Zentrum für wesensgemäße Bienenhaltung


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DI. Michael Thiele, internationaler Koordinator des Zentrums für natuerliche Bienentherapie


Bienenkiste, Warré oder Top bar hive?

Ist die Bienenkiste wirklich so einfach, natürlich und wesensgemäß wie immer behauptet wird? Kritische Anmerkungen

Wer in Deutschland mit der Bienenhaltung anfangen will, hat es nicht leicht. Gerade in Deutschland gibt es eine Unzahl von verschiedenen Systemen bis hin zur Bienenkiste. In der Literatur, in der Lehre zum Tierwirt, an Universitäten, Fachhochschulen oder in den meisten Kursen für Anfänger (Deutscher Imkerbund, Bioland, Demeter), wird die Rähmchenbetriebsweise mit künstlichen Mittelwänden oder die Bienenkiste empfohlen. [16][17]

Natürlich lesen sie auch Bücher wie "Der Wochendimker" von Karl Weiss oder die "Neue Imkerschule" (9. überarb. Auflage 1995) von Edmund Herold und Karl Weiss, die Jahrzehntelang wohl Tausende von Neuimkern erfolgreich in die Irre geführt und um den gesunden Menschenverstand gebracht haben. In diesen Büchern stehen Empfehlungen, die einem die Haare zu Berge stehen lassen! Darin heißt es zum Beispiel: "Auch bei früherem Schleudern lohnt sich ein Griff nach den Randwaben des Brutraums" damit der Imker seinen Honigertrag erhöhen kann oder "Ausnahmsweise kann man Honig beim Verflüssigen auch höher, z.B. auf 70°C, erhitzen (Melitherm)". Außerdem empfiehlt Karl Weiss dem Neueinsteiger Paradichlorbenzol zur Wachsmottenbekämpfung und Karbolineum als Außenanstrich für Magazinbeuten; er sagt sogar, mann solle die Futter-Wandzargen in Karbolineum tauchen. Dieses Holzschutzmittel wurde auch für Eisenbahnschwellen, Telegraphenmasten und Zaunpfähle als abdichtendes Isoliermittel verwendet. Karbolineum ist stark hautreizend, karzinogen und die Dämpfe greifen die Atemwege an. Seit 1991 ist es für die Verwendung nicht mehr zugelassen; Altholz, das mit Karbolineum behandelt wurde, ist als Sondermüll zu entsorgen. Neuerdings gibt es ein weiteres Buch, das wie wir noch sehen werden, Imker erfolgreich in die Irre führt: Erhard Maria Klein 2015: Die Bienenkiste.

Hat der Anfänger oder Hobbyimker sich nicht verwirren lassen und ist zu dem Entschluß gekommen, die Rähmchenimkerei mit künstlichen Wabenteilen (das sind zum Beispiel Mittelwände, die in der Regel aus einem Bienenwachs-Paraffingemisch hergestellt werden und neuerdings mit weiteren Giften belastet sind), zum Teil Plastikwaben, Drähten, die die Waben durchziehen, auf Nimmer wiedersehen hinter sich zu lassen, und sich dem natürlichen Wabenbau zuzuwenden, stellt sich ihm nun die Frage: Bienenkiste, Warré oder Oberträgerbeute (Top bar hive)? Streng genommen scheidet die Bienenkiste hier allerdings schon aus wie wir gleich sehen werden - obwohl sie wegen ihrer angeblichen Nachhaltigkeit immer wieder von Umweltverbänden ausgezeichnet wird. Die Mellifera Einraumbeute steht erst gar nicht zur Diskussion, denn es handelt sich um eine gewöhnliche Rähmchenbetriebsweise. [5]
 

Die Bienenkiste: einfach und natürlich?

Schön wär's. Was hat es mit der Bienenkiste, die von Mellifera e.V. ("Vereinigung wesensgemäße Bienenhaltung") entwickelt wurde, auf sich. Sehen wir uns die Fakten einmal an und prüfen, ob sie sich für den Anfänger, Hobbyimker oder Nebenerwerbsimker wirklich eignet und ob alles dabei so einfach, natürlich und wesensgemäß zugeht wie immer behauptet wird. Sehen wir uns eine Analyse aus den kritischen Apikulturbriefen an. [12][13]

"Selbst Honigbienen halten - einfach und natürlich" [1]
 

Kritik der Bienenkiste: Rauch

Die Bienenkiste ist durchaus eine Verbesserung gegenüber der Rähmchenbetriebsweise; schwere Lasten heben und eine komplizierte Technik beherrschen muß der Imker aber auch hier. Wenn man den Schwarm in die Bienenkiste einziehen läßt, kann man noch ganz entspannt zuschauen. Um aber beispielsweise Brutnest und Honigvorräte anzusehen, muß die Bienenkiste samt Volk und Honigvorräten erst hochgewuchtet und auf den Kopf gestellt werden. Damit ist es aber nicht getan: Will man das Volk genauer ansehen, muß man - ähnlich wie bei der Magazinimkerei - den ganzen Kasten öffnen, womit das gesamte Brutnest offen gelegt wird. Dies erzeugt eine nicht unerhebliche Unruhe im Volk, weshalb wie in der industriellen Bienenhaltung die Verwendung eines Smokers unentbehrlich ist.

Dazu sagt der Autor von "die Bienenkiste" nur: "Eine Grundregel beim Imkern lautet: 'Nie ohne Rauch an die Völker gehen!'" [1]

Die Anwendung von Rauch in der Imkerei kann grundsätzlich als Tierquälerei bezeichnet werden, da den Bienen jedesmal ein Buschbrand vorgegaukelt wird: die Bienen bereiten alles vor, um in der Not den Kasten als Schwarm verlassen zu können. Eine derartige Betriebsweise - also Bienenkiste, Rähmchen- und Magazinimkerei - kommt ohne Smoker nicht aus und ist damit gerade für Anfänger oder Hobbyimker eher ungeeignet.
 

Kritik der Bienenkiste: Mittelwände, künstliche Wabenteile

Zudem muß eine Imkerei, die auf die Anwendung von Rauch angewiesen ist, für die Gewinnung von Apitherapie-Produkten ausgeschlossen werden, da die Bienen-Produkte Geschmack und Schadstoffe annehmen. Ähnliches gilt für die Magazin- und Rähmchenimkerei sowie die sogenannte Warré-Beute: auch hier wird mit künstlichen Wabenteilen (Mittelwänden), Magazinen, Rauch, Drehung des Brutnestes ähnlich wie bei der Drehrahmenbeute gearbeitet. Zudem können Bienenkrankheiten bei der Stabilbau-Betriebsweise nicht rechtzeitig erkannt werden.

Die Verwendung von künstlichen Mittelwänden in der Bienenkistenimkerei führt dazu, daß man die Bienenprodukte für bienentherapeutische Zwecke nicht verwenden kann, denn auch Mittelwände aus Bio-Wachs können Paraffin enthalten.

"Anders als im Brutbereich geben Sie den Bienen im Erntebereich aber nicht nur eine Bauvorgabe mit einem Wachsleitstreifen, sondern komplette Mittelwände. Dies erhöht den Honigertrag... Wenn Sie ein Kilogramm Mittelwände kaufen, kann es sein, dass Sie nur 13 statt 14 Platten erhalten." [1]

Auch Honig aus der Bienenkiste eignet sich nicht für die Gewinnung von bienentherapeutischen Produkten: "Die gesammelten Wabenstücke werden mit einem langen stabilen Messer in kleine Stücke geschnittem und 'zermatscht' Dafür eignet sich ... auch ein Kartoffelstampfer aus Holz sehr gut" [11]
 

Kritik der Bienenkiste: Konstruktion, Bauplan

Aber wenigstens ist die Bienenkiste einfacher konstruiert. Man muß die Bienenkiste ja nur einfach zusammenbauen und die Schließhaken und Spannverschlüsse anbringen, oder? Warte, ...

"Nachdem Sie die Holzkiste fertig zusammengebaut haben, müssen Sie noch den 'Innenausbau' vornehmen." Dazu benötigt man "Auflageleisten, Trägerleisten, Querleisten" und mindestens 1 kg Mittelwände, die mit einem "Pizzaschneider" passend geschnitten werden müssen. [1]

Also doch etwas komplizierter und eher ungeeignet für Hobbyimker, denn wer will schon mit künstlichen Mittelwänden hantieren? ... Sind Tbh's einfacher als die Bienenkiste? Top bar hives dagegen sind weltweit bekannt dafür, daß man mit einem Minimum an Eingriffen auskommt. Oberträgerbeuten oder Top bar hives sind nicht nur einfacher konstruiert als die Bienenkiste, auch der Betreuungsaufwand ist viel geringer. Die Konstruktion des Top bar hive / einer Oberträgerbeute ist mindestens seit 1682 überliefert. Auch Aristoteles und Pythagoras sollen nach diesem Prinzip gearbeitet haben. Das Urprinzip ist aber schon seit Tausenden von Jahren bekannt - und zwar nicht nur in Afrika sondern weltweit. Ökonomische Aspekte haben früher eher nicht im Vordergrund gestanden. Auch bei heutiger Betriebsweise steht bei Top bar hives die wirtschaftliche Honigernte nicht im Vordergrund, sondern - soweit es sich um zertifizierte Partner-Imkereien handelt - eine wesensgemäße Bienenhaltung und die Erzeugung bienentherapeutischer Produkte. Beides ist bei der Bienenkiste eher nicht möglich, wie oben gezeigt wurde. [5]

Die Entnahme einiger Waben aus dem Randbereich bedeutet nicht, daß das Brutnest gestört wird. In Top bar hives wird gerade das Brutnest am allerwenigsten gestört. In Magazinbeuten, der Mellifera-Großraum-Beute oder der Bienenkiste gerät dagegen das gesamte Volk in Aufruhr, wenn der Imker den Kasten zu Inspektionszwecken öffnen will. Zudem muß die Bienenkiste auch noch auf den Kopf gestellt werden - ähnlich wie dies bei der Drehrahmenbeute üblich ist. [2] Dies stellt eine empfindliche Störung des Bienenvolkes dar, denn das Flugloch befindet sich während der Inspektion nicht mehr an der gleichen Stelle, das heißt die Nektar- , Pollen- und Propolissammlerinnen suchen währenddessen verzweifelt nach dem Flugloch. Eine zeitweise Veränderung des Standortes ist als besonders unnatürlich einzustufen, denn in der Natur findet diese Veränderung nur beim Schwärmen statt. Zudem wird die Bienenkiste hin- und her bewegt und das Brutnest komplett geöffnet. Bei der Bienenkiste wird in der Regel nicht nur mit Rauch gearbeitet sondern auch mit Kunstschwärmen und womöglich künstlich besamter Königin und Kellerhaft.
 

Kritik der Bienenkiste: Fachwissen, Schwärme

Fachwissen sei für Bienenkistenimker nicht nötig, man müsse nur immer fleißig die Königinnenzellen (Weiselzellen) herausbrechen. [1][11] Denn bezüglich der Schwarmkontrolle verfolgen Bienenkistenimker eine eher rabiate und in der Magazinimkerei übliche Methode:

"Dazu müssen Sie nach Abgang des Vorschwarms alle Weiselzellen bis auf eine herausbrechen oder zerstören. Sie sollten nach Möglichkeit keine Zelle übersehen." [1]

Also von "Bienen einfach und natürlich halten" oder von "Einfachbeuten" kann bei der Bienenkiste nicht gesprochen werden. Mir ist noch keine Honigbiene begegnet, die sich freiwillig künstliche Mittelwände oder eine derart kompliziert konstruierte Bienenkiste ausgesucht hätte, wie die sogenannte "Bienenkiste" von Mellifera e.V.. Man wolle zwar "das Bienenvolk immer als Ganzes" sehen - künstliche Mittelwände, ein ausgiebiger Gebrauch des Smokers, Zuckerfütterung der Wirtschaftsvölker, Königinnenzellen brechen und die zeitweilige Verlegung des Flugloches rücken die Bienenkiste aber wieder in die Nähe der Rähmchen- und Magazinetriebsweise. Auch wenn der Erfinder der Bienenkiste sich immer wieder freundlich lächelnd mit seiner Bienenkiste ablichten läßt, "Imkerlotzen" entspannt zuschauen wie ein Schwarm einzieht, erfüllt die Bienenkiste nicht die Anforderungen an eine durchgehend natürliche oder wesensgemäße Bienenhaltung. [5][12][13]
 

Umstellung von der Bienenkiste auf Topbar Imkerei

Wenn Sie von der Magazin- , Rähmchen- oder Bienenkistenimkerei umstellen möchten auf Topbar-Imkerei, bietet der Fernkurs Nr. 48 wichtige Hinweise. [5]
 
 

Warré oder Top bar hive / Oberträgerbeute?

Was hat es mit der Warré Betriebsweise auf sich? Abbé Émile Warré (1876 - 1951) hat ein nicht uninteressantes Buch geschrieben: L'Apiculture pour Tous. Viele Imker im deutsch-, englisch- und französischsprachigen Raum haben sich davon inspirieren lassen. Man wollte die Rähmchenimkerei mit allen ihren Nachteilen hinter sich lassen und die Bienen wieder ihre Waben natürlich bauen lassen. Das ist ja auch eine wirklich schöne Sache. [3]

Da die Warré-Beute oder modifizierte Warré-Beuten auch heute unter Imkern immer populärer werden, sehen wir uns diese Betriebsweise einmal genauer an. Immerhin sagt der Autor von "Bienenhaltung für Alle":

"Die Imkerei nach Warré bietet dem modernen Imker die Chance auf eine einfache und bienengerechte Bienenhaltung. Für alle! Sehr sicher ist, dass die Erträge weit unter den Erträgen der Berufsimker und ihren Nachahmern, den Hobbyimkern zurückliegen werden. Als Entschädigung dafür darf die Freiheit des Honigs von Medikamenten gelten. Sowie die Gewissheit, eine nachhaltige und bienengerechte Haltung zu praktizieren. Die Ersparnis der vielen Arbeiten konventioneller Methoden fließt direkt in Stunden der verträumten Beobachtung und des Erlebens eines einzigartigen Wesen: Dem Bien." [4]

Wirklich sicher ist, daß "die Erträge weit unter den Erträgen der Berufsimker und ihren Nachahmern, den Hobbyimkern" liegen. Aber ob "die Gewissheit, eine nachhaltige und bienengerechte Haltung zu praktizieren" dabei tatsächlich existiert, diesen Nachweis sind uns die Protagonisten der Warré-Beute wie auch der Bienenkiste schuldig geblieben. Eine "verträumte Beobachtung" macht noch keine "nachhaltige und bienengerechte Haltung".

Von Vorteil ist wirklich, daß die Warré-Beute ohne Rähmchen und Mittelwände auskommt - darin unterscheidet sie sich zwar von der Bienenkiste, aber noch nicht von der Oberträgerbeute oder dem Top bar hive. Problematisch ist, daß die Warré-Beute mit Zargen arbeitet wie sie in der Magazin-Imkerei üblich sind. Das heißt, wenn eine Zarge oder mehrere Zargen abgenommen werden, ist das Brutnest geöffnet. Schon der kleinste Einblick in das Volk erfordert eine Öffnung des Brutnestes und damit eine Störung des Volkes und Veränderung der Brutnesttemperatur (Nestduftwärmebindung); zudem ist es unerläßlich, mit Rauch zu arbeiten - eben weil das Bienenvolk stark gestört wird. Allein diese Tatsache macht die "Chance auf eine einfache und bienengerechte Bienenhaltung" weitgehend zunichte. Auch imkergerecht kann diese Betriebsweise nicht genannt werden, denn das Heben von schweren Zargen ist genauso erforderlich wie bei der Magazinimkerei.

"Durch das Eingangsloch werden ein paar kräftige Stöße Rauch mit dem Smoker gegeben. Nun wartet man ab, bis die Bienen ein säuselndes Geräusch von sich geben. Feueralarm. Die Bienen brauchen etwas Zeit, um sich mit Honig zu betanken und dadurch etwas von der Bereitschaft zu Stechen abkommen. Säuseln die Bienen, wird das Dach und das Heukissen vorsichtig abgenommen. Allgemein gilt: Jede grobe Erschütterung vermeiden. Man kann alles mit Bienen veranstalten, aber an der Kiste rütteln – das macht sie sehr ärgerlich. Ein paar Rauchstöße von oben in die Zarge. Manche legen auch ein mit etwas Nelkenöl getränktes Tuch oben auf. Man nimmt den Stockmeißel und trennt die oberste Zarge mit einem kleinen Hebel von der darunter liegenden Zarge  möglichst ruckfrei. Ganz ohne geht es nicht, aber eben so wenig wie möglich. Bevor die oberste Zarge abgehoben wird, etwas innehalten, damit die Bienen sich etwas vom Ruckeln beruhigen dürfen. Dann die Kiste abkippen und mit der Kante auf die untere Zarge absetzen und mit ein paar Rauchstößen die Bienen dazu bewegen, aus der Kiste nach unten zu klettern. Währenddessen sieht der Imker sich die Waben an: Sind sie verdeckelt und voll Honig? Je nachdem, wie stark die Bienen die Beute ausgebaut haben, ist die oberste Zarge auch schon im ersten Jahr voll mit Honig. Die Zarge wird nun an die Seite auf den Ständer (siehe Zubehör, dort Rost aus Latten genannt) abgestellt und mit einer Zeitung abgedeckt. Die nächste Zarge wird inspiziert und abgenommen – nach dem gleichen Verfahren. Im zweiten Jahr werden die zwei obersten Zargen sicher voll Honig sein. Diese Zarge wird nun ebenfalls von Bienen befreit – so gut wie möglich –und an die Seite gestellt. Mit Zeitung abdecken. Die untersten zwei Zargen sind beide spätestens ab dem zweiten Jahr ausgebaut. Im ersten Jahr hängt das davon ab, wie gut die Tracht war und wie früh der Schwarm eingezogen ist." [4]

Damit aber nicht genug. Der Warré-Beuten-Imker hält es für bienengerecht, die Wabenstellung innerhalb der Beute nach Belieben zu verändern. Das Flugloch wird zwar an Ort und Stelle belassen, aber das Wabenwerk einmal quer zum Flugloch (Warmbau) oder einmal längs zum Flugloch (Kaltbau) durch "Drehen der Beute" ausgerichtet. Die Ähnlichkeit mit der Drehrahmenbeute (gilt als Prototyp einer nicht bienengerechten Haltung), ist sogar noch größer als bei der sogenannten Bienenkiste [4]

"Nun folgt eine Besonderheit im Detail: Die Wabenstellung wird wie folgt vorgenommen. Es gibt eine Winter- und eine Sommerstellung der Waben. Das Flugloch zeigt immer in die gleiche Richtung, doch die Ausrichtung der Waben (Achtung, nicht der Oberträger!) werden durch einfaches Drehen der Beute gewechselt." [4]

Die Warré-Betriebsweise versteht sich oft als einfache Betriebsweise, die besonders für Anfänger und Hobbyimker geeignet wäre. Ich fürchte eher das Gegenteil ist der Fall: wie die Bienenkiste ist die Warré-Beute eine sehr kompliziert konstruierte Beute mit den bekannten Nachteilen der Magazinimkerei, das heißt das Bienenvolk wird auf ähnliche Weise gestört. Gerade Oberträgerbeuten oder Top bar hives sind weltweit bekannt dafür, daß man mit einem Minimum an Eingriffen auskommt. Top bar hives sind nicht nur einfacher konstruiert als die Warré-Beute, auch der Betreuungsaufwand ist viel geringer. Bei heutiger Betriebsweise steht bei Oberträgerbeuten / Top bar hives die wirtschaftliche Honigernte nicht im Vordergrund, sondern - soweit es sich um zertifizierte Partner-Imkereien des Zentrums für wesensgemäße Bienenhaltung handelt - eine wesensgemäße Bienenhaltung und die Erzeugung apitherapeutischer Produkte. Beides ist sowohl bei der Bienenkiste als auch bei der Warré-Beute kaum möglich.

Die Entnahme einiger Waben aus dem Randbereich bedeutet nicht, daß das Brutnest gestört wird. In Oberträgerbeuten oder Top bar hives wird gerade das Brutnest am allerwenigsten gestört. In Magazinbeuten, wie sie auch bei Demeter- oder BiolandImkern verwendet werden, der Warré-Beute, der Mellifera-Großraum-Beute oder der Bienenkiste gerät dagegen das gesamte Volk in Aufruhr, wenn der Imker auch nur einen kleinen Einblick in das Volk erhaschen will.

Ist Ihnen schon einmal ein Bienenvolk begegnet, das sich zusammen mit seinem Wabenwerk innerhalb einer Baumhöhle gedreht hätte?

Mit wesensgemäßer Bienenhaltung, "Bienen einfach und natürlich halten" oder "Einfachbeuten" hat die Warré-Beute genau so wenig zu tun wie die Bienenkiste. Auch für Anfänger ist sie nicht einfacher zu bewirtschaften als Oberträgerbeuten. Die Gewinnung apitherapeutischer Produkte wie Wabenhonig ist kaum möglich.  [4]

Also wesensgemäße Bienenhaltung nach den Kriterien des Zentrums für wesensgemäße Bienenhaltung sieht anders aus. [5]
 

Literatur zu Bienenkiste, Warré und Top bar hive

[1] Klein, E. M. 2012: Die Bienenkiste. Darmstadt.
[2] In der Drehrahmenbeute - die übrigens als Inbegriff einer nicht artgerechten Bienenhaltung angesehen werden kann - wird das Bienenvolk von Zeit zu Zeit auf den Kopf gestellt. Dieser Beutentyp ist laut Richtlinien des Zentrums für wesensgemäße Bienenhaltung nicht zugelassen; Bio-Imker dagegen dürfen diesen Beutentyp verwenden.
[3] Abbé Émile Warré:  L'Apiculture pour Tous - beekeeping for all. Translated by David Heaf 2007
[4] Berndhard Heuvel 2008: Bienenhaltung für Alle
[5] Zentrum für wesensgemäße Bienenhaltung 2016: Fernkurs Nr. 48 wesensgemäße Bienenhaltung in Top bar hives; Umstellung von der Bienenkiste auf Topbar hive. Pressemitteilung. Kurse zur Weiterbildung - sowohl für Hobby-GärtnerInnen, als auch für Bienen- und Umweltpädagogen bibt es im Zentrum für biodyamische Agrikultur
[6] Zentrum für wesensgemäße Bienenhaltung 2016: Qualität der Bienenprodukte. Presse-Mitteilung
[7] Kritische Apikulturbriefe / Api Review Letters 2012, 11, 684
[8] Kritische Apikulturbriefe / Api Review Letters 2012, 11, 701 und Dbj 2012, 20, p. 466
[9] Zentrum für wesensgemäße Bienenhaltung 2016: Alte Traditionen in Imkerei und Weinbau. Presse-Mitteilung
[10] Kritische Apikulturbriefe / Api Review Letters 2013, 12, 738 und Imhoof, M. & Liekfeld, C.-P. 2013: More Than Honey. Freiburg
[11] Kritische Apikulturbriefe / Api Review Letters 2013, 12, 737 und Db 2013, 149 (2), p. 18-19
[12] Zentrum für wesensgemäße Bienenhaltung 2009: Bienenkiste oder Top bar hive? Ist die Bienenkiste wirklich so artgerecht und wesensgemäß wie immer behauptet wird? Apicultural Review Letters 2009, 8,Nr.379
[13] Zentrum für wesensgemäße Bienenhaltung 2013: Die Bienenkiste - Bienen einfach und natürlich halten? Kritische Anmerkungen zur Bienenkiste. Apicultural Review letters 2013, 12, Nr.746
[14] Kritische Apikulturbriefe / Api Review Letters 2013, 12, 782 und S&K 7/2013, p. 62f: Da Demeter-Imker zunehmend in Journalen oder Filmen über Bienen zu Wort kommen, entwickelt man ein gewisses Zutrauen und erhofft sich neue Erkenntnisse zur artgerechten / wesensgemäßen Bienenhaltung. Verwirrend für den Anfänger ist nur, wenn Demeter-Imkervereine wie Mellifera e.V. oder De Immen e.V. von wesensgemäßer Bienenhaltung zwar reden, tatsächlich aber am Dogma der industriellen Bienenzucht festhalten. So ist auch zu erklären warum in Büchern wie "Michael Weiler / Günter Friedmann: Der Mensch und die Bienen" als "Literaturhinweis" zum Beispiel die "Neue Imkerschule" und weitere Bücher empfohlen werden, in denen Edmund Herold und Karl Weiss als Autoren auftreten oder warum manche Initiativen (Bienen machen Schule) oder Erzieherinnen (wie zum Beispiel in dem Buch: Kutsch, I. & Obermann, G. 2010: Mit Kindern im Bienengarten) zeigen möchten, wie man die Kinder an die Bienenhaltung heranführt und ihnen dann versehentlich die industrielle Bienenhaltung mit Kunstwaben etc. vorführt. Siehe auch Anmerkungen  [5][7][8][9][10]
[15] Kritische Apikulturbriefe / Api Review Letters 2014, 13, 849 und Dbj 2014, 22, p. 28: Ein Bio- oder Demeter-Imker hat also nur noch ansatzweise etwas mit wesensgemäßer Bienenhaltung zu tun; der Honigertrag steht im Vordergrund. Man rudert daher zurück und spricht lieber von "ertragreichen Ernten" und "möglichst artgerechte Haltung der Bienen." Künstliche Mittelwände aus gepanschtem Bienenwachs, Zuckerfütterung der Wirtschaftsvölker und das Köpfen der nicht reinrassigen Königinnen ist erlaubt: "Er entdeckt sie in einem Gewühl von Arbeiterinnen auf einer Wabe und beendet ihre 'Bastardproduktion', indem er sie mit dem Fingernagel enthauptet." Dennoch reden Demeterimker und der Imkerverband Mellifera e.V. gerne von "verantwortungsvoller", "bienenfreundlicher" und "ökologischer" Imkerei oder erzählen sogar: "Wir schauen zuerst ganz genau auf die Bienen, um herauszufinden, was sie brauchen, um sich wohlzufühlen". Andere Fachberater für Demeter-Bienenhaltung schwafeln: "Ich versuche, mehr über das Wesen, das sich hier in der Welt auslebt, zu lernen, seine Wesensart zu respektieren, um ihm entsprechend zu begegnen ... ohne dabei dogmatisch zu erscheinen"; ob man mit den Bienen ausgiebig wandern, künstliche Wachsplatten in das Volk hängen oder Zucker füttern solle, das könne er nicht sagen. Siehe auch Anmerkungen [10][14]
[16] Warum die Bienenkiste gerade für sogenannte Nichtdenker, also Zeitgenossen, die sich zu einem Nachdenken gleichsam auf Vorrat gar nicht gereizt fühlen, so ansprechend ist, liegt vielleicht daran, dass sie an der unheilbaren Krankheit leiden, "das Zufällige für notwendig zu halten". Nur das, was direkt vor den Augen liegt, wird sich gemerkt. Aber durch diese Gewohnheit entsteht ihnen allmählich, und ohne dass sie sich dessen eigentlich bewusst werden, die Voraussetzung, dass es nur so und nicht anders sein könne. Weitere Literatur in Kurs Nr. 549 Wirtschaftslehre. Akademie der Kunst und Philosophie
 

Weitere Literatur und Hinweise zum Thema:
Neues aus Wissenschaft, natuerlicher Bienenhaltung und Apitherapie:
Apikultur und Supplement Kritische Apikulturbriefe / Api Review Letters
Naturwissenschaft und Science Review Letters
 
 

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Letzte Bearbeitung:10.11.2016