistan aufgehalten hat, mit den Ornamenten in den Moscheen und in den Teppichen, er trifft Derwische und ist auf der Suche nach den Spuren der islamischen Kosmologie. 'Diese Kosmologie sieht man in einer Moscheekuppel', sagt Peters. Das Element der absoluten Einheit Gottes in der Mitte, oft als goldenen oder schwarzen Punkt – die absolute Einheit als Anfang von allem. Aus ihr heraus wachsen Ornamente, sie bilden die Gesetze ab, die seit dem Urknall die Welt regeln. Daraus gehen wiederum die Schrift und florale Ornamente hervor, die die Verspieltheit der Schöpfung symbolisieren. Das schaut sich Peters an, ebenso Gebetsteppiche, deren ornamentale Muster den abschweifenden Geist immer wieder einfangen." Erwartet wird von den Bewerbern u.a., dass sie die türkisch-islamische Kultur in Deutschland etablieren. Ein Beispiel ist die Klanginstallation „Call to Prayer“, zu der sich Michael Schiefel durch den "fünfmaligen Ruf des Muezzins" hat inspirieren lassen. Stipendiaten und Alumni bringen diese islamischen Installationen nach Deutschland, "beispielsweise im vergangenen November im Hamburger Bahnhof in Berlin beim „Studio Bosporus“, der ersten großen Veranstaltung in Deutschland, bei der in der Türkei entstandene Arbeiten gezeigt wurden. Seit 2017 werden die Stipendien für eine Dauer von vier bis acht Monaten im Rahmen einer offenen Ausschreibung vergeben. Die Ausbreitung des Islams wird nicht offen als Ziel angegeben, die Installationen zeigen aber deutlich, wohin die Reise geht: "Wie der Atlas der digitalen Kartographie, mit der Shulamit Bruckstein eines der bedeutendsten Netzwerke der zeitgenössischen Künste sichtbar macht: das persönliche Netzwerk von Beral Madra, der Kuratorin der ersten Istanbul Biennale. Mehr als vier Jahrzehnte begleitete sie rund neunhundert Künstler aus mehr als vierzig Ländern. Der Atlas enthält Hunderte von Fragmenten – Texte, Werke, Namen –, er visualisiert Beziehungen zwischen Orten in einer Region, die von Istanbul über Beirut nach Kairo reicht, von Sarajevo und Mostar über Thessaloniki, Tiflis und Moskau nach Zentralasien. Und immer wieder Berlin. Er ist Teil des großen digitalen Atlasprojekts vom House of Taswir, einer internationalen Plattform für künstlerische Forschung und diasporische Denkformen, gegründet 2007 in Berlin von der Philosophin und Kuratorin Bruckstein" mit Künstlerinnen und Künstlern vor allem aus der islamischen Welt. Ziel sei ein "Netzwerk unbeugsamer Kosmopoliten", gemeint ist aber mehr ein "Annemarie-Schimmel-Islam-Netzwerk". [70]

Athanasius hätte sich wohl kaum für islamischen Religionsunterricht in Europa oder in islamischen Ländern eingesetzt, stattdessen sagt er zu denen, die sich über das Christentum und das Heidentum (Islam) informieren wollen: "Zur Erkenntnis der rechten Gottesverehrung und der Wahrheit überhaupt bedarf es nicht so fast eines Unterrichtes durch die Menschen, als ja vielmehr eine solche unmittelbar sich gewinnen lässt. Fast Tag für Tag erhebt sie in den Werken laut ihre Stimme, und sonnenklar offenbart sie sich in der Lehre Christi. Doch gleichwohl möchtest du von ihr reden hören. Nun gut, du Glücklicher, soweit wir dazu imstande sind, wollen wir über einige wenige Fragen aus dem christlichen Glauben uns auseinandersetzen. Wohl kannst du diesen Glauben auch aus den göttlichen Schriften schöpfen, hörst aber doch recht gern auch andere an. Es genügen ja die heiligen und inspirierten Schriften zur Verkündigung der Wahrheit; doch gibt es daneben auch viele Kommentare, die unsere seligen Lehrer dazu verfasst haben. ...ich meine nämlich den Glauben an Christus den Erlöser, damit man nicht die bei uns vorgetragene Lehre geringschätze noch auch den Glauben an Christus für unvernünftig halte, wie etwa die Heiden", d.h. heute vor allem die Moslems die mit "verleumderischer Zunge spotten und offen über uns lachen, obschon sie uns immer nur das Kreuz Christi vorzuhalten wissen. Und doch gerade daraufhin möchte man ihren Stumpfsinn am meisten betrauern, weil sie, die Spötter des Kreuzes, nicht sehen, wie seine Kraft die ganze Welt erfüllte, und wie durch das Kreuz die Werke der göttlichen Erkenntnis allen offenbar geworden sind. Denn wenn auch sie Leute wären mit einem geraden Sinn und Blick für seine Gottheit, dann würden sie über etwas so Grandioses nicht spotten. Nein, vielmehr müssten auch sie ihn als Weltheiland anerkennen und einsehen, dass das Kreuz der Kreatur nicht zum Verderben, sondern zum Heile geworden ist. Denn wenn mit dem Eintritt des Kreuzes in die Welt aller Götzendienst ein Ende nahm, wenn alles Gaukelspiel der Dämonen diesem Zeichen weichen muss und nur mehr Christus angebetet und durch ihn der Vater erkannt wird, wenn die Widersacher zuschanden werden, er aber täglich die Herzen derer, die ihm widersprechen, im stillen umstimmt, wie kann man da noch, man darf sie wohl mit Recht so fragen, an ein Menschenwerk denken, anstatt zu bekennen, dass es der Logos Gottes und der Heiland der Welt ist, der das Kreuz bestiegen hat? Mit diesen Leuten scheint es ähnlich zu stehen wie mit einem Menschen, der auf die Sonne schmähte, die hinter den Wolken sich verbirgt, und doch ihr Licht bewunderte, weil er sieht, wie die ganze Schöpfung von ihr beleuchtet wird. Denn wie das Licht schön ist und schöner noch die Sonne als Quelle des Lichtes, so muss auch, da die Erfüllung des ganzen Erdkreises mit der Erkenntnis Gottes eine göttliche Tat ist, der Schöpfer und Lenker eines solchen Wunderwerkes Gott und Gottes Logos sein. Wir wollen also von der Sache reden, so gut wir es vermögen." Zunächst soll den Mohammedanern beispielsweise, also "den Ungläubigen ihre Unwissenheit" nachgewiesen werden, damit dann auf die "Widerlegung ihrer Lügen hin die Wahrheit von selbst leuchte". Wenn dies nicht so geschieht, wie Athanasius es beschrieb, dienen Schulbücher in islamischen Ländern zu nichts anderem als Geschichtsklitterei und Verbreitung der "Lügen" und "Unwissenheit", wie auch eine kürzliche Untersuchung islamischer Schulbücher gezeigt hat, also Schulbücher an staatlichen Schulen in Ländern mit muslimischer Bevölkerung. Der Autor macht deutlich, "dass diese Schulbücher nicht zu Frieden und der Achtung der allgemeinen Menschenrechte erziehen", sondern den Auftrag haben, das Selbstverständnis eines islamistischen Staats in den Köpfen der Schüler zu verankern; "sie sind nicht am Individuum interessiert, sondern am Kollektiv; sie führen die Schüler nicht dazu, Inhalte zu hinterfragen und deren Bedeutung in der Welt von heute zu verstehen, sondern Vorgegebenes als selbstverständlich anzunehmen." Der Autor hat aus mehr als hundert Büchern, die er aus acht Ländern des Nahen und Mittleren Ostens zusammengetragen hat, fünf ausgewählt. Es handelt sich um Schulbücher der Fächer Religion (Afghanistan), Ethik (Iran), Geschichte (Ägypten), arabische Sprache (Palästina) und Sozialkunde (Türkei). Das Urteil der Pädagogen ist erschreckend. „Das alles sind keine Schulbücher“, urteilt eine von ihnen. Sie dienen nicht der Bildung, sondern der Festigung der Narrative der Regierungen und Regime, die auf diesem Wege langfristig stabilisiert werden sollen. "Das afghanische Schulbuch für das Fach Religion, in dem andere Religionen als der Islam mit keinem Wort erwähnt werden, vermittelt vor allem Angst" vor Allah, fördert Islamismus bzw. "religiöse Gefügigkeit" Im iranischen Schulbuch zu Ethik geht es nicht um Ethik, sondern letztlich nur darum, wie sich ein Muslim, also nach Athanasius ein in "Unwisenheit" verharrender "Ungläubiger",  zu verhalten hat. Auch hier werden Ängste geschürt, um das gewünschte Verhalten hervorzubringen. Im ägyptischen Schulbuch zur modernen Geschichte des Landes fallen dem Autor, der Arabisch spricht und in Kairo gelebt hat, dagegen "faktische Unwahrheiten, Verschwörungstheorien und ein antisemitisches Erzählmuster" auf. Zur Lektüre des politisierten Schulbuchs der palästinensischen Autonomiebehörde zur arabischen Sprache: "Den Schülern werde nicht beigebracht, sich konstruktiv mit der politischen Lage und der Geschichte auseinanderzusetzen. Solche Bücher seien „keine Basis für Frieden, sie schüren Hass und dämonisieren den jüdischen Staat“. Auchdas türkische Schulbuch im Fach Sozialkunde "verfällt in Propaganda und Diffamierung, etwa indem es die Kultur und Geschichte des Landes einseitig und unvollständig vorstellt und auf die Homogenität des türkischen Volkes setzt, statt die auf die christlich-byzantinischen Wurzeln hinzuweisen. Den Schülern wird die Türkei als "beispielhafte Demokratie" vorgegaukelt, ohne auf die Realität der vielen Menschenrechtsverletzungen einzugehen oder den Genozid an den Christen und Armeniern einzugehen. Solche islamischen Bücher verstärken die problematischen gesellschaftlichen Tendenzen ihrer Länder und damit die Krisen und Konflikte ihrer Region. Zudem bringen viele Migranten, die heute in Deutschland leben, das in ihren Köpfen mit, was ihnen in ihren Heimatländern vermittelt worden ist und was zu hinterfragen sie nie gelernt haben: einen unreflektierten islamischen Nationalismus, ein konservatives Bild von Frau und Familie, einen ungezügelten Hass auf Israel." [71]
 

Investitionen in europäische, ehemalige Gebiete des byzantinischen Reiches wie Bulgarien statt in islamisierte Länder wie die Türkei; Merkel-Deutschland und die EU könnten weiter an Glaubwürdigkeit verlieren, sollte die Wahl auf die Türkei fallen 

Warum nicht in den "Traumstandort Bulgarien" investieren? Das EU-Land macht Stimmung gegen den Bau eines Volkswagenwerks in der Türkei, um die Großinvestition ins eigene Land zu holen. Im Ringen um eine der größten Auslandsinvestitionen in der Geschichte von Volkswagen hatten sich in den vergangenen Wochen die Anzeichen verdichtet, dass die Wahl der Wolfsburger Automanager auf die Türkei fallen werde - obwohl Sanktionen gegen die Türkei verhängt wurden. Dort, bei Izmir, solle das neue Werk entstehen, hieß es. Niedersachsens islamfreundlicher Ministerpräsident Stephan Weil, Mitglied des VW-Aufsichtsrats, hatte in einem Gespräch mit mit der FAZ schon im Juni die mögliche Entscheidung für die Türkei vorauseilend verteidigt. Zumindest hatte sich Weil, dessen Land Grundsatzentscheidungen des Konzerns per Sperrminorität verhindern kann, gegen Forderungen verwahrt, man dürfe nicht mehr in der Türkei investieren. Weil ist sowohl für den islamischen Religionsunterricht in Deutschland als auch für die Förderung des Islams in der Türkei. "Als letzter verbliebener Mitbewerber der Türkei um die Großinvestition galt nach dem Ausscheiden von Kandidaten wie Serbien und Rumänien der EU-Staat Bulgarien. Dort versucht man jetzt, die Standortwahl doch noch zu den eigenen Gunsten zu wenden. Ein Wortführer der Kampagne ist Rossen Plewneliew, der von 2012 bis 2017 Staatspräsident Bulgariens war und inzwischen – ehrenamtlich, wie er betont – im Vorstand des „Automotive Cluster Bulgaria“ ist. In diesem Verband hat sich die bulgarische Zuliefererindustrie mit mehr als 200 Firmen zu einer Interessenvertretung zusammengeschlossen. Da Plewneliew in der ersten Reihe der bulgarischen Politik keine Rolle mehr spielt, kann er sich offenere Worte gegenüber der Türkei erlauben als Regierungschef Bojko Borissow, der stets genau darauf achtet, den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan nicht zu provozieren. Dabei spielen auch Sofioter Ängste eine Rolle, Erdogan könne die türkisch-bulgarische Landgrenze für Migranten öffnen." Plewneliew muss sich nicht (mehr) von solchen Rücksichten leiten lassen: „Auf dem Balkan wird sehr genau beobachtet, was mit der VW-Mega-Investition passiert. Falls sich VW für Bulgarien entscheidet, sendet das ein starkes Signal für die pro-europäischen, demokratischen Kräfte und Länder der Region aus.“ Entscheide sich VW hingegen für die Türkei, werde Deutschland insgesamt an Glaubwürdigkeit einbüßen. Es werde dann heißen, in Berlin werde ständig über Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte geredet, wenn es aber um Geld gehe, sei der Autokrat Erdogan als Partner gut genug, auch wenn er die Deutschen mehrfach als Faschisten bezeichnet und Menschenrechte massiv verletzt habe. Doch wenn allein Geld und Interessen den Ausschlag geben, „werden am Ende Deutschland und EU die großen Verlierer sein“, sagt Plewneliew. In Bulgarien gibt man auch zu bedenken, dass die neue Fabrik als eines der größten Werke des Konzerns unter genauer Beobachtung der Öffentlichkeit stehen werde. Es sei damit zu rechnen, dass Streiks, Arbeitsunfälle oder Entscheidungen des Managements zum Umweltschutz zu Debatten in den sozialen Medien führen werden. Natürlich sei die Wahl des richtigen Standorts eine wirtschaftliche Entscheidung, „aber sie wird unvermeidlich politische Konsequenzen haben“, ist einem von Plewneliew in Umlauf gebrachten, namentlich nicht gekennzeichneten Text in englischer Sprache zu entnehmen. Darin werden Bulgarien und die Türkei als Standorte verglichen, wobei der Vorteil einseitig auf Seiten des Balkan-Staates verortet wird. Die Türkei, heißt es in dem Text, sei berüchtigt für Menschenrechtsverletzungen, und auch das Recht auf gewerkschaftliche Vereinigung bestehe in dem Land vielfach nur noch auf dem Papier. Regelmäßig komme es zu Verhaftungen von Gewerkschaftsführern. In diesem Punkt kann sich Bulgarien auf die EU-Kommission berufen, die in der Türkei „eine Verletzung grundlegender Arbeitsrechte, etwa der Vereinigungsfreiheit und des Rechts auf Tarifverhandlungen“ festgestellt hat. Dem wird gegenübergestellt, dass Bulgarien ein demokratischer Staat sei und zudem die niedrigsten Löhne und Arbeitskosten aller 28 EU-Staaten aufweise, niedriger auch als in der Türkei. [72]

Sollte VW in die Türkei gehen, wird sich laut Plewneliew auf jeden Fall die Frage stellen, wie europäische Regierungen und Wirtschaftsführer der Wählerschaft „die Deindustrialisierung des Kontinents, den Export Hunderttausender Arbeitsplätze ins nichteuropäische Ausland sowie die Menschenrechtsverletzungen erklären werden, die mit ziemlicher Sicherheit in asiatischen Werken zu erwarten sind“. Plewneliew gibt zu, dass der Markt Bulgariens (sieben Millionen Einwohner bei schrumpfender Bevölkerungszahl) im Vergleich zu dem der Türkei (achtzig Millionen Einwohner bei wachsender Bevölkerungszahl) als Absatzgebiet für VW unattraktiv erscheinen möge. Wer aber garantiere die Sicherheit von Investitionen in der Türkei, wenn das deutsch-türkische Verhältnis wieder einmal wie im Jahr 2016 auf einen Tiefpunkt zusteuern sollte? Hinter Bulgarien dagegen stehe Brüssel als Garant für Eigentumsrechte, Arbeitnehmerrechte und Naturschutz. In Sofia wird daran erinnert, dass sich die Türkei nicht nur durch den Kauf des russischen Raketenabwehrsystems S-400 in großen Schritten von der Nato und der EU entferne. Auch deshalb sei nicht zuletzt Brüssel gefordert und sollte alles versuchen, um VW in Europa zu halten. Andere Firmen wie Maas, Brax, Rapunzel, die in der Türkei produzieren lassen, verlieren gerade an Glaubwürdigkeit. [73]

Hervorgehoben wird in Sofia schließlich auch, dass der türkische Präsident durch seine umfassenden Befugnisse und seine Macht, sich über die Gewaltenteilung hinwegzusetzen, Investitionen zwar gewiss beschleunigen könne, etwa durch die Missachtung von Umweltauflagen oder Bauvorschriften (siehe Flughafen und Präsidentenpalast). Das könne Bulgarien nicht bieten, da es sich strikt an die europäischen Vorgaben halten wolle und müsse. Gerade deshalb regiere in Bulgarien aber auch niemand in die Befugnisse der Zentralbank hinein, wie Erdogan es in der Türkei exerziere. Hervorgehoben wird der seit Jahren stabile Außenwert der bulgarischen Währung Lewa im Vergleich mit den Schwankungen der türkischen Lira und der Tatsache dass die Türkei von Ratingagenturen auf Ramschniveau herabgestuft wurde. Für solche Einsichten braucht man in sowohl in Wolfsburg als auch in Niedersachsen vermutlich Nachhilfestunden, denn der ehemalige VW-Chef Winterkorn hatte schon immer mit Islamisten geliebäugelt und auf Pressefotos gern das auch von Erdogan verwendete Zeichen der Muslimbrüder verwendet. [74]

Die hohe Kreditwürdigkeit und die niedrige Staatsverschuldung wird als zusätzliche Stabilitätsmerkmale des ehemaligen byzantinischen Landes hervorgehoben. So bewerteten die drei großen Ratingagenturen Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch die Bonität des Landes positiv. Zudem gebe es einen Konsens aller im bulgarischen Parlament vertretenen Parteien zur Unterstützung von Auslandsinvestitionen. „Dies ist eine weitere Zusicherung dafür, dass alle vom Staat eingegangenen Verpflichtungen unabhängig von der jeweiligen Regierung eingehalten werden“. Volkswagen käme in Bulgarien zudem in ein Umfeld, in dem schon viele deutsche Unternehmen und Konzerne angesiedelt sind. „Deutschland ist Bulgariens führender Außenhandelspartner. Führende deutsche Unternehmen wie Lufthansa Technik, SAP, Liebherr, Siemens, Osram und viele andere sind bereits seit Jahren hier vertreten“, so Borissow. Der Ministerpräsident verwies dazu ebenfalls auf die Umfrage der deutsch-bulgarischen Industrie- und Handelskammer. Demnach bejahten 88 Prozent der in Bulgarien vertretenen deutschen Investoren die Frage, ob sie wieder in dem Land investieren würden. [75]
 

II

Geschichte der Pontosgriechen; der Schlächter ist heute wieder ein Held

Das Versagen der Versailler Nachkriegsordnung wurde zuerst in Kleinasien sichtbar. Im Vertrag von Sèvres, dem letzten der „Vorortverträge“ von 1919, teilten die alliierten Siegermächte das Osmanische Reich in Mandatsgebiete und
Einflusszonen auf: Der Irak fiel an Großbritannien, Syrien und der Libanon an Frankreich, Thrakien an Bulgarien und das Gebiet um Smyrna an Griechenland. Ein armenischer und ein kurdischer Staat sollten gegründet, Konstantinopel und das Marmarameer internationalisiert werden. Die junge Türkei sollte das anatolische Kerngebiet und Kappadokien bis zum Euphrat erhalten. "Doch die Alliierten hatten ihre Kräfte überschätzt. In blutigen Feldzügen eroberte die türkische Republik unter Mustafa Kemal, später Atatürk, die meisten besetzten Gebiete zurück. Die besiegte griechische Armee schiffte sich in Smyrna ein und überließ ihre Landsleute einem grausamen Schicksal. Der 1923 in Lausanne vereinbarte „Bevölkerungsaustausch“, die wechselseitige Vertreibung der kleinasiatischen Griechen und der griechischen Muslime, ratifizierte den neuen Status quo. Bis heute ringen beide Nationen wie der ganze Nahe Osten mit den Folgen des Scheiterns von Versailles." Dieses Völkerdrama wurde immer wieder in der Form einer Familiengeschichte erzählt. Die Großmutter floh im August 1917 auf einem russischen Kriegsschiff aus dem Städtchen Ordu an der südlichen Schwarzmeerküste nach Georgien. Die hundertjährige Wiederkehr des Kriegsgeschehens gibt den Impuls für eine Recherchereise in die Vergangenheit. Der Autor fährt in die Stadt seiner Ahnen, heute Altinordu, und sucht nach den Spuren der Pontosgriechen, zu denen seine Familie gehörte. Und er entfaltet das Panorama der letzten Jahre der Pontosgriechen im Schwarzmeergebiet, die mit Hoffen und Bangen begannen und "mit Mord und Vertreibung" endeten. [76]

Bei den Verhandlungen in Sèvres präsentierte eine griechische Delegation den Amerikanern die Karte einer „Pontischen Republik“ in den Grenzen des mittelalterlichen Kaiserreichs von Trapezunt. Sie gelangte nur bis ins Vorzimmer. Die Aliierten waren nicht in der Lage die christlichen Griechen gegen die barbarischen Türken zu verteidigen. "Während der osmanische Völkermord an den Armeniern fest im kollektiven Gedächtnis des Westens verankert ist, verblasst
allmählich die Erinnerung an den Opfergang der griechischen Bevölkerung Kleinasiens." Auch deshalb muss man Autoren wie Heinemann dafür danken, dass sie neues Licht auf diese düstere Episode des zwanzigsten Jahrhunderts werfen, ohne vor ihren Schrecken erzählerisch zu kapitulieren. Eine der zentralen Figuren seines Buches ist der "Guerrillaführer Topal Osman, dessen Banden mit Billigung Atatürks erst die armenische und dann die griechische Bevölkerung des Pontosgebirges systematisch auslöschten – die Stadt Ordu freilich verschonte er." Den Ablauf der Massaker entwirft Heinemann anhand von Augenzeugenberichten, ihre historische Bewertung überlässt er den Fachleuten. Umso glaubwürdiger wirkt sein Entsetzen darüber, "dass der Schlächter der Pontosgriechen heute von türkischen Nationalisten wieder als Volksheld verehrt wird." Bei seinen Recherchen hat Heinemann viele Türken getroffen, die von nichttürkischen Vorfahren wie Griechen, Kurden, Armeniern oder Lazen abstammen, aber über ihre familiäre Herkunft in der Öffentlichkeit kein Wort verlieren. Dieser Verschwiegenheit im Privaten entspricht die Doppelgesichtigkeit der türkischen Regierungspolitik unter dem Islamisten Erdogan: „Man zeigt einerseits Toleranz gegenüber Minderheiten, andererseits will man verhindern, dass sie innerhalb der Türkei ein eigenständiges Profil entwickeln. Das scheint typisch für Nationalstaaten zu sein, die ihre Einheit gefährdet sehen.“ [77]
 
 

Anmerkungen

[1] Konstantin der Grosse wird 324 Alleinherrscher ("Totius orbis imperator"). Byzantium wird nach Umbenennung in Konstantinopel christliche Reichshauptstadt (2. Rom) im bewussten Gegensatz zum heidnischen Rom. Das auf 75 Legionen (900 000 Mann) verstärkte Heer besteht aus Feldheer (Comitatenses), Grenztruppen (Limitanei) und Kaiserliche Leibgarde (Candidati). Anwohner (Foederati) übernehmen den Grenzschutz. Einteilung des Reichs in vier Präfekturen: Oriens (Konstantinopel), Illyricum (Sirmium), Italia (Mailand), Gallia (Trier) mit 14 Diozösen und 117 Provinzen. Nach der Bekehrung Konstantins 313 Toleranzedikt von Mailand: Völlige Religionsfreiheit und Gleichberechtigung des Christentums. Rückgabe des kirchlichen Eigentums, Abschaffung des Staatskults. 391 wird das Christentum Staatsreligion (Verbot aller heidnischen Kulte). Hätte es den Islam damals schon gegeben, wäre er als Götzendienst (Anbetung der Kaaba in Mekka) ebenfalls verboten, Moscheen zerstört und Muslime bekehrt worden. In der Zeit der Kreuzzüge hatte man erwogen, Arabien zu erobern um den islamischen Götzendienst in Mekka zu unterbinden. Heute kommt es zu einer "arabischen Invasion" in Europa, die aber - so Papst Franziskus - auch Chancen biete. Wenn Europa Arabien nicht erobert, kommen eben seine Bewohner nach Europa, lassen sich taufen und bringen das Christentum nach Arabien zurück und ersetzen den dort waltenden islamischen Götzendienst durch die Religion der Freiheit. (Kinder, H. & Hilgemann, W. 1976: Atlas zur Weltgeschichte. München, Paris, Milano, Tokio, Madrid, New York, Baarn, Harmondsworth; Mann, G. & Heuß, A. (Hrsg.): Propyläen Weltgeschichte. Eine Universalgeschichte. Bde 1-10, Berlin , Frankfurt a.M. 1960-1964; Science Review Letters 2016, 15, Nr. 680; Frankfurter Allgemeine Zeitung 2016, Nr. 55, p. 6; vgl. Kurse Nr. 350 Byzantinische Kunst und Architektur, Nr. 550 Dostojewskij. Akademie der Kunst und Philosophie
[2] Die angrenzenden Gebiete des römischen Reiches wie Persien wurden nicht christianisiert, höchstens viele Arten des Aberglaubens durch den des Mohammedanismus ersetzt: "Die Bevölkerung und ihre Sitten sind durch alle neuern Mischungen, selbst durch den schiitischen Mohammedanismus und die von ihm bedingte Bildung hindurch noch teilweise so zu erkennen, wie Ammian im vierten, Agathias im sechsten Jahrhundert sie schildern. Der zweideutige Blick unter den rundgewölbten, in der Mitte zusammenlaufenden Augbraunen, der schön gepflegte Bart sind den Persern geblieben; gewisse Anstandsregeln gelten noch wie damals; von dem alten Ruhm der Mässigkeit wenigstens ein Rest; die sonderbare Mischung von weichlicher Ausschweifung und grossem persönlichem Mut ist noch heute charakteristisch für sie, ebenso das freche Prahlen und die selbstsüchtige Arglist. Auch die weite, bunte Kleidung und der flimmernde Putz fiel schon den Römern auf. .... Vielen Aberglauben hat der Mohammedanismus ausgerottet oder im Märchen fixiert." (Jacob Burckardt). In Armenien dagegen kam es zur Christianisierung des ganzen Volkes: "Schauen wir noch auf Armenien zurück. Dieses Land, mit seiner tapfern, bildungsfähigen Nation, hatte bis jetzt immer Einflüssen und Eindrücken von aussen gehorcht, auch eine verhältnismässig nur geringe Kultur zutage gefördert, und bald sollte neue, dauernde Not und Knechtschaft hereinbrechen. Dazwischen liegt als lichte Episode diese Zeit des Tiridates, welche zugleich die Zeit der Bekehrung zum Christentum war; dieses aber sollte, als armenische Kirche gestaltet, einst die Hauptstütze des armenischen Volkstums werden. Folgendes erzählt der Chronist des Volkes, Moses von Chorene: Gregor der Erleuchter (Illuminator), abstammend von einem Nebenzweige des arsacidischen Königshauses, wurde durch eine sonderbare Verkettung von Umständen schon als Kind nach dem römischen Kappadocien gebracht und daselbst von einer christlichen Familie erzogen, später auch mit einer Christin, Maria, verheiratet. Nach einer dreijährigen Ehe trennten sie sich, um in freiwilliger Enthaltsamkeit Gott zu dienen; von ihren beiden Söhnen wurde der jüngere Anachoret, der ältere pflanzte die Familie fort. Gregor kehrte dann mit dem noch heidnischen Tiridates nach Armenien zurück und begann die Bekehrung des Landes unter grossen Gefahren. – Aus andern Quellen erfährt man, dass neben ihm auch eine heilige Frau, Ripsime, tätig war und sogar den Märtyrertod erlitt, dass aber die Bekehrung doch rasch vorwärts ging; noch vor der diocletianischen Verfolgung, im Jahre 302, taufte Gregor den Tiridates selbst und einen grossen Teil des Volkes. Er überlebte noch die Zeit des nicänischen Konzils, welches er jedoch aus Demut nicht besuchen wollte, und brachte sein Alter vom Jahr 332 an als Einsiedler in dem Gebirge zu, welches die »Mania-Höhle« heisst; zu seinem Nachfolger im Bistum oder Hohenpriestertum hatte er selber seinen Sohn Aristaces eingesetzt. Er starb unbekannt; Hirten begruben ihn; erst lange hernach wurde seine Leiche wieder entdeckt und feierlich in Thordan bestattet. – Tiridates überlebte noch den Constantin und starb durch Vergiftung von Seiten einer Adelspartei im Jahre 342. Bald brachten Bürgerkriege und Interventionen von aussen sowohl das arsacidische Königtum als das ebenfalls erbliche arsacidische Hohepriestertum in Not und Verwirrung. Allein der Eindruck der Bekehrung blieb unter all den folgenden Fremdherrschaften, und das später allerdings im Monophysitismus versteinerte Christentum vereinigt bis heute die weit bis nach Österreich verbreiteten Armenier, mit Ausnahme der Römisch-Unierten, welche gegenwärtig die Besten und Gebildetsten der Nation in ihren Reihen haben möchten." (Jacob Burckardt). Wenn irgendwo sich die Lebenskrisis der alten Welt deutlich offenbart, so ist es in der Abenddämmerung des Heidentums. Es fragte sich nun, ob nicht das Christentum die Bestimmung haben sollte, die Nationalitäten zu erfrischen und auch dem Staatswesen einen neuen Halt zu geben; ob es nicht die schon im dritten Jahrhundert übliche Klage der Heiden widerlegen sollte, dass kein Segen mehr auf dem Menschengeschlecht ruhe, seitdem diese Religion im Fortschreiten begriffen sei. Denn mit der grössten Bestimmtheit wurde behauptet: seit dem Christentum hätten die Götter die Lenkung der Menschenschicksale aufgegeben, sie seien ausgewandert aus der elenden Welt, wo nun lauter Pestilenz, Krieg, Hunger, Dürre, Heuschrecken, Hagel usw. regierten, während die Barbaren von allen Seiten das Reich angriffen. Die christlichen Apologeten müssen sich umständlich zur Widerlegung dieser Ansicht herbeilassen: »Wie wenig ehrenvoll«, hiess es, »wäre ein solcher kindischer Zorn für euere Heidengötter! Und warum geben sie denn nicht euch Gesundheit und Glück, um uns Christen allein zu züchtigen? Die Natur hat sich nicht verändert; Sonne und Mond scheinen wie sonst, die Saaten grünen, die Bäume blühen, Öl und Wein werden gekeltert, das bürgerliche Leben geht seinen Gang wie von jeher; Kriege aber hat es zu allen Zeiten seit Ninus von Assyrien gegeben, und seit Christus haben sie sogar eher abgenommen. Die jetzigen unleugbaren Übel sind eben notwendige Weltprozesse, durch welche die irdischen Dinge sich zu verjüngen suchen (rerum innovatio).« Darin liegt eben das grosse Vorrecht derjenigen Religion, deren Reich nicht von dieser Welt ist, dass sie sich gar nicht die Aufgabe setzt, irgendein bestimmtes Staatswesen, eine bestimmte Kultur zu leiten und zu garantieren, wie die Religionen des Heidentums getan hatten, dass sie vielmehr imstande ist, die verschiedenen Völker und Jahrhunderte, Staaten und Bildungsstufen miteinander zu versöhnen und zu vermitteln. So konnte das Christentum auch dem gealterten Römerreich keine zweite Jugend mehr schenken, wohl aber die germanischen Eroberer so weit vorbereiten, dass sie die Bildung desselben nicht völlig mit Füssen traten. Anderthalb Jahrhunderte später, als es sich auf den catalaunischen Gefilden darum handelte, ob der Hunne das Leichentuch über das okzidentalische Leben ziehen dürfe wie in der Folge der Mongole über das asiatische, trug diese Befreundung schon ihre Früchte; Römer und Westgoten hielten zusammen und wehrten den Angriff gemeinsam ab. "Von der Alterung und Verkommenheit der römischen Zustände überhaupt, woran das Christentum keine Schuld trägt, ist die ganze Geschichte dieser Zeit ein sprechendes Zeugnis.... Diese Zeit, die man verneinte und ignorierte, von welcher man sich beständig nach frühern Jahrhunderten zurückwandte, bekam dann plötzlich einen neuen Inhalt durch das Christentum. Eine schon lange vorbereitete christliche Literatur brach jetzt wie ein Strom in das leere Bette des Jahrhunderts ein und überwog binnen kurzer Frist an Masse alles, was aus der heidnischen Schriftwelt erhalten ist. ...Die christliche Basilika, das erste grosse Vorbild aller rein perspektivisch gedachten Binnenräume, lud Bogen und grosse schwere Obermauern auf ihre Säulenreihen; die Kuppelkirche mit untern und obern Galerien oder Nebenkapellen ringsum verneinte vollends den Begriff des Gebälkes und brauchte die Säule fast nur um ihrer angenehmen Wirkung willen. Es dauert dann tief in das Mittelalter hinein, bis die christliche Baukunst die mit zunehmendem Missverständnis wiederholten, zuletzt kaum mehr kenntlichen antiken Einzelformen mit einem neuen, ihrem Prinzip angemessenen Gewand vertauscht. Endlich war die christliche Architektur von vornherein genötigt, mit der kirchlichen Tendenz auf eine ungünstige Weise zu teilen. Letztere möchte gern das ganze Gebäude, ja jeden Stein zum Symbol ihrer Macht und ihres Sieges machen; daher das Vorwiegen teils der glänzendsten Luxuszierarten, teils der bildlichen Darstellungen im Innern wie an den Fassaden. Neben einer Mosaikverschwendung, welche alle Räume und Flächen mit biblischen Figuren und Geschichten in den starken ungebrochenen Farben der Glaspaste überzog, konnte keine rein architektonische Gliederung mehr gedeihen, und so schrumpfen Gebälk und Konsolen zu schwachen Riemchen zusammen oder werden gar nur noch durch ein Mosaikornament angedeutet. Die Architektur erhielt sich dabei allerdings den Sinn für grossartig angeordnete, phantasievoll aufgebaute Binnenräume und für eine grosse mechanische Virtuosität. Der letztern verdanken es dann wieder einige Künstler der byzantinischen Zeit, wenn sie aus der oben berührten Anonymität heraustreten durften."  (Jacob Burckardt). Die Kinder des Konstantin sollten nicht von Heiden, sondern von Christen erzogen werden: Bischöfe werden in den Kreisschreiben »geliebter Bruder« angeredet, wie er sich selber als »gemeinschaftlicher Bischof«, als einer der Ihrigen zu gebärden pflegte. Er gab ihnen die Erziehung seiner Söhne wenigstens zum Teil preis und leitete es überhaupt so ein, dass dieselben unbedingt als Christen galten; ihre ganze persönliche Umgebung, ihr Hofstaat bestand aus lauter Christen. 
[3] Palästina wurde ein Magnet für die Christen: "In zahllosen Gläubigen aber erwachte unwiderstehlich der natürliche Drang, Orte, die dem Gemüte heilig waren, in Person zu besuchen. Es ist wohl wahr, dass der geistdurchdrungene Mensch solche Wallfahrten entbehren kann, dass sie das Heilige schon halb veräusserlichen, es gleichsam »an die Scholle binden« lehren. Und doch wird, wer nicht ganz roh ist, einmal wenigstens den Stätten nachgehen, die für ihn durch Erinnerungen der Liebe oder der Andacht geweiht sind. Im Verlauf der Zeit, wenn aus der Herzenssache eine Sitte geworden, wird das Gefühl des Pilgers wohl leicht in eine Art von abergläubischer Werkheiligkeit ausarten, allein dies beweist nichts gegen den reinen und schönen Ursprung. Schon seit der apostolischen Zeit kann es nicht an frommen Besuchen derjenigen Stellen Palästinas gefehlt haben, welche mit den Erinnerungen des alten Bundes zwischen Gott und den Menschen die des neuen auf so erschütternde Weise verbanden. Vielleicht die erste weite Wallfahrt war die des kappadocischen Bischofs Alexander, welcher unter Caracalla Jerusalem – das damalige Aelia Capitolina – besuchte, »um des Gebetes und der Geschichte der Orte willen«. Auch Origenes kam, »um die Fußstapfen Christi, der Jünger und der Propheten aufzusuchen«. – Zur Zeit Constantins aber trifft die Sehnsucht nach Palästina schon sehr auffallend mit dem gesteigerten Kultus der Märtyrergräber und der Reliquien überhaupt zusammen. Jerusalem ist gleichsam die grösste und heiligste aller Reliquien, an welche sich dann noch eine Reihe anderer Weihestätten ersten Ranges, viele Tagereisen lang, anschliessen. Aus dem Stationenbüchlein eines Pilgers von Bordeaux, welcher im Jahre 333 das heilige Land bereiste, ersieht man, wie schon damals die fromme Sage, vielleicht auch die Spekulation, das ganze Land mit klassischen Stellen angefüllt hatte, an deren Echtheit später auch das Mittelalter nicht zweifelte. Man zeigte das Gemach, in welchem Salomo das Buch der Weisheit geschrieben, die Blutflecken des Priesters Zacharias auf dem Boden des ehemaligen Tempels, das Haus des Kaiphas und das des Pilatus, den Sykomorenbaum des Zachaeus, und so viele andere Dinge, welche den Spott der historischen Kritik herausfordern können. Einige Jahrzehnte später zählt Hieronymus in der Reisebeschreibung der Paula noch weit gründlicher die Stätten der Andacht von Dan bis Berseba auf. Er selber, sonst so besonnen in seinen Ansichten über die Reliquien, hat sich in Bethlehem für den Rest seines Lebens angesiedelt und alles, was an ihm hing, nach sich gezogen. Gegen das Ende des vierten Jahrhunderts lebt in Jerusalem und der Umgegend eine ganze grosse Kolonie frommer Leute aus allen Gegenden des Reiches in tiefer Entsagung; »fast so viele psallierende Chöre, als es verschiedene Völker gibt«. Es waren darunter Okzidentalen von hohem Rang und grossem Reichtum, die alles zurückgelassen hatten, um hier in reinerer Stimmung auszuleben, als sie es sonst irgendwo vermocht hätten. Wem die Verhältnisse dies nicht gestatteten, der grämte sich; Hieronymus schrieb mehr als einen Brief, um solche zu beruhigen und ihnen zu sagen, dass die ewige Seligkeit nicht am Besuch Jerusalems hänge. Und auch diese beneidete Existenz war keine ideale. Abgesehen von der äussern Gefahr durch räuberische Saracenen, welche bis vor die Tore von Jerusalem streiften, hielt sich noch ganz in der Nähe, im peträischen Arabien, in Coelesyrien das Heidentum mit einer verzweifelten Hartnäckigkeit; sodann trat das Dämonenwesen, welches schon so lange her in Palästina heimisch war, in so heftiger Gestalt auf als jemals. ... Hieronymus selber führt uns zu den Prophetengräbern unweit Samaria, wo eine ganze Anzahl Besessener auf Genesung warteten; weithin hörte man sie wie mit verschiedenen Tierstimmen heulen. Es sind gleichsam die irren Geister, welche über diesem Schlachtfeld aller Religionen, dem Land zwischen Jordan, Wüste und Meer herumschweben." - Jacob Burckardt
[4] Leider wurde ein Teil der Armenier später zu Feinden für Byzanz und mussten zusammen mit den muslimisierten Arabern bekämft werden (Ostrogorsky). 
[5] Der jahrzehntelange Kampf der Großmächte, der aufkommende Islam, hatte überall die Gemüter erregt. Der christlich geprägte Orient sah im Siegeslaufe der Perser erste Anzeichen des göttlichen Strafgerichts, nicht zuletzt der "eifrige monotheistische Prediger am Orte des wichtigsten altarabischen Heiligtums, der Kaaba mit dem vom Himmel gefallenen schwarzen Meteorsteine, in Mekka: Mohammed." (Richter) vgl. Kurse Nr. 350 Byzantinische Kunst und Architektur, Nr. 550 Dostojewskij. Ib.
[6] Vgl. Anm. 5 und Kurse Nr. 320 Romanische Kunst und Architektur , Nr. 325 Kunst und Architektur der Gothik, Nr. 326 Kunst und Architektur der Renaissance. Ib.
[7] Vgl. Anm. 5 und 6
[8] Vgl. Kurs Nr. 557 - Ariosto. Ib.
[9] Vgl. Kurs Nr. 559 - Wolfram von Eschenbach. Ib.
[10] Früher hieß die Alternative "Christ oder Heide und Mohammedaner", jetzt war den Fürsten in Italien "die halbmohammedanische Regierungsweise" selbst zu eigen geworden. (J. Burckardt) Vgl. Kurse Nr. 567 Gottfried Wilhelm Leibniz, Nr. 554 Friedrich Hölderlin, Nr. 552 William Shakespeare, Nr. 512 Novalis. Ib.
[11] Science Review Letters 2017, 16, Nr. 824, 832 und Frankfurter Allgemeine Zeitung 2017, Nr. 186, p. 12;Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM)/ Tessa Hofmann 2007: Christliche Minderheiten in der Republik Türkei, Wien; vgl. Kurse Nr. 506 Wladimir Solowjew, Nr. 550 Dostojewskij. Ib.
[12] Vgl. Anm. 11 und Dorn, W. 2006: Türkei, Zentralanatolien, zwischen Phrygien, Ankara und Kappadokien, Ostfildern; zu Julian Apostata und Celsus vgl. auch Kurs Nr. 567 Gottfried Wilhelm Leibniz. Ib.; zu Thomas von Aquin und seiner hohen Meinung über die Autorität Gregors von Nazianz: „dessen Ansehen“ nach Hieronymus „in der christlichen Heilslehre so groß ist, dass noch niemand in seinen Schriften etwas als irrtümlich verleumden konnte; gleichwie auch dies nicht geschehen konnte den Schriften des Athanasius gegenüber“ vgl. Kurs Nr. 501 Thomas von Aquin: Summa Theol. Ib
[13] Ib. . 
[14] Vgl. Anm. 11
[15] Zur trostlosen Architektur in der heutigen Türkei vgl. Science Review Letters  2019, 18, Nr. 984; 2018, 17, Nr. 899, 929; 2017, 16, Nr. 838; FAS 2019, Nr. 8; 2018, Nr. 13, p. 42; FAZ 2019, Nr. 57; Nr. 14; 2018, Nr. 186, p. 18; Nr. 185, p. 1, 17; Nr. 166, p. 26; 2017, Nr. 222, p. C1; Nr. 208, p. R6; Norman Behrendt 2017: Greeting from Turkey. Stuttgart; zur Kritik der islamischen Philosophie, Politik und Architektur, zum Irrglauben, "After- und Aberglauben" bzw. falschen Gott der Muslime vgl. Kurse Nr. 568 Nikolaus von Kues / Nicolaus Cusanus / Nicolai de Cusa, Nr. 564 St. Ambrosius, Nr. 557 - Ariosto, Nr. 588 Johann Wilhelm Ludwig Gleim, Nr. 545 Sittenlehre, Nr. 582 St.Thomas Aquinas IV, Nr. 500 Thomas von Aquin: Summa contra Gentiles. Ib.
[16] Lorenz Gyömorey: Auf den Spuren der Mütter, Paul Zsolnay Verlag, Wien-Hamburg 1977
[17] Lorenz Gyömorey: Makryjannis' Stellung in der griechischen Revolution und in der politischen Entwicklung des Neu-Griechischen Staates. Papasissis, Athen, 1987
[18] Ib. Prinz Eugen von Savoyen, der ein Freund von Leibniz gewesen war, hatte viele Siege gegen die Türken erfochten und diese weit zurückgedrängt
[19] Ib.
[20] Ib.
[21] Jannis Makryjannis: Momoiren 1797-1864. Ins Deutsche übertragen von Lorenz Gyömorey. Papasissis, Athen, 1987; Romäer waren Festlandgriechen. Rumeli ist die türkische Bezeichnung Zentralgriechenlands im Gegensatz zu Morea, der Peloponnes. Aus Rüm (römisch), d.h. byzantinisches Gebiet. 
[22] Ib; vgl. Anm. 17
[23] Vgl. Anm. 6 und Mann, G. & Heuß, A. (Hrsg.): Propyläen Weltgeschichte. Eine Universalgeschichte. Bde 1-10, Berlin , Frankfurt a.M. 1960-1964; Dies.: Summa Historica. Die Grundzüge der welthistorischen Epochen. Berlin, Frankfurt, Wien 1965; Niedermeier, R.: Mohammed vor den Toren. Ein Kampf um Europa. Künzell 2015; Moczar, D. Islam at the Gates. How Christendom Defeated the Ottoman Turks, Manchester/New Hampshire 2008
[24] Ib.; zur Spätantike und den heutigen islamischen Ländern sowie der Tatsache, dass die geistige Basis dem Islam völlig fehlt und so die Erwartung einer Entwicklung des Islams zu einem aufgeklärten Weltverständnis aus sich heraus völlig illusorisch ist. vgl. auch Science Review Letters 2018, 17, Nr. 934 und FAZ 2018, Nr. 185, p. 20; Nr. 179, p. 8 sowie Kurse Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher I, Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher II, Nr. 582 St.Thomas Aquinas IV. Ib.
[25] Ib.
[26] Ib.
[27] Ib.
[28] Ib.
[29] Ib.
[30] Ib.
[31] Ib.
[32] Ib.
[33] Ib.; vgl. auch Kurs Nr. 564 St. Augustinus. Ib.
[34] Ib.; vgl. auch Kurse Nr. 506 Wladimir Solowjew, Nr. 550 Dostojewskij. Ib.
[35] Ib.; zur Unchristlichkeit und Islam-Freundlichkeit der EU-Politiker vgl. Science Review Letters 2018, 17, Nr. 875 und FAZ 2018, Nr. 8, p. 6
[36] Ib.
[37] Ib.
[38] Ib.; zur Wissenschaft vom christlichen Orient (Byzantinistik), die nur noch eine einzige Professur in Deutschland hat, im Gegensatz zur nutzlosen Islamwissenschaft, die von 34 Professoren an 20 Universitäten gelehrt wird,  vgl. Science Review Letters 2018, 17, Nr. 876, Nr. 927 und FAZ 2018, Nr. 155, p. 1; 2017, Nr. 295, p. N4; zu Islamwissenschaft, christlicher statt islamischer Religionsunterricht und dem Irrglauben der Muslime vgl. Anm. 15 und Kurse Nr. 512 Novalis, Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher I, Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher II, Nr. 500 Thomas von Aquin I: Summa contra Gentiles, Nr. 501 St.Thomas Aquinas II: Summa Theol., Nr. 502 St.Thomas Aquinas III, Nr. 582 St.Thomas Aquinas IV. Akademie der Kunst und Philosophie
[39] Ib.
[40] Ib.
[41] Science Review Letters 2018, 17, Nr. 938 und Christ in der Gegenwart 2018, 70, Nr. 28 
[42] Science Review Letters 2018, 17, Nr. 944; Nr. 913, Nr. 924; 2017, 16, Nr. 818; 2016, 15, Nr. 695; Brenner, S.M. 2017: Die Nato im griechisch-türkischen Konflikt 1954-1989. Berlin/Boston; Joseph Croitoru 2018: Istanbuls Ruf nach Saladin. Die Türkei intensiviert ihren Einsatz für das islamische Jerusalem. Ihr Bundnis mit arabischen Islamisten wird immer enger und erreicht nun auch das Hochschulsystem. Frankfurt a.M.; FAZ 2018, Nr. 199, p. 6, 13; 2017, Nr. 148, p. 9; 2016, Nr. 93, p. 6, 11; zur erheuchelten Religion vgl. Kurse Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher I, Nr. 583 St.Thomas Aquinas V, Nr. 582 St.Thomas Aquinas IV. Akademie der Kunst und Philosophie
[43] Ib.
[44] Ib.
[45] Ib.
[46] Ib. 
[47] zu: nicht nur Politiker der Linken und der Grünen wie der Muslim Al Wazir oder türkische Organisationen fördern die weitere Muslimisierung Jeruslems und islamischen Unterricht an Schulen in Palästina und Deutschland sowie zu Pseudo-Religion und Mega-Flughäfen im Nahen Osten vgl. Science Review Letters 2018, 17, Nr. 913, Nr. 924; 2017, 16, Nr. 818; 2016, 15, Nr. 695 und FAS 2018, Nr. 43; Nr. 20, p. 2; FAZ 2018, Nr. 279; Nr. 254; Nr. 247; 2017, Nr. 148, p. 9; 2016, Nr. 93, p. 6, 11; vgl. auch Kurse Nr. 512 Novalis, Nr. 544 Staats- und Rechtslehre. Akademie der Kunst und Philosophie
[48] Ib. 
[49] Science Review Letters 2018, 17, Nr. 959 und FAS 2016, Nr. 25, p. 1, 7 sowie Kurse Nr. 554 Friedrich Hölderlin, Nr. 350 Byzantinische Kunst und Architektur, Nr. 552 William Shakespeare. Ib.
[50]  Vgl. Mann, G. & Heuß, A. (Hrsg.): Propyläen Weltgeschichte. Eine Universalgeschichte. Bde 1-10, Berlin , Frankfurt a.M. 1960-1964; Dies.: Summa Historica. Die Grundzüge der welthistorischen Epochen. Berlin, Frankfurt, Wien 1965; Niedermeier, R.: Mohammed vor den Toren. Ein Kampf um Europa. Künzell 2015; Moczar, D. Islam at the Gates. How Christendom Defeated the Ottoman Turks, Manchester/New Hampshire 2008; vgl. auch Kurse Nr. 568 Nikolaus von Kues / Nicolaus Cusanus / Nicolai de Cusa, Nr. 552 William Shakespeare, Nr. 350 Byzantinische Kunst und Architektur. Ib.
[51] Ib
[52] Ib.
[53] Ib.
[54] Ib.
[55] Ib. ;zur Ausbreitung der "Neo-Osmanen" heute vgl. Science Review Letters 2018, 17, Nr. 879 und FAZ 2018, Nr. 16, p. 10; Nr. 25, p. 12: Auch heute versuchen die islamistischen AKP-Türken oder "Neo-Osmanen" ihren Einflussbereich auszudehnen; zur Not arbeiten sie mit Islamisten zusammen, gegen die ein Haftbefehl des internationalen Strafgerichtshofs vorliegt, wie den sudanesischen Machthaber Baschir. In Suakin (Sudan) und Somalia arbeitet Erdogan Hand in Hand mit Terroristen. Türkische Mekka-Pliger sollen mit Turkish Airlines Suakin besuchen und von dort über das Rote Meer nach Saudi-Arabien reisen. Erst 2017 hat Erdogan einen Stützpunkt in Somalia mit 300 Soldaten in Betrieb genommen. Auf diese Weise wollen die Türken eine Militärbasis nach der anderen errichten. Byzantinische Kirchen lässt die Türkei verfallen, Moscheen aus der osmanischen Zeit lässt sie aber in Israel aufwendig renovieren. "Wenig bekannt ist, dass seit bald einem Jahrzehnt auch in der Türkei immer wieder eine Parallelveranstaltung stattfindet, die von dem türkischen Verein "Mirasimiz" (Unser Erbe) organisiert wird." Über diesen Verein wurden Kontakte zu führenden palästinensischen Islamisten in Israel wie etwa Raed Salah von der "Islamischen Bewegung" und dem damals noch als Mufti von Ostjerusalem amtierenden Ekrima Sabri geknüpft, der heute Prediger der Al-Aqsa-Moschee ist. Die Aktivitäten von Mirasimiz intensivierten sich in dem Maße, wie die Neoosmanismus-Kampagne der AKP voranschritt. Türkische Islamisten hetzen in der Al-Aqsa-Moschee gegen Israel und gegen die Christen; vor der Moschee demonstrieren Erdogan-Anhänger mit der osmanischen Kopfbedeckung und türkischen Fahnen. Muslimische Pilger werden von der Türkei und Deutschland über Jerusalem nach Mekka geleitet. 
[56] Vgl. Anm. 50; zu: "er benennt darin klar die Irrtümer des Koran und widerspricht auch der muslimischen These einer Offenbarung Gottes im Koran" vgl. Kurse Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher I, Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher II, Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher III. Ib.
[57] Ib.
[58] Ib.
[59] Ib.
[60] FAZ 2019, Nr. 22
[61] Zu: Kritiker der mohammedanischen Lehre und Verteidiger der wahren Offenbarung gegen den Islam, vgl. Science Review Letters  2019, 18, Nr. 984 und FAZ 2019, N. 180; Nr. 163; Nr. 76; Nr. 29; Nr. 32 sowie Katalog zur Austellung: Die letzten Tage von Byzanz. In der Biblioteca Marciana, Venedig und zu: „Europa wird islamisch, so Allah will“ vgl. https://katholisches.info/2018/03/28/europa-wird-islamisch-so-allah-will; Roberto de Mattei, Historiker, Vater von fünf Kindern, Professor für Neuere Geschichte und Geschichte des Christentums an der Europäischen Universität Rom, Vorsitzender der Stiftung Lepanto, Autor zahlreicher Bücher, zuletzt in deutscher Übersetzung: Verteidigung der Tradition: Die unüberwindbare Wahrheit Christi, Altötting 2017 (Übersetzung: Giuseppe Nardi); vgl. Anm. 47, 55 f. und Kurse Nr. 599 St. Petrus Venerabilis, Nr. 558 Calderon de la Barca, Ib. 
[62] Ib.
[63] Ib.
[64] Ib.
[65] Ib.
[66] Ib.; zu: So wie es der muslimisierten Türkei schon immer an guten Architekten gefehlt hat, so "fehlt es der Türkei an Expertise. Ihre Erkundungsschiffe sind zum Teil mit ausländischen Fachkräften bemannt. Das forsche türkische Auftreten im östlichen Mittelmeer wird daher auch als levantinisches Imponiergehabe gesehen." Abgesehen von einigen Lebensmittelproduzenten wie Ferrero (Nutella), Rapunzel und Textilfirmen wie Maas, die massenweise, bzw. teilmeise (Braax), Produkte aus der Türkei beziehen, interessiert sich eigentlich niemand mehr für die Türkei, auch im regionalen Gaspoker zeigt sich, "dass ohne Ankara einiges geht" ... Die Türkei fällt immer weiter in die Isolation zurück. Nach den Rückschlägen für die Regierungspartei AKP von Präsident Recep Tayyip Erdogan in den Kommunalwahlen steht die Türkei vor einer Grundsatzentscheidung: Sklaverei und Islam oder Freiheit, Meinungsfreiheit und Christentum, vgl. Anm. 15 und 47 ff. und Kurse Nr. 545 Sittenlehre, Nr. 601 St. Augustinus II, Ib.
[67] Volker Mehnert 2019: Auch Touristen sind von Gott geschickt. Die Mönchsgemeinschaft von Athos auf der griechischen Halbinsel Chalkidiki ist ein schwer zugängliches Terrain, für Frauen ganz verboten. Frankfurt a.M./ Mount Athos Area Organisation, 63075 Ouranoupoli, Halkidiki und Science Review Letters  2019, 18, Nr. 1033 und FAZ 2019, Nr. 164
[68] Ib.
[69] Ib.
[70] Zu: Die fundamentalistische Nahda-Bewegung um den "Islamwissenschaftler" der FAZ Rainer Hermann berichtet gern, wie der Islam, nachdem Wien von den Osmanen nicht erobert werden konnte, schleichend nach Europa transportiert werden kann. Hermann schreibt mit seiner Annemarie Schimmel Begeisterung für den Islam zum Beispiel ... Die Ausbreitung des Islams wird nicht offen als Ziel angegeben, die Installationen zeigen aber deutlich, wohin die Reise geht: "Wie der Atlas der digitalen Kartographie, mit der Shulamit Bruckstein eines der bedeutendsten Netzwerke der zeitgenössischen Künste sichtbar macht: das persönliche Netzwerk von Beral Madra, der Kuratorin der ersten Istanbul Biennale. Mehr als vier Jahrzehnte begleitete sie rund neunhundert Künstler aus mehr als vierzig Ländern. Der Atlas enthält Hunderte von Fragmenten – Texte, Werke, Namen –, er visualisiert Beziehungen zwischen Orten in einer Region, die von Istanbul über Beirut nach Kairo reicht, von Sarajevo und Mostar über Thessaloniki, Tiflis und Moskau nach Zentralasien. Und immer wieder Berlin. Er ist Teil des großen digitalen Atlasprojekts vom House of Taswir, einer internationalen Plattform für künstlerische Forschung und diasporische Denkformen, gegründet 2007 in Berlin von der Philosophin und Kuratorin Bruckstein" mit Künstlerinnen und Künstlern vor allem aus der islamischen Welt. Ziel sei ein "Netzwerk unbeugsamer
Kosmopoliten", gemeint ist aber mehr ein "Annemarie-Schimmel-Islam-Netzwerk", vgl. Anm. 66 und Science Review Letters  2019, 18, Nr. 1035 und FAZ 2019, Nr. 174; Nr. 169 und Kurse Nr. 609 St. Athanasius der Große, Nr. 600 St. Johannes von Damaskus, Nr. 599 St. Petrus Venerabilis, Nr. 545 Sittenlehre, Nr. 601 St. Augustinus II, Ib.
[71] Ib.; zu: Athanasius hätte sich wohl kaum für islamischen Religionsunterricht in Europa oder in islamischen Ländern eingesetzt, stattdessen sagt er zu denen, die sich über das Christentum und das Heidentum (Islam) informieren wollen: "Zur Erkenntnis der rechten Gottesverehrung und der Wahrheit überhaupt bedarf es nicht so fast eines Unterrichtes durch die Menschen, als ja vielmehr eine solche unmittelbar sich gewinnen lässt. Fast Tag für Tag erhebt sie in den Werken laut ihre Stimme, und sonnenklar offenbart sie sich in der Lehre Christi. Doch gleichwohl möchtest du von ihr reden hören. Nun gut, du Glücklicher, soweit wir dazu imstande sind, wollen wir über einige wenige Fragen aus dem christlichen Glauben uns auseinandersetzen. Wohl kannst du diesen Glauben auch aus den göttlichen Schriften schöpfen, hörst aber doch recht gern auch andere an. Es genügen ja die heiligen und inspirierten Schriften zur Verkündigung der Wahrheit; doch gibt es daneben auch viele Kommentare, die unsere seligen Lehrer dazu verfasst haben. ...ich meine nämlich den Glauben an Christus den Erlöser, damit man nicht die bei uns vorgetragene Lehre geringschätze noch auch den Glauben an Christus für unvernünftig halte, wie etwa die Heiden", d.h. heute vor allem die Moslems die mit "verleumderischer Zunge spotten und offen über uns lachen, obschon sie uns immer nur das Kreuz Christi vorzuhalten wissen. Und doch gerade daraufhin möchte man ihren Stumpfsinn am meisten betrauern, weil sie, die Spötter des Kreuzes, nicht sehen, wie seine Kraft die ganze Welt erfüllte, und wie durch das Kreuz die Werke der göttlichen Erkenntnis allen offenbar geworden sind. Denn wenn auch sie Leute wären mit einem geraden Sinn und Blick für seine Gottheit, dann würden sie über etwas so Grandioses nicht spotten. Nein, vielmehr müssten auch sie ihn als Weltheiland anerkennen und einsehen, dass das Kreuz der Kreatur nicht zum Verderben, sondern zum Heile geworden ist. Denn wenn mit dem Eintritt des Kreuzes in die Welt aller Götzendienst ein Ende nahm, wenn alles Gaukelspiel der Dämonen diesem Zeichen weichen muss und nur mehr Christus angebetet und durch ihn der Vater erkannt wird, wenn die Widersacher zuschanden werden, er aber täglich die Herzen derer, die ihm widersprechen, im stillen umstimmt, wie kann man da noch, man darf sie wohl mit Recht so fragen, an ein Menschenwerk denken, anstatt zu bekennen, dass es der Logos Gottes und der Heiland der Welt ist, der das Kreuz bestiegen hat? Mit diesen Leuten scheint es ähnlich zu stehen wie mit einem Menschen, der auf die Sonne schmähte, die hinter den Wolken sich verbirgt, und doch ihr Licht bewunderte, weil er sieht, wie die ganze Schöpfung von ihr beleuchtet wird. Denn wie das Licht schön ist und schöner noch die Sonne als Quelle des Lichtes, so muss auch, da die Erfüllung des ganzen Erdkreises mit der Erkenntnis Gottes eine göttliche Tat ist, der Schöpfer und Lenker eines solchen Wunderwerkes Gott und Gottes Logos sein. Wir wollen also von der Sache reden, so gut wir es vermögen." Zunächst soll den Mohammedanern beispielsweise, also "den Ungläubigen ihre Unwissenheit" nachgewiesen werden, damit dann auf die "Widerlegung ihrer Lügen hin die Wahrheit von selbst leuchte", vgl. Anm. 70
[72] Science Review Letters  2019, 18, Nr. 1040 und FAZ 2019, Nr. 185
[73] Ib.
[74] Ib.
[75] Ib.
[76] Zu: "Guerrillaführer Topal Osman, dessen Banden mit Billigung Atatürks erst die armenische und dann die griechische Bevölkerung des Pontosgebirges systematisch auslöschten." Den Ablauf der Massaker entwirft Heinemann anhand von Augenzeugenberichten, ihre historische Bewertung überlässt er den Fachleuten. Umso glaubwürdiger wirkt sein Entsetzen darüber, "dass der Schlächter der Pontosgriechen heute von türkischen Nationalisten wieder als Volksheld verehrt wird," vgl. Anm 16 ff. , 55 sowie Science Review Letters  2019, 18, Nr. 1044 und FAZ 2019, Nr. 189
[77] Ib.

Zur Philosophie und Kulturgeschichte des Mittelalters, der Schule von Chartres und der Renaissance vgl. Kurse: Nr. 611 St. Johannes Cassianus, Nr. 609 St. Athanasius der Große, Nr. 605 St. Irenaeus von Lyon, Nr. 604 St. Hildegard von Bingen, Nr. 600 St. Johannes von Damaskus, Nr. 599 St. Petrus Venerabilis, Nr. 581 Bernhard von Chartres, Nr. 580 Wilhelm von Conches, Nr. 579 Albertus Magnus, Nr. 578 Pierre Abaelard, Nr. 574 Johannes von Salisbury, Nr. 577 Petrus Lombardus, Nr. 576 Gilbert de la Porrée / Gilbert von Poitiers, Nr. 565 Johannes Scotus Eriugena, Nr. 575 Thierry de ChartresNr. 571 Alanus ab Insulis, Nr. 572 Anselm von Canterbury, Nr. 570 Hilarius von Poitiers, Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher I, Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher II, Nr. 568 Nicolaus Cusanus - Renaissance Philosopher III, Nr. 564 St. Ambrosius, Nr. 564 St. Augustinus I, Nr. 601 St. Augustinus II, Nr. 500 Thomas von Aquin: Summa contra Gentiles, Nr. 501 St.Thomas Aquinas: Summa Theologica I., Nr. 502 St.Thomas Aquinas, Sth. I-II, Nr. 582 St.Thomas Aquinas, Sth II-II, Nr. 583 St.Thomas Aquinas, Sth. III, Nr. 566 Meister Eckhart , Nr. 562 Dante Alighieri, Nr. 557 Ludovico Ariosto, Nr. 556 Torquato Tasso, Nr. 320 Romanische Kunst und Architektur , Nr. 325 Kunst und Architektur der Gothik, Nr. 326 Kunst und Architektur der Renaissance, Nr. 586 Tizian, Nr. 590 Giovanni Bellini, Nr. 587 Andrea Mantegna, Nr. 595 Jan van Eyck, Nr. 610 Piero della Francesca, Nr. 522 Raffael und das kosmische Christentum, Nr. 523 Sandro Botticelli, Nr. 602 Benozzo Gozzoli, Nr. 606 Fra Angelico, Nr. 607 Pinturicchio, Nr. 593 Filippo Lippi, Nr. 594 Filippino Lippi, Nr. 589 Albrecht Dürer, Nr. 603 Bernard van Orley, Nr. 615 Ambrogio da Fossano detto il Bergognone, Nr. 350 Byzantinische Kunst und Architektur. Akademie der Kunst und Philosophie
 
 




Hagia Sophia zur Zeit des Byzantinischen Reiches


Artist's depiction of the Greek Orthodox church of Agia Sophia (Holy Wisdom) in Constantinople in the 10th century
 


Byzantine Art in Constantinople: Archangel Michael, 14th century, Byzantine and Christian Museum, Athens
 

The "Little Hagia Sophia" Sunni Islamic Mosque" formerly the Greek Othodox Church of Saints Sergius and Bacchus, was converted with the rise of the Ottoman Empire. It was completed 537 by Justinian and served as a smaller version of the "Hagia Sophia" which was to become the Cathedral and seat of Orthodoxy . Unlike the aforementioned, this little experiment remains as a Mosque with the original Christian adornments not being re-revealed. Inscriptions to Justinian and Theodora can still be seen but have been painted over. The characteristics of brown brick exterior and other aesthetics are classic Byzantine Architecture, as all good art and architecture in islamic countries is Byzantine Architecture. In terms of its significance it cannot be understated as it shows the thinking of both Justinian and the architects for the coming of the immense undertaking that is the Hagia Sophia. The importance of the little Hagia Sophia is vital as its vastly bigger twin sits atop a major fault line and an eathquake in Istanbul could easily bring the dome crashing down. Structural cracks have been developing for years and experts are unsure how to prevent further damage. 
 


In der Basilica di San Nicola in Bari müssen Muslime den Abtsthron tragen. Die tragenden Gestalten halten die Erinnerung an einen über die Sarazenen errungenen Seesieg fest
 


Byzantinische Wandmalerei Athos, Protaton, Engel und Jesusknabe
 


Russisches heiliges Panteleimon-Kloster auf Berg Athos (svyato panteleimonov monastir)
 

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Letzte Bearbeitung:23.08.2019